Die Spinetingler-Nominierungen 2010

April 4, 2010

Der Spinetingler-Preis wird dieses Mal nach einem leicht anderen Verfahren (keine Angst, es ist immer noch ein Publikumspreis, aber die Stimmabgabe ist etwas anders) vergeben. Das geht bis Ende April und am 1. Mai werden die Sieger veröffentlicht.

Die Kategorien blieben gleich:

New Voice (eins bis drei Romane)

A Bad Day For Sorry, von Sophie Littlefield

Balzac of the Badlands, von Steve Finbow

Dope Thief, von Dennis Tafoya

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville

I-5, von Summer Brenner

In Their Blood, von Sharon Potts

The Lost Sister, von Russel D. McLean

Mixed Blood (Kap der Finsternis), von Roger Smith

Ravens, von George Dawes Green

The Weight of Silence, von Heather Gudenkauf

Rising Star (vier bis acht Romane)

50 Grand, von Adrian McKinty

Await Your Reply, von Dan Chaon

The Devil’s Staircase, von Helen Fitzgerald

Finch, von Jeff VanderMeer

Last Days, von Brian Evenson

Safer, von Sean Doolittle

Legend (mindestens neun Romane)

The Complaints (Ein reines Gewissen), von Ian Rankin

The Midnight Room, von Ed Gorman

The Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team), von Charlie Huston

The Scarecrow, von Michael Connelly

Shadow Season, von Tom Piccirilli

Tower, von Reed Farrel Coleman und Ken Bruen

Best Short Story on the Web

M-N-S (n) murder-necrophilia-suicide, von Anonymous 9 aus Plots with Guns

Flesh Rule, von Frank Bill aus Plots with Guns

Blurred Lines, von Michael Moreci aus A Twist of Noir

Survival Instincts, von Sandra Seamans aus Pulp Pusher

At Least I felt Something, von Sophie Littlefield aus The Drowning Machine

My Father’s Son, von Alan Griffiths aus A Twist of Noir

The Present, von Mark Joseph Kiewlak aus A Twist Of Noir

Insatiable, von Hillary Davidson aus Beat to a Pulp

A Wild and Crazy Night, von John Kenyon aus Beat to a Pulp

The Tut, von Paul D Brazill aus Beat to a Pulp

Best Mystery or Crime Comic/Graphic Novel

Back to Brooklyn, von Garth Ennis, Jimmy Palmiotti und Mihailo Vukelic (Image)

Britten and Brulightly, von Hannah Berry (Metropolitan Books)

Chew, von John Layman und Rob Guillory (Image)

Leo Pulp, von Claudo Nizzi und Massimo Bonfatti (IDW)

Low Moon, von Jason (Fantagraphics Books)

Noir, von verschiedenen Autoren (Dark Horse)

Parker: The Hunter, von Darwyn Cooke (IDW)

Scalped, von Jason Aaron und R. M. Guéra (Vertigo)

West Coast Blues, von Jacques Tardi und Jean-Patrick Manchette (Fantagraphic Books)

You Have Killed Me, von Jamie Rich und Joelle Jones (Oni Press)

Best Mystery/Crime Fiction Press, Publisher or Imprint

Bitter Lemon Press

Busted Flush Press

New Pulp Press

Serpent’s Tail

Soho Press Books

Switchblade

Special Services to the Industry & Community

The Big Adios

Bookgasm

Crimeculture

Friday’s Forgotten Books

My Little Corner

Best Reviewer

Jen Forbus

Lesa Holstine

The Nerd of Nor

Peter Rozovsky

Cory Wilde

Best Cover

Ja, nee, das müsst ihr euch ansehen. Da hilft nichts.


TV-Tipp für den 4. April: Live Flesh – Mit Haut und Haar

April 3, 2010

3sat, 02.05

Live Flesh – Mit Haut und Haar (E/F 1997, R.: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar, Ray Loriga, Jorge Guerricaechevarria

LV: Ruth Rendell: Live Flesh, 1986 (In blinder Panik)

Sechs Jahre nachdem Victor einen Polizisten zum Krüppel schoss, kreuzen sich wieder ihre Wege.

Halt ein typischer Almodovar-Film. „Almodóvar pendelt in überraschenden Wendungen geschickt zwischen Pathos und Ironie, ohne völlig in den schrillen Erzählton früherer Werke zu kippen.“ (Zoom 8/98)

mit Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Angela Molina

Wiederholung: Dienstag, 6. April, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Ruth Rendell (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Ruth Rendell

Contemporary Writers über Ruth Rendell

Womankind: Interview mit Ruth Rendell (1994)


TV-Tipp für den 3. April: Nacht über Manhattan

April 3, 2010

Eins Festival, 23.50

Nacht über Manhattan (USA 1997, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Sidney Lumet

LV: Robert Daley: Tainted Evidence, 1993 (Nacht über Manhattan)

Der junge Staatsanwalt Casey möchte seinen Vater verteidigen. Nur ist der Vater nicht so unschuldig, wie sein Sohn annimmt.

Lumet inszenierte eine makellose Mischung aus Polizeifilm, Gerichtsdrama und Thriller.

Der Fischer Film Almanach schrieb zutreffend: „Großes Kino alter Schule: Perfekte Inszenierung, psychologisch ausgefeilte Szenen, die das Ringen der Personen transparent machen, eine adäquat karge Ausstattung, exzellente Darsteller und die Musik von Mark Isham fesseln bis zur letzten Minute.“

Mit Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, Ron Leibman, James Gandolfini

Hinweise

Wikipedia über “Night Falls on Manhattan”

Trailerseite: Deutscher Filmtrailer (bessere Qualität, anders geschnitten)

The Hollywood Interview: Alex Simon interviewt Sidney Lumet über “Night Falls on Manhattan” (Erstveröffentlichung: Venice Magazine, Mai 1997)


Neu im Kino: Gesetz der Straße

April 1, 2010

Gesetz der Straße (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Michael C. Martin

Vor seinem Spielfilmdebüt gehörte Michael Martin zu den Autoren von „Sleeper Cell“ und Antoine Fuquas „Training Day“ (ebenfalls mit Ethan Hawke) gehört zu den besten Cop-Filmen des vergangenen Jahrzehnts. Seine Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“ war auch nicht schlecht. Ein gewisses Niveau ist also garantiert.

In ihrem starbesetzten „Gesetz der Straße“ erzählen sie parallel drei Geschichten: ein ausgebrannter Cop will seine letzten Arbeitstage gemütlich abfeiern; ein Undercoverpolizist will aussteigen; ein Drogenfahnder ist in illegale Geschäfte verstrickt und den Rest können wir uns denken.

„Die Achillesferse von ‚Gesetz der Straße‘ zeigt sich in diversen Erzähllinien, die allzu vorhersehbar abgespult werden, aber es gelingt Fuqua doch über weiteste Strecken, seine drei Geschichten zu spannungsreich vibrierenden Dramen auszuformen.“ (Rainer Gansera in epd Film 4/2010). Das Rotten-Tomatoes-Fazit ist ähnlich.

mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Lili Taylor, Ellen Barkin, Will Patton

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gesetz der Straße“

The Root: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Go into the Story: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Variety über Michael C. Martin (10. Juni 2008)


TV-Tipp für den 2. April: L. A. Confidential

April 1, 2010

Vox, 22.00

L.A. Confidential (USA 1997, R.: Curtis Hanson)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)

Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.

Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.

Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe.

Mit Guy Pearce, Russell Crowe, Kevin Spacey, Kim Basinger, Danny DeVito

Wiederholung: Samstag, 3. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

SPLICEDwire: Interview mit James Ellroy zu “L. A. Confidential” (1997)

Drehbuch „L. A. Confidential“ von Brian Helgeland

Meine Besprechung von James Ellroys Unterwelt-Trilogie

James Ellroy in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Las Bandidas“ schlagen zu

April 1, 2010

Jean-Luc Godard sagte: „Um einen Film zu machen genügen eine Waffe und ein Mädchen.“

„Las Bandidas“ hat vier gutaussehende, vornehmlich knapp begleitete Frauen und ein ganzes Arsenal von Waffen.

Damit erfüllt „Las Bandidas“ Godards Minimaldefin ition für einen Film locker.

Aber ein guter Film ist es nicht geworden.

Denn nach dem Versprechen von Cover und Trailer folgen einfach nur zwei Stunden Langeweile.

Woran liegt das?

Nun, mal wieder an grundlegenden Plotproblemen.

Denn auch wenn die einzelnen Charaktere ein Ziel haben (die mexikanischen Gangster wollen mit den Koreanern ein Drogengeschäft abwickeln; die spanischen Einbrecherinnen wollen sie ausrauben), müssen wir Zuschauer erstens wissen, was sie erreichen wollen, und zweitens, wie sie es erreichen wollen. Erst dann können wir mitfiebern.

Aber in „Las Bandidas“ bohren die Frauen sich nur durch irgendwelche Gemäuer, schrauben an Fahrrädern herum, kriechen im roten Abendkleid durch Fenster und klettern irgendwelche Mauern hoch (Jaja, sieht lecker aus.) und machen dann irgendetwas furchtbar kompliziertes (was wahrscheinlich auch einfacher ginge), um an eine im Safe des Gangster liegende Festplatte zu kommen. Keine Ahnung, warum sie die externe Festplatte klauen und das Geld im Safe lassen. Keine Ahnung, warum sie dann die Festplatte gegen einen ziemlich geringen Geldbetrag zurückgeben und dann etwas noch viel komplizierteres anstellen, um an eine riesige Tasche voller Geld zu kommen.

Das bietet – Habe ich schon erwähnt, dass die Einbrecher vier heiße Weiber sind? – natürlich einiges für das Auge des männlichen Betrachters. Aber solange dem Zuschauer nicht gesagt wird, wie Ana, Aurora, Gloria und Paloma an die Kohle rankommen wollen, langweilen die ziemlich irrwitzigen Aktionen der Frauen. Zum Beispiel: Warum müssen sie eine Laser-Schusswaffe bauen, diese dann in dem Fahrrad verstecken und kurz vor ihrem Einsatz mühevoll zusammenbauen? Warum – und wo – buddeln sie ein Loch in den Boden und tarnen es anschließend fein säuberlich? Sowieso ist unklar, wie sie in die Zentrale des Gangsterbosses einbrechen und anschließend flüchten wollen.

Irgendwann zertrümmert der Gangsterboss, der wahrlich keine Zierde für uns Männer ist, einer der Einbrecherinnen die Hand. In den nächsten Szenen scheint ihre Hand geheilt zu sein. Später ist sie wieder dick verbunden und sie eignet sich gut als Schlagwaffe. Die kaputte Hand scheint außer einer kleinen körperlichen Unbequemlichkeit den Einbruchsplan der Frauen überhaupt nicht zu beeinflussen. Bei einem besseren Drehbuch wäre in diesem Moment der ursprüngliche Einbruchsplan ein Fall für die Geschichtsbücher.

Auch die anderen Taten der drei Einbrecherinnen (Ana liegt nach einem Unfall im Koma) und der Gangster wirken zufällig und haben meist keine Konsequenzen für die weitere Geschichte. Subplots werden plötzlich fallengelassen. Über weite Strecken wirkt „Las Bandidas“ wie der lieblose Zusammenschnitt aus einigen möglicherweise interessanten Filmen.

Außerdem erfahren wir niemals, warum die Frauen die Einbrüche verüben. Diese Nicht-Psychologie führt auch dazu, dass die Vier bis zum Ende austauschbar bleiben – Gutgut, die eine ist etwas älter und hat hellere Haare als die beiden Schwarzhaarigen. – und uns herzlich egal sind. Sie scheinen sogar die gleichen Einbruchsfähigkeiten zu haben. In einem klassischen Heist-Movie, wozu „Las Bandidas“ gehören möchte, hat jeder Gauner seine feste Rolle und seine für das gelingen des Unternehmens wichtigen Aufgaben.

Am meisten psychologische Tiefe in diesem Desaster hat noch der Killer Gabriel. Er hat keine Probleme damit, Männer umzubringen. Aber Frauen – immerhin hat sein Vater seine Mutter erschlagen – bringt er nicht um. Als sein Boss und Freund beginnt, die Frauen schlecht zu behandeln, zerbricht auch diese Freundschaft.

Autor und Regisseur Augustín Díaz Yanes konnte sich allerdings nicht entscheiden, ob er die Geschichte von Gabriel und seinem Gewissenskonflikt oder von den vier Frauen und ihren Einbrüchen bei den Gangstern erzählen wollte. Also entschloss er sich, weder die eine noch die andere Geschichte zu erzählen, sondern uns einfach nur mit Bildern von heißen Frauen, grenzdebilen, blowjobgeilen Gangstern, schmutzigen mexikanischen Straßen und austauschbaren Zimmern zu bedienen.

Denn Yanes scheint sich vor allem, in der Hoffnung, dass die konfuse Geschichte dann nicht weiter auffällt, darüber Gedanken gemacht zu haben, wie er die Frauen apart ins Bild setzt und das ganze relativ jugendfrei mit Sex und Gewalt garniert. Das ist ihm gelungen.

Aber ein guter Gangsterfilm ist so nicht entstanden.

Las Bandidas – Kann Rache schön sein! (Solo Quiero Caminar, Spanien/Mexiko 2009)

Regie: Agustín Díaz Yanes

Drehbuch: Agustín Díaz Yanes

mit Victoria Abril, Diego Luna, Ariadna Gil, Pilar López de Ayala, Elena Anaya, José María Yazpik

–

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch, Spanisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit dem Regisseur, Making of, Trailer

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Anmerkung

Der Film lief als „Just Walking“ auf der Berlinale 2009 und dem Fantasy Filmfest 2009.

–

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Las Bandidas“


TV-Tipp für den 1. April: Tatort – Flieder für Jaczek

April 1, 2010

HR, 21.45

Tatort: Flieder für Jaczek (D 1977, R.: Fritz Umgelter)

Drehbuch: Stefan Murr, Jürgen Scheschkewitz

LV: Stefan Murr: Vorsicht – Jaczek schießt sofort, 1975

Kommissar Konrad glaubt, dass der gerade aus der Haft entlassene, skrupellose Geldräuber Franz Jaczek bereits seinen nächsten Coup plant.

Zuletzt lief dieser Tatort am 7. Dezember 1996 im WDR.

mit Klaus Höhne, Walter Renneisen, Alfred Reiterer, Günter Lamprecht, Hans Brenner, Michaela May, Peter Roggisch, Suzanne Roquette, Günter Strack

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Konrad

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Stefan Murr

Kriminalakte: Nachruf auf Stefan Murr


ITW nominiert beste Thriller 2010

März 31, 2010

Die Autorenorganisation International Thriller Writers (ITW) hat die Nominierungsliste für den diesjährigen Thriller Award veröffentlicht:

Best Hard Cover Novel

VANISHED von Joseph Finder

LONG LOST von Harlan Coben

FEAR THE WORST von Linwood Barclay

THE NEIGHBOR von Lisa Gardner

THE RENEGADES von T. Jefferson Parker

Best Paperback Original

SHADOW SEASON von Tom Piccirilli

URGE TO KILL von John Lutz

VENGEANCE ROAD von Rick Mofina

THE COLDEST MILE von Tom Piccirilli

NO MERCY von John Gilstrap

Best First Novel

FRAGMENT von Warren Fahy

DEAD MEN’S DUST (Der Knochensammler) von Matt Hilton

COLLISION OF EVIL von John J. Le Beau

DRACULA: THE UN-DEAD von Dacre Stoker

RUNNING FROM THE DEVIL von Jamie Freveletti

Best Short Story

THE DESERT HERE AND THE DESERT FAR AWAY von Marcus Sakey

A STAB IN THE HEART von Twist Phelan

AFTERSHOCK & OTHERS von F. Paul Wilson

ICED von Harry Hunsicker

BOLDT’S BROKEN ANGEL von Ridley Pearson

–

Da sind dieses Jahr viele Autoren (Finder, Coben, Parker, Piccirilli, Lutz, Mofina, Hilton) und Werke dabei, die ich noch unbedingt lesen will. Etliche der nominierten Werke dürften auch dieses und nächstes Jahr übersetzt werden.


Kleinkram zwischen Stoker Award 2009 und Spinetingler Award 2010

März 31, 2010

Die Horror Writers Association hat den „Bram Stoker Award 2009“ vergeben:

Superior Achievement in a NOVEL

AUDREY’S DOOR von Sarah Langan (Harper)

Superior Achievement in a FIRST NOVEL

DAMNABLE von Hank Schwaeble (Jove)

Superior Achievement in LONG FICTION

THE LUCID DREAMING von Lisa Morton (Bad Moon Books)

Superior Achievement in SHORT FICTION

“In the Porches of My Ears” von Norman Prentiss (POSTSCRIPTS #18)

Superior Achievement in an ANTHOLOGY

HE IS LEGEND herausgegeben von Christopher Conlon (Gauntlet Press)

Superior Achievement in a COLLECTION

A TASTE OF TENDERLOIN von Gene O’Neill (Apex Book Company)

Superior Achievement in NONFICTION

WRITERS WORKSHOP OF HORROR von Michael Knost (Woodland Press)

Superior Achievement in POETRY

CHIMERIC MACHINES von Lucy A. Snyder (Creative Guy Publishing)

–

Those Sexy Vintage Sleaze Books hat ein Buch von Sheldon Lord (auch bekannt als one and only Lawrence Block) entdeckt: Of Shame and Joy.

–

Joe Lansdale beantwortet den Sons of Spade einige Fragen:

I based a lot of Hap on myself, and Leonard on friends of mine. It’s that simple. But, of course, a lot of who they are is made up. I had a number of the jobs Hap had, and some of the other experiences. No murders and killings, but the background.

–

„Battlefield Earth“ hat kürzlich den Razzie als schlechtester Film des Jahrzehnts erhalten. Drehbuchautor J. D. Shapiro hat den Preis persönlich entgegengenommen und die Gelegenheit genutzt, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern:

It wasn’t as I intended — promise. No one sets out to make a train wreck. Actually, comparing it to a train wreck isn’t really fair to train wrecks, because people actually want to watch those. (…)

My script was very, VERY different than what ended up on the screen. My screenplay was darker, grittier and had a very compelling story with rich characters. What my screenplay didn’t have was slow motion at every turn, Dutch tilts, campy dialogue, aliens in KISS boots, and everyone wearing Bob Marley wigs.(…)

The only time I saw the movie was at the premiere, which was one too many times. (…)

Now, looking back at the movie with fresh eyes, I can’t help but be strangely proud of it. Because out of all the sucky movies, mine is the suckiest.

–
Horrorautor Norman Partridge hat sich mit Duane Swierczynski (aka Duane Louis) unterhalten:

It’s the work that matters. Don’t get caught up in the rest of the nonsense — the business and marketing and trend-watching and all of that. Sure, it’s important. But the work comes first. Sit your butt in a chair and keep writing. When you’re not writing, read your eyeballs out.

–
Spinetingler hat sich mit P. D. James unterhalten.
–
Die neue Ausgabe von Plots with Guns ist online.
–
Spinetingler hat die Nominierungsliste für die „Best Short Story on the Web“ veröffentlicht:

A Wild and Crazy Night by John Kenyon from Beat to a Pulp

At Least I felt Something by Sophie Littlefield from The Drowning Machine

Blurred Lines by Michael Moreci from A Twist of Noir

Flesh Rule by Frank Bill from Plots with Guns

Insatiable by Hilary Davidson from Beat to a Pulp

My Father’s Son by Alan Griffiths from A Twist of Noir

M-N-S (n) murder-necrophilia-suicide by Anonymous 9 from Plots with Guns

The Present by Mark Joseph Kiewlak from A Twist Of Noir

Survival Instincts by Sandra Seamans from Pulp Pusher

The Tut by Paul D Brazill from Beat to a Pulp

und demnächst wird der Weg zur Wahlkabine ausgeschildert.

TV-Tipp für den 31. März: Bis nichts mehr bleibt

März 31, 2010

ARD, 20.15

Bis nichts mehr bleibt (D 2010, R.: Niki Stein)

Drehbuch: Niki Stein

Endlich ist es soweit: nach wochenlanger Vorberichterstattung und pflichtschuldigem Gemaule von Scientology können wir den Anlass für die ganze Aufregung ansehen.

Weil Niki Stein auch einige der guten „Tatorte“ (vor allem mit dem Frankfurter Team Dellwo/Sänger) drehte, dürfte dieser TV-Film über einen Studenten, der mit seiner Frau, in die Fänge der Sekte gerät und nach jahrelanger Mitgliedschaft aussteigen will, immerhin ansehbar sein. Vielleicht ist er sogar wirklich gut.

Mit Felix Klare, Silke Bodenbender, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn

Wiederholung: Donnerstag, 1. April, 10.30 Uhr

Hinweise

Das Erste über „Bis nichts mehr bleibt“ (und in der Mediathek)

Tagesspiegel: Besprechung des Films


R. i. P. Peter Herbolzheimer

März 30, 2010

R. i. P. Peter Herbolzheimer (31. Dezember 1935 – 27. März 2010)

Mit Peter Herbolzheimer ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten des deutschen Jazz gestorben. Als Bigbandleiter begleitete er mit seiner 1969 gegründeten „Rhythm Combination & Brass“ US-Größen wie Dizzy Gillespie, Stan Getz, Nancy Wilson, Clark Terry, Nat Adderley, Toots Thielemans, Gerry Mulligan und Al Jarreau. Er schrieb die Musik für die Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München. In TV-Sendungen wie „Bios Bahnhof“ und dem „ZDF Jazzclub“ erreichte er ein Millionenpublikum. Sein Geniestreich war 1987 die Gründung des Bundesjugend-Jazzorchesters (BuJazzO), das er zwanzig Jahre leitete und unter seiner Ägide zur Talentschmiede wurde. Till Brönner, Claudio Puntin, Steffen Roger Cicero, Michael Wollny und Peter Weniger gehörten zum BuJazzO.

Herbolzheimer starb am Samstag in der Kölner Universitätsklinik an einer schweren Krankheit.

Nachrufe gibt es in der Spiegel Online (dpa), Der Standard, Tagesspiegel (Christian Schröder), Frankfurter Allgemeine Zeitung (Wolfgang Sandner), Badische Zeitung (Reiner Kobe), WDR (Interview mit Bernd Hoffmann) und der Frankfurter Rundschau (Hans-Jürgen Linke).


Cover der Woche

März 30, 2010

Nach langer, langer Zeit wird die Verfilmung des Romans, „Flieder für Jaczek“, am Donnerstag, den 1. April, im HR um 21.45 Uhr gezeigt.


TV-Tipp für den 30. März: Der Augenzeuge

März 30, 2010

BR, 21.45

Der Augenzeuge (USA 1981, R.: Peter Yates)

Drehbuch: Steve Tesich

Vietnam-Veteran Daryl Deever arbeitet als Hausmeister in einem New Yorker Bürohaus. Als er den ermordeten Manager Long findet, ergreift er die Gelegenheit sich seiner heimlichen Liebe, der TV-Reporterin Tony Sokolow, zu nähern, indem er behauptet, er habe den Mörder gesehen.

Unterschätzter ruhiger, romantischer Thriller.

„a thoroughly delightful but far from plausible mystery melodrama that operates exclusively on high spirits and a no-nonsense intelligence that is never sidetracked by coherence.“ (Vincent Canby, New York Times, 27. Februar 1981)

mit William Hurt, Sigourney Weaver, Christopher Plummer, James Woods, Irene Worth, Albert Paulsen, Steven Hill, Morgan Freeman

Hinweise

Trailer bei Videodetective (laue Qualität)

Showtime: schöne Ankündigung des Films

Wikipedia über „Eyewitness“




Dennis Hopper und der Stern

März 29, 2010

Die Enthüllung seines Sterns auf dem Walk of Fame am vergangenen Freitag (26. März)  ist wahrscheinlich der letzte öffentliche Aufritt von Dennis Hopper:

Er hat Prostatakrebs und ist in einen sehr unschönen Scheidungsstreit verwickelt (mehr hier).


TV-Krimi-Buch-Tipps für die Ostertage online

März 29, 2010

Technik, oh Technik – aber jetzt hat Alligator-Alfred einmal richtig zugeschnappt und es klappt mit den aktuellen Terminen und den vielen schönen Bildern. Fans von Krimiverfilmungen dürfen sich unter anderem auf diese Werke freuen:

Ostern ist wie Weihnachten für die kleine verschworene Gemeinschaft der Mankell-Fans. Die Peckinpahianer versammeln sich ebenfalls am Lagerfeuer. Und dann gibt es noch die sehenswerte Henri-Georges Clouzot Boileau/Narcejac-Verfilmung „Die Teuflischen“, seine Georges-Arnaud-Verfilmung „Lohn der Angst“, Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Michael Ciminos Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Alfred Hitchcocks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Fenster zum Hof“, Curtis Hansons James-Ellroy-Verfilmung „L. A. Confidential“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „Casino“, Pedro Almodóvars Ruth-Rendell-Verfilmung „Live Flesh“, John Fords Alan-LeMay-Verfilmung „Der schwarze Falke“, Bennet Millers Gerald-Clarke-Verfilmung „Capote“ (TV-Premiere zu – Ach, vergessens wir’s und programmieren den Rekorder.), Delmer Daves‘ David-Goodis-Verfilmung „Das unbekannte Gesicht“ und für die Klassik-Fans gibt es den seit gut fünfzehn Jahren nicht mehr gezeigten Tatort „Flieder für Jaczek“, nach einem Buch von Stefan Murr.


TV-Tipp für den 29. März: Die Teuflischen

März 29, 2010

Arte, 20.15

Die Teuflischen (F 1955, R.: Henri-Georges Clouzot)

Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Geronimi, René Masson (Mitarbeit), Frédéric Grendel (Mitarbeit)

LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: Les diaboliques: Celle qui n´etait pas, 1952 (Die Teuflischen; Tote sollen schweigen)

Privatschullehrer Delasse quält mit sadistischer Freude seine herzkranke Frau und seine Geliebte. Da beschließen die beiden Frauen, das Ekelpaket umzubringen.

Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter Klassiker, der einem auch heute noch den Atem raubt.

Das Drehbuch gewann einen Special Edgar.

mit Simone Signoret, Véra Clouzot, Paul Meurisse, Charles Vanel, Michel Serrault

Wiederholungen

Dienstag, 6. April, 14.45 Uhr

Freitag, 16. April, 14.45 Uhr

Hinweise

Arte über die Henri-Georges-Clouzot-Reihe

Wikipedia über Henri-Georges Clouzot (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. März: Donna Leon

März 27, 2010

Arte, 17.00

Donna Leon (D 2008, R.: Ralf Pleger, Torsten Bohnet)

Drehbuch: Ralf Pleger, Torsten Bohnet

45-minütige Doku über die Erfinderin von Venedig-Kommissar Brunetti.

Wiederholungen

Montag, 29. März, 08.00 Uhr

Samstag, 3. April, 06.45 Uhr

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über Donna Leon (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Donna Leon

Italian Mysteries über Donna Leon

Homepage von Donna Leon (Random House)

Homepage von Donna Leon (Grove Atlantic)

Diogenes über Donna Leon

Das Erste über die Commissario-Brunetti-Filme


„24“ erlebt keinen neunten TV-Tag

März 27, 2010

In den vergangenen Tagen gab es einige Meldungen über das mögliche Ende der Serie, einen Umzug zu einem anderen Sender und einem Kinofilm.

Jetzt ist das Ende der TV-Serie nach der achten Staffel (die derzeit in den USA ausgestrahlt wird) beschlossen. Letztendlich dürfte es an den gestiegenen Kosten und den anstehenden Gehaltsverhandlungen gelegen haben. Außerdem soll man dann aufhören, wenn es am schönsten ist.

Aber halt: die wollen jetzt einen Kinofilm machen. Er soll in Europa spielen und Billy Ray schreibt das Drehbuch. Ray schrieb die Bücher für „State of Play“ und „Das Tribunal“ (Hart’s War). Für seine beiden Spielfilme „Enttarnt“ (Breach) und „Lüge und Wahrheit“ (Shattered Glass) schrieb er ebenfalls die Bücher.

Hier die Pressemitteilung von Fox (habe auf kürzere Version verlinkt):

“24: DAY EIGHT” WILL BE THE AWARD-WINNING SERIES’ FINAL SEASON

Two-Hour Series Finale Airs Monday, May 24, on FOX

In a joint decision made by 24’s star and executive producer Kiefer Sutherland, executive producer and showrunner Howard Gordon, Twentieth Century Fox Television, Imagine Entertainment and Fox Broadcasting Company, it was determined that the acclaimed series will end its remarkable eight-season run. Jack Bauer’s last day on FOX will conclude when the final two hours of “Day Eight” air Monday, May 24 (8:00-10:00 PM ET/PT). As the countdown to the series’ climactic conclusion races on, the final 11 hours will air uninterrupted Mondays (9:00-10:00 PM ET/PT) on FOX.

Multiple award-winning series star Kiefer Sutherland reflected on the show’s run: “This has been the role of a lifetime, and I will never be able to fully express my appreciation to everyone who made it possible. While the end of the series is bittersweet, we always wanted 24 to finish on a high note, so the decision to make the eighth season our last was one we all agreed upon. This feels like the culmination of all our efforts from the writers to the actors to our fantastic crew and everyone at Fox. Looking ahead to the future, Howard Gordon and I are excited about the opportunity to create the feature film version of 24. But when all is said and done, it is the loyal worldwide fan base that made it possible for me to have the experience of playing the role of Jack Bauer, and for that I am eternally grateful.”

Executive producer and showrunner Howard Gordon said, “Kiefer and I have loved every minute of making 24, but we all believe that now is the right time to call it a day. I echo his sentiments of gratitude toward the show’s amazing creative team, as well as the studio and network who have always believed in us and shown us unbelievable support.”

“24 is so much more than just a TV show – it has redefined the drama genre and created one of the most admired action icons in television history,” said Peter Rice, Chairman, Entertainment, Fox Networks Group. Kevin Reilly, President, Entertainment, Fox Broadcasting Company added, “We are extremely proud of this groundbreaking series and will be forever thankful to Kiefer, the producers, the cast and crew for everything they’ve put into 24 over the years. It’s truly been an amazing and unforgettable eight days.”

“We are so grateful to Kiefer and Howard who have really poured their hearts and souls into making this show over the past eight seasons,” commented Gary Newman and Dana Walden, Chairmen, Twentieth Century Fox Television. “To everyone who contributed to this iconic series over its amazing run, we want to extend our heartfelt appreciation for your incredible work.”

Added Imagine Entertainment’s Brian Grazer, “I’m so proud to have been a part of 24, which has become such a cultural phenomenon. And to Kiefer and Howard and everyone who has worked on the show, many thanks.”

Now in its eighth season with Kiefer Sutherland starring as the heroic Jack Bauer, the inventive and suspenseful 24 has been nominated for a total of 68 Emmy Awards, winning for Outstanding Drama Series in 2006. Over the course of seven seasons, Sutherland garnered seven Emmy nominations and one win for Outstanding Lead Actor – Drama Series. While the series gained global recognition, Sutherland’s portrayal of the legendary character penetrated the American psyche like no other dramatic television character to become part of the English lexicon.

Premiering November 6, 2001, 24 employed a pioneering split-screen, fast-paced format with complex interweaving storylines as viewers followed anti-terrorism agent Jack Bauer through 24 pulse-pounding episodes, each covering one hour and presented in real time. Subsequent seasons combined the show’s unique and trend-setting format while delivering compelling new elements and attracting talented actors and guest stars, including the Emmy Award-winning Cherry Jones (President Allison Taylor). The series also currently stars Mary Lynn Rajskub (Chloe O’Brian), Anil Kapoor (Omar Hassan), Annie Wersching (Renee Walker), Katee Sackhoff (Dana Walsh), Mykelti Williamson (Brian Hastings), Freddie Prinze Jr. (Cole Ortiz), Chris Diamantopoulos (Rob Weiss) and John Boyd (Arlo Glass).

The first six seasons were set in Los Angeles, and following the strike-induced delay of Season Seven, “24: Redemption,” a two-hour film bridging Seasons Six and Seven, was set in Africa. Washington, D.C. was the setting for Season Seven, and the final season of 24 finds Jack Bauer thwarting a terrorist attack in New York.

At the conclusion of Season Eight, 24 will have a produced a total of 194 episodes (including “24: Redemption”), making it one of the longest-running action television shows in history.

Tune in Monday, March 29 (9:00-10:00 PM ET/PT) for the next all-new installment of 24 and Monday, April 5 (8:00-10:00 PM ET/PT) for a special two-hour episode.

(via Collider)


DVD-Kritik: „Two Lovers“ – James Grays vierter Streich

März 27, 2010

Ein Liebesfilm in der Kriminalakte?

Ich könnte jetzt einen langen Vortrag beginnen, dass Krimis eigentlich Liebesgeschichten sind undsoweiterundsofort.

Oder ich sage einfach nur: JAMES GRAY.

Genau, der James Gray, der bis jetzt drei fantastische Gangsterfilme, die er mit präzisen Sozialstudien und Familiengeschichten verband, drehte. „Little Odessa“, „The Yards“ und „Helden der Nacht“ hießen die in New York, vornehmlich Brighton Beach/Brooklyn, spielenden Filme, für die er auch immer das Drehbuch schrieb und immer wieder eine erkleckliche Zahl bekannter Schauspieler engagieren konnte.

Auch sein neuester Film „Two Lovers“ fügt sich nahtlos in sein bisheriges Werk ein und zeigt, wieder einmal, dass er zu den am meisten unterschätzten Geschichtenerzählern gehört. Wieder spielt sein Lieblingsschauspieler Joaquin Phoenix mit und wieder zeigt Phoenix in seinem bislang letztem Film eine beeindruckende Leistung als Leonard Kraditor, der nach einem psychischen Zusammenbruch seit vier Monaten wieder bei seinen Eltern lebt und versucht sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Seine Eltern (Isabella Rossellini, Moni Monoshov) wollen ihn mit Sandra Cohen (Vinessa Shaw) verkuppeln. Sandra hat sich, nachdem sie ihn in der Kleiderreinigung seiner Eltern gesehen hatte, in ihn verliebt. Sie ist die Tochter eines Geschäftskonkurrenten und auch ihre Eltern stünden einer Ehe wohlwollend gegenüber.

Aber Leonard verliebt sich in den blonden Engel Michelle Rausch (Gwyneth Paltrow). Sie ist die Geliebte des reichen, verheirateten Ronald Blatt (Elias Koteas) und hat absolut kein sexuelles Interesse an Leonard. Für sie ist er nur der nette Nachbar von nebenan.

Gray konzentriert sich in seiner von Fjodor Dostojewskis Kurzgeschichte „Weiße Nächte“ inspirierten, hübsch doppeldeutig betitelten Geschichte (das ist einer der raren Fälle, in denen der Originaltitel besser als eine wörtliche Übersetzung ist) auf den einsamen Leonard und seine Entscheidung zwischen zwei Frauen und Lebensstilen.

„Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.

Und dennoch ist James Gray immer noch viel zu unbekannt. Teils weil seine Filme keinen großen Kinostart erhielten, teils weil sie – wie „The Yards“ nach einer Pleite des deutschen Verleihs – nie in die Kinos kamen. Aber auch weil seine Filme auf modischen Schnickschnack verzichten und sich auf die derzeit unhippe Tradition des klassischen Erzählkinos und des europäischen Kinos, zwischen Frederico Fellini und Krzysztof Kieslowski, beziehen.

Sein Erzähltempo ist für heutige Sehgewohnheiten ungewöhnlich langsam, aber immer entwickelt er bereits mit den ersten Bildern einen fatalistischen Sog, bei dem auf überraschende Plottwists und überraschende Enden verzichtet wird. Seine Charaktere scheinen äußeren Umständen und ihrem Schicksal ausgeliefert zu sein. Auch Leonards Schicksal ist von Anfang an vorherbestimmt, das Ende ist bittersüß und, je nach persönlicher Sicht, ist es ein gutes oder ein schlechtes Ende. Aber in jedem Fall ist es ein befriedigendes Ende.

Als Bonusmaterial gibt es lediglich drei geschnittene Szenen, die bis auf eine, die ich vielleicht drin gelassen hätte (sie zeigt Leonard mit seinen Eltern in der Reinigung), zu recht weggefallen sind, und einen sehr hörenswerten Audiokommentar von James Gray. Er erzählt von seinen Vorbildern im europäischen Kino, seinen ästhetischen Vorstellungen, den Dreharbeiten, welche Absichten er bei bestimmten Szenen hatte und wie die Schauspieler ihn mit ihren Improvisationen immer wieder überraschten.

Two Lovers (Two Lovers, USA 2008)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray, Rick Menello

mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas

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DVD

Senator

Bild: 2,35:1 (anamorph 16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar, Deleted Scenes, Trailer

Laufzeit: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Die bisherigen Erkundungen New Yorks von James Gray

Little Odessa (Little Odessa, USA 1994)

Drehbuch: James Gray

mit Tim Roth, Moira Kelly, Edwad Furlong, Vanessa Redgrave, Maximilian Schell, Paul Guilfoyle

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The Yards – Im Hinterhof der Macht (The Yards, USA 2000)

Drehbuch: James Gray, Matt Reeves

mit Mark Wahlberg, Joaquin Phoenix, Charlize Theron, James Caan, Faye Dunaway, Ellen Burstyn, Tony Musante, Victor Argo, Tomas Milian

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Helden der Nacht (We own the Night, USA 2007)

Drehbuch: James Gray

mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Danny Hoch, Alex Veadov, Oleg Taktarov, Moni Monoshov, Tony Musante

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Wikipedia über „Two Lovers“ (deutsch, englisch)

IFC: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Spout Blog: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Coming Soon: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Collider: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

IndieWire: Interview mit James Gray über „Two Lovers“


TV-Tipp für den 27. März: Pat Garrett jagt Billy the Kid

März 27, 2010

BR, 21.55

Pat Garrett jagt Billy the Kid (USA 1973, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Rudolph Wurlitzer

Der Titel verrät die Story – und das Ende kennen wir aus den Geschichtsbüchern.

Grandioser Abgesang auf den Wilden Westen und das Ende der sechziger Jahre. Es wird, wie üblich, die rekonstruierte Langfassung gezeigt (in der leider die grandiose Sterbeszene am Fluss mit Dylans „Knockin´ on heavens door“ fehlt). MGM brachte damals nur eine gekürzte Fassung in die Kinos.

„Der Film hat eine Trägheit und einen elegischen Ton, in denen man versinken kann. Was kommen wird, ist so klar, dass er immer wieder innehalten, abweichen, verzögern kann. Die Szenen müssen nicht ineinander greifen, es gibt abrupte Wechsel, und im Grunde ist es ein Film übers Herumhängen im Grenzgebiet, in runtergekommenen Häusern, provisorischen Quartieren. Es gibt eine ausgeprägte Vorliebe für Abend- und Morgendämmerung, für das Nachmittagslicht im amerikanischen Südwesten, und mittendrin gerät man immer wieder in kurze Sequenzen von einer tranceartigen Schönheit.“ (Peter Körte in Filmgenres: Western, Reclam 2003)

Mit Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan (auch Musik), Jason Robarts Jr., Richard Jaeckel, Katy Jurado, Slim Pickens, John Beck, Rita Coolidge, R. G. Armstrong, Jack Elam, L. Q. Jones, Harry Dean Stanton, Rudolph Wurlitzer, Sam Peckinpah (spielt Will, den Sargmacher), Elisha Cook Jr.

Hinweis

Meine Besprechung der DVD „Sam Peckinpah: Passion & Poetry“

Bonushinweis

Davor, um 20.15 Uhr, „Der Mann aus dem Westen“ (USA 1958, R.: Anthony Mann, mit Gary Cooper) und danach, um 23.50 Uhr, „Das passende Leben des Billy the Kid“ (D 1980, R.: Peter Gehring) ansehen.