TV-Tipp für den 4. März: Nachtschicht: Das tote Mädchen

März 4, 2011

ZDFneo, 21.50

Nachtschicht: Das tote Mädchen (D 2010, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Ein russisches Callgirl wird ermordet und in der Elbe versenkt. Das Nachtschicht-Team sucht den Mörder und landet schnell bei einem Privatbankier, der behauptet die Tote nicht zu kennen.

Nix neues von der “Nachtschicht”: Dutzende bekannter Gesichter, die endlich (?) mal wieder (?) zeigen, was sie können, gutes Buch, gute Regie, gute Unterhaltung.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Pierre Semmler, Dietmar Bär, Kai Wiesinger, Jürgen Prochnow, Lisa Maia Potthoff

Hinweise

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker


DVD-Kritik: Derek Flint rettet zweimal die Welt

März 3, 2011

Ich wollte eine lange Besprechung schreiben, in der ich schrieb,

wie gut mir „Derek Flint schickt seine Leiche“ und „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ mit James Coburn in der Hauptrolle gefallen,

wie viel Spaß diese beiden Filme machen,

wie sehr sie sich an die James-Bond-Filme anlehnen,

wie sehr sie sich von den Bond-Filmen unterscheiden. Denn während bei Bond der Bösewicht einfach immer nur ein durchgeknallter Irrer ist, der die Weltherrschaft will (Warum eigentlich?), haben in den Flint-Filmen die Bösewichte gute Gründe. In „Derek Flint schickt seine Leiche“ wollen sie eine Expertenherrschaft einrichten, die wesentlich vernünftiger als die Herrschaft der wettrüstend-dummen Politiker ist. In „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ wollen Frauen ein Matriachat einführen und so die Welt zu einem besseren Ort machen. Um die Gedanken der Frauen zu beeinflussen, benutzen sie die Trockenhauben beim Friseur (Das ist doch eine grandiose Idee!). Es gibt zwar auch einen Hintermann und einen falschen Präsidenten, aber die schönen Frauen entzücken natürlich das Auge des männlichen Zuschauers.

Ein weiterer Unterschied zwischen James Bond und Derek Flint ist, ist dass Bond immer im Auftrag seiner Majestät unterwegs ist. Derek Flint ist dagegen ein Ex-Agent, der inzwischen in einem futuristisch eingerichtetem Loft mit Panoramablick, mehreren Frauen und einem Delphin (Keine Ahnung, wie der es in das Apartment schaffte.) lebt. Flint kann sowieso alles: mit dem Delphin reden, mehrere Sprachen sprechen, etliche Kampfsportarten und ein guter Tänzer ist er auch noch. So begibt er sich einmal in Moskau als Balletttänzer auf die Bühne und verabredet sich während des Tanzes mit der Tänzerin.

Und während Bond auch seine Pistole einsetzt, versucht Flint möglichst niemand umzubringen. Jedenfalls braucht er dafür keine Pistole.

Außerdem nimmt Derek Flint den Kampf gegen die Bösewichter nicht aus hehren Motiven (wie Weltrettung oder nationales Interesse) sondern für seine Freunde und Freundinnen auf.

Das ist natürlich alles hoffnungslos übertrieben und unrealistisch, hat aber auch immer eine fast schon kindliche Freude am Spiel, die heutige Filme nicht mehr haben. Denn niemand muss sich mit ernsthaften psychologischen Problemen und Traumata herumschlagen. Und in den Kämpfen sieht man wirklich, dass James Coburn etliche Kämpfe selbst absolvierte. Ansonsten darf man die Arbeit der Stuntmänner bewundern und das ist immer noch aufregender als ein modisches Schnittgewitter, bei dem man den Kampf nicht mehr sieht sondern „erfährt“ (ein Effekt, der sich arg schnell abnutzt).


Für die rundum gelungene DVD-Veröffentlichung der beiden Flint-Filme (die als Doppel-DVD erschienen) wurde viel tolles Bonusmaterial produziert: jeder Film hat einen hörenswerten Audiokommentar von Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld (die beide große Fans von Sechziger-Jahre-Agentenfilmen sind), es gibt Featurettes, alte Interviews und umfangreiche Bildergalerien. Das ist eine feine Rundum-Packung, die sich nicht vor den 2-DVD-Ausgaben der James-Bond-Filme verstecken muss. Nein, halt, das ist gelogen. Denn während bei dem Bonusmaterial der Bond-Filme oft ein arg unkritischer Ton herrscht, ist das bei den Flint-Filmen durchaus kritischer und alle sind bemüht, die Filme in die richtige Perspektive zu setzten.

Nämlich als spaßige Agentenfilme mit einem ordentlichen Touch „Playboy“ und der fetzigen Musik von Jerry Goldsmith.

Derek Flint schickt seine Leiche (Our man Flint, USA 1965)

Regie: Daniel Mann

Drehbuch: Hal Fimberg, Ben Starr

mit James Coburn, Lee J. Cobb, Gila Golan, Edward Mulhare

Derek Flint – Hart wie Feuerstein (In like Flint, USA 1966)

Regie: Gordon Douglas

Drehbuch: Hal Fimberg

mit James Coburn, Lee J. Cobb, Jean Hale, Andrew Duggan, Anna Lee,

Doppel-DVD (mit „Derek Flint schickt seine Leiche“ und „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“)

Derek Flint schickt seine Leiche

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch, Italienisch

Extras: Audiokommentar mit den Filmhistorikern Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld, Spion-O-Rama, Das Spiel eines Gentlemans, Spion-Style, Die perfekte Bouillabaisse, Super-8-Version, Deutscher Trailer, Englischer Trailer A, Englischer Trailer B, Bildergalerie

Länge: 104 Minuten

Derek Flint – Hart wie Feuerstein

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Italienisch

Extras: Audiokommentar mit den Filmhistorikern Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld, Eine perfekte Zukunft, Die Magie der Musik, Spion-Schule, Spion-Mode, Weibliche List, Zieh dich aus!, Interview James Coburn, Interview mit Lee J. Cobb, Deanne Lund Screen Test, Deutscher Trailer, Englischer Trailer, Bildergalerie

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Derek Flint schickt seine Leiche“ (deutsch, englisch) und „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Our Man Flint“ und „In like Flint“

Cinema Retro: Einige „Derek Flint“-Bilder



TV-Tipp für den 3. März: Tatort: Platt gemacht

März 3, 2011

WDR, 20.15

Tatort: Platt gemacht (D 2009, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Stefan Cantz, Jan Hinter

In Köln wird ein Obdachloser mit Frostschutzmittel vergiftet. Die Kommissare Ballauf und Schenk ermitteln im Milieu.

Sehr unterhaltsamer Kölner-Tatort, der erfrischend undidaktisch (Wir reden vom Kölner Tatort) daherkommt und Udo Kier als Penner ist auch die halbe Miete.

Bei pulp master ist Buddy Giovinazzos neuester Roman “Piss in den Wind” und eine Wiederveröffentlichung von “Cracktown” in Vorbereitung. Das sind wirklich gute Nachrichten für die Noir-Fans.
mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Joe Bausch, Udo Kier, Christian M. Goebel, Michael Schenk, Catherine Flemming, Peter Millowitsch

Hinweise

Wikipedia über Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo

Tatort-Fundus über das Team Ballauf/Schenk


TV-Tipp für den 2. März: Wehrlos – Die Tochter des Generals

März 2, 2011

Kabel 1, 22.10

Wehrlos – Die Tochter des Generals (USA 1999, R.: Simon West)

Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)

LV: Nelson De Mille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)

Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.

Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)

Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.

Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, mal wieder vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.

Der Film ist FSK-16 und aufgrund der Uhrzeit müsste heute die ungekürzte Version gezeigt werden. Für die 20.15-Uhr-Ausstrahlung wird normalerweise auf eine sinnentstellend beschnittene Version (im Wesentlichen wurde das Motiv herausgeschnitten) zurückgegriffen.

Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”

Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III

Hinweise

Homepage von Nelson DeMille

Schnittberichte über die Kürzungen

January Magazine unterhält sich mit Nelson DeMille (März 2000)

Wikipedia über Nelson DeMille (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. März: Zwischen heute und morgen

März 1, 2011

Arte, 22.55

Zwischen heute und morgen (D 2008, R.: Fred Breinersdorfer)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Dagmar Leupold

LV: Dagmar Leupold: Eden Plaza, 2002

Ein Architekt rettet einer Werbetexterin das Leben. Sie verabreden sich zu einer Nacht im Hotel. Wie wird diese Nacht ihr Leben verändern?

Das Spielfilmdebüt des Krimiautors ist kein Krimi, sondern ein Beziehungsdrama mit Erotik-Touch.

eine französisch angehauchte amour fou als leises, entspanntes Kammerspiel – jenseits von Paragraphen und der gesellschaftspolitischen Relevanz” (Rainer Tittelbach)

Das Publikum war bei der Premiere in Berlin von dem Film (vor allem wohl den Dialogen) enttäuscht.

Mit Gesine Cukrowski, Peter Lohmeyer, Alexander Held, Harry Baer, Alexander Held

Wiederholung: Freitag, 11. März, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)

Achtung Berlin: Bericht von der Filmpremiere und der Publikumsdiskussion (dem der Film absolut nicht gefiel)

Presseheft zum Film


DVD-Kritik: Ving Rhames veredelt die „Bridge to Nowhere“

Februar 28, 2011

Ein Film mit Ving Rhames kann nicht ganz schlecht sein. Immerhin spielt Ving Rhames mit. Aber in „Bridge to Nowhere – Die dunkle Seite des Traums“ hat er nur eine handvoll Szenen und insgesamt wohl ungefähr fünf Minuten Filmzeit.

Der Rest ist eine am Anfang durchaus sympathische Geschichte von vier Jugendfreunden, die eher zufällig in das Geschäft mit Prostituierten und Drogen hineinschlittern.

Irgendwann wird es dann zu einer 08/15-Gangstersaga, in der der Kopf der Bande auf Mini-Al-Pacino macht. Er nimmt Drogen und beim Showdown ballert er dann auch mit der großen Wumme auf die Polizei, die als Deus ex machina am Ende auf der Bildfläche erscheint. In „Scarface“, dem bekanntesten Vorbild für „Bridge to Nowhere“, waren es andere Gangster und die Schlacht dauerte ewig.

Aber Schauspieler Blair Underwood musste in seinem Spielfilmdebüt mit einem wesentlich geringerem Budget als damals Brian De Palma auskommen und er setzte die Geschichte ziemlich amateurhaft um. Das fällt vor allem bei dem Mord an einer Prostituierten und dem Schusswechsel am Filmende unangenehm auf.

Außerdem ist die Geschichte teils schleppend, teils sprunghaft mit allzu austauschbaren Charakteren, die uns daher auch ziemlich egal sind, erzählt. Die vier Jungs, die zufällig Zuhälter und Drogenhändler werden, verstehen sich untereinander zu gut. Mit ihren Angestellten, den Nutten, haben sie keine Probleme. Die Damen liefern brav das Geld ab und erfreuen sich an den von ihren Zuhältern gekauften Kleidern und Drogen. Der von Ving Rhames gespielte Großgangster gibt den Gangster-Lehrlingen Tipps für das richtige Gangstertum.

So entsteht schnell der Eindruck, dass sie alle eine glückliche Familie sind. Konflikte gibt es nicht. Nur: wo es keine Konflikte gibt, gibt es auch kein Drama und für einen Gangsterfilm gibt es nichts schlimmeres.

Ving Rhames hat für „Bridge to Nowhere“ wahrscheinlich zwei, drei Tage geopfert und so versucht dem Projekt als Ghetto-Projekt, das vor den Übeln des Gangstertums warnt, eine breitere Öffentlichkeit zu verschaffen.

Trotzdem ist „Bridge to Nowhere“ kein Film, den man sich nicht ansehen muss.

Bridge to Nowhere – Die dunkle Seite des Traums (The Bridge to Nowhere, USA 2009)

Regie: Blair Underwood

Drehbuch: Chris Gutierrez

mit Bijou Phillips, Danny Masterson, Ben Crowley, Daniel London, Thomas Ian Nicholas, Alexandra Breckenridge, Sean Derry, Ving Rhames

DVD

Bronson Entertainment/Koch Media

Bild: 16:9 (1:1,78 anamorph)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Bio-/Filmographien, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Bridge to Nowhere“

 


TV-Tipp für den 28. Februar: Tabu – Eine Geschichte aus der Südsee

Februar 28, 2011

Arte, 00.05

Tabu – Eine Geschichte aus der Südsee (USA 1931/2010, R.: Friedhelm Wilhelm Murnau, Robert J. Flaherty)

Drehbuch: Friedhelm Wilhelm Murnau, Robert J. Flaherty

Die Story ist Nebensache (Reri liebt Matahi. Sie wird Priesterin und er darf sie nicht mehr berühren. Beide fliehen.), die Bilder die Hauptsache.

Denn Friedrich Wilhelm Murnau („Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, „Der letzte Mann“) war von der Südsee fasziniert, ursprünglich war ein Dokumentarfilm geplant und am Ende wurde es ein Dokumentarfilm mit Spielfilmhandlung (oder umgekehrt).

Tabu“ war Murnaus letzter Film. Er starb vor der Premiere am 11. März 1931 bei einem Autounfall.

Arte zeigt eine digital restaurierte Fassung mit der Original-Filmmusik von Hugo Riesenfeld.

Mit Reri (Anne Chevalier), Matahi, Jean, Jules, Kong Ah

Hinweise

Arte über den Film

Wikipedia über „Tabu“ (deutsch, englisch)

Milestone Film über „Tabu“


TV-Tipp für den 27. Februar: Oscar 2011

Februar 27, 2011

Pro7, 02.00

Oscar 2011 – Die Academy Awards – Live aus L. A.

Ab 01.10 Uhr berichtet Pro 7 vom Roten Teppich, aber erst jetzt geht’s wirklich los. Und wer keine Nachteule ist, kann entweder hier die Gewinner erfahren oder sich auf der Oscar-Seite umfassend über den Preis informieren.

Bereits vergeben sind die Spirit Awards für die besten Independent-Filme („Black Swan“ schlug sich hervorragend) und die Razzies für die schlechtesten Filme.


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 26, 2011

Wer wissen will, welche Krimiverfilmungen in den kommenden Tagen im TV laufen, muss zu den Alligatorpapieren klicken und meine TV-Krimi-Buch-Tipps studieren:

In den kommenden beiden Wochen gibt es einige John-Grisham-Verfilmungen, die üblichen Verdächtigen (Brunetti, Wallander, Lynley/Havers, Laurenti, Barnaby, Huss) und den letzten Teil der Stieg-Larsson-Verfilmungen.
Sehenswert sind, immer wieder, Sam Peckinpahs Western „Sacramento“, Buddy Giovinazzos Kölner-„Tatort“ „Platt gemacht“, Wong Kar-wais „My Blueberry Nights“ (am Drehbuch war auch Lawrence Block beteiligt), Franck Mancusos Lawrence-Block-Verfilmung „Kein Mord bleibt ungesühnt“, Lars Beckers „Nachtschicht: Das tote Mädchen“, Lynda La Plantes „Der Preis des Verbrechens“-Zweiteiler „Spurlos verschwunden“, Guy Hamiltons Ian-Fleming-Verfilmung „Goldfinger“, Alfred Hitchcocks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Fenster zum Hof“ und seine Robert-Bloch-Verfilmung „Psycho“, Stanley Donens Marc-Behm/Peter-Stone-Verfilmung „Charade“ (zu einer angenehmen Uhrzeit), Antoine Fuquas Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“, J. Lee Thompsons John-D.-MacDonald-Verfilmung „Ein Köder für die Besite“, Als TV-Premieren sind Fred Breinersdorfers Debüt als Spielfilmregisseur „Zwischen heut und morgen“ (er drehte vorher einen zehnminütigen Kurzfilm) und Lars Beckers „Amigo – Bei Ankunft Tod“ (nach seinem Roman) sicher einen Blick wert.


TV-Tipp für den 26. Februar: Striptease

Februar 26, 2011

RTL II, 22.45

Striptease (USA 1996, R.: Andrew Bergman)

Drehbuch: Andrew Bergman

LV: Carl Hiaasen: Striptease, 1993 (Striptease)

Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozeß in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.

Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle

Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden

Wiederholung: Sonntag, 27. Februar, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Carl Hiaasen

Meine Besprechung von „Sumpfblüten“ (Nature Girl, 2006)

Meine Besprechung von „Der Reinfall“ (Skinny Dip, 2004)

Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999)

Meine Besprechung von „Unter die Haut“ (Skin Tight, 1989)


Neu im Kino/Filmkritik: „Drive Angry“: Einmal Erde und wieder zurück in die Hölle

Februar 25, 2011

Der Trailer für „Drive Angry 3D“ verspricht einen ordentlich-durchgeknallten Actionthriller mit einem kräftigen Siebziger-Jahre-Touch. Nichts originelles, dafür heiße Autos, scharfe Bräute (gerne auch nackt) und hoffnungslos übertriebene Gewalt, frei nach dem Motto „Das Blut muss spritzen“. Kurz: richtig dummes Jungskino, bei dem die Story nur die halbherzige Entschuldigung für den Rest ist.

Und, soviel kann jetzt schon verraten werden: dieses Versprechen löst Patrick Lussiers Film ein.

Nicolas Cage spielt Milton, einen Daddy, der eine Sekte verfolgt, die seine Tochter tötete und bei Vollmond sein Enkelkind (ein kleines unschuldiges Baby) opfern will. Er räumt dabei ziemlich rabiat alles aus dem Weg was ihn an seiner Mission hindern könnte. Dass er dabei zuerst von einem Polizisten einen Brustschuss und später von einem Sektenjünger einen Schuss ins Auge erhält, bringt ihn nicht um. Denn der Verbrecher Milton ist bereits tot und, nachdem er in der Hölle den Mord an seiner Tochter beobachtete, machte er sich auf den Weg aus der Hölle auf die Erde.

Verfolgt wird er von dem Buchhalter. William Fichtner, spielt hier, wie in der TV-Serie „Prison Break“, einen eiskalten Jäger. Aber dieses Mal garniert er seine Rolle mit sardonischem Humor und es ist ersichtlich, warum Fichtner die Rolle angenommen hat.


Dagegen ist Cages Charakter nur ein langweilig-humorloser Terminator-Abklatsch, der auch von irgendeinem anderen Schauspieler hätte gespielt werden können. Selbst wenn er erschossen wird, verzieht er keine Miene.

Amber Heard als seine sehr schlagkräftige Begleiterin ist vor allem Augenfutter für die Jungs im Kinosaal.

Billy Burke sieht als Sektenguru wie ein Elvis-Presley-Imitator aus und es ist auch etwas rätselhaft, warum seine Jünger, ein bunter Haufen Rednecks, gerade einem solchen Milchbubi folgen. Doch die Sekte ist hier, wie wir es aus unzähligen B-Filmen kennen, nur der x-beliebige Aufhänger, um Cage genug Kanonenfutter zu liefern.

Die Action-Szenen sind eine fetzige Mischung aus Old-School-Action bei den Schlägereien, Schusswechseln, Kämpfen und Autoverfolgungsjagden und, immerhin muss der 3D-Effekt weidlich ausgenutzt werden, Bullet-Time-Spielereien.

Dabei, – Was durchaus erstaunlich ist, weil ein hirnloser Action-Film ja eigentlich perfekt für einen 3D-Film sein müsste. -, versaut gerade der 3D-Effekt den Film. Während ein 2D-Film für unser geschultes Auge inzwischen natürlich wirkt, wirkt hier der Film über weite Strecken wie ein Computerspiel mit schlechter Auflösung. Da ist dann nichts vom Dreck in den Bilder zu spüren. Alles wirkt, als sei es am Computer errechnet worden, als hätten die Schauspieler vor einem Blue-Screen agiert und man habe die Hintergründe hastig eingefügt. Zu oft sehen die Action-Szenen nach billigen Tricks aus. Die Autos wirken wie Miniaturmodelle. Bei ruhigen Szenen stören dann die unnatürlichen 3D-Bilder, die wie ein Scherenschnittbild aussehen und daher keinen natürlich-wirkenden Eindruck vom Raum vermitteln. Auch die Landschaftsaufnahmen, gedreht wurde in Louisiana, sehen immer wieder unnatürlich aus.

Diese Bilder reisen einen immer wieder aus der Geschichte und man fragt sich verzweifelt: „Warum nur, Herr Lussier? Warum 3D?“

Drive Angry 3D“ ist, wenn der Film nicht in 3D wäre, eine erfreulich gelungene Reminiszenz an den 70er/80er-Jahre-Actionfilm mit einer Geistergeschichte, die in ihren besten Momenten von Krimi- und Horrorschriftsteller Joe R. Lansdale inspiriert sein könnte. Für einen aktuellen Hollywoodfilm ist auch erstaunlich viel nackte Haut (was für Amis ja immer so furchtbar schockierend ist) und direkter Gewalt, garniert mit den üblichen Einzeilern (wobei der „Buchhalter“ die besten Sätze hat), enthalten. Halt genau das, was der Trailer verspricht und auch bei uns eine Ab-18-Jahre-Freigabe rechtfertigt.

Fortsetzung erwünscht. Dann aber mit „Buchhalter“ William Fichtner in der Hauptrolle und in 2D.

Drive Angry 3D (Drive Angry 3D, USA 2011)

Regie: Patrick Lussier

Drehbuch: Todd Farmer, Patrick Lussier

mit Nicolas Cage (Milton), Amber Heard (Piper), William Fichtner (Der Buchhalter), Billy Burke (Jonah King), David Morse (Webster), Todd Farmer (Frank), Christa Campbell (Mona), Charlotte Ross (Candy), Tom Atkins (Cap), Jack McGee (Fat Lou), Katy Mixon (Norma Jean)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Drive Angry“

Dread Central über „Drive Angry“ (viele Infos)

Collider: Interviews mit Amber Heard und Nicolas Cage, Billy Burke und der ganze Rest

Deutsche William-Fichtner-Fanseite


TV-Tipp für den 25. Februar: Macht über die Insel

Februar 25, 2011

Arte, 20.15

Macht über die Insel (F 2010, R.: Antoine Santana)

Drehbuch: Antoine Santana, Jean-Paul Brighelli

LV: Jean-Paul Brighelli: Pur porc, 2003 (später: Viande froide)

Ein Journalist soll auf Korsika eine Biographie über einen namenlosen, nationalistischen Ex-Kommissar schreiben. Dieser hat Angst um sein Leben, weil er vor einigen Jahren ein Attentat auf einen Beamten fingieren sollte und dieser dann starb.

Anscheinend ziemlich gelungener TV-Politthriller.

mit Francois Berléand, Alexandre Steiger

Wiederholungen

Dienstag, 8. März, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Donnerstag, 17. März, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über den Film

Wikipedia über Jean-Paul Brighelli

Blog von Jean-Paul Brighelli


DVD-Kritik: Über den Noir-Gangsterfilmklassiker „The Long Good Friday“

Februar 24, 2011

Der englische Gangsterfilm „The Long Good Friday“, der in Deutschland auch als „Rififi am Karfreitag“ lief, ist ein Blick in die Vergangenheit auf ein England und ein London, das es nicht mehr gibt. Denn obwohl „The Long Good Friday“ bereits 1979 gedreht wurde, nahm er fast schon prophetisch die Thatcher-Jahre und die Bebauung der Londoner Docks vorweg.

Denn der Held des Films, Harold Shand, der unumstrittene Gangsterboss von London mit guten Kontakten zur Polizei und Politik (grandios gespielt von Bob Hoskins), plant ein großes Projekt: die Bebauung der heruntergekommenen Docklands. Das Geld dafür soll aus Amerika kommen. Von der Mafia. Deren Vertreter Charlie (Eddie Constantine) hat allerdings nichts mit dem „Paten“-Pomp zu tun. Er ist ein stinknormaler Geschäftsmann im feinen Anzug, der seine Geschäfte ohne Aufsehen zu erregen machen will.

Doch Aufsehen verursachen gerade jetzt einige Anschläge auf Harolds Imperium. Sogar auf seine Mutter wird ein Bombenattentat verübt. Während Harold und seine Frau Victoria (Helen Mirren) Charlie hinhalten, sucht Harold den Mann, der die Anschläge auf ihn verübt. Als er herausfindet, dass sein Gegner nicht irgendein anderer Gangster, sondern die IRA ist, weiß er, dass er in Lebensgefahr schwebt.

Diese IRA-Geschichte führte dann auch dazu, dass der Film nach dem Dreh erst einmal im Giftschrank verschwand. Denn ITV-Chef Lew Grade hasste den Film, den er aufgrund der Darstellung des britischen Militärs in Nordirland für unpatriotisch hielt. Er glaubte auch, dass der Film einen schlechten Einfluss auf junge Menschen haben könne. Außerdem befürchtete er Anschläge der von dem Film beleidigten IRA auf Kinos, in denen der Film gezeigt würde. Denn die Terroristen würden ja als Gangster gezeigt. Regisseur Mackenzie erfuhr später, dass ihnen „The Long Good Friday“ gefiel: „Die Jungs hatten nichts gegen den Film. Sie sahen darin nicht dumm aus und er zeigte sie als offensichtlich gute Planer.“

Für den US-Markt wurde damals eine gekürzte Version zusammengeschnitten und, weil die Produzenten befürchteten, dass die Amerikaner den Londoner Akzent von Bob Hoskins nicht verstünden, wurde Bob Hoskins einfach mal schnell synchronisiert. Das sorgte für Ärger. Regisseur Mackenzie erzählt in seinem sehr informativem Audiokommentar, dass mehrere hochkarätige Schauspieler, wie Richard Burton und Sir Alec Guiness, eine Petition unterschrieben, in der sie darauf hinwiesen, wie wichtig die Stimme für einen Schauspieler sei, und Hoskins mit einer Klage drohte. In diesem Moment ergriffen die Produzenten die Chance, den Film an die für den englischen Film der achtziger Jahre enorm wichtige Firma „Handmade Films“ zu verkaufen. Ex-Beatle und Firmenchef George Harrison kaufte den Film, für 850.000 Pfund. Dabei hatte er, so Mackenzie, 900.000 Pfund gekostet. 1980 wurde er auf dem London Film Festival gezeigt und kurz darauf startete er in den englischen Kinos. Erfolgreich.

Auch in den USA stieß er auf positive Resonanz und Barrie Keeffes Drehbuch erhielt 1983 einen Edgar. Bob Hoskins erhielt den Evening Standard British Film Award und war für den BAFTA nominiert.


Nach Deutschland kam „The Long Good Friday“ unter dem dümmlichen Titel „Rififi am Karfreitag“ (denn mit Rififi hat „The Long Good Friday“ nichts zu tun) erst am 22. Januar 1987. Davor lief, ebenfalls mit Bob Hoskins in der Hauptrolle, der märchenhaft-überhöhte Gangsterfilm „Mona Lisa“ bereits erfolgreich in den Kinos. Die Begeisterung der deutschen Kritiker für „The Long Good Friday“ hielt sich in überschaubaren Grenzen.

Das Lexikon des internationalen Films schrieb: „Nicht ganz schlüssig in der Schilderung politischer und krimineller Verstrickungen und auch auf formaler Ebene nur streckenweise überzeugend.“

Der Fischer Film Almanach verlegte den Film gleich in die 20er Jahre (was Quatsch ist) und urteilte: „Leider hat der Film mehr mit italienischen Polit-Thrillern (den schlechteren unter ihnen) als mit Richardson und Anderson zu tun. Politik ist ihm nur ein Hintergrund, der seiner Geschichte mehr Spannung verleihen soll; (…) Auf dieser Ebene ist Mackenzie freilich ein annehmbarer Film gelungen.“

Damals war die in „The Long Good Friday“ noch als leicht größenwahnsinniger Plan eines Gangster entworfene Bebauung der Docks zum Yuppie-Viertel bereits im Gang.

Einige Jahre später durfte James Bond sie in „Die Welt ist nicht genug“ (The World is not enough) als Hintergrund für eine atemberaubende Verfolgungsjagd benutzen. Bond wurde in dem 1999er-Film von Pierce Brosnan gespielt, der in „The Long Good Friday“ mit einer stummen Rolle sein Filmdebüt gab. Allerdings sind seine beiden kurzen Auftritte für den Film durchaus wichtig.

Die bekannteste und immer noch beeindruckende Szene des Films dürfte das Verhör in der Schlachterei sein. Harold hat alle Leute, die er verdächtigt, die Anschläge auf ihn verübt zu haben oder etwas darüber zu wissen, entführen gelassen und sie jetzt kopfüber an Fleischhaken aufgehängt. Die Schauspieler hingen für die Szene wirklich mehrere Stunde an den Haken.


Ebenfalls beeindruckend sind die beiden großen Ansprachen von Harold. Einmal auf der Themse vor der Tower-Bridge, einmal in einem Hotelzimmer im Savoy Hotel. Diese Mischung aus gewieftem Gangstertum, Gossenschlauheit, Thatcherismus und Größenwahn ist immer noch beängstigend und verrät viel über die damalige Inselmentalität.

Insgesamt ist „The Long Good Friday“, der in England längst als Klassiker gehandelt wird, ein packendes, noirisches Gangsterdrama, in dem John Mackenzie effizient, mit einigen Schockeffekten und mit viel schwarzem Humor seine Geschichte erzählt. Nur die damals ach so moderne, heute unhörbare Synthie-Musik von Francis Monkman, stört gewaltig.

The Long Good Friday – Rififi am Karfreitag (The Long Good Friday, GB 1979/1981)

Regie: John Mackenzie

Drehbuch: Barrie Keeffe

mit Bob Hoskins, Helen Mirren, Eddie Constantine, Pierce Brosnan (Filmdebüt)

DVD

Spirit Media

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar von John Mackenzie, Bio- und Filmographien von Bob Hoskins, Helen Mirren, Eddie Constantine und John Mackenzie, Bildergalerie, Originaltrailer, Feature „The Handmade Story“, Handmade-Trailergalerie,

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „The Long Good Friday“

Screen Online über „The Long Good Friday“

Movie Locations über die Drehorte von „The Long Good Friday“

New York Times über „The Long Good Friday“ (2. April 1982)

Spectator über „The Long Good Friday“ (25. Februar 2009)


Die letzte große Ansprache von Harold Shand (ganz am Ende des Films und, nun, nicht gerade spoilerfrei)

Und eine Doku über den Film



TV-Tipp für den 24. Februar: La Mala Educación – Schlechte Erziehung

Februar 24, 2011

3sat, 22.25

La Mala Educación – Schlechte Erziehung (E 2004, R.: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Nach zwanzig Jahren treffen sich zwei Klosterschüler wieder. Der eine ist jetzt ein gefeierter Regisseur. Der andere ein armer Schauspieler mit einem Drehbuch über seine Zeit im Kloster zwischen Missbrauch, Homosexualität, Lügen und Rachegedanken.

Das ist der Ausgangspunkt für einen typischen Almodóvar, der souverän zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion wechselt. „Wohl das reifste Werk des spanischen Enfant terrible.“ (Margret Köhler, Blickpunkt Film 21/2004)

Mit Gael Garcia Bernal, Daniel Giménez-Cacho, Fele Martinez, Lluis Homar

Hinweise

Film-Zeit über „La Mala Educación“

Wikipedia über „La Mala Educación“


TV-Tipp für den 23. Februar: Shining

Februar 23, 2011

Kabel 1, 22.25

Shining (GB 1980, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson

LV: Stephen King: The Shining, 1977 (Shining)

Jack Nicholson läuft axtschwingend durch ein einsames Hotel – und wir können eine der besten Stephen King-Verfilmungen (auch wenn der Grandmaster mit Kubricks Version nicht zufrieden war und ihm eine Jahre später gedrehte, inzwischen vergessene TV-Fassung besser gefiel) genießen.

„Der Horrorfilm schlechthin.“ (Der Spiegel)

Mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Barry Nelson

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park


TV-Tipp für den 22. Februar: Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off

Februar 22, 2011

Aufnahmebefehl!

3sat, 02.00

Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off (A/USA 2004, R.: Michael Palm)

Sehenswerte Doku über den nur noch in Cineasten-Kreisen bekannten Edgar G. Ulmer (17. 9. 1904 – 30. 9. 1972). Seine Lehrjahre verbrachte er u. a. bei F. W. Murnau, Robert Siodmak und Billy Wilder, ehe er nach Hollywood ging und, dort, nachdem er bei dem Filmmogul Carl Laemmle in Ungnade fiel, hauptsächlich Billigfilme drehte.

Sein bekanntester Film ist der Horrorfilm „Die schwarze Katze“ (The black cat, USA 1934). Im Noir-Genre drehte er „Blaubart“ (Bluebeard, USA 1944), „Umleitung“ (Detour, 1945), „Die Stimme aus dem Jenseits“ (Strange Illusion, USA 1945), „The strange woman“ (USA 1946), „Ohne Erbarmen/Skrupellos“ (Ruthless, USA 1948) und „Mord ist mein Geschäft“ (Murder is my beat, USA 1955).

Hinweise

Wikipedia über Edgar G. Ulmer (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Edgar G. Ulmer


DVD-Kritik: Spike Lees Kriegsfilm „Buffalo Soldiers ’44 – Das Wunder von St. Anna“ erlebt seine Deutschlandpremiere auf DVD

Februar 21, 2011

Wer von Spike Lee nur seinem Thriller „Inside Man“ kennt, wird an „Buffalo Soldiers ’44 – Das Wunder von St. Anna“ verzweifeln. „Bamboolized“ (deutscher Titel „It’s showtime“) und „Summer of Sam“, taugen, wenn wir chronologisch in Lees umfangreichem Schaffen zwischen Spielfilmen, TV-Arbeiten und Dokumentarfilmen zurückgehen, eher als Modell für „Buffalo Soldiers ’44“. Aber „Bamboolized“ und „Summer of Sam“ dürfte fast niemand kennen.

Denn der Kriegsfilm „Buffalo Soldiers ’44“ ist ein typischer, sich zwischen alle Stühle setzender Spike-Lee-Film: etwas zu lang (154 Minuten!), leicht zerfahren, sich lustvoll in Nebengeschichten verlierend, immer wieder deutlich auf den amerikanischen Rassenkonflikt hinweisend und hier sogar öfters unangenehm im Religiösen badend. Aber er hat auch eine beeindruckende Liste bekannter Schauspieler, Jazzer Terence Blanchard schrieb wieder die Musik und es gibt zahlreiche gelungene Szenen in diesem 1944 in de Toskana spielendem Weltkrieg-II-Soldatendrama.

Während eines Gefechtes geraten die vier afroamerikanischen Soldaten Aubrey Stamps (Derek Luke), Bishop Cummings (Michael Ealy), Hector Negron (Laz Alonso) und Sam Train (Omar Benson Miller) hinter die feindlichen Linien. Train rettet einen italienischen Jungen, der mit einem Geist spricht, das Leben. In einem nahe gelegenem Dorf werden sie freundlich aufgenommen. Gleichzeitig kämpfen in den Wäldern die Partisanen gegen die Deutschen und gegeneinander. Die Deutschen umzingeln langsam das Dorf. Außerdem jagen sie einen Deserteur. Und die Amerikaner versuchen ihre Männer zu retten.

Doch Spike Lee ist die Dramatik der Rettungsaktion ziemlich egal. Denn die Bedrohung durch die Deutschen bleibt bis zum Ende abstrakt. Stattdessen scheint das Dorf und die in ihm lebenden Menschen sich in einer Zeitkapsel, die von dem um sie herum tobendem Krieg nichts mitbekommt, zu befinden.

Das erinnert dann teilweise an den ebenfalls in Italien spielenden Blake-Edwards-Film „What did you do in the War, Daddy?“ (Was hast du denn im Krieg gemacht, Pappi?). In dem Film inszenieren US-Soldaten und die italienischen Dorfbewohner für die außenstehenden deutschen und alliierten Soldaten eine muntere Kriegscharade, während sie es sich gut gehen lassen. Edwards beschritt eindeutig den komödiantischen Weg. Mehr Burleske, als irgendwie ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg.

Bei Spike Lee ist dagegen keine eindeutige Richtung zu erkennen. Es gibt brutale Gefechtsszenen, mehrere Massaker und kaltblütige Morde, herzige Szenen, etliche mehr oder weniger im nichts verlaufende Subplots, das Übernatürliche und das Banale und auch keine Erklärung, was für ihn das titelgebende „Wunder von St. Anna“ ist. Aber vielleicht verstand Spike Lee den Titel auch zutiefst ironisch.

Und natürlich, das dürfte aber nur die Menschen erstaunen, die „25 Stunden“ und „Inside Man“ für repräsentative Spike-Lee-Filme halten, will er auf die bislang ignorierte Rolle der Afroamerikaner in der amerikanischen Geschichte hinweisen. Denn in „Buffalo Soldiers ’44“ sind die Frontsoldaten, entgegen dem gepflegtem Hollywood-Bild, Afroamerikaner.

A Spike Lee Joint“ steht, wieder einmal, im Abspann. Und das ist der Film auch.

Hundertprozentig.

Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna (Miracle at St. Anna, USA/I 2008)

Regie: Spike Lee

Drehbuch: James McBride

LV: James McBride: Miracle at St. Anna, 2003 (Das Wunder von St. Anna)

mit Derek Luke, Michael Ealy, Laz Alonso, Omar Benson Miller, Pierfrancesco Favino, Valentina Cervi, Matteo Sciabordi, John Turturro, Joseph Gordon-Levitt, John Leguizamo, D.B. Sweeney, Robert John Burke, Michael K. Williams, Alexandra Maria Lara, Jan Pohl, Walton Goggins, Christian Berkel, Waldemar Kobus, Oliver Korittke, Kai Meyer, Alexander Beyer

DVD

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Deleted Scenes, Historisches Essay, Kinotrailer, Wendecover

Länge: 154 Minuten

FSK: ab 16 Jahre


Buchtipp

Spike Lee“, herausgegeben von Gunnar Landsgesell und Andreas Ungerböck, erschien bereits 2006 in der uneingeschränkt lobenswerten „film“-Reihe von Bertz + Fischer und ist immer noch absolut lesenswert.

Also: Kaufbefehl!

Hinweise

Wikipedia über „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“

Los Angeles Times: Spike Lee über den Film

Moviefone: Interview mit Spike Lee über den Film

 

 

 


TV-Tipp für den 21. Februar: Invasion der Amateure

Februar 21, 2011

WDR, 00.00

Invasion der Amateure – Die USA und der Wiederaufbau des Irak (USA 2007, R.: Charles Ferguson)

Drehbuch: Charles Ferguson

In seinem Regiedebüt fragt der frühere Berater der US-Regierung und diverser Hightech-Firmen Charles Ferguson, was bei der Invasion und dem Wiederaufbau im Irak schief ging. Wie der Titel schon andeutet: viel. Inkompetenz, Planungsmängel und Naivität hatten, so das wenig überraschende, aber gut untermauerte Fazit der Doku, zu der heutigen Situation im Irak geführt. Beim Sundance Filmfestival gab’s dafür 2007 den Spezialpreis der Jury; für den Oscar und den Preis der Writers Guild of America, um nur die in Deutschland bekanntesten Preise zu nennen, war „No End in Sight“ auch nominiert.

Hinweis

Homepage zum Film


TV-Tipp für den 20. Februar: Tatort: Rendezvous mit dem Tod

Februar 20, 2011

ARD, 20.15

Tatort: Rendezvous mit dem Tod (D 2011, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Meike Hauck, Clemens M. Schönborn

Kommissarin Saalfeld ermittelt in einem Selbstmord ohne Leiche (ein akuter Fall von “zu viel Zeit”). Ihr Kollege Keppler sucht den Mörders eines in einer Badewanne ertrunkenen, gefesselten Mannes.

Zehnter Einsatz des Teams Saalfeld/Keppler, das nach einem verheißungsvollem Beginn schnell auf Ehrlicher-Niveau ankam. Aber mit Buddy Giovinazzo als Regisseur könnte es ein spannender Fall werden.

Bei pulp master ist Buddy Giovinazzos neuester Roman “Piss in den Wind” und eine Wiederveröffentlichung von “Cracktown” in Vorbereitung. Das sind wirklich gute Nachrichten für die Noir-Fans.

mit Simone Thomalla, Martin Wuttke, Franziska Walser, André Hennicke, Nadeshda Brennicke

Wiederholungen: Eins Festival, 21.45 Uhr und 00.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo

Tatort-Fundus über das Team Keppler/Saalfeld


TV-Tipp für den 19. Februar: Zwielicht

Februar 19, 2011

Kabel 1, 22.40

Zwielicht (USA 1996, R.: Gregory Hoblit)

Drehbuch: Steve Shagan, Ann Biderman

LV: William Diehl: Primal Fear, 1993

Staranwalt Vail ist im siebten Himmel: er verteidigt den jungen Messdiener, dem vorgeworfen wird, den Erzbischof von Chicago abgeschlachtet zu haben. Vail will, begleitet von kräftigem Medienrummel, die Unschuld seines Mandanten vor Gericht beweisen.

Wendungsreicher, etwas lang geratener Justiz-Thriller mit guten Leistungen der Darsteller. Vor allem Edward Norton wurde in seinem Spielfilmdebüt für etliche Preise nominiert (unter anderem ein Oscar als bester Nebendarsteller) und er erhielt auch einige, wie den Golden Globe.

Mit Richard Gere, Laura Linney, Edward Norton, Frances McDormand

Hinweise

Washington Post: Nachruf auf William Diehl (29. November 2006)

Wikipedia über „Zwielicht“ (deutsch, englisch)