Dass ich noch nichts über Jackie Chans „Stadt der Gewalt“ geschrieben habe, liegt nicht an dem Film, sondern nur an meiner schlechten Planung. Denn anstatt sofort die Kritik zu schreiben, hab ich’s auf die lange Bank geschoben. Dabei hat mir sein neuer Film, der ihn in einer ungewohnten Rolle zeigt, gut gefallen.
Chan spielt Tietou, eine armen chinesischen Arbeiter, der in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts illegal nach Japan einreist, um seine Freundin Xiu Xiu zu suchen. Als illegaler Flüchtling versucht er mit schlechtbezahlten Jobs und kleinen Gaunereien in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku halbwegs ehrlich über die Runden zu kommen.
In einem Lokal, in dem er jobbt, sieht er Xiu Xiu in Begleitung des aufstrebenden Yakuza-Bosses Toshinari Eguchi. Sie ist, wie er später erfährt, Eguchis Frau. Tietou entschließt sich zu den nächsten Schritten in seiner Verbrecherlaufbahn, es gibt Ärger mit japanischen Gangstern und eines Tages rettet er Eguchi das Leben.
Die Geschichte von „Stadt der Gewalt“ erinnert an die auch heute noch mitreisenden Hollywood-Gangster- und Sozialdramen aus den Dreißigern. Da wird dann, wegen der Botschaft, der Held arg positiv und naiv gezeichnet. Manchmal verhält Tietou sich wie ein reiner Tor. So ist er bass erstaunt, dass er als der neue Pate Schutzgeld von den Wirten und Unternehmern erhält. Und sein Versuch als Gangsterboss einfach nur der gute Onkel im Viertel zu sein, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Auch das gemütliche Zusammensitzen der Illegalen in ihrer Suppenküche und ihr Zusammenhalt werden arg idealisiert und romantisch verklärt. Da fehlt nur noch das beschwingte Lied und die Tanznummer auf den Tischen.
Das alles dient natürlich nur dazu, die von den Japanern verachteten illegalen Einwanderer in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Für sie soll Verständnis geweckt werden. Denn in den Neunzigern, als viele Chinesen illegal, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, nach Japan einwanderten, gab es gewalttätigen Konflikte zwischen den Chinesen und den sich in ihrem Wohlstand und ihren Privilegien bedrohten Japanern. Auch in anderen Einwanderergesellschaften gab und gibt es ähnliche Konflikte, die auch in Büchern und Filmen verarbeitet wurden.
In diesen Grenzen eines in der Realität geerdeten Gangsterdramas, das auf das Leben der von der Öffentlichkeit ignorierten Illegalen aufmerksam machen will, ist die Geschichte gut entwickelt und sie bewegt sich glaubwürdig und durchaus realistisch auf die letzte Konfrontation zu.
„Stadt der Gewalt“ ist ein feines, düsteres Gangsterdrama mit einem nachvollziehbarem sozialen Anliegen. Jackie-Chan-Fans, die nur seine Action-Filme und Komödien sehen wollen, werden enttäuscht sein. Dies ist einer seiner bislang sehr wenigen Ausflüge in dramatische Gefilde und er schlägt sich mit seinem zur Rolle passenden introvertiertem Spiel mehr als achtbar aus der Affäre.
Stadt der Gewalt (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)
Regie: Derek Yee (Pseudonym von Tung-Shing Yee)
Drehbuch: Tung-Shing Yee, Tin Nam Chun
mit Jackie Chan, Naoto Takenaka, Daniel Wu, Xu Jinglei
Bonusmaterial (angekündigt für die Doppel-DVD; Einzel- und Dreier-DVD ebenfalls erhältlich): Making of, Interviews, Deleted Scenes, Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie, Wendecover (ca. 4 Stunden Bonusmaterial)
From Paris with Love (From Paris with Love, Frankreich 2009)
Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Adi Hasak (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Ein biederer Botschaftsangestellter, der gerne ein richtiger Geheimagent wäre, soll für den CIA-Agenten Charlie Wax in Paris das Kindermädchen spielen. Dieser Wax ist ein sehr ungezogenes Kind, das alles, was sich ihm in den Weg stellt, zerdeppert.
Und wieder einmal benehmen sich die Amis in der Fremde schlecht.
Aber wenn das ganze in Paris spielt, ist Luc Besson nicht weit und er hat mit „From Paris with Love“ ein weiteres actionreiches Buddy-Movie fabriziert, auf das Hollywood stolz sein kann.
Also: neunzig Minuten Franco-Action, der man alles vorwerfen kann, außer das Gehirn des geneigten Zuschauers übermäßig zu beanspruchen.
mit John Travolta, Jonathan Rhys-Meyers, Kasia Smutniak, Richard Durden, Eric Godon
Tatort: Unter uns (D 2007, R.: Margarethe von Trotta)
Drehbuch: Katrin Bühlig
Margarethe von Trotta (Co-Regie bei „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, „Das zweite Erwachen der Christa Klages“, „Die bleierne Zeit“, „Rosa Luxemburg“, „Das Versprechen“, „Jahrestage“ und „Rosenstraße“) inszeniert einen „Tatort“ und es ist einer der besten „Tatorte“ der letzten Jahre. Daran ändert auch die seltsame Konstruktion mit den zwei parallelen Geschichten nichts: ein Mädchen behauptet, in einem Nachbarhaus ein Kind gesehen zu haben und niemand glaubt ihr; ein Unternehmer, der zum Hartz-IV-Empfänger wurde, dreht im Jobcenter durch und flüchtet mit einer Geisel. „Unter uns“ ist ein berührendes Sozialdrama.
mit Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Peter Lerchbaumer, Franziska Walser, Ulrike Krumbiegel, Michael Brandner, Lena Stolze, Stefan Jürgens
R. i. P. Robert Culp (16. August 1930 – 24. März 2010)
Mit der Serie „Tennisschläger und Kanonen“ (I Spy, USA 1965 – 1968) wurde Robert Culp zum Star. Der von ihm inszenierte Privatdetektivfilm „Magnum Heat“ (Hickey & Boggs, USA 1972, Drehbuch: Walter Hill) wurde zu einem Kultfilm. Er spielte in vier Columbo-Folgen mit, hatte Gastspiele in zahlreichen weiteren TV-Serien und tragende Rollen in vielen TV-Filmen und Spielfilmen, wie „Die Akte“ (The Pelican Brief, USA 1993).
Robert Culp stürzte, so die Polizei, vor seinem Haus in Los Angeles und verletzte sich tödlich am Kopf. Nach Culps Manager ist die offizielle Todesursache ein Herzanfall nach dem Sturz.
Heute Abend läuft um 22.15 Uhr auf SRTL die Columbo-Folge „Mord mit der linken Hand“ (Death lends a hand, USA 1971) mit Robert Culp als Bösewicht. Ray Milland spielt ebenfalls mit.
Am Montag, den 29. März, läuft um 22.15 Uhr auf SRTL die Columbo-Folge „Wenn der Eismann kommt“ (The most crucial game, USA 1972) mit Robert Culp.
Das sind die Gefühle, die sich nach der kompletten Lektüre von James Ellroys Unterwelt-Trilogie einstellen. Denn die Lektüre von „Ein amerikanischer Thriller“, „Ein amerikanischer Alptraum“ und „Blut will fließen“ in einem Rutsch ist weniger eine aufregende Reise durch fünfzehn Jahre US-amerikanischer Geschichte, als viel mehr ein ermüdender Boxkampf der irgendwann in ein stupides Catchen ausartet, bei dem man nur noch auf den erlösenden Gong wartet.
Aber James Ellroys Underworld-Trilogie sollte wahrscheinlich nicht als Roman gelesen werden. Vor allem nicht als Roman, der sich an die normalen Konventionen mit unterscheidbaren Haupt- und Subplots und unterscheidbaren Haupt- und Nebencharakteren hält. Sie sollte eher wie eine TV-Serie, die zwischen 1958 und 1972 spielt, genossen werden, in der viele Handlungsstränge, mehr oder weniger gleichzeitig, mehr oder weniger miteinander verknüpft, parallel ablaufen und am Ende des Buches, wie am Ende einer Staffel, ein Cliffhanger ist. Denn die nächste Staffel soll auch gesehen, der nächste Roman gelesen, werden.
So endet „Ein amerikanischer Thriller“ wenige Minuten vor der Ermordung von John F. Kennedy und „Ein amerikanischer Alptraum“ beginnt wenige Minuten nach der Ermordung von John F. Kennedy. Der Roman endet mit dem Tod von Martin Luther King und Bobby Kennedy.
„Blut will fließen“ endet mit dem Tod von J. Edgar Hoover; – einem der ganz wenigen Charaktere, die in allen drei Büchern mitspielen. Insofern ist die Trilogie auch eine Chronik der letzten fünfzehn Jahre von Hoover, seiner zunehmenden Paranoia, seinem körperlichem Verfall und dem Verfall seiner Welt.
Ellroy lässt, neben Hoover, viele Personen der Zeitgeschichte auftreten und erzählt die Geschichte dieser Jahre in zahlreichen Episoden aus der Perspektive von einigen Troubleshootern, die zwischen den Fronten hin- und herspringen, Doppel-Doppelspiele (manchmal auch Doppel-Doppel-Doppelspiele) treiben und anscheinend in jedes wichtige Ereignis dieser Jahre irgendwie involviert sind. Auf die immerwährende Solidarität eines Charakters ist kein Verlass und letztendlich ist jeder Charakter ersetzbar.
Außerdem, auch das erinnert an TV-Serien mit einer folgenüberspannenden Geschichte (wie „24“ „The Shield“ und „The Sopranos“), entwickelt sich der Hauptplot teilweise im Hintergrund, während einzelne Episoden (die man manchmal auch ohne Verlust für die gesamte Erzählung in den Papierkorb hätte werfen können) die Aufmerksamkeit wachhalten.
In „Ein amerikanischer Thriller“ ist der Hauptplot der Aufstieg von John F. Kennedy als beliebter Senator und Kandidat für die Präsidentschaft bis zu zu seiner Ermordung.
In „Ein amerikanischer Alptraum“ ist der rote Faden der Wunsch von Howard Hughes die Casinos von Las Vegas zu kaufen.
In „Blut will fließen“ ist die sehr lose erzählerische Klammer die Jagd nach den Räubern, die bei einem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter mehrere Millionen Dollar und wertvolle Smaragde erbeuteten.
Abgesehen von diesem „Hauptplot“ (Ja, auch darüber kann gestritten werden.) sind alle drei Bände ähnlich aufgebaut. Es gibt mehrere Handlungsstränge, viele Episoden, die die wichtigen Charaktere zu allen wichtigen und weniger wichtigen Orten der US-amerikanischen Politik führen, unglaublich kleinteilige Schilderungen von bestimmten Komplotten und im letzten Drittel (fast so, als sei Ellroy der Gedanke kommen, dass er jetzt langsam zum Schluss kommen müsse und er dafür die verschiedenen losen Fäden irgendwie miteinander verknüpfen muss [aber das kann nicht stimmen, weil Ellroy sagt, er plane seine Romane genau und er erstelle unglaublich detaillierte Exposés, in die er später vor allem die Dialoge einfüge) gibt es dann plötzlich den Plan, eine wichtige Person zu ermorden (John F. Kennedy, Bobby Kennedy, Martin Luther King, J. Edgar Hoover).
Und immer wieder werden wichtige Charaktere sehr lieblos in einem Halbsatz oder zwischen zwei Kapiteln ermordet.
Im ersten Band der Trilogie ermüdet, wie auch in den beiden Folgebänden, die oft unglaubliche kleinteilige Erzählweise, die immer wieder von Schlagzeilen und zusammenfassenden Berichten unterbrochen wird. Denn bei vielen Szenen ist ihre mögliche Bedeutung für die weitere Handlung unklar.
Der zweite Band ist mit seinen Stummelsätzen und den ständigen Zeitsprüngen einfach unlesbar. Denn alle zwei Zeilen stockt der Lesefluss, aber dafür steigt die Bewunderung für den Übersetzer, der zwischen dem ständigen „sagte“ und „sagt“ nicht den Überblick verlor.
Im dritten Band hat Ellroy diesen „Fehler“ (O-Ton Ellroy) berichtigt. Die Sätze sind jetzt wieder länger und es wird, wie schon „Ein amerikanischer Thriller“, wieder fast durchgängig im Imperfekt erzählt.
Aber ein richtiger Lesefluss entsteht immer noch nicht. Denn man muss ja immer noch die verschiedenen Handlungsstränge verfolgen und sich öfters durch ein halbes Kapitel lesen, bis endlich deutlich wird, welche Charaktere in der Szene auftreten. Denn Ellroys Hauptcharaktere unterscheiden sich bis auf ihr Alter kaum voneinander und er beginnt ein Kapitel gerne, indem er die Namen der in der Szene auftretenden Charaktere zunächst verschweigt und einfach mit einem unpersönlichen „er“ beginnt, bei dem nur sicher ist, dass dieser „er“ nicht der „er“ des vorherigen Kapitels ist.
Bei „Blut will fließen“ wäre, noch stärker als in den ersten beiden Bänden, ein Beschränken auf ein, zwei Hauptplots besser gewesen. Denn neben dem Überfall auf den Geldtransporter, der „Operation Bööööser Bruder“, der aufstrebenden Hippie-Bewegung, den Hinterhöfen der US-amerikanischen Politik, dem Plan der Mafia, in der Dominikanischen Republik Kasinos zu bauen, gibt es auf den gut achthundert Seiten noch einige Plots, die die Aufmerksamkeit beanspruchen und den Wunsch wecken, sich während des Lesens eine Grafik, mit den auftretenden Personen und ihren möglichen Beziehungen zueinander, zu erstellen.
So ist die Unterwelt-Trilogie ein Epos mit vielen Charakteren, die etwas besinnungslos durch die auf den ersten Blick labyrinthische, auf den zweiten Blick sehr banale Geschichte stolpern.
Dabei kann James Ellroy es, wie er in „L. A. Confidential“ zeigte, besser.
The Unit – Eine Frage der Ehre: Jäger und Gejagte – Teil 1 (USA 2007, R.: Vahan Moosekian)
Drehbuch: Sharon Lee Watson
Erfinder: David Mamet
LV: Eric L. Haney: Inside Delta Force, 2002
Am Ende der zweiten Staffel wurde die Spezialeinheit von Sergeant Major Jonas Blane aufgelöst, indem ihnen vergangene Verfehlungen vorgeworfen wurden, und einige Mitglieder tauchten unter. Jetzt wollen sie herausfinden, warum sie aufgelöst wurden.
Nach einer jahrelangen Pause geht es im deutschen TV endlich weiter mit dieser ziemlich genialen Actionserie, bei der neben David Mamet auch „Shield“-Erfinder Shawn Ryan Produzent war.
Mit Dennis Haysbert (Jonas Blane), Regina Taylor (Molly Blane), Robert Patrick (Colonel Tom Ryan), Audrey Marie Anderson (Kim Brown), Max Martini (Mack Gerhardt), Abby Brammell (Tiffy Gerhardt), Michael Irby (Charles Grey), Demore Barnes (Hector Williams), Scott Foley (Bob Brown), Rebecca Pidgeon (Charlotte Ryan), Tia Texada (Mariana Ribera)
Wer bei den Münchner „Tatort“- und „Polizeiruf 110“-Folgen auch auf den Autorennamen achtet, wird öfters den Namen Peter Probst gelesen haben. „Im Herzen Eiszeit“, „Gefallene Engel“, „Wenn Frauen Austern essen“, „Der Traum von der Au“ und „Der Fluch der guten Tat“ gehören zu seinen Werken.
Jetzt legte er mit „Blinde Flecken“ seinen ersten Kriminalroman für Erwachsene vor. Es ist auch der erste Fall für den Privatdetektiv Anton Schwarz: einem einundünfzigjährigem Ex-Polizisten, der immer noch an seiner Ex-Frau hängt, regelmäßig seine Mutter besucht, sich in München meistens mit dem Fahrrad und der U-Bahn fortbewegt, dessen provisorische Wohnung auch nach drei Jahren ein einziges Junggesellen-Chaos ist und der einfach ein sehr sympathisch-gewöhnlicher Mann ohne auffällige Marotten, Interessen und schädliches Suchtverhalten ist. Zynisch gesagt ist sein Nachname schon das Farbigste bei ihm – und das ist gut so.
Dass er in seinem ersten Fall dann gleich im Braunen Sumpf ermitteln muss und zwischen die Fronten von Juden, Ausländern und Nazis gerät, weckt dann – vor allem weil im Klappentext betont wird, dass Probst sich im Verein „Lichterkette“ engagiert und an „Schuhhaus Pallas – Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte“ von seiner Frau Amelie Fried mitarbeitete – die schlimmsten Befürchtungen auf eine mit einem Krimimäntelchen umhängte, unverdauliche Mischung aus Sozialkritik, Betroffenheitsliteratur und gut gemeinter Anklage gegen Staat und Gesellschaft, wie wir sie aus den sonntäglichen „Tatorten“ kennen.
Aber Probst schrieb für die Münchner Sonntagskrimis und die verpacken die Gesellschaftskritik in packende Krimis. Die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel.
So hält sich auch „Blinde Flecken“ nicht allzu lange mit dem tiefsinnigen Erforschen der deutschen Seele und Informationen über das Judentum und die rechtsradikale Szene auf. Stattdessen muss Anton Schwarz, als er Herausfinden will, ob der inhaftierte Tim Burger immer noch eine Gefahr für die Gesellschaft ist, sich plötzlich mit neuen Straftaten auseinandersetzen. Aber trotz aller Haken, die die Handlung auf knapp 250 Seiten schlägt, ist das Ende schon sehr früh offensichtlich und viele Fragen werden nicht beantwortet.
Wer darüber hinwegsieht, kann den ersten Fall von Anton Schwarz als flott zu lesenden Pulp genießen.
Eine Anmerkung zur Rechtschreibung: Es machte mich wahnsinnig, dass ständig „Klesmer“ statt Klezmer und „Breakedance“ statt Breakdance geschrieben wurde.
Die Schwarze Komödie mit etlichen Morden und grotesk überzeichneten Typen ist ein kleiner Klassiker: um ein Bestattungsunternehmen vor der Pleite zu retten, sorgen der Schwiegersohn und sein Gehilfe für Nachschub. Mit allen Mitteln.
Mit Boris Karloff, Vincent Price, Peter Lorre, Basil Rathbone
Thomas Crown ist nicht zu fassen (USA 1968, R.: Norman Jewison)
Drehbuch: Alan R. Trustman
Versicherungsagentin Vicky Anderson glaubt, dass der vermögende und seriöse Geschäftsmann Thomas Crown ein Bankräuber ist. Zwischen beiden entspinnt sich ein erotisch aufgeladenes Katz-und-Maus-Spiel.
Ein Kassenhit und mindestens ein Semi-Klassiker.
„Just the movie to see if you want to see an ordinary, not wonderful, but highly enjoyable movie—of which there have been so few this year.“ (New York Times, 27. Juni 1968)
„‚The Thomas Crown Affair‘ ist vornehmlich eine private Fingerübung von Jewison, Michel Legrand (zu dessen Musik der Film geschnitten wurde) und seinem Cutter, bei der die Schauspieler nicht so sehr als wahre Persönlichkeiten mit ihren eigenen Spannungsfeldern auftreten, sondern hauptsächlich als sprechende Köpfe.“ (Derek Elley, Focus on Film, März 1981)
„Beim Publikum der späten sechziger Jahre kam diese etwas klebrige Mischung, deren Unterhaltungswert sich zugestandenermaßen auch aus heutiger Sicht kaum wegnörgeln lässt, außerordentlich gut an, und Jewisons Kunstgewerbe wurde von manchen Kritikern gar als große Filmkunst bezeichnet.“ (Robert J. Kirberg: Steve McQueen, 1985)
mit Steve McQueen, Faye Dunaway, Paul Burke, Jack Weston, Yaphet Kotto
Wiederholungen
SWR: Mittwoch, 24. März, 23.00 Uhr
RBB: Samstag, 27. März, 00.30 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Wikipedia über „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (deutsch, englisch)
Lohn der Angst (F/I 1953, R.: Henri-Georges Clouzot)
Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi
LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)
Vier Männer fahren mit einer Ladung Nitro durch den lateinamerikanischen Dschungel.
Klingt langweilig? Ist aber ein Klassiker, der Anfangs das Leben gestrandeter Abenteuerer in den Kolonien extrem genau zeigt, später extrem spannend ist und einen tiefen, illusionslosen Einblick in die menschliche Seele bietet. Eine existentialistische Parabel im Gewand eines Action-Films. – Seine volle Wirkung entfaltet „Lohn der Angst“ allerdings nur auf der großen Leinwand.
Hellmuth Karasek in „Mein Kino – Die 100 schönsten Filme“: „Clouzots Meisterwerk, wahrscheinlich der vollkommenste und geradlinigste Thriller der Filmgeschichte…Clouzot hat hier (gemeint ist der Filmanfang, A. d. V.) als erster gnadenlose Bilder aus der Dritten Welt, ihren kolonialen Strukturen, der vorherrschenden Desperado-Mentalität, der latent homoerotischen Männerbünde, deren letzter Stolz die Frauen- und Eingeborenen-Verachtung ist, eingefangen – lange vor Taverniers Saustall.“
London, East End, Arbeiterviertel mit hoher Kriminalitätsrate, in der Wirklichkeit gefürchtet und in der Popkultur als Reservoir für Gangstermythen geliebt. Mythen, die ihren Ursprung in den Taten von Jack the Ripper und denen der Kray-Brüder haben. Auch die von Nicola Collins inszenierte Doku „The End – Confessions of a real gangster“ führt diesen Mythos fort und, als Tochter des Verbrechers Les Falco, der auch vor die Kamera tritt, hatte sie einen privilegierten Zugang zu diesem Milieu.
In der vor allem aus sprechenden Köpfen montierten Doku erzählen er und einige seiner Freunde von ihrem Leben als Verbrecher. Aber als „Gangster“ sehen sie sich nicht. So wollen sie nicht genannt werden. Denn Gangster seien böse und ehrlos. Der Gangster werde in der Öffentlichkeit glamourisiert. Das sei nicht die Wirklichkeit.
Sie, so sagen die East-End-Gauner, hatten und haben einen Ehrenkodex und sie haben immer gearbeitet.
Nach diesem Auftakt, der wieder einmal zeigt, dass jeder sich selbst als guten Menschen sieht, blickt der Film genauer in eine archaische Gesellschaft, in der der Zusammenhalt viel und die staatliche Macht wenig zählt. Aufgrund des Alters einiger Interviewpartner entsteht auch eine Chronik des East End von den Nachkriegsjahren bis zur Gegenwart. Einen großen Teil der Erzählungen nimmt dabei das Boxen und die nicht lizensierten Wettkämpfe ein. Die Interviewten erzählen von den Zwillingen Ronnie und Reggie Kray und betonen die guten Seiten der Brüder. Sie erzählen auch von ihren Verbrechen; – jedenfalls soweit sie dafür verurteilt wurden. Les Falco meint, dass neun von zehn East Ender wenigstens zeitweise in irgendwelche Gaunereien verstrickt waren.
Gedreht wurden die Interviews in Schwarzweiß. So entsteht zwischen den aktuellen Interviews und historischen Dokumenten, wie Filmschnipsel, Bilder und Zeitungen, kein Bruch. Außerdem verleiht die atmosphärische SW-Fotografie und das Fehlen moderner Gegenstände den Porträts etwas zeitloses.
Störend sind aber die immer wieder bewusst verschmutzen und ruckelige Bilder und auch mal ein Schwarzbild. So soll der Eindruck von einem historischen Dokument, das man nach Jahrzehnten aus einem Archiv gezogen hat, entstehen. Aber meistens nervt es einfach nur und lenkt von den, ohne einen erklärenden Kommentar, pointiert montierten sprechenden Köpfen ab. Collins gelingt es durch ihre Montage die vielen Gemeinsamkeiten und die wenigen Unterschiede in der Lebenseinstellung ihrer Interviewpartner zu zeigen. Dass sie ihr Geld mal als Boxer, mal als Boxpromoter, mal als Verhandler, mal als Geldeintreiber, mal als Dieb und Räuber verdienten ist eher nebensächlich. Man tat eben, was seinen Talenten entsprach und womit man, mehr oder weniger illegal, Geld verdienen konnte.
Ein Nachteil dieser Methode ist, dass man sich die Hintergründe mühsam zusammenreimen muss und die Selbstdarstellung allzu leicht als wahre Sicht der Ereignisse übernimmt.
Denn letztendlich kommen sie als durchaus sympathische alte Knochen rüber. Arbeiterjungs eben.
The End – Confessions of a real gangster (The End, GB 2008)
Regie: Nicola Collins
Drehbuch: Nicola Collins
mit Les Falco, Victor Dark, Mickey Goldtooth, Danny Woollard, Roy Shaw, Jimmy Tibbs, Michael Gonella, Matt Attrell, Bobby Reading, Mickey Taheny, Alan Mortlock, Charlie Magri, Jimmy Murphy
AS THE WORLD TURNS: THE MAN FROM OAKDALE von Henry Coleman und Alina Adams
CSI: BRASS IN POCKET von Jeff Mariotte
PSYCH: A MIND IS A TERRIBLE THING TO READ von William Rabkin
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BEST NOVEL (SPECULATIVE FICTION)
STAR TREK VANGUARD: OPEN SECRETS (Star Trek Vanguard: Offene Geheimnisse) von Dayton Ward
STAR TREK: A SINGULAR DESTINY von Keith R.A. DeCandido
WARHAMMER: SHAMANSLAYER—A GOTREK AND FELIX NOVEL von Nathan Long
TERMINATOR SALVATION: COLD WAR von Greg Cox
ENEMIES & ALLIES von Kevin J. Anderson
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BEST ADAPTATION (GENERAL & SPECULATIVE)
COUNTDOWN von Greg Cox
GI JOE: RISE OF THE COBRA von Max Allan Collins
THE TUDORS: THY WILL BE DONE von Elizabeth Massie
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BEST YOUNG ADULT (ORIGINAL & ADAPTED)
CLOUDY WITH A CHANCE OF MEATBALLS von Stacia Deutsch and Rhody Cohon
BANDSLAM: THE NOVEL von Aaron Rosenberg
THUNDERBIRDS: DEADLY DANGER von Joan Marie Verba
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GRANDMASTER
WILLIAM JOHNSTON
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Die Preisverleihung ist während der Comic-Con International (22. – 25. Juli) in in San Diego.
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Eine ziemlich SF-lastige Liste, aber mit CSI und Psych ist für Krimifans auch etwas dabei. Schade ist allerdings, dass die CSI-Roman nicht mehr und die Psych-Romane noch nie übersetzt wurden.
LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)
Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.
Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.
Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).
Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.
Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.
Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen
Beim durch den „Satire Gipfel“ ersetzen „Scheibenwischer“ ist Bruno Jonas ausgestiegen. Aber auf den Brettern, die die Welt bedeuten, präsentiert er sein neues Soloprogramm „Bis hierher und weiter“. In den Programm spielt er den Unternehmensberater Hubert Unwirsch, der sich dank Wirtschaftskrise und Wunschkoalition vor Aufträgen nicht retten kann. Auch wenn er im Moment ein Problem hat.
Deutlich früher als erwartet und ohne Sperrfrist trudelt die Bestenliste der Krimiwelt für den Ostermonat April ein. Aber wahrscheinlich wollte man nur die Leipziger Buchmesse mitnehmen.
Jedenfalls haben es diese Werke auf die Liste geschafft:
1 (-) Josh Bazell: Schneller als der Tod
2 (1) Roger Smith: Blutiges Erwachen
3 (-) Martin Cruz Smith: Die Goldene Meile
4 (2) James Ellroy: Blut will fließen
5 (9) Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus
6 (6) Carol O’Connell: Such mich!
7 (-) Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals
8 (-) Arne Dahl: Dunkelziffer
9 (-) Ian Rankin: Ein reines Gewissen
10 (7) Pablo de Santis: Das Rätsel von Paris
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In ( ) ist die Platzierung des Vormonats.
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Und schon wieder fünf neue Bücher. So schnell komm ich mit dem Lesen ja gar nicht nach.