Neu im Kino/Filmkritik: „Babygirl“, Sex am Arbeitsplatz, feministisch gewendet mit Nicole Kidman

Januar 31, 2025

Erinnert ihr euch noch an die neunziger Jahre und als im Fahrwasser von „Basic Instinct“ und „Eine verhängnisvolle Affäre“ ein Sexthriller nach dem nächsten in die Kinos kam? Das Erbe von 80er-Jahre-Hochglanzsexfilmen wie „9 ½ Wochen“ wurde im Gewand eines ’spannenden Films‘ fortgeführt und Hollywood-Stars turnten mehr oder weniger nackt durch diese Filme? Die meisten dieser Filme waren schlecht.

Jetzt tritt „Babygirl“ beherzt in diese Fußstapfen. Natürlich mit einigen ‚Veränderungen‘, wie dass eine Frau das Drehbuch schrieb und Regie führte, dass alles mit ‚weiblicher Sensibilität‘ erzählt wird und dass in der Story Rollen vertauscht werden. Jetzt ist der Geschäftsführer eine ältere Frau und die Praktikantin ein deutlich jüngerer Mann. In diesem Fall handelt es sich um die während des Drehs vor einem Jahr 56-jährige Nicole Kidman und den damals 27-jährigen Harris Dickinson. Der Altersunterschied beträgt stattliche 29 Jahre.

Die Story ist ein Wust unausgegorener Ideen, Plotlöcher, seltsamer Handlungen von in sich widersprüchlich-unglaubwürdigen Papierfiguren und vermeidbarer Unklarheiten. So ist beispielsweise unklar, welche Position Romy Miller (Nicole Kidman) genau in der Firma hat und was die Firma mitten in New York in einem Bürohochhaus anbietet. Es wird zwar gesagt, sie sei Gründerin, CEO und Erfinderin. Das Unternehmen sei ein Weltkonzern, starte an der Börse durch und biete Automatisierungen an. Aber das sind nur austauschbare Schlagworte ohne irgendeine Bedeutung für die Geschichte. Deshalb agieren alle Figuren in einem luftleeren Raum. Sie sitzen an Schreibtischen und schlagen die Zeit tot. Es ist nie nachvollziehbar, was Miller in dem sich seltsam fordernd verhaltendem Praktikanten Samuel (Harris Dickinson) erblickt und warum sie, vor allem Angesichts der teils irrational strengen Verhaltensvorschriften in US-amerikanischen Firmen, eine Beziehung mit ihm eingeht . Schon lange vor dem ersten Kuss gefährdet sie ihre Position in der Firma, ihr Vermögen und ihre Ehe. Welche Absicht Samuel verfolgt, ist auch unklar.

Und so begibt sich die Filmgeschichte nie auf irgendwelche Thrillerpfade, sondern erkundet das Terrain des Suchens und Findens von Menschen irgendwo zwischen echter und vermeintlicher Liebe, Begehren und Hotelzimmersex.

Mit etwas Wohlwollen kann „Babygirl“ als missglückte Studie in Abhängigkeit gesehen werde. Aber da war „9 ½ Wochen“ (auch kein guter Film) vor fast vierzig Jahren schon weiter.

P. S.: Antonio Banderas spielt hier den Ehemann von Nicole Kidman. Im ebenfalls diese Woche startendem „Paddington in Peru“ spielt er den Kapitän eines Flussdampfers.

Babygirl (Babygirl, USA 2024)

Regie: Halina Reijn

Drehbuch: Halina Reijn

mit Nicole Kidman, Harris Dickinson, Antonio Banderas, Sophie Wilde

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Babygirl“

Metacritic über „Babygirl“

Rotten Tomatoes über „Babygirl“

Wikipedia über „Babygirl“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Halina Reijns „Bodies Bodies Bodies“ (Bodies Bodies Bodies, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Horrorfilme „Piggy“ und „Bodies Bodies Bodies“

Oktober 28, 2022

Das Hingucker-Filmplakat von „Piggy“ zeigt das Ende des Films: Sara (Laura Galán) steht in blutdurchtränkten Shorts und einem ebenso blutdurchtränktem Top auf einer irgendwo im ländlichen Spanien liegenden Straße. Sie sieht wie eine zornige Frau aus, die offensichtlich einige anstrengende Stunden hinter sich hat.

In ihrem Spielfilmdebüt erzählt Carlota Pereda, was vorher geschah. Sara ist in dem Dorf die Tochter des Metzgers. Von ihrer Mutter wird sie zum Machen ihrer Hausaufgaben verdonnert. Von den anderen Dorfjugendlichen, vor allem von den schönen, gutaussehenden, schlanken, auf Äußerlichkeiten bedachten Mädchen wird sie gehänselt. Die gutaussehenden Jungs auf ihren Mopeds stehen schweigend daneben. Denn Sara ist wirklich richtig dick.

Nachdem sie im Freibad von den Dorfschönheiten in Todesangst versetzt wurde, wird eine der Dorfschönheiten ein einem Mann entführt. Er wird sie später ermorden.

Sara, die ihn identifizieren könnte, schweigt. Sie beginnt sogar eine schüchterne Beziehung zu dem Serienmörder. Denn er ist, neben ihrem Vater, die einzige Person, die sie nicht terrorisiert.

Piggy“ ist ein kongenialer Terrorfilm. Er zeigt eine Alptraumwelt. Jeder hackt auf Sara herum, stößt sie herum und terrorisiert sie. Sie lebt in ständiger Angst vor dem nächsten Schlag. Ihr Leben ist ein einziger Alptraum. Schnell verstehen wir ihre Lage und können sehr gut nachvollziehen, warum sie nicht mit der Polizei reden möchte. Denn warum sollte sie den Menschen helfen, die sie kurz vorher noch terrorisierten, verspotteten, ihre Kleider klauten und sie im Bikini vom Freibad durch das Dorf nach Hause laufen ließen?

Für ihr Langfilmdebüt baute Pereda ihren Kurzfilm „Cerdita“ (ebenfalls mit Laura Galán) gelungen auf Spielfilmlänge aus. Entstanden ist ein verdammt gut gemachter, herausfordernder und unangenehmer Film.

Auch in „Bodies Bodies Bodies“, dem US-Debüt der niederländischen Regisseurin Halina Reijn, stehen Jugendliche im Mittelpunkt. Sie treffen sich für ein Wochenende voller Alkohol und Drogen (Sex ist nicht so wahnsinnig wichtig) in der Villa von David.

Als sie mitten in der Nacht im Garten Davids enthauptete Leiche finden, beginnen sie seinen Mörder zu suchen. Weil ein Hurrikan seine Flucht verhindert, muss er sich noch in dem Haus befinden.

Und schnell beginnen diese Reichenkinder äußerst blutig zu sterben, während sie mit ihren Handy-Taschenlampen durch das dunkle Haus stolpern. Dabei ist unklar, ob der Mörder immer wieder zuschlägt oder ob sie an ihrer eigenen Dummheit und Dusseligkeit sterben.

Das ist dann auch das größte Problem dieses Horrorfilms. Alle Jugendlichen, auch die Protagonistin, sind extrem dumm und nervig. Ihr Tod berührt nicht; falls man nicht sogar auf ihr schnellstmögliches Ableben hofft.

Die Geschichte bedient sich rudimentär vertrauter Rätselkrimistrukturen. Allerdings sind die um ihr Überleben kämpfenden Damen und Herren, die sich munter gegenseitig verdächtigen, viel zu dumm, um auch nur im Ansatz zielgerichtet zu ermitteln. Viel lieber rutschen sie im Dunkeln in einer Blutlache aus und bringen sich dabei selbst um.

Letztendlich kann „Bodies Bodies Bodies“ als eine Studie in Dummheit gesehen werden. Nur gestaltet sich der Weg zu dieser Erkenntnis äußerst zäh.

Piggy (Cerdita, Spanien 2022)

Regie: Carlota Pereda

Drehbuch: Carlota Pereda

mit Laura Galán, Carmen Machi , Julián Valcárcel, Claudia Salas, Pilar Castro Camille Aguilar, Richard Holmes

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Piggy“

Metacritic über „Piggy“

Rotten Tomatoes über „Piggy“

Wikipedia über „Piggy“ (deutsch, englisch)

Bodies Bodies Bodies (Bodies Bodies Bodies, USA 2022)

Regie: Halina Reijn

Drehbuch: Sarah DeLappe (basierend auf einer Geschichte von Kristen Roupenian)

mit Amandla Stenberg, Maria Bakalova, Rachel Sennott, Chase Sui Wonders, Pete Davidson, Myha’la Herrold, Lee Pace

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Bodies Bodies Bodies“

Metacritic über „Bodies Bodies Bodies“

Rotten Tomatoes über „Bodies Bodies Bodies“

Wikipedia über „Bodies Bodies Bodies“ (deutsch, englisch)