TV-Tipp für den 12. Juli: The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Juli 12, 2011

ARD, 00.35

The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (USA 1982, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: David Mamet

LV: Barry Reed: The Verdict, 1980 (The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit…)

Der heruntergekommene Anwalt Frank Galvin will es noch einmal wissen. Für eine nach einem Narkosefehler im Koma liegende Frau nimmt er den Kampf gegen ein mächtiges Hospital auf.

Spannender Gerichtsthriller, lange vor John Grisham und realistischer

David Mamets Drehbuch war für den WGA Award, den Golden Globe und den Oscar nominiert. Paul Newman, Sidney Lumet und James Mason und der Film (als Bester Film des Jahres) waren ebenfalls für Oscars nominiert, aber „Ghandi“ war einfach der bessere Oscar-Film.

Mit Paul Newman, Charlotte Rampling, Jack Warden, James Mason, Milo O’Shea, Lindsay Crouse, Roxanne Hart, Tobin Bell, Bruce Willis (beide als Teil des Publikums im Gericht)

Hinweise

Wikipedia über „The Verdict“ (deutsch, englisch)

 

Mein Nachruf auf Sidney Lumet

Mein Nachruf auf Paul Newman

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

Sidney Lumet, David Mamet und Paul Newman in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Juli: Im Zeichen des Bösen

Juli 11, 2011

Arte, 20.15

Im Zeichen des Bösen (USA 1958, R.: Orson Welles)

Drehbuch: Orson Welles

LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)

In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.

Noir-Klassiker, bei dem sich eine deutsche DVD-Ausgabe mit den verschiedenen Fassungen, einem Making-of und einem guten Audiokommentar lohnen würde. In den USA erschien am 8. Oktober 2008 eine entsprechende Edition.

„Einer der schönsten und intelligentesten Polizeifilme der Kinogeschichte.“ (Seesslen: Copland)

Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver

Wiederholung: Dienstag, 12. Juli, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Im Zeichen des Bösen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Touch of Evil“

TCM: Frank Miller über „Touch of Evil“

AMC Filmsite (Tim Dirks) über „Touch of Evil“

Noir of the Week über „Touch of Evil“

Script Secrets (William C. Martell) über „Touch of Evil“

Wellesnet: Das Memo von Orson Welles zum Film

Mystery File über Whit Masterson

Wikipedia über Whit Masterson

Mordlust über Whit Masterson


DVD-Kritik: Der Routine-Western „Die schwarze Maske“

Juli 10, 2011

Für George Sherman, der in Hollywood zwischen 1937 und 1978 über 120 Filme drehte und dessen bekannteste Filme wohl das Errol-Flynn-Piratenabenteuer „Gegen alle Flaggen“ und der John-Wayne-Western „Big Jake“ sind, war „Die schwarze Maske“ damals sicher nur ein weiterer Routine-Western und die gesamte Crew bot auch nicht mehr als Routine bei einer ziemlich lieblos zusammengeklaubten Geschichte über einen Banditen, der eine schwarze Maske trägt, und die Postkutschen von Wells Fargo ausraubt. Die Überfälle sind nur der Teil eines größeren Plans. Als die Sängerin Lola Montez, die sich während eines Überfalls in den honorigen Banditen verliebt, nach Sacramento kommt und zwei alte Freunde des Banditen, der inzwischen eine Tarnexistenz als Rancher Charles E. Boles hat, auftauchen und Wells Fargo das Kopfgeld in astronomische Höhen geschraubt hat, wird es für Boles brenzlig. Aber er will noch einen letzten Überfall machen.

„Die schwarze Maske“ ist von der ersten bis zur letzten Minute ein B-Western, in dem es die typischen Zutaten (inclusive einer Musical-Einlage [ach, wie habe ich als Jugendlicher diese die Handlung störenden Gesänge meist schlechter Lieder gehasst]) in altbekannter Mischung gibt. Bemerkenswert sind da nur, dass sogar Boles als Protagonist und Held der Geschichte aus rein pekuniären Motiven die Überfälle begeht (was wir eher aus dem Italo-Western kennen), dass er keinen wirklichen Gegner und auch kein wirkliches Motiv für seine Taten hat (was die Story ungemein schwächt), und dass „Die schwarze Maske“ in Farbe gedreht wurde. Denn 1948 waren Farbfilme noch nicht die Regel. Sogar Filme mit Stars, wie die zeitgleich entstandenen Klassiker „Bis zum letzten Mann“, „Gangster in Key Largo“, „Der Schatz der Sierra Madre“ und „Kennwort 777“, wurden in Schwarz-Weiß gedreht.

Aber Sherman nutzt die Möglichkeiten des Farbfilms, außer ansatzweise bei der Gesangseinlage, nicht.

Mit dem echten „Black Bart“ hat der Film eigentlich nichts zu tun. So lebte Charles E. Boles bei seiner Verhaftung in San Francisco in einer Pension, er wurde zu sechs Jahren verurteilt und kam nach vier Jahren frei. Im Film ist sein Ende, nun, etwas dramatischer.

–

Die schwarze Maske (Black Bart, USA 1948)

Regie: George Sherman

Drehbuch: Luci Ward, Jack Natteford, William Bowers (nach einer Geschichte von Luci Ward und Jack Natteford)

mit Yvonne De Carlo, Dan Duryea, Jeffrey Lynn, John McIntire, Percy Kilbride

–

DVD

Koch Media

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie

Länge: 77 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „Die schwarze Maske“

Turner Classic Movies über „Die schwarze Maske“

New York Times: Besprechung des Films vom 4. März 1948

Wilder Westen über Black Bart

Umfangreiche Seite über Black Bart


TV-Tipp für den 10. Juli: Das Gesetz der Ehre

Juli 10, 2011

Pro7, 22.20

Das Gesetz der Ehre (USA 2008, Regie: Gavin O’Connor)

Drehbuch: Joe Carnahan, Gavin O’Connor

New York, heute: ein junger Detective soll ein mysteriöses Massaker aufklären und stößt auf einen Sumpf auf Korruption und Verrat in den eigenen Reihen.

Just another Cop-Movie mit Knatsch in Familie 1 (Vater, Bruder, nichtsnutzige Verwandtschaft, Frauen) und Familie 2 (Vater, Bruder, nichtsnutziger Verwandtschaft, korrupten Kollegen; – gerne in Personalunion).

Aber da ich ein Fan von Cop-Filmen bin…

Mit Edward Norton, Colin Farrell, Jon Voight, Noah Emmerich, Jennifer Ehle, Frank Grillo

Wiederholung: Montag, 11. Juli, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das Gesetz der Ehre“

Wikipedia über „Das Gesetz der Ehre“ (deutsch, englisch)

eFilm-Critic: Interview mit Gavin O’Connor zum Film 


TV-Tipp für den 9. Juli: Leb wohl, Liebling

Juli 9, 2011

ZDFkultur, 00.00

Leb wohl, Liebling (USA 1945, R.: Edward Dymtryk)

Drehbuch: John Paxton

LV: Raymond Chandler: Farewell, my lovely, 1940 (Lebewohl, mein Liebling/Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling)

Für Privatdetektiv Philip Marlowe ist die Suche nach der Ex-Geliebten des Gangsters Malloy nur ein scheinbar leichter Auftrag.

„Murder, my sweet“ ist eine, zu Unrecht, etwas untergegangene Chandler-Verfilmung. Bogart war einfach besser und erfolgreicher. Chandler hielt allerdings Dick Powell für die gelungenste Marlowe-Verkörperung. Eine Film-Noir-Perle, die in den USA an der Kasse erfolgreich war und mit dem Edgar ausgezeichnet wurde.

„insgesamt ist der Film einer der visuell geschlossensten Film noirs“ (Paul Werner: Film noir)

mit Dick Powell, Claire Trevor, Anne Shirley, Otto Kruger

Alternativtitel sind in Deutschland „Murder, my Sweet“ und „Mord, mein Liebling“

Wiederholung: Sonntag, 10. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Leb wohl, Liebling“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Leb wohl, Liebling“

Noir of the Week über „Leb wohl, Liebling“

Mordlust über „Leb wohl, Liebling“

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)

Raymond Chandler in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Die „Herrin der toten Stadt“ zeigt sich kampfeslustig

Juli 8, 2011

Es ist eine Binsenweisheit, dass die meisten Western keine wahren Geschichten aus dem Wilden Westen, sondern Märchen erzählen. Auch der 1867 in Arizona spielende Western „Herrin der toten Stadt“ von William A. Wellman scheint mit der Wirklichkeit nicht allzu viel zu tun zu haben.

Stretch (Gregory Peck) und seine Gang überfallen eine Bank. Auf ihrer Flucht müssen sie die Wüste durchqueren. So schütteln sie zwar ihre Verfolger ab, aber sie scheinen auch in den sicheren Tod zu stolpern. Es gelingt ihnen, die Wüste zu durchqueren und auf der anderen Seite stoßen sie auf eine Stadt. „Yellow Sky“. Eine Geisterstadt. Sie glauben schon, dass alles umsonst war, als eine Frau (Anne Baxter) auftaucht und ihnen sagt, wo eine Wasserquelle ist. Mike, wie Constance Mae genannt wird, lebt zusammen mit ihrem Opa in einem Haus.

Die Verbrecher fragen sich, warum zwei Menschen in einer Geisterstadt ausharren. Schnell kommen sie zu dem Schluss, dass die beiden Goldschürfer sind und irgendwo ein Vermögen gebunkert haben müssen. Sie wollen das Gold.

Hm, eine verlassene Goldgräberstadt, in der zwei Menschen immer noch Gold schürfen? Das klingt jetzt nicht gerade nach einer glaubwürdigen Prämisse, aber hier sind alle mit soviel Energie und Schwung bei der Arbeit, dass man sich nicht länger mit dem sehr konstruiertem Setting beschäftigt, sondern ganz einfach genießt, wie die Bösewichter als eine fast gleichberechtigte Zweckgemeinschaft eingeführt werden, wie Mike und ihr nur scheinbar trotteliger Großvater (der wie eine Vorlage für die schwer einzuschätzenden, aber zu allen Untaten fähigen Hinterwäldler aus modernen Horror- und, seltener, Kriminalfilmen wirkt) die Verbrecherbande im Schach halten, wie die verfallene Stadt und die Landschaft (es wurde im Death Valley Nationalpark gedreht) eine eigene Rolle übernehmen und wie zügig die Geschichte mit einigen überraschenden Schlenkern bis zum doch arg unglaubwürdigem Ende erzählt wird. Denn damals war in Hollywood ein Happy End Vorschrift und wurde, wie in einem Gangsterfilm mit dem Tod des Gangsters oder der fantastischen und deshalb entsprechend unglaubwürdigen Bekehrung des Trinkers in Billy Wilders „Das verlorene Wochenende“ (toller Film!) brav exekutiert.

Lamar Trottis Drehbuch erhielt damals den WGA-Preis der Writers Guild of America als bester Western. John Fords John-Wayne-Western „Der Teufelshauptmann“ war ebenfalls nominiert und im Schatten von so bekannten Filmen wie „Der Teufelshauptmann“ steht der sehenswerte und prominent besetzte Western „Herrin der toten Stadt“ heute immer noch.

 

Die DVD

 

Auf der DVD gibt es als Bonusmaterial den Trailer, drei umfangreiche Slideshows und, untertitelt, das halbstündige, auf dem Film basierende Hörspiel mit Gregory Peck, das einige Monate nach dem Kinostart, am 15. Juli 1949, im „Screen Director’s Playhouse“ gesendet wurde. Das sind die feinen Ergänzungen für einen schon ziemlich alten SW-Film (nebenbei bemerkt: tolles Bild), der in der uneingeschränkt lobenswerten „Western Legenden“-Reihe von Koch Media erschien. Denn im TV lief die „Herrin der toten Stadt“ schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, USA 1948)

Regie: William A. Wellman

Drehbuch: Lamar Trotti (nach einer Geschichte von W. R. Burnett)

mit Gregory Peck, Richard Widmark, Anne Baxter, James Barton, Henry Morgan, Robert Arthur, John Russell, Charles Kemper

auch bekannt als „Nevada“

–

DVD

Koch Media (Western Legenden No. 7)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Englischer Trailer, Originalhörspiel „Yellow Sky“ (mit deutschen Untertiteln), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial (Fotos, Hinter den Kulissen, Poster & Werbung)

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „Herrin der toten Stadt“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Herrin der toten Stadt“

Wikipedia über W. R. Burnett (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über W. R. Burnett

Mordlust über W. R. Burnett

DetNovel über W. R. Burnett

FilmNoirNet über W. R. Burnett

 


TV-Tipp für den 8. Juli: Bringing out the dead

Juli 8, 2011

3sat, 22.25

Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung (USA 1999, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Joe Connelly: Bringing out the dead, 1998 (Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung)

Verfilmung des biographischen Romans von Joe Connelly über einen Notarztwagenfahrer, der in Hell’s Kitchen zu Beginn der neunziger Jahre zunehmend an seiner Arbeit und dem Sinn des Lebens zweifelt. Da werden, nicht nur weil das Team Martin Scorsese/Paul Schrader wieder zusammen ist, Erinnerungen an „Taxi Driver“ wach.

Eine feine, etwas unterschätzte Tour de force

mit Nicolas Cage, Patricia Arquette, John Goodman, Ving Rhames, Tom Sizemore, Marc Anthony, Nestor Serrano

Wiederholung: Sonntag, 10. Juli, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Bringing out the dead“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Bringing out the dead“ von Paul Schrader

 

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Juli: Jesse Stone: Ohne Reue

Juli 7, 2011

ZDFneo, 22.25

Jesse Stone: Ohne Reue (USA 2009, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: Tom Selleck, Michael Brandman

LV: Charakter von Robert B. Parker

Widmung: Für Robert B. Parker

Jesse Stone ist suspendiert. Aber nachdem zwei Menschen erschossen werden und es keine Spur von dem Täter gibt, wird Stone als Berater eingestellt. Außerdem werden in Paradise Drugstores überfallen.

Der sechste Jesse-Stone-Film ist in erster Linie eine melancholische Charakterstudie und, wie die vorherigen Stone-Filme, ein angenehm altmodischer Krimi, bei dem die Charaktere, die Geschichte und die lakonischen Dialoge im Mittelpunkt stehen. Auch ohne eine Romanvorlage von Robert B. Parker atmet der Film in jeder Sekunde Parkers Geist.

mit Tom Selleck, Kathy Baker, Kohl Sudduth, Stephen McHattie, Krista Allen, William Sadler, Saul Rubinek, William Devane, Kerri Smith

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Krudes Zeug aus Frankreich: „Die Meute“

Juli 6, 2011

Horror aus Frankreich hat inzwischen unter Horrorfans einen guten Namen. Immerhin kamen in den vergangenen Jahren einige interessante, aber auch ziemlich harte Filme aus unserem Nachbarland.

Auch „Die Meute“, der Eröffnungsfilm des letztjährigen Fantasy Filmfests, scheint sich auf den ersten Blick in die Reihe der neueren Franco-Horrrorfilme einzureihen. Das Cover sieht nach „Saw“ aus, die dort stehenden Worte „Gefangen – Gemästet – Geschlachtet“ und auch die Ab-18-Jahre-Freigabe (wobei für den Verkauf die Schere angesetzt wurde) lassen ein Schlachtfest für den abgehärteten Magen erwarten.

Aber „Die Meute“ ist dann gar nicht so explizit blutig. Unappetitlich schon und nicht besonders gelungen.

Die Story (eine junge Frau nimmt einen Anhalter mit; an einer einsam gelegenen Raststätte verschwindet dieser; sie sucht ihn; sie gerät in die Fänge einer „Kannibalen“-Familie; sie versucht zu fliehen undsoweiter) folgt brav den Genrekonventionen. Die Charaktere verhalten sich ebenfalls genrekonform; – was immer wieder bedeutet „absolut bescheuert“.

Allerdings ist die Story so übel und sinnfrei zusammengeklaubt, dass sie vorne und hinten nicht stimmt.

Dafür verwendet Regisseur und Drehbuchautor Franck Richard in seinem Debüt viel Zeit für die gelungene Optik: das versiffte Gasthaus, der schmutzige Stall und das einsame Haus auf dem Hügel mit dem daneben stehendem Galgen. Da scheint die Zeit spätestens 1945 stehen geblieben zu sein. Und bei all dem Schmutz sieht man auch immer, dass die Ausstatter sich bemühten, den Dreck ästhetisch, wie in einem Werbefilm, aussehen zu lassen.

Deshalb ist „Die Meute“ als Talentprobe, Visitenkarte und „Präsentationsmappe“ für künftige Filme von Franck Richard sicher geeignet. Nur ein guter Horrorfilm ist das mit 75 Minuten (ohne den Abspann) angenehm kurze Werk nicht.

Die Meute (La Meute, Frankreich/Belgien 2010)

Regie: Franck Richard

Drehbuch: Franck Richard

mit Emilie Dequenne, Yolande Moreau, Eric Godon, Philippe Nahon, Benjamin Biolay, Brice Fournier

–

DVD

Sunfilm

Bild: 16.9 (1:1,85)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Französisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Making of, Trailer

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

(Blu-ray identisch)

–

Hinweis

Six-Shooter: Interview mit Franck Richard



TV-Tipp für den 6. Juli: Wege aus der Atomfalle

Juli 6, 2011

ARD, 23.45

Wege aus der Atomfalle (D 2011, R.: Silvia Matthies)

Drehbuch: Silvia Matthies

Nach der „Sportschau live“ (Fußball, selbstverständlich) und „Hart aber fair“ (auch über Fußball) gibt’s um Mitternacht (und danach 24/7 in der Mediathek) noch eine ordentliche Portion „Information“ über die „Wege aus der Atomfalle“ (Titel) und die „Kernfragen der Energiewende“ (Untertitel).

Wiederholung: Donnerstag, 7. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

ARD über „Wege aus der Atomfalle“


TV-Tipp für den 5. Juli: 8 Frauen

Juli 5, 2011

Arte, 20.15

8 Frauen (F 2002, R.: Francois Ozon)

Drehbuch: Francois Ozon, Marina de Van

LV: Robert Thomas: Huit Femmes, 1958/1962 (Theaterstück)

Weihnachten in einem verschneiten Landhaus: In der Nacht wird der Hausherr ermordet. Die Täterin ist eine der acht Frauen, die im Haus sind. Selbstverständlich hat jede von ihnen auch ein gutes Motiv das Ekel umzubringen.

Ein Cozy mit Gesang und einem Darstellerinnenensemble, das über jeden Zweifel erhaben ist und die Crème de la Crème des französischen Films versammelt.

mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier, Firmine Richard, Dominique Lamure

Wiederholung: Mittwoch, 6. Juli, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „8 Frauen“ (deutsch, englisch, französisch)

Spiegel: Interview mit Francois Ozon über „8 Frauen“

Blickpunkt Film: Interview mit Francois Ozon über „8 Frauen“

epd Film: Interview mit Francois Ozon (8/2007)


TV-Tipp für den 4. Juli: Ein mörderischer Sommer

Juli 4, 2011

Arte, 20.15

Ein mörderischer Sommer (F 1983, R.: Jean Becker)

Drehbuch: Sébastien Japrisot

LV: Sébastien Japrisot: L’Été meurtrier, 1977 (Blutiger Sommer)

Isabelle Adjani macht eine Bauernfamilie in der Haute-Provence kirre. Natürlich nicht ohne – mörderische – Hintergedanken.

Spannender, erotischer, französischer Psychothriller.

„Melodram, Psycho-Thriller, Groschenheft-Tragödie – der Film ist all das und all das nicht schlecht; vor allem aber hat es der Zuschauer hier mit einem filmisch raffniert umgesetzten erzählerischen Puzzle zu tun, dessen unzählgen Schlenkern und Wendungen zu folgen großen Spaß macht.“ (Robert Fischer, epd Film 5/1984)

Andere Kritiker gingen erheblich ungnädiger mit dem mit vier Césars ausgezeichneten Publikumserfolg (jedenfalls in Frankreich) um. Aber keiner vergaß, auf die Hauptdarstellerin hinzuweisen.

Mit Isabelle Adjani, Alain Souchon, Michel Galabru

Wiederholung: Sonntag, 10. Juli, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Ein mörderischer Sommer“

Wikipedia über Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot


TV-Tipp für den 3. Juli: Watchmen – Die Wächter

Juli 3, 2011

Pro7, 22.05

Watchmen – Die Wächter (Watchmen, USA/GB/Can 2009)

Regie: Zack Snyder

Drehbuch: David Hayter, Alex Tse

LV: Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen, 1986/1987 (Watchmen)

Der „Comedian“, ein Superheld, wird ermordet. Rorschach, ein anderer Superheld, glaubt an eine Verschwörung, die mit dem Tod von allen Superhelden, die sich „Watchmen“ nennen, enden soll. Er alarmiert die restlichen „Watchmen“ und sie müssen wieder gemeinsam in den Kampf ziehen.

Sehr werkgetreue Verfilmung des als unverfilmbar geltenden Comics; – und damit auch eine wegen zu großer Werktreue gescheiterte Verfilmung. Denn beim Sehen hakt man, wenn man den Comic kennt, zunehmend lustlos, die einzelnen Szenen der Reihe nach ab, freut sich über die sehr bildgenaue Umsetzung, rätselt über die wenigen Änderungen und bedauert im ‚Och, das hätte ich gerne auch noch gesehen‘-Modus, die fehlenden Szenen. Aber ein eigenständiger Zugriff auf die Geschichte geht anders. Trotzdem ist „Watchmen“ als Übung in Fantum sehenswert.

Mit Jeffrey Dean Morgan, Malin Akerman, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Carla Gugino, Matt Frewer, Stephen McHattie

Wiederholung: Montag, 4. Juli, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Hinweise

Comic Book Database über Alan Moore

Alan-Moore-Fanseite (etwas veraltet)

Dave-Gibbons-Fanseite

DC Comics über „Watchmen“

YouTube: Alan Moore spricht über „Watchmen“ und Superhelden

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Watchmen“

Wikipedia über „Watchmen – Die Wächter“ (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Interview mit Dave Gibbons über die Verfilmung

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons‘ „Watchmen“


TV-Tipp für den 2. Juli: Gehetzt

Juli 2, 2011

ZDFkultur, 00.00

Gehetzt (USA 1937, R.: Fritz Lang)

Drehbuch: Gene Towne, Graham Baker (nach einer Geschichte von Gene Towne)

In einer Kleinstadt wird ein Vorbestrafter als Bankräuber und Mörder angeklagt. Er ist unschuldig, kann flüchten und kehrt später zurück, um sich zu rächen.

Endlich wird Fritz Langs zweiter Hollywood-Film mal wieder im TV gezeigt.

„Psychologische Differenzierung, dichte Atmosphäre und die analytisch-kritische Darstellung einer aus Dummheit und Engherzigkeit geborenen Massenhysterie machen ihn zum Klassiker seines Genres und zum amerikanischen Gegenstück zu ‚M‘.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Sylvia Sidney, Henry Fonda, Barton MacLane, Jean Dixon, William Gargan

auch bekannt als „Du lebst nur einmal“ (TV-Titel)

Wiederholung: Sonntag, 3. Juli, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

MoMA über „You only live once“

Senses of Cinema über „You only live once“

DVD Talk über „You only live once“

The Guardian über „You only live once“

Filmzentrale: Jens Hinrichsen über „Gehetzt“

Wikipedia über Fritz Lang (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs „Du und ich“ (You and me, USA 1938)


DVD-Kritik: Johnny Depps Regiedebüt „The Brave“

Juli 1, 2011

 

Als Johnny Depp, der 1997 nach „Arizona Dream“, „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“, „Ed Wood“, „Don Juan de Marco“ (ebenfalls mit Marlon Brando), „Dead Man“ und „Donnie Brasco“ bereits ein Publikumsliebling war, in Cannes sein Regiedebüt „The Brave“ zeigte, waren die Kritiker maßlos enttäuscht und entsprechend vernichtend fielen ihre Kritiken aus. Depp verzichtete in den USA auf eine Veröffentlichung (bis jetzt ist der Film dort anscheinend weder im Kino gelaufen noch auf DVD veröffentlicht oder im TV gezeigt worden) und auch bei uns erschien der Film nur auf Video (und damals war „Video“ noch ein anderes Wort für „Mist“).

Aber manchmal ändert sich mit der Zeit die Perzeption eines Werkes. Außerdem enthält „The Brave“ einen der letzten Auftritte von Marlon Brando. Allerdings ist dieser für den Film wichtige Auftritt arg kurz geraten (es handelt sich um eine längere Szene am Anfang und einen sekundenlangen Auftritt am Ende des Films) und er ist wieder einer der Auftritte, in denen Brando primadonnenhaft um sich selbst kreist. Er hatte vielleicht seinen Spaß, aber niemand anderes findet es witzig.

Brando spielt McCarthy, einen geheimnisvollen Mann, der Raphael (Johnny Depp) 50.000 Dollar dafür anbietet, dass er sich in einer Woche vor laufender Kamera ermorden lässt. Raphael ist als kleinkrimineller Indianer ganz unten angelangt. Zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern lebt er, mit anderen Indianern, in einem Wohnwagen auf einer Müllkippe. Er hat keinen Job und auch keine Aussicht auf ein besseres Leben. Aber mit dem Geld kann er seiner Familie die Chance auf ein besseres Leben eröffnen. Raphael nimmt das Geld und in den folgenden sieben Tagen verabschiedet er sich von seiner Familie, ohne ihr zu sagen, was er vorhat.

Und was jetzt eine große Liebeserklärung an des Leben werden könnte, versackt zwischen einem Übermaß an Ambition und einem Mangel an Stilsicherheit. Denn Depp will in seinem Debüt alles: es will ein sozialkritisches Independent-Drama und eine schonungslose Bestandsaufnahme des Lebens der Indianer im heutigen Amerika sein. Deshalb leben die Indianer auf einer Müllkippe, die nach einem Direktimport aus Schwarzafrika aussieht und mit etwas „Mad Max“-Endzeitromantik aufgepeppt wurde. Er beschwört Fellinis Gaukler-Filme herauf. Er lässt sich von Emir Kusturica, mit dem Depp kurz davor „Arizona Dream“ drehte, inspirieren. Aus Müll wird ein Jahrmarkt mit allem Pipapo erschaffen. Es war sicher auch eine zynische Anklage gegen den Kapitalismus beabsichtigt. Immerhin spielt Raphael für Geld in einem Snuff-Film mit. Die Szenen mit den Bösewichtern erinnern mal an eine schlechte Monty-Python-Parodie, mal an den hilflosen Versuch etwas American Gothic in der Wüste zu kreieren, und sie passen damit überhaupt nicht in den restlichen, eher melancholischen Film. Und Johnny Depp ist hier als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur eindeutig überfordert. Er schleicht mit versteinerter Miene durchs Bild und man glaubt nie, dass er Raphel ist.

„The Brave“ ist ein ambitionierter Film; – und damit kein guter Film.

The Brave (The Brave, USA 1996)

Regie: Johnny Depp

Drehbuch: Paul McCudden, Johnny Depp, D. P. Depp

LV: Gregory McDonald: The Brave, 1991

Musik: Iggy Pop

mit Johnny Depp, Marshall Bell, Elpidia Carrillo, Frederic Forrest, Clarence Williams III, Luis Guzmán, Floyd ‚Red Crow‘ Westerman, Marlon Brando, Iggy Pop (Cameo)

–

DVD

Concorde

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Entlisch (DD 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „The Brave“ (deutsch, englisch)

 

Homepage von Gregory Mcdonald

Mein Nachruf auf Gregory Mcdonald

–

Bonusmaterial

 


TV-Tipp für den 1. Juli: Gardenia – Eine Frau will vergessen

Juli 1, 2011

ARD, 02.55

Gardenia – Eine Frau will vergessen (USA 1952, R.: Fritz Lang)

Drehbuch: Charles Hoffman

LV: Vera Caspary: Gardenia (Kurzgeschichte)

Norah Larkin glaubt, den Playboy Harry Prebble umgebracht zu haben.

Lang zeichnet das Psychogramm einer Frau in einer männerdominierten Welt.

„Dieses Melodram ist der schwächste aller Films noirs Langs – nur wenige Sequenzen haben zeigen Noir-Qualität.“ (Paul Werner: Film noir)

Mit Anne Baxter, Richard Conte, Raymond Burr, Nat King Cole (spielt sich)

Hinweise

Jay Steinberg bei Turner Classic Movies über Gardenia

Sam Ishii-Gonzalès bei Senses of Cinema über Gardenia

Wikipedia über Vera Caspary

Wikipedia über Fritz Lang (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs „Du und ich“ (You and me, USA 1938)


TV-Tipp für den 30. Juni: Al Di Meola

Juni 30, 2011

MDR, 23.05

Al Di Meola

Ein Mitschnitt von einem Konzert, das Jazzgitarrist Al Di Meola mit dem „Al Di Meola Project“ (jaa, Jazzer sind oft etwas einfallslos bei ihren Bandnamen) 1988 in Ostberlin gab und das zuletzt vollständig vor 23 Jahren im TV gezeigt wurde.

Hinweise

Homepage von Al Di Meola

Wikipedia über Al Di Meola (deutsch, englisch)

MDR über die Sendung


DVD-Kritik: Takashi Miike goes Samurai mit „13 Assassins“

Juni 29, 2011

Wahrscheinlich haben sogar beinharte Takashi-Miike-Fans nicht alle seine Filme gesehen. Denn der ultraproduktive Regisseur drehte in den vergangenen zwanzig Jahren 85 Filme. Dabei ist, so die IMDB, ein Film in der Postproduktion und zwei werden gerade gedreht. Und, auch wenn es, wenigstens bei seinen bekanntesten Filmen, wie „Dead or Alive“ oder „Ichi, der Killer“, eine spürbare Lust nach ultrabrutaler, grotesk übersteigerter Comicgewalt gibt, hat er mit ruhigen Filmen, wie „Audition“, auch andere Seiten gezeigt. Sowieso hat er sich nie auf ein Genre festgelegt. Wobei wir vor allem seine Kriminal- und Horrrorfilme kennen. Immerhin liefen einige sogar im Kino und etliche wurden auf DVD veröffentlicht.

Auch sein halbwegs neuester Film „13 Assassins“ erlebt bei uns nur eine DVD-Premiere; was schade ist, weil der japanische Kinohit bildgewaltig eine Samurai-Geschichte erzählt, die, wie es so schön heißt, auf wahren Ereignissen beruht.

1844 wird der Samurai Shinzaeman vom Ältestenrat beauftragt Lord Naritsugu, den Halbbruder des Shogun und Anwärter auf einen Sitz im Rat, zu ermorden. Das ist, weil Lord Naritsugu als Verwandter des Shogun zu den Unberührbaren gehört, eine ungeheuerliche Intrige, aber Lord Naritsugu ist ein durchgeknallter Psychopath, dem es Spaß macht, Menschen zu demütigen, foltern und zu ermorden und der, wenn er an der Macht ist, aus reiner Lust am Kampf das Land in einen Krieg stürzen wird.

Shinzaeman sammelt eine kleine Gruppe von Samurais um sich und in einem Hinterhalt fordern sie, die titelgebenden „13 Assassins“ (auf deutsch „13 Attentäter“), Lord Naritsugu und seine Armee zum Kampf heraus.

„13 Assassins“ ist ein sich am klassischen Abenteuerfilm orientierendes Samurai-Abenteuer. Entsprechend klar unterscheiden sich die Guten und die Bösen. Lord Naritsugu kann es in Punkto Bosheit mit jedem James-Bond- oder Hollywood-Bösewicht aufnehmen. Die Samurai sind tapfer bis über die Selbstaufgabe hinaus. Sonst würden sie auch nicht bei dieser Selbstmordmission mitmachen. Es gibt den klassischen Comic Relief, der als Witzbold immer das letzte Wort hat.

Vor allem bei dem fast fünfzigminütigem Schlusskampf gibt es heftige, gut choreographierte Schwertkämpfe und das alles wird von Takashi Miike angenehm unblutig (jedenfalls im Vergleich zu einigen seiner anderen Werke) inszeniert. „13 Assassins“ ist zwar kein Film für die ganze Familie, aber die halbe Familie darf schon zusehen und sich an Filme wie Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ (ohne je dessen philosophische Tiefe zu erreichen) erinnern. Außerdem, was das Retro-Feeling unterstützt, hat Miike „13 Assassins“ auch klassisch inszeniert. Da gibt es kein modisches Geruckel, keine Wackelkamera und keine Zehntelsekundenschnitte. Stattdessen Panoramaaufnahmen von der Landschaft und dem Dorf, in dem der Kampf stattfindet, und ruhige Einstellungen bei den Gesprächen im Rat und wenn Shinzaeman die Samurais rekrutiert.

Takashi Miike passt halt seinen Stil dem Genre und der Geschichte an. Und „13 Assassins“ ist eben klassisches Abenteuerkino mit einem überlebensgroßem Bösewicht, einer Armee ihm treu ergebener Untertanen und ebenso überlebensgroßen tapferen Kämpfern für die gerechte Sache. Das ist ziemlich unterhaltsam, aber auch arg vorhersehbar.

Oh, „13 Assassins“ ist auch ein Remake von einem Samurai-Film von 1961, der jetzt auch auf DVD veröffentlicht wurde.

Auf der sehr dürftig ausgestatteten DVD sind die „Internationale Fassung“ und einige Trailer.

13 Assassins (Jûsan-nin no shikaku, Japan 2010)

Regie: Takashi Miike

Drehbuch: Daisuke Tengan (nach einem Drehbuch von Kaneo Ikegami)

mit Kôji Yakusho, Takayuki Yamada, Yûsuke Iseya, Gorô Inagaki, Masachika Ichimura, Mikijiro Hira, Hiroki Matsukata, Ikki Sawamura, Arata Furuta, Tsuyoshi Ihara

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DVD

Ascot-Elite

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Originaltrailer, Deutscher Trailer, Promotrailer, Wendecover (Die angekündigten „Deleted Scenes“ habe ich nicht gefunden.)

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Japanische Homepage zum Film (englische Version)

Amerikanische Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Wikipedia über „13 Assassins“

Schnittberichte: Vergleich Internationale – Japanische Fassung


DVD-Kritik: Der grandiose Director’s Cut von „Carlos – Der Schakal“

Juni 29, 2011

Von Olivier Assayas Biopic „Carlos – Der Schakal“ war ich vor etwas über einem halben Jahr begeistert. Ich kannte zwar nur die dreistündige Kinoversion und nicht die fast doppelt solange TV-Version, aber ich sah mir den Film zweimal an.

Entsprechend neugierig war ich jetzt auch auf die 330-minütige TV-Version, aus der Assayas die kürzere Kinoversion destillierte. Es waren, wie bei Wolfgang Petersens Kriegsfilm „Das Boot“ von Anfang an, mehrere Versionen geplant. Insofern ist dieser „Director’s Cut“ auch kein normaler „Director’s Cut“ sondern ein eigenständiges, aus drei Teilen bestehendes Werk.

Im ersten Teil zeichnen Assayas, der auch das Drehbuch schrieb und sein Co-Autor Dan Franck den Aufstieg von Ilich Ramirez Sánchez zum bekannten Terroristen Carlos (grandios verkörpert von Édgar Ramirez in der Rolle seines Lebens; jedenfalls bis jetzt) nach. Er beginnt mit dem Einstieg von Carlos in die „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ (PFLP) und endet kurz vor dem Beginn seiner bekanntesten Aktion: der Geiselnahme der OPEC-Minister in Wien.

Im zweiten Teil wird dann, wie im Kinofilm, diese Geiselnahme und die anschließende Flucht im Flugzeug detailliert über fast eine Stunde nachgezeichnet. Danach ist Carlos auf dem Höhepunkt seines Ruhms, er hat Ärger mit Wadi Haddad (dem Anführer der PFLP) und Carlos versucht, nachdem Haddad ihn aus seiner Gruppe verstößt, eine eigene Gruppe zu gründen. Der zweite Teil endet mit Haddads Tod und der ersten Begegnung von Carlos und Magdalena Kopp.

Im dritten Teil steht dann die Liebe zwischen Carlos und Magdalena im Mittelpunkt. Gleichzeitig versucht er weiterhin seine Gruppe aufzubauen und er wird zunehmend zu einem Spielball der Geheimdienste.

Dieser dritte Teil war mir in der Kinoversion zu hektisch und ohne roten Faden. Schon damals vermutete ich, dass Assayas hier viel geschnitten hatte. So war es auch. Es gibt zwar im ersten Teil noch weitere Aktionen, wie die Geiselnahme der Japanischen Roten Armee in Den Haag und die beiden, eher komödiantischen und, zum Glück, missglückten Panzerfaust-Anschläge auf El-Al-Maschinen auf dem Pariser Flughafen Orly. Aber diese Unterschiede fallen kaum ins Gewicht. Ebenso die wenigen Ergänzungen im zweiten Teil. Im dritten und längsten Teil des Biopics gibt es dann viele neue Szenen und damit einen neuen und viel besseren dritten Teil, der jetzt genau die Kohärenz hat, die dem Abstieg von Carlos in der Kinoversion fehlte.

Deshalb sollte jeder, der bislang nur die Kinoversion kennt, sich unbedingt den viel besseren Director’s Cut ansehen.

Und wer die lange Version kennt, kann dann auf die gekürzte Version verzichten. Ihr fehlt dann doch der Reichtum der langen, mit dem Golden Globe als beste Miniserie ausgezeichneten Version.

Carlos – Der Schakal (Carlos, Frankreich/Deutschland 2010)

Regie: Olivier Assayas

Drehbuch: Olivier Assayas, Dan Franck

mit Édgar Ramírez, Nora von Waldstätten, Alexander Scheer, Christoph Bach, Julia Hummer, Aljoscha Stadelmann, Jule Böwe, Ahmat Kaabour, Udo Samel

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DVD

Warner Home Video

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch, Originalfassung (Französisch, Spanisch, Englisch, Arabisch)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit Édgar Ramirez (auf deutsch), Nora von Waldstätten, Christoph Bach, Alexander Scheer, Olivier Assayas (auf englisch), zwei Kinotrailer, zwei TV-Spots

Länge: 330 Minuten (Director’s Cut), 180 Minuten (Kinofassung)
FSK: ab 16 Jahre

(Blu-ray identisch)

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Die Kinofassung kann auch als Single-Disc-Edition gekauft werden. Aber das wäre Geldverschwendung.

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Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Carlos“

Wikipedia über Illich Ramirez Sánchez (Carlos) (deutsch, englisch)

The Crime Library: Patrick Bellamy über Carlos

Meine Besprechung der Kinofassung von „Carlos – Der Schakal“

Nachtrag 21. Juli 2011: Schnittberichte: Vergleich Kinofassung – Director’s Cut


TV-Tipp für den 29. Juni: Kopf der Woche: Dracula

Juni 29, 2011

 

ZDFkultur, 20.15

Kopf der Woche: Dracula

Das nenne ich einen ausgewachsenen Themenabend: bis Mitternacht gibt es Information über Graf Dracula und den Vampirismus:

20.15 Uhr: Dracula – Pages From A Virgin’s Diary (Tanzfilm von Guy Maddin nach dem Roman von Bram Stoker, Can 2002)

21.30 Uhr: Twilight Fieber (D 2010, Regie: Martin Uhrmeister)

22.30 Uhr: Heiliges Blut – Blutige Begierde (D 2001, Regie: Thomas Schmitt)

23.20 Uhr: True Horror: Dracula (GB 2009)

und danach kommt vielleicht eine Fledermaus in unser Schlafzimmer geflogen.

Hinweise

ZDFkultur über „Kopf der Woche: Dracula“

Wikipedia über Dracula