Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Mai 21, 2010

Pünktlich zum laaangen Wochenende sind die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps (ein Dank an Alfred für die Bildersuche) online:

Jetzt verstehe ich, warum Kommissar Wallander immer so stinkig ist. Überstunden ohne Ende, Nachtarbeit und dann die immergleichen Täter verhaften, die einige Stunden später schon wieder frei sind, damit die Wiederholung gezeigt werden kann.
Da gehen einige andere, hm, Helden wesentlich herzhafter zu Werk. Paul Newman ist nach sechs Jahren Sendepause wieder „Der Mackintosh-Mann“ in John Hustons Desmond-Bagley-Verfilmung.
Außerdem gibt es Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“, Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“ und seine Edwin-Torres-Verfilmung „Tödliche Fragen“, John Hustons Dashiell-Hamemett-Verfilmung „Die Spur des Falken“, Tim Metcalfes Thomas-E.-Gaddis/James-D.-Long-Verfilmung „Killer – Tagebuch eines Serienmörders“, Lucky McKee und Trgve Allister Diesens Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“, José Giovannis John-D.Carrick-Verfilmung „Im Dreck verreckt“ und Anthony Minghellas Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der talentierte Mr. Ripley“.


TV-Tipp für den 21. Mai: Miami Blues

Mai 21, 2010

3sat, 22.25

Miami Blues (USA 1990, R.: George Armitage)

Drehbuch: George Armitage

LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)

Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.

Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh

Hinweise

Wikipedia über Charles Willeford (deutsch, englisch)

Charles Willeford Paperback Covers

Meine Besprechung von Charles Willefords „Die schwarze Messe“ (Honey Gal, 1958; The Black Mass of Brother Springer)

Meine Besprechung von Charles Willefords „Ketzerei in Orange“ (The burnt-orange heresy, 1971)


Film des Tages: Nosferatu

Mai 20, 2010

Nach dem ganzen Gerede über Friedrich Wilhelm Murnau wollt ihr jetzt sicher einen Murnau-Film sehen. „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ ist ein guter Einstieg

Es ist die englische Fassung, die Bildqualität ist okay und vermittelt einen guten ersten Eindruck von dem Film und der beklemmenden Atmosphäre. Denn Murnau war der Erste. Alle anderen haben ihm nachgeeifert.

Im Fernsehen habe ich vor längerem eine restaurierte und kolorierte Version mit einem deutlich besseren Bild gesehen (das ist auch die DVD-Version [Schnittberichte hat die Public-Domain– und die restaurierte  Version miteinander verglichen]).

‚Nosferatu‘, das ist vielleicht der Film im Zentrum von Murnaus Werk: Nicht weil er, wie durch ein Brennglas, dessen Motive und Themen versammelt und konzentriert, sondern als Mittelpunkt eines locker geflochtenen Gewebes, durch dessen Stränge er mit allen anderen Filmen zusammenhängt, ein leeres Zentrum.

Kein weiterer Murnaufilm ist so frei und offen wie ‚Nosferatu‘.“ (Fritz Göttler in Hanser Reihe Film Band 43: Friedrich Wilhelm Murnau, 1990)

‚Nosferatu‘ ist nach wie vor die einzige Dracula-Adaption, die hauptsächlich auf den Schrecken abzielt. Max Schrecks rattenhafte, korsettierte Draculaversion besitzt keinen Zauber der Untoten, (…). Ebenso wie ‚Dracula‘ als Vorlage für den Horrorroman dienen kann, so dient ‚Nosferatu‘ (…) als Schablone für den Horrorfilm. Murnau fügte Stoker Nuancen hinzu, die überdauerten, vor allem, dass Vampire beim ersten Tageslicht vergehen.“ (James Marriott/Kim Newman: Horror – Meisterwerke des Grauens von Alien bis Zombie, 2006)


TV-Tipp für den 20. Mai: Nevada-Pass

Mai 20, 2010

HR, 00.50

Nevada-Pass (USA 1976, R.: Tom Gries)

Drehbuch: Alistair MacLean

LV: Alistair MacLean: Breakheart pass, 1974 (Nevada-Pass)

1873 im Winter: Undercover-Agent Deakon muß während einer Zugfährt ein Komplott aufklären.

Der Krimi spielt zwar im Wilden Westen, aber MacLean verbrät seine üblichen Ideen nur vor einer anderen Kulisse (Undercover-Agenten, große Verbrechen, Doppelspiele, Frauen – halt das, was wir auch von seinen Kriegs- und Agententhrillern kennen). Trotzdem ganz unterhaltsam.

Mit Charles Bronson, Jill Ireland, Ben Johnson, Charles Durning, Richard Crenna

Krimi-Autor Bill Crider schrieb im January Magazine über Detektive im Westen und dieses Buch: „There was a time when Scottish novelist MacLean was the premier thriller writer on both sides of the Atlantic. (Ask anyone who’s read some his early books, if you don’t believe that. Better still, read one yourself.) His forte was putting extremely competent heroes into situations that required physical strength, endurance and intelligence, and his plots were often quite complex mysteries. He was a little past his prime when he wrote Breakheart Pass, about an accused killer who’s taken on board a train loaded with medical supplies, relief troops and more than its fair share of troublemakers. Still, the book is a lot of fun, with one surprise after another (you never know just who’s on the side of the ungodly and who’s not in a MacLean novel), and enough action for two or three volumes. It rips along right until the breathless conclusion, and even the one embarrassing technical glitch probably won’t bother anyone too much.“

Hinweise

Wikipedia über Alistair MacLean (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Alistair MacLean

Kirjasto über Alistair MacLean

Deutsche Fanpage über Alistair MacLean

Englische Fanpage über Alistair MacLean

Eisenbahnen im Film über „Nevad-Pass“


TV-Tipp für den 19. Mai: The Score

Mai 19, 2010

Kabel 1, 20.15

The Score (USA/D 2001, R.: Frank Oz)

Drehbuch: Kario Salem, Lem Dobbs, Scott Marshall Smith (nach einer Geschichte von Daniel E. Taylor und Kario Salem)

Hehler Max überredet den immer allein arbeitenden Profieinbrecher Nick Wells zu einem Einbruch ins ausgezeichnet gesicherte Zolllager von Montreal. Dort ist für einige Tage ein wertvolles Königszepter. Die Pläne erhält Nick dank eines Insiders. Dummerweise will der Insider bei dem Coup nicht nur helfende Hand sein.

Drei Schauspielgiganten in einem amüsanten Caper. Was will man mehr an einem lauschigen Frühlingsabend?

The Score” ist der letzte Film von Marlon Brando. Nach mehreren, sehr höflich formuliert, schlechten Werken, gelang ihm mit dem elegant, altmodischen “The Score” ein würdevoller Abschied.

Mit Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett, Gary Farmer, Paul Soles

Wiederholung: Donnerstag, 20. Mai, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „The Score“ (deutsch, englisch)

Cineclub unterhält sich mit Frank Oz über „The Score“

Anschließend läuft um 22.25 Uhr „15 Minuten“ (USA/D 2001, R.: John Herzfeld). Ebenfalls mit Robert De Niro.


TV-Tipp für den 18. Mai: Wild at Heart

Mai 17, 2010

ZDF, 00.20

Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula (USA 1990, R.: David Lynch)

Drehbuch: David Lynch

LV: Barry Gifford: Wild at Heart: The Story of Sailor and Lula, 1984

Sailor und Lula flüchten vor einem Detektiv und einem Killer, die beide im Auftrag von Lulas durchgeknallter Mutter reinen Tisch machen sollen. Und dann treffen sie auf den Gangster Bobby Peru und dessen Komplizin Perdita Durango.

Lynchs wildes Roadmovie, ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes, ist ein hemmungslos übertriebener Trip durch einen Alptraum namens Amerika. Ein Meisterwerk.

Barry Gifford schrieb später das Drehbuch für den Lynch-Film „Lost Highway”. Außerdem publizierte er neben seinen Romanen, wie „Perdita Durango“, lesenswerte Sachbücher, wie „Out of the past“ über den Film Noir.

Mit Nicolas Cage, Laura Dern, Diane Ladd, Willem Dafoe, Isabella Rossellini, Harry Dean Stanton, Crispin Glover

Hinweise

Homepage von Barry Gifford

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch


TV-Tipp für den 17. Mai: Open Range – Weites Land

Mai 17, 2010

Kabel 1, 20.15

Open Range – Weites Land (USA 2003, R.: Kevin Costner)

Drehbuch: Craig Storper
LV: Lauran Paine: The Open Range Man, 1990 (später auch „Open Range“)

Als der tyrannische Rancher Baxter die Herde der beiden seit Ewigkeiten zusammen reitenden Cowboys Spearman und Waite stehlen will, hat er sich mit den falschen angelegt.

Schöner Western, der angenehm altmodisch auf jeglichen modernen Schnickschnack verzichtet und ruhig seine Geschichte erzählt.

mit Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon, Michael Jeter, Diego Luna, James Russo, Kim Coates

Hinweise

Wikipedia über „Open Range“ (deutsch, englisch)

Fantastic Ficton über Lauran Paine

David Whitehead über Lauran Paine


TV-Tipp für den 16. Mai: Hostage – Entführt

Mai 16, 2010

Pro 7, 22.20

Hostage – Entführt (USA 2005, R.: Florent Emilio Siri)

Drehbuch: Doug Richardson

LV: Robert Crais: Hostage, 2001 (Hostage – Entführt)

LAPD-Verhandlungsexperte Jeff Talley schiebt in einer Kleinstadt eine ruhige Kugel. Da nehmen drei Jugendliche einen Mafia-Buchhalter und dessen Kinder als Geisel. Talley muss, nachdem die Mafia seine Frau und Tochter entführt, wieder verhandeln.

Okayer Geiselnahmethriller mit einem irgendwo zwischen Italo-Western und Horrorfilm oszillierendem Look und einigen hübschen Twists, wie der doppelten Geiselnahme und den sich verändernden Loyalitäten. Allerdings ist das Buch gerade bei dem Mafia-Plot glaubwürdiger. Und wer wissen will, wie die Polizei verhandelt, sollte auch zu dem Buch greifen.

Der Film ist nur die bleihaltige Action-Variante davon.

Mit Bruce Willis, Kevin Pollak, Jimmy Bennett, Michelle Horn, Ben Foster, Jonathan Tucker, Marshall Allman, Serena Scott Thomas, Rumer Willis (Tochter von Bruce Willis), Kim Coates, Robert Knepper

Wiederholung: Montag, 17. Mai, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Robert Crais

Wikipedia über Robert Crais

Drehbuch „Hostage“ von Robert Crais (29. März 2002, early draft – Crais schrieb nach seinem Roman ein Drehbuch, das später von anderen Autoren umgearbeitet wurde.)


TV-Tipp für den 15. Mai: Fury

Mai 14, 2010

Eins Festival, 13.25

Fury (USA 1936, R.: Fritz Lang)

Drehbuch: Fritz Lang, Bartlett Cormack

LV: Norman Krasna: Mob Rule (Story)

Ein unschuldig Verurteilter sinnt auf Rache.

Fritz Langs erster us-amerikanischer Spielfilm ist die überzeugende Hollywood-Version von Die Nibelungen und M – mit einer fulminanten Rede von Spencer Tracy am Filmende.

Mit Spencer Tracy, Walter Brennan

Auch „Blinde Wut“

Wiederholung: Sonntag, 16. Mai, 10.55 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Fritz Lang (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Fritz Lang

Kriminalakte über Fritz Lang


TV-Tipp für den 14. Mai: KDD – Kriminaldauerdienst: Familie

Mai 14, 2010

ZDF, 22.30 (VPS 21.15)

KDD – Kriminaldauerdienst: Familie (D 2010, R.: Andreas Prochaska)

Drehbuch: Orkun Ertener

Bravo! Das nenne ich „schnelle Reaktion“. Nachdem die Quote (sehr wichtig wegen der Werbepreise) für den „Kriminaldauerdienst“ schon immer bescheiden war, aber Kritikerlob und Preise der Krimiserie eine zweite und sogar eine dritte Staffel bescherten, reagiert das ZDF jetzt. Die heutige Folge (immer noch ein TV-Tipp) und die Abschlussfolge werden erst nach dem „heute-journal“ gezeigt. Dafür ermittelt um 21.15 Uhr die „Soko Leipzig“.

Die nachfolgenden Sendungen verschieden sich entsprechend. Das ZDF entschuldigt sich für etwaige Unannehmlichkeiten.

Mit Götz Schubert, Saskia Vester, Manfred Zapatka, Barnaby Metschurat, Melika Foroutan, Billey Demirtas, Jördis Triebel, Katrin Sass

Hinweis

KDD – Kriminaldauerdienst“ in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Mai: Helge Schneider XXL

Mai 13, 2010

Eins Festival, 20.15

Helge Schneider XXL

Traum oder Alptraum? Keine Ahnung, aber gute fünf Stunden Helge Schneider ist nichts für Weicheicher. Und das alles ohne eine einzige Werbepause.

Daher: Danke!

Hinweise

Eins Festival über „Helge Schneider XXL“

Homepage von Helge Schneider

Wikipedia über Helge Schneider


DVD-Kritik: „Go Fast“ mit den Cops

Mai 12, 2010

Nach dem Trailer und – vor allem – dem prominent platzierten Hinweis, dass „Go Fast“ von den Produzenten von „Transporter 1 – 3“ ist und der „High-Speed-Thriller“ als „’The Fast and the Furious‘ trifft auf ‚Transporter’“ beworben wird, erwartete ich einen knackigen französischen Actionthriller, der absolut unlogisch ist und in keiner Sekunde das Hirn beansprucht. Also: richtig dämlich-krachendes Jungskino für Bier und Chips.

Auch als der Film mit den Worten „Dieser Film beruht auf wahren Ereignissen“ begann, erwartete ich immer noch eine zünftige Actionplotte. Denn wir wissen ja alle, wie flexibel die Filmleute mit „wahren Ereignissen“ umgehen. Dafür müssen wir gar nicht an die wahre Geschichte von Robin Hood, Pocahontas und dem Schusswechsel am OK Corral denken. Auch die wahre Geschichte von „Bonnie & Clyde“ wurde für den Film etwas bearbeitet und dass die aktuellen Kinofilme „Green Zone“ und „Männer, die auf Ziegen starren“ auf Sachbüchern basieren, hat auf die Filmstory keinen nennenswerten Einfluss.

Aber schon nach einigen Minuten merkte ich, dass die Franzosen das mit der „wahren Geschichte“ ernst meinen. Denn nach einem verwirrenden Auftakt (irgendwelche komplizierten Fahrmanöver an einer Kreuzung, bei der Juwelendiebe von der Polizei beobachtet werden) zeigt Olivier Van Hoofstadt ausführlich die alltägliche und auch frustrierende Polizeiarbeit.

Ein Team von Polizisten mietet sich in einer Sozialsiedlung in einer leerstehenden Wohnung ein und beobachtet die dortigen Dealer. Nachdem sie die nötigen Beweise haben, wollen sie verschwinden. Aber die Drogenhändler haben sie entdeckt, bringen sie um und vernichten die Beweise.

Undercover-Cop Marek, der während des Einsatzes Innendienst schieben musste, möchte selbstverständlich seine Kollegen rächen. Aber diese Rachestory wird bestenfalls halbherzig weiterverfolgt. Denn Marek wird an eine andere Einheit für einen gefährlichen Untercover-Einsatz ausgeliehen. Er soll mit seiner alten Identität als Juwelendieb eine Drogenbande infiltrieren. Sie nehmen ihn als Fahrer auf und zusammen mit Marek verfolgen wir den Weg der Drogen von ihrem Anbau in Marokko über Spanien nach Frankreich. Die Lieferungen werden, daher kommt auch der Titel „Go Fast“, abgewickelt, indem die Ware möglichst schnell über die Autobahn befördert wird. So soll eine Verfolgung, Überwachung und Zugriff der Polizei verhindert werden.

Aber die Polizei ist den Schmugglern auf den Fersen. Mareks Fahrt wird von einer länderübergreifend gut zusammenarbeitenden Polizei, die in dem Film auch einen exzellenten Zugriff auf moderne Technik (GPS, Videokameras, Satellitenüberwachung; – halt alles das, was die Polizei hat und es in einem deutschen Krimi nicht gibt), beobachtet.

Bei der Raserei über die Autobahn gibt es einige schöne Aufnahmen aus den fahrenden Autos, aber es ist keine Verfolgungsjagd. Es wird einfach nur schnell Auto gefahren. Es gibt auch einige kurze Schusswechsel und einige, ebenfalls eher kurze Action-Szenen.

Denn das Hauptaugenmerk der „Go Fast“-Macher liegt auf dem Nachzeichnen des Wegs der Drogen. In diesen Momenten ist „Go Fast“ näher bei „Der Mohn ist auch eine Blume“ (allerdings nicht so didaktisch), „French Connection“ (ebenfalls basierend auf einem wahren Fall) oder „Miami Vice“ (aber nicht so stilisiert und ohne die nervige Liebesgeschichte). Überhaupt ist „Go Fast“ beeindruckend geschlechtsneutral. Beim Schmuggeln fährt zwar eine Frau als Kundschafterin vor, aber eine sexuelle Spannung oder Liebesgeschichte zwischen ihr und Marek gibt es nicht. Ihre Rolle könnte genausogut von einem Mann gespielt werden.

Auch die anderen Charakter sind als Polizisten und Verbrecher, die ihre Arbeit tun, rein funktional charakterisiert. Mehr müssen wir nicht über sie wissen – und mehr erfahren wir auch nicht über sie.

Go Fast“, das auf den Erinnerungen des Polizisten Jean-Marc Souvira basiert, der dem Publikum einen Einblick in seine Arbeit geben wollte, steht in der Tradition der semidokumentarischen französischen Kriminalfilmen, die einen ungeschönten Einblick in die alltägliche Polizeiarbeit geben, wie Bob Swains „La Balance – Der Verrat“ und Bertrand Taverniers „Auf offener Straße“ (L.627). Aber diese Filme kennt heute, auch weil sie selten im Fernsehen laufen und nicht auf DVD erschienen sind, kaum noch jemand.

Als Bonusmaterial gibt es einige geschnittene Szenen, ein fast einstündiges Making-of, das eine durchaus informative Mischung aus Hintergrundinformationen (es gibt zahlreiche Statements von Polizisten und einem ehemaligem Go-Fast-Fahrer), Drehbericht und B-Roll-Aufnahme ist, und einen Audiokommentar von Regisseur Oliver Van Hoofstadt und Autor Emmanuel Prévost. Die beiden erzählen viel über die Dreharbeiten, fast nichts über die Entwicklung der Geschichte und, bis auf einige Nebensätze, nichts über den wahren Kern der Geschichte. Aber gerade über das Verhältnis von Realität und Fiktion hätte ich gerne mehr erfahren.

Go Fast (Go Fast, Frankreich 2008)

Regie: Olivier Van Hoofstadt

Drehbuch: Bibi Naceri, Jean-Marc Souvira, Emmanuel Prévost

Darsteller: Roschdy Zem, Oliver Gourmet, Jean-Michel Fête, Jocelyn Lagarrigue, Julie Durand

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1; DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar von Olivier Van Hoofstadt und Emmanuel Prévost, Making of (ca. 55 Minuten), Geschnittene Szenen (ca. 6 Minuten), Trailer (deutsch, französisch), Wendecover

Länge: ca. 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweis

Homepage zum Film


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Mai 11, 2010

Urlaubsbedingt etwas später sind meine aktuellen TV-Krimi-Buch bei den Alligatorpapieren online gegangen:

Nachdem Eins Festival mit „Das Halstuch“ seine Francis-Durbridge-Wiederholungen startete, geht es mit dem Straßenfeger „Melissa“ weiter. Auch „Heißer Verdacht“, „Der Preis des Verbrechens“ und „Inspector Lynley“ laufen weiter.
Außerdem gibt es, im Bereich Spielfilme, Phillip Noyces Graham-Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Fritz Langs Norman-Krasna-Verfilmung „Fury“, Florent Emilio Siris Robert-Crais-Verfilmung „Hostage – Entführt“, Alan Parkers William-Hjortsberg-Verfilmung „Angel Heart“, David Lynchs Barry-Gifford-Verfilmung „Wild at Heart“, Jonathan Demmes Thomas-Harris-Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“, Sam Peckinpahs Jim-Thompson-Verfilmung „Getaway“, George Armitages Charles-Willeford-Verfilmung „Miami Blues“ und Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“.


TV-Tipp für den 12. Mai: Arte Journal (Cannes Filmfestival)

Mai 11, 2010

Arte, 19.00

Arte Journal

Das Cannes Filmfestival rollt den roten Teppich aus – und sogar unser allerliebster deutsch-französischer Sender bequemt sich nur noch zu einer täglichen Notberichterstattung in seiner Nachrichtensendung.

Schade, schade, schade, aber vielleicht gibt es auf der Arte-Homepage oder der Festivalseite mehr bewegte Bilder.


TV-Tipp für den 11. Mai: Diebe im Gesetz

Mai 11, 2010

Arte, 20.15

Diebe im Gesetz (D 2008, R.: Alexander Gentelev)

Drehbuch: Alexander Gentelev

Spielfilmlange Doku über das Organisierte Verbrechen in Russland.

Danach gibt’s die 15-minütige Doku „Die Bedrohung – Russen-Mafia in Europa“, die letzten beiden Teile von Dominik Grafs Zehnteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ und wer dann immer noch nicht genug hat, kann um 23.40 Uhr (VPS 23.45) das „Making of“ zu „Im Angesicht des Verbrechens“ genießen.

Und damit geht nach Mitternacht ein langer Arte-Themenabend zu Ende.

Hinweise

Arte über die Doku

Tribeca Filmfestival: Interview mit Alexander Gentelev (24. April 2010)


TV-Tipp für den 10. Mai: Auge in Auge

Mai 10, 2010

Arte, 22.40

Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte (D 2008, R.: Michael Althen, Hans Helmut Prinzler)

Konzept: Hans Helmut Prinzler, Michael Althen

Michael Ballhaus, Andreas Dresen, Doris Dörrie, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler stellen ihre deutschen Lieblingsfilme vor. So entsteht ein kleiner, subjektiver Spaziergang durch die deutsche Filmgeschichte von „Nosferatu“ über „Menschen am Sonntag“, „M“, „Unter den Brücken“, „Alice in den Städten“ und „Die Ehe der Maria Braun“ bis zu „Heimat 1“.

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auge in Auge“


TV-Tipp für den 9. Mai: Landtagswahlen NRW

Mai 9, 2010

ARD, 17.30

ZDF, 17.30

WDR, 17.30

Landtagswahlen NRW

Es ist geschafft. Die Zeit der Umfragen ist vorbei. Die Farbenspiele der Journalisten und Strategen sind Geschichte. Der Wähler hat seine Kreuz gemacht, um 18.02 Uhr gibt es die erste Hochrechnung und ab 18.10 Uhr erzählen dann die Spitzenkandidaten, dass sie gewonnen haben. Jedenfalls irgendwie.

Und wir können, auf der gemütlichen Couch sitzend, Haltungsnoten vergeben.

Oder hier die Ergebnisse der einzelnen Wahlkreise ansehen.


TV-Tipp für den 8. Mai: Echo Jazz 2010

Mai 7, 2010

WDR, 22.30

Echo Jazz 2010

Dieses Jahr wurde der „Echo Jazz“-Preis zum ersten Mal in inflationären 31 Kategorien verliehen. Weil die Verleihung am 5. März war, sind die Preisträger bekannt. Aber weil Jazz im Fernsehen so selten zu halbwegs normalen Zeiten läuft…


TV-Tipp für den 7. Mai: Wer mit dem Teufel reitet

Mai 7, 2010

RBB, 01.00

Wer mit dem Teufel reitet (USA 1999, R.: Ang Lee)

Drehbuch: James Schamus

LV: Daniel Woodrell: Woe to live on, 1987 (Zum Leben verdammt)

USA, 1860: Jake Roedel und Jack Bull ziehen auf Seiten der Südstaaten in den Krieg. In einer Guerillagruppe beteiligen sie sich an einem zunehmend sinnlosen Vernichtungsfeldzug bei dem keine Gefangenen gemacht werden.

Wie so oft: aus einem hochgelobten Buch wurde ein – nun – mittelmäßiger Film.

Martin Compart halt Woodrells zweiten Roman “Woe to live on” für einen der besten Bürgerkriegs-Romane: “Mit jedem zündenden Satz verbrennt Woodrell die Hollywoodklischees über den Sezessionskrieg. Der Roman folgt dem jungen Ich-Erzähler auf seiner blutigen Spur an der Seite der Freischärler unter dem berüchtigten Quantrill. In den West Plains tobte ein brutaler Partisanenkrieg, der noch Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges Opfer forderte…Die Sprache des Romans ist filmisch und hypnotisch.“

Woodrell zu seinem Buch: „Die Amerikaner haben sich über das Buch zu Tode erschreckt, weil es vom Standpunkt der Südstaaten geschrieben ist. Ich bekam keine Rezension nördlich der Dixon-Linie. Keiner wollte wissen, was hier wirklich los war. Es war wie in Bosnien.“ Die Erstausgabe war ein Flop – und ist heute ziemlich teuer.

Woodrell zur Verfilmung: „I was merely the writer of the novel. That is, the one who created the story, characters, dialogue and structure from scratch. Once the movie started I was more or less blotted from the scene. I did enjoy watching actors mouth my words and so on, and did learn plenty from that experience. As to the process of making the film, all I can say is, if it happens again, I won’t make nice so much. I deferred to their arguments (I had no power to do anything) since I thought maybe they know more about narrative for film than I-and they don’t. Everything is clouded by,“If we show this scene in a truthful manner we think twelve people will walk out in Encino, so we will substitute a phony as shit scene we got from a can of old movies we found sitting open back in the vault.“ And so on.“

Der Film war kein Kassenerfolg; was hier allerdings – im Gegensatz zum Buch – an der Qualität des Werkes liegt: „Eine Enttäuschung“ (Zitty), „Der Film wirkt mitunter so langatmig, als würde man den Bürgerkrieg in Echtzeit miterleben.“ (Berliner Zeitung). Und, was sicher auch zu seiner Unbeliebtheit beigetragen hat: „Ride with the Devil“ ist ein Film „über Männer, die für die falsche Sache auf der falschen Seite in einem schrecklichen Krieg kämpfen…Man könnte auch behaupten, dass dieser Film eine Feldstudie über galoppierende Dummheit ist.“ (Berliner Zeitung)

Eine der wenigen positiven Stimmen: “Ang Lee’s film, Ride with the Devil, is the best western since Clint Eastwood’s Unforgiven (1992)… Ride with the Devil displays a care and intelligence increasingly rare in mainstream American cinema. While there are suitably memorable images of violence there is also a lot of memorable talk. Wonderful cinematography from Frederick Elmes, excellent performances from its (then mostly) young, up-and-coming cast of actors, and the acting debut of pop star Jewel should have brought new, younger viewers to this old genre. The film deserved a better commercial fate because it is as “stone brilliant” as the writing from which it is derived, and making such a fine film also “required some genius”.” (Noel King, Senses of Cinema – eine sehr informative Web-Seite)

Mit Skeet Ulrich, Tobey Maguire, Jewel Kilcher, Jonathan Rhys, James Caviezel

Kinotitel: „Ride with the Devil“

Hinweise

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Winter’s Bone”

Kaliber.38 über Daniel Woodrell

Mordlust über Daniel Woodrell

Wikipedia über Daniel Woodrell

The Richmond Review interviewt Daniel Woodrell zum Film

The Southeast Review interviewt Daniel Woodrell (1. April 2009)

River Cities‘ Reader über Daniel Woodrell (8. April 2010)

Daniel Woodrell in der Kriminalakte

Bonus

Seit einigen Tagen ist der neue Trailer für die neue, hochgelobte und mehrfach ausgezeichnete Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“ online

Sieht toll aus. Jetzt muss sich nur noch ein deutscher Verleiher finden und dann steht dem Kinobesuch nichts mehr im Weg.


TV-Tipp für den 6. Mai: Pulp Fiction

Mai 6, 2010

Vox, 22.20

Pulp Fiction (USA 1994, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Freitag, 7. Mai, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

The Quentin Tarantino Archives

Quentin-Tarantino-Film-Forum

Everything Tarantino

Quentin Tarantino (inoffizielle deutsche Fanseite)

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary