TV-Tipp für den 10. August: Ein Amen für die Mafia

August 10, 2011

ARD, 00.00

Ein Amen für die Mafia: Paten, Priester und der Vatikan (D 2011, R.: Christian Gramstadt)

Drehbuch: Christian Gramstadt

45-minütige Doku über das Verhältnis der katholischer Kirche zur Mafia in Italien. Könnte interessant sein und ist nach der Ausstrahlung bestimmt in der Mediathek zu finden. Denn Mitternachtskino muss nicht sein; vor allem wenn es wegen dem Fußballspiel Deutschland – Brasilien sicher etwas später wird.

Hinweis

ARD über die Doku


TV-Tipp für den 9. August: James Bond: Feuerball

August 9, 2011

BR, 22.00

JAMES BOND: Feuerball (GB 1965, R.: Terence Young)

Drehbuch: Richard Maibaum, John Hopkins, Jack Whittingham

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

Largo erpresst die britische Regierung mit der Drohung zwei Atomraketen auf westliche Großstädte abzufeuern. Anstatt zu bezahlen schickt die Regierung James Bond los – die Welt zu retten.

Bond auf den Bahamas und mit gaaaanz vielen Tauchern. Die Story zu „Feuerball“ basierte auf einem zusammen mit Kevin McClory entworfenem Filmtreatment. Nach einem Rechtsstreit durfte McClory ein Remake machen. Es hieß „Sag niemals nie“ (ebenfalls mit Connery und am Ende wieder mit gaaaanz vielen Taucher, – wegen des Copyrights)

Mit Sean Connery, Adolfo Celi, Claudine Auger

Wiederholung: Donnerstag, 11. August, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Feurball“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. August: Letztes Jahr in Marienbad

August 7, 2011

 

Arte, 20.15

Letztes Jahr in Marienbad (F/I 1960, R.: Alain Resnais)

Drehbuch: Alain Robbe-Grillet

Als ich den Film vor Ewigkeiten als Teenager im TV sah, war ich begeistert. Denn das war wirklich etwas anderes. Und damals, lange bevor es Nischensender wie Arte gab, die auch zur Hauptsendezeit Anspruchsvolles zeigen, wurde der Film in einem dritten Programm um eine ähnliche Uhrzeit gesendet. Das waren die Zeiten, als der Öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Bildungsauftrag noch ernst nahm. Aber damals liefen Sonntags zur besten Frühschoppenzeit auch Stummfilme; – und das war nicht die schlechteste Filmbildung.

Doch jetzt zum Gegenstand der Freude: In einem Barockschloss (gedreht wurde im Münchner Schloss Nymphenburg) trifft ein Mann eine verheiratete Frau. Er behauptet, dass sie ineinander verliebt waren. Sie kann sich nicht daran erinnern. Er versucht sie zu überzeugen – und wir Zuschauer fragen uns, was Wahrheit und was Traum ist.

„Letztes Jahr in Marienbad“ erhielt bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen, war für den Science-Fiction-Preis „Hugo“ nominiert und war ein Kultfilm der sechziger Jahre.

Und für alle, die immer noch nicht interessiert sind: Christopher Nolan beschrieb seinen Film „Inception“ als „’Letztes Jahr in Marienbad‘ mit Pistolen“. Ähem,…

Im Anschluss läuft um 21.45 Uhr „Erinnerungen an Marienbad“ (F 2009), ein quasi Making-of, bei dem der damalige Regieassistent Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“) während der Dreharbeiten entstandene Super-8-Aufnahmen von Nebendarstellerin Francoise Spira kommentiert.

Mit Delphine Seyrig, Giorgio Albertazzi, Sergio Pitoeff, Francoise Berlin

Wiederholung: Mittwoch, 10. Augst, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Letztes Jahr in Marienbad“ (deutsch, englisch, französisch)

Arte über „Letztes Jahr in Marienbad“

Senses of Cinema über „Letztes Jahr in Marienbad“

Critic über „Letztes Jahr in Marienbad“

Filmzentrale über „Letztes Jahr in Marienbad“

The other side of film über „Letztes Jahr in Marienbad“

 


TV-Tipp für den 7. August: Fahrenheit 451

August 7, 2011

3sat, 23.50

Fahrenheit 451 (GB 1966, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: Ray Bradbury: Fahrenheit 451, 1953 (Fahrenheit 451)

Im Rahmen des heutigen Thementages „Spirit of the Sixties: Die 60er Jahre“ zeigt 3sat heute Truffauts selten gezeigten Anti-Utopie, in der Bücher, weil sie subversive Gedanken enthalten, verboten sind. Feuerwehrmann Montag erfüllt brav seine Pflicht und verbrennt Bücher, bis er Clarissa kennenlernt und zunehmend an seinem Leben und seinem Tun zweifelt.

Der spätere Regisseur Nicholas Roeg war der Kameramann und Alfred-Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann komponierte den Soundtrack

mit Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser

Hinweise

Wikipedia über Ray Bradbury (deutsch, englisch), „Fahrenheit 451“ (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Ray Bradbury

Tagesspiegel: Denis Scheck interviewt Ray Bradbury (20. August 2008)

 


TV-Tipp für den 6. August: Wacken 2011

August 6, 2011

ZDFkultur, 20.00

Wacken 2011

Gut, für Feingeister ist das Programm nichts, aber Metal-Fans, die keine Karte bekommen haben, dürfen sich auf Avantasia (20.00 Uhr), Blind Guardian (20.55 Uhr), Apocalyptica (21.45 Uhr), Airbourne (22.45) und Motörhead (23.45 Uhr) freuen.

Die nachfolgende Sendung, die Wacken-Doku „Full Metal Village“ (D 2007, Regie: Sung Hyung Cho), kann etwas später beginnen.

Hinweise

ZDFkultur über die Sendung

Homepage Wacken Open-Air

 


TV-Tipp für den 5. August: Shadow und der Fluch des Khan

August 5, 2011

RBB, 23.00

Shadow und der Fluch des Khan (USA 1994, R.: Russell Mulcahy)

Drehbuch: David Koepp

LV: Charakter von Maxwell Grant (Pseudonym von Walter B. Gibson)

New York, dreißiger Jahre: Der Shadow bekämpft die Bösewichter. Sein neuester Gegner ist Shiwan Khan, ein Nachfahre von Dschingis Khan, der die ganze Welt unterwerfen will und der den Shadow von früher kennt.

Der 45 Millionen teure Film war bei den Kritikern und an der Kasse ein Flop. Heute, zwischen all den Superheldenfilmen, kann „Shadow und der Fluch des Khan“ erstaunlich gut bestehen und, trotz der Mängel in der Story, gefällt mir dieser unterschätze, naive Film, der den Zauber der alten Serials, B-Pictures (weniger) und Noirs (noch weniger) wiederaufleben lassen will, viel besser als einige der hoch budgetierten, bedeutungsschwangeren Comicverfilmungen (ich sage nur „Batman“), die in den vergangenen Jahren in den Kinos liefen.

mit Alec Baldwin, John Lone, Penelope Ann Miller, Peter Boyle, Ian McKellen, Tim Curry, Jonathan Winters

Hinweise

Wikipedia über „Shadow und der Fluch des Khan“ (deutsch, englisch)

Comic Book Movie über „The Shadow“ (mit vielen Bildern und Ausschnitten)

Meine ausführliche Besprechung von „Shadow und der Fluch des Khan“


TV-Tipp für den 4. August: Jerichow

August 4, 2011

ARD, 22.45

Jerichow (D 2008, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold

Der unehrenhaft entlassene Soldat Thomas hilft nach einem Unfall Ali Özkan, dem Besitzer einer Imbisskette. Ali stellt ihn als Fahrer ein und bald macht er sich an Alis Frau Laura ran.

Petzolds Variante von James M. Cains „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (The Postman always rings twice, 1934).

mit Benno Fürmann, Hilmi Sözer, Nina Hoss, André Hennicke, Claudia Geisler

Hinweise

Homepage zum Film

Arte über „Jerichow“

Film-Zeit über „Jerichow“

Wikipedia über „Jerichow“


Neu im Kino/Filmkritik: Zurück in die Siebziger mit „Super 8“

August 3, 2011

Dass J. J. Abrams etwas von Vermarktung versteht, ist spätestens seit dem von ihm produziertem Alien-Invasionsfilm „Cloverfield“ bekannt und auch für seinen neuesten Film „Super 8“ schraubte er die Erwartungen mit kryptischen Ankündigungen und sich widersprechenden Gerüchten hoch. Dabei erzählt er in „Super 8“, wie in „Cloverfield“, eine altbekannte Geschichte. Aber während bei „Cloverfield“ vor allem die Machart (es wurde alles mit einer Handkamera gedreht) beeindruckte, ist J. J. Abrams in seinem neuesten, von Steven Spielberg produziertem Film in jeder Beziehung altmodisch: die Geschichte spielt 1979 und die Inszenierung passt sich auch dem damaligem Inszenierungstempo und -stil, bis auf den Zugunfall am Anfang, an.

Im Mittelpunkt von „Super 8“ steht eine Gruppe Jugendlicher, die in Ohio einen Zombie-Film drehen wollen (Wer denkt hier nicht an die Anfänge von Steven Spielberg und J. J. Abrams?). Damals war das Filmmaterial teuer. Nur das weit verbreitete Super-8-Format war auch für Jugendliche erschwinglich. Das fehlende Geld wird mit Enthusiasmus und Einfallsreichtum ausgeglichen. So machen die sechs Freunde sich eines Nachts auf den Weg zu einer einsam gelegenen Bahnstation. Sie wollen den vorbeifahrenden Zug als Requisite für eine herzzerreißende Abschiedsszene verwenden. Doch nachdem ihr Biologielehrer mit seinem Auto die Gleise blockiert, entgleist der riesige Güterzug in einer grandios-ohrenbetäubenden und vollkommen unrealistischen Szene. Denn dass ein Auto einen Zug zum Entgleisen bringt und der Fahrer des PKWS, am Steuer sitzend, den Unfall überlebt, kann nur mit der emotionalen Logik (nach der Dinge möglich sind, die nach der rationalen Logik unmöglich sind) erklärt werden. Trotzdem hatte ich danach ein kleines Problem mit dem Film.

Als am nächsten Tag das Militär den Unfallort unter der Leitung von Air Force Colonel Nelec (von Noah Emmerich hübsch furchteinflößend gespielt) weiträumig absperrt, ist das Interesse der Jugendlichen geweckt. Sie wollen herausfinden, was in dem Zug war, und sie benutzen das Militär als kostenlose und unwissende Statisten für ihren Super-8-Film, der auch am Ende von „Super 8“ gezeigt wird und von den Schauspielern während des Drehs improvisiert wurde.

Gleichzeitig verschwinden Menschen und Dinge spurlos aus der Kleinstadt und selbstverständlich hat das etwas mit dem in dem Zug befördertem Wesen aus einer anderen Welt zu tun hat.

Neben der Mystery-Geschichte und der Besetzung der Stadt durch das Militär, das einen entlaufenen Alien sucht, erzählt J. J. Abrams auch die Geschichte der ersten Liebe zwischen Joe Lamb (Debütant Joel Cortney), der in dem Super-8-Film für die Spezialeffekte und die Maske zuständig ist, und Alice Dainard (Elle Fanning), der Hauptdarstellerin in dem Super-8-Film, in die er verliebt ist. Ihre Väter sind allerdings miteinander verfeindet. Denn Joes Vater, Deputy Sheriff Jackson Lamb (Kyle Chandler), glaubt, dass Alices Vater, der alleinerziehende, jähzornige Trinker Louis Dainard (Ron Eldard) für den Tod seiner Frau verantwortlich ist.

Formal ist „Super 8“ zwar ein J.-J.-Abrams-Film, aber der Einfluss von Steven Spielberg ist in jeder Minute spür- und sichtbar; ebenso die Ähnlichkeiten zu Steven Spielbergs „E. T. – Der Außerirdische“: der eine Film spielt 1979, der andere 1982; beide spielen in einer All-American-Kleinstadt; die Kinder sind gut; die Erwachsenen sind Randfiguren; der alleinerziehende Vater des Helden ist hilfsbereit und gutwillig, aber auch überfordert (in „E. T.“ war’s die Mutter); das Militär ist böse, der Außerirdische gut und er will nur nach Hause. Das sind alles vertraute Elemente aus der Spielberg-Factory. Ebenso die für Erwachsene manchmal arg platte Moral.

Auch die Liebe zum Detail in der Ausstattung, die Komposition der Farben und Bilder, der Schnitt und die Musik scheinen aus den späten Siebzigern/frühen Achtzigern gefallen zu sein und erinnern damit an Spielbergs Filme „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „E. T.“. Falls man „Super 8“ nicht gerade für einen 1980 verschollenen Steven-Spielberg-Film hält

Auch J. J. Abrams, der aus seiner Bewunderung für Spielberg keinen Hehl macht, bestätigt diesen Eindruck: „Ich konnte gar nicht fassen, wie viel Arbeit Steven in diesen Film investierte, denn er hat derart viel zu tun, dass er eigentlich doch gar keine Zeit dafür hatte. Dennoch hat er stundenlang mit der Überarbeitung des Skripts und später im Schneideraum verbracht. Ich erlebte das als ganz surreal. Denn ich empfand es nicht nur als Auszeichnung, mit ihm arbeiten zu dürfen – zusätzlich geht es auch noch um einen Film über eine Zeit, die für unsere beiden Biographien von entscheidender Bedeutung war.“

Mir hat das zeitgemäße Update von „E. T.“ gefallen. Aber ich hatte auch den Eindruck, dass er sich eigentlich an ein jugendliches Publikum richtet und wenn Zwölfjährige sich diesen Sommer „Super 8“ statt „Green Lantern“ ansehen, sehen sie den viel besseren Film. Vielleicht wird er für sie auch so prägend, wie „E. T.“ es für 1982 Zwölfjährige war.

Nach „Mission Impossible III“ und „Star Trek“ ist „Super 8“ J. J. Abrams bislang bester Film. Bei seinem nächsten Film werden wir dann – einige dürften sich noch an Tobe Hoopers „Poltergeist“ und Spielbergs starken Einfluss auf den parallel zu „E. T.“ entstandenen Horrorfilm erinnern – wissen, wie viel Spielberg in „Super 8“ steckt.

Super 8 (Super 8, USA 2011)

Regie: J. J. Abrams

Drehbuch: J. J. Abrams

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film und noch eine Seite zum Film

Film-Zeit über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Time: Interview mit J. J. Abrams über „Super 8“ (6. Juni 2011)

Go into the Story: Emotionale und rationale Logik am Beispiel von „Super 8“


TV-Tipp für den 3. August: Mein liebster Feind

August 3, 2011

ZDFkultur, 20.15

Mein liebster Feind (D 1999, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Grandiose spielfilmlange Doku, in der Werner Herzog seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski reflektiert. Sie verband über fünf Filme eine innige und sehr produktive Hassliebe. Denn „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Nosferatu“, „Woyzeck“, „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“ sind Klassiker des Neuen Deutschen Films (auch wenn sie nicht unbedingt in Deutschland entstanden) und in jedem Fall gehören sie zu ihren besten Arbeiten.

Mit Werner Herzog, Klaus Kinski, Claudia Cardinale, Mick Jagger, Eva Mattes, Thomas Mauch, Maximilian Schell

Wiederholung: Donnerstag, 4. August, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Werner Herzog

Wikipedia über Werner Herzog (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. August: James Bond: Goldfinger

August 2, 2011

BR, 22.00

JAMES BOND: Goldfinger (GB 1964, R.: Guy Hamilton)

Drehbuch: Richard Maibaum, Paul Dehn

LV: Ian Fleming: Goldfinger, 1959

Goldfinger (Gert Fröbe) will Fort Knox ausräumen. James Bond (Sean Connery) hat etwas dagegen.

Mit „Goldfinger“ hatte sich James Bond endgültig im Kino etabliert und der Presserummel bei „Feuerball“ und „Man lebt nur zweimal“ war gigantisch. Ebenso die Zahl der mehr oder weniger missglückten Kopien in Buch und Film. Da scheint der heutige Rummel um „Harry Potter“/“Herr der Ringe“/“Krieg der Sterne“/“Matrix“ ein Klacks zu sein.

Mit Sean Connery, Gert Fröbe, Honor Blackman, Shirley Eaton, Harold Sakata, Bernard Lee, Lois Maxwell

Hinweise

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. August: Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft

August 1, 2011

HR, 23.30 (VPS 23.29)

Monty Python‘ wunderbare Welt der Schwerkraft (GB 1971, R.: Ian MacNaughto, Terry Gilliam)

Drehbuch: Monty Python

Eine Nummernrevue von Monty Python, die erst 1983 in die deutschen Kinos kam.

mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Hinweise

Homepage von Monty Python

YouTube-Kanal von Monty Python (und wer mit dem Englischen Probleme hat, muss einfach seine Wunschsprache eingeben)

Monty Python’s Completely Useless Web Site (und auch nicht autorisiert)

Wikipedia über Monty Python (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 31. Juli: The Grifters

Juli 31, 2011

NDR, 23.45

The Grifters (USA 1990, Regie: Stephen Frears)

Drehbuch: Donald Westlake

LV: Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen, Die Abzocker)

Roy Dillon schlägt sich als kleiner Trickbetrüger mehr schlecht als Recht durch. Als er an eine größere Menge Geld kommt, haben seine Freundin Mary und seine Mutter Lilly plötzlich Interesse an ihm; besonders an dem Geld.

Der potentielle Klassiker basiert auf einem der besten und düstersten Bücher von Thompson. Westlake schrieb ein grandioses Drehbuch, und das gesamte Team (es wäre wirklich unfair, eine einzelne Person herauszuheben) gab ihr bestes. „The Grifters ist ein starkes Stück Kino, ein Krimi, der seinen Alptraum formvollendet präsentiert.“ (Fischer Film Almanach)

Mit Anjelica Huston, John Cusack, Annette Bening, Pat Hingle, Charles Napier, J. T. Walsh, Xander Berkeley

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


TV-Tipp für den 30. Juli: Der nackte Kuss

Juli 30, 2011

ZDFkultur, 22.30

Der nackte Kuss (USA 1964, R.: Sam Fuller)

Drehbuch: Sam Fuller

Die Prostituierte Kelly will ein einer All-American-Kleinstadt ein neues Leben beginnen. Aber diese heile Welt ist gar nicht so heil.

Ein kleiner Noir-Klassiker der etwas anderen Art. Denn ein guter Film ist „Der nackte Kuss“ nicht. Ein bizarrer, ein irritierender, ein teils langweilender, teils beunruhigender und polarisierender Film ist „Der nackte Kuss“ schon; – mehr dazu in meiner ausführlichen Besprechung des „nackten Kusses“.

mit Constance Towers, Anthony Eisley, Michael Dante, Virginia Grey, Patsy Kelly, Marie Devereux

Wiederholung: Sonntag, 31. Juli, 04.20 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Der nackte Kuss“

Der Film Noir über „Der nackte Kuss“

Film-Rezensionen über „Der nackte Kuss“

Turner Classic Movies: Sean Axmaker über „Der nackte Kuss“

The Last Drive In: Monstergirl über „Der nackte Kuss“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Criterion: Michael Dare über „Der nackte Kuss“

You Tube: der gesamte Film in bescheidener Bildqualität

Meine Besprechung von „Der nackte Kuss“


DVD-Kritik: John Frankenheimers Evan-Hunter-Verfilmung „Die jungen Wilden“

Juli 29, 2011

Als John Frankenheimer 1960 „Die jungen Wilden“ drehte, wollte er vor allem zeigen, dass er als Live-Television-Director auch einen Spielfilm drehen konnte. Und zwar, wie auch die anderen Live-Television-Regisseure, die damals in Hollywood ihre zweite Karriere begannen (unter anderem Arthur Penn, Sidney Lumet, Norman Jewison und George Roy Hill), mit einem Film, der auch etwas zu sagen hatte. Also kein Musical, keine launige Komödie, sondern ein Drama, das etwas über die Gesellschaft aussagt und dies mit einer liberalen Position verknüpft. Da bot sich ein Film über die Jugendkriminalität und die Bandenkriminalität an.

In „Die jungen Wilden“ erstechen in Spanish Harlem drei italienische Jugendliche (sie sind 15, 16 und 17 Jahre alt) tagsüber auf offener Straße einen blinden puerto-ricanischen, fünfzehnjährigen Jungen. Staatsanwalt Hank Bell (Burt Lancaster), der aus dem gleichen Viertel wie die Mörder kommt, will ein Exempel statuieren. Er war früher sogar mit der Mutter von dem jüngsten Täter liiert. Ihm gelang dann der Weg aus dem Ghetto. Er glaubt, dass die Menschen sich für ihre Taten verantworten müssen und er weiß, dass diese Jugendlichen und ihre Bewunderer nur eine Sprache verstehen. Auch wenn es bedeutet, dass sie dafür auf den elektrischen Stuhl müssen.

Sein Vorgesetzter, District Attorney Daniel Cole, der für das Amt des Gouverneurs kandidiert, unterstützt ihn bei dieser harten Linie.

Aber als Bell sich mit den Hintergründen der Tat beschäftigt, entdeckt er, dass das Opfer nicht so harmlos war, wie man auf den ersten Blick vermutet, und die Täter nicht die blutgierigen Bestien sind, als die sie anfangs erschienen.

Frankenheimer drehte den Film hauptsächlich vor Ort. Wegen der hohen Kosten für zwei Crews war ein gesamter Dreh in New York nicht möglich, aber die Innenausstattung wurde detailgetreu in Hollywood nachgebaut und so fühlt sich der Film von der ersten bis zur letzten Minute authentisch, in vielen Momenten fast schon wie ein Dokumentarfilm an.

Der Mord bietet Frankenheimer die Gelegenheit, sich mit den damals entstehenden Straßengangs, die sich an den unterschiedlichen Ethnien orientierten, dem alltäglichem Rassismus, der Politik, der zwiespältigen Rolle der Presse und den sozialen und psychologischen Hintergründen der Tat und was sie für die von ihr Betroffenen bedeutet, zu beschäftigen und so auch ein Sittenbild der damaligen Gesellschaft zu zeigen. Dabei gibt es etliche Szenen, die für das damalige Publikum sicher verstörend waren: die drastisch gezeigte Gewalt, die Herrschaft der Straßengangs über das Viertel, die Rede der Mutter gegenüber Cole und Bell während der Beerdigung und das Geständnis eines Mädchens vor Gericht,, dass sie als Prostituierte das Geld für die Familie verdient. Filmisch gibt es auch immer wieder beeindruckende Szenen: wenn Frankenheimer in den ersten Filmminuten die drei Jugendlichen zu ihrer Tat verfolgt, die Tat teilweise in einer Sonnenbrille gezeigt wird (was auch eine Hommage an Alfred Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ ist), die immer wieder in extremer Untersicht aufgenommenen Schauspieler und natürlich deren überzeugendes Spiel. Nicht nur bei den Profis, sondern auch bei den jungen Schauspielern und den Laien. Das alles zeigt, dass John Frankenheimer bei seinem zweiten Spielfilm genau wusste, was er tat.

„Die jungen Wilden“ war ein bei den Kritikern und in dem städtischen Publikum, das in dem Film, der auf einem wahren Fall basierte, ihnen vertraute Probleme erkannte, ein Erfolg. Mit Burt Lancaster, der damals ein großer Star war und auch einen Regisseur feuern konnte, drehte John Frankenheimer direkt danach „Der Gefangene von Alcatraz“ (Birdman of Alcatraz) und später „Sieben Tage im Mai“ (Seven Days in May), „Der Zug“ (The Train) und „Die den Hals riskieren“ (The Gypsy Moths).

Frankenheimers Karriere in den folgenden über vierzig Jahren war wechselhaft. So drehte er Flops, wie das gruselige „D. N. A. – Experiment des Wahnsinns“ (The Island of Dr. Moreau), bei dem er die Regie von Richard Stanley übernahm. Aber auch etliche Klassiker, wie „Botschafter der Angst“ (The Manchurian Candidate), „Grand Prix“, „French Connection II“, „Schwarzer Sonntag“ (Black Sunday), „52 Pick-Up“ und „Ronin“.

Auch „Die jungen Wilden“ gehört in diese Reihe.

 

Andere Meinungen

 

„In der Milieuzeichnung glaubhaft und kompromisslos, in der Charakterisierung der Figuren jedoch zu vordergründig.“ (Lexikon des internationalen Films)

 

„It is a tribute to his skill that this narrative, so overcrowded on paper, never seems, on film contrived and complacent in its social concerns. It is not easy to keep all the threads running evenly throughout this broad tapestry of poverty, violence and despair, but the director has managed this so skilfully, and not at all episodically, that events and characters seem consistently believable.“ (Gerald Pratley: The Films of Frankenheimer, 1998)

 

„Ein exzellentes Drama um Jugendkriminalität.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon, 2006)

Die jungen Wilden (The Young Savages, USA 1960)

Regie: John Frankenheimer

Drehbuch: Edward Anhalt, J. P. Miller

LV: Evan Hunter: A matter of conviction, 1959 (später auch “The Young Savages”, deutscher Titel “Harlem Fieber”)

Mit Burt Lancaster, Dina Merrill, Shelley Winters, Edward Andrews, Vivian Nathan, Larry Gates, Telly Savalas (in seinem Spielfilmdebüt und dann, lange vor “Kojak”, schon gleich als Kriminalpolizist)

–

DVD

Euro Video

Bild: 16:9 (1.77:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über “Die jungen Wilden”

Turner Classic Movies: Jeff Stafford über “The Young Savages”

Cahiers de Cinema über „The Young Savages“

Rays Kinofilmklassiker über „Die jungen Wilden“

The Museum of Broadcast Communications über John Frankenheimer

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2006)

Meine Besprechung von Ed McBains “Die Gosse und das Grab” (The Gutter and the Grave, 2005, Erstausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


TV-Tipp für den 29. Juli: Die Spezialisten

Juli 29, 2011

RBB, 23.00

Die Spezialisten (F 1984, R.: Patrice Leconte)

Drehbuch: Bruno Tardon, Patrick Dewolf, Patrice Leconte, Michel Blanc

Zwei flüchtige Verbrecher wollen ein Kasino ausrauben.

Damals gefiel mir im Kino der französische Kassenhit, der auch in Deuschland im Kino von fast 350.000 Leuten gesehen wurde (Platz 48 der 1985er Besucherstatistik).

Heute immer noch? Ich denke schon, denn: „Ein originelles Drehbuch, flotte Regie und gute Darsteller heben diesen Film über das Mittelmaß der meisten Actionstreifen hinaus.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Leconte drehte später die Georges-Simenon-Verfilmung „Die Verlobung des Monsieur Hire“, „Der Mann der Friseuse“, „Die Frau auf der Brücke“ und „Die Witwe von Saint-Pierre“.

mit Bernard Giradeau, Gérard Lanvin, Christiane Jean, Maurice Barrier, Bertie Cortez

Hinweise

Wikipedia über „Die Spezialisten“ (deutsch, englisch, französisch)

RBB über „Die Spezialisten“


Neu im Kino/Filmkritik: Superheldenfilm, die XYte: Heute mit „Green Lantern“

Juli 27, 2011

Am hellsten Tag, in schwärzester Nacht

entgeht nichts Böses meiner Wacht

Wer finsteren Mächten sich verspricht

der hüte sich vor Green Lanterns Licht!

Beginnen wir mit dem Positiven: Ryan Reynolds. Er spielt die Rolle des wagemutigen Jetpiloten Hal Jordan, der zu einem Green Lantern (bleiben wir beim englischen Begriff, denn „Grüne Laterne“ klingt doch etwas dämlich) wird, mit dem nötigen Augenzwinkern. So, als würde er sagen: „Ich weiß, dass das ein vollkommen kindischer Film ist, aber lass uns einfach eine gute Zeit haben.“

Doch es hilft nichts. Denn letztendlich stimmt nichts an dem Film.

Das beginnt schon mit der 3D-Optik, die dazu führt, dass die Tricktechnik um Jahrzehnte zurückgeworfen wird. Die Wächter, die fremden Welten, die Kämpfe: alles sieht nach billigster Computeranimation und Videogame aus dem letzten Jahrzehnt aus. Dass es besser geht, zeigte George Lucas schon damals in seinen letzten drei „Krieg der Sterne“-Filmen. So gibt es vor sechs Jahren in „Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith“ eine Totale von einer Zukunftsstadt, bei der man den Eindruck hat, dass man eine echte Stadt sieht (und im Kino, bei den Dialogen, immer wieder herzhaftes Gelächter).

In „Green Lantern“ denkt man dann, weil die Tricks durchgehend mies sind, an einen schlampig gezeichneten Trickfilm. Vor allem, wenn Hal Dinge aus dem Nichts erschafft, die dann auch so ein ekliges Chemiegrün haben: zuerst auf dem Planeten Oa, wo das Green Lanterns Corps (eine Art galaktische Friedenstruppe) sich versammelt hat. Da gibt es dann einen Schwertkampf mit aus Gedankenkraft erschaffenen Schwertern, der schon stark an die „Krieg der Sterne“-Lichtschwerter erinnert. Später, wenn Hal auf der Erde einen abstürzenden Hubschrauber in ein Auto umdenkt und über eine erfundene grüne Brücke fahren lässt oder wenn er immer wieder supergroße grüne Wummen erfindet, wird es nicht besser.

Wenn es dann 3D-Aufnahmen von Räumen gibt, fehlt in den Räumen (wobei es im Weltall und auf fremden Planeten sowieso einige Probleme mit den Dimensionen gibt) und, erstaunlich oft, bei den Gesichtern das gewohnte räumliche Empfinden. Die Schauspieler sehen dann wie Scherenschnitte aus; was einen selbstverständlich aus der Wirklichkeit des Films reißt.

Die Story folgt grob und erstaunlich holprig der üblichen Superheldengeschichte, die wir in den vergangenen Jahren gefühlte Tausendmal gesehen haben: Held ist ein Niemand; Held wird zum Superhelden auserkoren (von Spinnenbiss über Unfall in den afghanischen Bergen hin zu selbstauferlegter Mission); Held trainiert seine neuen Fähigkeiten; Held bewährt sich im Kampf gegen den großen Bösewicht und er nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung als Superheld für die kommenden Fortsetzungen (wenn das Einspielergebnis stimmt) an.

Immerhin hat in „Green Lantern“ der Held keine Probleme damit, der Auserwählte zu sein. Er nimmt diese Aufgabe fast schon schulterzuckend, so als ob er einfach ein neues Computerspiel ausprobieren würde, an.

Und erkennbare psychische Probleme hat er auch nicht. Das macht ihn, gegenüber den mit psychologischem Ballast aufgeblasenen anderen Kino-Superhelden, sehr sympathisch.

In „Green Lantern“ wird diese Initiationsgeschichte des Helden eher unlustig, aber immerhin unter zwei Stunden, mit einigen ausgesprochen dümmlichen Dialogen (wenn Hal den anderen Green Lanterns erklärt, dass man sich seiner Furcht stellen müsse und dass wir Menschen so toll sind, weil wir uns unseren Ängsten stellen) und erstaunlich konfus abgehandelt. Der Bösewicht ist einerseits Hector Hammond (Peter Sarsgaard), der nachdem er einen Tropfen Blut von Parallax in sich aufnimmt, selbst zum Monster mutiert (Hm, warum wird er böse, während die Green Lanterns starben?), andererseits Parallax, das unglaublich lang auf einem unglaublich fernem Planetem eingesperrte ultimative Böse; ein gelbes, zähnefletschendes Monstrum, das riesengroß ist, einige Green Lanterns verschlingt und tötet, später einige Menschen brutzelt und von Hal in einem unglaublich kurzem Endkampf ziemlich profan getötet wird.

Und damit wären wir bei den Action-Szenen. Genauer wohl Post-Action-Szenen. Denn in einer traditionellen Action-Szene sehen wir die Schauspieler und Stuntmänner bei der Arbeit und wie sie sich in Gefahr begeben. Es gibt die Verfolgungsjagd in „French Connection“, die Verfolgungsjagden und Kämpfe in den James-Bond-Filmen (den letzten Bond-Film lassen wir mal weg), die Kämpfe in den Filmen von Jackie Chan, die Zerstörungsorgie in „Terminator 3“, wenn die Filmemacher einen gesamten Straßenzug zerstören.

In einem Post-Action-Film sind die Action-Szenen dagegen so zerschnippselt, dass man die Action gar nicht mehr verfolgen kann und man im schlechtesten Fall den Eindruck hat, dass man die Szene auch gleich selbst spielen könnte. Wenn die Action nicht im Schnittgewitter untergeht, ist sie so übertrieben, dass man sofort merkt, dass sie im Studio vor einem Green Screen und im Computer entstand. Die Folge: Langeweile, weil wir nicht mehr emotional in die Kämpfe involviert sind.

Diese Post-Action-Szenen sind in „Green Lantern“ reiner Selbstzweck. Pubertäre Kloppereien, die nicht länger im Gedächtnis bleiben. Denn in einer guten Action-Szene zeigt sich der unterschiedliche Charakter der Kämpfenden. Deshalb können gute Action-Szenen, weil sie die Geschichte voranbringen, wie zuletzt in Takashi Miikes „13 Assassins“, ohne zu langweilen, gute fünfzig Minuten dauern.

In „Green Lantern“ erfahren wir dagegen in den Kämpfen nichts über die einzelnen Charaktere. Entsprechend gelangweilt erleben wir die Kloppereien auf fremden Planeten, im Weltraum und auch auf der Erde.

Ach, es ist zum Haare raufen. Denn was wäre bei dieser Besetzung und bei dem Budget von 200 Millionen Dollar (offizielle Angabe, wobei ein guter Teil sicher in der Entwicklungshölle verschwunden ist) drin gewesen. Martin Campbell hat den TV-Klassiker „Edge of Darkness“ (Am Rande der Finsternis) gedreht und mit seinem zweiten James-Bond-Film „Casino Royale“ einen tollen Bond-Reboot gemacht. Peter Sarsgaard hat in den vergangenen Jahren seine Vielfältigkeit als Schauspieler gezeigt. Mark Strong scheint in jedem angesagten Film dabei zu sein. In „Green Lantern“ erkennt man sie unter ihren Masken kaum. Tim Robbins ist fast verschenkt und Angela Bassett; – nun, sie ist auch dabei, aber sie überlebt den Film nicht. Glaube ich jedenfalls. Denn das war im Schnitt nicht so klar. Der ist von Stuart Baird; ein Altmeister mit zwei Oscar-Nominierungen und eigenen Regieerfahrungen bei den Thrillern „U. S. Marshals“ (Auf der Jagd) und „Executive Decision“ (Einsame Entscheidung).

Und James Newton Howard schrieb einen verdächtig nach einer schlechten „24“-Kopie klingenden Soundtrack.

Die Drehbuchautoren Greg Berlanti, Michael Green, Marc Guggenheim und Michael Goldenberg sind zwar vor allem aus dem Fernsehen bekannt. Aber mit „Everwood“, „Eli Stone“, „Smallville“, „No ordinary Family“ und „Heroes“ haben sie als Autoren und Erfinder nicht gerade bei den schlechtesten Serien mitgemischt. Und Goldenberg schrieb die Bücher für „Contact“ und „Harry Potter und der Orden des Phönix“.

Die wissen also schon, was sie tun. Nur in „Green Lantern“ zeigen sie nichts davon.

Denn bei einem Budget von 200 Millionen Dollar (und dem damit verbundenem sicheren Gewinn) darf man doch wohl erwarten, dass auch etwas Geld in die Geschichte gesteckt wird: in Charaktere, die uns wichtig sind, gute Dialoge und eine schlüssige Geschichte. Wenn das vorhanden ist, lieben wir die Action-Szenen und können auch schlechte Tricks verzeihen.

Green Lantern (Green Lantern, USA 2011)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: Greg Berlanti, Michael Green, Marc Guggenheim, Michael Goldenberg (nach einer Geschichte von Greg Berlanti, Michael Green, Marc Guggenheim)

LV: Comic-Charaktere von DC Comics

mit Ryan Reynolds, Blake Lively, Peter Sarsgaard, Mark Strong, Angela Bassett, Tim Robbins, Jay O. Sanders, Taika Waititi

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Green Lantern“

Wikipedia über „Green Lantern“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Juli: Vengeance – Killer unter sich

Juli 27, 2011

WDR, 23.15

Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, R.: Johnny To)

Drehbuch: Ka-Fai Wai

In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.

Das ging aber schnell. Bereits wenige Monate nach der DVD-Premiere läuft Johnny Tos neuester Neo-Noir-Thriller im TV.

Mit „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.

mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam

Hinweis

Meine ausführliche Besprechung von „Vengeance“


DVD-Kritik: Die fantastische BBC-Serie „Ashes to Ashes – Zurück in die 80er“

Juli 27, 2011

In der grandiosen BBC-Serie „Life on Mars“ landete der Polizist Sam Tyler (John Simm) nach einem Autounfall im Koma und erwachte 1973 in Manchester.

In dem noch besseren „Life on Mars“-Spin-off „Ashes to Ashes“ wird die Polizistin Alex Drake (Keeley Hawes) im heutigen London angeschossen und erwacht im Juli 1981 in London. Dort trifft sie auf die aus „Life on Mars“ bekannten Polizisten DCI Gene Hunt (Philip Glenister) und seine beiden Untergebenen Ray Carling (Dean Andrews) und Chris Skelton (Marshall Lancaster).

Alex Drake weiß sofort, auch weil sie sich als Polizeipsychologin mit dem Fall Sam Tyler beschäftigte, wo sie ist: im Koma und in Tylers Welt. Sie weiß, dass sie jetzt den Kampf gegen ihr Koma aufnehmen muss. Sie will wieder aufwachen. Dafür muss sie, so sagt sie sich, in ihrer Fantasie ein großes Rätsel lösen und alles, was sie wahrnimmt, sind Hinweise auf die Lösung. Das Rätsel ist die Ermordung ihrer Eltern mit einer Autobombe 1981. Wenn es ihr gelingt, den Anschlag zu verhindern, kann sie zurückkehren in die Gegenwart, ihr altes Leben und zu ihrer Tochter.

„Ashes to Ashes“ ist, wie gesagt, das Spin-off zu der erfolgreichen BBC-Serie „Life on Mars“. Aber, weil die Macher in dem Spin-off die Fantasiewelt komplexer und geschlossener gestalten, ist „Ashes to Ashes“ wesentlich besser als das dagegen doch etwas einfach gestrickte Original. Denn die Serienerfinder Matthew Graham und Ashley Pharoah setzen jetzt die in „Life on Mars“ bereits angelegte Welt wesentlich konsequenter um. „Life on Mars“ war, trotz der ziemlich durchgeknallten Idee, doch nur eine 70er-Jahre-Krimiserie mit einigen Irritationen. „Ashes to Ashes“ gibt sich vollkommen der Fantasiewelt der Protagonistin Alex Drake hin.

Denn weil Alex Drake weiß, dass das alles ihre Wahrnehmung ist, unterhält sie sich mit den anderen Charakteren, vor allem DCI Hunt und ihrer Mutter, auch ziemlich freimütig darüber – und diese finden nichts besonderes dabei. Im normalen Leben hätte man Drake dagegen schon nach dem ersten Gespräch in eine geschlossene Anstalt verwiesen.

Und, weil es ihre Fantasie ist, ist „Ashes to Ashes“ die Über-80s-Krimiserie, mit allen Klischees, die man aus diesen Serien kennt. Nur noch übertriebener: das gegensätzliche Buddy-Cop-Team, die dummen Kollegen, die als Treffpunkt fungierende Pizzeria, der Rassismus, die Homophobie, der Sexismus (wobei Alex Drake auch immer betont sexy, um nicht ’nuttig‘ zu sagen, herumläuft und die Fälle oft im Prostituiertenmilieu spielen oder es mindestens einen Hinweis auf das Milieu gibt [Was sagt uns das über Alex Drake und die 80er-Jahre-Krimiserien?]) und die fast schon allgegenwärtige Gewalt. Denn es vergeht kaum ein Verhör oder eine Festnahme, ohne dass der Verdächtige meistens grundlos geschlagen wird.

Weil „Ashes to Ashes“ 1981 spielt, sind die Siebziger auch noch präsent. Was vor allem aus TV-Seriensicht heißt: „The Sweeney“ (in England kennt die Serie jedes Kind, bei uns höchstens Insider; aber auch bei den „Füchsen“, so der deutsche Titel, artete eine Festnahme oft in eine veritable Schlägerei aus) und „Die Profis“. Die 80er waren dann „Miami Vice“ und die dort herrschende Betonung des Stils.

Stilvoll ist auch „Ashes to Ashes“. Die Sets sind einerseits als Fantasie von Alex Drake überstilisiert (so hat die Decke des Polizeireviers ein Schachbrettmuster), andererseits wurden die Wohn- und Bekleidungsmoden der frühen achtziger Jahre rekreiert und künstlich so überhöht, dass sogar „Miami Vice“ wie der schmuddelige Halbbruder von „Ashes to Ashes“ aussieht.

Dazu gibt es unzählige zeitgenössische Songs, die die Ereignisse und Gefühle der einzelnen Charaktere punktgenau kommentieren. Sie bilden den Soundtrack für die Zeit – und für die Gefühle von Alex Drake. Dieses Stilelement wurde in „Life on Mars“ kaum verwandt. Denn erst mit „Miami Vice“ wurden zeitgenössische Hits und Songs, die extra für die Serie geschrieben wurden (und dann zu Hits wurden), in einer TV-Serie populär. „Ashes to Ashes“ bedient sich bei den damaligen britischen Hits.

Und alle spielen einen kleinen Tick neben der Spur. Wie in einem Traum. Da ist es auch egal, dass Gene Hunts Audi Quattro 1981 noch gar nicht in England erhältlich war.

„Ashes to Ashes – Zurück in die 80er: Staffel 1“ ist eine in jeder Beziehung fantastische Krimiserie.

 

Die DVD

 

Bei uns wurde die von der BBC gekürzte internationale Version von „Ashes to Ashes – Zurück in die Zukunft: Staffel 1“ veröffentlicht. Das ist schade. Denn gerade in der englischen Sprachfassung kann man, dank Gene Hunt, sein Reservoir an Beleidigungen und Slangausdrücken gut erweitern.

Das Bonusmaterial bewegt sich im gewöhnlichen Rahmen. Das Making-of „Life after Mars“ ist informativ, vor allem wenn die Autoren und Produzenten reden, aber besteht insgesamt weitgehend aus den üblichen Lobhuddeleien. Die „Set Tour“ ist dagegen sehr informativ, weil die Production-Designerin Stevie Herbert erklärt, wie die Sets entstanden und warum sie sie so und nicht anders baute. In der „Car Explosion“ wird gezeigt, wie die Autoexplosion, in der die Eltern von Alex Drake sterben, entstand. Die „Outtakes“ (vor allem vom Dreh in der Schwulendisco [Yep, stellen Sie sich vor: Gene Hunt und seine beiden sehr heterosexuellen Kollegen ermitteln undercover in einer Schwulendisco]) und die „Deleted Scenes“ sind nette Beigaben.

Ashes to Ashes – Zurück in die 80er: Staffel 1 (Ashes to Ashes, GB 2008)

Regie: Johnny Campbell (Episode 1, 2, 7, 8), Billie Eltringham (Episode 3, 5), Catherine Morshead (Episode 4, 6),

Drehbuch: Matthew Graham (Episode 1, 7), Ashley Pharoah (Episode 2, 8), Julie Rutherford (Episode 3), Mark Greig (Episode 4, 5), Mick Ford (Episode 6)

Idee: Matthew Graham, Ashley Pharoah

mit Keeley Hawes (Alex Drake), Philip Glenister (Gene Hunt), Dean Andrews (Ray Carling), Marshall Lancaster (Chris Skelton), Montserrat Lombard (Shaz Granger), Joseph Long (Luigi), Geff Francis (Viv James), Grace Vance (Molly Drake), Amelia Bullmore (Caroline Price)

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DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial (mit deutschen Untertiteln, 60 Minuten): Set Tour, Car Explosion, Life after Mars, Deleted Scenes, Outtakes

Länge: 400 Minuten (8 x 50 Minuten auf 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

BBC über „Ashes to Ashes“

BBC Germany über „Ashes to Ashes“

Fox Channel (Deutschland) über „Ashes to Ashes“

Wikipedia über „Ashes to Ashes“ (deutsch, englisch)

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Und jetzt: Bühne frei für David Bowie und „Ashes to Ashes“

 


TV-Tipp für den 27. Juli: Der Wolf hetzt die Meute

Juli 27, 2011

SWR, 23.00

Der Wolf hetzt die Meute (USA 1984, R.: Richard Tuggle)

Drehbuch: Richard Tuggle

New-Orleans-Cop Wes Block jagt einen Prostituiertenmörder. Als eine Prostituierte, bei der er kurz vorher war, ermordet wird, vermutet er eine Beziehung zwischen ihm und dem Mörder. Er hält es sogar nicht für ausgeschlossen, selbst der Täter zu sein.

Als Zuschauer wissen wir in dem Regiedebüt des Drehbuchautors von „Flucht von Alcatraz“ (obwohl Eastwood im Hintergrund dann doch Regie führte) schon früh, dass sich Block in diesem Punkt irrt. Dennoch ist „Der Wolf hetzt die Meute“ (doofer deutscher Titel des wesentlich treffenderen Originaltitels „Tightrope“) ein spannender Psycho-Thriller, der die dunkle Seite von Dirty Harry erkundet, bei den Kritikern ziemlich gut ankam und an der Kasse erfolgreich war.

Im Rückblick ist „Der Wolf hetzt die Meute“ einer von Eastwoods besten Filmen aus den achtziger Jahren.

mit Clint Eastwood, Genevieve Bujold, Dan Hedaya, Alison Eastwood, Jennifer Beck

Hinweise

Wikipedia über „Der Wolf hetzt die Meute“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter“

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Juli: Smoke Signals

Juli 25, 2011

ZDFkultur, 21.55

Smoke Signals (USA 1998, R.: Chris Eyre)

Drehbuch: Sherman Alexie

LV: Sherman Alexie: The Lone Ranger and Tonto Fistfight in Heaven, 1993 (Regenmacher, Smoke Signals)

Extrem selten gezeigtes, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetes, absolut sehenswertes Roadmovie über zwei junge Indianer, die die Asche von Victors Vater in das Reservat bringen wollen.

„Ein Film, der lange weitergeht im Kopf und Lust aufs Leben macht.“ (Frauke Hanck, AZ, 3. Dezember 1998)

„I’d give it a B- in artistic terms and an A+ in political terms.“ (Sherman Alexie)

mit Adam Beach, Evan Adams, Irene Bedard, Gary Farmer

Hinweise

Wikipedia über „Smoke Signals“

Turner Classic Movies: Susan Doll über „Smoke Signals“

Salon: Interview mit Sherman Alexie (2. Juli 1998)

Post Script: Interview mit Chris Eyre und Sherman Alexie (22. Juni 2010)

Homepage von Sherman Alexie