Blade Runner – Der Final Cut (USA 1982, R.: Ridley Scott)
Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples
LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)
LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.
Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.
„Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.
Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)
Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“
Heute wird’s anders gesehen: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)
„Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy
Obwohl nur die um gut dreißig Minuten gekürzte deutsche Kinoversion gezeigt wird
Arte, 20.15
Der Frauenmörder von Paris (F/I 1963, R.: Claude Chabrol)
Drehbuch: Françoise Sagan
Buch zum Film: Françoise Sagan, Claude Chabrol, Maria Dessauer: Landru, 1963 (Landru)
Während des ersten Weltkriegs wird der Spießbürger Landru zum Mörder. Weil er mit dem Verkauf von Antiquitäten seine Frau, ihre vier Kinder und das Dienstmädchen nicht mehr versorgen kann, macht er sich an reiche, alleinstehende Frauen heran, lässt sich Vollmachten ausstellen, bringt sie um und verbrennt die Leichen in seinem Landhaus. Als er erwischt wird, kann er vor Gericht die Sympathien des Publikums gewinnen.
Chabrols Film beruht auf einem wahren Fall: 1919 wurde Henri Désiré Landru angeklagt, in seinem Landhaus zehn Frauen und einen Jungen ermordet zu haben. In dem Haus wurden Gebiss- und Knochenreste gefunden. Landru leugnete die Taten. Nach einer dreijährigen Untersuchungshaft wurde er in einem Indizienprozess zum Tode verurteilt und 1922 hingerichtet.
Selbstverständlich liefert Claude Chabrol keine detailgenaue Rekonstruktion der Ereignisse. “Der Frauenmörder von Paris” ist eine historische Satire – verbunden mit der sarkastischen Frage, was denn der Tod von zehn Frauen im Vergleich zum Tod Tausender junger Männer in den Schützengräben sei.
Im deutschen Kino lief eine um eine halbe Stunde gekürzte Fassung. Erst 1993 erstellte das ZDF eine restaurierte Fassung, in der die nicht im Kino gezeigten Teile untertitelt eingefügt wurden. Es handelt sich dabei vor allem um die Gerichtsverhandlung am Ende des Films und politische Anspielungen, die Landrus Treiben in Bezug zum Ersten Weltkrieg setzen und auf Militär und Politik ein schlechtes Licht werfen. Außerdem fehlten einige kürzere Szenen, wie der Kauf einer Fahrkarte, wie Landru in einer Bank seine Frau überredet, eine Unterschrift zu fälschen und einige Morde.
Der Fall Landru war auch der Ausgangspunkt für Charlie Chaplins “Mr. Verdoux – Der Frauenmörder von Paris” (USA 1947) und Jürgen Alberts halbdokumentarischen Roman “Landru” (1987).
Mit Charles Denner, Michèle Morgan, Danielle Darrieux, Hildegard Knef (als Hildegarde Neff), Stéphane Audran
Drehbuch: Constantin Costa-Gavras, Donald Stewart, John Nichols (ungenannt)
LV: Thomas Hauser: The Execution of Charles Horman: An American Sacrifice, 1978
Ein Vater (Typ: treu-patriotischer US-amerikanischer Staatsbürger) sucht mit seiner Schwiegertochter in Chile seinen spurlos verschwundenen Sohn, der dort als Journalist arbeitete.
Costa-Gavras erster Hollywood-Film basiert auf dem Schicksal des Journalisten Charles Horman, der 1973 in Chile herausgefunden hatte, dass die amerikanische Regierung am Pinochet-Putsch gegen Salvador Allende beteiligt war.
„Aus dieser authentischen Geschichte macht Costa-Gavras einem spannenden, auch einem breiteren Publikum zugänglichen Film.“ (Fischer Film Almanach 1983)
„Vermisst“ erhielt eine halbe Golden Palme in Cannes, war für den Oscar als bester Film nominiert und das Drehbuch erhielt einen Oscar, einen BAFTA-Award und den Preis der Writers Guild of America.
mit Jack Lemmon, Sissy Spacek, Melanie John Shea, Charles Cioffi, Ricard Venture
Wirklich gelungene Verfilmung eines der besten Thompson-Bücher: ein Haufen Menschen geht ihren niederen Trieben (Sex, Ehebruch, Mord) nach und fühlt sich dabei von moralischen Gesetzen nicht gebunden.
Tavernier verlegte die Handlung von einem Südstaaten-Kaff nach Französisch-Westafrika, blieb aber der Seele des Buches treu.
Mit Philippe Noiret, Isabelle Huppert, Stéphane Audran, Guy Marchand
Auch während der WM gibt es bei den Alligatorpapieren meine TV-Krimi-Buch-Tipps:
Wegen diesem Ereignis in Südafrika, gibt es die kommenden Tagen nur kriminalfilmische Schonkost und zwei „Ausgrabungen“: einmal den von Buddy Giovinazzo inszenierten „Polizeiruf 110: Mit anderen Augen“; einmal den Kommissar-Brinkmann-Tatort „Frankfurt-Miami“, nach einem Drehbuch von Frédéric Fajardie.
Etwas öfters läuft Felix Hubys Schimanski-Tatort „Grenzgänger“.
Außerdem gibt es Bertrand Taverniers Jim-Thompson-Verfilmung „Der Saustall“, Don Siegels Glendon-Swarthout-Verilmung „Der letzte Scharfschütze“, Ridley Scotts Philip-K.-Dick-Verfilmung „Blade Runner“ (im Final Cut), Bob Rafelsons James-M.-Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (nach einem Drehbuch von David Mamet) und von Geburtstagskind Claude Chabrol unter anderem „Der Frauenmörder von Paris“, „Das Biest muß sterben“, „Blutsverwandte“, „Der Schrei der Eule“ und „Betty“.
Don Mariano weiß von nichts (I/F 1967, R.: Damiano Damiani)
Drehbuch: Ugo Pirro, Daminano Damiani
LV: Leonardo Sciascia: Il giorno della civetta, 1961 (Der Tag der Eule)
In Sizilien wird ein Bauunternehmer ermordet. Hauptmann Bellodi will den Fall aufklären und legt sich mit den Mächtigen der Insel an.
„Der Tag der Eule“ ist der erste der sizilianischen Romane von Sciascia, in denen er gegen die Mafia und deren Verflechtungen mit der Politik anschrieb. Seine Bücher waren die Vorlage für einige der besten italienischen Polit-Thriller.
Damianis Verfilmung ist einer der frühen, stilbildenden Polit-Thriller in der Tradition von Costa-Gavras, Petri und Rosi. Damiani begründete unter anderem mit diesem Film seinen Ruhm.
„Sciascias extrem knappem Erzählstil entspricht in den Filmen eine vergleichsweise hastige Montage, die ein wenig von jener unerbittlichen Zwangsläufigkeit an sich hat, die sich in rasch und ohne Schnörkel inszenierten Szenenwechsel präsentiert. Sicher, die zynisch-spitzfindigen Dialoge Sciascias sind, verkürzt, doch die Filme gewinnen (…) gegenüber den Romanen an Anschaulichkeit.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Mit Franco Nero, Claudia Cardinale, Lee J. Cobb, Serge Reggiani
Das Team steht im Mittelpunkt. Bei einem echten Spezialeinsatzkommando und auch in der kanadischen TV-Serie „Flashpoint“. Deshalb wird in der ersten Staffel der Krimiserie über die alltägliche Arbeit der Strategic Response Unit (SRU) der Polizei von Toronto das Privatleben der Teammitglieder Ed Lane, Gregory Parker, Julianna ‚Jules‘ Callaghan, Sam Braddock, Mike Scarlatti, Kevin ‚Wordy‘ Wordsworth, Lewis Young und der ihnen ab und zu helfenden Psychologin Dr. Amanda Luria, falls überhaupt, nur in Nebensätzen thematisiert.
Ed Lane ist der einzige Polizist, dessen Familienleben auch etwas (dick unterstrichen!) gezeigt wird. Das liegt auch daran, dass die Folgen seines gerechtfertigten, gezielten Todesschusses während einer Geiselnahme in der Auftaktepisode „Skorpion“ in „Im Zweifel gegen den Angeklagten“ und „Söhne des Krieges“ wieder angesprochen werden und er, neben Gregory Parker, das erfahrenste Teammitglied ist. Sie sind, soweit bei „Flashpoint“ davon gesprochen werden kann, die Hauptdarsteller.
„Skorpion“ ist dabei der etwas verunglückte Auftakt der spannenden und realistischen Serie. Denn die Geiselnahme ist bereits in der Mitte der Episode mit einem gezielten Todesschuss von Lane erledigt. Danach zeigen die Macher, was anschließend mit Lane geschieht: Er darf kein Wort mit seinen Kollegen wechseln. Er muss seine Waffe und seine Kleider abgeben. Er wird verhört und kehrt am Abend zu seiner Frau zurück. In den Interviews erzählen die Macher Mark Ellis und Stephanie Morgenstern, dass gerade diese Folgen eines Einsatzes, bei dem der Schütze, obwohl er auf Befehl handelte und ein Polizist ist, wie ein Verdächtiger behandelt wird, sie fasziniert habe. Und sie hatten sich gefragt, was ein Polizist tue, wenn er bereits am Vormittag einen Menschen erschießen müsse.
„Wie lief der Tag wohl für den Mann, der in aller Öffentlichkeit einen anderen Menschen exekutieren musste? Also starteten wir einige Nachforschungen in der Spezialeinheit von Toronto und fanden darin eine Quelle der Inspiration“, erzählt Erfinder Mark Ellis zur Inspiration für die Serie. In der ersten Episode zeigten sie dann, was sie bei ihren Nachforschungen erfahren haben.
Lane lässt, immerhin kennt er im Gegensatz zu einem deutschen TV-Polizisten die Prozedur und die Regeln, das Verfahren emotionslos über sich ergehen. Denn er hat nichts Falsches getan.
Der Sohn des toten Geiselnehmer sieht das anders. Petar Tomasic zeigt ihn an und in der Folge „Im Zweifel gegen den Angeklagten“ muss Dillon ins Gericht. Diese Geschichte ist allerdings nur ein Subplot für die Geiselnahme von Michael Jameson. Der Sechsundzwanzigjährige möchte mit dem Staatsanwalt reden, der ihn vor elf Jahren mit manipulierten Beweisen ins Gefängnis schickte und ihm so eine lebenslange Biographie als Vergewaltiger und Mörder einer Gleichaltrigen verpasste.
In der letzten Episode der ersten Staffel erreicht dann der Konflikt zwischen Petar Tomasic und Ed Lane seinen Höhepunkt. Tomasic verteidigte in Kroatien sein Dorf gegen die Serben. Jetzt setzt er seine Fähigkeiten als Scharfschütze im Zentrum von Toronto ein.
In den anderen Folgen haben auch die anderen Teammitglieder große Auftritte. In „Warteliste“ versucht der Teamleiter und Hauptverhandler Gregory Parker einen Vater zur Aufgabe zu bewegen. Er kann nicht akzeptieren, dass aufgrund formaler Gründe seine todkranke Tochter kein Spenderherz bekommen soll.
In „Am Abgrund“ verfolgt eine Mädchen-Gang in einer Shopping-Mall eine Gleichaltrige. Als diese sich umbringen will, versucht Julianna ‚Jules‘ Callaghan sie davon abzuhalten. Auch in „Das verlorene Paradies“ muss Callaghan einen wichtigen Teil der Verhandlungen führen. Denn die beiden von einem Pädophilen entführten Kinder glauben, dass die Polizei sie umbringen will. Die Ältere versucht sie mit einer Pumpgun gegen die Eindringlinge zu beschützen. In „Zu viele Verlierer“ führt dagegen der Frischling im Team, Sam Braddock, die Verhandlungen. Eine Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, hat die Geliebte ihres Mannes als Geisel genommen. Als sie erfährt, dass die Geliebte schwanger ist, eskaliert die Situation weiter.
Doch auch wenn einzelne Polizisten in verschiedenen Episoden einen wichtigeren Part beim Lösen des Konflikts haben, stehen – und das macht „Flashpoint“ zu einem bewegendem Drama – immer Täter und Opfer im Mittelpunkt. Denn nur wenn die Polizisten verstehen, warum der Konflikt eskalierte, können sie hoffen, die Situation erfolgreich zu deeskalieren. Bei jedem Einsatz ist ihr oberstes Ziel, dass niemand stirbt. Dabei kann die Sprache, wie in „Skorpion“ gezeigt wird, ein unüberwindbares Hindernis sein. Denn Verhandler Parker kann nur mit der Hilfe eines Übersetzers mit dem verzweifeltem Geiselnehmer reden.
In anderen Episoden geht es um einen Polizisten, der seine Frau schlägt („Angst“) oder um einen jungen Soldaten, der mit seinem Bruder abhauen will und in einem Streit seinen einflussreichen Vater verletzt („Ausgestoßen“). Auch hier erfahren die SRU-Männer erst langsam die wahren Hintergründe und plötzlich erscheint der Täter als Opfer oder als jemand, der etwas Gutes tun wollte und dabei ein Dynamik anstieß, die er nicht mehr beherrschen kann.
Einige Einsätze erscheinen auf den ersten Blick alltäglich. So soll die Einheit in „In der Schusslinie“ einen Drogenhändler verhaften. Aber aus der Verhaftung wird eine Geiselnahme mit einem schwerverletztem Undercover-Polizisten in der Wohnung des Drogenhändlers. In „Ohne jede Hoffnung“ wird aus einem Banküberfall eine Geiselnahme, bei der Räuber eine sehr persönliche Beziehung zu der Filialleiterin hat. Auch „Stunde der Wahrheit“ beginnt für das Einsatzkommando harmlos: sie sollen in einem Nobelhotel die Bodyguards für einen prominenten Unternehmer spielen. Als seine Frau entführt wird und kurze Zeit mit einer am Hals befestigten Bombe gefunden wird, müssen sie versuchen die Bombe zu entschärfen und die Täter zu finden.
Eine Bombe müssen sie auch in „Geister der Vergangenheit“ entschärfen. Zur gleichen Zeit ist Danny Rangford in der Zentrale der Spezialeinheit. Der ehemalige, hochgeachtete Kollege will sich umbringen. Denn er wird immer noch von einem alten zwanzig Jahre zurückliegendem Einsatz verfolgt, bei dem er sich für den Tod eines Jungen verantwortlich fühlt.
In dieser Folge stehen die seelischen Folgen der Arbeit für die Mitglieder der SRU, die sonst nur in Nebensätzen angesprochen werden, im Mittelpunkt.
Das Bonusmaterial ist überschaubar und nur in punkto Länge überzeugend. Das „Making of“ ist ein knapp fünfminütiges, wahrscheinlich für die Senderhomepage zusammengeschnittenes Promogedöns. Die Interviews mit den Schauspielern, den beiden Erfindern und dem Berater von der Polizei sind mit gut fünfzig Minuten zwar üppig ausgefallen, aber wenig tiefschürend. Das meiste, besonders wenn die Schauspieler ihre Rolle und das Besondere von „Flashpoint“ erklären, ist erkennbar Rohmaterial für Werbezwecke. Nur die Interviews mit den beiden Serienerfindern Mark Ellis und Stephanie Morgenstern, dem Hauptdarsteller Enrico Colantoni (der Vater von „Veronica Mars“) und dem Berater Barney McNeilly, einem ehemaligem Mitglied der Emergency Task Force (ETF) der Polizei von Toronto, die das Vorbild für die SRU ist, sind interessant.
Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 1 (USA/Kanada 2008)
Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‚Jules‘ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‚Wordy‘ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Ruth Marshall (Dr. Amanda Luria)
mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‚Jules‘ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‚Wordy‘ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Ruth Marshall (Dr. Amanda Luria)
LV: Robert Sheckley: The Prize of Peril, in „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“, Mai 1958 (Der Tod spielt mit, Kurzgeschichte)
Bernhard Lotz macht bei dem Millionenspiel mit. Die Spielregeln sind ganz einfach: wenn er, gejagt von drei Killern und immer beobachtet von Kameras, eine Woche in Deutschland überlebt und es in das Fernsehstudio schafft, dann erhält er eine Million DM.
Die brilliante, schwarze Satire war wegen eines Rechtsstreits (Menge verwandte Sheckleys Kurzgeschichte ohne Genehmigung) über dreißig Jahre im Giftschrank. Ein TV-Klassiker, der etliche aktuelle Produktionen alt aussehen lässt.
Die Idee einer Menschenjagd vor laufender Kamera wurde auch – ebenfalls auf Sheckleys Kurzgeschichte basierend – in „Kopfjagd – Preis der Angst“ (F 1982, R.: Yves Boisset, mit Gérard Lanvin, Michel Piccoli) verwandt. Stephen King (aka Richard Bachman) schrieb mit „Menschenjagd“ seine Version. Sie war die Vorlage für den Arnie-Action-Kracher „Running Man“ (USA 1987, R.: Paul Michael Glaser)t. Oh, und Sheckley selbst wandelte die Idee für den italienischen Pop-Art-S-F-Film „Das zehnte Opfer“ (I/F 1965, R.: Elio Petri) etwas ab.
Mit Jörg Pleva, Dieter Thomas Heck, Dieter Hallervorden, Peter Schulze-Rohr, Elisabeth Wiedemann, Heribert Fassbender, Ralf Gregan
Ein Fest für Berliner und Berlin-Freunde: Andreas Dresen verfolgt in seinem wahrscheinlich leichtesten Film die beiden Mittdreißigerinnen Nike und Katrin. Beide sind aus dem Leben gegriffene Charaktere, die ihre alltäglichen Probleme auch mit viel Humor kaum bewältigen können. Dank des liebevoll-melancholisch-humorvollen Tonfalls schwebt ein sehr angenehmer Hauch von Nouvelle Vague durch den skizzenhaften Film. Da fällt die dünne Story kaum auf.
Mit Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt, Stefanie Schönfeld
Das Biest muß sterben (F/I 1969, R.: Claude Chabrol)
Drehbuch: Paul Gégauff, Claude Chabrol
LV: Nicholas Blake: The Beast must die, 1938 (Mein Verbrechen)
Ein unbekannter Raser überfährt in einem bretonischen Dorf den neunjährigen Sohn des Kinderbuchautors Charles Thénier. Weil die Polizei den Täter nicht überführt, beginnt Thénier ihn auf eigene Faust zu suchen. Anschließend will er ihn umbringen.
Ein schon lange nicht mehr gezeigter Chabrol-Klassiker, der damals einen bemerkenswerten Film nach dem nächsten drehte.
Klassisch sind auch die ersten Zeilen von Blakes Roman: “Ich will einen Menschen töten. Ich weiß nicht, wie er heißt, ich weiß nicht, wo er wohnt, ich habe keine Ahnung, wie er aussieht. Aber ich werde ihn finden und ihn töten.”
mit Michel Duchaussoy, Caroline Cellier, Jean Yanne, Maurice Pialat
Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003, R.: Joel Coen, Ethan Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Robert Ramsey, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano)
Ein skrupelloser und erfolgreicher Scheidungsanwalt verliebt sich in eine Heiratsschwindlerin.
Die Coen-Version einer Screwball-Comedy. Dank Clooney, Zeta-Jones und Thornton durchaus okay, aber nicht ihr bestes Werk. Danach drehten sie ein überflüssiges Remake von „The Ladykillers“.
Mit George Clooney, Chatherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, Richard Jenkins, Billy Bob Thornton
Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)
Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris
LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)
Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.
Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.
Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.
Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet
In Münster wird eine Studentin ermordet. Der verdächtige Ex-Freund flieht. Thiel glaubt, dass ein Serientäter sein Unwesen treibt. Professor Boerne nervt Alberich, Thiel und alle, denen er begegnet und selbstverständlich verfolgt er eine eigene Theorie.
Aber der Fall ist, solange der maulfaule Thiel und der arrogante Professor Boerne sich die Bälle zuschieben, egal.
mit Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Claus D. Clausnitzer, Thomas Dannemann, Katharina Lorenz, Arnd Klawitter, Jörg Pilawa
Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada(USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.
Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.
Der Film ist Tommy Lee Jones‘ bislang einziger Kinofilm.
mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga
Die netten Damen von Koch Media haben mir zwei DVDs der neuesten und sehr gelungenen James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist – Mord in Louisiana“ gegeben. Bertrand Tavernier, dem wir schon die geniale Jim-Thompson-Verfilmung „Der Saustall“ verdanken, führte Regie. Tommy Lee Jones spielt den in New Iberia, Louisiana, arbeitenden Detective Dave Robicheaux. Er jagt den Mörder einer neunzehnjährigen Prostituierten. Gleichzeitig wird er mit der Südstaatenvergangenheit konfrontiert: eine Filmcrew dreht einen historischen Film und der Star des Films erzählt Robicheaux, dass er in den Sümpfen die verweste Leiche eines Mannes in Ketten gesehen habe. Das löst bei dem trockenen Alkoholiker Robicheaux Erinnerungen an die eigene Vergangenheit aus – und dann sieht er in seinem Garten immer wieder den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.
Schnell legt Robicheaux sich bei seinen Ermittlungen mit dem lokalen Paten und alten Kumpel Julie ‚Baby Feet‘ Balboni, der auch Geld in den Film investiert hat, an. Dabei ist nicht immer erkennbar, wie sehr Robicheaux einen persönlichen Rachefeldzug veranstaltet oder wirklich eine Spur verfolgt.
Der Film ist, wie die inzwischen nicht mehr übersetzten Romane des in den USA hochgeschätzten James Lee Burke, kein konventioneller Krimi. Er ist vor allem das Porträt eines von den Dämonen der Vergangenheit, der eigenen Schuld, Selbsthass und der Suche nach Erlösung getriebenen Charakters, einer korrupten Gesellschaft und einer tropisch-schwülen Landschaft, in der die Vergangenheit noch sehr lebendig ist. Die Bilder des immer noch vom 2005er Hurrikan Katrina zerstörten New Orleans verstärken diesen Eindruck.
Die Besetzung ist hochkarätig. Neben Tommy Lee Jones spielen John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince und Levon Helm mit und Blues-Musiker Buddy Guy spielt einige Songs, die den größten Teil der geschnittenen Szenen ausmachen.
Das Drehbuch ist von Jerzy Kromolowski und Mary Olson-Kromolowski, die auch das Drehbuch für Sean Penns grandiose Friedrich-Dürrenmatt-Verfilmung „Das Versprechen“ (The Pledge) schrieben.
„In the electric mist“ lief bereits erfolgreich auf der Berlinale und dem Fantasy Filmfest. Aber für einen Kinostart hat es nicht gereicht.
Nach dem ganzen Gelaber wollt ihr sicher nur eines wissen: Wie komme ich an das Teil?
Ganz einfach. Ihr schickt eine E-Mail an info[@]axelbussmer.de und schreibt in den Betreff „Ich will ‚In the electric mist’“.
Am kommenden Mittwoch, den 16. Juni, werde ich dann die beiden Gewinner auslosen und die DVDs verschicken.
Der Bauch des Architekten (GB/I 1987, R.: Peter Greenaway)
Drehbuch: Peter Greenaway
Ein Architekt erlebt während der Vorbereitungen für eine Ausstellung in Rom eine ausgewachsene Sinnkrise.
„Ein schrecklich deprimierender Film – und ein Lehrstück über das Sehen und Bilden, unter anderem, ein Film von ausgesuchter optischer Raffinesse, voller dunkelleuchtender Farben.“ (Fischer Film Almanach 1988)
Aber: „Die Filme funktionieren freilich auch auf der schlichten narrativen Ebene, sind unterhaltsam und komisch.“ (ebenda)
Damals war der Avantgarde-Künstler Peter Greenaway nach seinem Spielfilmdebüt „Der Kontrakt des Zeichners“ (The Draughtsman’s Contract) und dem unbekannteren „Eine Z und zwei Nullen“ (A Zed & two Noughts) und vor „Verschwörung der Frauen“ (Drowning by Numbers), „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ (The Cook, the Thief, his Wife and her Lover) und „Prosperos Bücher“ (Prospero’s Books) auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit als Filmregisseur.
Heute ist eine der seltenen Gelegenheiten den „Bauch des Architekten“ zu bewundern.
mit Brian Dennehy, Chloe Webb, Lambert Wilson, Sergio Fantoni
LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)
Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Juliette. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Patrick. Als er nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt. Aber Patrick ist noch quicklebendig.
Highsmith sezierte in ihren Büchern die Abgründe des Bürgertums. Chabrol in seinen Filmen. „Der Schrei der Eule“ markiert das langerwartete Treffen. Ein feiner Film.
Mit Christophe Malavoy, Mathilda May, Jacques Penot