TV-Tipp für den 24. November: Die Wütenden – Les Misérables

November 23, 2022

Servus TV, 23.35

Die Wütenden – Les Misérables (Les Misérables, Frankreich 2019)

Regie: Ladj Ly

Drehbuch: Ladj Ly, Giordano Gederlini, Alexis Manenti

Ein ganz normaler Sommertag in Clichy-Montfermeil, einem sozialen Brennpunkt östlich von Paris: Polizisten, darunter ein Neuling bei seinem ersten Arbeitstag, und Kleingangster kennen und bekriegen sich.

Rundum überzeugendes Ghettodrama. Einer meiner Kino!filme des Jahres 2020.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga, Issa Perica, Al-Hassan Ly, Steve Tientcheu, Jeanne Balibar

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Die Wütenden – Les Misérables“

Moviepilot über „Die Wütenden – Les Misérables“

Metacritic über „Die Wütenden – Les Misérables“

Rotten Tomatoes über „Die Wütenden – Les Misérables“

Wikipedia über „Die Wütenden – Les Misérables“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Ladj Lys „Die Wütenden – Les Misérables“ (Les Misérables, Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Apichatpong Weerasethakuls „Memoria“

Mai 5, 2022

Ein seltsamer Knall weckt Jessica. Die Dichterin will mehr über diesen Knall, den sie als bedrohlich, beängstigend und auch unheimlich empfindet, erfahren.

Diese simple Idee bildet die Grundlage für Apichatpong Weerasethakuls neuen Film „Memoria“. Bekannt wurde er durch „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ (2010) und „Cemetery of Splendour“ (2015). Beide Filme wurden von der Kritik abgefeiert und liefen sogar in den deutschen Kinos. „Memoria“ ist sein erster außerhalb Thailands entstandener Film. Tilda Swinton übernahm die Rolle der suchenden Jessica.

In Bogota besucht sie ihre im Krankenhaus liegende Schwester Karen. Dort besucht sie auch ein Tonstudio. Zusammen mit dem Toningenieur will sie den Knall, den anscheinend nur sie gehört hat, genauer bestimmen. Er hilft ihr bei der Reproduktion des Knalls. Sie unterhalten sich und streifen durch die kolumbianische Hauptstadt. Im Krankenhaus, in dem ihre Schwester liegt, trifft sie die Archäologin Agnès. Gemeinsam betrachten sie ein Jahrhunderte altes Skelett eines Mädchens. Die Knochen wurden bei dem Bau eines Tunnels entdeckt. Agnès fährt zu der weit ab von Bogota liegenden Ausgrabungsstätte. Jessica folgt ihr in die Provinz. Dort trifft sie auf Hernán, einen Fischer. Sie unterhalten sich. Es scheint eine Verbindung zwischen ihnen zu geben. Und sie sitzen schweigend an einem Bach in der unberührten Natur.

Wie in seinen vorherigen Filmen interessiert Apichatpong Weerasethakul sich wenig für eine nacherzählbare Handlung. Sie wird beim Aufschreiben noch banaler, als sie es schon beim Ansehen ist. Ihm geht es um Ruhe. Er beobachtet in scheinbar endloser Geduld Jessica und, falls vorhanden, ihre Gesprächspartner. Meistens ohne einen Schnitt über mehrere Minuten. Die Schauspieler bewegen sich während der gesamten Szene, wenn sie sitzen, fast nicht. Am liebsten zeigt Weerasethakul das in statischen Einstellungen, die den gesamten Raum erfassen. Die Schauspieler sind bei Außenaufnahmen irgendwo, eher klein, im Bild positioniert. Deshalb und um in aller Ruhe alle Details des Bildes zu erfassen, sollte man „Memoria“ auf einer großen Leinwand sehen.

Der kontemplative, in seiner Offenheit keine eindeutige Interpretation vorgebende oder forcierende Film „Memoria“ ist definitv kein Film für jeden. Aber die präzise komponierten Bilder üben eine eigenwillige Faszination aus. Und es ist einer der Filme, der kein Problem damit hat, wenn die Gedanken des Zuschauers abschweifen. Im Gegenteil. Er begrüßt und forciert diese Unaufmerksamkeit sogar, weil er als ‚medidative Spurensuche‘ (Presseheft) es genau darauf anlegt. Die Bilder und eher assoiativen Dialoge sollen dabei nur ein Startpunkt für den Zuschauer sein.

In Cannes erhielt die Slow-Cinema-Perle „Memoria“ 2021 den Preis der Jury.

P. S.: In der Arte-Mediathek kann bis zum 31. Oktober 2022 Apichatpong Weerasethakuls „Onkel Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ angesehen werden. In Cannes erhielt der Film 2010 die Goldene Palme. 2016 belegte der Film in einer BBC-Umfrage zu den „100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts“ den 37. Platz.

Memoria (Memoria, Kolumbien/Thailand/Großbritannien/Mexiko/Frankreich/Deutschland/Katar 2021)

Regie: Apichatpong Weerasethakul

Drehbuch: Apichatpong Weerasethakul

mit Tilda Swinton, Elkin Díaz, Jeanne Balibar, Juan Pablo Urrego, Daniel Giménez Cacho

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Memoria“

Moviepilot über „Memoria“

Metacritic über „Memoria“

Rotten Tomatoes über „Memoria“

Wikipedia über „Memoria“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. Oktober: Die Wütenden – Les Misérables

Oktober 13, 2021

Servus TV, 22.15

Die Wütenden – Les Misérables (Les Misérables, Frankreich 2019)

Regie: Ladj Ly

Drehbuch: Ladj Ly, Giordano Gederlini, Alexis Manenti

Ein ganz normaler Sommertag in Clichy-Montfermeil, einem sozialen Brennpunkt östlich von Paris: Polizisten, darunter ein Neuling bei seinem ersten Arbeitstag, und Kleingangster kennen und bekriegen sich.

TV-Premiere. Rundum überzeugendes Ghettodrama. Einer meiner Kino!filme des Jahres 2020.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga, Issa Perica, Al-Hassan Ly, Steve Tientcheu, Jeanne Balibar

Wiederholung: Freitag, 15. Oktober, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Die Wütenden – Les Misérables“

Moviepilot über „Die Wütenden – Les Misérables“

Metacritic über „Die Wütenden – Les Misérables“

Rotten Tomatoes über „Die Wütenden – Les Misérables“

Wikipedia über „Die Wütenden – Les Misérables“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Ladj Lys „Die Wütenden – Les Misérables“ (Les Misérables, Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Frankreichs Vorschlag für den Auslandsoscar: „Die Wütenden – Les Misérables“

Januar 24, 2020

Für Stéphane (Damien Bonnard) ist es sein ‚Training Day‘ mit Chris (Alexis Manenti) und Gwada (Djebril Zonga), die schon seit Ewigkeiten in Les Bosquets in Clichy-Montfermeil, einem Vorort östlich von Paris, arbeiten. Chris ist der schnell aufbrausende und seine Polizeimarke skrupellos benutzende Anführer des Teams. Gwada ist sein ruhigerer und besonnener Partner. Beide sind sich sicher, dass Stéphanes in der Provinz vielleicht taugliche sozialarbeiterisch-verständnisvolle und auch rücksichtsvolle Herangehensweise in der Großstadt, und dann noch in einem sozialen Brennpunkt mit periodischen Gewaltausbrüchen, schnell der Vergangenheit angehören wird.

Während eines brütend heißen Sommertags zeigen sie Stéphane ihr Revier. Sie stellen sich selbst dar. Vor allem Chris erklärt ihm (und uns) die Welt, wie sie ist. Und die ist ziemlich reaktionär. Wenn er sich langweilt, übt er seine Macht als Polizist gegenüber den Bewohnern des Viertels mit schikanösen Zufallskontrollen aus. Außerdem prüfen und verarschen Chris und Gwada ihren neuen Kollegen. Der beobachtet das in einer oft schweigenden Mischung aus Erstaunen und Entsetzen. Insgesamt ist es ein ganz normaler Tag in Montfermeil. Auch dass aus dem im Viertel gastierendem Wanderzirkus das Maskottchen des hitzköpfigen Zirkuschefs, ein Löwenbaby, gestohlen wird und fortan alle nach dem Tier suchen, ändert daran zunächst wenig.

Die Story ermöglicht Ladj Ly in seinem Regiedebüt „Die Wütenden – Les Misérables“ ein ungeschöntes und letztendlich sehr bitteres Porträt eines Stadtteils und seiner Bewohner zu zeichnen. Es ist ein Stadtteil, in dem das Recht des Stärkeren für eine gewisse Stabilität sorgt. Auch wenn es nichts zu einer positiven Entwicklung beträgt. Im Gegenteil.

Es ist auch das Stadtteil, in dem Ly aufwuchst, seine Besetzung fand und in den vergangenen Jahren seine ersten Filme drehte. Es waren Dokumentarfilme unterschiedlicher Länge, die er auch auf YouTube veröffentlichte. In ihnen gibt er einen Einblick in das Leben in Montfermeil. So dokumentiert er in „365 Days in Clichy Montfermeil“ (2007) den Teil der gewalttätigen Unruhen in Frankreich 2005, die vor seiner Haustür stattfanden und das Leben in seiner Stadt.

Im Film benutzt er dann sehr gelungen die Konventionen des Polizeifilms für eine Gesellschaftsanalyse, die immer wieder verschiedene Abhängigkeiten und Loyalitäten und die daraus entstehende negative Dynamik thematisiert, ohne jemals zu predigen. Das steht dann auch in der Tradition französischer Kriminalfilme, wie Bertrand Taverniers Polizeifilm „Auf offener Straße“ (L.627, Frankreich 1992) oder Mathieu Kassovitz‘ Banlieue-Jugenddrama „Hass“ (La Haine, Frankreich 1995).

Seitdem hat sich in den Banlieues wenig verändert. Außer dass die Bewohner inzwischen Polizeischikanen und -gewalt mit Handykameras und Drohnen dokumentieren können.

Seine Premiere hatte „Die Wütenden – Les Misérables“ letztes Jahr in Cannes. Dort erhielt das Drama den „Preis der Jury“. Weitere Preise wie ein Europäischer Filmpreis für das beste Spielfilmdebüt folgten. Zuletzt wurde der Polizeifilm für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. Er wäre ein würdiger Preisträger. Dummerweise dürfte er gegen „Parasite“ keine Chance haben.

Die Wütenden – Les Misérables (Les Misérables, Frankreich 2019)

Regie: Ladj Ly

Drehbuch: Ladj Ly, Giordano Gederlini, Alexis Manenti

mit Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga, Issa Perica, Al-Hassan Ly, Steve Tientcheu, Jeanne Balibar

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Die Wütenden – Les Misérables“

Moviepilot über „Die Wütenden – Les Misérables“

Metacritic über „Die Wütenden – Les Misérables“

Rotten Tomatoes über „Die Wütenden – Les Misérables“

Wikipedia über „Die Wütenden – Les Misérables“ (deutsch, englisch, französisch)


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