R. i. P. Konrad Heidkamp

Januar 14, 2009

R. i. P. Konrad Heidkamp (5. August 1947 – 11. Januar 2008)

Seit 1988 war er der Jazzkritiker der „Zeit“. Davor schrieb er für die taz. Er veröffentlichte Bücher wie „In the mood – Literarische Jazzgeschichten“,  „It’s all over now – Musik einer Generation, 40 Jahre Rock und Jazz“ und „Sophisticated Ladies – Junge Frauen über 50“, und er war der Kinder- und Jugendbuchredakteur der „Zeit“.

Seine Kritiken waren immer eine Verführung zum Musikhören.

Nachrufe gibt es in der Berliner Zeitung (Christian Broecking – ein anderer guter Jazzkritiker) und im Tagesspiegel (Kai Müller). „Die Zeit“ hat anstelle eines Nachrufs nur eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Nachtrag: In der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ vom 15. Januar 2009 ist ein sehr schöner und ausführlicher Nachruf von Claus Spahn: Leidenschaft aus tiefer Ruhe.


R. i. P. Pat Hingle

Januar 6, 2009

R. i. P. Pat Hingle (19. Juli 1924 – 3. Januar 2008)

Hoffentlich geht das nicht so weiter. Hollywood-Schauspieler Pat Hingle starb am Samstagsabend in seinem Haus in Carolina Beach. Er hatte Blutkrebs.

Hingle ist vor allem als Nebendarsteller aus zahlreichen Filmen und TV-Serien bekannt. Seinen ersten, ungenannten Auftritt hatte er in „Die Faust im Nacken“. Marlon Brando traf er wieder in „Der häßliche Amerikaner“. Hingle spielte in „Hängt ihn höher“, „Bloody Mama“, „Die Supercops – Zwei irre Hunde“, „Der Mann, der niemals aufgibt“, „Dirty Harry kommt zurück“ (sein dritter Spielfilm mit Clint Eastwood), „Der Falke und der Schneemann“, „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ (das Regiedebüt von Stephen King), „The Grifters“ (Donald Westlake schrieb das Drehbuch), „Batman“, „Batmans Rückkehr“, „Batman Forever“ und „Batman & Robin“ (immer als Commissioner James Gordon) und „Shaft – Noch Fragen?“ mit. Sein letzter Film „Undoing Time“ hat noch keinen deutschen Starttermin.

Nachrufe gibt es bei Ain’t it cool, L. A. Times, Times Online und der New York Times.


R. i. P. Johannes Mario Simmel

Januar 3, 2009

R. i. P. : Johannes Mario Simmel (7. April 1924 – 1. Januar 2009)

Was für ein trauriger Jahreswechsel. Zuerst Donald E. Westlake und einige Stunden später Johannes Mario Simmel. Er starb am Neujahrstag im schweizerischen Zug.

Der ehemalige Journalist Johannes Mario Simmel war einer der deutschsprachigen Bestsellerautoren der Nachkriegszeit. Seine ersten Romane waren Satiren und Kriminalromane. Später wurde er zum Unterhaltungs- und Thrillerautor (auch wenn er hier so nicht bezeichnet wurde), der im Rahmen einer spannenden und seitenstarken Geschichte aktuelle Probleme thematisierte. Er schrieb auch das mit Heinz Rühmann verfilmte Theaterstück „Der Schulfreund“ und in den Fünfzigern mehrere Drehbücher. „Es muss nicht immer Kaviar sein“ und „Diesmal muss es Kaviar sein“ sind die bekanntesten frühen Simmel-Verfilmungen. In den Siebzigern gab es dann eine ganze Schwemme von Simmel-Verfilmungen.

Seine bekanntesten Werke, die vor allem in den Sechzigern und Siebzigern erschienen,  sind „Affäre Nina B.“, „Es muss nicht immer Kaviar sein“, „Liebe ist nur ein Wort“, „Lieb Vaterland magst ruhig sein“, „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, „Der Stoff aus dem die Träume sind“, „Hurra, wir leben noch“ und „Doch mit den Clowns kamen die Tränen“.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, taz (Christian Fürst, dpa-Meldung), Stern (wieder Christian Fürst, dpa), Die Welt (Hendrik Werner), FAZ, Süddeutsche Zeitung (Fritz Göttler)und im Krimiblog.


R. i. P. Donald E. Westlake

Januar 2, 2009

R. i. P. Donald E. Westlake (12. Juli 1933 – 31. Dezember 2008)

Das ist eine sehr traurige Meldung und kein guter Jahresanfang: Donald Westlake hatte während eines Urlaubs in Mexiko auf dem Weg zu einem Silvesterdinner einen tödliche Herzanfall.

Westlake schrieb seit seinem ersten Roman „The Mercenaries“ (1960) unter verschiedenen Pseudonymen eine dreistellige Zahl von Kriminalromanen. Am bekanntesten sind seine Comic-Crime-Serie mit dem glücklosen Einbrecher John Dortmunder und die Hardboiled-Serie um den Einbrecher Parker (die er als Richard Stark schrieb).  Aber auch die von  Tucker Coe geschriebenen Mitch-Tobin-Romane sind von ihm. Viele seiner Bücher wurden verfilmt. Am bekanntesten sind „Point Blank“, „Vier schräge Vögel“, „Eine Blondine zuviel – Two much“, „Payback – Zahltag“ und „Die Axt“.

Für die Jim-Thompson-Verfilmung „The Grifters“ schrieb er das Oscar-nominierte Drehbuch. 1993 ernannte Mystery Writers of America ihn zum Grandmaster.

Ein großartiger Autor, der kein schlechtes Buch geschrieben hat, ist von uns gegangen.

In der New York Times gibt es einen lesenswerten Nachruf von Jennifer Lee. Weitere Informationen über Westlake und eine aktuelle Liste von Nachrufen gibt es bei Sarah Weinman.

Als großer Donald-E.-Westlake-Fan feierte ich in den vergangenen Jahren diese Werke und die Parker-Serie (die er als Richard Stark schrieb) ab:

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „What’s so funny?“

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „Watch your back!“

Meine Besprechung des Dortmunder-Kurzromans „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Vorstellung der Parker-Serie, die Westlake als Richard Stark schreibt

Meine Besprechung des Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung der Parker-Romane „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Frühwerks „Mafiatod“ (361)

Nachtrag (2. Januar): Einen kurzen Nachruf gibt es bei Spiegel Online (von „dan“, mit dem vor Unwissenheit glänzenden Anfang „Erst letztes Jahr entdeckten ihn die deutschen Leser:“. Denn Westlake ist auch für deutsche Leser ein alter Bekannter.), Frankfurter Rundschau (kurze dpa-Meldung) und Focus (die kurze AP-Meldung).


Hinweise: Horst Tappert gestorben, Glauser-Abend in Berlin, Letzter Band der Fauser-Edition erscheint, Tipp: Deaver-Thriller über Datenschutz, „Für alle Fälle Fitz“-DVD, Amazon-Bestsellerliste

Dezember 16, 2008

R. i. P. Horst Tappert (26. Mai 1923 – 13. Dezember 2008)

Von 1974 bis 1998 war Horst Tappert Oberinspektor Stefan Derrick. Herbert Reinecker schrieb die 281 Folgen, das ZDF strahlte sie freitags aus, jeder Heranwachsende genoss seine Portion „Derrick“ (die Eltern erlaubten schon früh diese moralisch einwandfreie, weltfremde Stunde Mord und Totschlag) und zog später bessere Programme vor.

Vor „Derrick“ spielte Tappert in den erfolgreichen TV-Mehrteilern „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ und „Das Halstuch“ mit. Zu seinen Kinofilmen gehören „Wir Wunderkinder“, der Jerry-Cotton-Film „Die Rechnung – eiskalt serviert“, und die Edgar-Wallace-Filme „Der Hund von Blackwood Castle“, „Der Gorilla von Soho“, „Der Mann mit dem Glasauge“ und, nicht zum offiziellen Kanon gehörend, „Der Teufel kam aus Akasawa“. Sein letzter „Auftritt“ war 2004 in dem gefloppten Zeichentrickfilm „Derrick – Die Pflicht ruft!“.

Nachrufe gibt es bei Bunte, Spiegel Online, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung (von Willin Winkler), Tageszeitung und Die Welt.

Es hat schon etwas von einem Treffen der Giganten: Am 17. Dezember, um 20.00 Uhr reden Frank Göhre und Thomas Wörtche im Literaturforum des Brecht-Hauses (Chausseestraße 125, Berlin, zwischen den U-Bahnhöfen Zinnowitzer Straße und Oranienburger Tor) anlässlich des siebzigsten Todestages von Friedrich Glauser über den Erfinder von Wachtmeister Studer.

Frank Göhre veröffentlichte zuletzt den hochgelobten biographischen Roman „MO – Der Lebensweg des Friedrich Glauser“ und Krimiexperte Thomas Wörtche ist auch als Gründer der Krimireihe „metro“ im Unionsverlag (der auch das Gesamtwerk von Glauser veröffentlichte) bekannt.

Ergänzender Buchtipp: Der Schweizer Verlag „NIMBUS – Kunst und Bücher“ veröffentlichte vor wenigen Tagen „Pfützen schreien so laut ihr Licht – Gesammelte Gedichte“ und „Man kann sehr schön mit dir schweigen – Briefe an Elisabeth von Ruckteschell und die Asconer Freunde 1919 – 1932“ von Friedrich Glauser. Beides dürfte vor allem für die Hardcore-Fans sein.

Ebenfalls eher für die Hardcore-Fans ist der letzte Band der Jörg-Fauser-Edition im Alexander-Verlag. Denn dieser, so der Verlag, erscheint demnächst:

Nach langem und nun endlich beendetem Rechtsstreit, freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass im Februar 2009 der letzte Band der Jörg-Fauser-Edition erscheinen wird.

Der Strand der Städte“ enthält alle journalistischen Arbeiten, die Jörg Fauser zwischen 1959 und 1987 publiziert hat; Essays, Kolumnen, Reportagen, von denen die meisten hier erstmals in Buchform erscheinen. Auf ca. 1600 Seiten „kann man den ganzen Fauser-Kosmos wieder finden“ (FAZ am Sonntag).

Im Juli 2009 veröffentlicht Diogenes eine Fauser-Werkausgabe in neun Bänden. Bitte beachten Sie, dass der im Zürcher Verlag erscheinende Essayband nur eine kleine Auswahl der journalistischen Arbeiten Fausers enthält.

Bei den zahlreichen Datenschutzskandalen der vergangenen Wochen (zuletzt hat es die Berliner Landesbank erwischt) und dem schnellen Handeln der Politik (Ein besseres Datenschutzgesetz ist auf dem Weg und nach einer äußerst knappen Übergangsfrist von drei Jahren – DREI JAHRE? Oh, Mann, das ist schnell.) will ich ein Buch für den weihnachtlichen Gabentisch empfehlen:

Jeffery Deaver: Lautloses Duell

(übersetzt von Gerald Jung)

Goldmann, 2009

512 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The Blue Nowhere

Simon & Schuster, 2001

In dem Thriller erzählt Deaver von dem Kampf zwischen einem Mörder, der sich in die Computer seiner Opfer einkackt einhackt (wegen der Jugendfreiheit), und einem inhaftiertem Computergenie, der ihn fangen soll.

Ein hochrangiger Datenschutzexperte hat mir vor wenigen Wochen das Buch empfohlen. Er sagte, es schildere die Gefahren des illegalen Hackens sehr genau und realistisch. Nachdem die Regierung als großes Projekt zum Schutz der Bürger die Online-Durchsuchung von Computern wollen, ist ein wenig Fachwissen empfehlenswert

Und jetzt will ich die nächste „Für alle Fälle Fitz“-DVD einschieben. Die grandiose Serie erschien vor wenigen Tagen vollständig in einer schön gestalteten Box. Auch sie ist ein gutes Weihnachtsgeschenk.

P. S.: Eher eine Nicht-Kaufen-Liste ist dagegen die Amazon-Krimibestsellerliste. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie Charlotte Links „Die letzte Spur“ auf den ersten Platz kommen konnte (Hat die wirklich so viele Bücher verkauft?), warum Frank Schätzings „Der Schwarm“ immer noch auf dem 23. Platz ist und warum so wenige der üblichen Verdächtigen auf der Liste sind.

Immerhin hat es Hugh Laurie mit „Bockmist“, nach Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“, auf den dritten Platz (Irgendwie muss „Dr. House“ sich bei Amazon grandios verkaufen.) und Harlan Coben mit „Das Grab im Wald“ auf den 26. Platz geschafft.


R. i. P. John Michael Hayes

Dezember 5, 2008

R. i. P. John Michael Hayes (11. Mai 1919 – 19. November 2008)

Eben erst habe ich bei Cinema Retro entdeckt, dass Drehbuchautor John Michael Hayes tot ist. Er schrieb die Drehbücher zu den Hitchcock-Klassikern „Das Fenster zum Hof“ (Rear Window, 1953), „Über den Dächern von Nizza“ (To catch a thief, 1954), „Immer Ärger mit Harry“ (The trouble with Harry, 1954) und „Der Mann, der zuviel wusste“ (The man who knew to much, 1955). Danach schrieb er unter anderem die Drehbücher zu „Glut und Asche“ (Peyton Place, 1957), „Telefon Butterfield 8“ (Butterfield 8, 1960), „Infam“ (The children’s hour, 1961) und „Nevada Smith“ (1966). Mehrere seiner Bücher wurden für wichtige Filmpreise nominiert. Für „Das Fenster zum Hof“ erhielt er einen Edgar. 2004 erhielt er von der Writers Guild of America den Laurel Award for Screen Writing Achievement.

Nachrufe gibt es in der L. A. Times, New York Times, The Independent, und in der Süddeutschen Zeitung gab es immerhin eine Kurzmeldung.


Hinweise auf Drehbücher, eine Max-Allan-Collins-Verfilmung und Peter W. Jansen ist gestorben

November 17, 2008

Via Simply Scripts habe ich von einigen Drehbüchern zu neuen Filmen, die teilweise ins Rennen um den Drehbuch-Oscar geschickt werden, erfahren. Es sind:

Wall-E – Undated, unspecified draft script by Andrew Stanton & Jim Reardon (original story by Andrew Stanton & Pete Docter)

Eagle Eye – March 28, 2008 draft script by John Glenn and Travis Wright, J. R. Orci, Alex Kurtzman and Roberto Orci, J. J. Abrams current revisions by Hillary Seitz

The Dark Knight – undated, unspecified draft script by Jonathan Nolan & Christopher Nolan

Max Payne – August 24, 2007 4th draft script by Beau Michael Thorne (based on the Remedy and 3-D Realms video game written by Sam Lake)

Der ‘letzte” Quarry-Roman “The Last Quarry” von Max Allan Collins wurde verfilmt. Im Moment tingelt der gut besetzte Low-Budget-Streifen durchaus erfolgreich über die verschiedenen Festivals. Die Homepage für „The Last Lullaby“ sieht jedenfalls professionell aus; die Filmbilder vielversprechend. Jeffrey Goodman führte Regie. Peter Biegen und Max Allan Collins schrieben das Drehbuch. Tom Sizemore, Sasha Alexander, Sprague Grayden, Bill Smitrovich, Ray McKinnon und Omid Abtahi spielen mit.

In Deutschland wird’s hoffentlich für eine DVD-Premiere (an einen Kinostart will ich überhaupt nicht denken) reichen.

R. i. P.: Peter W. Jansen (11. November 1930 – 15. November 2008)

Eben entdeckt: Peter W. Jansen ist am Samstag, den 15. November, gestorben. Er war einer der großen Filmkritiker Deutschlands. Wolfram Schütte, der fast zwanzig Jahre zusammen mit Peter W. Jansen die „Reihe Film“ im Hanser-Verlag herausgegeben hat, hat einen liebevollen Nachruf geschrieben:

Seine sinnlich und persönlich formulierten Kritiken und Beiträge wurden getragen von einer eminenten filmhistorischen und -ästhetischen Kenntnis, angetrieben von einer unstillbaren Neugier und einer enthusiastischen Offenheit für alles Neue, Riskante, das in ihm einen luziden Fürsprecher und Verteidiger gegen den „Mainstream“ hatte, den er gar nicht verachtete – wo er in ihm das Gelungene erkannt hatte. Denn PWJ war weitherzig in seiner geradezu erotischen Beziehung zum Kino, der eine ebenso intensive berufliche Professionalität und jederzeit entflammbare Arbeits- & Formulierungslust zur Seite stand.

In der FAZ gibt es einen Nachruf von Andreas Kilb:

Jansen war mehr als ein Kenner und Könner, er hat unseren Blick geprägt – auf Filme ebenso wie auf das Schreiben und Reden über Film.

Im Tagesspiegel einen von Jan Schulz-Ojala:

Journalistenleben, gemacht fürs schnelle Schreiben und Versenden, produzieren selten Vermächtnisse. Und doch: Jansen hat, mit jener immens fleißigen Beiläufigkeit, die ihn auszeichnete, eines geschaffen.

und in der FR einen von Daniel Kothenschulte:

Peter W. Jansen war ein Vorbild, was immer er tat. Er erstritt dem Film in Deutschland maßgeblich den Rang als Kulturgut, schon weil er sich so kultiviert damit auseinandersetzte: Àllwöchentlich im ZDF-Kulturmagazin aspekte, regelmäßig in Tageszeitungen wie der Frankfurter Rundschau und permanent im Bücherregal, da wo die blauen Hanser-Bändchen ihren dauerhaften Platz gefunden haben.


R. i. P. Michael Crichton

November 6, 2008

R. i. P. Michael Crichton (23. Oktober 1942 – 4. November 2008)

Der Autor, Regisseur und auch Arzt starb am Dienstag in Los Angeles als 66-jähriger an Krebs. Sein Studium verdiente er sich mit Krimis, die er unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte. Eines davon war John Lange. Hard Case Crime veröffentlichte von acht Lange-Werken jüngst das Edgar-nominierte „Grave Descend“ und „Zero Cool“. Bekannt wurde er mit dem S-F-Werk „The Andromeda Strain“ (Andromeda). Kurz darauf drehte er nach seinem Drehbuch den S-F-Thriller „Westworld“. 1978 nach seinem auf Tatsachen basierendem Roman „The great train robbery“ (Der große Eisenbahnraub) den gleichnamigen Film.

In den folgenden Jahren stand sein Name für die kommerziell erfolgreiche Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, ethnischen Fragen nach den Grenzen der Wissenschaft und einer spannenden Geschichte, die öfters auch einen S-F-Touch hatte. „Sphere“ (Die Gedanken des Bösen), „Congo“, Jurassic Park“, „Rising Sun“ (Nippon connection), „Disclosure“ (Enthüllung) und „State of Fear“ (Welt in Angst) waren Bestseller und, öfters die Vorlage, für Kinohits.

Daneben ist er auch für die langlebige Krankenhausserie „Emergency Room“ verantwortlich.

Nachrufe gibt es bei The Rap Sheet, Sarah Weinman (mit einem Statement von HCC-Herausgeber Charles Ardai), Huffington Post (AP-Journalistin Colleen Long), New York Times (derzeit nur Meldungen und ein Statement von Steven Spielberg, aber ein Nachruf folgt noch). SpiegelOnline (AFP), NZZ (dpa), Tagesspiegel (Gisela Ostwald), Frankfurter Allgemeine Zeitung (Hannes Hintermeier) und Süddeutsche Zeitung (Thomas Steinfeld).


R. i. P. Tony Hillerman

Oktober 28, 2008

R. i. P. Tony Hillerman (27. Mai 1925 – 26. Oktober 2008)

Als Tony Hillerman das Manuskript für „The Blessing Way“ (Wolf ohne Fährte) herumreichte, rieten die Verleger ihm, das Indianerzeug wegzukürzen und sich auf den Kriminalfall zu konzentrieren. Hillerman tat’s nicht, fand schließlich einen Verleger und mit der Serie um die Navajo-Polizisten Joe Leaphorn und Jim Chee, die anfangs allein und später gemeinsam auftraten, wurde er ab 1970 zu dem Chronist einer untergehenden Kultur. In seinen besten Indianerromanen waren die Verbrechen und die Mythen der Navajos und der benachbarten Indianerstämme untrennbar miteinander verbunden. Seine letzten Romane erreichten nicht mehr die Qualität der ersten Romane. Für seine Romane erhielt er unter anderem den Edgar, den Anthony, den Macavity, den Nero Wolfe Award, den Western Writers Silver Spur und 1991 wurde er zum Grandmaster der Mystery Writers of America (MWA). Aber am meiste bedeutete Hillerman der ihm 1987 von den Navajos verliehene „Special Friends of the Dine“-Preis.

„Tony Hillerman was one of the great writers and great gentlemen of mystery fiction.“ sagt Ed Gorman.

Hillermans letzter Leaphorn/Chee-Roman „The Shape Shifter“ erschien 2006 und ist noch nicht ins Deutsche übersetzt worden.

Bei „The Rap Sheet“ gibt es neben einem Nachruf weitere Links.  Ebenso bei Sarah Weinman. Sie verlinken auch auf den Nachruf der AP-Journalistin Amanda Lee Myers (abgedruckt in der Washington Post oder Huffington Post),

In Deutschland wird Hillermans Tod (nach dem James-Crumley-Armutszeugnis) nicht nur in den einschlägigen Seiten, wie Alligatorpapiere und Krimiblog, sondern auch in einigen Tageszeitungen, wie der Frankfurter Rundschau (dpa-Meldung),  erwähnt.


Hinweise: Kollegen über Gregory Mcdonald, Barry Eisler über den US-Wahlkampf, Jack Reacher im Kino – und vieles mehr

Oktober 7, 2008

Bei The Rap Sheet schreiben zahlreiche bekannte Autoren, unter anderem Joe R. Lansdale, Don Winslow, Ken Bruen, Markus Sakey und Robert Eversz, um nur die in Deutschland bekannten Namen zu nennen, über den unlängst verstorbenen „Fletch“-Erfinder Gregory Mcdonald und dessen Bedeutung für sie und die Kriminalliteratur.

Allan Guthrie (Abschied ohne Küsse) hat seinen Webauftritt überarbeitet. Sieht hübsch modern aus; – aber jetzt finde ich dort nichts mehr.

Barry Eisler ist von Sarah Palin immer noch nicht begeistert. Er fragt „Why do the Palins hate America?“ und kommentiert die Vizepräsidenten-Debatte:

I don’t think the regular-girl schtick brings in the undecideds. Here, the low expectations she had created with her recent interview disasters worked against her. The essential problem is that Palin has set expectations so low that even if she exceeds them, people will still recognize it’s not enough. Acting like a regular gal doesn’t change that dynamic; it worsens it. (…)

I think the best anyone could say for Palin is that she exceeded the stunningly low expectations her recent performances have established. I can’t imagine that a material number of undecideds watched this debate and decided based on it to vote for McCain/Palin (I can, however, easily imagine it picking up some undecideds for Obama/Biden). So the best you can say is that Palin avoided making things much worse for her ticket. Which is another way of saying that in November, Barack Obama will be elected president.

(Hoffentlich! Denn Sarah Palin ist absolut nicht geeignet für das Amt. Wer nach ihren letzten Interviews daran noch zweifelte, sollte einen Blick in die Vizepräsidenten-Debatte riskieren. Es ist schon erstaunlich, wie unkonkret sie antwortet – falls sie überhaupt antwortet. Joseph R. Biden Jr. ist einfach viel faktensicherer, beantwortet die Fragen und wirkte überzeugender als künftiger Vizepräsident.)

Die gesamte Vizepräsidenten-Debatte kann hier mit einem Transkript und weiteren Recherchemöglichkeiten angesehen werden.

Schnittberichte hat eine Liste der 2008 in Deutschland im Kino und auf DVD zensierten Filme veröffentlicht. Eine gerade für den Kinobereich beeindruckende Liste.

Josh Olsen (A History of Violence) schreibt das Drehbuch zur Lee-Child-VerfilmungOne Shot“ (Sniper). Wer Jack Reacher spielt, ist noch unklar.

Der Noir of the Week ist „Road House“ (Nachtclub-Lilly, USA 1948, Regie: Jean Negulesco, Drehbuch: Edward Chodorov, mit Ida Lupino, Cornel Wilde, Richard Widmark).

Die Okktober-Ausgabe von The Big Thrill ist online; mit Hinweisen auf die neuen Romane von Sean Chercover (mit Interview), Jeffrey Mariotte, Alex Klava (mit Interview), Raymond Benson (mit Interview zu dem James-Bond-Dreierband), Heather Graham und F. Paul Wilson (ein neuer Handyman-Jack-Roman).

Bei Murderati hat Alexandra Sokoloff einen weiteren Teil ihres Schreibseminars veröffentlicht: Story Structure – Act two, Part two. Lesenswert!


R. i. P.: Paul Newman

September 29, 2008

R. i. P.: Paul Newman (26. Januar 1925 – 26. September 2008)

Wir kennen und lieben den Schauspieler unter anderem aus „Haie der Großstadt“, „Ein Fall für Harper“, „Der zerrissen Vorhang“, „Man nannte ihn Hombre“, „Der Unbeugsame“, „Butch Cassidy und Sundance Kid“, „Das war Roy Bean“, „Der Mackintosh Mann“, „Der Clou“, „Unter Wasser stirbt man nicht“, „Buffalo Bill und die Indianer“, „The Bronx“, „The Verdict“, „Die Farbe des Geldes“, „Hudsucker – Der große Sprung“, „Im Zwielicht“ und „Road to Perdition“.

Michael Ballhaus sagt über Paul Newman:

Ich weiß nicht, ob es solche Männer nach ihm noch geben wird. Solche Karrieren. Ich glaube eigentlich nicht. Es braucht mehr als gute Rollen oder Schauspieltalent dazu. Bei Paul war es schon die ganze Persönlichkeit, die ihn so groß machte.

Alles weitere über den verstorbenen Filmstar erfahren Sie in den zahlreichen Nachrufen: The Rap Sheet, The New York Times, Berliner Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, Tageszeitung, Welt und Zeit.


R. i. P. Olov Svedelid; Übersetzer Blumenbach, Drehbuchautor Kirchner, Noir of the Week

September 25, 2008

R. i. P. Olov Svedelid (26. August 1932 – 22. September 2008)

Der Erfinder von Roland Hassel ist verstorben. Sveriges Radio schreibt:

Einer der produktivsten schwedischen Autoren, Olov Svedelid, ist gestorben. Er schrieb fast 190 Bücher. Sein letztes Werk erschien im Mai. Darin schrieb Svedelid von seinem Umgang mit der Diagnose Krebs und seinen Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem. Am bekanntesten war Svedelid für seine mehr als 20 Krimis um den Kommissar Roland Hassel, von denen etliche ins Deutsche übersetzt sind. Viele wurden mit Lars-Erik Berenett in der Hauptrolle verfilmt. Neben Detektivromanen und Krimis schrieb Svedelid auch historische Romane, Satiren, Biographien und Novellen. Svedelid starb im Alter von 76 Jahren.

Aus Deutschland gibt es, wie bei James Crumley, noch keine weiteren Meldungen. Aber einige aus Skandinavien: Stockholm Expressen, Sydsvenskan, Stockholm City und Vassa Eggen.

Die Leiden des Übersetzers. Die Süddeutsche Zeitung (Alex Rühle) traf Ulrich Blumenbach.

Ob die Welt wirklich ein Remake von „Die Brücke“ braucht, darf bezweifelt werden. Auch wenn die Pro7-Verantwortlichen nicht müde werden zu betonen, dass Bernhard Wicki damals den Roman von Gregor Dorfmeister nicht wirklich verfilmt habe (Na und? Sein Film ist ein Klassiker.), dass sie jetzt den Roman verfilmen wollten und, natürlich, alles mit sehr viel Respekt behandeln wollen.

Die Gedanken des Drehbuchautors Wolfgang Kirchner gibt es bei Stichwort Drehbuch. Das Remake läuft am Montag, den 29. September, um 20.15 Uhr. Das Original in der Nacht um 01.00 Uhr und anschließend, um 02.45 Uhr, wieder das Remake.

Der Noir of the Week ist – (Tusch) – “Der dritte Mann” (The third man).


R. i. P. James Crumley

September 19, 2008

R. i. P. James Crumley (12.  Oktober 1939 – 17. September 2008)

Via The Rap Sheet erreichte mich die Meldung von dem Tod des Hardboiled-PI-Autors. Zuletzt erschien in Deutschland sein Milo-Milodragovitch-Roman „Land der Lügen“ (The final country, 2001).  Crumleys literarischer Output ist überschaubar (sieben PI-Krimis in dreißig Jahren), aber dafür verehrten ihn (wie jetzt auch die Nachrufe im Internet zeigen) viele Krimiautoren als begnadeten Stilisten.

Nachrufe und Würdigungen gibt es von The Missoulian (Crumleys Lokalzeitung mit der ersten Meldung), Duane Swierzcynski(„We saw Crumley approaching the hotel bar, and part of me so very badly wanted to say hello, buy him a drink, tell him how much his work meant to me. But I couldn’t bring myself to do it. He was JAMES CRUMLEY for God’s sake, and who was I to bother him?„), Sarah Weinman, David Montgomery, James W. Hall ( „A wonderful writer, a great friend, and one-of-a-kind character who made Hunter Thompson seem tame and puritanical.“), Sean Doolittle(“ the hard-nosed, soft-sided, two-fisted, open-armed author/cult icon whose novels are routinely cited by many of today’s top writers in and out of crime fiction circles“), Dave White („The man meant a lot to me, though I only met him once.„), Robert Ferrigno („David Thompson, had called a week earlier and asked if I minded if they made it a joint appearance, me and Crumley. I told him I felt like Tiny Tim being asked to do a concert appearance with Pavoroti.“), Lee Goldberg („He wrote some of my favorite private eye novels.“) und Ed Gorman („I’ve read most of his novels at least three times. I agree with Otto Penzler that he was the finest hardboiled writer of the last three decades. His literary skills were enormous and all his own. When the dust settles on our time I expect it will be Crumley future readers and writers will acknowledge as the master.„).


R. i. P. Gregory Mcdonald

September 10, 2008

R. i. P. Gregory Mcdonald, 15. Februar 1937 – 7. September 2008

Via The Rap Sheet erreichte mich diese traurige Meldung: Gregory Mcdonald, der Erfinder von Fletch und zweimalige Edgar-Gewinner, ist tot.

Hier die Meldung zu seinem Tod, Sarah Weinmans kurze Meldung, Schriftstellerkollege Bill Crider und Gerald So dito. Aber der längste Nachruf ist immer noch von Cameron Hughes im Rap Sheet.

Nachtrag (15. September 2008): In der New York Times erschien ein schöner Nachruf von Margalit Fox; im Boston Globe einer von David Mehagan,  im Independent einer von Christopher Hawtree und in Deutschland Nix, Nada, Nichts.


R. i. P. Pierre Emme

Juli 29, 2008

R. i. P. Pierre Emme, 11. Juli 1943 – 8. Juli 2008

Eine traurige Meldung erreichte mich vom Gmeiner-Verlag:

Völlig überraschend ist am 8. Juli 2008 unser Wiener Autor Pierre Emme im Alter von 64 Jahren verstorben. Die Beisetzung fand am 22. Juli auf dem Friedhof Neustift am Walde im engsten Familien- und Freundeskreis statt.

Mit Pierre Emme hat der Gmeiner-Verlag einen wunderbaren Menschen und hervorragenden Autor verloren.

Pierre Emme ist das Pseudonym von Dr. Peter Millwisch. Er wurde am 11.7.1943 in Wien geboren. Der promovierte Jurist konnte auf ein abwechslungsreiches Berufsleben in so unterschiedlichen Tätigkeiten wie Reiseleiter, Versicherungssachbearbeiter, Geschäftsführer in der Nahrungsmittelindustrie, Journalist, Unternehmensberater und Marktforscher zurückblicken und damit für seine schriftstellerische Arbeit aus einem aus den unterschiedlichsten Quellen gespeisten Fundus an Erfahrungen und Erlebnissen schöpfen.

Im Februar 2005 veröffentlichte Pierre Emme im Gmeiner-Verlag mit „Pastetenlust“ den ersten Band seiner erfolgreichen Krimiserie um Mario Palinski, den kultigen Wiener Kriminologen mit der Vorliebe für kulinarische Genüsse. Insgesamt sind bislang acht Palinski-Krimis erschienen, zuletzt der Roman „Florentinerpakt“ im Juli 2008. Die herrlich schrägen Kriminalromane mit originellen Themen und dem typischen Wiener Schmäh haben Pierre Emme eine große Fangemeinde im deutschsprachigen Raum beschert.

Im Februar 2009 wird der neunte Palinski-Fall mit dem Titel „Schneenockerleklat“ erscheinen. Der kurz vor dem Tod des Autors fertiggestellte zehnte Roman wird derzeit für die Veröffentlichung vorbereitet.

Weitere Informationen über Pierre Emme gibt es hier, hier und hier. Krimiblogger Ludger hat die Todesnachricht ebenfalls gepostet. Einen kurzen Nachruf gibt’s beim Syndikat.


R. i. P. Thomas M. Disch und Janwillem van de Wetering – und einige Kurzmeldungen

Juli 9, 2008

R. i. P. Thomas M. Disch (2. Februar 1940 – 4. Juli 2008 )

Disch erschoss sich am 4. Juli in seinem Apartment in New York. Er war nach mehreren Schicksalsschlägen depressiv und sprach öfters von Selbstmord. Er gehörte zu den Science-Fiction-Autoren, die sich scharfsichtig mit der Gesellschaft auseinandersetzten. In seinem bekanntesten Werk „Camp Concentration“ (1968 ) beschreibt er ein totalitäres Amerika, in dem an missliebigen Intellektuellen, Kriegsdienstverweigerern und Afroamerikanern medizinische Experimente durchgeführt werden. Er schrieb außerdem „The Brave Little Toaster: A Bedtime Story for Small Appliances“; die Vorlage zu dem Walt-Disney-Zeichentrickfilm „Der tapfere kleine Toaster“ (The Brave Little Toaster, USA 1987).

“The reason his science fiction is important is that he combined a kind of really dark Swiftian satire with a modernist, really postmodernist sensibility.” (Dana Gioia in NYT)

In Deutschland ist derzeit keines seiner Werke erhältlich. Im Original dagegen schon.

Nachrufe gibt es von Ellen Datlow, Edward Champion, Ed Gorman, Telegraph, LA Times und der New York Times.

R. i. P. Janwillem van de Wetering (12. Februar 1931 – 4. Juli 2008 )

Der Niederländer war Polizist der Reserve, Kaufmann, Weltenbummler (er lebte in Südafrika, Japan, England, Südamerika, Australien und den USA), las einen schlechten Kriminalroman, dachte, er könne es besser und schrieb einen besseren Roman.

„Weterings Erzählungen sind Kabinettstückchen, nicht aufregend, nicht spektakulär, sie gleichen Parabeln und sind darum auch doppelbödig.“ (Rudi Kost/Thomas Klingenmaier: Steckbriefe)

Seine ersten Erfolge hatte er mit den in Amsterdam spielenden Polizeiromanen mit Adjutant Henk Grijpstra und Sergeant Rinus De Gier. Er schrieb auch Geschcihten mit dem japanischen Inspector Saito und autobiographische Werke über seine Zeit in einem Zen-Kloster in Kyoto, Japan.

Nachrufe gibt es bei Sarah Weinman, Ludger Menke, und Radio Netherland Worldwide.

Die Juli-Ausgabe der Krimi-Couch ist online. Dieses Mal werden unter anderem Friedhelm Werremeiers „Taxi nach Leipzig„, Allan Guthries „Abschied ohne Küsse„, Sebastian Faulks „Der Tod ist nur der Anfang“, Gianluca Morozzis „Panik“ und Ian Rankins „Eindeutig Mord“ besprochen.

Ebenfalls ist die Juli-Ausgabe von The Big Thrill, der Online-Zeitschrift der International Thriller Writers, online. In ihr finden sich neben Hinweisen auf Neuerscheinungen auch längere Artikel über und Interviews mit Brad Thor, David Hewson, P. J. Parrish und Ridley Pearson.

Nachdem Thomas Wörtche im Titel-Magazin vor allem die Hard-Case-Crime-Serie kräftig zusammenfaltet, erntete er bei Krimileser Bernd (Dort stehen die Fakten, die Wörtches Meinung als, hm, etwas seltsam erscheinen lassen.) und Krimiblogger Ludger, beide Male auch in den Kommentaren, den nötigen Gegenwind. Watching-the-Detectives dpr verteidigte Wörtche. Ebenso Gohlis.

Das ist eine erfreuliche Meldung: Crimespree Cinema schreibt, dass in den USA am 7. Oktober eine Doppel-DVD des Orson-Welles-Klassikers „Touch of Evil“ (Im Zeichen des Bösen, USA 1958 ) erscheint. Auf der DVD sind drei Versionen des Films, mehrere Audiokommentare und Features; – kurz: das ist genau die Fassung, auf die ich seit Jahren warte.

Wann (und ob) die Doppel-DVD in Deutschland erscheint, ist noch unklar.


R. i. P. Stan Winston, R. i. P. Esbjörn Svensson, Noir of the Week, Kurzgeschichten online, Doomsday zensiert

Juni 17, 2008

R. i. P. Stan Winston (7. April 1946 – 15. Juni 2008 )

Ihm verdanken wir die Spezialeffekte und das Make-Up in zahlreichen Horror- und Science-Fiction-Filmen, wie „Terminator“, „Aliens“, „Predator“, „Edward mit den Scherenhänden“, „Small Soldiers“, „Jurassic Park“, „A. I. – Künstliche Intelligenz“ und, zuletzt, „Iron Man“.

Die erste Meldung fand ich in „Film – Blogging The Reel World„. Weitere Meldungen/Nachrufe in der LA Times (Blog), Hollywood Reporter, Fox News (AP-Meldung),  und Filmjournalisten.

R. i. P. Esbjörn Svensson (16. April 1964 – 14. Juni 2008 )

Der Jazzpianist (e. s. t.) starb bei einem Tauchunfall.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, Stern, Faz, Die Welt, Süddeutsche Zeitung, Titel-Magazin und bei All about Jazz (die Meldung und ein Video-Tribute).

Der Noir of the Week ist „Red Light“ (Rotes Licht, USA 1949).

Die Sommerausgabe von Spinetingler ist – unter anderem mit Geschichten von Steve Mosby und Allan Guthrie – online. Noch mehr Kurzgeschichten gibt es bei Demolition Magazine – New Pulp on the Web.

Und noch ein Film, den ich mir nicht im Kino ansehen werde: „Doomsday – Tag der Rache“ (GB 2008, Regie/Buch: Neil Marshall). In den harten Endzeitfilm dürfen nur Erwachsene gehen – aber auch die dürfen, wie Schnittberichte verrät, nicht alles sehen.


R. i. P. Sydney Pollack

Mai 27, 2008

(1. Juli 1934 – 26. Mai 2008 )

Gestern starb Regisseur Sydney Pollack nach langer Krankheit im Kreis seiner Familie. Er lernte sein Handwerk beim Fernsehen und war als Spielfilmregisseur bekannt für gute Mainstream-Filme, in denen die Geschichte und die Schauspieler im Mittelpunkt stehen. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß“ (They shoot horses, don’t they?), „Jeremiah Johnson“, „Yakuza“ (The Yakuza), „Die drei Tage des Condors“ (Three days of the Condor), „Tootsie“, „Jenseits von Afrika“ (Out of Africa), „Die Firma“ (The Firm) und „Die Dolmetscherin“ (The Interpreter).

In den Neunzigern trat er auch eine Male in prägnanten Nebenrollen auf. In Stanley Kubricks letztem Film „Eyes Wide Shut“ spielte er Victor Ziegler. In Tony Gilroys Debüt „Michael Clayton“ Marty Bach.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online (und jetzt auch ein längerer Nachruf von Christian Buß), NZZ (AP-Meldung), Süddeutsche Zeitung, FAZ, New York Times (Michael Cieply) und weitere werden folgen.

Nachtrag: BR hat sein Programm geändert. Statt dem angekündigten Mankell-Film läuft um 23.25 Uhr die Romanze „Cherie Bitter – So wie wir waren“ (The Way we were, USA 1973) mit Barbara Streisand und Robert Redford (James Woods hat eine Nebenrolle). Das Drehbuch ist von Arthur Laurents (nach seinem Roman) und Regie führte natürlich Sydney Pollack.


Charlton Heston tot; Scribe-Nominierungen, The big Thrill, Diskussion über Buchbesprechungen, Schnittberichte und Drehbücher online

April 7, 2008

R. i. P.: Charlton Heston (4. Oktober 1923 – 5. April 2008 )

Zuletzt war er nur noch als seltsamer Waffennarr und Republikaner bekannt. Früher spielte er in einigen verdammt guten Filmen mit. Nicht die Bibelfilme, wie „Die größte Geschichte aller Zeiten“ und „Die zehn Gebote“ (als Moses), oder Monumentalfilme, wie „Ben Hur“ und „El Cid“, oder Katastrophenfilme, wie „Erdbeben“, oder die zahlreichen Kriegs- und Militärfilme, wie „U-Boot in Not“, „Schlacht um Midway“ und „Khartoum – Aufstand am Nil“ oder „55 Tage in Peking“ (die je nach Perspektive auch als Monumentalfilme durchgehen), oder den damals erfolgreichen, heute eher vergessenen Zirkusfilm „Die größte Show der Welt“ (die ihn damals als Hauptdarsteller in Hollywood etablierte) meine ich. Nein, bei allen Mängeln gehören die negativen Utopien, wie „Planet der Affen“, „Der Omega-Mann“ oder „Jahr 2022…die überleben wollen“ (alle drei Filme basieren auf bekannten Science-Fiction-Romanen), Western, wie „Der letzte der harten Männer“, „Der Verwegene“ (sein Lieblingsfilm), „Sierra Charriba“ und „Weites Land“, und natürlich der Noir „Im Zeichen des Bösen“ zu seinen besten Werken.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, Netzeitung, taz, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Los Angeles Times und New York Times.

Schon vor einigen Tagen hat die International Association of Media Tie-in Writers ihre Nominierungen für den diesjährigen Scribe Award bekannt gegeben:

Best General Fiction Original:

CSI NY: DELUGE (CSI: NY – Sintflut), von Stuart M. Kaminsky

MR. MONK AND THE TWO ASSISTANTS, von Lee Goldberg

MURDER SHE WROTE: PANNING FOR MURDER, von Jessica Fletcher & Donald Bain

CRIMINAL MINDS: JUMP CUT, von Max Allan Collins

Best General Fiction Adapted:

AMERICAN GANGSTER, von Max Allan Collins (nominee & winner)

Best Speculative Original:

LAST DAYS OF KRYPTON, von Kevin J. Anderson

STARGATE ATLANTIS CASUALTIES OF WAR, von Elizabeth Christiansen

STAR TREK: Q&A, von Keith R.A. DeCandido

Best Game-related Original (Special Scribe Award):

HITMAN, von William Dietz

FORGE OF THE MINDSLAYERS, von Tim Waggoner

NIGHT OF THE LONG SHADOWS, von Paul Crilley

Best Speculative Adapted

RESIDENT EVIL: EXTINCTION, von Keith R.A. DeCandido

52: THE NOVEL, von Greg Cox

30 DAYS OF NIGHT, von Tim Lebbon

Best Young Adult Original:

BUFFY THE VAMPIRE SLAYER: THE DEATHLESS, von Keith R.A. DeCandido

GOODLUND TRILOGY: VOLUME THREE: WARRIORS BONES, von Stephen D. Sullivan

Clue_crew NANCY DREW AND THE CLUE CREW #10: TICKET TROUBLE, von Stacia Deutsch & Rudy Cohon

Best Young Adult Adapted:

TWELVE DOGS OF CHRISTMAS, von Steven Paul Leiva (nominee & winner)

Der zweite Grandmaster der IAMTW ist Alan Dean Foster. Der Science-Fiction-Autor schrieb in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche erfolgreiche „Romane zum Film“. Am bekanntesten dürften seine Star-Trek-Romane, seine Alien-Romane, „Outland“, „Pale Rider, und „Krieg der Sterne“ (das er unter dem Pseudonym George Lucas schrieb) sein.

Die Scribe Awards werden im Juli auf der Comic-Con Convention in San Diego verliehen.

Die International Thriller Writers hat die April-Ausgabe von “The big Thrill” veröffentlicht. Wie immer sind viele, mangels Übersetzung, in Deutschland unbekannte Thriller-Autoren vertreten. Zu den auch hier bekannten Namen gehören Mary Higgins Clark, Raymond Benson, David Baldacci und Alex Klava.

Krimileser Bernd hat bereits auf die Serie von lesenswerten Posts von David J. Montgomery in seinem Crime Fiction Dossier, und die ebenso lesenswerten Kommentare dazu, über die Arbeit eines Rezensenten hingewiesen. Wann werden Bücher besprochen? Wann nicht? Soll ein Rezensent auch negative Besprechungen schreiben? Wenn ja: wie soll ein Verriss sein? Welche Fehler machen Verlage? Wann liest ein Rezensent ein Buch nicht? Zum Beispiel wenn der Prolog kursiv gedruckt ist. Davor schrieb Montgomery, wann ein Manuskript veröffentlicht wird.

Bei Schnittberichte gibt es einen Vergleich zwischen dem „Grindhouse“-Double-Feature und den bei uns im Kino gelaufenen Einzelfilmen „Death Proof“ von Quentin Tarantino und „Planet Terror“ von Robert Rodriguez. Dort gibt es auch weitere Schnittberichte zu den gekürzten deutschen Fassungen von „Miami Vice“ (damit die Trottel, die die gekürzten deutschen „Miami Vice“-Boxen kaufen, auch wissen, was ihnen entgeht. In England gibt es inzwischen schon eine Box mit allen „Miami Vice“-Staffeln.).

Und dann gibt es diese krimiaffinen Drehbücher online:

Lawrence D. Cohen: Carrie (basierend auf dem Roman von Stephen King für den Klassiker von Brian de Palma)

George Goldsmith: Children of the Corn (“Kinder des Korn” basiert auf einer Stephen-King-Kurzgeschichte und war erfolgreich genug für etliche Fortsetzungen, die noch schlechter als das Original sein sollen.)

Steve Niles (überarbeitet von Stuart Beattie und Adi Hasak): 30 Days of Night (basierend auf der Graphic Novel von Niles und Templesmith)

Skip Woods: Hitman (eine bleihaltige Comicspielverfilmung. Gibt es auch andere?)

Von „Verlockende Falle“ (die nette Caperkomödie mit Sean Connery, Catherine Zeta-Jones und Ving Rhames) gibt es gleich mehrere Fassungen:

Ron Bass: Entrapment – Erste Fassung

Ron Bass: Entrapment – Achte Fassung

Ron Bass: Entrapment – Zehnte Fassung (beide Überarbeitungen sind von Don Macpherson und William Broyles Jr.)

Die verschiedenen Fassungen dürften vor allem für die wirklichen Fans und Wissenschaftler interessant sein. Donovan meint: “The Tenth Draft is a surprisingly good read.”


R. i. P. Jules Dassin

April 2, 2008

R. i. P. Jules Dassin (18. Dezember 1911 – 31. März 2008 )

Selbst wenn er nur „Rififi“ und „Topkapi“ gedreht hätte, wäre ihm ein Platz in der Filmgeschichte sicher. Aber er drehte auch „Naked City“, „Die Ratte von Soho“, „Sonntags nie“ und natürlich „Das Gespenst von Canterville“. Außerdem war er ein wirklicher Weltbürger: 1911 wurde er als Sohn russisch-jüdischer Emigranten in Middletown, Connecticut (USA), geboren. Er war einige Jahre Mitglied der Kommunistischen Partei. In der McCarthy-Ära erhielt er wie viele Hollywood-Künstler ein Berufsverbot. Dassin wanderte nach Europa aus. Er lebte lange in Frankreich und zog 1974 mit seiner Frau, der Schauspielerin und Kulturministerin Melina Mercouri nach Griechenland.

Nachrufe gibt es bei der Spiegel online, Welt, Süddeutsche, Tageszeitung (Schweiz), BBC News, USA Today (von AP), LA Times und die New YorkTimes.