Neu im Kino/Filmkritik: Das wirklich, wirklich wahre Biopic „Abraham Lincoln, Vampirjäger“

Oktober 4, 2012

Bis Steven Spielbergs anscheinend sehr staatstragender Abraham-Lincoln-Film „Lincoln“ in die Kinos kommt, können wir uns mit Timur Bekmambetows Version von Abraham Lincolns Leben vergnügen. Der „Wanted“-Regisseur wagt in seinem Biopic einen neuen Blick auf das Leben von Abraham Lincoln (12. Februar 1809 – 15. April 1865). Danach, wie schon Seth Grahame-Smith in seiner lesenswerten Biographie „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ enthüllte, war Abraham Lincoln nicht nur Ehemann, Vater, Präsident der USA und Befreier der Sklaven, sondern auch ein sehr erfolgreicher Vampirjäger.

In seinem Roman folgt Seth Grahame-Smith den Konventionen einer Biographie, in dem er Lincolns Leben scheinbar objektiv von seiner Geburt bis zum Tod schildert, seine Behauptungen mit Bildern und Fußnoten erhärtet, peinlich genau auf die Schreibfehler in Abraham Lincolns lange verschwundenen Tagebüchern hinweist und natürlich die große Enthüllung macht, die zum Kauf des Buches animieren soll: Abraham Lincoln war Vampirjäger – und weil der Biograph Seth Grahame-Smith von Henry Sturges, einem Freund Lincolns, im heutigen New York die Tagebücher, über die es lange Zeit nur Gerüchte gab und deren Existenz von Historikern bezweifelt wurde, erhalten hat und Grahame-Smith auch mit einigen, hm, Zeitzeugen reden konnte, kann er wirklich neues über Abraham Lincoln berichten. Der Roman ist ein großer Spaß.

Für den Film nahmen sich die Macher dann, wie auch in anderen Biopics, zahlreiche Freiheiten, die Historiker die Wände hochgehen lassen, aber das Leben filmisch dramatisieren und auf die gängigen filmischen Konventionen hinbiegen. Da wird Abraham Lincolns Kampf gegen die Vampire zu einer zutiefst persönlichen Angelegenheit, die in einem großen Kampf von Lincoln gegen Adam, den für den Film erfundenen Anführer der Vampire, mündet. Ein Kampf, der auch über das Ende des Bürgerkrieges entscheidet. Dabei ist dieser Krieg, im Film, kein Krieg über die Zukunft der Sklaverei, sondern über die Zukunft Amerikas, das, wenn Lincoln verliert, ein Vampirstaat wird. Denn für die Vampire sind die Sklaven eine unerschöpfliche Quelle von billigen Mahlzeiten.

Schon davor geht es heftig zur Sache, wenn Abrahm Lincoln, dessen Leben im Film von 1820 bis 1865 episodenhaft geschildert wird, mit seiner Lieblingswaffe, einer Axt (Oookay, vielleicht nicht wirklich die beste Waffe, um gegen Vampire vorzugehen. Vor allem in engen Räumen. Aber optisch sieht’s gut aus und mit Schwertern wurde im „Highlander“ und in Old Europe geköpft.), ganze Vampirhorden abschlachtet. Bekmambetow inszenierte dies, in schönster „Wanted“-Manier, in Zeitlupe – und immer einen Hauch zu unblutig. Fast so, als hätten die Macher – erfolglos – auf eine „frei ab 12 Jahre“-Freigabe spekuliert.

Und viele dieser Schlachten und Kämpfe sind einfach zu übertrieben und zu sehr in einer Comicwelt, um wirklich ernst genommen zu werden. Die 3D-Effekte und die viel zu vielen Spezialeffekte (CGI rules!) verstärken diesen Effekt des Unrealistischen noch. Da hilft es auch nichts, dass die Vampire gegen die Abraham Lincoln und seine Freunde kämpfen, nicht vom „Twilight“-Virus infiziert, sondern echte Blutsauger sind, die auch am Tag zubeißen können.

Davon abgesehen folgt „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ weitgehend den bekannten Pfaden eines Biopics, wie es schon zu Hollywoods Glanzzeiten gediegen und durchaus etwas langatmig in seiner chronologischen Abhandlung der wichtigen Erlebnisse des Porträtierten inszeniert wurde.

Allerdings wird im Film gerade dieser Widerspruch zwischen der absurden Prämisse und der konventionellen Form nicht genutzt.

Letztendlich ist „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ nur „Wanted“ im 19. Jahrhundert, getarnt als blutleeres Biopic. Und dabei hätte der Film wirklich spaßig werden können.

Abraham Lincoln, Vampirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012)

Regie: Timur Bekmambetow

Drehbuch: Seth Grahame-Smith

LV: Seth Grahame-Smith: Abraham Lincoln – Vampire Hunter, 2010 (Abraham Lincoln, Vampirjäger)

mit Benjamin Walker, Dominic Cooper, Anthony Mackie, Mary Elizabeth Winstead, Rufus Sewell, Martin Csokas, Erin Wasson

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Vorlage

Seth Grahame-Smith: Abraham Lincoln, Vampirjäger

(übersetzt von Carolin Müller)

Heyne, 2011

496 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

Abraham Lincoln – Vampire Hunter

Grand Central Publishing, 2010

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Abraham Lincoln, Vampirjäger“

Metacritic über „Abraham Lincoln, Vampirjäger“

Rotten Tomatoes über „Abraham Lincoln, Vampirjäger“

Wikipedia über „Abraham Lincoln, Vampirjäger“ (deutsch, englisch)

Freigabebegründung der FSK (oder Wie ich in lobenden Worten den Horrorfilmfans erkläre, dass sie nicht in den Film gehen müssen)

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Bonus

Seth Grahame-Smith stellt sein neuestes Buch „Unholy Night“ vor

und sein damals neuestes Buch „Pride and Prejudice and Zombies“ (Stolz und Vorurteil und Zombies)


Neu im Kino/Filmkritik: „Looper“ – ein Science-Fiction-Film zum Gehirn einschalten

Oktober 3, 2012

Gerade wenn man nach einigen enttäuschenden (ich sage nur „Prometheus“ und „Total Recall“) und grottenschlechten Science-Fiction-Filmen (ich sage nur „Battleship“) mal wieder den Glauben an das Genre verliert und sich mit Actionkrachern wie „Lockout“ zufrieden geben will, kann man einen Science-Fiction-Film genießen, der nicht Unsummen für Effekte ausgibt, sondern sich auf ein gutes Drehbuch verlässt.

„Looper“ ist so ein Film, der wirklich, wie „Moon“ und „Source Code“ Spaß macht und zum Nachdenken anregt. Nicht unbedingt über Zeitreisen (die Paradoxien bleiben Paradoxien), sondern über den Wert und den Sinn des Lebens.

Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Looper. Das heißt, er ist ein Killer, der für ein Verbrechersyndikat Leute umbringt, die aus der Zukunft zu ihm geschickt werden. Eines Tages wird sein dreißig Jahre älteres Ich (Bruce Willis) zurückgeschickt. Der junge Joe versagt und der alte Joe kann flüchten. Jetzt beginnt eine Hetzjagd durch das ländliche Kansas. Denn der alte Joe will den Mann finden, der in der Zukunft für den Tod seiner Frau verantwortlich ist. Er hat einige spärliche Hinweise auf dessen Identität. Der junge Joe sucht dagegen verzweifelt sein älteres Ich. Wenn er es nicht findet, wird er von seinen Looper-Freunden umgebracht – und er würde so um dreißig Lebensjahre gebracht werden.

Rian Johnson, der vorher „Brick“ (2005) und „Brothers Bloom“ (2009) drehte, verknüpft in seinem ziemlich noirischen Science-Fiction-Actionthriller verschiedene Elemente und Ideen aus älteren Science-Fiction-Filmen und Büchern, wie „Terminator“ und der Stephen-King-Verfilmung „Feuerkind“, einer ordentlichen Prise Philip K. Dick, und schafft daraus etwas ganz eigenes, das wirklich Spaß macht bis zum überraschenden Ende.

Da verzeiht man auch, dass „Looper“ in der zweiten Hälfte, wenn der junge Joe bei Sara (Emily Blunt) auf ihrer Farm Unterschlupf findet, sich in sie verliebt und mit ihrem Sohn (der auch auf der Todesliste des alten Joe steht) anfreundet, die Action zugunsten eines Liebesfilms geopfert wird. Als Joes Freunde und der alte Joe auftauchen, wird deutlich, welchen furiosen Showdown Rian Johnson mit den Bildern vom beschaulichen Landleben vorbereitete.

Ein weiteres Pfund sind die beiden Hauptdarsteller. Bruce Willis, der zuletzt in bestenfalls mediokren Filmen, teils in arg kurzen Rollen, oft auf Autopilot, mitspielte, spielt hier endlich wieder einmal. Joseph Gordon-Levitt, der auch einer der Produzenten ist, mausert sich langsam zu einem Schauspieler, dessen Filme unter einem potentiellen Ansehen-Müssen-Verdacht stehen.

„Looper“ ist ein spannender Krimi, ein zum Denken anregender Science-Fiction-Film und ein großer intellektueller Spaß, mit einigen gut platzierten Hinweisen auf andere Filme und Bücher.

Looper (Looper, USA 2012)

Regie: Rian Johnson

Drehbuch: Rian Johnson

mit Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Paul Dano, Noah Segan, Piper Perabo, Jeff Daniels, Summer Qing, Tracie Thoms, Garret Dillahunt

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Looper“

Metacritic über „Looper“

Rotten Tomatoes über „Looper“

Wikipedia über „Looper“ (deutsch, englisch)

Tor ist sehr begeistert und nicht begeistert von „Looper“

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Bonusmaterial

ein Interview mit Rian Johnson und Joseph Gordon-Levitt

und weitere Plakate

 


TV-Tipp für den 4. Oktober: Buenos Aires 1977

Oktober 3, 2012

3sat, 22.25

Buenos Aires 1977 (Arg 2006, R.: Israel Adrián Caetano)

Drehbuch: Adrián Caetano, Esteban Student, Julian Loyola

LV: Claudio Tamburrini: Pase libre – la fuga de la Mansion Seré

Nach einer Denunziation wird ein Fußballer zusammen mit weiteren Staatsfeinden von Junta-Schergen verhaftet und gefoltert. Nach vier Monaten flüchten sie.

Der auf einem autobiographischen Buch basierende Film lief in Cannes und erhielt, unter anderem, den Preis der Argentinean Film Critics Association Awards und Clarin Entertainment Awards jeweils als Bester Film und für das beste Drehbuch.

„Diese geradlinige Geschehen ist von de la Serna in monochrome und sehr düstere Bilder gefasst, mit verhalten-mysteriösem Ambiente unterlegt und schauspielerisch rückhaltlos ausagiert. Das gibt dem Film einen schonungslosen Anstrich, der zu seiner eigentlich Qualität gerät: Hier geht nur und ausschließlich um die Auslieferung an ein brutales Willkürregime. Das sprengt die Grenzen den Politthrillers und garantiert nervenzerrendes Terrorkino, das zumindest einen schwachen Anschein des realen Schreckens vermittelt, der sich weltweit immer wieder ereignet. Sehenswert!“ (Marcus Stiglegger, Ikonen)

mit Rodrigo de la Serna, Nazareno Casero

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Buenos Aires 1977“

Wikipedia über „Buenos Aires 1977“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Oktober: Der Krieg des Charlie Wilson

Oktober 3, 2012

Vox, 20.15

Der Krieg des Charlie Wilson (USA 2007, R.: Michael Nichols)

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: George Crile: Charlie Wilson’s War: The Extraordinary Story of the Largest Covert Operation in History, 2003 (Der Krieg des Charlie Wilson)

Auf Tatsachen basierende, von der Kritik abgefeierte und für viele Preise nominierte Polit-Komödie über den liberal-demokratischen Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der in den Achtzigern half den afghanischen Widerstand gegen die Sowjets finanziell und mit Waffen zu unterstützten.

Die Folgen – nun, heute kennen wir die weitere Geschichte von Afghanistan, den Taliban und von Al-Qaida.

Mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffmann, Amy Adams, Ned Beatty, Emily Blunt, Michael Spellman

Wiederholung: Donnerstag, 4. Oktober, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Krieg des Charlie Wilson“

Rotten Tomatoes über „Der Krieg des Charlie Wilson“

Wikipedia über „Der Krieg des Charlie Wilson“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Jan Guillous „Agent Hamilton“ tötet „Im Interesse der Nation“

Oktober 2, 2012

Carl Hamilton ist der von Jan Guillou erfundene schwedische Geheimagent, der in mehreren Bestsellern seinem tödlichen Handwerk nachging.

Carl Hamilton ist auch der Held mehrerer Verfilmungen, vor allem aus den Neunzigern, die nicht alle in Deutschland gezeigt wurden. Die, die ich bislang sehen konnte, sind eher zwiespältige Angelegenheiten. Hamilton wurde gespielt von Stefan Sauk, Stellan Skarsgård, Peter Haber und Peter Stormare. Eine durchaus beeindruckende Liste.

Jetzt, nach einer über zehnjährigen Pause, gibt es mit Mikael Persbrandt eine neue Jan-Guillou-Verfilmung und „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ überzeugt als taffer Agententhriller irgendwo zwischen James Bond, Jason Bourne und Jack Bauer. Aber mit einer eigenen, sehr düsteren Note. Denn Carl Hamilton bringt im Affekt seine Freundin um – und seine Vorgesetzten decken ihren wertvollen Mitarbeiter.

Obwohl Hamilton von Schuldgefühlen geplagt ist, geht er seiner Arbeit nach. Bei einem schief gegangenen Einsatz gegen Waffenschmuggler in Afghanistan, musste er mit ansehen, wie Sky-Shadow-Raketen der schwedischen Firma Nordfors Industries spurlos verschwanden. Eine Spur führt nach Somalia. Dort soll Hamilton, als Beobachter eines Einsatzes der weltweit tätigen Söldnerfirma Sectragon, einen schwedischen Nordfors-Beschäftigten, der sich mit den Raketen auskennt, aus einem Gefängnis befreien und sicher nach Schweden bringen. Schon während der Befreiung beginnt Hamilton die Puzzleteile zusammenzufügen: er hatte die Söldner bei dem Diebstahl der Raketen beobachtet und jetzt sollen die Raketen in Konfliktherden eingesetzt werden. Dabei versucht Sectragon von den Konflikten, die sie mit schüren, zu profitieren.

Hamilton versucht das zu verhindern – und auch Schaden von Schweden abzuwenden.

In Schweden sahen sich über 500.000 Besucher den Thriller im Kino an und nach so einem Kassenerfolg wurde nicht lange über weitere „Agent Hamilton“-Filme mit Mikael Persbrandt nachgedacht – und das ist gut so.

Denn „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ ist ein spannender, actionreicher Polit-Thriller, dessen verwickelte Geschichte sich über den halben Globus erstreckt und der ein ungeschönt, zynisches Bild von der Politik und Konzernen, die Politik machen, zeichnet.

Das Bonusmaterial der DVD ist überschaubar. Eigentlich besteht es nur aus einem 15-minütigem „Making of“, das einige Impressionen und Hintergrundinformationen zu einigen Action-Szenen liefert.

Agent Hamilton – Im Interesse der Nation (Hamilton – I nationens intresse, Schweden 2012)

Regie: Kathrine Windfeld

Drehbuch: Stefan Thunberg

LV: Charakter von Jan Guillou

mit Mikael Persbrandt, Saba Mubarak, Pernilla August, Jason Flemyng, Lennart Hjulström, Alexander Nosik, Raymond Fearon, Kevin McNally

–

DVD

Ascot Elite

Bild: 2,40:1/16:9 (Pal)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial:Making of, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

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Hinweise

Wikipedia über „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“

Krimi-Couch über Jan Guillou

Wikipedia über Jan Guillou (deutsch, englisch, schwedisch)

 


Cover der Woche

Oktober 2, 2012

wegen


TV-Tipp für den 2. Oktober: Bugsy

Oktober 2, 2012

ZDFneo, 22.30

Bugsy (USA 1991, R.: Barry Levinson)

Drehbuch: James Toback

„LV“: Dean Jennings: We Only Kill Each Other: The Life and Bad Times of Bugsy Siegel, 1967 (Buch wurde von James Toback als Materialquelle benutzt)

Selten gezeigtes Biopic über den Gangster Bugsy Siegel (1906 – 1947), der in den Dreißigern vom Showbiz fasziniert war und in der Wüste das Glücksspielparadies Las Vegas aufbauen wollte.

„Levinson fügt dem Gangsterfilm in einer temporeichen und kraftvoll-vitalen Inszenierung nichts wesentliche Neues hinzu, aber er befreit die Gattung von Pathos und Botschaften, Moral und Emphase.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Der Film gewann unter anderem den Golden Globe als bester Spielfilm.

mit Warren Beatty, Annette Bening, Harvey Keitel, Ben Kingsley, Elliott Gould, Joe Mantegna, Richard Sarafian, James Toback,

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Bugsy“

Wikipedia über „Bugsy“ (deutsch, englisch)


„Elemetary“ boring

Oktober 1, 2012

Die einzige rationale Erklärung, die ich für „Elementary“, die letzte Woche im US-Fernsehen gestartete CBS-Version von Sherlock Holmes, habe, ist, dass CBS von dem derzeit in verschiedenen Inkarnationen im Buch, Spielfilm, TV und Comic sehr erfolgreichen Charakter profitieren wollte. Also wurde, wie bei dem BBC-Sherlock-Holmes „Sherlock“, der Charakter in Gegenwart verlegt (sie hatten auch zuerst die Macher von „Sherlock“ nach einer US-Adaption gefragt) und, weil US-Serien normalerweise in den USA spielen, wurde der Handlungsort von London nach New York verlegt. Oh, und weil man auch etwas für die Gleichberechtigung (oder erotische Spannung; hm, wahrscheinlich letzteres) tun wollte, wurde aus Dr. John Watson Dr. Joan Watson und Lucy Liu (3 Engel für Charlie, Kill Bill) wurde engagiert.

Sherlock Holmes wird von „Eli Stone“ Jonny Lee Miller gespielt.

Gegen Robert Downey jr. und Benedict Cumberbatch ist er allerdings ein hyperventilierender Langweiler – und Lucy Liu ist nur ein blasser, schnell vergessener Ersatz für Jude Law und Martin Freeman.

Denn „Elementary“ kann einfach in keiner Sekunde gegen diese beiden, aktuellen Sherlock-Holmes-Inkarnationen anstinken.

Und sogar wenn wir die Sherlock-Holmes-Referenzen weglassen, was kein Problem ist, denn schon in der Pilotfolge werden ihre Namen möglichst selten genannt und dass der CBS-Sherlock Holmes in einem älteren Gebäude lebt ist auch unerheblich für die Geschichte, sieht „Elementary“ im Vergleich zu US-Serien wie „Monk“, „The Mentalist“ und „Psych“ („Dr. House“ ist ja mehr eine Krankenhausserie), die die Sherlock-Holmes-Formel sehr gelungen variieren, ziemlich boring aus. Denn der „Elemtary“-Detektiv, der eher mit ADS als mit Genialität zu kämpfen hat, und seine Gehilfin sind gänzlich humorfrei.

Und den Fall der Pilotepisode habe ich schon vergessen.


TV-Tipp für den 1. Oktober: Little Big Man

Oktober 1, 2012

Arte, 21.05

Little Big Man (USA 1970, R.: Arthur Penn)

Drehbuch: Calder Willingham

LV: Thomas Berger: Little Big Man, 1964 (Der letzte Held)

Der 121-jährige Exscout Jack Crabb, der als Indianer Little Big Man hieß, erzählt einem Historiker sein Leben zwischen Indianern und Weißen – und man verirrt sich hoffnungslos und extrem kurzweilig im Dickicht zwischen Fakten und Mythen, zwischen Verklärung und Entzauberung des Wilden Westens.

Der satirische Klassiker ist eine grandiose Mythenentzauberung und -bestätigung.

Dustin Hoffman spielte Jack Crabb vom jungen bis zum alten Mann.

mit Dustin Hoffman, Faye Dunaway, Martin Balsam, Richard Mulligan, Chief Dan George, Jeff Corey

Wiederholung: Dienstag, 2. Oktober, 14.10 Uhr

Hinweise

Arte über „Little Big Man“

Rotten Tomatoes über „Little Big Man“

Turner Classic Movies über „LIttle Big Man“

Wikipedia über „Little Big Man“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Arthur Penn und Geburtstagsgruß an Faye Dunaway


DVD-Kritik: „Restitution“ will vieles und ist nichts

September 30, 2012

Ein Jahr nach dem spurlosen Verschwinden von Bryan Spikes kommt Alex Forrester in die Michigan-Hafenstadt. Der True-Crime-Autor will ein Buch über Spikes und die von ihm verübten Morde schreiben. Denn, so sagt er dem Polizeichef: „Ich finde psychotische Episoden interessant. Wenn ein völlig Gesunder mörderisch kriminell wird.“

Dummerweise sind die Bewohner nicht sonderlich begeistert über den Schnüffler – und es geschieht dann halt dann das, was immer geschieht, wenn ein Außenseiter im korrumptiven Sumpf einer Stadt wühlt und sich unwissentlich (?) mit der örtlichen Weiße-Kragen-Mafia anlegt.

„Restitution – Rache kennt kein Erbarmen“ folgt diesen Genrekonventionen ohne große Innovationen, ziemlich zäh, eher holprig und weitgehend unlogisch. Dass Forrester dann noch einen überaus nervigen Nachbarn hat (Tom Arnold soll wohl eine Parodie auf John Goodmans Walter Sobchak aus „The Big Lebowski“ spielen), plötzlich die Kamera in den altbekannten Noir-Stil kippt und gegen Ende der Held sich als veritabler Einzelkämpfer entpuppt, zeigt immer wieder, wie lieblos hier einfach verschiedene Genreelemente aneinandergepappt wurden.

In den Siebzigern wäre „Restitution“ ein okayer und schnell vergessener „TV-Film der Woche“ oder ein Pilotfilm für eine eher nicht realisierte TV-Serie gewesen, mit einem Privatdetektiv der im Alleingang eine Stadt aufräumt.

Heute, und ohne die nostalgische Patina, ist „Restitution“ ein verzichtbarer Krimi mit einem viel zu langen Vorspiel (die eigentliche Geschichte beginnt erst nach über zwanzig Minuten [was vielleicht eine Hommage an „Columbo“ sein soll. Immerhin benutzt Forrester später bei Befragungen mehrmals den „Eine Frage hätte ich noch“-Columbo-Trick]), einer vorhersehbaren Auflösung, riesigen Plotlöchern und unmotivierten Stilwechseln, die immerhin, wenn von Szene zu Szene zwischen Liebesfilm, Noir, Actionkrimi und Komödie gewechselt wird, immer wieder überraschen. Dummerweise nie gelungen, aber manchmal ungewollt witzig und absurd.

Restitution – Rache kennt kein Erbarmen (Restitution, USA 2011)

Regie: Lance Kawas

Drehbuch: Mark Bierlein, Lance Kawas

mit Mark Bierlein, Tom Arnold, Mena Suvari, C. Thomas Howell, William Sadler, Michael Robert Brandon

–

DVD

Koch Media

Bild: 1:85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Behind the Scenes mit Audiokommentar von Lance Kawas, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Bio- und Filmgraphien

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Restitution“

DVD Talk exekutiert „Restitution“

 


TV-Tipp für den 30. September: Die Verlobung des Monsieur Hire

September 30, 2012

Arte, 20.15

Die Verlobung des Monsieur Hire (F 1989, R.: Patrice Leconte)

Drehbuch: Patrice Leconte, Patrick Dewolf

LV: Georges Simenon: Les fiancailles de M.Hire, 1933 (Die Verlobung des Monsieur Hire)

Wer ist der unauffällige, stets korrekt gekleidete Monsieur Hire? Ein Mädchenmörder oder nur ein harmloser Spanner?

Lecontes zu Recht hochgelobte Simenon-Verfilmung wird heute – endlich mal wieder –, als Teil des Sandrine-Bonnaire-Themenabends, gezeigt. Also: unbedingt einschalten oder aufnehmen.

Vor „Die Verlobung des Monsieur Hire“ drehte Leconte den Kassenschlager „Die Spezialisten“; ein witzig-wendungsreiches Caper-Movie. Mit „Die Verlobung des Monsieur Hire“ begann er sein Spätwerk. Der Film war, neben zahlreichen weiteren Césars, auch für den besten Film, bester Hauptdarsteller und beste Hauptdarstellerin nominiert.

„Bemerkenswert ist Monsieur Hire nicht allein durch seine exzellenten Darsteller. Er ist vielmehr ein Beispiel für Spannung, die auf Effekte verzichtet und statt dessen eine unterschwellige Bedrohung vermittelt, die Leconte nur in Details, in Gesten, Blicken und seinen verengt-verengenden Kameraperspektiven andeutet. Und wie jeder gute Thriller entpuppt sich Monsieur Hire am Ende als ein Diskurs über die menschliche Dichotomie von gut und böse, die sich häufig anders präsentiert, als auf den ersten Blick zu vermuten wäre.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe)

„Eine faszinierende Studie von Einsamkeit und Isolation, die durch das disziplinierte Spiel Michel Blancs und Sandrine Bonnaires an Doppelbödigkeit gewinnt.“ (Fischer Film Almanach 1990)

Und noch mal in das gleiche Horn: „Durch die überzeugende filmische Umsetzung des Stoffes und die überragende Interpretation entwickelt sich eine intensive Lektion über die Ambivalenz von Gut und Böse.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Michel Blanc, Sandrine Bonnaire, Luc Thullier, André Wilms

Wiederholung: Donnerstag, 18. Oktober, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte zum Film

Wikipedia über „Die Verlobung des Monsieur Hire“ (deutsch, englisch, französisch)

Deutsche Georges-Simenon-Fanseite


TV-Tipp für den 29. September: Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene

September 29, 2012

Pro7, 20.15

Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene (USA 2007, R.: Billy Ray)

Drehbuch: Adam Mazer & William Rotko und Billy Ray (nach einer Geschichte von Adam Mazer & Billy Rotko)

Der junge, ehrgeizige, katholische FBI-Mitarbeiter Eric O’Neill soll seinen Vorgesetzten, den streng gläubigen Sicherheitsexperten und Bürokraten Robert Hanssen bespitzeln. Wegen seiner sexuellen Vorlieben, wird ihm gesagt. Erst viel später erfährt er den wahren Grund für seinen Auftrag.

„Enttarnt“ ist ein feiner Polit-Thriller der John-le-Carré-Schule: ein spannendes, ruhig erzähltes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Schauspieler im Mittelpunkt der wahren, bei uns eher unbekannten Geschichte stehen. Der gewohnt grandiose Chris Cooper spielt Robert Hanssen, der von 1979 bis 2001 für den KGB spionierte und zahlreiche US-Agenten verriet.

Der echte O’Neill beriet die Filmemacher.

mit Chris Cooper, Ryan Phillippe, Laura Linney, Dennis Haysbert, Caroline Dhavernas, Gary Cole, Kathleen Quinlan, Bruce Davison

Wiederholung: 30. September, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene“

Rotten Tomatoes über „Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene“

Wikipedia über „Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene“ (deutsch, englisch)


Kurzkritik: Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho

September 28, 2012

In diesem Fall war es wohl keine gute Idee, den Roman als Reiselektüre auf die Zugfahrt mitzunehmen. Denn jetzt weiß ich nicht, ob mich die DB oder Ben Aaronovitch zuverlässig immer wieder in den Schlaf rüttelte.

Dabei hatten mir die ersten Seiten von „Schwarzer Mond über Soho“, dem zweiten Roman mit Constable Peter Grant, verdammt gut gefallen. Im heutigen London muss er sich mit Hexern und Magiern herumschlagen muss, während er selbst von Detective Inspector Thomas Nightingale in der hohen Kunst der Magie unterrichtet wird.

Jetzt hört er bei einem ermordeten Jazzmusiker leise die Melodie des Jazz-Standards „Body and Soul“ (für mich alten Jazzfan noch ein Pluspunkt) und, wie er schnell herausfindet, sind in den letzten Jahren mehrere Jazzmusiker auf seltsame Art gestorben. Jedenfalls aus Magiersicht; für Normalsterbliche war es ein natürlicher Tod oder Drogenmissbrauch. Grant weiß, dass der übersinnlich begabte Killer weitermorden wird – und der Schlüssel zu seiner Identität und dem Motiv für die Mordserie in dieser speziellen Version von „Body and Soul“ liegt. Aber von wem ist diese Version?

Aaronovitch beginnt seine Geschichte flott und witzig. Die Lakonie, mit der das Übernatürliche mit typische britischer Nonchalance akzeptiert wird, gefällt. Aber dann zieht sich die Geschichte hin zu einem Ende, das mir etwas zu sehr auf einen dritten Band spekulierte (oder war’s das sanfte Rütteln der DB, das mich sanft in einen komatös-unruhigen Schlaf wiegte?), scheinbar ewig hin.

Jedenfalls will ich Ben Aaronovitch und Constable Peter Grant noch eine zweite Chance geben. In „Die Flüsse von London“ (Rivers of London, 2011) erzählt der Polizeineuling Peter Grant, wie er zum ersten Zauberlehrling in England seit einem halben Jahrhundert wurde und einige Verbrechen aufklärte, teils mit, wie wir in „Schwarzer Mond über Soho“ in den kurzen Rückblicken erfahren, ähem, interessanten Ergebnissen. „Die Flüsse von London“ hat es immerhin auf die Longlist für den Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award geschafft.

–

Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2012

416 Seiten

9,95 Euro

–

Originalausgabe

Moon over Soho

Gollancz, London, 2011

–

Hinweise

Homepage von Ben Aaronovitch

Wikipedia über Ben Aaronovitch (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 28. September: Das Gesetz bin ich

September 27, 2012

Tele 5, 00.15

Das Gesetz bin ich (USA 1974, Regie: Richard Fleischer)

Drehbuch: Elmore Leonard

Buch zum Film: Elmore Leonard: Mr. Majestyk, 1974

Okayer Thriller über die Mafia unter Melonenfarmern, mit Charles Bronson, der zuerst seine Ruhe haben will, später rot sieht.

Von Elmore Leonards Homepage: „Before Joe Kidd was released, Clint Eastwood called Elmore and asked for a Dirty Harry like story of a guy with a big gun. Elmore told Eastwood the story of what was to become Mr. Majestyk. Eastwood said, write it up. But, by the time Elmore finished the outline, Eastwood had acquired High Plains Drifter and bowed out. Swanson then sold Walter Mirisch on the project, who interested Charles Bronson. Mr Majestyk was the story of Vince Majestyk, a Vietnam veteran and now peaceful watermelon farmer whose workers are threatened by the local mob lead by hit man, Frank Renda (Al Lettieri).

But typically in an Elmore story, Bronson represents the workers and incurs the wrath of and delivers vengeance on the mob boys. Bronson nailed his role but Al Lettieri was over the top, playing essential the same role he did in The Getaway. Elmore saw Renda as the majority of his characters, more subtle and laid back. After completing the screenplay, Elmore Leonard novelized Mr. Majestyk. The most well known scene in Mr. Majestyk is of the bad guys shooting up the watermelons. (Shot in eastern Colorado – not Northern California as in the script.) Colorado was the only place in the West the producers could find such a crop, in season. Elmore’s script called for cantaloupes. Quentin Tarantino, Elmore’s great fan, pays homage to Mr. Majestyk in True Romance (1991).

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Raylan“ (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Die KrimiZeit-Bestenliste Oktober 2012

September 27, 2012

Etwas früher als gewohnt gibt es die monatliche KrimiZeit-Bestenliste:

1 (1) Helon Habila: Öl auf Wasser

2 (2) Dominique Manotti/DOA: Die ehrenwerte Gesellschaft

3 (5) Jim Thompson: In die finstere Nacht

4 (-) Carl Nixon: Rocking Horse Road

5 (9) Dominique Manotti: Das schwarze Korps

6 (-) Jussi Adler-Olsen: Verachtung

7 (-) Robert Littell: Philby – Porträt des Spions als junger Mann

8 (-) James Sallis: Driver 2

9 (4) Sara Gran: Die Stadt der Toten

10 (10*) Anne Goldmann: Triangel

–

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

„Triangel“ ist ein Wiedereinsteig vom August.

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James Sallis und Sara Gran hab ich ja schon abgefeiert. Jim Thompson und Robert Littell demnächst.

Aber zuerst geht es „On the Road“ mit Jack Kerouac in der Urfassung seines Romans, der jetzt ziemlich gut verfilmt wurde. Walter Salles‘ Verfilmung mit Garrett Hedlund, Sam Riley, Kristen Stewart, Viggo Mortensen und Kirsten Dunst läuft am 4. Oktober an.


TV-Tipp für den 27. September: From Dusk Till Dawn

September 27, 2012

Vox, 23.00

From Dusk Till Dawn (USA 1996, R.: Robert Rodriguez)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Bankräuber Seth und Richard nehmen auf ihrer Flucht vor der Polizei eine Pfarrersfamilie als Geisel. Als sie in der abgewrackt-ranzigen Truckerkneipe „Titty Twister“ als Mahlzeit für die Stammgäste dienen sollen, verbünden sie sich gegen die Vampire.

Zwei Filme zum Preis von einem: die erste Hälfte ist ein Road-Movie-Geiseldrama, die zweite Hälfte ein extrem blutiger und saukomischer Horrorfilm, der heute wohl wieder in einer gekürzten Fassung gezeigt wird.

mit Harvey Keitel, George Clooney, Quentin Tarantino, Juliette Lewis, Cheech Marin, Fred Williamson, Salma Hayek, Marc Lawrence, Michael Parks, Tom Savini, John Saxon, Danny Trejo, John Hawkes und die Titty Twisters House Band (aka Tito & Tarantula)

Wiederholung: Freitag, 28. September, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „From Dusk Till Dawn“

Wikipedia über „From Dusk Till Dawn“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Quentin Tarantino in der Kriminalakte

Robert Rodriguez in der Kriminalakte


Sara Gran besucht „Die Stadt der Toten“

September 26, 2012

Auf der KrimiZeit-Bestenliste steht Sara Grans „Die Stadt der Toten – Ein Fall für die beste Ermittlerin der Welt“ seit Juli, Kritiker feiern den Krimi euphorisch ab und inzwischen taucht der Roman auch auf etlichen Nominierungslisten, unter anderem für den Hammett- und den Shamus-Preis, auf.

Genug Gründe also, um sich dieses Werk einmal genauer anzusehen. Die Story klingt zwar nicht sonderlich spektakulär: eine Detektivin soll einen während des Hurrikans Katrina in New Orleans verschwundenen, geachteten Staatsanwalt finden. In der zerstörten Stadt beginnt sie sich umzuhören und wird schnell von Jugendlichen auf offener Straße beschossen. Aber wenn alle „Die Stadt der Toten“ zu einem Meisterwerk hochjubeln, muss es ja etwas geben. Da gibt es die Erzählerin Claire DeWitt, die sich selbst „die beste Detektivin der Welt nennt“, in der Vergangenheit anscheinend viele spektakuläre Fälle aufklärte, entsprechend teuer ist, das Werk des französischen Privatdetektivs Jacques Silette bewundert, der in einem rätselhaften Buch, dem „Détection“, seine Grundsätze formulierte und, obwohl einige ihn für einen Scharlatan halten, eine Schar treuer Anhänger um sich scharrte (Pablo De Santis lässt grüßen) und die zuletzt in einer psychiatrischen Klinik war. Nicht aus beruflichen Gründen. Bei ihren Ermittlungen vertraut sie nicht nur, wie andere Privatdetektive, auf tapferes Herumfragen, rumgeschubst und zusammengeschlagen werden und ihre kleinen grauen Zellen, sondern sie erspürt den Täter, legt I-Ging-Münzen und deutet ihre Träume. Sie ist anscheinend ziemlich abgedreht.

Das könnte ein interessanter Ansatz sein, vor allem weil Sara Gran den Privatdetektiv-Roman nicht mit Fantasy kreuzt (Sorry, keine Zauberer, Hexen und Untoten. Auch kein Freund Harvey.), sondern sie wohl eher etwas Spaß innerhalb der Genreregeln haben will. Dummerweise wird nie klar, warum Claire DeWitt die, wie sie sich selbst mehrmals, vollkommen unironisch nennt, beste Privatdetektivin der Welt ist. Sie wirkt eher wie der altbekannte Privatdetektiv mit einigen Marotten.

Außerdem ist der Fall arg dünn und die Lösung, dank der wenigen Verdächtigen, arg naheliegend.

Sara Gran erzählt „Die Stadt der Toten“ in einer nüchternen Prosa, fernab von jeglicher Ironie und Wortwitz, die sich schnell weglesen lässt und ungefähr soviel Eindruck erzielt wie eine laue Sommerbrise.

Da ist nichts, was mich gespannt auf die nächste Ermittlung von Claire DeWitt warten lässt.

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Sara Gran: Die Stadt der Toten

(übersetzt von Eva Bonné)

Droemer, 2012

368 Seiten

14,99 Euro

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Originaltitel

Claire DeWitt and the City of the Dead

Houghton Mifflin Harcourt Publishing Company, 2011

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Hinweise

Homepage von Sara Gran

Droemer Verlag: Interview mit Sara Gran

Crime Always Pay: Interview mit Sara Gran


Elmore Leonard ist „Goppa“ – und „Freaky Deaky“

September 26, 2012

Dieses schöne Video, das schon seit November 2010 online ist habe ich eben erst entdeckt.

Was soll ich sagen: viele O-Töne von Elmore Leonard himself, viele O-Töne von seiner großen Familie und viele alte Fotos.

Alles weitere steht ja auch bei  YouTube:

GOPPA is a glimpse into the life of famed crime novelist Elmore Leonard as told by his family. Produced by grandson Tim Leonard, the film was premiered at the first annual Elmore Leonard Literary Arts and Film Festival held in Birmingham, Michigan in November 2010. Zerosun assisted in post-production of the film and attended the event.

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Und es gibt einige Bilder aus der neuen Elmore-Leonard-Verfilmung „Freaky Deaky“

Sieht vielversprechend aus.


TV-Tipp für den 26. September: Exam

September 25, 2012

Tele 5, 22.20

Exam (GB 2009, R.: Stuart Hazeldine)

Drehbuch: Stuart Hazeldine (nach einer Geschichte von Simon Garrity und Stuart Hazeldine)

Acht Bewerber fragen sich bei einem Einstellungstest, welche Frage sie beantworten sollen. Denn auf dem Fragebogen steht keine Frage. Aber ihnen wurde vorher gesagt, dass es nur eine Antwort gibt und dass nur einer den heißbegehrten Job erhält.

Spannendes Kammerspiel, das nicht zur Nachahmung empfohlen wird.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Adar Beck, Gemma Chan, Nathalie Cox, John Lloyd Fillingham, Chuk Iwuji, Pollyanna McIntosh, Luke Mably, Jimi Mistry, Colin Salmon, Chris Carey

Wiederholung: Freitag, 28. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über “Exam”

Digital Spy: Intervie mit Stuart Hazeldine und Jimi Misty über “Exam” (3. Januar 2010)

The Skinny: Interview mit Stuart Hazeldine über “Exam” (5. Januar 2010)

Electric Sheep: Interview mit Stuart Hazeldine über “Exam” (8. Januar 2010)

What Cuture: Interview mit Stuart Hazeldine über “Exam” (7. Juni 2010)

Indie London: Interview mit Stuart Hazeldine über “Exam”

Meine Besprechung von Stuart Hazeldines „Exam“ (Exam, GB 2009)


Kurzkritik: James Sallis: Driver 2

September 25, 2012

Am Ende von „Driver“, dem auch erfolgreich verfilmten Überraschungserfolg von James Sallis, taucht der namenlose Fluchtwagenfahrer, den alle nur Driver (also Fahrer) nennen, unter. Er war in eine böse Geschichte geraten, hatte Ärger mit der Mafia bekommen und einige Menschen starben.

In der Fortsetzung „Driver 2“ lebt er ein zurückgezogenes Leben in Phoenix. Da bemerkt er, dass er verfolgt wird und als er sich zu wehren beginnt, steht er vor der Frage, wer seine Verfolger beauftragte.

Wie die anderen Romane von James Sallis ist auch „Driver 2“ ein Spiel mit den Formen des Noirs und Gangsterromans, in dem James Sallis einerseits die bekannten Genreregeln befolgt und sie andererseits, quasi von innen heraus, aushöhlt. Das macht über die Länge einer längeren Kurzgeschichte, einer Novelle, wirklich Spaß; – auch wenn ich beim Lesen immer die Verfilmung „Drive“ von Nicolas Winding Refn mit dem grandiosen Ryan Gosling als Fahrer im Kopf hatte und „Driver 2“ fast schon als rudimentäres Drehbuch für „Driver 2“ gelesen habe.

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James Sallis: Driver 2

(übersetzt von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt)

Liebeskind, 2012

160 Seiten

16,90 Euro

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Originalausgabe

Driven

Poisened Pen Press, Scottsdale/Arizona 2012

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Hinweise

Homepage von James Sallis

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Dunkles Verhängnis” (Salt River, 2007)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Der Killer stirbt” (The Killer is dying, 2011)

Meine Besprechung der James-Sallis-Verfilmung „Drive“ (Drive, USA 2011)

James Sallis in der Kriminalakte (natürlich mit vielen weiterführenden Links und Videos)

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Bonushinweise

zu „Driver 2“ und mit der nervigen „Druckfrisch“-Wackelkamera

ohne Gewackel und schon einige Monate alt