Die kriminalfilmischen Höhepunkte in den ersten Tagen des neuen Jahres sind rar gesät. Sehenswert sind Robert Harmons ruhige Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone – Knallhart“ (mit Tom Selleck in der zweiten Rolle seines Lebens), Sidney Lumets Edwin-Torres-Verfilmung „Tödliche Fragen“, Clark Johnsons unterschätzte Gerald-Petievich-Verfilmung „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“, John Hustons Richard-Condon-Verfilmung „Die Ehre der Prizzis“, seine Dashiell-Hammett-Verfilmung „Die Spur des Falken“, Pedro Almodóvars Ruth-Rendell-Verfilmung „Live Flesh – Mit Haut und Haar“, Spike Lees David-Benioff-Verfilmung „25 Stunden“, Ronald Neames fast unbekannte Brian-Garfield-Verfilmung „Agenten-Poker“, Sydney Pollacks James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“ und David Cronnenbergs John-Wagner/Vince-Locke-Verfilmung „A History of Violence“. Immerhin wurden einige Filme schon seit längerem nicht mehr gezeigt.
I like the movie. I feel it treated the character with respect. The respect came from the screen writers who actually seem to have read some of the Conan Doyle works, Guy Ritchie who seemed to have done the same and Robert Downy Jr also really seemed tuned in to Holmes is. Jude Law was also fabulous as Watson.
One of the factors in my love of this film is the fact that they portray Holmes as a genius. A genius who is so much smarter than most other people that it makes him a bit crazy. He thinks on a whole other level, multiple things going on in his head at any given time. And like a lot of people thinking at that level, his social skills suffer. And this is where Watson really plays in, smart in his own right, he understands Holmes and as a result can help keep him motivated and focused. And Watson is not comic relief here, he actually contributes to the cases they work.
The film also remembers that Holmes can fight, and is capable of action.
Über ihre ersten Erfahrungen beim Drehbuchschreiben sagt sie:
„First of all, I quickly discovered that some things work perfectly well in prose, but not so well in a more visual medium. Second, while novel writing is a mostly solitary job, films are much more collaborative. Each person involved brings their own input and ideas to the table and so it’s important to be able to work together as a team.“
Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren (USA 1981, R.: Brian De Palma)
Drehbuch: Brian De Palma, Bill Mesce Jr. (ungenannt)
Jack Terry ist Toningenieur für Horrorfilme. Eines Nachts beobachtet er, während er auf der Jagd nach Geräuschen ist, den tödlichen Autounfall eines Präsidentschaftskandidaten. Als er sich später sein Tonband anhört, hört er einen Schuss. Wurde der Kandidat ermordet?
Spannender Thriller von Brian De Palma, der damals eine Reihe guter Filme hintereinander inszenierte.
Der Titel erinnert an Michelangelo Antonionis auch inhaltlich sehr ähnlichen Klassiker „Blow Up“. Die Kritiker fanden (eines ihrer liebsten Hobbys) zahlreiche Hitchcock-Anleihen, die Polit-Junkies durften über die Ähnlichkeiten zu dem JFK-Attentat, Watergate und Chappaquiddick (während in dem Film der Politiker stirbt, starb in Wirklichkeit die Beifahrerin von Ted Kennedy) nachdenken, die Cineasten über das Kino und den Zusammenhang zwischen Film und Wirklichkeit sinnieren und alle über die Schlusspointe lachen. Das ist doch ziemlich viel für ein Genrewerk, das einfach nur zwei Stunden unterhalten will.
Der Fischer Film Almanach urteilte damals über den Thriller: „einer seiner spannendsten und besten Arbeiten überhaupt.“
DVD Verdict zwanzig Jahre später: „One could make an argument that Blow Out is the most underrated, overlooked film of the entire 1980s.“
Und, jaja, auch Quentin Tarantino gefällt der Film. Ist einer seiner Lieblingsfilme
mit John Travolta, Nancy Allen, John Lithgow, Dennis Franz
No way out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton
Jesse Stone – Knallhart (USA 2006, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: Tom Epperson
LV: Robert B. Parker: Night Passage, 1997 (Das dunkle Paradies)
Der zweite Jesse-Stone-Film erzählt die Vorgeschichte: in ihr tritt Jesse Stone seinen Job in Paradise an und muss zuerst den Kleinstadtsumpf ausmisten. Denn – Überraschung! – Stone hat den Job nur wegen seines Lebenslaufs (und dem Fazit: kaputter Verlierer) bekommen.
Im Buch endet die Ankunft von Jesse Stone in Paradise in einem Western-Showdown. Im Film ist es etwas weniger dramatisch. Aber auch der zweite Jesse-Stone-Film ist gute altmodische Unterhaltung, bei der die Charaktere im Mittelpunkt stehen.
„No fools over at CBS, the net quickly followed one of last year’s best TV movies, „Stone Cold,“ with this equally first-rate prequel.” (Variety)
Mit Tom Selleck, Stephanie March, Stephen Baldwin, Saul Rubinek, Viola Davis, Kohl Sudduth
Catch me if you can (USA 2002, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeff Nathanson
LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)
Spielberg erzählt die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)
Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner
Aber dass er dabei auf jede Recherche verzichtet, ist kein gutes Zeichen für den „Qualitätsjournalismus“. Denn Röhl nennt Beispiele und greift dabei ziemlich daneben.
Der Aufhänger seiner Kolumne ist „Telefon“. Der lief aber nicht an Weihnachten (wie der Text suggeriert), sondern zuletzt am 24. Oktober um 23.15 Uhr im ZDF. 2008 und 2007 jeweils einmal (plus Nachtwiederholung) bei Tele 5. Das qualifiziert den Thriller nicht für diese Röhlsche Aussage: „Denn kaum ein Streifen – abgesehen vom „Tatort“-Klassiker „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski – ist im deutschen Fernsehen so oft abgenudelt worden wie der Krimi um sowjetische Schläfer-Agenten in Amerika.“
Wirklich putzig ist die von Röhl erstellte Liste von „kinematografischen Reservisten, die das öffentlich-rechtliche Bezahlfernsehen immer gern an die Unterhaltungsfront schickt – oft mehrmals im Jahr -“. Es geht los mit dem schon erwähnten „Telefon“. Weiter geht’s unter anderem mit „Der eiskalte Engel“ (zuletzt 12. Mai 2008 im RBB, 2007 etwas öfter, weil er von Arte mehrmals wiederholt wurde; aber für so einen Klassiker ist das viel zu selten), „Die Vögel“ (2009, 2008 und 2007 jeweils einmal auf Vox), „Fahrstuhl zum Schafott“ (2009 auf Tele 5, 2007 auf 3sat), „Lohn der Angst“ (zuletzt am 26. April 2007 nach Mitternacht im ZDF), „Das Gesetz bin ich“ (2009 einmal im ARD, 2008 einmal im HR, 2007 einmal im ARD), „Der Malteser-Falke“ (zuletzt am 7. Januar 2007 auf 3sat), „Eine Leiche zum Dessert“ (gab es 2009 und 2008 nur auf Das Vierte, 2007 überhaupt nicht), „Es geschah am hellichten Tag“ (zuletzt, wenn das Original gemeint ist, am 3. Oktober 2009 und 3. Oktober 2007 im ZDF), „Die toten Augen von London“ und „Der Frosch mit der Maske“ (die stehen wohl stellvertretend für die Edgar-Wallace-Filme, die seit Jahren bei Kabel 1 laufen), „Der Klient“ und die „Dirty Harry“-Filme laufen auch nur bei den Privaten. Dass er dann die Wiederholungen von „sämtliche ‚James Bond‘-Filme“ den Öffentlich-Rechtlichen zuschlägt ist Quatsch, weil einige Bond-Filme (vor allem die ersten und letzten) bei den Privaten laufen.
„Dracula“ (die 1958er Version mit Christopher Lee) lief zuletzt, nach einer jahrelangen Pause bei „Das Vierte“. An die letzten Ausstrahlungen von „Wenn die Gondeln trauern tragen“ (seit Ewigkeiten auf meiner Aufnehmen-Liste), „Vier im roten Kreis“ (Ähem, nach der ziemlich zuverlässigen OFDB lief dieser Jean-Pierre-Melville-Klassiker noch nie im TV.) und „Ein Mann sieht rot“ (nach der OFDB zuletzt 1999 auf Vox) erinnere ich mich überhaupt nicht.
Ich habe jetzt, weil ich diese Daten auf meinem PC habe, vor allem die Verfilmungen von Krimis herausgepickt und mir nur die letzten drei Jahre angesehen. Bei den anderen Filmen greift er oft ähnlich daneben und wenn er am Ende einige Serien nennt, die nach seiner Meinung öfters im ÖR-Fernsehen laufen, dann ist „Miami Vice“ ein schlechtes Beispiel und „Columbo“ falsch. Denn der ermittelt nur bei den privaten Kollegen von SRTL.
Sorry, Herr Röhl, das war nichts.
Und beim „Stern“ werden Fakten anscheinend überhaupt nicht mehr überprüft.
P. S.: Sie wollen wissen, wie oft „Reifezeugnis“ in den letzten Jahrzehnten wiederholt wurde? Nun, nach Tatort-Fundus gar nicht so oft.
Drehbuch: J.S. Cardone (nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake und einer Geschichte von Carolyn Starin, Brian Garfield und Donald E. Westlake)
Von der Kritik gehasstes Remake von Joseph Rubens kleinem, Edgar-nominierten Klassikers „Kill, Daddy, Kill“ (The Stepfather, USA 1986), der die wahre Geschichte von John List verarbeitete. In dem Film ist List besessen von seinem Traum von einer glücklichen Familie. Wenn die anderen Familienmitglieder sich seinen Wünschen nicht mehr beugen, bringt er sie um und macht sich auf zur nächsten Traumfamilie. Aber dieses Mal misstraut die Tochter (im Original)/der Sohn (im Remake) dem Stiefvater.
Bei „Rotten Tomatoes“ kommt der Film auf 11 %, bei „Metacritic“ auf ebenfalls ziemlich enttäuschende 33 % und alle sind sich einig, dass das Original besser ist.
Epix veröffentlicht das Original am 8. Januar 2010 als „The Stepfather – Kill, Daddy, Kill“ auf DVD.
mit Dylan Walsh, Sela Ward, Penn Badgley, Amber Heard, Braeden Lemasters
Einen ganzen Tag lang gibt’s mehr oder weniger gute Pop- und Rockmusik. Los geht’s mit Jan Delay. Weiter geht’s mit Fleetwood Mac, Tom Petty, Eric Clapton und Steve Winwood, den Söhnen Mannheims, Peter Fox, Tina Turner (50th Anniversary Concert Tour), Neil Diamond (Hot August Night, Ausgabe 2008), Stevie Wonder, Pink, The Killers, Green Day und Oasis.
Die Idee Text und Film miteinander zu verschmelzen ist nicht neu, aber erst jetzt, mit der zunehmenden Verbreitung von schnellen Internetverbindungen und mobilen Computern, kann sie auch auf einem hohen Niveau verwirklicht werden. Jedenfalls wenn man auf die in den USA Ende Oktober für den Apple iTunes erschienene Version von „Level 26- Dark Origins“ zugreift (andere digitale Versionen sind mir nicht bekannt). Dann kann man ohne Unterbrechung vom Roman zum Film und zurück wechseln. „Digi-Novel“ nennt ihr Erfinder Anthony E. Zuiker diese „völlig neuartige Erzählform“.
Er erfand auch die verschiedenen „CSI“-Serien und dank seiner Stellung als Produzent einer weltweit unglaublich erfolgreichen TV-Serienfamilie kann er auch für eineerfolgversprechende Umsetzung sorgen. Er hat einen exzellenten Zugang zu Studios, Schauspielern, Technikern und Autoren. Er kann das richtige Team für ein erfolgversprechendes Franchise zusammenstellen. Auch „Level 26“ ist als Franchise gedacht. Er hat bereits den Namen „Digi-Novel“ schützen gelassen, eine umfangreiche Homepage (mit einer regen Community) erstellt und die nächsten beiden „Level 26“-Bände sind für 2010 und 2011 angekündigt. Dabei bedeutet „Digi-Novel“ ganz einfach, dass es einen eigenständigen Roman gibt und an bestimmten Stellen das Lesen zum Ansehen von kurzen, die Handlung weiterführenden Filmen unterbrochen werden soll. Den Roman schrieb Duane Swierczynski. Bei uns ist er auch als Duane Louis bekannt und er ist einer der aufregenden jungen Krimiautoren, die sich erfolgreich in verschiedenen Medien tummeln.
Die Filme sind von Anthony E. Zuiker in der modernen TV-Ästhetik (irgendwo zwischen „24“ und „CSI“) gedreht. Die Besetzung ist mit Michael Ironside, Bill Duke, Glenn Morshower (Agent Aaron Pierce in „24“) und Kevin Weisman (Marshall Flinkman in „Alias“) sogar ziemlich prominent. Aber der wichtigste Charakter in den Filmen ist der Serienkiller Sqweegel, der von dem Artisten Daniel Browning Smith, dem „most flexible man alive“, gespielt wird.
Die Filme sind in der ersten Digi-Novel aber nur die nette Beigabe zu dem von Duane Swierczynski geschriebenen Roman „Level 26 – Dark Origins“, der weniger an Swierczynskis eigene Noir-Thriller, sondern an Zuikers „CSI“-Franchise, populäre Serien, wie „Criminal Minds“, und die sattsam bekannten Erzählkonventionen von Serien und TV-Filmen erinnert.
Das ist dann auch die Crux von „Level 26 – Dark Origins“. Die Story setzt sich vollkommen überraschungsfrei aus den altbekannten Bestandteilen zusammen. Es gibt einen Serienkiller, vom FBI Sqweegel genannt, der schlimmer als alle anderen Serienkiller ist. Er mordet bereits seit Jahrzehnten und er hinterlässt an den Tatorten keine Spuren. Noch nicht einmal genug Material für einen DNA-Test. Das FBI weiß nur deshalb von ihm, weil er sie in unregelmäßigen Abständen über seine Taten informiert. Bis jetzt gelang es nur einem Polizisten, ihn einmal fast zu schnappen. Aber Sqweegel entkam und brachte die Familie seines Jägers Steve Dark um. Heute lebt Dark zurückgezogen in Malibu, Kalifornien und seine Freundin erwartet ein Kind. Da schickt Sqweegel einem hohen Politiker ein Video von einem seiner Verbrechen und dieser zwingt Steve Dark dazu, die Jagd auf Sqweegel wieder aufzunehmen.
Dark (wir sind nicht überrascht) tut’s und bis zur alles entscheidenden Begegnung zwischen Sqweegel und Dark verläuft alles in den bekannten Serienkillerthrillerbahnen. Der Killer informiert die Polizei mit einem Abzählreim über seine künftigen Taten. Er hat (jetzt plötzlich) eine Mission und will dafür eine bestimmte Zahl von Morden innerhalb weniger Tage begehen. Er macht plötzlich unglaublich dämliche Fehler. Immerhin ist Sqweegel ein Level-26-Killer. Einer, der schlimmer und geschickter als alle anderen Killer ist. Ed Gein schaffte es nur auf Stufe 13, Ted Bundy auf 17 und John Wayne Gacy auf Stufe 22 der von den FBI-Jungs erstellten, titelgebenden Eingruppierung von Mördern nach ihrer Bösartigkeit. Außerdem verfügt Sqweegel über viel Geld und unglaublich gute Verbindungen. Er wählt weltweit seine Opfer nicht zufällig aus, sondern er hat lange vor der Tat von einem ihrer Geheimnisse erfahren. Das alles wird nicht näher erklärt. Es wird auch kein Versuch unternommen, zu erklären warum Sqweegel zu Sqweegel wurde; was uns immerhin die Therapiesitzung erspart. Sqweegel ist im Buch einfach nur die langweilig-banale Inkarnation des Bösen. Allerdings ohne den Charme eines Hannibal Lector.
Als Roman ist „Level 26 – Dark Origins“ daher nicht mehr als ein austauschbarer, banal-langweiliger Serienkillerthriller, der sich immer wie die Romanfassung des „TV-Thriller of the Week“ durchaus flott, wenn auch gerade am Anfang etwas holprig, wegliest und nach der Lektüre sofort vergessen ist.
Die Idee einer Digi-Novel wurde dagegen schon ziemlich gut umgesetzt. Vor allem die Filme mit dem sich unmöglich verrenkendem Sqweegel sind eindeutig für’s Auge gedacht. Duane Swierczynski unternimmt auch keinen Versuch, das zu beschreiben. Störend ist beim Lesen allerdings die Aufforderung, alle zwanzig Seiten eine Pause einzulegen und am PC die nächste „Cyberbrücke“ (Zuiker) anzusehen. Ungefähr nach der dritten Pause liest man dann den Krimi ganz traditionell in einem Rutsch durch und sieht sich danach die Filme an.
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Bei den im X-Men-Kosmos spielenden „Cable“-Comics, die Duane Swierczynski für Marvel schreibt, kann er sich innerhalb einer bestehenden Welt austoben. Er hat den Nebencharakter Nathan „Cable“ Summers, ein Mutant und Söldner, ausgewählt und lässt ihn in verschiedenen Jahren in der Zukunft Abenteuer erleben. Cable soll ein für das Überleben der Mutanten wichtiges Mutantenbaby beschützen. Er taucht mit dem Baby im Zeitstrom unter. Dummerweise hat die Maschine, die Cable und dem Baby ein Verschwinden in der Zukunft gestattete einen Defekt. Sie können nur immer weiter in die Zukunft flüchten. Gejagt werden sie von dem ehemaligen X-Man Lucas Bishop. Er kam aus einer totalitären Zukunft und er glaubt, dass das Baby für eben diese Zukunft verantwortlich ist. Deshalb will er es töten.
Diese Prämisse ermöglicht es Duane Swierczynski, viele Kämpfe zwischen Cable und Bishop und viele verschiedene zukünftige Welten zu erfinden. Auch in dem zweiten „Cable“-Sammelband „Heimatfront“ kloppen die beiden Kontrahenten sich ausgiebig. Außerdem erfahren wir einige weitere Hintergründe über Cables Mission.
Diese Comic-Serie ist vor allem etwas für die Swierczynski-Komplettisten (Hey, es ist X-Men und es ist SF.) und natürlich die Fans der X-Men.
Duane-Swierczynski-Fans müssen dagegen auf den nächsten Roman von Duane Louis warten. „Schnelle Beute“ ist von Heyne für April 2010 angekündigt.
Anthony E. Zuiker/Duane Swierczynski: Level 26 – Dark Origins
Pat Garrett jagt Billy the Kid (USA 1973, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Rudolph Wurlitzer
Der Titel verrät die Story – und das Ende kennen wir aus den Geschichtsbüchern.
Grandioser Abgesang auf den Wilden Westen und das Ende der sechziger Jahre. Es wird, wie üblich, die rekonstruierte Langfassung gezeigt (in der leider die grandiose Sterbeszene am Fluss mit Dylans Knockin´ on heavens door fehlt). MGM brachte damals nur eine gekürzte Fassung in die Kinos.
„Der Film hat eine Trägheit und einen elegischen Ton, in denen man versinken kann. Was kommen wird, ist so klar, dass er immer wieder innehalten, abweichen, verzögern kann. Die Szenen müssen nicht ineinander greifen, es gibt abrupte Wechsel, und im Grunde ist es ein Film übers Herumhängen im Grenzgebiet, in runtergekommenen Häusern, provisorischen Quartieren. Es gibt eine ausgeprägte Vorliebe für Abend- und Morgendämmerung, für das Nachmittagslicht im amerikanischen Südwesten, und mittendrin gerät man immer wieder in kurze Sequenzen von einer tranceartigen Schönheit.“ (Peter Körte in Filmgenres: Western, Reclam 2003)
Mit Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan (auch Musik), Jason Robarts Jr., Richard Jaeckel, Katy Jurado, Slim Pickens, John Beck, Rita Coolidge, R. G. Armstrong, Jack Elam, L. Q. Jones, Harry Dean Stanton, Rudolph Wurlitzer, Sam Peckinpah (spielt Will, den Sargmacher), Elisha Cook Jr.
Hinweise
Wikipedia über „Pat Garrett jagt Billy the Kid (deutsch, englisch)
In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat. Ritzel ist ein Wiedereinstieg. Er war im November auf der Bestenliste.
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Jim Nisbet und Angelo Petrella, beide bei Pulp Master, erschienen, habe mir gut gefallen und ich werde sie die Tage auch gebührend abfeiern. David Peace hab ich schon abgefeiert. Gerard Donovan hat mich nicht so richtig überzeugt und Don Winslow liegt immer noch auf dem Zu-Lesen-Stapel, irgendwo zwischen James Ellroy, Olen Steinhauer, Robert Littell, Colin Harrison, Daniel Depp und einigen anderen Büchern.
LV: Richard Rostand (Robert Hopkins): Monkey in the middle, 1973
Die Freunde Locken und Hansen arbeiten für COMTEG, eine Personenschutzgesellschaft, die an den schmutzigen Fronten des Kalten Krieges kämpft. Nach einem Auftrag verrät Hansen Locken und schießt ihn zum Krüppel. Locken sinnt jetzt auf Rache. Die Gelegenheit kommt, während er einen japanischen Politiker beschützt.
Ein als Agenten-Thriller getarnter harter Thriller über Freundschaft und Verrat.
Der Film „zerfällt in zwei sorgfältig voneinander getrennte Hälften…Bis zum Tod Hansens bleibt alles im Rahmen eines konventionellen Thrillers, die zweite Hälfte des Films wird zum definitiven Beleg der These, dass Peckinpah jeden Stoff mit seinen immergleichen Themen und Obsessionen veredelte. Er konnte keine Nebenwerke und Auftragsarbeiten abliefern, und auch ein Projekt, wie dieses, das er sich nicht selbst ausgesucht hatte, formte er zum Nachweis seiner unverwechselbaren Identität als Autorenregisseur um.“ (Frank Arnold/Ulrich von Berg: Sam Peckinpah). Das heißt: „Unter dem Deckmäntelchen eines Genrefilms von der Stange ist ‚The Killer Elite’ ein ambitioniertes und persönliches Bekenntnis zur Selbstanalyse und zur Lernbereitschaft, auch eine weitere Abhandlung des Themas Rache und ihrer Bezwingung, aber ein ungebrochen optimistischer Film ist er nicht.“ (ebenda)
Mit James Caan, Robert Duvall, Arthur Hill, Bo Hopkins, Mako, Burt Young
ein amüsantes Paperback (…) auch die anderen Erzählungen können sich sehen lassen. Die Rezensentin testete sie gleich auf zwei Weihnachtsfeiern an, indem sie selbst eine Kurzgeschichte las, beziehungsweise lesen lies und dabei mit Freunden einige Kurzweil hatte.
Die breite Öffentlichkeit denkt bei Sam Peckinpah immer noch zuerst an Gewalt. In „Straw Dogs“ kämpft ein junges amerikanisches Intellektuellenpaar gegen rückständige englische Dorfbewohner. Der Stein des Anstoßes war, neben dem gewalttätigem Ende, in vielen Ländern die für den Film zentrale Vergewaltigung der Ehefrau. Auch in Deutschland stand der Film deshalb von 1983 bis 2007 auf dem Index. In „Getaway“ schießt ein Gangsterpaar sich den Weg frei und in „The Wild Bunch“ sterben die Verbrecher in einem wahren Blutrausch. Das Ende ist auch heute, auf dem kleinen Bildschirm, immer noch überwältigend. Vor vierzig Jahren muss es für das damalige Publikum ein schockierender Alptraum gewesen sein.
Peckinpahs andere Filme, wie seine sehr persönlichen Filme „The Ballad of Cable Hogue“ und „Junior Bonner“, sind dagegen viel unbekannter und auch die stillen Momente in seinen Spielfilmen (von denen es viele gibt) wurden zunächst kaum beachtet. So ist auch in „The Wild Bunch“ die Gewalt in den ersten und letzten Minuten des Films nur die Klammer für die vielen ruhigen Szenen, in denen wir Pike Bishop und seine Jungs kennen und auch irgendwie lieben lernen. Aus den Desperados werden Menschen, die wissen, dass ihre Zeit vorüber ist. Denn im Gegensatz zu ihrem Verfolger, ihrem alten Gefährten Deke Thornton, wollen sie sich nicht anpassen.
Bishop und seine Gefährten sind typische Peckinpah-Charaktere. Es sind Westerner, deren Werte nicht mehr in die moderne Gesellschaft passen. Sie sind Individualisten, die ihrem eigenen moralischen Kompass folgen. Sie wissen das, aber sie sind auch unfähig Kompromisse einzugehen. Lieber sterben sie.
Oder, wie Sam Peckinpah in „Ride the High Country“ einem Charakter einen Satz seines Vaters in den Mund legte: „All I want is to enter my house justified.“ In der deutschen Synchronisation wurde daraus: „Alles was ich will, ist, dass ich als rechtschaffener Mensch diese Welt wieder verlasse.“
Außerdem behandelt Peckinpah immer wieder den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen. Oft ist es der alte Wilde Westen gegen die moderne Industriegesellschaft. Deshalb spielen seine Western zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Seltener der Norden (vulgo die USA) gegen den Süden (vulgo Mexiko). Einmal kehrt Peckinpah sein normales Wertesystem um. In „Straw Dogs“ müssen linksliberale Intellektuelle gegen rückständige Dorfbewohner kämpfen und der von Dustin Hoffman gespielte linkische Ehemann verteidigt sich am Ende äußert gewalttätig.
Schon zu Lebzeiten und heute noch immer bewundern ihn viele Kollegen, Kritiker und Kinogänger. Allein schon die zahlreichen, vor allem in den USA, nach seinem Tod erschienenen und nicht ins Deutsche übersetze Bücher, verraten einiges über seinen Einfluss.
Auch Mike Siegel ist ein Peckinpah-Fan. Der Sindelfinger war als Teenager von „Convoy“ und „Steiner“ begeistert, wollte mehr über den Macher wissen und baute in den vergangenen Jahren ein großes Peckinpah-Archiv auf. Er veröffentlichte das reich bebilderte und sehr informative Buch „Passion & Poetry: Sam Peckinpah in Pictures“ (nur noch antiquarisch, aber die Suche lohnt sich). Bereits in dem Buch wies er einige Male auf die von ihm gedrehte Dokumentation „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ hin. Denn die meisten Interviews waren damals bereits gedreht und er war gerade beim Schneiden. Aber dann verzögerte sich alles. Siegel übernahm verschiedene Aufträge, wie das schon erwähnte Peckinpah-Buch und Featurettes für Peckinpah-DVDs. In den vergangenen Jahren wurde der Film auf mehreren Festivals gezeigt, aber kein TV-Sender wollte ihn kaufen. Auch Arte machte in letzter Minute einen Rückzieher.
Jetzt brachte Mike Siegel den Film, mit etwas Geld von der Filmförderung Baden-Württemberg, auf DVD heraus und das Warten hat sich gelohnt. Denn, wie Siegel in seinen informativen Audiokommentaren sagt, wollte er jetzt einfach möglichst viel von seinem Peckinpah-Material veröffentlichen. Deshalb gibt es neben der zweistündigen Dokumentation „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ auch die ebenfalls gut zweistündige, dreiteilige Dokumentation „Stories on a Storyteller“, weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Ernest Borgnine (der in seinem Redefluss kaum zu bremsen war), ein Featurette über die Hacienda Cienega Del Carmen (dort entstand die legendäre Schlusssequenz von „The Wild Bunch“) und „Mike’s Home Movies“. Das sind einige Impressionen von Ausstellungen über Peckinpah und Präsentationen von „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ auf verschiedenen Festivals. Bis auf „Mike’s Home Movies“, einer kurzen Mischung aus B-Roll und filmischem Tagebuch, sind die anderen Bonusfilme eine absolut wichtige und sehenswerte Ergänzung zu dem Hauptfilm. Die „Stories on a Storyteller“ ist eine weitere eigenständige Dokumentation über Peckinpah, die auch gut als Hauptfilm hätte fungieren können.
Der Hauptfilm „Passion & Poetry“ folgt dem Leben von Sam Peckinpah: chronologisch werden seine Jugend, seine Zeit beim Militär, die ersten TV-Arbeiten in Hollywood und seine Spielfilme abgehandelt. Die Chronologie wird durch Einschübe über Peckinpahs Frauen und seine Alkohol- und Kokainsucht unterbrochen. Die Geschichte seines Lebens wird erzählt von Peckinpah-Vertrauten, wozu vor allem seine Schwester Fern Lea Peter (die hier erstmals vor der Kamera über Sam sprach), seine Tochter Lupita, langjährigen Mitarbeitern, wie Katy Haber, Chalo González, Gordon Dawson und Dan Melnick, Schauspielern, die teilweise in mehreren seiner Filme auftraten, wie Ernest Borgnine, James Coburn, Kris Kristofferson, Bo Hopkins, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, David Warner, Vadim Glowna, Ali MacGraw und Senta Berger, und Peckinpah-Biographen, wie David Weddle, zählen. Ergänzt werden die neuen Interviews von einigen längeren Interviews, die Sam Peckinpah noch zu Lebzeiten gab. Illustriert werden die Geschichten von Fotografien, ganz wenigen Filmausschnitten und Trailern zu seinen Filmen. Wie Siegel in dem Audiokommentar erzählt, musste er auf die Trailer ausweichen, weil er nicht genug Geld hatte, um die Rechte an speziellen Filmausschnitte zu erwerben.
Umrahmt wird Peckinpahs Biographe von Bildern der Hacienda Cienega Del Carmen und längeren Behind-the-Scenes-Aufnahmen von seiner letzten Regiearbeit: einem Musikvideo für Julian Lennon. Sie zeigen einen alten Mann – obwohl Peckinpah damals noch keine Sechzig war. Das Video entstand im Sommer 1984. Am 28. Dezember 1984 starb er.
„Passion & Poetry“ ist kein Peckinpah-kritischer Film oder eine quasi-wissenschaftliche Werkanalyse. Es ist eine sehr informative Biographie, die vor allem eine Liebeserklärung an den Regisseur ist. Sie lebt von den Erinnerungen seiner Freunde und Mike Siegel lässt sie sehr ausführlich zu Wort kommen. Das driftet öfters ins Anekdotische ab, ist aber immer interessant. Denn Mike Siegel gelingt es, ein ganzes Leben in knapp zwei Stunden zu erzählen. Und die Dokus „Passion & Poetry“ und „Stories on a Storyteller“ (denn alles was ich über „Passion & Poetry“ geschrieben habe, gilt auch für „Stories on a Storyteller“) laden zum wiederholten Ansehen der Filme von Sam Peckinpah ein.
Mike Siegel nahm auch einen deutschen und einen englischen Audiokommentar auf, die sich vom Inhalt kaum unterscheiden. In beiden erzählt er, wie er zum Peckinpah-Fan wurde, von den Dreharbeiten und warum es so lange dauerte, bis der Film endlich auch außerhalb von Filmfestivals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird. Denn der Hauptdreh war im Winter 2002. Damit sind sie ein interessanter Einblick in die Welt des unabhängigen Filmemachens.
Aber auch nach dieser sehr umfangreichen Doppel-DVD kommt Mike Siegel von Sam Peckinpah nicht los. Als nächstes plant er eine Dokumentation über Peckinpahs Kriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“, die dann als Bonusmaterial auf einer werkgetreuen DVD erscheinen soll.
Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah
(D 2005)
Regie: Mike Siegel
Drehbuch: Mike Siegel
mit Ernest Borgnine, James Coburn, Kris Kristofferson, Ali MacGraw, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, Bo Hopkins, David Warner, Senta Berger, Vadim Glowna, Mario Adorf, Gordon T. Dawson, Roger Fritz, Chalo González, Katherine Haber, Martin Lewis, Dan Melnick, Lupita Peckinpah, Fern Lea Peter, Garner Simmons, Isela Vega, David Weddle, Monte Hellman (Erzähler), Sam Peckinpah (Archivaufnahmen)
Bonusmaterial: Audiokommentar (deutsch, englisch), Stories of a Storyteller (3-teilige Dokumentation mit zusätzlichen Interviews: The Westerner [29 Minuten], Art & Success [36 Minuten], Poet on the Loose [38 Minuten]), Mapache Territory (15 Minuten), Ernest Borgnine on The Wild Bunch (15 Minuten), Mike’s Home Movies (15 Minuten), Booklet, Wendecover
FSK: ab 12 Jahre
–
Außerdem
Mike Siegel: Passion & Poetry – Sam Peckinpah in Pictures
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2003
576 Seiten
(nur noch antiquarisch)
–
Die Spielfilme von Sam Peckinpah
Gefährten des Todes (The deadly Companions, USA 1961, Drehbuch: Albert Sidney Fleischman)
Drehbuch: N. B. Stone, Jr. (ungenannt: William S. Roberts, Sam Peckinpah)
Sacramento, um 1900: Drei Männer, von denen zwei ihre besten Jahre bereits hinter sich haben, sollen aus einer in den Bergen gelegenen Goldgräberstadt Gold abholen und ins Tal zur Bank bringen. Bald haben sie mehr Ärger an der Hacke als sie verdauen können.
Bereits bei Peckinpahs zweitem Spielfilm, der den Beginn des Spätwesterns markierte, sind alle seine Themen vorhanden. Und die ständigen Probleme mit dem Studio. „Die MGM sah in ´Ride the High Country´ einen billigen, schnell heruntergedrehten Film, gerade gut genug, im Sommer ein Doppel-Film-Programm voll zu machen. Wenn ich versucht hätte, ihnen zu sagen, um was es in dem Film wirklich geht, nämlich um Einsamkeit und Erlösung, dann hätten sie mich auf der Stelle rausgeschmissen. Sie hassten ohnehin, was ich da drehte, und sie haben mich herausgeworfen, bevor ich mit dem Schneiden, dem Synchronisieren und der Musik fertig wurde.“ (Peckinpah im Playboy-Interview)
Mit Randolph Scott, Joel McCrea, Ronald Starr, Mariette Hartley, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, Warren Oates
Als Noir of the Week gibt es „Die Dame im See“ (The Lady in the Lake, USA 1946). Robert Montgomery spielte die Hauptrolle und übernahm auch die Regie. Das ging, jedenfalls in der Theorie einfach, weil der Film (wie der Roman) ausschließlich aus der subjektiven Sicht des Helden erzählt wurde. Und dieser ist – ihr ahnt es – Raymond Chandlers Privatdetektiv Philip Marlowe.
Der Begriff des Qualitätsjournalismus ist schreiend komisch, denn das ist wirklich ein letzter Versuch, noch irgendwie zu verhindern, daß alle Leute alles sagen dürfen. Die Öffentlichkeit, die die Presse oder diesen Qualitätsjournalismus produziert, funktioniert in meinen Augen seit langem nicht mehr. Qualitätsjournalismus hat sich auch angesichts der großen Koalition offenbart als etwas, das nicht in der Lage ist, die Welt selbständig zu betrachten, sondern dies immer nur nach Maßgabe dessen, was politisch erlaubt und gestattet ist, tut. Wir erleben in den letzten zehn Jahren einen unerträglichen Einheitsbrei, ein quasi totalitäres Einheitsdenken von allem und jedem, wo die übelsten Behauptungen des Neoliberalismus überall nachgequatscht wurden und es aber auch nirgendwo eine bescheidene Gegendarstellung gab. Ich kann jeden verstehen, der keine Zeitung mehr liest. Das Kaufen einer Zeitungen ist eine Ritualhandlung, die ich zum Beispiel aus eben diesem Grund vollziehe, aber nicht, um mich zu informieren.
Und zum Islam und dem Islamismus meint er unter anderem:
Der Islamismus kann bestimmt nicht beanspruchen, die Generalrepräsentation zu übernehmen, aber es gibt einen islamischen Hintergrund, das ist völlig klar. So können sich christliche Fundamentalisten natürlich auf die Bibel berufen. Wenn Sie dort auf 150 Seiten Träume von Genoziden und Morden und Brandschatzen finden, dann können Sie natürlich sagen, daß der christliche Fundamentalist dort seinen Stoff findet. Und so verhält es sich auch mit dem Islamisten, der findet auch seinen Stoff. Der Islam, so wie er heute gelebt wird, ist keine Einheit, sondern stellt sich, im Gegensatz zum Christentum, als unendliche Vielzahl von sehr lokalen Traditionen, Bezügen, Geschichten dar. Sie werden nicht einen Türken und einen Usbeken finden, die denselben Islam vertreten. Die verbreitete Darstellung, daß der Islam eine Einheit wäre, trifft nicht zu. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann könnte es vielleicht dazu kommen, aber auch das glaube ich nicht ernsthaft.
Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.
Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.
Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins
ARD, 01.35
Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia (USA 1974, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Gordon Dawson, Sam Peckinpah (nach einer Story von Frank Kowalski und Sam Peckinpah)
Der mehr als abgehalfterte Barpianist Benjamin wittert seine große Chance. Denn auf den Kopf von Alfredo Garcia ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Und Benjamin weiß, wo Alfredos Kopf ist.
„Wie eine klassische griechische Tragödie rollt das Filmdrama vor dem Zuschauer ab, mit allen Momenten und Zutaten des klassischen Genres. In einem hermetisch geschlossenen Zirkel, aus dem es keinen Ausweg gibt, zeugt Gewalt fortzeugend Gewalt…Dennoch wird man sagen dürfen, dass – sicher im Gegensatz zu unendlich vielen anderen Action-Filmen – hier die Gewalt in einem eindeutig kritischen, und zwar politisch-kritischen Rahmen dargestellt und präsentiert wird. Peckinpah zeigt einen Staat, in dem statt der Gesetze das Recht des Stärkeren regiert, statt des Rechtes die Faust, statt der Pistole die Maschinenpistole.“ (Film-Dienst)
Mit Warren Oates, Isela Vega, Gig Young, Kris Kristofferson