One World Berlin: Interview mit Walter van Rossum online

Nachdem die Jungs von „Schattenblick“ bereits einen ausführlichen Bericht über den von mir (als HUler) präsentierten Abend „Die Innere Sicherheit? – Mediale Darstellungen der Terrorbedrohung für Deutschland“ und ein Interview mit Kay Sokolowsky (zuletzt „Feindbild Moslem“) veröffentlichten, ist jetzt auch ihr Gespräch mit Walter van Rossum online. Er verbrachte einige „Sonntage mit Sabine Christiansen“ und erstellte die hörenswerte Radioreportage „Ein Käfig voller Enten – Recherchen zur Sauerlandzelle“ (Deutschlandfunk 2009).

So sagt Walter van Rossum:

Der Begriff des Qualitätsjournalismus ist schreiend komisch, denn das ist wirklich ein letzter Versuch, noch irgendwie zu verhindern, daß alle Leute alles sagen dürfen. Die Öffentlichkeit, die die Presse oder diesen Qualitätsjournalismus produziert, funktioniert in meinen Augen seit langem nicht mehr. Qualitätsjournalismus hat sich auch angesichts der großen Koalition offenbart als etwas, das nicht in der Lage ist, die Welt selbständig zu betrachten, sondern dies immer nur nach Maßgabe dessen, was politisch erlaubt und gestattet ist, tut. Wir erleben in den letzten zehn Jahren einen unerträglichen Einheitsbrei, ein quasi totalitäres Einheitsdenken von allem und jedem, wo die übelsten Behauptungen des Neoliberalismus überall nachgequatscht wurden und es aber auch nirgendwo eine bescheidene Gegendarstellung gab. Ich kann jeden verstehen, der keine Zeitung mehr liest. Das Kaufen einer Zeitungen ist eine Ritualhandlung, die ich zum Beispiel aus eben diesem Grund vollziehe, aber nicht, um mich zu informieren.

Und zum Islam und dem Islamismus meint er unter anderem:

Der Islamismus kann bestimmt nicht beanspruchen, die Generalrepräsentation zu übernehmen, aber es gibt einen islamischen Hintergrund, das ist völlig klar. So können sich christliche Fundamentalisten natürlich auf die Bibel berufen. Wenn Sie dort auf 150 Seiten Träume von Genoziden und Morden und Brandschatzen finden, dann können Sie natürlich sagen, daß der christliche Fundamentalist dort seinen Stoff findet. Und so verhält es sich auch mit dem Islamisten, der findet auch seinen Stoff. Der Islam, so wie er heute gelebt wird, ist keine Einheit, sondern stellt sich, im Gegensatz zum Christentum, als unendliche Vielzahl von sehr lokalen Traditionen, Bezügen, Geschichten dar. Sie werden nicht einen Türken und einen Usbeken finden, die denselben Islam vertreten. Die verbreitete Darstellung, daß der Islam eine Einheit wäre, trifft nicht zu. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann könnte es vielleicht dazu kommen, aber auch das glaube ich nicht ernsthaft.

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