TV-Tipp für den 9. September: Die Rüden

September 8, 2021

Arte, 23.10

Die Rüden (Deutschland 2018)

Regie: Connie Walther

Drehbuch (Konzept): Nadin Matthews

In einem Gefängnis nehmen vier Strafgefangene an einem Verhaltensexperiment teil. Als Belohnung winkt ein Straferlass. Trainerin Lu konfrontiert sie mit aggressiven Hunden.

TV-Premiere. Das Feelbad-Movie ist kein realistischer Einblick in das Gefängnisleben, sondern eine extrem düstere und stilisierte Versuchsanordnung, die keinen Unterschied zwischen Menschen und Tieren macht.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Nadin Matthews, Ibrahim Al-Khalil, Konstantin-Philippe Benedikt, Ali Khalil, Marcel Andrée, Sabine Winterfeldt, Robert Mehl, Mathis Landwehr

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Rüden“

Moviepilot über „Die Rüden“

Meine Besprechung von Connie Walthers „Die Rüden“ (Deutschland 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Rüden“: Hunde, aggressive Männer und eine Trainerin

August 21, 2020

Das Gefängnis, in dem die Hundetrainerin Lu mit vier Häftlingen ein Anti-Gewalttraining absolvieren darf, ist kein reales Gefängnis, sondern eine Arena, die auch in einer Dystopie nicht deplatziert wäre. Sie ist ein auf ihre Wirkung beim Zuschauer hin entworfenes, ihre Künstlichkeit betontes brutalistisches Bühnenbild, das hundertprozentig zur Aussage des Films passt.

Die erste Idee für ihren neuen Film „Die Rüden“ hatte Connie Walther als sie die Hundetrainerin Nadin Matthews, die im Film Lu spielt, kennen lernte und sie zu einem viertägigen Aggressions-Seminar in die JVA Wriezen begleitete.

Bei der Recherche für den Film kontaktierte sie später den Berliner Verein Gangway. Gangway ist der größte Träger von Straßensozialarbeit in Deutschland. Zusammen führten sie einen Workshop durch, in dem Laien mit professionellen Schauspielern zusammen arbeiteten. Daraus entstand das Theaterstück „Wir müssen draußen bleiben“, das im April 2017 in Berlin seine Premiere hatte.

In dem Film, der eine ganz andere Geschichte als das Theaterstück erzählt, arbeitet Walther wieder mit Laien zusammen, die mehr oder weniger sich selbst spielen. Die Filmgeschichte, in der sie mitspielen, funktioniert vor allem als Versuchsanordnung, in der vier Häftlinge auf drei hoch aggressive Hunde und eine toughe Hundetrainerin treffen. Die Häftlinge sollen so ihre Aggressionen verarbeiten und auch eine Beziehung zu den Hunden herstellen.

Walther erzählt diese Annäherung und mögliche Wandlung extrem stilisiert in langen Einstellungen, kargen Dialogen und kurzen Fantasy-Sequenzen. Es sind Sätze und Situationen, aus denen die Botschaft über das Tier im Menschen und wie die Gesellschaft über Macht- und Unterdrückungsverhältnisse strukturiert ist, förmlich herausgehauen wurden. Wenn Lu mit den Gefangenen über das Verhältnis von Hund zu Mensch redet, dann redet sie gleichzeitig über das Verhältnis der gewalttätigen Sträflinge zur Gesellschaft und unter welchen Bedingungen sie an ihr teilnehmen dürfen.

In der im Film präsentierten Weltsicht gibt da keinen Unterschied. Menschen sind hier wie Tiere. Mitgefühl und Empathie gibt es nicht. Gewalt kann nur mit Gewalt beantwortet werden. Die furchtlosere und damit physisch stärkere Person überlebt und setzt sich an die Spitze des Rudels. Beziehungsweise der Gesellschaft.

Allerdings ist ein Gefängnis kein 1-zu-1-Abbild der Gesellschaft und es ist das Gegenteil eines herrschaftsfreien Raums. Der gesamte Tagesablauf der Gefangenen ist strukturiert. Ihnen wurde jede Freiheit genommen. Für eine bestimmte Zeit, die, wenn sie sich falsch verhalten, verlängert werden kann. Die Wärter entscheiden über jede Kleinigkeit. Sie können Vergünstigungen gewähren und sie nach Belieben entziehen. Das ist der Rahmen für Lus Anti-Gewalt-Training. Die aus dieser künstlich herbeigeführten Situation entstehende Analyse der Gesellschaft ist bitter und letztendlich auch ohne Hoffnung auf eine bessere Welt.

Allerdings bestimmt das Design der Situation das Verhalten der teilnehmenden Akteure. Entsprechend determiniert ist das Ergebnis. Es wird halt nur das bewiesen, was man auch beweisen wollte. Bewusste Auslassungen – So erfahren wir nie, wann, wo und in welcher Gesellschaft „Die Rüden“ spielt. – betonen das Allgemeingültige der Situation.

Am Ende der düsteren Allegorie bleibt der Eindruck eines betont künstlichen Gedankenspiels. Faszinierend und auch interessant ist der extrem stilisierte Film gerade wegen seiner extrem düsteren Sicht auf das menschliche Zusammenleben und der Konsequenz mit der diese Sicht auf die conditio humana erzählt wird. Ein richtiges Feelbad-Movie eben.

Die Rüden (Deutschland 2018)

Regie: Connie Walther

Drehbuch (Konzept): Nadin Matthews

mit Nadin Matthews, Ibrahim Al-Khalil, Konstantin-Philippe Benedikt, Ali Khalil, Marcel Andrée, Sabine Winterfeldt, Robert Mehl, Mathis Landwehr

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Rüden“

Moviepilot über „Die Rüden“

 


%d Bloggern gefällt das: