Neu im Kino/Filmkritik: Was kann passieren, wenn du „Meeting the Buddha“?

Oktober 9, 2026

Gewalttätige Jugendliche, Konflikte mit den Eltern, Rockmusik, die Anfänge der World Music, stundenlange drogengeschwängerte Sessions, Hippies, esoterische Sinnsuche und das damit verbundene Ausprobieren von Heroin, Haschisch, LSD und was sonst noch die Chemieküche und der Urwald hergaben. So kann man die 60er Jahre beschreiben. Ein für die Sinnsuche beliebtes Reiseziel, selbstverständlich im VW Bulli, waren Indien und die nördlichen Anrainerstaaten.

Einer der Reisenden war der am 19. März 1941 in Hellerup (Dänemark) geborene Ole Nydahl. Zusammen mit seiner Frau Hannah fuhren sie in den späten sechziger Jahren dorthin. Sie kehrten mit Drogen und einem Buch zurück. An der Grenze wurden sie verhafet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Zeit in der Isolationshaft verbrachte Ole mit dem Studieren des Buches und Meditieren.

Nach der Haft fuhren er und Hannah in den Tibet. Im Himalaya verbrachten sie über zwei Jahre bei dem 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje, dem höchsten Lama der Karma-Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus. Die Begegnung mit ihm hatte Ole tief beeindruckt. Sie wurden seine Schüler. 1972 beauftragte der 16. Karmapa Ole und Hannah Nydahl mit dem Aufbau religiöser Zentren im Westen. Das taten sie seitdem höchst erfolgreich.

Márta György-Kessler, selbst Buddhistin, langjährige Begleiterin von Lama Ole und Hannah Nydahl und seit 2002 als buddhistische Lehrerin in vielen Ländern tätig, konzentriert sich in ihrem Dokumentarfilm „Meeting the Buddha“ auf Ole Nydahls Leben. Chronologisch, mit spürbarer Sympathie und vollkommen unkritisch erzählt sie, wie aus einem Rabauken und Frauenheld ein Missionar wird und wie er fortan überall die Botschaft des Buddhismus predigte.

Dazu gibt es einige Informationen über den Buddhismus und den 16. und 17. Karmapa, Statements von Vertrauten und viele zeitgenössische Aufnahmen. Meistens Fotografien. Ergänzt werden die Bilder von einigen animierten Teilen. Das ist, weil György-Kessler mit ihren Co-Autoren und Editoren über anderthalb Jahre an der Struktur des Films arbeitete und sie einen zehnstündigen Rohschnitt erstellten, den sie anschließend auf immer noch

epische 151 Minuten kürzten, sehr dicht erzählt.

Wer allerdings auch nur einen milde kritischen Anspruch an den Film erhebt, wer mehr über die Hintergründe des Buddhismus, vor allem seiner Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, erfahren möchte und wer erfahren möchte, warum der Buddhismus im Westen in den vergangenen Jahrzehnten so beliebt wurde, wird enttäuscht sein. Der Buddhismus als Religion erschöpft sich in Lama Ole Nydahls Statements zu einem getätigtem mündlichen Bekenntnis und Meditation. Ole Nydahls schlechte Seiten und seine teils reaktionären politischen Ansichten werden übergangen. Dafür interessiert sich György-Kessler in ihrem Dokumentarfilm überhaupt nicht.

Wer eine gut gemachte Heldenverehrung und einen oberflächlichen Image-Film für den Buddhismus sehen möchte, wird mit „Meeting the Buddha“ gut bedient.

Nydahl starb am 18. Mai 2026 in Immenstadt im Allgäu. Seine Frau Hannah starb bereits 2007. Über sie drehte György-Kessler 2014 den Dokumentarfilm „Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit“. Einiges Material, das für „Hannah“ entstand, verwendete sie jetzt „Meeting the Buddha“.

Meeting the Buddha (Meeting the Buddha, Großbritannien 2025)

Regie: Márta György-Kessler

Drehbuch: Márta György-Kessler, Tobias Dörr, Adam Penny

mit Lama Ole Nydahl, Hannah Nydahl, Rangjung Rigpe Dorje (16. Gyalwa Karmapa), Thaye Dorje (17. Gyalwa Karmapa)

Länge: 151 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Meeting the Buddha“

Wikipedia über Lama Ole Nydahl (deutsch, englisch)