TV-Tipp für den 7. November

November 7, 2007

Arte, 23.25

Die Rechnung ging nicht auf (USA 1956, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Jim Thompson, Stanley Kubrick

LV: Lionel White: Clean Break, 1955 (später „The killing“, deutsch “Der Millionencoup“)

Ex-Sträfling Johnny Clay will mit einigen Amateuren die Wettgelder während eines Pferderennens klauen. Der minutiös geplante Coup läuft nach Plan ab. Dann geht alles schief.

Grandioses, düsteres Caper-Movie und der endgültige Durchbruch für Kubrick. Im Gegensatz zu anderen Caper-Movies wird die Handlung im Buch und im Film nicht chronologisch, sondern mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen erzählt. Und der Überfall wird, zusammengehalten von einer atemberaubenden Montage, aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mit seinen Diskontinuitäten und Dekonstruktionen ist „Die Rechnung ging nicht auf“ ein Vorläufer des postmodernen Kinos.

Einer von Kubricks Schülern ist Quentin Tarantino, der diesen Film in „Reservoir Dogs“ ausführlich würdigte. Im Drehbuch ist sogar eine – im Film nicht gezeigte – Widmung an Lionel White enthalten.

Mit Sterling Hayden, Coleen Gray, Vince Edward, Jay C. Flippen, Elisha Cook jr.

Wiederholungen:

Donnerstag, 15. November, 14.55 Uhr

Mittwoch, 21. November, 14.55 Uhr

Hinweis:

Die Stanley Kubrick-Reihe von Arte im Überblick


TV-Tipp für den 6. November

November 6, 2007

Das Vierte, 20.15

Countdown in Manhattan (USA 1980, R.: Robert Butler)

Drehbuch: Bill Norton, Rick Natkin

LV: William P. McGivern: Night of the Juggler, 1975 (Dunkle Nächte)

Psychopath Gus Soltic entführt die Tochter des Fuhrunternehmers und Ex-Polizisten Sean Boyd. Das war eine Verwechslung. Aber Boyd zeigt noch einmal, was er bei der Polizei gelernt hat.

Ein an der Kinokasse ziemlich gefloppter, bis heute nicht als DVD veröffentlichter und erst vor wenigen Wochen erstmals im TV gezeigter Film. Die damalige Filmkritik meinte: Der Film „verliert, das kaputte New York mit seinen Trümmer- und Pornovierteln zum Hintergrund degradierend, schnell das Interesse für die gesellschafts- und sozialpolitische Komponente zugunsten einer, zugegeben, spannenden Verfolgungsjagd und reiht sich so ein in die Reihe der Selbstjustizfilme des Jahres 1982.“ (Fischer Film Almanach 1983) Die katholische Filmkritik sekundierte: „Spannender Actionfilm vor dem Hintergrund verfallender Viertel und urbaner Gewalttätigkeit; stellenweise fungiert der soziale Hintergrund jedoch nur noch als Kulisse.“ (Lexikon des internationalen Films). Und einige halten Brolins Darstellung für die beste seiner langen Karriere.

„Countdown in Manhattan“ ist ein dialagarmer Actioner mit hohem Retro-Faktor. Da wird nicht viel Zeit für die Psychologie verschwendet. Stattdessen gibt’s lange Verfolgungsjagden durch die Straßen von New York. Halt spannende Unterhaltung für Genrefans und dank der vielen Außenaufnahmen auch ein Blick zurück auf das New York der späten Siebziger als eine einzige Vorhölle voller Verrückter. Ein, weil fast unbekannter Film, auch ein sträflich unterschätzer Film. 

Die Dreharbeiten begannen bereits im Sommer 1978. Es wurde vor Ort gedreht. Die Premiere war erst am 6. Juni 1980 in New York. Der bewährte TV-Routinier Robert Butler übernahm die Regie von Sidney J. Furie.

Mit James Brolin, Cliff Gorman, Abby Bluestone, Dan Hedaya

Auch bekannt als “Die Ratte” (neuer Verleihtitel im Kino ein Jahr nach der Premiere)

Hinweise:

Meine Besprechung von „Von Angst gepeitscht“ (Odds against tomorrow, 1957)

Kirjasto über William P. McGivern (englisch)

Mordlust über William P. McGivern (deutsch)


TV-Tipp für den 5. November

November 5, 2007

Das Vierte, 23.30

Der Einzelgänger (USA 1981, R.: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

LV: Frank Hohimer: The home invaders: Confessions of a Cat Burglar, 1975

Musik: Tangerine Dream

Ganove Frank will mit dem letzten, großen Coup seine Verbrecherlaufbahn beenden. Dafür lässt sich Frank auch mit einem Gangstersyndikat ein. Und das hätte er nicht tun sollen.

Das Kino-Debüt des „Miami Vice“-Machers ist ein perfekt durchgestylter Gangsterthriller.

Mit James Caan, Tuesday Weld, Willie Nelson, James Belushi (Spielfilm-Debüt), Dennis Farina (Debüt), William Petersen (Debüt)

Hinweise:

Senses of Cinema (Anna Dzenis) über Michael Mann (2002)


TV-Tipp für den 4. November

November 4, 2007

ARD, 02.00

Die zwölf Geschworenen (USA 1957, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Reginald Rose

LV: Reginald Rose (Story, Bühnenstück)

Hat der angeklagte Puertoricaner seinen Vater ermordet? Die Geschworenen beraten.

Lumets erster Spielfilm ist ein Klassiker des Gerichtsfilms: ein Raum, zwölf Personen, die eine Entscheidung fällen müssen: unerträgliche Spannung. Ausgangspunkt für den Spielfilm war ein einstündiges Fernsehspiel von Reginald Rose, der dafür von eigenen Erfahrungen als Geschworener inspiriert wurde. Beim Start wurde der Film von der Kritik gelobt, für zahlreiche Preise nominiert und floppte – trotz des niedrigen Budgets – an der Kasse. „Sidney Lumets Erstlingsfilm verleiht dem Geschehen durch die Begrenzung des Ortes und der Personen eine große Dichte und Spannung. Die Wahrheitsfindung entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Menschentypen, Ideologien und Interessen – ein Modellfall ´demokratischer´ Aufklärungsarbeit. Hervorragend besetzt, gespielt und fotografiert (Preis der OCIC in Berlin)“ (Lexikon des Internationalen Films)

Mit Henry Fonda, L. J. Cobb, Ed Begley, E. G. Marshall, Jack Warden, Martin Balsam, Jack Klugman, Joseph Sweeney


TV-Tipp für den 3. November

November 3, 2007

ARD, 01.55

Ich – Die Nummer eins (F/I 1972, R.: Claude Pinoteau)

Drehbuch: Claude Pinoteau, Jean-Loup Dabadie

LV: Francis Ryck: Drôle de pistolet, 1968 (später nach dem Film “Le Silencieux”)

Ein sowjetischer Kernforscher gerät in London zwischen die Fronten der Geheimdienste.

Spannender, ungewöhnliche Spionagethriller mit einem schweigsamen Helden, der das Opfer von Strukturen wird, und einem Finale in den Alpen.

Damals und heute gelobt: „Brillant inszeniert und gespielt, mit unterschwelliger Ironie und menschlichen Momenten, bietet dieser Erstlingfilm spannende Unterhaltung.“ (Katholischer Filmdienst);

„Spannender kleine Thriller“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Der Roman erhielt 1969 den „Grand prix de littérature policière“.

Mit Lino Ventura, Léa Massari, Leo Genn, Robert Hardy

Videotitel: Wettlauf mit dem Tod


TV-Tipp für den 2. November

November 2, 2007

Die dritte von drei Leonard-Verfilmungen, wieder nach einem Drehbuch von Scott Frank:

RTL II, 20.15

Out of sight (USA 1998, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley einige Zeit mit der FBI-Agentin Karen Sisco im Kofferraum. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Aber als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Wiederholung: Samstag, 3. November, 14.00 Uhr

Hinweise:

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von „Gangsterbraut“ (The Hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006


TV-Tipp für den 1. November

Oktober 31, 2007

Die zweite von drei Leonard-Verfilmungen

Das Vierte, 18.30

Touch – Der Typ mit den magischen Händen (USA 1997, R.: Paul Schrader)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Elmore Leonard: Touch, 1987 (Blutsmale)

Seelsorger Juvenal kann Kranke heilen. Windige Geschäftemacher und religiöse Fanatiker wollen die übersinnlichen Kräfte Juvenals für ihre eigenen Interessen ausbeuten.

„Touch“ ist wahrscheinlich Leonards untypischstes Buch: eine Story über einen jungen Wunderheiler, der kein Scharlatan ist. Lange wusste kein Verleger, wie er „Touch“ auf den Mark bringen sollte. Erst zehn Jahre nachdem Leonard „Touch“ geschrieben hatte, wurde es veröffentlicht. 

Paul Schrader (u. a. Drehbuch zu „Taxi Driver“) hielt sich bei seiner Verfilmung eng an das Buch. Mit zahlreichen bekannten Schauspielern drehte er eine gelungene Satire auf den religiösen Wahn in den USA. Ein sträflich unterschätzter Film.

„Ein zutiefst humaner Film über Nächstenliebe und Aufrichtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen, der nicht als theologischer Diskurs, sondern als Reflex auf die Defizite der modernen Gesellschaft angelegt ist. Durch den unaufdringlichen Charme des Hauptdarstellers und eine Inszenierung ohne aufgesetzte Dramatik ist ein feiner kleiner Film entstanden, der seinem großen Thema auf unprätentiöse Art und Weise gerecht wird.“ (Lexikon des internationalen Films)

Von Elmore Leonards Homepage: „“Touch“ had the Elmore Leonard sound as Schrader pretty much “shot the book.” The resulting film was somewhat subdued and low-key, but the film, like the book, takes a whimsical, black-comedy look at the exploitation of faith. The film had a tiny theatrical release and was overlooked by other Elmore Leonard films that came out the same year. The strong cast and Schrader’s feel for Elmore’s material make „Touch“ worth seeing.“

Auch in den deutschen Kinos lief die Groteske nur in wenigen Häusern und wird im Fernsehen selten und dann bevorzugt zu Videorekorderfreundlichen Zeiten gezeigt.

Mit Bridget Fonda, Christopher Walken, Skeet Ulrich, Tom Arnold, Gina Gershon, Lolita Davidovich, Paul Mazursky

Hinweise:

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von „Gangsterbraut“ (The Hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“


TV-Tipp für den 31. Oktober

Oktober 31, 2007

Die erste von drei Leonard-Verfilmungen

RBB, 23.05

Schnappt Shorty (USA 1995, R.: Barry Sonnenfeld)

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Get Shorty, 1990 (Schnappt Shorty)

Ein Mafia-Geldeintreiber aus Miami gerät in Hollywood an einen drittklassigen Filmproduzenten. Der Geldeintreiber möchte, dass sein Leben verfilmt wird. Aber diese Hollywood-Fritzen sind irgendwie anders.

Köstliche Leonard-Verfilmung über den Zusammenprall zweier Welten: eiskalter Profikiller trifft auf die Hollywood-Schickeria.

Mit John Travolta, Gene Hackman, Rene Russo, Danny DeVito, Dennis Farina, Delroy Lindo, James Gandolfini, Martin Ferrero, Miguel Sandoval, Harvey Keitel, Bette Midler

Hinweise:

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von „Gangsterbraut“ (The Hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“


TV-Tipp für den 30. Oktober

Oktober 30, 2007

Pro 7, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, R.: Tim Burton)

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Wiederholung:

Freitag, 2. November, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)


TV-Tipp für den 29. Oktober

Oktober 29, 2007

HR, 23.40

Der Stadtneurotiker (USA 1977, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman

Der vierzigjährige, neurotische Komiker Alvy Singer erzählt von seinem Leben und seiner Beziehung zu Annie Hall.

Woody Allens bekanntester Film. Hier ist für uns Zuschauer kein Unterschied zwischen Woody Allen und dem von ihm erfundenen Alvy Singer zu spüren – und dabei ist letztendlich doch alles erfunden. Jedenfalls irgendwie.

„Annie Hall“ erhielt die Oscars für den besten Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin (Diane Keaton) und zahlreiche weitere Preise.

Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts, Carol Kane, Paul Simon, Janet Margolin, Shelley Duvall, Christopher Walken, Marshall McLuhan (als er selbst), Jeff Goldblum (Partygast), Walter Bernstein (Annies Date vor dem Theater), Signourney Weaver (Alvys Date vor dem Theater), Truman Capote (Capote Look-Alike)


TV-Tipp für den 28. Oktober

Oktober 27, 2007

Wegen Lino Ventura, und wegen Louis Malle (30. Oktober 1932 – 23. November 1995)

3sat, 00.00

Fahrstuhl zum Schafott (F 1958, R.: Louis Malle)

Drehbuch: Roger Nimier, Louis Malle

LV: Noel Calef: Ascenseur pour l’echafaud, 1956 (Fahrstuhl zum Schafott)

Julien hat den perfekten Mord begangen. Aber danach geht alles gründlich schief: er bleibt in einem Fahrstuhl stecken und sein Auto wird von Halbstarken geklaut.

Malles Regiedebüt ist inzwischen – trotz der Mängel eines Erstlings – ein Noir-Krimiklassiker und einer der stilbildenden Filme der Nouvelle Vague. Dabei verdankt es viel dem improvisierten Jazz des Miles Davis Quintett.

Mit Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Charles Denner, Jean-Claude Brialy (Gast in der Bar)


TV-Tipp für den 27. Oktober

Oktober 26, 2007

Wegen Lino Ventura, und weil Claude Lelouch am 30. Oktober seinen Siebzigsten feiert:

BR, 20.15

Die Entführer lassen grüßen (F/I 1971, R.: Claude Lelouch)

Drehbuch: Claude Lelouch, Pierre Uvtterhoeven

Fünf Gauner entdecken Entführungen als Geschäftsmodell. Ihre Geisel werden immer höhere Repräsentanten der Gesellschaft.

Laue Komödie, die sich – weil viel zu undifferenziert – erfolglos in Gesellschaftskritik versucht. „Die Entführer lassen grüßen“ ist, trotz einiger gelungener Szene, wirklich kein wichtiger Ventura-Film.

„Mäßig unterhaltsame Burleske mit oberflächlicher Kritik an Ideologien; stellenweise amüsant, doch überwiegend auf billige Gags und mäßige Späße ausgerichtet.“, schrieb der Katholische Film-Dienst zutreffend zum deutschen Kinostart.

Meinolf Zurhorst und Lothar Just urteilten in ihrem „Lino Ventura“-Buch ähnlich: „Lelouch, gerühmt von den Schauspielern für seine Improvisationsfreude und die Freiheit, die er seinen Darstellern lässt, trat mit ‚Die Entführer lassen grüßen’ in viele Fettnäpfchen. Sein Film ist nicht nur Gaunerkomödie, sondern auch eine deftige, nicht immer geschmacksichere Politiksatire, die alles über einen Kamm schert, seien es lateinamerikanische Freiheitsbewegungen oder die Aktivitäten der CIA…Lelouchs eigenwilliger Stil, immer auf knallige Effekte bedacht und konsumfreundlich, eingängig unterstützt  durch die Musik von Francis Lai, lässt dabei manch gelungene Szene zu, etwa jene, in der die Ganoven am strand verschiedene Annäherungstaktiken für die da liegenden Schönheiten einüben. Man spürt förmlich den Spaß, den die Hauptdarsteller bei der Arbeit gehabt haben.“ Nur überträgt sich dieser Spaß nicht ins Wohnzimmer.

Mit Lino Ventura, Jacques Brel, Charles Denner, Yves Robert, Johnny Hallyday (als er selbst), Juan Luis Buñuel, André Falcon

Homepage von Claude Lelouch (viele Bilder, viele französische Texte)


TV-Tipp für den 26. Oktober

Oktober 25, 2007

ARD, 01.20

Im Dreck verreckt (F/Mex/I 1968, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: John D. Carrick: The Vulture, 1966 (Der Geier)

Lino Ventura spielt einen Profikiller, der  in Südamerika den Landespräsidenten umbringen soll.

Spannender, in Mexiko gedrehter, Abgesang auf den Homme Solitaire.

Auch bekannt als „Fremder, wohin gehst du?“


TV-Tipp für den 25. Oktober

Oktober 24, 2007

Ein Grund für Fernsehgebühren ist der Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. Arte wird ihm mal wieder gerecht:

Arte, 00.20

Zombie 2 – Das letzte Kapitel (USA 1985, R.: George A. Romero)

Drehbuch: George A. Romero

Der Titel ist etwas irreführend. Denn „Day ot the Dead“ ist nach „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the living Dead, USA 1968) und „Zombie“ (Dawn of the Dead, USA 1978) der dritte Zombie-Film von Romero. Inzwischen haben die Zombies die Macht auf der Erde übernommen. In einem unterirdischen Bunker in Florida versuchen einige Militärs und Wissenschaftler die menschliche Rasse am Leben zu erhalten.

Die seriöse Filmkritik meinte gewohnt ablehnend zu dem Splatterfilm:  „reichlich ekelerregende Horroreffekte der härteren Art“ (Lexikon des internationalen Films) oder „Anstatt neue Zombie-Filme zu drehen, könnte man auch den ersten ‚Die Nacht der lebenden Toten’ in zeitlichen Abständen immer wieder neu starten. Viel hat sich seitdem bestimmt nicht verändert, weder die Geschmacksgewohnheiten der Zombies noch die ihrer Fans.“ (Fischer Film Almanach 1988). Die Zensurgeschichte folgte auch den bekannten Mustern.

Romero war mit dem bis dahin härtesten Zombiefilm zufrieden und den Fans gefiel er. Etliche halten ihn, wie Romero, für den Besten der Serie. Inzwischen hat Romero mit „Land of the Dead“ (USA 2005) und „Diary of the Dead“ (USA 2007) für Nachschub gesorgt.

Bei all den Morden, die einen stabilen Magen verlangen, sollte nie die in Romeros Zombie-Filmen enthaltene überaus düstere Diagnose der Gesellschaft übersehen werden.

„Zombie 2“ erlebt heute Nacht seine TV-Premiere. Allerdings ist noch unklar, welche Fassung. Wahrscheinlich wird die gegenüber dem Original um sieben Minuten gekürzte deutsche Kinofassung gezeigt.

Mit Lori Cardille, Terry Alexander, Joseph Pilato, Jarlath Conroy

Wiederholungen:

Samstag, 27. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Freitag, 9. November, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Arte zum Film

OFDB zum Film (mit einer Auflistung der verschiedenen Fassungen und dem Beschlagnahmebeschluss)

Schnittberichte mit einem Vergleich der beschlagnahmten FSK 18-Version und der ungeschnittenen US-Fassung


Ärgerlich: Die Fremde in dir

Oktober 24, 2007

the-brave-one.jpg

The Brave One, USA 2007, R.: Neil Jordan

Drehbuch: Roderick Taylor, Bruce A. Taylor, Cynthia Mort

Mit Jodie Foster (Erica Bain), Terrence Howard (Detective Mercer), Nicky Katt (Detective Vitale), Naveen Andrews (David Kirmani),   Mary Steenburgen ( Carol)

 

++Spoiler-Alarm++

In dem folgenden Text verrate ich das Ende des Films. Für diese Menschen sage ich jetzt: Es lohnt sich nicht, für diesen Film Geld auszugeben. Die anderen dürfen weiter lesen.

++Spoiler-Alarm++

 

Heute habe ich mir endlich “Die Fremde in dir”, den Selbstjustizfilm mit Jodie Foster angesehen. Ich bin schon skeptisch ins Kino gegangen, aber ich wollte ihn unbedingt mit „Death Sentence“ vergleichen. Bei der Kritik ist „Die Fremde in dir“ etwas besser weggekommen. Für mich ist er der ärgerlichere Film.

Die Story ist genretypisch einfach: Erica Bain ist eine erfolgreiche, verliebte New Yorker Radiomoderatorin. Eines Nachts wird sie im Park von drei Gangstern überfallen und zusammenschlagen. Ihr Freund stirbt. Die Polizei kann die Verbrecher nicht fassen. Bain nimmt das Gesetz in die eigenen Hände.

Daraus kann man viel machen. James Wan machte daraus in „Death Sentence“ eine bitterböse Studie über Gewalt und Gegengewalt und den selbstgewählten Weg in den Abgrund. Neil Jordan machte daraus – Ja, was eigentlich?

Wenn wir das Ende betrachten, immerhin ist im Ende eines Films die Botschaft versteckt, dann hat er ein erzreaktionäres und staatsverachtendes Bekenntnis zur Selbstjustiz abgeliefert, das, gerade weil es qualitativ weit über dem Standard dritt- und viertklassiger Ramschware liegt, nur noch ärgerlicher ist.

Also, das Ende geht so: Bain hat erfahren, wo die Gangsterbande ist. Sie geht zu ihnen und bringt sie der Reihe nach um. Zur gleichen Zeit hat der grundehrliche Cop, der in Bain verknallt ist, herausgefunden, wo Bain hingegangen ist. Er fährt hin. Als Bain den letzten Verbrecher umbringen will, geht der Polizist dazwischen. Der Gangster legt sich auf den Boden und wartet auf die Verhaftung. Da richtet Bain ihre Pistole auf den Cop. Ihre Hand zittert (Ein sicheres Zeichen, dass sie den Falschen umbringen will!). Der Cop nimmt ihr die Pistole ab. Und gibt ihr seine Pistole. Sie erschießt ohne zu Zittern den Gangster. Anschließend schießt sie den Cop mit ihrer Pistole an. Der Cop lässt Bain laufen und legt ihre Pistole in die Hand des Gangsters.

Das ist nicht mehr, wie am Ende von „Ein Mann sieht rot“ das Wegsehen eines Polizisten, sondern das ist das aktive Helfen der Polizei bei Lynchjustiz. Die Botschaft des Films lautet: Und das ist gut so.

Doch schon lange vor diesem Ende hat „Die Fremde in dir“ es bei mir gründlich verschissen. Die letzten Minuten sind einfach nur der letzte Sargnagel eines Desasters, weil Jordan niemals eine stringente Haltung zu seiner Geschichte entwickelt. Denn der Film ist kein psychologisches Drama. Dafür wird Bains Charakter nicht genug ausgelotet.

Der Film ist kein Porträt von New York nach 9/11. Dafür ist von der Millionenstadt einfach nichts zu spüren. Der Film könnte in jeder größeren Stadt überall auf der Welt zu jeder Zeit spielen.

Der Film ist auch, trotz des eindeutigen Originaltitels „The Brave One“, kein überzeugender Selbstjustizfilm. Denn dafür müsste er sich zu seinem Charakter positionieren und ihre Morde in irgendeiner Form aufgrund ihrer Psyche und äußerer Ereignisse nachvollziehbar machen.

In „Ein Mann sieht rot“ war es das Versagen des Staates bei der Strafverfolgung. In „Die Fremde in dir“ schnappen die Polizisten die Täter, aber in diesem Moment hat Bain bereits einige, wahrscheinlich therapeutisch zu verstehende, Morde auf dem Kerbholz und will weitermorden.

In „Death Sentence“ war es das übersteigerte Rachebedürfnis des Vaters. Er wollte nicht, dass der Verbrecher für einige Jahre in den Knast wandert. Er wollte, dass er lebenslänglich für seine Tat büßt.

In „Ein Richter sieht rot“ konnte ein Richter Verbrecher aufgrund von Verfahrensfehlern nicht verurteilen. Er wollte Gerechtigkeit und schloss sich einer Kammer von Lynchjustizrichtern an.

In „Die Frau mit der 45er Magnum“ wehrt sich eine stumme New Yorkerin handgreiflich gegen ihren zweiten Vergewaltiger. Eine in einer Männerwelt immer zum Sexobjekt degradierte Frau wehrt sich.

Und in vielen Filmen (und Büchern), in denen der Held das Recht in die eigenen Hände nimmt, muss er auf eine akute Bedrohung reagieren.

In „Die Fremde in dir“ haben wir dagegen eine Frau, die nach einem Überfall einfach mehr oder weniger wahllos einige Bösewichte abknallt. Dabei sucht sie bewusst gefährliche Orte auf, um ihre Pistole sprechen zu lassen. Denn nach diesem traumatischen Erlebnis muss sie etwas tun. ‚Warum nicht einige Stunden bei einem Psychiater verbringen?’ werden Sie jetzt vielleicht fragen. Das wäre natürlich eine die Kriminalstatistik schonende Vorgehensweise, aber anscheinend ging es Mitproduzentin Jodie Foster nur darum, einige schlechte Karikaturen abzuknallen.

Das ist filmischer Schrott, mit einer auf Haut und Knochen abgemagerten Jodie Foster in der Hauptrolle und einem jede Szene zukleisternden Soundtrack.

 

Homepage des Films


TV-Tipp für den 24. Oktober

Oktober 24, 2007

Arte, 23.15

Stammheim (D 1986, R.: Reinhard Hauff)

Drehbuch: Stefan Aust

LV: Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex, 1985

Hauff und Aust verfilmten, basierend auf den Protokollen des Gerichts, den Prozess in Stammheim gegen die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Ulrike Meinhof.

Der sehr selten im Fernsehen gezeigte, karge Film erhielt 1986, nach einem Streit in der Jury, den Goldenen Bären.

Derzeit wird, auch vor meiner Haustür, unter der Regie von Uli Edel, nach einem Drehbuch von Bernd Eichinger, das ganze Buch von Stefan Aust verfilmt. Diese Version (Remake kann es nicht genannt werden) gerät sicher opulenter.

Mit Ulrich Pleitgen, Ulrich Tukur, Therese Affolter, Sabine Wegner, Hans Kremer

Wiederholungen:

Montag, 29. Oktober, 14.55 Uhr

Dienstag, 6. November, 14.55 Uhr

Arte zum Film


TV-Tipp für den 23. Oktober

Oktober 23, 2007

ZDF, 21.00

Terrorziel Deutschland – Tödlicher Wettlauf zwischen Ermittlern und Fanatikern (D 2007, R.: Elmar Theveßen, Souad Mekhennet, Christoph Röckerath)

Drehbuch: Elmar Theveßen, Souad Mekhennet, Christoph Röckerath

45-minütige Doku der „Frontal 21“-Redaktion über unsere islamistischen Terroristen.

Wiederholung: Mittwoch, 24. Oktober, 04.00 Uhr (Taggenau!)

(und wahrscheinlich in der ZDF Mediathek)

Weitere Informationen


TV-Tipp für den 22. Oktober

Oktober 22, 2007

ARD, 00.50

Der Kommissar und sein Lockvogel (F/I 1969, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965

Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen suchen.

Ewig nicht mehr gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.

„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)

Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin

Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)

Hinweise:

Lino Ventura-Fansite


TV-Tipp für den 21. Oktober

Oktober 20, 2007

Lino Ventura (14. Juli 1919 – 22. Oktober 1987)

Deshalb heute „Der Panther wird gehetzt“ – und in den kommenden Tagen weitere immer wieder sehenswerte Filme mit dem Europameister im Ringen

MDR, 00.15

Der Panther wird gehetzt (F/I 1960, R.: Claude Sautet)

Drehbuch: José Giovanni, Claude Sautet, Pascal Jardin

LV: José Giovanni: Classe tous risques, 1958 (Das Ende vor Augen)

Gangster Abel Davos kehrt aus seinem italienischen Versteck nach Frankreich zurück. Seine alten Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen. Nur der Einzelgänger Eric Stark hält zu ihm.

Tolles Unterweltdrama über die letzten Tage eines Gangsters. Jean-Pierre Melville war begeistert. „Für mich bedeutete dieser Film einen Wendepunkt in meiner Karriere, rein gefühlsmäßig zählt er sehr viel. Er gehört zu jenen Filmen, die ich liebe. Aber das ist ganz persönlich.“ (Lino Ventura)

Damals fand die kirchliche Filmkritik keine lobenden Worte: „Was soll eigentlich der Film? Eine spannende Handlung hat er nicht zu bieten…Dann wird zu unserer berechtigten Empörung das Leben eines Verbrechers ganz unverfroren als Beruf hingestellt. In der gleichen Weise wird die Freundestreue hier so erstaunlich gewürdigt, dass man beinahe vergisst, dass hier Menschen durch Gewaltverbrechen aneinander gebunden sind. Die Kinder des Panthers sind schließlich noch der Gipfel der Unverfrorenheit, denn sie dienen nur dem Zweck, den eiskalten Mörder außerberuflich zum rührenden Familienvater zu verklären.“ (Evangelischer Filmbeobachter)

Mit Lino Ventura, Jean-Paul Belmondo, Sandra Milo

Wiederholung:

RBB, Mittwoch, 24. Oktober, 22.35 Uhr


TV-Tipp für den 20. Oktober

Oktober 19, 2007

Nicht weil der Film so gut ist, sondern weil die viel witzigere Vorlage von Carl Hiaasen ist:

RTL II, 22.10

Striptease (USA 1996, R.: Andrew Bergman)

Drehbuch: Andrew Bergman

LV: Carl Hiaasen: Striptease, 1993 (Striptease)

Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozeß in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.

Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle

Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden

Wiederholung um 02.45 Uhr

Hinweise:

Homepage von Carl Hiaasen

Meine Besprechung von „Sumpfblüten“ (Nature Girl, 2006)

Meine Besprechung von „Der Reinfall“ (Skinny Dip, 2004)

Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999)

Meine Besprechung von „Unter die Haut“ (Skin Tight, 1989)