Leipziger Buchmesse 2025: viele nette Menschen und noch mehr Bücher

März 31, 2025

296.000 Besuchern kamen dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse. Das waren 13.000 Besucher mehr als 2024. Entsprechend begeistert sind die Veranstalter. 2040 Aussteller aus 45 Ländern und das diesjährige Gastland Norwegen präsentierten Bücher und manchmal auch andere Dinge. Vom Donnerstag, den 27. März, bis zum Sonntag, den 30. März, gab es mit 2800 Lesungen und Diskussionen an 330 Leseorten ein ziemlich volles Programm auf dem Messegelände und in Leipzig.

Schon Tage vorher wurde der Vorverkauf von Eintrittskarten für den Samstag eingeschränkt.

Auch am Freitag, meinem Messetag, ist es gut voll. Vor allem in der Comic- und Mangahalle ist zwischen den Cosplayern (viele, sehr viele, wirklich sehr viele) und den nicht verkleideten Manga-Fans kein Durchkommen. In den anderen Hallen geht es dagegen deutlich ruhiger zu und in all dem Gedränge bleibt Zeit für Gespräche mit alten und neuen Bekannten, die ich hoffentlich alle spätestens nächstes Jahr wieder sehen werde.

Sebastian Fitzek signiert laut Ankündigung (ich habe nicht neben ihm gestanden und die Zeit gestoppt) mehrere Stunden Bücher.

Bei den anderen Autoren sind die Signierstunden laut Ankündigung kürzer. Mein Eindruck ist allerdings, dass sie auch außerhalb der Signierstunde gerne Bücher signieren oder spontan Bilder hineinmalen.

Und es werden überall wie verrückt Bücher gekauft. Die Verleger freuts, weil sie die Heimfahrt mit deutlich weniger Gepäck antreten können.

Das Wetter ist tagsüber fantastisch. Nachdem ich schon eine verschneite Messe erlebte und es letztes Jahr so kalt nieselte, dass schon ein kurzes Luftschnappen eine Zitterpartie war, ist es dieses Jahr so warm und sonnig, dass ein guter Teil des Messetrubels nach Außen verlagert wird.

Nachdem meine letzte Bücher-Jahresbestenliste rein männlich war, will ich dieses Mal wieder mehr Romane von Frauen drin haben. Die druckfrischen Debüts von Anna Mai und Malin Thunberg Schunke – die ich beide zufällig traf – sind dabei heiße Anwärterinnen für einen solchen Platz.

Anna Mai mit ihrem Roman „Broilerkomplott“ (Ariadne/Argument Verlag) und ihrer Verlegerin Else Laudan (in diesem Fall von rechts nach links)

Malin Thunberg Schunke mit ihrem Roman „Ein höheres Ziel“ (Polar Verlag), ausgezeichnet als bestes Debüt von der Schwedischen Krimi Akademie

Mit dem Feierabend-Gongschlag geht es dann in Richtung Sonnenuntergang:


Im Verhörzimmer: Stefán Máni („Abgrund“) und Anthony J. Quinn („Frau ohne Ausweg“) über Verbrechen in Island und Irland/Nordirland

Mai 16, 2024

Interview each of them individually or together? When I had the opportunity for an interview with Stefán Máni and Anthony J. Quinn at the Leipzig Book Fair, it was an academic question. After all, both authors live on an island. Máni in Iceland, Quinn in Ireland, specifically in Northern Ireland. They deal in their crime novels with the social and political problems of their homeland and the myths that exist there. Both write standalone novels and long-running series. Quinn wrote five police novels starring Detective Celcius Daly. Daly investigates on the border between Ireland and Northern Ireland, especially during the pre-Brexit period. In his cases he must deal with the aftermath of the Troubles. The extremely bloody Northern Ireland conflict ended 1998 with the Good Friday Agreement.

Máni has invented with Hörður Grímson an investigator who is popular in his homeland but is still unknown in Germany due to a lack of translations. In “Hyldýpi“ (German title: Abgrund) Grimson makes his first appearance. He has only a supporting role. The focus is on a boy who is looking for a missing girl because he believes he saw her ten years ago when he almost drowned in a lake.

Both authors are published in Germany by the Polar Verlag. This should also make it clear that Máni and Quinn write noirs.

At the Leipzig Book Fair we talked about their crime novels, which are worth reading. We focused on the novels, which were recently published in German. That’s Stefán Mánis standalone psychological thriller “Hyldýpi” which also contains some fantastic elements and Anthony J. Quinns second Celcius Daly police thriller “Border Angels” (German title: Frau ohne Ausweg). They talked also about Hardboiled and Noir, how they invented their heroes and what their series heroes Grimson and Daly mean to them and their fans.

Und jetzt die deutsche Version

Einzeln oder zusammen interviewen? Als sich während der Leipziger Buchmesse die Gelegenheit für ein Interview ergab, war das für mich bei Stefán Máni und Anthony J. Quinn eine akademische Frage. Schließlich leben beide Autoren auf einer insel. Máni auf Island, Quinn auf Irland, genaugenommen in Nordirland. Beide beschäftigen sich in ihren Romanen mit den sozialen und politischen Problemen ihre Heimat und den dort vorhandenen Mythen. Beide schreiben Einzelromane und langlebige Serien. Quinn schrieb fünf Polizeiromane mit Detective Celcius Daly. Drei sind inzwischen ins Deutsche übersetzt. Daly ermittelt an der irisch-nordirischen Grenze vor allem während der Prä-Brexit-Zeit. Er muss sich immer mit den Nachwirkungen des 1998 mit dem Karfreitagsabkommen befriedeten, äußerst blutig geführten Nordirlandkonflikts, den Troubles, auseinandersetzen.

Máni hat mit Hörður Grímson einen in seiner Heimat beliebten, in Deutschland mangels Übersetzungen noch unbekannten Ermittler erfunden. In „Abgrund“ hat Grimson seinen ersten Auftritt. Er hat nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der ein verschwundenes Mädchen sucht, weil er glaubt, sie vor zehn Jahren gesehen zu haben als er in einem See fast ertrank.

Beide Autoren werden in Deutschland vom Polar Verlag verlegt. Damit dürfte auch klar sein, dass Máni und Quinn Noirs schreiben.

Auf der Leipziger Buchmesse unterhielt ich mich mit ihnen auf Englisch über ihre zuletzt auf Deutsch erschienenen lesenswerte Kriminalromane. Von Stefán Máni erschien zuletzt der einige fantastische Elemente enthaltende Standalone-Psychothriller „Abgrund“. Von Anthony J. Quinn erschien zuletzt der zweite Celcius-Daly-Polizeithriller „Frau ohne Ausweg“. Sie sprachen außerdem über Hardboiled und Noir, wie sie ihre Helden erfanden und was ihre Serienhelden Grimson und Daly für sie und ihre Fans bedeuten.

Bei Polar sind von Stefán Máni und Anthony J. Quinn erschienen:

Stefán Máni: Abgrund

(übersetzt von Karl-Ludwig Wetzig)

Polar Verlag, 2023

240 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Hyldýpi

2009

Anthony J. Quinn: Frau ohne Ausweg

(übersetzt von Sven Koch)

Polar Verlag, 2023

304 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Border Angels

Mysterious Press, 2013

Erste UK-Ausgabe: Head of Zeus, 2015

Anthony J. Quinn: Auslöschung

(übersetzt von Sven Koch)

Polar Verlag, 2021

424 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Disappeared

Mysterious Press, 2012

Erste UK-Ausgabe: Head of Zeus, 2014

Anthony J. Quinn: Gestrandet

(übersetzt von Robert Brack)

Polar Verlag, 2019

320 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Undertow

Head of Zeus, 2017

Hinweise

Isländische Seite über Stefán Máni

Polar über Stefán Máni

Wikipedia über Stefán Máni (deutsch, isländisch)

Meine Besprechung von Óskar Thór Axelsson Stefán-Máni-Verfilmung „Black’s Game – Kaltes Land“ (Svartur á leik, Island 2012)

Homepage von Anthony J. Quinn

Polar über Anthony J. Quinn


Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2024: Lauter nette Krimiautor*innen

März 24, 2024

Nächstes Jahr sollte ich auf der Leipziger Buchmesse endlich die vielen Cosplayer*innen aus dieser und allen anderen Welten fotografieren. Die scheinen das Posieren zu genießen. Deadpool – auch ihn habe ich auf der Messe gesehen – wohl auch.

Dieses Jahr habe ich Interviews mit Christine Lehmann (über „Alles nicht echt“), Stefán Máni (über „Abgrund“) und Anthony J. Quinn (über „Frau ohne Ausweg“) geführt. Ich muss sie die Tage noch etwas bearbeiten.

Bis dahin gibt es einige Schnappschüsse von gutgelaunten Krimiautor*innen mit ihren neuesten Kriminalromanen. In alphabetischer Reihenfolge:

Frauke Buchholz ist mit „Skalpjagd“ (Pendragon) am Ende einer Trilogie um den kanadischen Profiler Ted Garner, die vielleicht doch eine aus vier (oder mehr) Romanen bestehende ‚Trilogie‘ wird. Sie meinte, es gebe noch offene Fragen.

Jürgen Heimbach entführt uns in seinem neuen Krimi „Waldeck“ (Unionsverlag) in die sechziger Jahre zum ersten Burg-Waldeck-Festival. Während dort noch heute bekannte Musiker klampfen, sucht Journalist Ferdinand Broich einen untergetauchten SS-Arzt.

Chrstine Lehman lässt in ihrem 13. Lisa-Nerz-Krimi „Alles nicht echt“ (Ariadne) ihre Heldin in der Nachrichtenredaktion eines ÖRR-Senders ermitteln. Sie soll herausfinden, wer einige Daten aus dem Sender geklaut hat. Kurz darauf sucht sie einen Mörder.

Stefán Máni führt in Island seinen jungen Helden an den „Abgrund“ (Polar). Der Naivling glaubt, irgendetwas mit dem Verschwinden einer jungen Videothek-Mitarbeiterin zu tun zu haben. „Abgrund“ ist auch der erste Roman mit Kriminalpolizist Hörður Grímsson.

Anthony J. Quinn ist mit einer untergetauchten, aus Osteuropa kommenden „Frau ohne Ausweg“ (Polar) und seinem Ermittler Celcius Daly im irisch/nordirischen Grenzgebiet unterwegs. Daly sucht den Mörder ihres Zuhälters. Troubles garantiert

Das sind jetzt mindestens fünf leichengesättigte Lesetipps für den qualitätsbewussten Krimifan.


Ein „Kriminalakte“-Gespräch mit Christopher Golden („Road of Bones – Straße des Todes“) und Kim Sherwood („James Bond: Doppelt oder Nichts“)

April 30, 2023

Auf der Leipziger Buchmesse unterhielt die Kriminalakte sich am 27. April 2023 mit Christopher Golden und Kim Sherwood über ihre neuen und neu auf Deutsch erschienenen Romane. Golden hatte seinen brandneuen Thriller „Road of Bones – Straße des Todes“ (Cross Cult) und den im Original bereits 2010 unter dem Pseudonym Jack Rogan erschienenen Horrorthriller „The Ocean Dark“ (Buchheim) im Gepäck. Kim Sherwood ihren ersten James-Bond-Roman „Doppelt oder Nichts“ (Double or Nothing) (Cross Cult). Der Thriller ist der Beginn einer Trilogie, die James Bond in die Gegenwart bringt und auch einen Blick auf seine Kollegen wirft. Das sind die 00-Agenten, die bis jetzt nur als „00[Nummer] wurde getötet.“ bekannt sind.

Wir sprachen über ihre neuen Bücher, über die Herausforderung, Geschichten für bereits existierende Figuren zu erfinden, und wie sie ihre Romane schreiben. Das Gespräch endet mit jeweils fünf sechs, ausführlich von Kim Sherwood und Christopher Golden begründeten Leseempfehlungen für den nächsten Urlaub.

Christopher Golden hat seit 1995 zahlreiche Horror-, Fantasy- und Thrillerromane geschrieben. Teilweise mit anderen Autoren wie Mike Mignola und Tim Lebbon, teilweise für bestehende Serien, wie die Vampirjägerin Buffy. Er schrieb auch Filmromane, wie „King Kong“, Comics und Jugendromane. Und er wechselt kontinuierlich zwischen Serien- und Einzelromanen. Seine Thriller standen auf der „New York Times“-Bestsellerliste. Sie wurden für den British Fantasy Award, den Eisner Award und, mehrmals, den Bram Stoker Award nominiert.

Kim Sherwood ist die neue James-Bond-Autorin. Ihr Debütroman „Testament“ über die Auswirkung des Holocaust auf eine Familie erhielt den Bath Novel Award und den Harper’s Bazaar Big Book Award. 2019 stand ihr Name auf der Shortlist für den Sunday Times Young Writer of the Year Award.

Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an der Universität von Edinburgh; – wahrscheinlich nicht mehr lange.

Christopher Goldens Buchtipps

John Irving: A Prayer for Owen Meany, 1989 (Owen Meany)

S. A. Cosby: Blacktop Wasteland, 2020 (Blacktop Wasteland)

Tana French: The Secret Place, 2014 (Geheimer Ort)

Chris Cleave: Everyone Brave is Forgiven, 2016 (Die Liebe in diesen Zeiten)

Erik Larson: The Devil in the White City, 2003 (Der Teufel von Chicago: ein Architekt, ein Mörder und die Weltausstellung, die Amerika veränderte)

Violet Castro: The Queen of the Cicadas, 2021 (-)

Kim Sherwoods Buchtipps

Dame Hilary Mantel: Wolf-Hall-Trilogie (Wolf Hall, 2009 [Wölfe]; Bring Up the Bodies, 2012 [Falken]; The Mirror & the Light, 2020 [Spiegel und Licht])

Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

Ian Fleming: From Russia with Love, 1957 (Liebesgrüße aus Moskau)

Elmore Leonard: Be Cool, 1999 (Schnappt Chili)

Elizabeth Bowen: The Heat of the Day, 1949 (In der Hitze des Tages)

Peter O’Donnell: Modesty-Blaise-Serie, 1965 – 1996

Christopher Golden: Road of Bones – Straße des Todes

(übersetzt von Johannes Neubert)

Cross Cult, 2023

336 Seiten

26 Euro

Originalasgabe

Road of Bones

St. Martin’s Press, 2022

Christopher Golden: The Ocean Dark

(übersetzt von Sven-Eric Wehmeyer)

Buchheim, 2023

560 Seiten

39,99 Euro

Originalausgabe (als Jack Rogan)

The Ocean Dark

Ballantine Books, 2010

Kim Sherwood: Doppelt oder nichts

(übersetzt von Roswitha Giesen)

Cross Cult, 2023

496 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Double or Nothing

Harper Collins Publishers, 2022

Hinweise

Homepage von Kim Sherwood

Homepage von Christopher Golden

Wikipedia über Christopher Golden

Mein ausführlicher Hinweis auf Christopher Goldens (Hrsg.) „Hellboy: Leckerbissen “ (Oddest Jobs, 2008)

Und nun zu Bond, James Bond

Wikipedia über James Bond (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Etliche der Autoren und Bücher, die Christopher Golden und Kim Sherwood empfehlen, wurden auch hier in den vergangenen Jahren abgefeiert.

Kamera, Interview, Fotos: Axel Bussmer (der Vollständigkeit halber)


Spooky. Ben Aaronovitch erzählt am Dienstag in Berlin von schlafenden Geistern und Silberkammern

April 30, 2023

Ben Aaronovitch auf der Leipziger Buchmesse 2023 (Foto: Axel Bussmer)

Ben Aaronovitch besucht das „Otherland“. Aber weil das „Otherland“ nur eine gewöhnliche Buchhandlung und kein magischer Raum ist, in das hunderte, tausende und noch viel mehr Menschen passen (Naja, irgendwie schon. Aber das ist eine andere Geschichte), findet die Lesung am Dienstag, den 2. Mai, um 19.30 Uhr im Ballhaus Walzerlinksgestrickt (Am Tempelhofer Berg 7d, Berlin-Kreuzberg) statt.

Einlass ist ab 19.00 Uhr. Um eine Anmeldung unter service@Otherland-berlin.de wird gebeten. Ebenso um eine Spende.

Im Gepäck hat Ben Aaronovitch, der Erfinder von Peter Grant und der witzigen „Die Flüsse von London“-Urban-Fantasy-Krimiserie, eine Vorspeise (den Kurzroman „Die schlafenden Geister des Lake Superior“), eine Hauptspeise (den Roman „Die Silberkammer in der Chancery Lane“) und zwei Nachspeisen (die Comics „Ein mieser Montag“ und „Und wenn sie nicht gestorben sind“).

Die schlafenden Geister des Lake Supeior“ ist sein neuestes Buch. In Deutschland erschien die Geschichte mit FBI-Agentin Kimberley Reynolds über einen Monat vor der englischen Ausgabe. Die ist erst für den 8. Juni angekündigt.

Eifrige Leser der Peter-Grant-Romane kennen die FBI-Agentin seit „Ein Wispern unter Baker Street“ (Whispers Under Ground, 2012). In dem Fantasykrimi lernte die tiefreligiöse Kimberley Reynolds bei einem Auslandseinsatz Peter Grant kennen. Der Besuch in London war gleichzeitig ihre erste Begegnung mit der Welt der Magie und der Beginn ihrer Freundschaft zu Peter Grant. Jetzt gibt er ihr den entscheidenden Hinweis im Kampf gegen die „schlafenden Geister des Lake Superior“.

Der Fall beginnt mit einem Anruf des Ex-FBI-Agenten Patrick Henderson. Er warnt vor einem möglichen X-RAY SIERRA INDIA und bittet um eine Einschätzung. Genauere Informationen werde er dem FBI-Einsatzteam geben. Kimberley, die beim FBI in der Abteilung für die seltsamen, okkulten „Akte X“-Fälle arbeitet, wird mitten im tiefsten Winter nach Eloise, Wisconsin, geschickt. Als sie in der Kleinstadt eintrifft, ist Henderson spurlos verschwunden, ein Eistornado hat die Gemeindeverwaltung und das Poliizeirevier zerstört und es geschehen wirklich seltsame Dinge in der Gegend.

Ihr bleiben nur wenige Stunden, um eine Katastrophe zu verhindern.

Die flott gelesene, vergnügliche Geschichte, die Ben Aaronovitch in seinem gewohnt humorvollem Ton erzählt, gehört zu den kürzeren Geschichten, die mal als Kurzroman, mal als Novelle bezeichnet werden. Sie können an einem langen Abend gelesen werden und sie eignen sich gut als Einstieg in die Welt der „Flüsse von London“.

Schon letztes Jahr erschien „Die Silberkammer in der Chancery Lane“, der neunte Roman mit Peter Grant. Der in London lebende Grant ist Polizist. Er gehört zu der bei seinen Kollegen allgemein unbeliebten Einheit für Spezielle Analysen. Sie kümmert sich um abstruse Fälle, die normalerweise irgendetwas mit Zauberei und Okkultismus zu tun haben und mit denen normale Polizisten nichts zu tun haben wollen. Außerdem ist Grant der erste Zauberlehrling seit 1945. Sein Ausbilder, Mentor und Vorgesetzter ist Thomas Nightingale. Sein Alter ist nicht bekannt. Aber der Zauberer hat im Zweiten Weltkrieg gedient und ist seitdem nicht merklich gealtert.

In „Die Silberkammer in der Chancery Lane“ geht es um einen seltsamen Todesfall in der titelgebenden Silberkammer. In der unterirdischen Shoppingmal werden, bestens gesichert vor Diebstählen, seit Ewigkeiten wertvolle Gegenstände aus Silber verkauft. Jetzt wurde in ihr ein Mann, der gerade ein Geschäft überfiel, ermordet. Sein Herz wurde von einer unbekannten Macht herausgerissen. Die zahlreichen Überwachungskameras haben nichts aufgenommen. Also muss Peter Grant herausfinden, welcher böse Geist hier am Werk war. Und warum.

Nach gut vierhundert Seiten haben Peter Grant und seine Kollegen den Fall geklärt.

Aufgrund des großen Erfolgs seiner Peter-Grant-Romane gibt es seit 2015 auch Comics, denn, so Aaronovitch auf der Leipziger Buchmesse: „Wer will nicht Comicautor sein?“. Ben Aaronovitch schreibt die Comics zusammen mit Andrew Cartmel. Beide schrieben Drehbücher für die TV-Serie „Doctor Who“. Cartmel schreibt außerdem die „Vinyl Detektiv“-Krimis, die auf Deutsch bei Suhrkamp erscheinen.

Die Comics gehören zur Kontinuität der Romane. Sie können aber unabhängig von den Romanen gelesen werden. Wie die Romane unabhängig von den Comics gelesen werden können. Sie sind kurze Zwischenhappen, die die Zeit zwischen den Romanen verkürzen.

Zuletzt erschienen, mit jeweils einer großen Geschichte, der neunte und zehnte Comicband. Im neunten Comicband sind außerdem vier einseitige Comics enthalten.

In „Ein mieser Montag“ jagt DI Miriam Stephanopoulos eine Bande Teenager-Taschendiebe. Mehrere Razzien der Metropolitan Police bleiben ohne Ergebnis. Wahrscheinlich wurde die Gang gewarnt. Außerdem geht ein Undercover-Einsatz schief. Der Undercover-Polizist liegt jetzt im Krankenhaus. Er hat einen schwedischen Werwolf gesehen. Und damit handelt es sich um eine Angelegenheit für Peter Grant und die Einheit für okkulte Angelegenheiten.

Aaronovitch und Cartmel erzählen die zu verschiedenen Zeiten spielende Geschichte kapitelweise aus verschiedenen Blickwinkeln mit verschiedenen Protagonisten. Das Ergebnis ist dann eher unbefriedigend.

Der neueste „Die Flüsse von London“-Comic „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ wurde von Celeste Bronfman geschrieben. Aaronovitch und Cartmel beaufsichtigten die Arbeit. Im Mittelpunkt ihrer Geschichte stehen die Zwillinge Chelsea und Olympia. Die Töchter der Flussgöttin Themse brechen in einem Park versehentlich einen Bannzauber. Das führt dazu, dass die in einem alten Märchenbuch zusammengestellten und illustrierten Märchen, wie „Der Froschkönig“ und „Schneewittchen“ jetzt zum Leben erweckt werden.

Weil Grant und Nightingale gerade mit anderen Geistern beschäftigt sind, versuchen die beiden Zwillinge das von ihnen angerichtete Unheil rückgängig zu machen.

Und wenn sie nicht gestorben sind…“ ist eine witzige Urban-Fantasy-Geschichte, bei der Peter Grant nur in einem Panel auftaucht.

Nach Berlin geht es für Ben Aaronovitch in Richtung Süddeutschland:

Am 3. Mai liest er um 20.30 Uhr in Würzburg in der Buchhandlung Hugendubel (Kürschnerhof 4-6)

Am 4. Mai liest er um 20.15 Uhr in München in der Buchhandlung Hugendubel am Stachus (Karlsplatz 11-12).

Beide Abende werden von Uve Techner moderiert.

Ben Aaronovitch: Die schlafenden Geister des Lake Superior – Eine Kimberley-Reynolds-Story

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2023

240 Seiten

11,95 Euro

Originalausgabe (die erst in einigen Tagen erscheint)

Winter’s Gift

Orion, 2023

Ben Aaronovitch: Die Silberkammer in der Chancery Lane

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2022

416 Seiten

15,95 Euro

Originalausgabe

Amongst our Weapons

Gollancz, London 2022

Ben Aaronovitch (Schöpfer)/Celeste Bronfman (Story)/Andrew Cartmel (Skript-Lektorat)/José María Beroy (Zeichnungen): Die Flüsse von London: Und wenn sie nicht gestorben sind… (Band 10)

(übersetzt von Kerstin Fricke)

Panini, 2023

116 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Rivers of London: Deadly ever after

Titan Comics, Januar 2023

Ben Aaronovitch (Story)/Andrew Cartmel (Story)/José María Beroy (Zeichnungen): Die Flüsse von London: Ein mieser Montag (Band 9)

(übersetzt von Kerstin Fricke)

Panini, 2022

116 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Rivers of London: Monday, Monday

Titan Comics, November 2021

Hinweise

Homepage von Ben Aaronovitch

Blog von Ben Aaronovitch

dtv über Ben Aaronovitch

Blog von Andrew Cartmel

Wikipedia über Ben Aaronovitch (deutsch, englisch) und Andrew Cartmel

Meine Besprechung von Ben Aaronovitchs „Schwarzer Mond über Soho“ (Moon over Soho, 2011)

Mein Besprechung von Ben Aaronivitchs „Geister auf der Metropolitan Line“ (The furthest station, 2017)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerreros „Die Flüsse von London: Autowahn“ (Rivers of London: Body Work, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerreros „Die Flüsse von London – Die Nachthexe“ (Rivers of London: Night Witch, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerrero/Paulina Vassilevas „Die Flüsse von London: Wassergras (Band 6)“ (Rivers of London: Water Weed, 2018)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Brian Williamson/Stefani Rennes „Die Flüsse von London: Mit Abstand! (Band 7)“ (Rivers of London: Action at Distance, 2020)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Christoper Jones/Marco Leskos „Doctor Who – Der siebte Doctor: Tanz auf dem Vulkan“ (Doctor Who – The Seventh Doctor: Operation Volcano, 2018)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Mariano Laclaustras „Die Flüsse von London: Motoren, Magie und Märchen! (Band 8)“ (Rivers of London: The Fey and The Furious, 2020)


Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2023

April 28, 2023

Sie ist wieder da: die Leipziger Buchmesse.

Wie andere Großveranstaltungen legte sie wegen der Coronavirus-Pandemie eine Zwangspause ein. Letztes Jahr fand sie nur als spontane Ad-hoc-Messe statt.

Dieses Jahr findet sie, bis Sonntag, am gewohnten Ort im gewohnten Rahmen statt.

Für die erste Post-Pandemie-Ausgabe wurde das Hallenkonzept geändert. Comics und Mangas, die immer populärer werden, sind jetzt in zwei von fünf Hallen präsent. Und wer wollte, konnte, schon vor dem Cosplay-Wettbewerb am 29. April, viele Cosplayer fotografieren.

In den restlichen drei Hallen sind Belletristik- und Sachbuchverlage. Dieses Jahr fielen mir, neben den vielen altbekannte, vertrauten und beliebten Verlagen, mehrere Musikbuchverlage auf. Und es gibt einen von mir ignorierten „Fokus Bildung“. Gefühlt gab es mehr Essensstände. Und es gab selbstverständlich viele Buchvorstellungen und Gesprächsrunden.

Ben Aaronovitch, der Erfinder von Peter Grant und der „Flüsse von London“-Krimifantasyserie, und „Panini“ Steffen Volkmer beim Signieren. Also, natürlich nur Ben Aaronovitch. Die deutschen Ausgaben seiner Werke erschienen bei dtv und Panini.

Else Laudan vom Argument Verlag vor ihrem Ariadne-Krimiprogramm und ihrer aktuellen Top-Empfehlung für alle, die einen guten Krimi lesen wollen: der neue Roman von Mary Paulson-Ellis „Das Erbe von Solomon Farthing“.

Die helle Macht hinter den immer lesenswerten Noirs des „Polar“-Verlages: Jürgen Ruckh, Britta Kuhlmann und Wolfgang Franßen (von links nach rechts)

Demnächst: mein auf der Leipziger Buchmesse geführtes ausführliches und, wie ich finde, sehr informatives Gespräch mit Kim Sherwood („James Bond: Doppelt oder Nichts“) und Christopher Golden (zuletzt „Road of Bones – Straße des Todes“).