Das Bourne Ultimatum (USA 2007, R.: Paul Greengrass)
Drehbuch: Tony Gilroy (auch Geschichte), Scott Z. Burns, George Nolfi
LV: Robert Ludlum: The Bourne Ultimatum, 1990 (Das Borowski-Ultimatum; Das Bourne-Ultimatum)
Dritter Auftritt von Matt Damon als Jason Bourne, der Profikiller mit der Gedächtnislücke. Jetzt erfährt er endlich, was er vergessen hat. Davor gibt’s reichlich Action und einen in seiner Unverschämtheit grandiosen erzählerischen Kniff. Denn der dritte Bourne-Film spielt fast vollständig vor dem Ende des zweiten Bourne-Films.
Mit Matt Damon, Julia Stiles, David Strathairn, Scott Glenn, Paddy Considine, Édgar Ramírez, Albert Finney, Joan Allen, Daniel Brühl
My Blueberry Nights (China/USA 2007, R.: Wong Kar-wai)
Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)
Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.
Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.
Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman
Buch zum Film: Lee Hays: Once Upon a Time in America, 1984
Kamera: Tonino Delli Colli
Musik: Ennio Morricone
Ein grandioses Gangsterdrama: die Geschichte von Freundschaft und Verrat – erzählt in wunderschönen Bildern und in einer komplexen Struktur, die lose auf dem autobiographischen Buch von Harry Grey basiert. Leone meinte, im Drehbuch seien nur zehn bis zwanzig Prozent des Buches geblieben.
Mit Robert de Niro, James Woods, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Elizabeth McGovern
Es wird anscheinend, wie zuletzt vor sechs Jahren(!!!), eine minimal gekürzte Fassung von 214 Minuten gezeigt. Die us-amerikanische Langfassung ist 227 Minuten, die Kurzfassung 144 Minuten. In Deutschland wurden im Kino zwei Fassungen gezeigt: eine FSK-18 mit 228 Minuten und eine FSK-16 mit 167 Minuten. – Mein Tipp: Immer die längste mögliche Fassung sehen. Denn keine Minute ist überflüssig. (Oh, und auf dem größten möglichen Bildschirm oder im Kino.)
Zum Filmstart erschien im Bastei-Lübbe-Verlag das Buch zum Film mit Hays‘ Roman, vielen Filmbildern (SW und Farbe), einem Sergio-Leone-Porträt von Andreas Kern und einem Text von Leone über den Film. So machen „Bücher zum Film“ Spaß.
Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“
Und das am Heiligen Abend. Teil 2 und 3 folgen, wie letztes Jahr, an den kommenden Tagen (und wahrscheinlich gräbt irgendeine Postille wieder den dümmlichen Artikel „Empörend, dass ein Film wie ‚Stirb langsam‘ an Weihnachten läuft.“ aus).
Das Drehbuch von Jeb Stuart und Steven E. De Souza war für den Edgar nominiert.
Mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Alexander Godunov, Reginald VelJohnson, William Atherton, Paul Gleason, Hart Bochner
Wegen des Wetters und einiger anderer Dinge sind meine letzten TV-Krimi-Buch-Tipps für dieses Kalenderjahr etwas verspätet bei den Alligatorpapieren online gegangen. Wer also wissen will, was er sich während der Festtage ansehen muss:
Weihnachtsgefühle kommen bei diesem Programm kaum auf. Denn die Macher verwechseln mal wieder Masse mit Klasse. Aber immerhin gibt es einige lange nicht mehr gezeigte Filme, wie Jürgen Rolands Joachim-Jessen/Jens-Lerch-Verfilmung „Tatort: …und dann ist Zahltag“, Abel Ferraras Elmoere-Leonard-Verfilmung „Short Run – Hexenkessel Miami“, Fritz Langs Vera-Caspary-Verfilmung „Gardenia – Eine Frau will vergessen“ und Sergio Leones Harry-Grey-Verfilmung „Es war einmal in Amerika“. Ansonsten gibt es, als TV-Premiere, Wong Kar-wais „My Blueberry Nights“ (Lawrence Block schrieb mit dem Regisseur das Drehbuch. Aber Blocks Beteiligung fällt nicht weiter auf.), Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“ und seine John-Hopkins-Verfilmung „Sein Leben in meiner Gewalt“, Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“, Paul Greengrass‘ Robert-Ludlum-Verfilmungen „Die Bourne Verschwörung“ und „Das Bourne Ultimatum“, Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“, John McTiernans Roderick-Thorp-Verfilmung „Stirb langsam“ (inzwischen traditionelles Weihnachtsprogramm; die Teile zwei und drei werden auch gezeigt), Henri Verneuils John-Trinian-Verfilmung „Lautlos wie die Nacht“, José Giovannis „Endstation Schafott“ (nach seinem Drehbuch), George Stevens‘ Jack-Schaefer-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“, Clint Eastwoods Michael-Connelly-Verfilmung „Blood Work“ und Martin Scorseses Paul-Schrader-Verfilmung „Taxi Driver“ (Naja, was soll man auch sonst mit einem Drehbuch machen?). Und Henning Mankell hat das Treatment für „Tatort: Borowski und der vierte Mann“ geschrieben. Da sehen wir uns lieber Mickey Spillane in „Columbo: Schreib oder stirb“ an.
Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.
Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.
David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.
Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)
Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)
Der Kuß vor dem Tode (USA 1991, R.: James Dearden)
Drehbuch: James Dearden
LV: Ira Levin: A kiss before dying, 1953 (Kuss vor dem Tode)
Student Jonathan hat wenig Geld, aber den unbedingten Willen zu Macht und Reichtum. Dafür geht er über Leichen. Nur die schöne Zwillingsschwester Ellen ahnt etwas.
Nettes Remake.
Mit Matt Dillon, Sean Young, Max von Sydow, James Russo
Oscarprämiertes Episodendrama über die zufälligen Begegnungen von Menschen verschiedener Ethnien und Schichten in Los Angeles. Das alles zusammenhaltende Thema ist Rassismus.
2005 war das Jahr für Paul Haggis. Nachdem er jahrelang in Hollywood arbeitete, hatte er endlich seinen großen Durchbruch. Zuerst verfilmte Clint Eastwood sein Oscar-nominiertes Drehbuch „Million Dollar Baby“. Danach schrieb Haggis, wieder für Clint Eastwood, das ebenfalls Oscar-nominierte Drehbuch für „Letters from Iwo Jima“ und „Flags of our Fathers“, leistete gutbezahlte Arbeit an den Drehbüchern der beiden Daniel-Craig-Bond-Filme und erhielt für „L. A. Crash“ unter anderem den Oscar für das beste Original-Drehbuch und den besten Film. Auch sein zweiter Spielfilm „Im Tal von Elah“ überzeugte – jedenfalls die wenigen Menschen, die ihn im Kino gesehen haben.
Mit Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Jennifer Esposito, Brandan Fraser, Terrence Howard, Chris „Ludacris“ Bridges, Thandia Newton, Ryan Phillippe, Larenz Tate, Michael Pena, William Fichtner
Kriegsveteran George Moran betreut in Miami ein Strandhotel. Als sich einige Verbrecher in dem Hotel einquartieren und Morans große Liebe, die inzwischen mit einem dubiosem Geschäftsmann liiert ist, wieder auftaucht, gerät sein Leben aus den Fugen.
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigte Leonard-Verfilmung, die eine beeindruckende Besetzung und einige gute Szenen aufweisen kann. Aber weil es während der Produktion massive Probleme gab, ist der Film ein Torso. Dass danach in den verschiedenen Ländern die Verleiher noch einmal beherzt zur Schere griffen, steigerte die Qualität des Films nicht. Heute soll eine 85-minütige Version gezeigt werden, die wahrscheinlich der FSK-18-Version entspricht. Die längste Kinoversion hat 98 Minuten.
Die Musik ist von Chick Corea.
“Ferrara sent his script to Elmore to see if he could get the story going, the first ten minutes were just two guys talking: a set up that works in the book but not on the screen. Peter Weller had script approval and didn’t want Elmore’s dialog touched. Ferrara asked Elmore to rewrite the first twenty pages of Cat Chaser and he rewrote the whole thing. But Ferrera didn’t use his script. The producers took Cat Chaser away from the director and recut it. It was only released theatrically in England. The producer cut film is very slow and detached. It demonstrates another problem in putting Elmore Leonard’s sound on the screen: a well intentioned and faithful adaptation is not enough to insure a successful movie.” (von Elmore Leonards Homepage)
mit Peter Weller, Kelly McGillis, Charles Durning, Frederic Forrest, Tomas Milan, Juan Fernández
Tatort: …und dann ist Zahltag (D 1976, R.: Jürgen Roland)
Drehbuch: Werner Jörg Lüddecke
LV: Joachim Jessen/Jens Lerch: Der Zahltag, 1976
Das Kind von Ex-Knacki Ewald Merten wird entführt. Die Entführer verlangen von ihm einen Banküberfall. Merten tut’s und liefert damit die Ablenkung für einen weiteren Banküberfall. Kommissar Brammer ermittelt.
Alter „Tatort“, der zuletzt 1994 im Fernsehen lief.
Die ersten beiden Kriminalfilme sind keine keine Neustarts, aber ich hatte sie bisher noch nicht erwähnt. Und, ja, die englischen Titel sind die deutschen Titel. Seltsame Mode, das.
22 Bullets ((L’Immortel, Frankreich 2010)
Regie: Richard Berry
Drehbuch: Richard Berry, Eric Assous (Adaptation und Dialog), Alexandre de La Patellière (Adaptation), Mathieu Delaporte (Adaptation)
LV: Franz-Olivier Giesbert: L’Immortel, 2007
Als auf einen sich im Ruhestand befindenden Mafiosi ein Attentat verübt wird, beginnt er die Typen, die ihn umbringen wollten, zu jagen.
Blutige Angelegenheit, das.
mit Jean Reno, Gabrielle Wright, Kad Merad, Richard Berry, Marina Fois
Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck, Christopher McQuarrie, Julian Fellowes (nach dem Drehbuch „Anthony Zimmer“ von Jérôme Salle)
Eine geheimnisvolle Schönheit spricht einen US-Lehrer, der Europa besucht, an. Was er nicht ahnt, ist, dass sie von Polizisten und Gangstern verfolgt wird und ihn nur als Ablenkungsmanöver benutzen will.
Die Kritiker halten das Remake des tollen französischen Thrillers „Anthony Zimmer“/“Fluchtpunkt Nizza“ für einen Langweiler. Auch die US-Ticketverkäufe entsprachen wohl nicht den Erwartungen der Produzenten. Da sind die Golden-Globe-Nominierungen nur ein schwacher Trost. Deshalb wird wohl auch gerne verschwiegen, dass „The Tourist“ nicht in der Drama-, sondern der Comedy/Musical-Kategorie nominiert wurde.
Jedenfalls, wenn der Film die Qualität des laaaangweiligen Trailers hält, sollte man sich einfach wieder das gewitzte Original mit der wunderschönen Sophie Marceau (Wer braucht schon Angelina Jolie, wenn er Sophie Marceau haben kann?) ansehen.
Mit Angelina Jolie, Johnny Depp, Paul Bettany, Timothy Dalton, Steven Berkoff, Rufus Sewell
Die Spur führt zurück – The Two Jakes (USA 1989, R.: Jack Nicholson)
Drehbuch: Robert Towne
Los Angeles 1948: Privatdetektiv Jake Gittes soll eine untreue Ehefrau observieren. Als sein Auftraggeber seinen Nebenbuhler ermordet und Gittes auf einem Tonband den Namen Kathrine Mulwray (die Filmfans aus „Chinatown“ kennen) hört, ist seine Neugierde geweckt.
Fortsetzung des Klassikers „Chinatown“, die von Robert Towne als Mittelteil einer Trilogie geplant war. Aber der Film floppte und die Kritiker waren auch nicht begeistert. Dabei ist „Die Spur führt zurück“ gar nicht so schlecht als klassischer Privatdetektivkrimi mit Starbesetzung.
„Nicholson inszenierte einen betulichen, einen altmodischen Film. Die Verwicklungen seines Plots sind selbst für einen Detektivfilm zu kompliziert, verlangen zu viel Aufmerksamkeit und erzeugen einige Längen, in denen es nicht sonderlich interessant ist, Jake Gittes zu folgen. Zudem wirken Figuren und Handlung museumsreif.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)
„einer der meisterhaftesten, zugleich unterschätzten Detektivfilme vom Anfang der neunziger Jahre“ (Georg Seeslen: Grundlagen des populären Films: Detektive, 1998)
mit Jack Nicholson, Harvey Keitel, Meg Tilly, Madeleine Stowe, Eli Wallach, Ruben Blades, Frederic Forrest, David Keith, Richard Farnsworth, James Hong, Van Dyke Parks (auch Musik), Tom Waits (Kurzauftritt als Polizist)
Out of time – Sein Gegner ist die Zeit (USA 003, R.: Carl Franklin)
Drehbuch: David Collard
Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.
Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.
Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.
Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Salma Latham, Dean Cain, John Billingsley
Tödliche Versprechen – Eastern Promises (GB/USA/Can 2007, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: Steven Knight
Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.
Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.
Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).
„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.
Im Moment arbeiten Steven Knight, David Cronenberg und Viggo Mortensen an einer Fortsetzung von „Eastern Promises“.
mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel
Tödliche Entscheidung (USA 2007, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Kelly Masterson
Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.
Mit seinem bislang letztem Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.
Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.
„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino.
mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris
Jackie Chan scheint so langsam mit seinem Alterswerk zu beginnen. Nach dem gelungenem Noir-Gangsterfilm und Immigrationsdrama „Stadt der Gewalt“ und dem an der Kinokasse erfolgreichem Remake „Karate Kid“ hat er mit „Little Big Soldier“ einen weiteren Film gedreht, bei dem er in erster Linie als Schauspieler überzeugt. Allerdings ist „Little Big Soldier“ wesentlich witziger als die humorlose „Stadt der Gewalt“ und die Kämpfe, die in „Stadt der Gewalt“ nur kurze Eruptionen von Gewalt waren, sind in „Little Big Soldier“ ausführlicher choreographiert. Es ist fast wie in alten Zeiten, als Jackie-Chan-Filme für eine lockere Mischung aus Action und Comedy standen. Aber Jackie Chan lässt bei den meisten Kämpfe jüngeren Schauspielern den Vortritt. Außerdem sind die Kämpfe so zerschnitten, dass man die artistischen Leistungen kaum bewundern kann.
Dass Jackie Chan dieses Mal kaum selbst kämpft, fällt kaum auf. Denn er hat sich in „Little Big Soldier“ eine Rolle auf den Leib geschrieben, die sich gerade durch besondere Hasenfüßigkeit auszeichnet. Er spielt den dritten Sohn eines Bauern. Seine beiden Brüder sind bereits im Kampf gefallen und er will nur vom Militärdienst befreit werden und genug Geld bekommen, um sein Feld zu bestellen. Er ist ein kleiner Mann mit kleinen Träumen.
Nach einer Schlacht, in der alle Soldaten starben und er nur wegen seiner langerprobten Kampftechnik „Toter Mann“ überlebte, kann er einen gegnerischen General gefangennehmen. Er will ihn zu seinem König bringen und die Belohnung in Empfang nehmen.
Diese Reise zu seinem König ist voller Gefahren. Anfangs versucht der Gefangene immer wieder zu fliehen. Er wird daran, nicht immer mit feinen Methoden, gehindert. Sie werden von den Soldaten des Gefangenen verfolgt. In dem Wald sind Banditen. Später kommen, wenig überraschend, die beiden gegensätzlichen Soldaten sich näher.
Denn der kleine Soldat ist der sprichwörtliche kleine Mann, der seine Machtlosigkeit durch Bauernschläue und, als er sich mit Gefangenen, der ihm als Kämpfer hoffnungslos überlegen ist, duelliert, Clownereien kompensiert. Gleichzeitig ist er auf seinen Vorteil bedacht und gehässig. So stößt er mehrmals genussvoll mit seinem Finger in eine schmerzende Wunde seines Gefangenen. Jetzt hat er endlich die Chance, sich einmal an einem der Menschen zu rächen, die ihn aus seinem gemütlichen Leben rissen. Und diese Chance nimmt er ausgiebig wahr. Mit solchen Szenen entgeht Jackie Chan auch der Gefahr, den von ihm gespielten Soldaten als guten Menschen zu heroisieren und zu verkitschen.
Gerade in dieser Gegenüberstellung von einem kleinen Mann, der die Kriege der Großen einfach erleiden muss, und einem General (der sich später sogar als Thronfolger entpuppt), der einfach über die Menschen bestimmt und diese seinen strategischen Entscheidungen unterordnet, gelingt Regisseur Sheng Ding ein mit den typischen Jackie-Chan-Elementen angereicherter Antikriegsfilm, der zwar in der Vergangenheit spielt, aber auch ein Statement zu den derzeitigen Kriegen liefert.
Und für’s Auge gibt es einige prächtige Landschaftsaufnahmen.
Little Big Soldier (Da bing xiao jiang, China/Hongkong 2010)
Regie: Sheng Ding
Drehbuch: Jackie Chan
mit Jackie Chan, Leehom Wang, Rongguang Yu, Ken Lo, Sung-jun Yoo, Peng Lin
–
DVD
New KSM
Bild: 16:9 (2.35:1)
Ton: Deutsch, Mandarin (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras (angekündigt): Making Of, Jackie Chan Goes Berlinale 2010, Trailer, Bildergalerie (Gesamtlaufzeit ca. 49 Minuten)
LV: Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Der Borowski-Betrug, Die Bourne-Identität)
CIA-Agent und Killer Jason Bourne hat sein Gedächtnis verloren. Schlimme Sache. Aber schlimmer ist, dass seine ehemaligen Arbeitgeber ihn umbringen wollen.
Die eher werkferne, kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Borowski-Buches. Für die Verfilmung des damals über zwanzig Jahre alten Buches wurde nur das Skelett der Handlung übernommen, der Rest aktualisiert und ein unterhaltsamer Action-Thriller gedreht, der sogar angenehm altmodisch ist. Nur Matt Damon wirkt einfach fünf Jahre zu jung für den eiskalten Profikiller. Aber das Problem hatte er in den spannenden Fortsetzungen, die an den kommenden Montagen laufen, nicht mehr.
Mit Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Walton Goggins
Ein Freund gewisser Damen – The Walker (USA 2007, R.: Paul Schrader)
Drehbuch: Paul Schrader
Carter Page III ist ein schwuler Südstaatenschönling und Begleiter der Damen der politischen High Society von Washington, D. C.. Er hält sich aus allem heraus, bis er seiner besten Freundin, der Senatorengattin Lynn Lockner ein Alibi gibt. Denn sie ist gerade über die Leiche ihres ermordeten Geliebten gestolpert.
In der grandiosen Charakterstudie „The Walker“ spielt Woody Harrelson den Charakter, den Schrader-Fans bereits aus „Taxi Driver“ (damals Robert De Niro), „American Gigolo – Ein Mann für gewisse Stunden“ (Richard Gere) und „Light Sleeper“ (Willem Dafoe) kennen: der Drifter, der die Gesellschaft von außen betrachtet und wegen einer für ihn unerreichbaren Frau seine Position als Beobachter aufgibt. Wie diese Filme ist „The Walker“ auch eine Analyse einer bestimmten Gesellschaftsschicht: hier der politischen Kaste in Washington, D. C., die sich in Räumen bewegt und verhält, als ob die Zeit kurz nach dem Bürgerkrieg stehen geblieben wäre.
Ein toller altmodischer Film, der seine deutsche Premiere auf der Berlinale erlebte, später, trotz der namhaften Besetzung, nur auf DVD veröffentlicht wurde und jetzt vom Ersten zur Geisterstunde (senderinterne Sprachregel: Prime-Time für gute Filme) versendet wird.
Mit Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas, Lauren Bacall, Ned Beatty, Moritz Bleibtreu, Mary Beth Hurt, Lily Tomlin, Willem Dafoe
Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)
Drehbuch: Ted Tally
LV: Thomas Harris: The silence of the lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)
FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.
Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.
Hitchcock hätte der Film gefallen.
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine