Die BBC-Dokumentation „The Ascent of Money“ des Harvard Professors Niall Ferguson erhielt 2009 den International Emmy Award als beste Dokumentation. Nach dem Ansehen der dreistündigen deutschen Fassung „Der Aufstieg des Geldes“ erschließt sich mir nicht die Preisvergabe nicht.
Das kann daran liegen, dass die deutsche Fassung aus vier 45-minütigen Episoden besteht. Die ursprüngliche Fassung bestand aus sechs jeweils gut 50-minütigen Episoden; also gute fünf Stunden. Eine neuere, anders geschnittene Fassung besteht aus vier einstündigen Episoden. Tja, und dann gibt es noch von BBC Germany und DCTP erstellte deutsche Fassung, die auf den vier einstündigen Episoden basiert und diese um ein Viertel kürzte.
In dieser Version ist die Argumentation des Wirtschaftshistorikers Ferguson, ohne solides wirtschaftswissenschaftliches Wissen, ziemlich unverständlich und eher verwirrend als erhellend. Denn ein roter Faden ist kaum auszumachen. Ferguson springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück, quer über den gesamten Globus; weshalb er ständig und ohne erkennbaren Mehrwert vor exotischer Kulisse steht. Denn bis auf ganz wenige Ausnahme wurde auf Interviews verzichtet. Stattdessen erzählt der Historiker Anekdoten aus der Geschichte des Geldes und der Börse. Mehr der Börse. Er erzählt von den Rothschilds und wie sie Geld verdienten. Er erzählt von der US-Immobilienkrise, dem Niedergang Argentiniens durch Staatsanleihen, der ökonomischen Verbindung zwischen China und den USA (die er „Chimerica“ nennt) und dem Sinn von Versicherungen.
Aber es bleiben Anekdoten, die einerseits viel Wissen voraussetzen (Wer weiß schon, was Derivate sind? Was Anleihen sind?), andererseits dürften sie alle, die das ökonomische Wissen haben und sich etwas für Wirtschaftsgeschichte interessieren, altbekannt sein.
So verschenkt die deutsche, extrem spartanisch ausgestattete Fassung von „Der Aufstieg des Geldes“ die Möglichkeit, einem breiten Publikum unterhaltsam ökonomische Zusammenhänge zu erklären.
Der Aufstieg des Geldes (The Ascent of Money, GB 2009)
Regie: Adrian Penninck
Drehbuch: Niall Ferguson
LV (wenn man so will): Niall Ferguson: The Ascent of Money, 2008 (Der Aufstieg des Geldes)
Castle: Johanna Beckett/Todsicheres Glück (USA 2010, R.: Tom Wright [Johanna Beckett], Emile Levisetti [Todsicheres Glück])
Drehbuch: Will Beall, Shalisha Francis (beide „Johanna Beckett“), Alexi Hawley, Shalisha Francis (beide „Todsicheres Glück“)
Erfinder: Andrew W. Marlowe
Heute gibt’s endlich neue Folgen mit dem sympathisch-egozentrisch-kindsköpfigem Bestsellerautor Richard Castle, der zusammen mit seiner zwangsverpflichteten Muse, Detective Kate Beckett, die ihm das nötige Hintergrundwissen für seine Krimis liefern soll, Mordfälle in New York aufklärt.
Kabel 1 zeigt die neuen Folgen „Johanna Beckett“ und „Todsicheres Glück“ und, direkt im Anschluss ab 22.10 Uhr, die alten Folgen „Gefrorenes Blut“ und „Voodoo“ – und dann, um 00.05 Uhr, als Wiederholung wieder „Johanna Beckett“ und „Todsicheres Glück“ (um 01.00 Uhr).
Das wird ein kurzweiliger Abend. Kabel 1 will in den kommenden Wochen die letzten zwölf Folgen der dritten „Castle“-Staffel zeigen. In den USA startet demnächst die vierte Staffel der erfolgreichen Crimi-Comedy.
In Deutschland erscheint der erste Nikki-Heat-Roman „Heat Wave“ von Richard Castle im März 2012 bei Cross Cult. Für den Mai ist „Naked Heat“ angekündigt. Wie Richard Castle in Interviews zugibt, ist Nikki Heat die fiktionalisierte Version von Kate Beckett.
mit Nathan Fillion (Richard Castle), Stana Katic (Kate Beckett), Susan Sullivan (Martha Rodgers), Molly C. Quinn (Alexis Castle), Jon Huertas (Javier Esposito), Seamus Dever (Kevin Ryan), Ruben Santiago-Hudson (Captain Roy Montgomery), Tamala Jones (Lanie Parish)
Ich kann es kurz machen: Aki Kaurismäkis neuer Film „Le Havre“ ist nach den etwas enttäuschenden „Lichter der Vorstadt“ (zu knappe Dialoge, zu viel ‚going through the motions‘) wieder ein richtig guter Kaurismäki-Film, der in vielem an den „Mann ohne Vergangenheit“ erinnert.
Die in Le Havre spielende Geschichte ist einfach (ein Schuhputzer hilft einem schwarzen Flüchtlingskind – und bald hilft das ganze Viertel den beiden). Die Dialoge und die Inszenierung sind gewohnt knapp. Die Ausstattung erinnert an französische Filme aus den dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre und eigentlich fehlt nur noch, dass Jean Gabin um die Ecke schlendert.
Aber Gabin starb bereits 1976. Dafür ist der Francois-Truffaut-Darsteller Jean-Pierre Léaud als Denunziant dabei.
Und wer will, kann sich an den vielen Querverweisen und Zitaten delektieren. Aber man kann „Le Havre“ auch einfach als in einer Gegenwart, die wie die Vergangenheit aussieht, spielendes Märchen sehen. Immerhin hat Aki Kaurismäki dieses Mal, so hat er mir gegenüber in einem Gespräch betont, gleich drei Happy Ends.
Le Havre (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)
Regie: Aki Kaurismäki
Drehbuch: Aki Kaurismäki
mit André Wilms, Kati Outinen, jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo, Evelyne Didi, Quoc-Dung Nguyen, Roberto Piazza (aka Little Bob; Denn was wäre ein Kaurismäki-Film ohne Musik?), Jean-Pierre Léaud
Länge: 93 Minuten (Ein Epos! Jedenfalls für Kaurismäki.)
Lord of War – Händler des Todes (USA 2005, R.: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)
Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.
In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.
That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‘how-to’ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)
Mit Nicholas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke
Wiederholung: Freitag, 9. September, 00.35 Uhr (Taggenau! – wegen der FSK-16-Freigabe dürfte dann die Kinoversion laufen)
„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“ steht auf dem DVD-Cover und man möchte hinzufügen, dass es nach dem Krieg nicht besser wird. Denn „5 Days of War“ ist ein Spielfilm, der großzügig von Georgien gefördert wurde. Das legt, unabhängig von der historischen Wahrheit über den georgischen Fünftagekrieg im August 2008, eine bestimmte Sichtweise nahe und wenn dann nach achtzehn Minuten der Journalist Thomas Anders (Rupert Friend) und sein Kameramann Sebastian Ganz (Richard Coyle) erleben müssen, wie russische Jets eine friedliche und betont folkloristische georgische Hochzeitsfeier zerbomben, muss über die Verteilung der Sympathien kein weiteres Wort mehr verloren werden. Dagegen ist die historische Wahrheit; – nun, deutlich komplexer.
Die Bemühungen von Anders, die Bilder von dem Massaker auf der Hochzeit an einen amerikanischen TV-Sender zu verkaufen, scheitern. Zusammen mit Tatia (Emanuelle Chriqui), die in den USA studierte und seit dem Anschlag ihre Eltern vermisst, machen die beiden Reporter sich mit ihr auf die Suche nach ihrer Familie. Denn eine solche Human-Touch-Geschichte ist verkäuflich. Während ihrer Suche begegnen sie dann mehrfach den russischen Soldaten, besonders der von Colonel Demidov (Rade Serbedzija) geleiteten Einheit, und dokumentieren auch die Hinrichtung einer älteren Frau an einem Flussufer. Die Soldaten entdecken sie und wollen die Aufnahme haben. Anders und Ganz gelingt, mit der Hilfe einer georgischen Spezialeinheit, die Flucht. Aber noch sind sie nicht in Sicherheit – und gerade gegen Ende hat man den Eindruck, dass es den Russen nicht mehr um die Besetzung des Landes, sondern um die Tötung der Journalisten geht.
1986 betrat der finnische Regisseur Renny Harlin mit seinem Debütfilm „Born American“ die internationale Bühne. Der Kalte-Kriegs-Actionfilm, wie ihn Hollywood zu dieser Zeit, zwischen „Die rote Flut“ und „Invasion U. S. A.“ auch nicht anders produzierte, wurde in Finnland wegen hetzerischer Tendenzen verboten. Seitdem dreht Harlin, mit wechselndem kommerziellem Erfolg, in Hollywood Action-Filmen der Prä-Michael-Bay-Schule.
Auch „5 Days of War“ funktioniert in erster Linie als weitgehend austauschbarer Kriegsfilm mit einer sanften Liebesgeschichte. Denn in welchem Land gerade Soldaten, Söldner, Freischärler oder Rebellen Zivilisten ermorden ist für die Filmgeschichte ziemlich egal. In „5 Days of War“ sind es, wie in „Born American“, die Russen – und der georgische Präsident (Andy Garcia) präsentiert sich als eine Art Über-Ghandi.
Der Konflikt zwischen Russland und Georgien, über den wir im Film fast nichts erfahren, ist nur der Hintergrund für die eigentliche, fast schon nebenbei gezeigte Botschaft, dass in einem Krieg immer zuerst die Zivilbevölkerung leidet und dass heute die Medien (was vor allem für das Fernsehen gilt) nur noch an Entertainment interessiert sind. Gerade die Medienkritik ist so unterschwellig, dass sie zuerst kaum auffällt und einigen, wenn Anders und Ganz ihre Bilder am Filmende veröffentlichen, die Pointe entgehen könnte.
Eher schon fällt die zwiespältige Rolle von Kriegsreportern auf. Sie sind am Ort der Katastrophe, aber anstatt zu helfen, filmen sie. Und sie wollen einfach nur, mit möglichst spektakulären Bildern, dokumentieren, ohne Partei zu ergreifen. Inwiefern diese Position überhaupt machbar ist, wird in „5 Days of War“ nicht thematisiert. Denn in dem Film ist allen Kriegsreportern die Politik, verstanden als Verhandlungen zwischen Staatsoberhäuptern, herzlich egal. Ihnen geht es einfach nur um möglichst spektakuläre Bilder.
Und da ist Renny Harlin ihr bester Verbündeter. Denn die Bilder sind für eine nach Hollywood-Maßstäben kleine Produktion beeindruckend. Harlin drehte vor Ort in Georgien, teils in Gebieten, in denen die Gefechte stattgefunden hatten, und, dank der Unterstützung des Militärs, konnte er auf eine beeindruckende Menge an Hubschraubern, Panzern und Statisten zurückgreifen. Entsprechend groß sind die zahlreichen Kriegsszenen geraten und, wenn nicht die vielen schlechten CGI-Effekte wären, müssten sie sich auch nicht vor einer Big-Budget-Produktion verstecken.
„5 Days of War“ ist als Kriegsfilm mit humanistischer Botschaft, sanfter Medienkritik und Hohegesang auf die tapferen Kriegsreporter durchaus gelungen. Als Polit-Thriller ist er dagegen ein ziemliches antikommunistisches Desaster. Und insgesamt ist „5 Days of War“ einer von Renny Harlins besten Filmen. Aber was heißt das schon, bei einem Mann, der mit „Stirb langsam 2“ (guter zweiter Teil), „Cliffhanger“ (mit seinem Freund Sylvester Stallone), „Deep Blue Sea“, „Die Piratenbraut“, „Tödliche Weihnachten“ (beide mit seiner damaligen Frau Geena Davis) und „Mindhunters“ (ebenfalls mit Val Kilmer) vor allem als mehr oder wenig glückloser Zweitverwerter mit Hang zu lärmiger Action aufgefallen ist und der in den vergangenen Jahren insgesamt fünf Razzie-Nominierungen erhielt.
Die DVD
Das Bonusmaterial ist quantitativ mit knapp 45 Minuten überzeugend, qualitativ aber bis auf das gut fünfzehnminütige Interview mit Renny Harlin vernachlässigbar. Emmanuelle Chriqui und Johnathon Schaech geben eher belangloses von sich; Val Kilmer (ich schätze mal zwei bis drei Drehtage) läuft einmal kurz ins Bild. Es gibt fünfzehn Minuten unkommentierte „Behind the Scenes“ und den deutschen Trailer.
5 Days of War (5 Days of War, USA 2010)
Regie: Renny Harlin
Drehbuch: Mikko Alanne (nach einem Drehbuch von David Battle)
mit Rupert Friend, Emmanuelle Chriqui, Richard Coyle, Andy Garcia, Val Kilmer, Dean Cain, Johnathon Schaech, Heather Graham, Rade Serbedzija, Antje Traue
–
DVD
Entertainment One
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch, Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Bonusmaterial: Cast & Crew Interviews, Behind the Scenes, Trailer
Tatort: Endstation (D 1995, R.: Hagen Mueller-Stahl)
Drehbuch: Günter Lamprecht, Matti Geschonneck
Kommissar Markowitz will sich, auf Bitten eines Anwalts, mit Harald Schäfer unterhalten. Schäfer ist arbeitslos und seine Frau will sich von ihm trennen und das gemeinsame Kind mitnehmen. Als Markowitz mit ihm reden will, dreht er durch und nimmt Markowitz als Geisel.
Das führt dazu, das Markowitz fast während des gesamten Films an eine Heizung gefesselt ist und die Geschichte in einem Zimmer spielt. Trotzdem ist der letzte Markowitz-“Tatort“ ein feiner „Tatort“.
Matti Geschonneck, der die vorherigen Markowitz-“Tatorte“ inszenierte, schrieb dieses Mal nur das Drehbuch.
Tja, damals waren die Berlin-“Tatorte“ wirklich sehenswert und heute sind die acht zwischen 1991 und 1995 entstandenen, selten gezeigten Markowitz-“Tatorte“ eine Chronik Berlin in den Nachwendejahren.
„Endstation“ lief zuletzt vor acht Jahren im TV. Da lohnt sich das Aufnehmen.
mit Günter Lamprecht, Hans Nitschke,Folkert Milster, Hartmut Schreier, Horst Bollmann
Polizist Coleman jagt den Nachtclubbesitzer Simon, mit dem er befreundet ist und der Überfälle begeht. Zwischen den beiden Männern steht Simons Freund Cathy.
Nach „Der eiskalte Engel“ und „Vier im roten Kreis“ war „Der Chef“ die dritte Zusammenarbeit von Alain Delon und Jean-Pierre Melville und zum ersten Mal spielte Delon einen Polizisten. Aber weil es Melville in „Der Chef“ auch um die Austauschbarkeit von Gangstern und Polizisten ging, unterschied Delons Rolle sich kaum von seinen vorherigen Rollen als Gangster. Denn Melville räumt Coleman und Simon etwa gleich viel Leinwandzeit ein.
„Melvilles letzter Film (…) ist ein würdiger Abschluss im Werk eines seines Metiers und seiner Liebe zum Kino sicheren Ultra-Professionellen, der die düstersten und unheimlichsten, aber auch ästhetisch vollkommendsten und menschlichsten Filme schuf, die in Frankreich je gedreht worden sind.“ (Hans Gerhold: Un Flic in „Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film 27, 1982)
„‘Un Flic’ ist vermutlich der kälteste Film Melvilles, und Alain Delon gelingt als Chef-Fahnder Edouard Coleman der Pariser Kriminalpolizei eine brillante Charakterstudie über die Einsamkeit und Isolation des professionellen Menschenjägers.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michel Conrad
Die Millionen eines Gehetzten (F/I 1962, R.: Jean-Pierre Melville)
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
LV: Georges Simenon: L’aîné des Ferchaux, 1945 (Der ältere Bruder)
Der labile Boxer Michel Maudet wird der Sekretär des siebzigjährigen Multimillionärs Dieudonné Ferchaux, der sich wegen einer alten Affäre nach New York absetzen will. Als sie dort ankommen, erfahren sie, dass die Affäre aufgeflogen und Ferchaux nach Frankreich ausgeliefert werden soll. Gemeinsam flüchten sie nach Louisiana – und dort verändert sich die Beziehung zwischen den beiden Männern.
Selten gezeigter und daher fast unbekannter Melville-Klassiker.
„‚L’aîné des Ferchaux‘ ist Melvilles Haltepunkt, eine behutsame Kontemplation über sein Handwerk und eine sentimental journey durch die USA in dem Sinne, dass er keinen Reisebericht von Sehenswürdigkeiten und journalistischen Verallgemeinerungen über eine Nation dreht, sondern die Reise seiner Protagonisten zu einer filmisch höchst persönlichen Version und Vision Amerikas gestaltet. (…)
Die Reise ohne Ziel erlaubt weitgehende Freiheit von vorgegebenen Erzählstrukturen, Digressionen von der Handlungslinie.“ (Hans Gerhold in Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film Band 27, 1981)
mit Jean-Paul Belmondo, Charles Vanel, Michèle Mercier, Stefania Sandrelli, Malvina Silberberg, Todd Martin
21 Gramm (USA 2003, R.: Alejandro González Iñárritu)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein Autounfall verbindet drei verschiedene Geschichten.
Wie bereits in ihrem Debüt „Amores Perros – Was ist Liebe?“ verbinden Iñárritu und Arriaga mehrere kleine Geschichten miteinander und erzählen sie nicht chronologisch. Weil man die meiste Zeit mit dem Zusammensetzen der mit hektischer Handkamera gefilmten Geschichten beschäftigt ist, fällt nicht auf, dass sie doch sehr banal sind.
„Und doch bleibt am Ende nur der Eindruck einer virtuosen Stilübung, weil die kolportagehafte Story zu dünn ist für ihre inszenatorische Aufquirlung.“ (Rainer Gansera, SZ, 6. September 2003)
Mit Sean Penn, Naomi Watts, Danny Huston, Benicio Del Toro, Charlotte Gainsbourg
Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua)
Drehbuch: Michael C. Martin
Hochkarätig besetzter Ensemblefilm über drei Polizisten, die versuchen in Brooklyn ihren Weg zu gehen: der eine wartet nur noch auf seine Pensionierung, der andere will einen Undercover-Einsatz beenden und muss dafür einen Freund verraten, der dritte will Geld für seine Familie besorgen und geht dafür über Leichen.
Die Geschichten mögen etwas zu sehr die bekannten Cop-Film-Klischees bedienen, aber insgesamt ist „Brooklyn’s Finest“ ein sehenswerter, vor Ort gedrehter Cop-Film und damit auch eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft.
mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Will Patton, Lili Taylor, Ellen Barkin, Brían F. O’Byrne, Michael K. Williams, Lili Taylor
Tatort: Wer zweimal stirbt (D 1991, R.: Ilse Hofmann)
Drehbuch: Thomas Wesskamp, Stefan Cantz
In ihrem zweiten Einsatz müssen die Kommissare Batic und Leitmayr sich mit einem Unternehmer herumschlagen, den sie für den Boss eines Drogenrings halten. Nachdem ihr Kronzeuge erschossen wird, nimmt der Zwillingsbruder des Ermordeten (Heiner Lauterbach in einer Doppelrolle) dessen Platz ein.
Nostalgia rules!
mit Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl, Heiner Lauterbach, Cathrin Vaessen, Holger Mahlich, Saskia Vester, Diego Wallraff
Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) sind drei Freunde – und sie haben, vor allem nachdem der supernette Chef von Kurt bei einem Autounfall stirbt (Donald Sutherland in einem viel zu kurzem Auftritt), alle furchtbare Chefs. Kurts neuer Chef (Colin Farrell) ist ein debiler Volltrottel, der den Betrieb nur möglichst schnell herunterwirtschaften will (Warum er ihn nicht gewinnbringend verkauft oder einen Geschäftsführer einstellt, weiß nur die Drehbuchgöttin.). Dr. Julia Harris (Jennifer Aniston) ist eine notgeile Zahnärztin, die nur ihren Assistenten Dale vor dessen Hochzeit flachlegen will (Warum -, ach fragen Sie die Drehbuchgöttin.). Und Nick hat einen macht- und kontrollbesessenen Chef, der es genießt, seine Untergebenen, vor allem natürlich Nick, der für den Aufstieg ins Management alles gibt, zu quälen. Kevin Spacey läuft hier mal wieder zu großer Form auf.
Sowieso scheinen alle Schauspieler, wie schon bei den grottigen Elmore-Leonard-‚Verfilmungen‘ „Be Cool“ und „The Big Bounce“, bei den Dreharbeiten ihren Spaß gehabt zu haben.
Aber es hilft nichts. Denn die drei Freunde, die in einer Bierlaune zu der Einsicht kommen, dass ihr Leben ohne ihre Chefs besser sei und sie der Menschheit einen Gefallen täten, wenn sie sie umbrächten, sind dann doch einfach zu blöde. Und es macht einfach nur begrenzt Spaß, einem Trio von Volldeppen zuzusehen.
Dass dann ihre Mordpläne einerseits voll in die Hose gehen (und damit auch ungefähr große Teile des Humors in „Kill the Boss“ treffen), andererseits am Ende ihre Wünsche doch in Erfüllung gehen, überrascht wirklich nur Menschen, die noch nie eine Komödie gesehen haben. Dagegen überrascht schon eher, wie harmlos die Komödie ist. Denn natürlich hätten die Filmemacher eine richtig gemeine Schwarze Komödie oder eine wüste Satire auf den derzeitigen Kapitalismus machen können.
Aber die Macher beschränken sich auf’s blödeln. In den USA gab’s dann auch prompt ein R-Rating; was dazu führt, dass in den USA unter 17-jährige den Film nur in Begleitung eines Erwachsenen sehen dürfen. Sie können dann sehen, wie Jennifer Aniston, nackt bis auf ihren Arztkittel, der ihren Busen immer züchtig bedeckt, ihren Angestellten bedrängt. Sie können dann hören, wie öfters das schlimme F-Wort ausgesprochen wird. Besonders wenn die drei Möchtegern-Mörder sich von ihrem Killer aus dem Ghetto (Jamie Foxx) beraten lassen. Der möchte nämlich gerne mit seinem Vornamen „Motherfucker“ angesprochen werden.
Wenn Sie das witzig finden, werden Sie „Kill the Boss“ wahrscheinlich für die Komödie des Jahres halten.
Und, vielleicht weil Regisseur Seth Gordon und die Autoren Michael Markowitz, John Francis Daley und Jonathan Goldstein vom Fernsehen kommen, wirkt nicht nur die gesamte Ästhetik wie eine TV-Komödie. Es gibt lange, nachts spielende Szenen, in denen unsere drei Helden im Auto sitzen und reden und reden und reden. Das kann kostengünstig in einer Garage oder auf dem Studio-Hinterhof gedreht werden. Aber Kino lebt von Bildern und nicht von Dialogen. Auch die Story taugt höchstens für eine TV-Folge.
„Kill the Boss“ ist, obwohl ich während des Films öfters lachte, ein Zeugnis der vertanenen Möglichkeiten. Nicks Chef hätte wahrscheinlich noch nicht einmal „er hat sich bemüht“ ins Zeugnis geschrieben.
Kill the Boss (Horrible Bosses, USA 2011)
Regie: Seth Gordon
Drehbuch: Michael Markowitz, John Francis Daley, Jonathan Goldstein
mit Jason Bateman, Charlie Day, Jason Sudeikis, Jennifer Aniston, Colin Farrell, Kevin Spacey, Donald Sutherland, Jamie Foxx
Länge: 98 Minuten
FSK: ? (aber ich habe „ab 16 Jahre“ und „ohne Altersbeschränkung“ gefunden)
Neben der positiven Darstellung von Kokain, der Verharmlosung von kriminellen Verhaltensweisen und einer rassistischen Andeutung ist vor allem die im Film verwendete Sprache der Grund für eine Altersbeschränkung. Dales sexbesessene Chefin lässt kein anzügliches Wort aus, und auch die anderen finden eine Vielzahl von Umschreibungen für den Genitalbereich oder fluchen aufs heftigste. Dies alles mag zur starken Überzeichnung der Handlung der Komödie ein sinnvolles Stilmittel sein, aus Sicht des Jugendschutzes empfiehlt die Kommission aber eine Freigabe ab 14 Jahren.
Auf thematischer und bildlicher Ebene enthält die überdrehte Komödie keine Elemente, die Jugendliche ab 16 Jahren emotional beeinträchtigen könnte. Die Mordpläne sind eindeutig als humoristische, nicht auf die Realität zu übertragende Grundidee gekennzeichnet. Eine moralische Desorientierung kann hier ausgeschlossen werden. Auch die stark sexualisierte, stellenweise diffamierende und frauenfeindliche Sprache ist in diesem Kontext für ab 16-Jährige als persiflierendes Stilmittel erkennbar. Für Jugendliche hat dieser Sprachgebrauch keine Vorbildfunktion, da sie sich zu den agierenden Protagonisten distanzierend verhalten können.
Zeichentrickfilmklassiker über einen sex- und drogensüchtigen Kater im New York der sechziger Jahre.
Das ist nichts für kleine Kinder. In den USA war „Fritz the Cat“ der erste Trickfilm, der ein X-Rating erhielt. Der Film war trotzdem ein Kassenerfolg.
Vorname Carmen (Frankreich/Schweiz 1983, R.: Jean-Luc Godard)
Drehbuch: Anne-Marie Miéville
Im Rahmen des bereits um 20.15 Uhr beginnenden „Carmen“-Themenabends wird auch, endlich wieder, Jean-Luc Godards sehr zugängliche (verglichen mit seinen anderen Spätwerken) Interpretation der Geschichte von Carmen gezeigt. Godard verlegte die Geschichte in die Gegenwart und er spielte in dem Film auch die Rolle des Regisseurs und Onkels von Carmen, der nie um einen bissigen Kommentar verlegen ist.
mit Maruschka Detmers, Jacques Bonnaffé, Myriem Roussel, Hippolite Girardot, Jean-Luc Godard
My Blueberry Nights (China/USA 2007, R.: Wong Kar-wai)
Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)
Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.
Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.
Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman
Dreileben: Etwas Besseres als den Tod (D 2011, R.: Christian Petzold)
Drehbuch: Christian Petzold
Wiederholung: Mittwoch, 31. August, Eins Festival, 20.15 Uhr
–
ADR, 21.45
Dreileben: Komm mir nicht nach (D 2011, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Markus Busch, Dominik Graf
Wiederholung: Donnerstag, 1. September, Eins Festival, 20.15 Uhr
–
ARD, 23.30
Dreileben: Eine Minute Dunkel (D 2011, R.: Christoph Hochhäusler)
Drehbuch: Christoph Hochhäusler
Wiederholung: Freitag, 2. September, Eins Festival, 20.15 Uhr und 23.30 Uhr
Dominik Graf (59), Christian Petzold (50) und Christoph Hochhäusler (39) stritten sich über ihre filmischen Vorstellung und beschlossen, einfach anhand dreier eigener Filme, die sich aufeinander beziehen sollten, ihre verschiedenen Sichtweisen zu demonstrieren. Das klingt jetzt so richtig verkopft. Dabei dürfte es für uns Zuschauer ein richtiges Vergnügen sein. Denn nachdem die drei Regisseure die Prämisse formuliert hatten (ein Frauenmörder soll nach Dreileben, einem Ort im Thüringer Wald, geflüchtet sein), drehte jeder seinen eigenen Film, der mal mehr, mal weniger ein Krimi ist.
Das Fernsehen nennt diese konzentrierte Ausstrahlung von drei Neunzigminütern an einem Abend sicher „Ereignis“ und das ist es auch. Aber gleichzeitig werden die Filme etwas lieblos an einem Montagabend im Sommer weggesendet. Denn eigentlich hätte man doch mal den sonntäglichen „Tatort“ für etwas anderes ausfallen lassen können.
The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (USA 2008, R.: Darren Aronofsky)
Drehbuch: Robert Siegel
Das ist deutsche TV-Kultur: Platz 173 in der Top-250-Liste der IMDB, über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere nominiert, Kritikerliebling, über 127.000 Kinobesucher in Deutschland (gut, gegen den „Avatar“ ist das nichts, aber auch in Tom Tykwers „The International“ gingen keine 700.000 Leute und der Film wurde kürzlich, gekürzt, an einem Sonntag von Pro 7 um 20.15 Uhr ausgestrahlt) und die gloriose Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler (er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert) – und dann hatte der Film, weil „Die beliebtesten Komiker der Deutschen“ wichtiger waren, an einem Wochentag zu später Stunde seine TV-Premiere.
Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‘The Ram’ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.
Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.
Als nächsten Film drehte Aronofsky den Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildiche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.
mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood
Wiederholungen
HR, Montag, 5. September, 23.30 Uhr (anschließend, ebenfalls mit Mickey Rourke, „24 Stunden in seiner Gewalt“)
„High Life“ beginnt tagsüber mitten in der Stadt mit einem Schusswechsel bei einem vor einer Bank stehendem Geldtransporter. Dann kommt in einem Auto ein unrasierter Mann mit Strickmütze und Revolver ins Bild. Es friert ein und jemand sagt „Solang ich denken kann, wollt ich schon immer Anwalt werden.“
Schon jetzt ist klar, dass der Typ dieses Ziel wohl nicht erreichen wird. Er nennt sich Dick (Timothy Olyphant) und sein gerade aus dem Knast entlassener Kumpel Bug (Stephen Eric McIntyre) bringt ihn auch gleich wieder auf die schiefe Bahn. Bug ist ein ziemlich durchgeknallter Psychopath, der keine zehn Sekunden vorausplant, seine Probleme vor allem mit Gewalt löst, dabei über Leichen geht und immer den anderen die Verantwortung zuschiebt. So meint er: „Nur weil du jemand schlägst und der stirbt, dann heißt das noch in keinem Fall ‚du hast ihn umgebracht‘.“
Bug will auch gleich mit einem Überfall etwas Kleingeld verdienen. Aber Dick hat die Idee für einen großen Coup: sie wollen, – wir schreiben 1983 und Geldautomaten waren damals gerade brandneu -, einen Geldautomat ausrauben. Dabei sollen ihnen Dicks hypochondrischer Bruder Donnie (Joe Anderson) und der junge Schönling Billy (Rossif Sutherland), den Dick auf einem Treffen von Drogensüchtigen aufgegabelt hat, helfen. Denn, so Dick: „Er war echt schon im großen Stil dabei. – Er war eben noch nicht sehr erfolgreich. Naja, was Gefängnisse angeht.“
Der nur in ihren drogenumnebelten Hirnen genial geplante und durchdachte Coup geht dann doch nicht so glatt über die Bühne, wie die vier Drogensüchtigen es sich gedacht haben, und Bug improvisiert.
„High Life“ ist eine schwarze, auf einem Theaterstück basierende Gangsterkomödie, die vor allem von den guten Dialogen, den Schauspielern (Hab ich schon gesagt, dass Olyphant mir dieses Mal richtig gut gefallen hat?) und dem pointiertem Schnitt lebt.
Timothy Olyphant überzeugt hier nach „Stirb langsam IV“ und „Hitman“ als Verbrecher. In den USA wird er gerade für seine Rolle als U. S. Marshals Raylan Givens, einem von Elmore Leonard erfundenem Charakter, den er in der TV-Serie „Justified“ spielt, von Krimifans und Kritikern abgefeiert. „Justified“ soll auch demnächst im deutschen TV laufen.
Stephen Eric McIntyre trat unter anderem in Scott Franks „Die Regeln der Gewalt“ (The Lookout) auf. Scott Frank schrieb auch, weil wir gerade bei Elmore Leonard sind, die Drehbücher für die grandiosen Leonard-Verfilmungen „Out of Sight“ und „Schnappt Shorty“ (Get Shorty).
Joe Anderson (Control, Across the Universe, The Ruins, The Crazies) und Rossif Sutherland (wir ahnen es bei dem Nachnamen, ist ein Sohn von Donald Sutherland und damit ein Halbbruder von Kiefer Sutherland) komplettieren das Verbrecherquartett und an ihrem Spiel ist nichts auszusetzen.
Außerdem ist der Film mit knapp siebzig Minuten (mit dem Abspann werden es dann 75 Minuten) so kurz, dass er vorbei ist, ehe es langweilig werden kann.
„High Life“ ist somit definitiv ein Film, den sich Genrejunkies ansehen können, der auch 2009 auf der Berlinale im „Panorama“ lief und ganz gut ankam.
Und, nachdem ich jetzt schon Elmore Leonard so oft erwähnt habe: ja, ein kräftiger Touch Elmore Leonard findet sich auch in „High Life“.
Das Bonusmaterial ist mit einem zehnminütigem „Making of“, zwei geschnittenen Szene und dem deutschen Trailer arg überschaubar. Immerhin ergeht sich das „Making of“ nicht nur in der üblichen Lobhuddelei, sondern es gibt auch einige interessante Informationen zu den Veränderungen des nur an zwei Orten spielenden Theaterstücks zum an mehreren Orten spielenden Film, den Vorbereitungen der Schauspieler und dem optischem Konzept.
High Life – Vier Gangster und ein todsicheres Ding (High Life, Kanada 2008)
Regie: Gary Yates
Drehbuch: Lee MacDougall (nach seinem Theaterstück)
mit Timothy Olyphant, Stephen Eric McIntyre, Joe Anderson, Rossif Sutherland, Brittany Scobie, Mark McKinney
–
DVD
Koch Media
Bild: 1.78:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch(Dolby Digital 5.1, DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen, Deutscher Trailer
Boxcar Bertha – Die Faust der Rebellen (USA 1972, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Joyce H. Corrington, John William Corrington
LV: Boxcar Bertha Thompson (aufgeschrieben von Ben L. Reitman): Sister of the Road
USA in den frühen Dreißigern: die Landstreicherin Bertha und ihr Freund, der Gewerkschaftler Bill, schlagen sich durch das amerikanische Hinterland. Dabei werden sie, eher durch Zufall, zu Zugräubern und Volkshelden. Die Eisenbahngesellschaft ist davon nicht begeistert.
Das könnte heute die TV-Premiere von Martin Scorseses Frühwerk sein. Und wenn nicht, dann lief „Die Faust der Rebellen“ schon seit über zehn Jahren nicht mehr im TV.
„Boxcar Bertha“ wurde von Roger Corman produziert und er ließ Scorsese auch, solange er genug Sex und Gewalt in dieser Bonnie-und-Clyde-Variante unterbrachte, freie Hand. Das Endergebnis ist, obwohl einige Szenen (wozu vor allem das inzwischen legendäre Ende mit dem gekreuzigten Bill an einem Zugwaggon gehört) sehr gelungen sind und schon einiges von Scorseses Talent verraten, enttäuschend.
„Was auch immer an soziologischen, politischen oder dramaturgischen Ambitionen möglicherweise in der Story gelegen hat, wurde rücksichtslos aus der Handlung entfernt, so dass keine der Figuren Interesse oder Sympathie erweckt. Kaum einmal wird versucht, das Gemetzel zu rechtfertigen.“ (Variety)
Als Scorseses Freund und Kollege John Cassavetes den Rohschnitt des Films sah, forderte er ihn auf, nicht noch einen belanglosen Film, sondern einen Film, der ihm wirklich wichtig sei, zu drehen. Scorsese beherzigte den Rat und drehte „Hexenkessel“. Der Rest ist Geschichte.
Mit Barbara Hershey, David Carradine, John Carradine, Barry Primus, Bernie Casey, Victor Argo, David R. Osterhout, Harry Northup