Thomas Crown ist nicht zu fassen (USA 1968, R.: Norman Jewison)
Drehbuch: Alan R. Trustman
Versicherungsagentin Vicky Anderson glaubt, dass der vermögende und seriöse Geschäftsmann Thomas Crown ein Bankräuber ist. Zwischen beiden entspinnt sich ein erotisch aufgeladenes Katz-und-Maus-Spiel.
Ein Kassenhit und mindestens ein Semi-Klassiker.
„Just the movie to see if you want to see an ordinary, not wonderful, but highly enjoyable movie—of which there have been so few this year.“ (New York Times, 27. Juni 1968)
„‘The Thomas Crown Affair’ ist vornehmlich eine private Fingerübung von Jewison, Michel Legrand (zu dessen Musik der Film geschnitten wurde) und seinem Cutter, bei der die Schauspieler nicht so sehr als wahre Persönlichkeiten mit ihren eigenen Spannungsfeldern auftreten, sondern hauptsächlich als sprechende Köpfe.“ (Derek Elley, Focus on Film, März 1981)
„Beim Publikum der späten sechziger Jahre kam diese etwas klebrige Mischung, deren Unterhaltungswert sich zugestandenermaßen auch aus heutiger Sicht kaum wegnörgeln lässt, außerordentlich gut an, und Jewisons Kunstgewerbe wurde von manchen Kritikern gar als große Filmkunst bezeichnet.“ (Robert J. Kirberg: Steve McQueen, 1985)
mit Steve McQueen, Faye Dunaway, Paul Burke, Jack Weston, Yaphet Kotto
Hinweise
Wikipedia über „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (deutsch, englisch)
The Sentinel – Wem kannst du trauen? (USA 2006, R.: Clark Johnson)
Drehbuch: George Nolfi
LV: Gerald Petievich: The Sentinel, 2003
Aus den Reihen des Secret Service soll ein Attentat auf den Präsidenten geplant werden. Die Ermittlungen führen David Breckinridge zu seinem ehemaligem Freund Pete Garrison. Doch bevor er ihn verhaften kann, flüchtet Garrison. Garrison will auf eigene Faust den Verräter finden; falls er nicht vorher von Breckinridge erwischt wird.
Unterschätzter Thriller
Mit Michael Douglas, Kiefer Sutherland, Eva Longoria, Kim Basinger, Martin Donovan, David Rasche, Gloria Reuben, Clark Johnson
Wiederholung: Freitag, 13. Mai, 02.00 Uhr (Taggenau!)
Ist es wirklich schon so lange her? Am 11. Mai 1931 hatte der Thriller „M – Mörder unter uns“ von Fritz Lang (Drehbuch: Thea von Harbou und Fritz Lang) in Berlin seine Premiere.
In dem Klassiker wird in Berlin ein Kindermörder von der Polizei und den Verbrechern gejagt.
Und wenn Sie den Film immer noch nicht gesehen, haben, müssen Sie diese Bildungslücke jetzt sofort schließen:
Jon Muths Comic „M“ ist ebenfalls sehr gut und Universum Film veröffentlicht am 20. Mai eine neue Ausgabe des Films mit umfangreichem Bonusmaterial.
Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.
Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!
In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.
„Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‚Fight Club‘ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)
Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‚Sieben‘) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)
Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire
LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)
Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.
Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman
Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”
Zwischen heute und morgen (D 2008, R.: Fred Breinersdorfer)
Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Dagmar Leupold
LV: Dagmar Leupold: Eden Plaza, 2002
Ein Architekt rettet einer Werbetexterin das Leben. Sie verabreden sich zu einer Nacht im Hotel. Wie wird diese Nacht ihr Leben verändern?
Das Spielfilmdebüt des Krimiautors ist kein Krimi, sondern ein Beziehungsdrama mit Erotik-Touch.
“eine französisch angehauchte amour fou als leises, entspanntes Kammerspiel – jenseits von Paragraphen und der gesellschaftspolitischen Relevanz” (Rainer Tittelbach)
Das Publikum war bei der Premiere in Berlin von dem Film (vor allem wohl den Dialogen) enttäuscht.
Mit Gesine Cukrowski, Peter Lohmeyer, Alexander Held, Harry Baer, Alexander Held
Wiederholung: Mittwoch, 25. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)
Neuer Sender, neues Programm (also genaugenommen der ZDFtheaterkanal mit neuem Namen und jugendlicherem Programm; wobei, wie wir gleich sehen werden, nicht nur Rock’n’Roll)
ZDFkultur, 00.00
Das Ding aus einer anderen Welt (USA 1951, R.: Christian Nyby, Howard Hawks)
Drehbuch: Charles Lederer
LV: John W. Campbell jr.: Who goes there?, 1938 (Wer da?, Das Ding aus einer anderen Welt; Novelle, Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Don A. Stuart)
Anscheinend lief dieser SF-Klassiker (denn ich als Teenager wahnsinnig spannend fand) seit über zehn Jahren nicht mehr im TV.
Die Story: In der Arktis entdecken einige Wissenschaftler ein „Ding“, das, nachdem sie es in ihre Forschungsstation gebracht und aufgetaut haben, beginnt sie zu dezimieren. Die Forscher und einige Militärs versuchen das scheinbar unbesiegbare Wesen aus dem Weltall zu töten.
Die Kritik zu diesem Kassenknüller: „wunderbare Film (…) einem der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten“ (Phil Hardy: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie, 1998)
1982 drehte John Carpenter ein Remake, das damals an der Kasse und bei der Kritik furchtbar floppte, aber inzwischen einen guten Ruf hat.
Campbells Geschichte wurde 1965 von den „Science Fiction Writers of America“ zum besten vor 1965 erschienenem Kurzroman gewählt.
Die erfreuliche Meldung für den SF-Fan: Nächsten Samstag läuft bereits um 22.40 Uhr die ebenfalls seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigte „Invasion vom Mars“ (USA 1953, R.: William Cameron Menzies).
mit Kenneth Tobey, Margaret Sheridan, Robert Cornthwaite, Douglas Spencer, James Young, James Arness
Hinweise
Wikipedia über „Das Ding aus einer anderen Welt“ (deutsch, englisch)
Tödliche Versprechen – Eastern Promises (GB/USA/Can 2007, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: Steven Knight
Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.
Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.
Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).
„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.
Im Moment arbeiten Steven Knight, David Cronenberg und Viggo Mortensen an einer Fortsetzung von „Eastern Promises“.
mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel
Mean Streets – Hexenkessel (USA 1973, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Martin Scorsese, Mardik Martin
New York, Lower East Side: Charlie versucht sich um seinen leicht durchgeknallten Kumpel Johnny Boy zu kümmern. Denn dieser verärgert mit seinen Eskapaden auch die Mafia.
Grandioses Frühwerk von Martin Scorsese und der Start von mehreren großen Karrieren.
„Mean Streets besteht vor allem aus einem Mosaik von Momentaufnahmen und Anekdoten; an Stelle einer kontinuierlichen Entwicklung herrscht die Kontinuität des Stillstands. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum Mean Streets so irritierend authentisch wirkt.“ (Hans Günther Pflaum in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Martin Scorsese – Hanser Reihe Film 37, 1986)
Die größte Ironie bei dem Film ist, dass „Mean Streets“ untrennbar mit New York verbunden ist, obwohl, wegen des Geldes, die meisten Szenen nicht an Originalschauplätzen sondern in Los Angeles gedreht wurden
Mit Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Robert Carradine, David Carradine, Martin Scorsese (als Shorty, der Killer im Auto)
Der Mann aus London (Ungarn/Frankreich/Deutschland 2007, R.: Béla Tarr, Ágnes Hranitzky [Co-Regie])
Drehbuch: László Krasznahorkai, László Krasznahorkai
LV: Georges Simenon: L’Homme de Londres, 1934 (Der Mann aus London)
Maloin beobachtet im Hafen einen tödlich endenden Streit. Als er bei der Leiche einen Koffer mit Geld findet, ändert sich sein Leben.
Atmosphärische Noir-SW-Simenon-Verfilmung, die mit 140 Minuten Laufzeit fast mehr Zeit als die Lektüre des Buches beansprucht und kein Film für die breite Masse ist.
In Berlin lief der Film in der ersten Woche in zwei Kinos als OmU mit jeweils einer Vorstellung.
Mr. Ripley und die Kunst des Tötens (D/GB 2005, R.: Roger Spottiswoode)
Drehbuch: William Blake Herron, Donald E. Westlake
LV: Patricia Highsmith: Ripley Under Ground, 1970 (Ripley Under Ground)
Der Maler Derwatt ist kurz vor seinem Durchbruch. Da stirbt er bei einem nächtlichen Autounfall. Seine Freunde, wozu Tom Ripley, Derwatts Freundin und der hochverschuldete Galeriebesitzer gehören, beschließen, den Tod von Derwatt einige Tage zu verschweigen und die Derwatt-Bilder gewinnbringend zu verkaufen. Als ein amerikanischer Derwatt-Fan ihnen einen beträchtlichen Scheck für ein neues Derwatt-Bild überreicht, beschließen sie, einige neue Derwatt-Bilder herzustellen. Doch dann will der Derwatt-Fan sich von dem Künstler die Echtheit des Gemäldes bestätigen lassen, den Derwatt-Fälscher packt das schlechte Gewissen und Tom Ripley, der nicht auf seinen gehobenen Lebensstil verzichten will, wird handgreiflich.
Herrlich gemeine, schwarzhumorige Komödie bei der alle (naja, vielleicht bis auf den Derwatt-Fälscher) von einer gehörigen Portion krimineller Energie angetrieben werden und die bürgerlichen Moralvorstellungen durchaus flexibel handhaben. Da erscheint Tom Ripley, für den Skrupel ein Fremdwort sind, fast schon als das anständigste Mitglied im Derwatt-Freundeskreis. Dafür dürfte Drehbuchautor Donald Westlake verantwortlich sein.
“RIPLEY UNDER GROUND is a lighthearted black comedy, cloaked in the guise of a murder mystery. (…)RIPLEY UNDER GROUND is well-made, enjoyable fluff, and has enough pleasant twists to make it worth seeking out.” (Peter Martin, twitchfilm.net)
Mit Barry Pepper, Jacinda Barrett, Tom Wilkinson, Willem Dafoe, Alan Cumming, Claire Forlani
Auch bekannt als “Ripley Under Ground” (DVD-Titel)
Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.
Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.
„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.
mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin
Die Story ist einfach und altbekannt: ein Polizist jagt einen ihm geistesverwandten Dieb.
Der Film ist sogar ein Remake. Michael Mann nahm einfach sein altes Drehbuch für „Showdown in L. A.“ (L. A. Takedown, 1989) und machte aus einem anderthalbstündigem TV-Piloten einen dreistündigen Kinofilm. Dank des größeren Budgets und guter Schauspieler (eine aus heutiger Sicht sehr beeindruckende Liste von Mann-Vertrauten, Stars und damals noch unbekannteren Namen) entstand ein Klassiker.
Berater bei dem Film waren Chuck Adamson (vor seinem Tod: Polizist und Autor für „Miami Vice“ und „Crime Story“), Dennis Farina (heute: Ex-Polizist und Schauspieler) und Andy McNab (heute: Ex-SAS und Schriftsteller).
mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Diane Venora, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan, Danny Trejo, Henry Rollins, Jeremy Piven, Xander Berkeley, Marty Ferrero, Rick Avery, Bud Curt (ungenannt, als Restaurantmanager Solenko)
Wiederholung: Montag, 2. Mai, 01.45 Uhr (Taggenau!)
Nach „Wetten, daß…?“ und „das aktuelle sportstudio“ (die beide, wie immer, überziehen werden) richtet sich der Film primär an Menschen, die Ed Okins Problem teilen: Schlaflosigkeit.
Genau: Ed Okin kann einfach nicht einschlafen. Also fährt er ins Flughafenparkhaus, eine Frau springt zuerst auf seine Motorhaube, dann auf seinen Beifahrersitz und fordert ihn auf, möglichst schnell abzuhauen. Denn sie wird von einigen Killern verfolgt. Ed gibt Gas und erlebt eine aufregende Nacht.
Grandiose Komödie mit einer gehörigen Portion Slapstick, viel Schwarzer Serie und einem beeindruckendem Aufgebot von Stars, die niemand kennt, weil sie als Kollegen von „Blues Brothers“-Regisseur John Landis hauptsächlich hinter der Kamera stehen (und standen).
„Landis (…) ist wieder ein amüsantes Vexierspiel aus ironisch montierten Versatzstücken unterschiedlicher Genres gelungen, das häufig augenzwinkernd mit Zitaten spielt.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Eine sträflich unterschätzte, selten gezeigte Filmperle
Mit Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, Stacey Pickren, David Bowie, Dan Aykroyd, David Cronenberg, John Landis, Waldo Salt, Bruce McGill, Rick Baker, Colin Higgins, Daniel Petrie, Paul Mazursky, Jonathan Lynn, Paul Bartel, Carl Perkins, Don Siegel, Jim Henson, Jack Arnold, Amy Heckerling, Roger Vadim, Lawrence Kasdan, Richard Farnsworth, Vera Miles, Irene Papas, Clu Gulager, Jonathan Demme, Carl Gottlieb
Fletch – Der Troublemaker (USA 1985, R.: Michael Ritchie)
Drehbuch: Andrew Bergman
LV: Gregory Mcdonald: Fletch, 1974 (Fletch)
Journalist Fletch recherchiert undercover im Penner-Milieu. Da erhält er von einem reichen Pinkel den Auftrag, ihn umzubringen. Fletch wittert, neben viel Geld, eine gute Story.
Der kurzweilige Roman erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis und sollte unbedingt gelesen werden. Der Film ist dagegen, trotz Edgar-Nominierung, eine schwache Angelegenheit.
Alle Fletch-Romane sind bei Vintage Crime/Black Lizard im Original erhältlich. Die deutschen Übersetzungen gibt’s im Antiquariat ihres Vertrauens.
Mit Chevy Chase, Joe Don Baker, M. Emmet Walsh, Geena Davis (in einer Nebenrolle)
TATORT: Dreimal schwarzer Kater (D 2003, R.: Buddy Giovinazzo)
Drehbuch: Stephan Cantz, Jan Hinter
In einem Heim stirbt die gelähmte Lisa. Kommisar Thiel und Pathologe Boerne beginnen zu ermitteln.
Nach zwei äußert unterhaltsamen Fällen inszenierte Buddy Giovinazzo den dritten Fall: New York in Münster? Das nicht, aber gewohnt respektlos und witzig.
Mit Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Oliver Bokern, Claus D. Clausnitzer
Wegen des ausgefeilten Plots, den differenzierten Charakterzeichnungen, dem feinen Witz und den grandiosen Schauspielerleistungen wird niemand in einen Film der „The Fast & The Furious“-Reihe gehen.
Im inzwischen fünften Teil, der im Original nur noch knapp „Fast Five“ heißt, bei uns immerhin „Fast & Furious Five“, wird am bewährten Rezept von schnellen Autos, heißen Frauen und viel Action nichts geändert. Nur an der Laufzeit wurde geschraubt. Mit 130 Minuten hat der fünfte Teil zwar den kürzesten Titel, aber die längste Laufzeit. Denn es gibt auch einiges zu erzählen. Stunttechnisch. Die Geschichte passt dagegen auf eine, zugegeben größere, Zylinderkerze als bei den vorherigen Filmen:
Dominic Toretto (Vin Diesel) und Brian O’Conner (Paul Walker) sind auf der Flucht in Rio de Janeiro gelandet. Während eines Autodiebstahls aus einem Zug geht einiges schief (Yeah, Baby, Action) und sie fragen sich, warum der örtliche Gangsterboss unbedingt ein bestimmtes Auto wollte. Sie finden in dem Flitzer das elektronische Fahrtenbuch und wissen so, wo der Drogenlord sein Drogengeld zwischenlagert. Sie wollen es (immerhin über hundert Millionen Dollar oder ein echt großer Haufen Kohle) klauen, holen ihre alten Kumpels (bekannt aus den vorherigen „Fast & Furious“-Filmen) und sorgen mit dem Überfall auf eines der Geldverstecke dafür, dass der Gangster das gesamte Geld an einem Ort versteckt. Dummerweise ist es jetzt in einem High-End-Safe im örtlichen Polizeirevier. Das hält die Jungs (und Mädels) nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen.
Gleichzeitig ist ein superharter US-Fahnder (Dwayne Johnson) mit seinem Team auf ihrer Fährte.
Aber wegen der in fast jeder Sekunde absolut vorhersehbaren Story, die sogar die Autoren einer mediokren US-Action-TV-Serie vor Scham erblassen lassen würde, geht niemand in einen solchen Film, sondern wegen der Action. – Und die ist atemberaubend. Das beginnt mit einer Gefangenenbefreiung (ein Bus wird zerlegt), dem Diebstahl von drei Flitzern aus einem fahrendem Zug (ein Zug wird ziemlich ordentlich demoliert und ein Auto im Wasser versenkt), über eine atemberaubende Jagd durch die Favelas, einigen kleineren Action-Szenen, und endet mit dem Diebstahl des Safes, der einfach an zwei Autos angehängt, aus der Wand gerissen und durch die Stadt geschleift wird. Bei der Verfolgungsjagd wird dann mal flugs die halbe Innenstadt zerlegt. In diesen Momenten sieht man, wohin das Geld für den Film geflossen ist und, wie bei den alten Bond-Filmen, gibt es die bekannte Mischung, neu und schmackhaft angerichtet, und mit viel Arbeit für die Stuntleute garniert.
„Fast & Furious Five“ ist Entertainment fernab jeglicher Wirklichkeit, aber sehr unterhaltsames Kino der Marke „Hirn aus, Gang rein.“ – und absolut Jugendfrei. Züchtiger sahen die Frauen wohl nie aus. Unblutiger starben zuletzt in den Karl-May-Verfilmungen die Bösen. Und sogar in Punkto „Alkoholkonsum“ können diese Verbrecher als Vorbild dienen.
Fast & Furious Five (Fast Five, USA 2011)
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Chris Morgan (basierend auf Charakteren von Gary Scott Thompson
mit Vin Diesel, Paul Walker, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Matt Schulze, Sung Kang, Gal Gadot, Tego Calderon, Don Omar, Joaquim de Almeida, Dwayne Johnson, Elsa Pataky, Michael Irby
Obwohl Ree Dolly erst sechzehn (Buch)/siebzehn (Film) Jahre ist, ist Daniel Woodrells Country Noir „Winters Knochen“ kein Kinderbuch und auch kein wirkliches All-Ager-Buch (so nennen die Verlagsfuzzis inzwischen Jugendbücher, die auch Erwachsene ohne Schamesröte und epische Erklärungen lesen dürfen). Denn dafür erzählt Woodrell viel zu illusionslos die Geschichte eines tapferen Mädchens in einer, nun, schrecklichen Welt. Denn Ree lebt in den Ozarks. Sie muss ihre beiden jüngeren Geschwister großziehen und ihre Mutter ist nur ein weiterer Pflegefall, um den sie sich kümmern muss. Ihr Vater Jessup verdient mit dem Kochen von Crystal Meth Geld; – wenn er nicht gerade wieder Ärger mit dem Gesetz hat. So auch jetzt. Er ist seit Wochen verschwunden und wenn er nicht in wenigen Tagen vor Gericht erscheint, müssen die Dollys Haus und Hof verlassen. Denn das war die Sicherheit für die Kaution.
Ree beginnt ihren Vater zu suchen. Nicht weil sie ihn irgendwie vermisst, sondern weil sie nur so das Haus behalten kann. Entsprechend egal ist ihr, ob sie Jessup tot oder lebendig findet. Bei dieser Suche ist ihre Verwandtschaft, die alle ebenfalls Kriminelle sind und etwas mit dem Verschwinden von Jessup zu tun haben, keine große Hilfe.
Daniel Woodrell erhielt für sein bisheriges, nur aus acht schmalen Romanen und einigen Kurzgeschichten bestehendes Werk mehrere wichtige Preise (wie den PEN West Award for Fiction) und Nominierungen (wie den Edgar). Sein Western „Zum Leben verdammt“ (Woe to live on, 1987), der den amerikanischen Bürgerkrieg aus der Sicht eines Mitglieds einer irregulären Südstaaten-Einheit erzählte, wurde 1999 von „Brokeback Mountain“-Regisseur Ang Lee hochkarätig besetzt als „Ride with the Devil“ verfilmt und flopte. Woodrell selbst nannte seine Geschichten über die Ozarks und die dort lebenden Menschen, die meist mit Verbrechen ihr ärmliches Leben fristen, „Country Noir“. Und auch der bereits vor sechs Jahren erschienene, jetzt endlich fabelhaft übersetzte Roman „Winters Knochen“ gehört in diese Kategorie.
In seinen früheren Romanen, vor allem den drei Krimis mit René Shade, lotete Daniel Woodrell die Genregrenzen aus. In dem noch nicht übersetzten „The Death of Sweet Mister“ erzählte er erstmals seine Geschichte aus der Sicht eines dreizehnjährigem Jungen und steuerte zielsicher auf ein düsteres Ende zu. Dagegen endet „Winters Knochen“, einer fast schon traditionellen Entwicklungsgeschichte, sehr hoffnungsvoll. Jedenfalls für Woodrellsche Verhältnisse.
Hollywood (Nicht das Michael-Bay-Blockbuster-Hollywood, sondern das andere Hollywood) schnappte sich das Buch und die Verfilmung von „Winter’s Bone“ wurde, im Gegensatz zum ungeliebten „Ride with the Devil“, sofort allgemein abgefeiert. Der Independent-Film von Debra Granik erhielt bis jetzt 26 Preise (unter anderem auf dem Sundance Filmfestival, wo der Siegeszug des Films begann, und auf der Berlinale) und war für vier Oscars, unter anderem als bester Film des Jahres, nominiert.
Graniks Film folgt Woodrells Roman bis in die Dialoge. Sie drehte vor Ort in Missouri mit vielen unverbrauchten Gesichtern, die erstmals vor der Kamera standen, und, sagen wir mal, ungeschminkten Hollywood-Schauspielern (die sich eher in Serien und Independent-Filmen tummeln; also nicht die ganz großen Namen sind, aber an deren Gesichter man sich erinnert). All das trägt zum dokumentarischen New-Hollywood-Feeling, wie wir es aus den siebziger Jahren kennen, bei.
Und hier zeigt sich der größte Unterschied zwischen Buch und Film. Während in Woodrells Roman die Armut immer noch ein poetisches Anlitz hat, sehen wir im Film eine deprimierend ärmliche Landschaft, die eher an ein Dritte-Welt-Land erinnert. Auf den Höfen und in den Wohnungen stapelt sich Müll, der vergessen wurde, endgültig zu entsorgen. Die Menschen verdienen ihr Geld mit kriminellen Aktivitäten. Heute Meth und andere Drogen; während der Prohibition als Schnapsbrenner. Sie halten immer noch den alten Frontier-Mythos hoch. Aber es zeigt sich, auch, wo die Cowboy-Ideologie des Wilden Westens endete. Insofern ist die gelungene Verfilmung eines fantastischen Buches düsterer und am Ende sogar hoffnungsloser als die noirische Vorlage.
Obwohl; – für Daniel Woodrell ist „Winters Knochen“ kein Noir. Für ihn muss ein Noir ein tragisches Ende haben.
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Daniel Woodrell: Winters Knochen
(übersetzt von Peter Torberg)
Liebeskind, 2011
224 Seiten
18,90 Euro
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Originalausgabe
Winter’s Bone
Little, Brown and Company, New York, 2006
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Verfilmung
Winter’s Bone (Winter’s Bone, USA 2010)
Regie: Debra Granik
Drehbuch: Debra Granik, Anne Rosellini
mit Jennifer Lawrence, Isaiah Stone, Ashlee Thompson, Valerie Richards, Shelley Waggener, Garret Dillahunt, William White, Ramona Blair
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Die Romane von Daniel Woodrell
Cajun-Blues – Eiin René-Shade-Thriller (Under the bright Lights, 1986)
Zum Leben verdammt (Woe to live on; Ride with the Devil, 1987)
Zoff für die Bosse – Ein René-Shade-Thriller (Muscle for the Wing, 1988)
John X – Ein René-Shade-Thriller (The Ones you do, 1992)
Wirklich gelungene Verfilmung eines der besten Thompson-Bücher: ein Haufen Menschen geht ihren niederen Trieben (Sex, Ehebruch, Mord) nach und fühlt sich dabei von moralischen Gesetzen nicht gebunden.
Tavernier verlegte die Handlung von einem Südstaaten-Kaff nach Französisch-Westafrika, blieb aber der Seele des Buches treu.
Mit Philippe Noiret, Isabelle Huppert, Stéphane Audran, Guy Marchand
Wiederholung: Samstag, 7. Mai, 03.35 Uhr (Taggenau!)