TV-Tipp für den 12. August: Schritte ohne Spur

August 12, 2010

Arte, 20.15

Schritte ohne Spur (F/I 1959, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Paul Gégauff

LV: Stanley Ellin: The key to Nicholas Street, 1952 (Die Dame nebenan)

Wer hat die Geliebte des Weinhändlers ermordet? Taugenichts Laszlo glaubt, den Täter zu kennen.

Bereits in seinem dritten Spielfilm machte sich Claude Chabrol über das dekadente Bürgertum her.

Mit Jean-Paul Belmondo

Wiederholungen

HR, Montag, 16. August, 23.30 Uhr

Arte, Mittwoch, 25. August, 14.45 Uhr

Hinweise

Homepage von Stanley Ellin (im Aufbau; – also vielleicht irgendwann)

Wikipedia über Stanley Ellin (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Stanley Ellin

MysteryNet über Stanley Ellin

Kirjasto über Stanley Ellin


TV-Tipp für den 11. August: Der letzte Scharfschütze

August 11, 2010

WDR, 00.20

Der letzte Scharfschütze (USA 1976, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout

LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)

Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.

Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.

Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)

Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.

Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine

Auch “The Shootist – Der Scharfschütze”

Hinweise

Homepage von Glendon Swarthout

Meine Besprechung der DVD “Der Shootist – Der letzte Scharfschütze”


TV-Tipp für den 10. August: Hammett

August 9, 2010

RBB, 22.45

Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope

LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)

Dashiell Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Kurz darauf befindet sich Hammett in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist.

Joe Gores mischte in seinem sehr gelungen Buch Hammetts Biographie mit historischen Gegebenheiten und Fiktion.

Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung: mehrere verschiedene Drehbücher (u. a. schrieb Joe Gores die erste Fassung), ein exzessiver Nachdreh anderthalb Jahre nach dem ersten Dreh, in Farbe statt in Schwarzweiß, mit einem fremden Team und Auseinandersetzungen mit dem Produzenten über die Konzeption des Films. So hatte sich der in Deutschland hochgelobte Regisseur seine Ankunft in Hollywood nicht vorgestellt.

Hammett ist vor allem ein Film der Zitate, der ironischen Verweise. Er ist eine Erinnerung an den Film Noir, dessen Atmosphäre er evoziert, aber auch ironisiert. Die Kulissen sehen immer ein wenig wie Kulissen aus, das Tempo ist enorm gedrosselt, fast ritualisiert. Alle ästhetischen Mittel der Vorgänger aus den 40er Jahren sind benutzt: die extreme Dunkelheit, die scharfen Kontraste, die Lichtstreifen, die Kameraposition aus der Vogelperspektive.“ (Stefan Kolditz in Wim Wenders, Hanser Verlag Reihe Film Band 44).

Hammett ist – so ein heute immer noch gültiges Urteil der damaligen Kritik – Wenders bester und unpersönlichster Film.

Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)

Hinweise

Wikipedia über Joe Gores

Thrilling Detective über Joe Gores

Joe Gores: Why I write Mysteries

Meine Besprechung von Joe Gores‘ „Hammett“ (Hammett, 1975)

Anmerkung zum Clip: Es dauert einige Zeit, bis Wim Wenders beginnt zu erzählen. Aber das Warten lohnt sich.


TV-Tipp für den 9. August: Getaway

August 9, 2010

HR, 23.30

Getaway (USA 1972, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Walter Hill

LV: Jim Thompson: Getaway, 1958 (Getaway)

Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.

Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.

Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins

Hinweise

Meine Besprechung der DVD „Sam Peckinpah: Passion & Poetry“

Wikipedia über Sam Peckinpah (deutsch, englisch)

Georg Seeßlen über Sam Peckinpah (der Nachruf erschien zuerst in epd Film 2/1985)

The Guardian: Rick Moody über Sam Peckinpah (9. Januar 2009)

Senses of Cinema: Gabrielle Murray über Sam Peckinpah

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Wikipedia über Jim Thompson (Englisch)

Kirjasto über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Senses of Cinema über „The Getaway“

Drehbuch „Getaway“ von Walter Hill (Final Revised Shooting Draft – 23. Februar 1972)


TV-Tipp für den 8. August: Todesstille

August 7, 2010

SWR, 23.25

Todesstille (Aus 1989, R.: Philip Noyce)

Drehbuch: Terry Hayes

LV: Charles Williams: Dead calm, 1963 (Tödliche Flaute)

Das Ehepaar Ingram fischt einen Mörder aus dem Wasser. Aus Dankbarkeit will er sie umbringen.

Spannender Drei-Personen-Thriller mit Nicole Kidman, Sam Neill, Billy Zane

Stellvertretend für die vielen euphorischen Stimmen: Todesstille „bewegt sich vielmehr auf der differenzierten, fast altmodischen Ebene einer Gattung von Filmen, die seit Jahren nahezu ausgestorben schien, jener kalkulierten Spannungsstücke, die mit einem Minimum an Konfliktstoff auskommen und deren Effekt sich vornehmlich aus der Machart ableitet.“ (film-dienst)

Hinweise

Wikipedia über Charles Williams

Mordlust über Charles Williams

Noir Originals: Ed Lynskey über „The high seas of Charles Williams“ (2004)


TV-Tipp für den 7. August: Striptease

August 7, 2010

RTL II, 22.10

Striptease (USA 1996, R.: Andrew Bergman)

Drehbuch: Andrew Bergman

LV: Carl Hiaasen: Striptease, 1993 (Striptease)

Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozeß in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.

Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle

Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden

Wiederholung: Sonntag, 8. August, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Carl Hiaasen

Meine Besprechung von „Sumpfblüten“ (Nature Girl, 2006)

Meine Besprechung von „Der Reinfall“ (Skinny Dip, 2004)

Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999)

Meine Besprechung von „Unter die Haut“ (Skin Tight, 1989)


DVD-Kritik: Mäh, „Männer, die auf Ziegen starren“

August 6, 2010

Ganz dunkel erinnere ich mich an einen Artikel aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts in einer schnell eingestellten Lizenzausgabe eines amerikanischen Science-Fiction-Magazins über parapsychologische Experimente von US-Soldaten. Damals wusste ich nicht, wie glaubwürdig die Reportage war. Vielleicht erinnere ich mich auch vollkommen falsch an den Text. In jedem Fall dachte ich, dass er wahrscheinlich Unfug war.

Vor sechs Jahren veröffentlichte Jon Ronson ein Buch über seine Recherchen über das erste Erdbataillon und wir erfuhren, dass die US-Army in den Siebzigern und Achtzigern in diese Richtung forschte. Sie wollten bessere Soldaten werden und friedlichere Formen des Krieges finden. Nach dem 11. September wurden einige Ideen in die Praxis umsetzt. Einmal dürfen Sie raten, welche.

Jetzt inszenierte Grant Heslov eine durchgeknallte, starbesetzte Schwarze Komödie, die sich, trotz der von Drehbuchautor Peter Straughan für den Film erfundenen Geschichte, erstaunlich genau an Ronsons Buch hält. Straughan (er schrieb auch das Drehbuch zur neuen John-le-Carré-Verfilmung „Tinker, Tailer, Soldier, Spy“) übernahm viele Szenen wortgenau und hielt sich an Jon Ronsons gewöhnungsbedürftige Struktur. Ronson erzählt die Geschichte der Psychosoldaten als eine Abfolge von Interviews, die in der Chronologie hin und herspringen. Dabei ist es schwer, auch weil Ronson vor allem den naiven, Fragen stellenden Journalisten spielt, den Wahrheitsgehalt der einzelnen Aussagen zu überprüfen. Beim Lesen ergibt sich jedenfalls nur langsam ein halbwegs vollständiges Bild von den Experimenten des Militärs. Am Ende seines Buches erzählt Ronson von der dunklen Seite der Psychoexperimente. Denn während die Psychosoldaten mit Musik für eine friedliche Stimmung sorgen wollten, wurde im Krieg gegen den Terror Musik als Folterinstrument eingesetzt.

Diese Struktur von aktueller Recherche, die mit Rückblenden illustriert wird, funktioniert im Film wesentlich besser als im Buch. Und die neu erfundene Geschichte (ein Journalist begleitet einen ehemaligen Psychosoldaten, der seine reaktivierte Einheit sucht) zeigt ebenfalls die Aktualität der Ideen von Oberstleutnant i. R. Jim Channon, dem Initiator des First Earth Battalion. Channon suchte nach dem Vietnam-Krieg nach neuen Wegen der Kriegsführung. Er fragte sich, inwiefern man die Ideen der verschiedenen in Kalifornien existierenden Esoterik-Zirkel und das Gedankengut der Hippies für die Armee nutzen könne. Er suchte nach Möglichkeiten, wie Soldaten ihr Potential besser nutzen können und wie man Kriege anders führen könnte. Diese von ihm im „Handbuch des Ersten Erdbataillons“ niedergelegten Gedanken zirkulierten dann im Militär, fanden Anhänger und wurden weitergedacht.

Außerdem folgt der Film den beiden im Buch angelegten emotionalen Reisen. Die eine ist die der Psychosoldaten von den überbordenden Hoffnungen am Anfang hin zur Enttäuschung über die sinnentstellende Verwendung ihrer Ideen – und ihrem Versuch im Irak eine positive Stimmung zu verbreiten. Die andere ist die des Journalisten vom Skeptiker, der die Psychosoldaten für Spinner hält hin zu einer positiveren Einstellung ihnen gegenüber. Im Film ergreift der Journalist am Ende sogar Partei für die Psychosoldaten und in der letzten Filmminute, nachdem er seine Reportage über die „Männer, die auf Ziegen starren“ geschrieben hat, läuft er durch die Wand. Es ist, immerhin ist es ein Film, vor allem ein Aufruf auch das Undenkbare zu denken und zu probieren. In seinem Audiokommentar betont Jon Ronson, dass er immer ein Skeptiker geblieben sei – und auch der Film gibt dieser Skepsis reichlich Nahrung.

Ein Film über die wahren Jedi-Krieger

Kleinstadtjournalist Bob Wilton (Ewan McGregor) wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Jetzt sitzt er in Kuwait City und wartet auf die große Story vom Kampf der amerikanischen Soldaten gegen die bösen Iraker. Aber die Topjournalisten meiden ihn und er ist hier nicht näher an der großen Story als in Ann Arbor, Michigan. Eines Abends sieht er Lyn Cassady (George Clooney). Von ihm hat er, als er eine Reportage für die “Vermischtes“-Seiten schrieb, schon einmal gehört: Cassady soll ein begnadeter Psychokrieger sein, der mit der Kraft seiner Gedanken Ziegen töten kann. Wilton hielt die Geschichte damals für offensichtlichen Unfug. Aber jetzt könnte es eine Story sein.

Nachdem Cassady sich von der Vertrauenswürdigkeit des Journalisten überzeugte (eine Zeichnung spielt dabei eine wichtige Rolle), nimmt er ihn mit in den Irak. Denn Cassady ist reaktiviert und auf dem Weg zu seiner Einheit.

Diese Suche nach Cassadys wiederbelebter Einheit ist eine Folge absurder Abenteuer, die von Cassadys Erinnerungen unterbrochen wird. Er erzählt Wilton, wie Bill Django (Jeff Bridges) in jeder Hippie-Kommune und jedem Esoteriker-Treffen in Kalifornien in den Siebzigern Feldstudien betrieb, die New Earth Army gründete, sie ausbildete und Cassady eine Ziege totstarrte.

Das ist pointiert erzählt, zeigt einiges vom Wahnsinn militärischen Denkens und schon von der Grundidee, obwohl sie und alle Rückblenden auf Tatsachen basieren, komisch. Denn allein die Bilder von Djangos Reise durch die kalifornischen Selbstverwirklichungsgruppen, die zu Hippie-Musik tanzenden Soldaten in Uniform oder die todernsten Vorträge von Bill Django, dem Initiator der New Earth Army, über die neue, friedliche Form des Kampfes und die ausdruckslosen Gesichter der ihm zuhörenden Soldaten, sind grandios. Ein weiterer Pluspunkt sind die Schauspieler, die erkennbar ihren Spaß haben und den gesamten Unfug absolut glaubhaft präsentieren.

Aber dennoch hat man immer den Eindruck, dass „Männer, die auf Ziegen starren“ unter seinen Möglichkeiten bleibt. Vielleicht liegt es an dem assoziativen Plot, vielleicht an der mangelnden satirischen Schärfe, vielleicht an der unentschiedenen Haltung zwischen Spaß mit und Spaß über die Soldaten, vielleicht an dem fantastischen und unbefriedigendem Ende im Irak oder dem etwas banalen Aufruf am Filmende, dass wir jetzt mehr Jedi-Krieger (wie sich die Psychosoldaten selbst nennen) brauchen.

Dabei, und in diesem Punkt haben die Macher absolut recht, braucht die Gesellschaft Menschen, die auch außerhalb der gewohnten Konventionen denken und neues probieren. Auch wenn sie, wie Generalmajor Albert Stubblebine III (in der Realität) oder Dean Hopgood (im Film) beim Durch-die-Wand-Gehen immer wieder scheitern und die Erlebnisse von Wilton und Cassady im Irak mehr als einmal Zweifel an Cassadys paranormalen Fähigkeiten wecken. Immerhin versuchen sie es.

Außerdem ist allein der konsternierte Blick von Ewan McGregor auf die todernste Eröffnung von George Clooney, er sei ein Jedi-Krieger, das Ansehen wert. McGregor sieht ihn an, als habe er als einziger Mensch im Universum noch nie etwas vom „Krieg der Sterne“ gehört. Im Trailer ist diese Szene gar nicht so witzig.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial für die DVD ist auf den ersten Blick mit geschnittenen Szenen, B-Roll, zwei Hintergrundberichten und zwei Audiokommentaren sehr umfangreich ausgefallen. Aber beim Ansehen bleibt dann, wie bei dem Film, das Gefühl zurück, dass mehr möglich gewesen wäre. Die geschnittenen Szenen sind erfreulich kurz ausgefallen. Hier haben die Macher wirklich das gefilmt, was dann auch in den Film kam. Die B-Roll ist, nun ja, die B-Roll. Die beiden Hintergrundberichte sind viel zu kurz. Das siebenminütige Making-of beschränkt sich hauptsächlich auf Lobhuddeleien. Das zwölfminütige Featurette über die wahren Hintergründe von „Männer, die auf Ziegen starren“ ist informativ, aber man hätte den wahren Psychosoldaten Lieutenant Colonel i. R. Jim Channon (dem Gründer des Ersten Erdbataillons), Colonel i. R. Dr. John Alexander (der Channons Ideen benutzte, um über den Einsatz nicht-tödlicher Waffen nachzudenken), Major i. R. Ed Dames und Sergeant First Class i. R. Glenn Wheaton gerne länger zugehört und genauer erfahren, wie deren Traum von einem friedlichen Militär (was ein Widerspruch in sich ist) in der Entwicklung von nicht-tödlichen Waffen, die teilweise nicht harmloser als tödliche Waffen sind, und neuen Foltermethoden endete.

In Teilen befriedigt der Audiokommentar von Jon Ronson dieses Bedürfnis. Er erzählt ausführlich aus welchen realen Vorbildern die Filmcharaktere zusammengefügt wurden, was von seinem Buch teilweise wortwörtlich übernommen wurde und von seinen Recherchen, wozu auch viele Informationen gehören, die er nicht in seinem Buch verarbeitete.

Der Audiokommentar von Regisseur Grant Heslov erschöpft sich dagegen weitgehend in einer letztendlich langweiligen Aufzählung der verschiedenen Drehorte, der dort herrschenden Temperaturen (Hinweis: Auch wenn Sie in die Wüste fahren, brauchen Sie unter Umständen Winterkleidung.) und der benutzten visuellen Effekte.

Männer, die auf Ziegen starren (The men who stare at goats, USA 2009)

Regie: Grant Heslov

Drehbuch: Peter Straughan

mit George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower

DVD

Kinowelt

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DD)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar von Grant Heslov, Audiokommentar von Jon Ronson, Geschnittene Szenen, Goats Declassified: Die wahren Männer des 1. Bataillons (Featurette), Projekt „Hollywood“: Ein Geheimbericht vom Set (Featurette), B-Roll, Trailer (deutsch, englisch), Bildergalerie, interactivevideo™ (exklusiver Zugang zur Online-Lounge), Wendecover

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Vorlage

Jon Ronson: Männer, die auf Ziegen starren

(übersetzt von Martin Jaeggi)

Heyne, 2010

272 Seiten

7,95 Euro

Deutschsprachige Erstausgabe

Durch die Wand

Salis Verlag, Zürich, 2008

Originalausgabe

The men who stare at goats

Picador, London, 2004

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Männer, die auf Ziegen starren“

Wikipedia über „Männer, die auf Ziegen starren“ (deutsch, englisch)

Homepage von Jon Ronson

Den of Geek: Interview mit Jon Ronson (5. November 2009)

UGO: Interview mit Jon Jonson (6. November 2009)

Homepage des 1st Earth Battalion


Neu im Kino: Kiss & Kill, Mother

August 6, 2010

Kiss & Kill (Killers, USA 2010)

Regie: Robert Luketic

Drehbuch: Bob DeRosa, Ted Griffin

Nach „Knight and Day“, der diesjährigen Variante von „Ein Vogel auf dem Drahtseil“ für die ältere Generation, gibt es mit „Kiss & Kill“ die „Ein Vogel auf dem Drahtseil“-Variante für die jüngere Generation. Für uns alte Säcke bleibt immerhin noch Tom Selleck als Papa.

Die Kritiker (eher Mitglieder der älteren Generation) schlachteten den Film: bei Rotten Tomatoes gibt es elf Prozent; bei dem normalerweise für meinen Geschmack zu positiv gewichtenden Metacritic gibt es einundzwanzig Prozent.

Mit Ashton Kutcher, Katherine Heigl, Tom Selleck, Katherine O’Hara

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss & Kill“

Coverage: Interview mit Bob DeRosa (15. Dezember 2009)

Blogworld: Interview mit Bob DeRosa (2. März 2010)

Screenwriting from Iowa: über Bob DeRosa und die Hintergründe von „Killers“ (8. Juni 2010)

Nice Guys Finish First: Blog von Bob DeRosa

Mother (Madeo, Südkorea 2009)

Regie: Bong Joon-ho

Drehbuch: Eun-kyo Park, Bong Joon-ho, Wun-kyo Park

Mother“ (ein wunderschöner deutscher Titel) ist der neue Film von Bong Joon-ho, dem Regisseur des erfolgreichen Amphibien-Horrorfilms „The Host“ (toller deutscher Titel) und des Krimis „Memories of Murder“ (unglaublich poetischer deutscher Titel).

Es geht um eine Mutter, die nicht glaubt, dass ihr geistig behinderter Sohn ein Mädchen umbrachte. Sie sucht den Mörder.

Die Kritiker lieben den düsteren Thriller mit Slapstick-Elementen. In Berlin läuft er in drei Kinos.

mit Kim Hye-ja, Won Bin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mother“

Gegenschnitt: Interview mit Bong Joon-ho (aus dem Presseheft)

A. V. Club: Interview mti Bong Joon-ho (9. März 2010)

Screen Crave: Interview mit Bong Joon-ho (11. März 2010)


TV-Tipp für den 6. August: U2 – Rattle and Hum

August 6, 2010

3sat, 22.25

U2 – Rattle and Hum (USA 1988, R.: Phil Joanou)

Drehbuch: Phil Joanou

In Farbe und Schwarzweiß gedrehter Konzertfilm mit Interviewschnipseln, der heute anscheinend seine TV-Premiere erlebt.

Joanou dokumentierte die 1987er Amerikatour von U2. Damals, nach dem Riesenerfolg der aus meiner Sicht unglaublich langweiligen LP „The Joshua Tree“, wurden die auf der Tour gespielten Cover-Lieder und teils gründlich überarbeiteten Versionen der U2-Hits von den Fans als zu amerikanisch und zu bluesig kritisiert. Genau deshalb gefiel mir die zum Film erschienene Doppel-LP. Außerdem ist B. B. King dabei.

Später drehte Joanou „Im Vorhof der Hölle“ (State of Grace), „Eiskalte Leidenschaft“ (Final Analysis), die James-Lee-Burke-Verfilmung „Mississippi Delta“ (Heaven’s Prisoners) und zahlreiche Musikvideos.

Der Film lebt von der pathetischen Musik, gibt aber über den politischen Anspruch der Gruppe nur rudimentäre Informationen. Ein handwerklich hervorragend gemachter Film für Fans.“ (Fischer Film Almanach 1989)

mit Bono, The Edge, Adam Clayton, Larry Mullen, B. B. King, Sterling Magee, Adam Gussow, The Memphis Horns

Wiederholung: Samstag, 7. August, 01.45 Uhr (VPS 01.40 Uhr, Taggenau!)

Hinweise

Homepage von U2

Wikipedia über „U2 – Rattle and Hum“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Neil Jordan, Bob Hoskins und „Mona Lisa“

August 5, 2010

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war – dank Margaret Thatcher, Channel 4 und dem British Film Institute (BFI) – das britische Kino eines der aufregendsten Kinos. Fast im Wochentakt erschien ein sehenswerter Film nach dem nächsten. „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Prick up your ears“, „Sammy und Rosie tun es“, „Brief an Breshnev“, „Wasser – Der Film“, „Local Hero“, „The Fruit Machine – Rendezvous mit einem Killer“, „Rififi am Karfreitag“ (DVD-Neuausgabe im September), „Stormy Monday“, „Wish you where here“, „High Hopes“ und „Mona Lisa“, um nur einige zu nennen, die großen Mainstreamproduktionen und die Filme von Peter Greenaway ignorierend, gehören dazu. Sie erzählten oft kleine Geschichten, teils märchenhaft überhöht, aber immer mit einem genauen Blick auf die englische Realität, meisten mit Charakteren, die bislang in Filmen höchstens Nebenrollen übernehmen durften, immer mit Sympathie für die Außenseiter und normalerweise in strikter Opposition zur Thatcher-Politik.

Es war eine spannende Zeit.

Es gab viel zu entdecken.

Heute laufen die Filme viel zu selten im Fernsehen und auch auf DVD sind sie nur teilweise erhältlich. Umso erfreulicher ist die Wiederveröffentlichung von

Neil Jordans (Drehbuch und Regie) und David Lelands (Drehbuch) „Mona Lisa“.

In dem Noir erzählen sie in einem London, das oft wie eine sorgfältig inszenierte Bühne für eine griechische Tragödie wirkt, die Geschichte des kleinen Gauners George (glänzend gespielt von Bob Hoskins). Er hat gerade eine mehrjährige Haftstrafe abgesessen hat. Seine Frau will ihn nicht mehr sehen und versucht jeden Kontakt zu seiner fast erwachsenen Tochter zu verhindern. Auch der Gangsterboss Denny Mortwell (Michael Caine, gewohnt gut) will George nicht sehen. Aber weil George damals schwieg, verschafft Mortwell ihm ein Gnadenbrot. Er soll die dunkelhäutige Highclass-Prostituierte Simone (Cathy Tyson, ebenfalls überzeugend) zu ihren Kunden fahren. Für George ist das keine leichte Aufgabe. Denn zu seinem Working-Class-Ethos gehört es, dass Männer Frauen beschützen und dass Frauen sich nicht verkaufen. Sie hält ihn für eine Bauerntrampel.

Dennoch sind sie verwandte Seelen. Als Cathy ihm erzählt ihm, dass sie ihre verschwundene, minderjährige, drogensüchtige und sich deshalb prostituierende Freundin suche, will George ihr helfen. Er beginnt sie in den Pornoläden und Absteigen von Soho zu suchen und gerät in eine Geschichte, die er nie vollständig überblickt und die ständig mit seinen Werten kollidiert.

Mona Lisa“ reflektiert, wie die anderen Filme des New British Cinema, die Veränderungen in der englischen Gesellschaft. Während der naive George noch an den alten Werten hängt, hat Mortwell sich als erfolgreicher und pragmatischer Geschäftsmann angepasst. Er verdient jetzt mit dem Sexgeschäft in all seinen Facetten Geld. Dazu gehören neben der Highclass-Prostitution auch das Drehen von Sexvideos, Kinderprostitution und die Erpressung reicher Freier.

Und diese Geschäfte könnten weiterlaufen, wenn nicht George, der nie das ganze Bild sieht, Simone helfen möchte. Denn er wird auch von Simone benutzt. Er benimmt sich, ohne es zu bemerken, als Working-Class-Mitglied in den Gefilden der Upper-Class immer wieder falsch. Er forciert unwissentlich eine fatale Dynamik, die mit einigen Toten endet. Aber er verliert in diesem Alptraum niemals seine Integrität.

Der für seine Darstellung mehrfach nominierte und ausgezeichnete Bob Hoskins verleiht diesem Mann ein Gesicht und eine Tiefe, die uns mit ihm mitfühlen lässt. Denn, auch das ist eine Konstante des britischen Kinos: er lässt sich nicht unterkriegen. Außerdem sieht er, obwohl er das Geschäft mit dem käuflichen Sex ablehnt, hinter Simones cooler Fassade auch den Menschen. In einer Szene korrigiert er, bevor sie in einem Hotel zu einem Freier geht, ihre Kleidung und ihre Haare. Denn sie soll gut aussehen.

Als Bonusmaterial gibt es einen informativen Audiokommentar von Neil Jordan und dem schweigsamen Bob Hoskins. Jordan spricht über seine Herkunft, wie er zum Regisseur wurde, über das Drehbuch, welche Probleme es während der Produktion gab, über das Casting, die Dreharbeiten, seine Absichten bei bestimmten Szenen, über das Filmende und wie es dazu kam, dass er den Genesis-Song „In too deep“ vollständig einsetzte. Sein Kommentar ist eine kleine Filmschule.

Die „HandMade-Story“ ist ein knapp halbstündiger Zusammenschnitt aus Slideshow und Filmtrailern, bei dem Werbung und Selbstbeweihräucherung im Vordergrund stehen. Für einen ersten Einblick (oder eine Erinnerung) an eine wichtige Filmfirma ist der Film okay. Außerdem gibt es, als Texttafeln, Kurzbiographien von Bob Hoskins, Michael Caine, Robbie Coltrane und Neil Jordan, eine Bildergalerie und den Originaltrailer.

Anmerkung 1: Wer wegen der FSK-18-Bewertung auf eine satte Portion Blut, Gewalt und Sex hofft, sollte die Finger von „Mona Lisa“ lassen.

Anmerkung 2: Vergessen Sie das Cover. Anthony Hopkins spielt nicht mit.

Anmerkung 3: Die Bildqualität des Trailers ist bescheiden. Sorry, aber ich habe keinen besseren gefunden.

Mona Lisa (Mona Lisa, GB 1986)

Regie: Neil Jordan

Drehbuch: Neil Jordan, David Leland

mit Bob Hoskins, Cathy Tyson, Michael Caine, Robbie Coltrane, Clarke Peters

DVD

Spirit Media

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Audiokommentar von Neil Jordan und Bob Hoskins, The Handmade-Story, Originaltrailer, Bildergalerie, Bio- und Filmographien

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage von Neil Jordan

Wikipedia über „Mona Lisa“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Mona Lisa“

Pompous Film Snob über „Mona Lisa“ (18. März 2010, sehr begeistert)

New York Times: Vincent Canby über „Mona Lisa“ (13. Juni 1986, nicht so begeistert)

Die Zeit: Norbert Grob über „Mona Lisa“ (19. Dezember 1986)


TV-Tipp für den 5. August: Female Agents

August 5, 2010

ARD, 22.45

Female Agents – Geheimkommando Phoenix (F 2008, R.: Jean-Paul Salomé)

Drehbuch: Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud

Frankreich, 1944: fünf Frauen sollen einen britischen Geologen, bevor er einem SS-Oberst in die Hände fällt, aus Frankreich herausschleusen.

Starbesetzter Thriller, der es bei uns, wie Salomés und Vachauds vorheriger, ebenfalls sehenswerter Abenteuerthriller „Arsène Lupin“, nur auf DVD erschien.

Auf Ausstattung und Spannung setzendes Kriegs- und Agentendrama, das sich erfolgreich um eine Balance zwischen anspruchsvollem Unterhaltungskino und einer Würdigung der Nazi-Opfer bemüht.“ (Lexikon des internationalen Films)

Das übliche Agentenfilmgenre wird hier doppelt gebrochen: (…) Obwohl der Film am Ende pathetisch den französischen Résistance-Kämpferinnen huldigt, ist er weniger ein Kriegsdrama denn ein auf Spannung getrimmter Thriller. Das hat er durchaus mit „Operation: Walküre“ gemein.“ (Die Welt)

„it’s all played with gusto and it’s actually a more enjoyable piece of work than Paul Verhoeven’s much-praised wartime drama Black Book.“ (Guardian)

„an old-fashioned period adventure that radiates star wattage but doesn’t exactly shine in the script department. A sort of „Girls With Guns 2“ for helmer Jean-Paul Salome, pic has a slick look and exciting WWII setting that help plaster over its generic feel and generally one-note perfs („Look determined!“ must have been Salome’s chief instruction).“ (Variety)

mit Sophie Marceau, Julie Depardieu, Marie Gillain, Moritz Bleibtreu

Wiederholungen

Eins Festival, Samstag, 7. August, 22.00 Uhr

Eins Festival, Sonntag, 8. August, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Wikipedia über „Female Agents“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 4. August: Control

August 4, 2010

BR, 23.30

Control (GB/USA/Aus/J 2007, R.: Anton Corbijn)

Drehbuch: Matt Greenhalgh

LV: Deborah Curtis: Touching from a distance, 1995 (Aus der Ferne: Ian Curtis und Joy Division)

Breit abgefeiertes Biopic über den „Joy Divisions“-Sänger Ian Curtis (1957 – 1980).

Anton Corbijns bedrückendes Regie-Debüt ‚Control‘ revolutionierte das Genre des Biopics.“ (Rolling Stone, Mai 2010)

mit Sam Riley, Samantha Morton, Alexandra Maria Lara, Joe Anderson, Herbert Grönemeyer

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Control“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Control“


TV-Tipp für den 3. August: Berlin – Die Sinfonie der Großstadt

August 3, 2010

RBB, 23.50

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (D 1927, R.: Walter Ruttmann)

Drehbuch: Walter Ruttmann, Karl Freund

Dokufilmklassiker, der einen Tag in Berlin und den Rhythmus der pulsierenden Großstadt dokumentiert.

Ein ungemein eindringlicher und informativer Stummfilm von großem zeitdokumentarischem Wert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Hinweise

Wikipedia über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“(deutsch, englisch)

Filmportal über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (umfangreich)

Arte über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“

Archive.org: 61-minütige Version des 65-minütigen Films „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (derzeit, bei mir, ohne Musik. Also ein echter Stummfilm.)

Veoh: 75-minütige Version des Films (hmhm; außerdem muss ein Player installiert werden)


TV-Tipp für den 2. August: Mein großer Freund Shane

August 2, 2010

HR, 23.15

Mein großer Freund Shane (USA 1953, R.: George Stevens)

Drehbuch: A. B. Guthrie jr., Jack Sher

LV: Jack Schaefer: Shane, 1949 (Mein großer Freund Shane)

Revolverheld Shane hilft einigen Siedlern gegen einen Viehzüchter.

Ein Westernklassiker für Erwachsene mit einem mythologischen Helden. Sowohl Roman als auch Film eroberten Publikum und Kritik im Sturm.

Mit Alan Ladd, Jean Arthur, Van Heflin, Brandon De Wilde, Jack Palance, Ben Johnson, Elisha Cook jr.

Hinweise

Wikipedia über „Mein großer Freund Shane“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Shane“

Filmsite: Tim Dirks über „Shane“

Western-Autor Richard S. Wheeler über „Shane“ von Jack Schaefer


TV-Tipp für den 1. August: Denn sie kennen kein Erbarmen

August 1, 2010

Arte, 21.45

Denn sie kennen kein Erbarmen (D 2006, R.: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger)

Drehbuch: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger

Sehr informative, spielfilmlange Doku über den Italo-Western.

Mit Franco Nero, Ferdinando Baldi, Claudia Cardinale, Pierre Brice, Sergio Corbucci, Damiano Damiani, Clint Eastwood, Alberto Grimaldi, Robert Hossein, Sergio Leone, Antonio Margheriti, Tomas Milian, Ennio Morricone, Bud Spencer, Jean-Louis Trintignant, Eli Wallach

Wiederholungen

Donnerstag, 5. August, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 10. August, 03.00 Uhr (Taggenau!)


DVD-Kritik: „Matrioshki“ oder Lustig ist das Stripperinnenleben

Juli 30, 2010

Schon die erste Folge der zehnteiligen belgischen Serie „Matrioshki – Mädchenhändler“ kann einen misstrauisch machen. Es tauchen zwar auch ein Polizist, der den Mädchenhändler Ray van Mechelen jagt, ein Reporter, der mit einer großen Enthüllungsreportage van Mechelen bloßstellen will, und ein Kleingangster, der nach der Exekution von zwei Prostituierten sein Gewissen entdeckt, auf. Aber im Mittelpunkt der Episode steht das langwierige Auswahlverfahren der Mädchenhändler in Vilnius. Dort haben sie ein Vortanzen organisiert und die Mädchen wollen alle die Chance auf das große Geld bei einer Tanztournee durch Europa ergreifen.

In den folgenden Episoden steht dann ihr Schicksal im Mittelpunkt. Die anderen Plots werden nur noch pflichtschuldig fortgeführt. Es gibt sogar Episoden, in denen der Polizist und der Journalist nicht mitspielen.

Dafür entwickelt sich van Mechelens Striplokal immer mehr zu einer Version von „Unsere kleine Familie“, in der die Zuhälter, der Türsteher und die Mädchen sich eigentlich ganz gut verstehen. Doch auch hier kristallisiert sich kein die Handlung tragender Hauptcharakter aus. Fast gleichberechtigt werden die Erlebnisse der Mädchen in der Fremde erzählt. Weil man sich allerdings mit keinem Charakter identifizieren möchte, sieht man sich die Geschichte unbeteiligt an. Die einen werden, kaum identifiziert man sich etwas mit ihren Wünschen und Zielen, teilweise erschreckend schnell fallengelassen. Die anderen, die Verbrecher und die Kollaborateurin, taugen kaum zur Identifikation.

Auch ganze Handlungsstränge werden plötzlich abgebrochen und wichtige Ereignisse bleiben folgenlos. So wird ein Gangster in seinem Wohnwagen in die Luft gejagt. Aber die Polizei beginnt nicht zu ermitteln, sondern steckt die Sache achselzuckend weg. Ein Polizist, der zuerst groß eingeführt wird, wird suspendiert und verschwindet dann endgültig aus der Serie. Irgendwann erscheint die Enthüllungsreportage des Journalisten und bis auf etwas Aufregung in einem Polizeibüro passiert nichts. Eine Prostituierte wird in einem Krankenhaus ermordet. Aber der Polizei ist es egal. Irgendwann stolpern in einem Reihenhaus zwei Gangster über die Leiche eines Mannes, der eines ihrer Mädchen kaufte und von ihr umgebracht wurde, und bringen, im Affekt, auch die neugierige Nachbarin um. Was mit den beiden Leichen geschieht, wird nicht verraten. Aber die Polizei scheint die Leichen nicht gefunden zu haben. Es gibt in einem Puff eine blutige Schießerei mit anderen Gangstern. Aber auch dieses Ereignis – immerhin könnten die Gangster sich rächen wollen – bleibt eine folgenlose Episode.

Die beiden Macher Marc Punt und Guy Goossens konzentrieren sich nach der durchaus vielversprechenden ersten Folgen nur noch auf die Tänzerinnen und ihr gar nicht so unangenehmes Leben im Striplokal.

Die DVD-Ausgabe der Gangsterschmonzette „Matrioshki – Mädchenhändler“ ist – höflich formuliert – sehr minimalistisch. Es gibt kein Bonusmaterial und auch keinen Originalton. Wobei das kaum auffällt, weil – der belgischen Tradition Filme prinzipiell zu untertiteln sei gedankt – es ein buntes Sprachengemisch aus Englisch, Litauisch, Russisch und Flämisch (vielleicht auch noch Französisch) gibt. In der deutschen Fassung wurden nur die wenigen flämischen Dialoge synchronisiert. Die meisten Dialoge sind daher untertitelt.

Trotz der (unverständlichen) Ab-18-Freigabe sind die meisten Folgen „Frei ab 16 Jahre“.

Matrioshki – Mädchenhändler: Staffel 1 (Matrioshki, Belgien 2005)

Regie: Guy Goossens, Marc Punt

Drehbuch: Marc Punt

mit Peter Van den Begin, Axel Daeseleire, Lucas van den Eynde, Eugenia Hirivskaya, Stany Crets, Marc Van Eeghem

DVD

Edel: Motion

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch (Zwangsuntertitelung bei den Nicht-synchronisierten Passagen)

Bonusmaterial: –

Länge: 450 Minuten (3 DVD)

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage zur Serie

Wikipedia über „Matrioshki“


TV-Tipp für den 31. Juli: Verdacht

Juli 30, 2010

RBB, 23.40

Verdacht (USA 1941, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville

LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)

Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb glaubt sie, dass er sie umbringen will.

Klassiker.

Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.

Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‚Verdacht‘ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce

Hinweise

Wikipedia über „Verdacht“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juli 30, 2010

Bei den Alligatorpapieren sind, mit vielen schönen Bildern, meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps online. In den kommenden zwei Wochen könnt ihr unter anderem diese Krimiverfilmungen im Fernsehen sehen:

Herzlich willkommen, liebe Krimifreunde,
zu zwei sehr ruhigen Wochen. Denn außer Durbridge, Mankell und der TV-Version von „Der Pate“ (Nachdem diese Version jahrelang nicht gezeigt wurde, ist sie jetzt in einer Endlosschleife durch die dritten Programme. Dafür setzen die Kinofilme Staub an.) gibt es nur wenig für das Herz des Krimiliebhaber. Immerhin läuft Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“, George Stevens Jack-Schaefer-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“ (okay, ein Western), Don Siegels Glendon-Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ (noch ein Western), Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Sam Peckinpahs Jim-Thompson-Verfilmung „Getaway“, Wim Wenders Joe-Gores-Verfilmung „Hammett“, Claude Chabrols fast unbekannte Stanley-Ellin-Verfilmung „Schritte ohne Spur“ (mit einem jungen Jean-Paul Belmondo) und Don Coscarellis Joe-R.-Lansdale-Verfilmung „Bubba Ho-Tep“.


TV-Tipp für den 30. Juli: Fast Food Nation

Juli 30, 2010

ZDFneo, 20.15

Fast Food Nation (GB/USA 2006, R.: Richard Linklater)

Drehbuch: Eric Schlosser, Richard Linklater

LV: Eric Schlosser: Fast Food Nation: The Dark Side of the All-American Meal, 2001 (Fast Food Gesellschaft)

Als Marketingexperte Henderson erfährt, dass in einem von Mickey’s Burgern Kuhmist war, macht er sich auf nach Colorado, um dort die Schlachtfabrik zu inspizieren. Anschließend sind die anderen Abteilungen des Fast-Food-Konzerns an der Reihe.

Basierend auf Eric Schlossers Sachbuch liefert Linklater, mit vielen Gaststars, einen Rundumschlag gegen die amerikanische Esskultur.

Weichgespülter Protest im Gewand eines publikumsnahen Mainstream-Films.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Greg Kinnear, Patricia Arquette. Luis Guzman, Kris Kristofferson, Bruce Willis, Ethan Hawke, Avril Lavigne

Hinweise

Wikipedia über „Fast Food Nation“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Fast Food Nation“


Neu im Kino: Inception, Knight and Day (Nachtrag)

Juli 29, 2010

Inception (Inception, USA/GB 2010)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

In angloamerikanischen Raum zerbrechen sich die Fans schon seit einigen Tagen den Kopf über den Mindfuck von Christopher Nolan, der in den vergangenen Jahren ja schon einige Blockbuster drehte, bei denen man sein Gehirn nicht an der Kasse abgeben musste.

Die Story? Hm, DiCaprio spielt ein Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nicht etwas ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.

Die Kritiker sind begeistert. Die Zuschauer ebenso (In der IMDB ist „Inception“ der drittbeste Film aller Zeiten. Das verrät einiges über die IMDB-Benutzer). Die Kinobetreiber zählen strahlend die verkauften Eintrittskarten

mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas

Hinweise

Amerikanische Homepage zu „Inception“

Deutsche Homepage zu „Inception“

Film-Zeit über „Inception“

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern. „Inception“ soll demnächst online sein)

Knight and Day (Knight and Day, USA 2010)

Regie: James Mangold

Drehbuch: Patrick O’Neill

Die diesjährige Variante von „Ein Vogel auf dem Drahtseil“ (Bird on a wire, USA 1990) Ist schon letzte Woche gestartet. Damals gab’s reichlich Action und Comedy mit Mel Gibson (damals ein richtig großer Star, heute…) und Goldie Hawn. Heute wird das gleiche Programm mit einer anderen Story mit Tom Cruise (supercooler Agent) und Cameron Diaz (superdumme Blondine) präsentiert. Natürlich ist die Action vier Nummern größer geraten und die Story spielt nicht mehr nur in Amerika.

mit Tom Cruise, Cameron Diaz, Maggie Grace, Peter Sarsgaard

Hinweise

Amerikanische Homepage zu „Knight and Day“

Deutsche Homepage zu „Knight and Day“

Film-Zeit über „Knight and Day“