Drehbuch: Christopher Frank, Michel Deville, Florence Delay
LV: Patricia Highsmith: Deep Water, 1957 (Tiefe Wasser)
Der reiche Erbe Vic lebt mit seiner Gattin Melanie auf der Kanalinsel Jersey. Er toleriert sogar ihre wechselnden Liebhaber, bis Melanie mit dem Pianisten Carlo ins Bett steigt.
Großartige Charakterstudie über ein Ehepaar, das miteinander Katz-und-Maus spielt.
Selbstverständlich sind meine TV-Krimi-Buch-Tipps schon einige Tage online bei den Alligatorpapieren:
Patrica-Highsmith-Fans dürfen sich auf mehrere Verfilmungen ihrer Werke freuen: nämlich Claude Chabrols „Der Schrei der Eule“, Roger Spottiswoodes „Mr. Ripley und die Kunst des Tötens“, Michel Devilles „Stille Wasser“, René Clements „Nur die Sonne war Zeuge“, Jamie Thraves‘ „Der Schrei der Eule“ (als TV-Premiere) und Claude Autant-Laras „Der Mörder“. Da fehlt nur noch der Fremde im Zug. Außerdem sehenswert sind Raoul Walshs W.-R.-Burnett-Verfilmung „Vogelfrei“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“, Jean-Luc Godards „Lemmy Caution gegen Alpha 60“, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“, Lars Beckers „Nachtschicht: Ein Mord zu viel“ (als TV-Premiere) und „Nachtschicht: Wir sind die Polizei“, Michael Whytes Lynda-La-Plante-Verfilmung „Der Preis des Verbrechens: Vorm Abgrund“, Claude Millers John-Wainwright-Verfilmung „Das Verhör“, Jules Dassins Auguste-le-Breton-Verfilmung „Rififi“ und Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“. Und dann gibt es noch, jeweils als TV-Premiere, „Yorkshire Killer 1983“, den grandiosen Abschluss der auf den Romanen von David Peace basierenden Red-Riding-Verfilmungen, und den ersten Teil der TV-Version von Stieg Larssons „Verblendung“.
Mr. Ripley und die Kunst des Tötens (D/GB 2005, R.: Roger Spottiswoode)
Drehbuch: William Blake Herron, Donald E. Westlake
LV: Patricia Highsmith: Ripley Under Ground, 1970 (Ripley Under Ground)
Der Maler Derwatt ist kurz vor seinem Durchbruch. Da stirbt er bei einem nächtlichen Autounfall. Seine Freunde, wozu Tom Ripley, Derwatts Freundin und der hochverschuldete Galeriebesitzer gehören, beschließen, den Tod von Derwatt einige Tage zu verschweigen und die Derwatt-Bilder gewinnbringend zu verkaufen. Als ein amerikanischer Derwatt-Fan ihnen einen beträchtlichen Scheck für ein neues Derwatt-Bild überreicht, beschließen sie, einige neue Derwatt-Bilder herzustellen. Doch dann will der Derwatt-Fan sich von dem Künstler die Echtheit des Gemäldes bestätigen lassen, den Derwatt-Fälscher packt das schlechte Gewissen und Tom Ripley, der nicht auf seinen gehobenen Lebensstil verzichten will, wird handgreiflich.
Herrlich gemeine, schwarzhumorige Komödie bei der alle (naja, vielleicht bis auf den Derwatt-Fälscher) von einer gehörigen Portion krimineller Energie angetrieben werden und die bürgerlichen Moralvorstellungen durchaus flexibel handhaben. Da erscheint Tom Ripley, für den Skrupel ein Fremdwort sind, fast schon als das anständigste Mitglied im Derwatt-Freundeskreis. Dafür dürfte Drehbuchautor Donald Westlake verantwortlich sein.
“RIPLEY UNDER GROUND is a lighthearted black comedy, cloaked in the guise of a murder mystery. (…)RIPLEY UNDER GROUND is well-made, enjoyable fluff, and has enough pleasant twists to make it worth seeking out.” (Peter Martin, twitchfilm.net)
Mit Barry Pepper, Jacinda Barrett, Tom Wilkinson, Willem Dafoe, Alan Cumming, Claire Forlani
Auch bekannt als “Ripley Under Ground” (DVD-Titel)
So lasset uns die Highsmith-Tage (19. Januar 1921 – 4. Februar 1995) mit einem Schrei beginnen
3sat, 20.15
Der Schrei der Eule (F 1987, R.: Claude Chabrol)
Drehbuch: Claude Chabrol, Odile Barski
LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)
Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Juliette. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Patrick. Als er nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt. Aber Patrick ist noch quicklebendig.
Highsmith sezierte in ihren Büchern die Abgründe des Bürgertums. Chabrol in seinen Filmen. „Der Schrei der Eule“ markiert das langerwartete Treffen. Ein feiner Film.
Mit Christophe Malavoy, Mathilda May, Jacques Penot
Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005, R.: Jean-François Richet
Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)
Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.
Fetziges Remake von John Carpenters gleichnamigem Film; wobei John Carpenter die Story auch geklaut hat (und nie ein Geheimnis daraus gemacht hat).
mit Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Brian Dennehy, Kim Coates, Hugh Dillon
„Morning Glory“ hat einen gewaltigen Pluspunkt: Harrison Ford.
Diane Keaton ist auch nicht schlecht.
Und Jeff Goldblum hat auch einige schöne Szenen.
Dafür ist die Heldin, die von Rachel McAdams gespielte ständig aufgekratzte, hyperoptimistische, nicht durch ihren Intellekt überzeugende Becky Fuller, von einer so überirdischen Naivität und Gutgläubigkeit, dass man wirklich nur hoffen kann, dass solche Menschen niemals irgendeinen wichtigen Posten begleiten dürfen.
Aber wir sind in einem Film und da ist vieles möglich.
Jedenfalls soll sie die unglaublich erfolglose TV-Morgensendung „Daybreak“ leiten. Schnell packt sie der Ehrgeiz, die Sendung aus dem Quotenkeller herauszuholen. Als sie erfährt, dass die Show demnächst abgesetzt werden soll, geht es dann auch um die Jobs des Teams. Und in dem herrscht gerade zwischen den beiden Moderatoren dicke Luft. Colleen Peck (Diane Keaton) macht den Job schon seit Ewigkeiten und sie würde alles tun, um weiterhin auf Sendung zu bleiben. Mike Pomeroy (Harrison Ford) ist eine Reporterlegende und sieht die Tätigkeit als Moderator einer Frühstückssendung, die um echte Nachrichten einen weiten Bogen macht, als unter seiner Würde an. Er sieht sowieso fast jede Arbeit die nicht klassischer Enthüllungsjournalismus der Carl-Bernstein/Bob-Woodward-Schule ist, als unter seiner Würde an. Aber er wird von Becky Fuller, die seinen Vertrag genau gelesen hat, zu dieser Arbeit erpresst und er würde alles tun, um aus der Sendung zu fliegen.
Außerdem verliebt sich der von allen Frauen begehrte Nachrichtenproduzent Adam Bennett (Patrick Wilson in der undankbaren Rolle des Heimchens am Herd) in sie.
Das alles wird fernab jeglicher Wirklichkeit geschildert.
Aber „Morning Glory“ diese rosarote Brille auf das Arbeitsleben vorzuwerfen, wäre Unfug. Der Film will in keiner Zehntelsekunde eine auch nur irgendwie realistisch anmutende Beschreibung aus dem Arbeitsleben sein. Der Film ist auch keine Satire, sondern eine im TV-Milieu spielende Romantic Comedy, in der sie nicht die Liebe ihres Lebens findet (ja, gut, in einem Subplot geht’s auch darum), sondern in dem sie aus einem zerstrittenen Haufen ein Team formt und sie alle eine Familie werden. Es ist, wenn man so will, die Liebesgeschichte zwischen Becky Fuller und der Nachrichtenlegende Mike Pomeroy, der sie am Anfang noch nicht einmal als Fußabtreter benutzen würde. Am Ende – nun, einmal dürfen Sie raten.
Bis dahin fragt man sich allerdings mehr als einmal, welche Geschichte Regisseur Roger Michell (Notting Hill) und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna (Laws of Attraction, Der Teufel trägt Prada) eigentlich erzählen wollen. Denn die verschiedenen Plots stehen sich doch öfters im Weg und plätschern vor sich zum erwartbaren Ergebnis hin. Außerdem schwankt Michells Inszenierung etwas unentschlossen zwischen Comedy, Drama und, hm, Musikfilm.
„Morning Glory“ ist wie ein Buffet: fast jeder Happen schmeckt, auch wenn die einzelnen Beilagen nicht unbedingt zueinander passen und am Ende ist man nicht satt.
Und damit ist „Morning Glory“ dann doch wie das Frühstücksfernsehen: bunt, unterhaltsam, belanglos.
Morning Glory (Morning Glory, USA 2010)
Regie: Roger Michell
Drehbuch: Aline Brosh MeKenna
mit Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, John Pankow, Matt Malloy, Patti D’Arbanville
00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter (D 1994, R.: Helge Schneider, Christoph Schlingensief [ungenannt])
Drehbuch: Brötchen
TV-Premiere von Helge Schneiders zweiter Regiearbeit: Kommissar 00 Schneider sucht den Mörder eines Clowns. Er hält Nihil Baxter für den Täter.
Tja, wie der Titel schon andeutet: Nach seinem Western „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ nahm er sich den Krimi vor und unterzog ihn einer Radikalkur.
„Wie schon bei ‚Texas‘ sträubt sich die Feder auch beim Versuch, zu Helge Schneiders zweitem Nonsens-Film eine Inhaltsangabe niederzuschreiben. Und sie wäre auch völlig überflüssig. (…) ein Reigen genial verpasster Gags.“ (Fischer Film Almanach 1995)
mit Helge Schneider, Andreas Kunze, Helmut Körschgen
Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.
Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und drehte zuletzt mit einer Action-All-Star-Besetzung im Dschungel „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).
Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich
LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)
Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.
Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.
Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.
Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt
Buch zum Film (Drehbuch): Quentin Tarantino: Reservoir Dogs – Das Buch zum Film/Zweisprachige Ausgabe (rororo 1997)
Einige Gangster überfallen einen Juwelier. Der Überfall geht schief. Sie flüchten in eine Garage. Mr. Orange (sie kennen sich nur unter Farb-Pseudonymen) liegt schwerverletzt auf dem Boden und kämpft um sein Leben. Die anderen Gangster versuchen währenddessen die 100.000-Dollar-Frage „Wer hat uns verraten?“ zu klären.
Der Einfluss von Quentin Tarantinos Kinodebüt auf das Kino der Neunziger Jahre kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich sage nur nicht-chronologisches Erzählen (Bis dahin galt die eiserne Regel: Keine Rückblenden!), lustvoll zelebrierte Gewalt, coole Dialoge und oft ebenso coole Monologe.
Mit Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Edward Bunker, Quentin Tarantino
Yorkshire, 1980: Der Yorkshire Killer ist immer noch nicht geschnappt. Jetzt soll der von außen kommende Sonderermittler Peter Hunter sich noch einmal die Akten ansehen und den Ermittlungen einen neuen Drive verpassen. Dummerweise ist Hunter kein Blödkopf und er entdeckt einige Fehler in den Akten.
Der Mittelteil der grandiosen Red-Riding-Trilogie ist ein noirischer Polizeifilm. Grisoni gelang in seinen Büchern für die TV-Miniserie (Yep, die Filme entstanden für das Fernsehen.) die beim Lesen unverfilmbar erscheinenden Bücher kongenial in ein anderes Medium zu übertragen.
Mit Paddy Considine, Warren Clarke, James Fox, David Calder, David Morrissey
Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, R.: Johnny To)
Drehbuch: Ka-Fai Wai
In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.
Das ging aber schnell. Bereits wenige Monate nach der DVD-Premiere läuft Johnny Tos neuester Neo-Noir-Thriller im TV.
Mit seinen neuesten Film „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.
mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam
Im Fernsehen lief diese klassische Verfilmung von George Orwells „Animal Farm“ zuletzt vor fast fünf Jahren. John Harlas und Joy Batchelor sind die Regisseure dieser englischen Verfilmung von 1954. Das Drehbuch ist von Lothar Wolff, Bordon Mace, Philip Stapp, John Halas und Joy Batchelor.
Es ist ein Trickfilm, aber kein Kinderfilm. Und es handelt sich um die deutschsprachige Version.
Der Preis des Verbrechens: Mörderischer Wahn – Teil 1 (GB 1999, R.: Jo Johnson)
Drehbuch: Lynda La Plante
Die Detektive Walker und North suchen den Mörder des 15-jährigen Cassie.
Auf der Insel läuft Lynda La Plantes Serie „Der Preis des Verbrechens“ seit Jahren erfolgreich. Bei uns werden die Zweiteiler (der erste Teil zeigt die Ermittlungen, der zweite die Gerichtsverhandlung) nur selten gezeigt. Was wahrscheinlich an der überragenden Qualität der Reihe liegt.
Den zweiten Teil gibt es kommenden Freitag, den 14. Januar, um 00.10 Uhr (Oder Taggenau: Samstag, 15. Januar, 00.10 Uhr)
Schon die ersten beiden Fälle der englischen Polizeiserie „Der Preis des Verbrechens“ erschienen in einer sehr spartanischen DVD-Ausgabe. Kein Bonusmaterial (was bei den englischen Ausgaben nicht viel besser ist) und keine Untertitel. Die zweite „Der Preis des Verbrechens“-Sammlung, wieder mit zwei jeweils 200-minütigen Fällen, ist genauso spartanisch ausgestattet.
Dafür sind die beiden Fälle „Mörderischer Wahn“ (über ein verschwundenes 15-jähriges Mädchen) und „Vorm Abgrund“ (über einen acht Jahre alten Mordfall, bei dem ein Homosexueller seinen Freund im Suff tötete) wieder gelungene Krimiunterhaltung. Inzwischen, weil die beiden Hauptcharaktere, die Kriminalpolizisten Michael Walker und Pat North in „Mörderischer Wahn“ ein Paar wurden (Tja, wo die Liebe hinfällt.), nimmt auch ihr Privatleben einen größeren Teil der Handlung ein. In „Vorm Abgrund“ wird ihre Beziehung in mehrfacher Hinsicht auf die Probe gestellt. Denn Michael Walker ermittelte damals gegen den Täter und, obwohl er ein guter Polizist ist, ist auch bekannt, dass er keine Scheu davor hat, die Regeln zu dehnen. Die jetzigen Ermittlungen sieht er auch als einen Angriff auf seine damaligen Ermittlungen; – und das, bevor herauskommt, dass Walker den Täter aus seinen Anfangstagen als Polizist kennt. Außerdem hat er sich noch nicht von seiner Frau getrennt und Pat North wird schwanger.
Auch wenn in „Vorm Abgrund“, weil von Anfang an keine Zweifel über den Täter herrschen, der Kriminalfall schwach ist, hat Produzentin, Serienerfinderin und Drehbuchautorin Lynda La Plante mit dem dritten und vierten „Der Preis des Verbrechens“-Filmen wieder einmal gute Krimiunterhaltung geliefert. Denn sie dröselt den Fall von der Tat über die Ermittlungen und die Gerichtsverhandlung bis hin zum Urteil detailliert und mit einem quasi-dokumentarischem Blick hinter die Kulissen langwieriger polizeilicher Ermittlungen und gerichtlicher Verfahren auf. Das entwickelt schnell, weil es gut gemacht ist, einen Sog, der dazu führt, dass die zweihundert Minuten für einen „Der Preis des Verbrechens“-Fall schneller zu vergehen scheinen als die meisten „Tatorte“.
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Der Preis des Verbrechens – Volume 2 (Trial & Retribution, GB 1999/2000)
Erfinder: Lynda La Plante
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DVD
Edel Germany
Bild: 4:3
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 397 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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enthält
Mörderischer Wahn (Trial and Retribution III, GB 1999)
Regie: Jo Johnson
Drehbuch: Lynda La Plante
mit David Hayman (D. Supt. Michael Walker), Kate Buffery (D. I. Pat North), Dorian Lough (D. S. Dave Satchell), Paul Kynman (D. I. Jeff Batchley), Patricia Potter (Emily)
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Vorm Abgrund (Trial and Retribution IV, GB 2000)
Regie: Michael Whyte
Drehbuch: Lynda La Plante
mit David Hayman (D. Supt. Michael Walker), Kate Buffery (D. I. Pat North), James Wilby (James McCready), Corin Redgrave (Robert Rylands), Dorian Lough (D. S. Satchell)
Mit einer blutigen Geiselbefreiung beginnt der französische Polizeithriller „Crossfire“. Als SEK-Polizisten verkleidete Gangster erschießen echte Polizisten und befreien ihren Boss, einen Ex-Fremdenlegionär, dem eine jahrzehntelange Haftstrafe droht.
Nach diesem Auftakt nimmt Regisseur Claude-Michel Rome das Tempo heraus. Denn er will nach zahlreichen TV-Filmen in seinem Spielfilmdebüt keinen weiteren actionlastigen Franco-Thriller, sondern ein grundsolides Genrestück über einige Polizisten und Bewohner eines Ortes, mit einer satten Portion Action am Anfang und Ende des Films, drehen.
Die nächste Szene und der gesamte Film spielt in einem Industrieviertel am Arsch der Welt (genaugenommen ein Vorort von Marseille mit Myriaden von Ölraffinerien und Industriebrachen). Vincent Drieu (Richard Berry [Waffenbrüder, Der Lockvogel, 22 Bullets]) steigt an einem Provinzbahnhof aus dem Zug und lagert eine Tasche in einem Schließfach des Bahnhofs. Er wurde aus Paris in ein Revier versetzt, das in drei Monaten geschlossen wird. Die Polizisten erscheinen zwar zum Dienst, aber ihnen Dienst nach Vorschrift zu bescheinigen, wäre ein Euphemismus. Auch die hochschwangere Revierchefin versucht ihm bei ihrer ersten Begegnung gleich jegliche Arbeitsmoral auszutreiben.
Drieu versucht trotzdem als Polizist zu arbeiten und er entdeckt zwischen einigen scheinbar nicht zusammenhängenden Ereignissen Verbindungen. Dazu gehören ein in einer Wohngegend stehengelassenes Luxusauto mit falschem Kennzeichen, das entgegen den Ghettogewohnheiten nicht sofort ausgeräumt wurde, ein verschwundener Ehemann und ein kleiner, jugendlicher Drogenhändler, der plötzlich guten Stoff hat. Es gibt den Chef des örtlichen Discobordells, bei dem der Ausdruck „weiße Weste“ nur für seinen Anzug gilt. Und dann ist da auch noch der am Filmanfang befreite Ex-Fremdenlegionär, der – das dürfte jetzt niemanden überraschen – sich auch in das am Meer liegende Industriegebiet verirrt.
Der Quasi-Western „Crossfire“ reiht sich gelungen in die aktuelle Reihe französischer Kriminalfilme ein, die zeitgemäß aufbereitet, die einheimische Kriminalfilmtradition pflegen und sich an Hollywood-Vorbildern bedienen.
Das ist in „Crossfire“ vor allem der Western à la „Mein großer Freund Shane“ und seiner unzähligen Variationen. Das Ende (also der gesamte dritte Akt) ist eine überdeutliche Referenz an „Assault on Precint 13“. Wobei sich diese Referenz eher an dem Remake von Jean-François Richet und weniger dem Original von John Carpenter orientiert. Und Carpenters Film war eine Hommage an den John-Wayne-Westernklassiker „Rio Bravo“ von Howard Hawks. Richard Berry übernimmt in „Crossfire“ als schweigsamer Mann in Schwarz die Rolle von John Wayne oder von „Shane“ Alan Ladd. Am Ende streckt er, sicher nicht zufällig ausgewählt, mit einem Dirty-Harry-Gedenkrevolver zielsicher die bösen Buben nieder.
Das sind alles nette kleine Referenzen an bekannt-beliebte Filme und Charaktere, die den Filmfan erfreuen, ohne von der angenehm altmodisch erzählten Geschichte abzulenken. Ein feiner Film.
Die DVD
Das Bonusmaterial besteht aus dem Trailer und einem vierzigminütigem Making-of, das einen guten Einblick in die Vorbereitungen und Dreharbeiten in Martigues, Bouches-du-Rhône gibt. Wie üblich nehmen die Statements der Schauspieler einen großen Teil der Zeit ein, während die anderen Beteiligten kaum zu Wort kommen.
Crossfire (Les insoumis, Frankreich 2008)
Regie: Claude-Michel Rome
Drehbuch: Claude-Michel Rome, Olivier Dazat
mit Richard Berry, Pascal Elbé, Zabou Breitman, Aïssa Maïga, Bernard Blancan, Guilaine Londez, Moussa Maaskri, Fred Saurel, Aure Atika
Drehbuch: Harry Julian Fink, Rita M. Fink, Dean Reisner, John Milius (ohne Credit)
LV: Harry Julian Fink, Rita M. Fink: Dead Right (Story)
Buch zum Film: Phillip Rock: Dirty Harry, 1971 (Dirty Harry)
In San Francisco knallt Scorpio wahllos Menschen ab. Dirty Harry Calahan nimmt die Fährte auf.
Klassiker des harten Polizeifilms und Blaupause für unzählige Kopien.
„Ein Plädoyer für mehr und härtere Polizeigewalt ist Siegels Film nur an der Oberfläche. Der Kreislauf der Gewalt bringt zwangsläufig solche Charaktere wie Dirty Harry hervor. Er ist auf seine Weise ein Produkt seiner Umwelt und einer, dem, um seine Integrität zu bewahren, nichts anderes übrig bleibt, als zu handeln wie ein Outlaw mit dem Stern des Gesetztes…Es ist ein Film über einen rechten Charakter, nicht aber ein rechter Film“ (Georg Seesslen: Copland)
Mit Clint Eastwood, Harry Guardino, John Mitchum, John Vernon, Andy Robinson
Gangs of New York (USA/D/I/GB/NL 2002, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Jay Cocks, Kenneth Lonergan, Steven Zaillian
LV: Herbert Asbury: The Gangs of New York, 1928 (Die Gangs von New York – Eine Geschichte der Unterwelt)
Amsterdam Vallon will den Mörder seines Vaters, den Gangsterboss William Cutting (Bill, the Butcher), töten.
Ausgehend von dieser dürftigen Geschichte entfaltet Martin Scorsese ein atemberaubendes Porträt vom Überlebenskampf, der Verflechtung zwischen Politik und Verbrechen, den Bandenkriegen und den Kämpfen zwischen den verschiedenen Ethnien in Five Points, den Slums von New York, in den Jahren zwischen 1846 bis 1863.
„Gangs of New York ist ein solches Drama der Endzeit einer Herrschaft, in der sich eine gesellschaftliche und familiäre Ordnung durch ihre eigenen Gesetze zerstört, und durch eine Rebellion der Methoden. Eine große Tragödie also, oder eine melancholische Farce; aber wieder projiziert sie Scorsese auf ein eher materialistisch dokumentiertes Stück Zeitgeschichte, mehrere Erzählweisen begegnen einander und werden umso deutlicher, je mehr sie sich zu widersprechen beginnen…Wie die meisten der (auch vom Aufwand her) großen Filme von Martin Scorsese erzählt auch Gangs of New York zunächst eine überaus einfache Geschichte, deren Bedeutung, deren eigentliches Leben sich erst in den Bildern offenbart…Gangs of New York ist auch ein großer Film übers Film-Erzählen.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)
Mit Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Liam Neeson, Brendan Gleeson
Anmerkung
Der Film ist „FSK 16“ und läuft um 20.15 Uhr in einer gekürzten Fassung. Weitere Informationen
Dalton Russell überfällt eine Wall-Street-Bank. Schnell wird sie von der Polizei umzingelt und Detective Keith Frazier beginnt mit den Verhandlungen. Spätestens als Madaline White als Unterhändlerin des Bankgründers auftaucht und sich in die Verhandlungen einmischt, weiß er, dass er es nicht mit einem normalen Banküberfall zu tun hat.
„‚Inside Man‘ ist ein typischer Spike-Lee-Film, insofern er in jeder Sekunde ein bisschen mehr ist al ein reiner Genrefilm. Er macht böse Witze ebenso über den kulturellen Reichtum New Yorks wie über Post-9/11-Paranoia und War-on-Terror-Vorurteile. Er analysiert die Mechanik der Macht, verbindet sie mit gesellschaftlicher Hierarchie und bricht sie an der Politik der Hautfarben.“ (Alexandra Seitz: Inside Man, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)
Ein feiner Thriller
mit Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Willem Dafoe, Chiwetel Ejiofor, Christopher Plummer
Ex-Major McCloud will in Key Largo nur die Eltern eines gefallenen Kriegskameraden besuchen. Dummerweise haben sich Gangster Johnny Rocco und seine Verbündeten im Hotel wohnlich eingerichtet. McCloud muss wieder zur Waffe greifen.
Im Rahmen eines Gangsterfilms wird das Unbehagen am Nachkriegs-Amerika präsentiert. Das Hotel wird zu einem Mikrokosmos von Verrat und Rache in der amerikanischen Ausprägung.
„Gangster in Key Largo“ ist der vierte und letzte Bogart/Bacall Film und das letzte Zusammentreffen von Bogart und Robinson vor der Kamera. Dieses Mal stirbt Bogart nicht vor Robinson, der hier seine letzte große Gangsterrolle hatte.
Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Edward G. Robinson, Lionel Barrymore, Claire Trevor
Auch bekannt als “Hafen des Lasters” (Kinotitel), „Gangster von Key Largo“
Yorkshire Killer 1974 (GB 2009, R.: Julian Jarrold)
Drehbuch: Tony Grisoni
LV: David Peace: Nineteen Seventy-Four, 1999 (1974)
Yorkshire, 1974: Der ehrgeizige Lokaljournalist Eddie Dunford recherchiert im Fall eines verschwundenen Mädchens. Er entdeckt Parallelen zu ähnlichen Fällen.
Auftakt der grandiosen, aus drei Filmen bestehenden Verfilmung der Red-Riding-Romane von David Peace, die vom Ersten zu einer beschissenen Zeit ausgestrahlt wird. Aber direkt nach dem “Tatort” wäre das Gefälle zwischen den beiden Krimis wohl zu augenfällig gewesen.
Mit Andrew Garfield, Eddie Marsan, John Henshaw, Sean Bean