Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Die drei ??? – Toteninsel“, eine Abenteuergeschichte für Kinder

Januar 23, 2026

Dieses mal wollen „Die drei ???“ ihren Ferien nicht mit einem neuen Fall, sondern mit – nun, der andere Plan wird aufgeschoben, weil jetzt erst einmal das Telefon klingelt und sie dann doch einen Fall haben. Der Fall hat etwas mit dem Geschäftsmann, Miliardär und Wohltäter von Rocky Beach, Joseph Saito Hadden, zu tun und es geht um einen ebenso geheimnisvollen wie wertvollen Schatz, der auf der Pazifikinsel Makatao versteckt sein soll. Ein Betreten der als Toteninsel bekannten Insel ist lebensgefährlich, weil sie eine heilige Stätte und Ruhestätte von Toten ist und der auf der Insel aktive Vulkan demnächst ausbrechen könnte. Es gibt also zwei gute Gründe, Makatao nicht zu betreten.

Eine mehr als halbseidene Gruppe Schatzsucher mit wissenschaftlichem Background und zunächst unklaren Verbindungen zu dem Geheimbund Sphinx, tut es, weil Hadden sie dafür fürstlich entlohnt.

Die drei ??? – das sind die drei jugendlichen Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, die in Rocky Beach, einem Vorort von Los Angeles, zur Schule gehen (der uninteressante Teil ihres Lebens) und Kriminalfälle lösen (der interessante Teil ihres Lebens) – machen sich auf den Weg zur Insel, weil Peter durch eine Verkettung unglücklicher Umstände von den Schatzsuchern auf ihrem Schiff mitgenommen wird. Sie wollen ihren Freund retten. Außerdem sind sie sehr neugierige Teenager.

Die drei ??? – Toteninsel“ ist der dritte Film mit Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl als jugendliche Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Jördis Triebel und Florian Lukas spielen wieder Tante Mathilda und Onkel Titus, die Zieheltern von Justus. Dieses Mal haben sie nur einen kurzen Auftritt am Filmanfang und -ende. Die Regie übernahm wieder Tim Dünschede. Das Drehbuch ist wieder von Anil Kizilbuga. Für Kontinuität ist also in jeder Beziehung gesorgt.

Wie schon in dem ersten Film „Erbe des Drachen“ geht es wieder auf Reisen.

Aber bis Justus, Peter und Bob in Richtung Makatao aufbrechen, ermitteln sie einen großen Teil der Filmzeit in Rocky Beach.

Während der erste „Die drei ???“-Film mit diesem Team (es gibt auch ältere „Die drei ???“-Filme mit anderen Schauspielern) mit einem Filmdreh in einem Schloss in Transsylvanien ein wenig in Richtung Horrorgeschichte zwinkerte und fiel Potential in punkto filmischer Anspielungen unnötig verspielte, gefiel „Die drei ??? und der Karpartenhund“ als ziemlich überzeugend geplottete Rätselkriminalgeschichte mit einigen passenden Anspielungen. „Toteninsel“ ist nun eine Abenteuergeschichte und eine Schatzsuche, die in Richtung „Uncharted“, den „Die Mumie“-Filmen (mit Brendan Fraser), Tomb Raider und Indiana Jones zwinkert.

Erwachsene dürften etwas enttäuscht über den Mangel an lustvoll zitierten Abenteuerfilm-Klassikern sein. Sie dürften sich auch über die Motivation des Bösewichts und seinen Plan, mit dem er in den Besitz des Schatzes von Makatao gelangen will, ärgern. Der Fall selbst entwickelt sich flott und in schönster Pulp-Manier, in dem eine überraschende Wendung auf die nächste überraschende Wendung folgt und ein Rätsel auf das nächste Rätsel aufgetürmt wird, bis wahrscheinlich sogar der Autor der Geschichte den Überblick verliert.

Für Kinder ist „Toteninsel“ eine unterhaltsame und spannende Abenteuergeschichte, die sich vor allem an Kinder vor der Pubertät richtet.

Zum Schluss muss noch eine neue Entwicklung in der Welt der „Drei ???“ angesprochen werden. Am Ende von „Die drei ??? und der Karpatenhund“ erhalten die Detektive einen MG. Nachdem die drei Detektive vorher über Jahrzehnte nicht alterten, hat Peter seinen Führerschein gemacht und er darf jetzt Auto fahren. Justus und Bob sind demnächst alt genug für ihre Führerscheine. In ihrem neuesten Film sitzen sie öfter im Auto. Handlungsentscheidend ist das nicht.

Verglichen mit der neuesten Entwicklung im „Die drei ???“-Kosmos war das allerdings nur eine kleine Änderung. Dieses Mal hilft ihnen Jelena Charkova. Bob lernte die Rollstuhlfahrerin im Krankenhaus kennen, befreundete sich mit ihr und ist begeistert von ihren Fähigkeiten am Computer. Sie ist die beste Hackerin von Rocky Beach. Mühelos dringt sie in jede Datenbank ein. Im Lauf der Geschichte muss sie das öfter tun. Auch wenn sich in diesem Fall ihre Arbeit auf reine Zuarbeit beschränkt, wildert sie in Bobs Arbeitsgebiet „Recherchen und Archiv“ und stört das fein austarierte, seit Ewigkeiten in vielen Abenteuern etablierte Gleichgewicht zwischen den drei ???. Sie ist keine Bereicherung des Teams, sondern nur eine überflüssige Figur, die eine Aufgabe übernimmt, die schon einer der drei Fragezeichen erledigte. Insofern wirkt sie wie ein überflüssiges Zugeständnis an den Zeitgeist. Mit einem weiblichen Detektivtrio, das mit den drei ??? konkurriert, hätte ich dagegen kein Problem. Auch nicht mit einer Kinderserie (und das sind „Die drei ???“), in der nur Mädels ermitteln. Gemischte Ermittlerteams gab es ja schon bei Enid Blyton.

Doch zurück zum Film. „Die drei ??? – Toteninsel“ ist ein spannender Abenteuerfilm für Kinder, den sie sich ohne erwachsene Begleitung ansehen können. Trotzdem hätte die Story besser konstruiert und die Dialoge besser geschrieben sein können. Gleiches gilt für die schauspielerischen Leistungen.

André Marx schrieb wieder einen reichhaltig illustrierten Filmroman, in dem er die Filmgeschichte gelungen nacherzählt.

Die drei ??? – Toteninsel (Deutschland 2026)

Regie: Tim Dünschede

Drehbuch: Anil Kizilbuga, André Marx (dramaturgische Beratung)

LV: André Marx: Die drei ??? – Toteninsel, 2001

mit Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl, Andreas Pietschmann, Jannik Schümann, Jördis Triebel, Florian Lukas, Filip Schnack, Katja Lechthaler, Philipp Christopher, Momo Beier, Pascal Buchsbaum, Amal Keller, Simon Kluth, Florentine Behrend

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (und primär, wie die Bücher, bis 12/14 Jahre)

Der Roman zum Film (mit vielen Filmbildern – eine gut geschriebene und entsprechend lesenswerte Romanfassung des Films)

André Marx: Die drei ??? – Toteninsel

Kosmos, 2025

208 Seiten

13 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die drei ??? – Toteninsel“

Moviepilot über „Die drei ??? – Toteninsel“

Kosmos über „Die drei ???“

Wikipedia über „Die drei ???“ (deutsch, englisch) und über „Die drei ??? – Toteninsel“

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Limbo“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ (Deutschland 2023)

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Die drei ??? und der Karpatenhund“ (Deutschland 2025) (und von André Marx‘ Filmroman)


Neu im Kino/Filmkritik: „Alter weißer Mann“ will niemand verletzen

November 1, 2024

Eine flotte Komödie, die aktuelle Diskurse problematisiert und uns den Spiegel vorhält, könnte die Stimmung im Land mit einem kollektivem Lachen im dunklen Kinosaal aufheitern. Den Franzosen gelingt so etwas ja öfter. Ich sage nur „Willkommen bei den Sch’tis“ und, wenn auch deutlich unappetitlicher und politisch fehlgeleiteter, „Monsieur Claude und seine Töchter“. Eine Satire ist weniger geeignet für ein solches therapeutisches Programm. Da ist zu viel Selbstgewissheit und erhobener Zeigefinger dabei.

Simon Verhoeven könnte sogar der richtige Mann für den Job sein. Seine Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“ war vor acht Jahren bei Kritik und Publikum erfolgreich. Fast vier Millionen Kino-Besucher sprechen eine eindeutige Sprache.

Jetzt hat er, nach seinem Drehbuch und prominent besetzt mit Jan Josef Liefers, Nadja Uhl, Friedrich von Thun, Elyas M’Barek und Meltem Kaptan, den „unterhaltsamen Gesellschaftsfilm“ (Presseheft) „Alter weißer Mann“ inszeniert.

Es gibt, wie man nach dem Titel vermuten kann, um aktuelle Diskurse zwischen älteren und jüngeren Menschen über dies und das und um die Frage, was man noch sagen darf. Schließlich hat sich früher auch niemand darüber beschwert, wenn man bestimmte Worte benutzte oder sich auf eine bestimmte Art und Weise verhielt.

Aufhängen tut Simon Verhoeven sein Thema an einem Plot, der funktionieren könnte. Heinz Hellmich arbeitet seit 28 Jahren bei dem Telekommunikationsunternehmen Fernfunk AG im Vertrieb. Jan-Josef Liefers spielt ihn als eine nett-verpeilte Mischung aus Heinz Rühmann und Heinz Erhardt. Während er versucht, Fettnäpfchen zu vermeiden, tritt er in andere Fettnäpfchen. Manchmal sorgt das für weitere Vewicklungen, meistens ist es noch nicht einmal wirklich peinlich, sondern einfach nur schusselig, weil Hellmich niemanden verletzen und von allen gemocht werden möchte.

Jetzt stehen bei Fernfunk Umstrukturierungen, Entlassungen und einige wenige Beförderungen an. Hellmich spekuliert auf eine Beförderung. Wenn da nicht Kaffeetassen mit dummen Sprüchen und im Team ein kollegialer Umgangston wären. Beides und vielleicht noch einige weitere Dinge könnten nämlich von der von der Firmenleitung beauftragten Beratungsfirma und deren Diversity-Beauftragter missfallen. Und dann würde ein Kollege befördert werden.

Um die Diversity-Beauftragte von seinen Qualitäten zu überzeugen, lädt er sie und einige ausgewählte Personen, wozu seine Frau und seine Kinder, aber nicht sein Vater gehören, zu einem Abendessen in seinem kleinbürgerlichem Haus ein.

Wenige Tage vor dem geplanten Abendessen, das der Höhepunkt des Films ist, verschwindet er, ohne seinen Chef und seine Frau zu informieren, nach Berlin. Der Besuch bei seiner Tochter wird zu einem mehrtägigem Drogentrip. Mit Ach und Krach schafft er es dann doch zu dem Abendessen, das über seine Karriere entscheiden soll und das in vorhersehbaren Bahnen und mit erwartbaren Pointen aus dem Ruder läuft.

Dabei hat Hellmich mit seinem Berlin-Ausflug den perfekten Anlass für eine Entlassung gegeben.

Es ist unglaublich, wie der Film sein gesamtes Potential verschenkt. Das beginnt mit der nicht vorhandenen Story. „Alter weißer Mann“ ist das filmische Äquivalent zu einer von der aktuellen Zeitungslektüre inspirierten Ideensammlung, in der einfach alles, was einem spontan zu „Woke“ einfällt, aufgeschrieben wurde. Es werden die gängigen Witze und Diskussionspunkte ohne nennenswerte Variation wiederholt. Ein schon tausendmal erzählter Witz wird, ohne dass ihm irgendetwas Neues hinzugefügt wurde, nochmal erzählt. Aus so einem Notizzettel ergibt sich allerdings keine Abfolge von aufeinander aufbauenden Szenen, in denen ein präzise formulierter Konflikt behandelt wird. Es bleibt beim oberflächlichen Patchwork.

Simon Verhovens harmlos-biedere Komödie wirkt wie ein schlampig entstaubtes Relikt aus den fünfziger Jahren. Waren wir da nicht schon einmal weiter?

Alter weißer Mann (Deutschland 2024)

Regie: Simon Verhoeven

Drehbuch: Simon Verhoeven

mit Jan Josef Liefers, Nadja Uhl, Friedrich von Thun, Michael Maertens, Meltem Kaptan, Elyas M’Barek, Momo Beier, Juri Winkler, Yun Huang, Sarah Mahita, Denise M’Baye

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Alter weißer Mann“

Moviepilot über „Alter weißer Mann“

Wikipedia über „Alter weißer Mann“

Meine Besprechung von Simon Verhoevens „Unfriend“ (Deutschland 2015)