„Barfuss in Scherben“, angezogen auf der Couch Deutschpunk-Songcomics lesend

Oktober 5, 2026

Nachdem sich die vorherigen Songcomic-Bände einzelnen Bands, wie The Go-Betweens, Tocotronic, Fettes Brot, Stereo Total, Fehlfarben (mit ihrer bekanntesten LP „Monarchie und Alltag“), Ton Steine Scherben (mit der Doppel-LP „Keine Macht für Niemand“), widmeten, taucht der neueste Songcomic-Band, wie ein Sampler, in die frühe Geschichte des Deutschpunk ein. Die gute alte Zeit, „als die Welt noch unterging“ (Klappentext; und wem ich das erklären muss, der hat die Zeit zwischen Atomkrieg und Waldsterben nicht erlebt).

Die gewohnt abwechslungsreich gezeichnete Playlist besteht in „Barfuss in Scherben“ aus, in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Rahel Süßkind illustriert „Sense“ von Torpedo Moskau

Marlene Krause zeichnet „Deutschland“ (muss sterben, damit wir leben können) von Slime

Sascha Hommer malt „Meerschweinchen“ von Östro 430

Tine Fetz denkt an „Es brennt“ von Hans-A-Plast

Jens Cornils zeichnet „Bundeswehr“ von Brausepöter

18 Metzger ist mit „Müslibrei“ von Rotzkotz dabei

Antonia Kühn mit „Der große Mafiosi“ von The Wirtschaftswunder (ergänzt um 50 Wege umsonst ins SO 36)

Luka Lenzin taucht irgendwie in die Geschichte von Kleenex (eine der wenigen Frauenpunkbands und dann noch aus der idyllischen Schweiz) ein

Ziska Riemann zeichnet „Satan“ von Schleim-Keim

Helena Baumeister trifft „Lachleute und Nettmenschen von S.Y.P.H.

Gut, ein „Keine Macht für Niemand“ ist da nicht dabei, aber der Song wurde ja schon in dem „Ton Steine Scherben“-Band als Comic verewigt.

Dafür ist Slimes Gassenhauer „Deutschland“ dabei. Nach der unsäglichen, von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sinnfrei angestoßenen Debatte um den Deutschen Buchhandelspreis, ist der Song wieder aktuell und, uh, nachlesenswert. Eine Zeile aus dem Song, verewigt auf dem Haus, in dem eine der ausgezeichneten Buchhandlungen ist, soll (nichts genaues weiß man nicht und Weimer weiß, so sagt er, auch nicht mehr) der Grund für die von Weimer veranlasste Rücknahme der Verleihung an die Buchhandlung gewesen sein. Wenn das nicht der Grund war, war es ein guter Grund, sich den 1981 veröffentlichten Song wieder zu Gemüte zu führen und darüber nachzudenken, wie aktuell er immer noch ist.

Brausepöters ebenfalls 1981 veröffentlichten Gedanken über den Musterungsbefehl der „Bundeswehr“ sind für junge Männer heute wieder aktuell. Auch wenn der Kalte Krieg vorbei ist und die Bundeswehr heute einige Kampfeinsätze absolviert hat. Jens Cornils schloss seine Arbeit an dem Comic an dem Tag ab, als im Bundestag das neue Wehrdienstgesetz beschlossen wurde.

Insgesamt fällt auf, wie erstaunlich zeitlos die in den Songs angesprochenen Themen, Konflikte und Gefühle sind. Und wie vielfältig die Songs in kurze Comics umgesetzt werden.

Wie auch in den anderen Songcomics-Büchern wird jeder Song, was für stilistische Vielfalt sorgt, von einem anderen Künstler illustriert und es gibt zu den Songs informative Intros von Bandmitgliedern und den Zeichnern der Comics.

Äh, ja, und natürlich ist auch „Barfuss in Scherben“ eine gute Grundlage für eine gute Playlist.

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Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.): Barfuss in Scherben- Ein Deutschpunk-Songcomic

Ventil Verlag, 2026

112 Seiten

25 Euro

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Hinweise

Ventil über den Deutschpunk-Songcomic

Meine Besprechung von Gunther Buskies/Jonas Engelmanns (Hrsg.) „Keine Macht für Niemand – Ein Ton Steine Scherben Songcomic“ (2022)

Meine Besprechung von Michael Büsselbergs (Hrsg.) „Sie wollen uns erzählen – Zehn Tocotronic-Songcomics“ (2020)

Meine Besprechung von Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.) „Thank you for a lovely day – 11 The Go-Betweens Songcomics“ (2023)

Meine Besprechung von Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.) „Monarchie und Alltag – Ein Fehlfarben-Songcomic“ (2022)

Meine Besprechung von Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.) „Ab dafür – 10 Trio-Songcomics“ (2024)

Meine Besprechung von Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.) „Schwule Mädchen Sondereinheit – 10 Fettes Brot Songcomics“ (2025)


The Song remains the same, aber nicht die Präsentation: Über einige Songcomics

August 13, 2025

Letztes Jahr habe ich bereits zwei Songcomics besprochen. Aber der Ventil Verlag hat noch mehr Songcomics veröffentlicht, die abgefeiert werden können.

Zuerst muss wahrscheinlich erklärt werden, was ein „Songcomic“ ist. Das ist ganz einfach: es ist ein Comic, der einen Song illustriert und dabei den Text des Liedes übernimmt. Aus Lyrics werden Sprechblasen. Das geschieht mal näher, mal weniger nah an dem Song, aber es ist immer ein Vergnügen.

Die Auswahl der Songs erfolgt mal indem die Songs von einem markanten Album der Band genommen werden, mal indem einige ihrer bekannten Songs genommen werden. Jeder Zeichner illustriert einen Song. Das sichert eine stilistische Vielfalt. Dazu gibt es kurze Kommentare der Musiker zu den Songs und der Zeichner erklärt, was er mit dem Song verbindet.

Am Ende steht ein schönes Buch, das sich vor allem an die Fans der Band richtet. Die können dann die Schallplatte/CD aus dem Regal ziehen oder die Playlist anklicken.

In „Thank you for a lovely day“ werden die „The Go-Betweens“-Songs „Karen“, „Lee Remick“, „Right Here“, „The Clarke Sister“, „Bye Bye Pride“, „Love Goes on“, „Quiet Heaart“, „Streets of Your Town“, „German Farmhouse“, „Too Much of One Thing“ und „Here Comes a City“ von Philip Waechter, Katharina Kuhlenkampff, Matthias Lehmann, Bim Eriksson, Christopher Tauber, Noah van Sciver, Ulf K., Klaus Cornfield, Oska Wald, Luka Lenzin/Leif Gütschow und Sarah Lippett illustriert. In diesem Songcomics-Band sind alle Texte auf Englisch.

In „Monarchie und Alltag“ werden die „Fehlfarben“-Songs „Hier und jetzt“, „Grauschleier“, „Das sind Geschichten“, „All that heaven allows“, „Gottseidank nicht in England“, „Militürk“, „Apokalypse“, „Ein Jahr (Es geht voran)“, „Angst“, „Das war vor Jahren“ und „Paul ist tot“ – also die gesamte legendäre „Monarchie und Alltag“-LP – von Frank Witzel, 18 metzger, Anke Kuhl, Anna Sommer, Minou Zaribaf, Ricaletto, Karolina Chyzewska, Nicolas Mahler, Tine Fetz, Andreas Michalke und Markus Färber illustriert.

In „Ab dafür“ werden die „Trio“-Songs „Los Paul“, „Broken Hearts for you and me“, „Sabine, Sabine, Sabine“, „Danger is“, „Da Da Da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha“ (ihr Überklassiker), „Kummer“, „Anna – lassmichrein lassmichraus“, „Bye Bye“, „Herz ist Trumpf“ und „Out in the streets“ von Jan Soeken, Klaus Cornfield, Helena Baumeister, Nadine Redlich, Dominik Wendland, Nicolas Mahler, Mawil/Gregor Hinz, Jul Gordon, Amelie Persson und Sandra Rummler illustriert.

In „Schwule Mädchen Sondereinheit“ werden die „Fettes Brot“-Songs „Jein“, „Amsterdam“, „Schwule Mädchen“, „Emanuela“, „Falsche Entscheidung“, „Klaus & Klaus & Klaus“, „Bettina, zieh dir bitte etwas an“, „Silberfische in meinem Bett“, „Echo“, und „An Tagen wie diesen“ von Kati Rickenbach, Kathrin Klinger, Noëlle Kröger, Jens Cornils, Tobi Dahmen, Wiebke Bolduan, Hamed Eshrat, Helena Baumeister, Josephine Mark und Büke Schwarz illustriert.

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Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.): Thank you for a lovely day – 11 The Go-Betweens Songcomics

Ventil, 2023

128 Seiten

25 Euro

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Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.): Monarchie und Alltag – Ein Fehlfarben-Songcomic

Ventil, 2022

128 Seiten

25 Euro

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Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.): Ab dafür – 10 Trio-Songcomics

Ventil, 2024

112 Seiten

25 Euro

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Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.): Schwule Mädchen Sondereinheit – 10 Fettes Brot Songcomics

Ventil, 2025

128 Seiten

25 Euro

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Hinweise

Ventil über die Songcomics zu The Go-Betweens, Fehlfarben, Trio und Fettes Brot 

Wikipedia über The Go-Betweens (deutsch, englisch), Fehlfarben (deutsch, englisch), Trio (deutsch, englisch) und Fettes Brot (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gunther Buskies/Jonas Engelmanns (Hrsg.) „Keine Macht für Niemand – Ein Ton Steine Scherben Songcomic“ (2022)

Meine Besprechung von Michael Büsselbergs (Hrsg.) „Sie wollen uns erzählen – Zehn Tocotronic-Songcomics“ (2020)