Neu im Kino/Filmkritik: Jodie Foster löst ein „Paris Murder Mystery“

April 16, 2026

Das Drehbuch habe sie überzeugt, die Hauptrolle in der französischen Krimikomödie „Paris Murder Mystery“ zu übernehmen, sagt Jodie Foster, die in den vergangenen Jahren nur in wenigen Filmen mitspielte. In der Originalfassung des Films kann sie außerdem ausführlich ihre Französischkenntnisse präsentieren. Sie spielt Lilian Steiner, eine in Paris in einer großen Wohnung lebende, geachtete Psychotherapeutin. Aber jetzt ist sie verunsichert. Eine ihrer Patientinnen ist verstorben. Suizid sagt die Polizei. Die Familie macht sie für Paula Cohen-Solals Tod verantwortlich. Steiner glaubt, dass Cohen-Solal ermordet wurde. Und sie glaubt, sie hätte die Tat verhindern können. Zusammen mit ihrem Ex-Mann beginnt sie mit der Suche nach dem Mörder.

Dabei geht die Amateurdetektivin bei ihren Ermittlungen arg unbedarft vor. Anstatt nach quasi-wissenschaftlichen Kriterien verschiedene Theorien zu überprüfen, lässt die Akademikerin sich von wilden Vermutungen, Vorurteilen und Gefühlen leiten. Nebenplots, wie ihr Ärger mit einem Patienten, der seit Jahren mit dem Rauchen aufhören will, und die harmonische Beziehung zu ihrem Ex-Mann, sind amüsant und sie demontieren Steiner weiter. Den lustlos mitgeschleiften Krimiplot bringen sie nicht voran.

Dank der guten Schauspieler und der guten Inszenierung ist die französische Krimikomödie „Paris Murder Mystery“ trotzdem unterhaltsam. Mehr nicht.

Inszeniert wurde die Komödie von Rebecca Zlotkowski. Zu ihren früheren Arbeiten als Regisseurin gehören „Belle Épine“, „Grand Central“ und „Ein leichtes Mädchen“. Sie ist auch Co-Drehbuchautorin von Audrey Diwans missglücktem „Emmanuelle“.

Paris Murder Mystery (Vie Privée, Frankreich 2025)

Regie: Rebecca Zlotowski

Drehbuch: Rebecca Zlotowski, Anne Berest, Gaëlle Macé (in Zusammenarbeit mit)

mit Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric, Vincent Lacoste, Luàna Bajrami, Noam Morgensztern, Frederick Wiseman, Aurore Clément

internationaler Titel: A Private Life

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Paris Murder Mystery“

Moviepilot über „Paris Murder Mystery“

Metacritic über „Paris Murder Mystery“

Rotten Tomatoes über „Paris Murder Mystery“

Wikipedia über „Paris Murder Mystery“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Rebecca Zlotowskis „Ein leichtes Mädchen“ (Une fille facile, Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ein leichtes Mädchen“, Easy Living und viel nackte Frauenhaut am Mittelmeer

September 12, 2019

Nach der Schule fragt die sechzehnjährige Naima sich, was sie in den Sommerferien und danach tun soll. Ihre Mutter arbeitet in einem der zahlreichen Luxushotels in Cannes als Zimmermädchen. Weil sie wenig Geld haben und schon im Urlaubsparadies wohnen, wird Naima den Sommer am Mittelmeer verbringen.

Als ihre Cousine Sofia, die mit 22 Jahren schon viel älter und erfahrener ist, auftaucht, beginnen sie gemeinsam das Leben am Strand und auf der Touristenpromenade, tagsüber und nach Sonnenuntergang, zu erkunden.

Sofia ist dabei auf den ersten und zweiten Blick das auf Luxus, Äußerlichkeiten und Sex fixierte blonde Dummchen. Naima, die noch ein Teenager ist und zu Sofias ständiger Begleiterin wird, bewundert Sofias souveränes Auftreten. Und die Minderjährige erhält erstmals einen Einblick in die ihr bislang verschlossene Welt der reichen Müßiggänger, wie Andres, einem brasilianischen Multimillionär und Besitzer der „Winning Streak“, und seinem Begleiter Philippe. Dabei ist unklar, wie sehr Philippe mit Andres befreundet, seine rechte Hand und Mädchen für alles ist.

Sofia wird schnell zu Andres‘ Geliebten, die sich von ihm großzügig aushalten lässt. Und Naima könnte Philippes Geliebte werden.

Rebecca Zlotowski sieht ihren neuen Film „Ein leichtes Mädchen“ als Märchen über Macht, in das sie viele Anspielungen auf ältere französischer und italienischer Filme unterbrachte. Die wichtigste Inspiration war Eric Rohmers „Die Sammlerin“. Im Mittelpunkt des während der sexuellen Befreiung spielenden Films steht eine Frau mit täglich wechselnden Liebhabern. Zlotowski fragte sich bei ihrem Film, wie Rohmers Film wohl heute aussähe. In ihrem ‚persönlichen Mini-Pantheon‘ (Zlotowski) werden auch Valerio Zurlinis „Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“, René Clements „Nur die Sonne war Zeuge“, Jacques Roziers „Adieu Philippine“ und Jacques Roziers „Blue Jeans“ zitiert. Für Cineasten sind das einige wohlbekannte Filme, die zeigen, in welche Richtung sich Zlotowski mit ihrem Film bewegen wollte.

Die Besetzung ist ein weiterer Hinweis. Naimas ältere Cousine Sofia wird gespielt von Zahia Dehar. In Deutschland ist sie vielleicht als Muse von Karl Lagerfeld bekannt. In Frankreich wurde sie bereits als Sechzehnjährige durch einen Prostitutionsskandal bekannt. Heute ist sie eine Designerin und, auch wenn Zlotowski betont, dass Dehar intelligenter sei, als man es auf den ersten Blick vermuten könnte, ist ihr Image über ihr sorgfältig gepflegtes und optimiertes Aussehen geprägt. Es entspricht genau dem Bild eines gutaussehenden Dummchens, das nur am äußeren Schein interessiert ist.

Und damit kommen wir zum Film, der den schönen Schein zelebriert in einer Welt, in der Frauen sich von Männern aushalten und benutzen lassen. Zlotowski inszenierte das wie ein Softporno aus den siebziger Jahren, der den schönen Schein und die glitzernde Oberfläche, feiert. Schöne Menschen bewegen sich ohne finanzielle Sorgen in einer schönen Gegend. Vor allem die jungen Frauen sind sehr leicht bis überhaupt nicht bekleidet. Die Kamera verliebt sich in ihre Körper und Busenfetischten erhalten reichlich Anschauungsmaterial. Die Männer behalten normalerweise Hemd und Hose an. Die Handlung ist ein luftiges Nichts, das dazu dient, Naima und Sofia bei ihren Streifzügen zu begleiten.

Erstaunlich bei diesem männlichen, um nicht zu sagen Altherrenblick auf weibliche Rundungen unter mediterraner Sonne ist, dass „Ein leichtes Mädchen“ von einer Frau inszeniert wurde.

Ein leichtes Mädchen (Une fille facile, Frankreich 2019)

Regie: Rebecca Zlotowski

Drehbuch: Rebecca Zlotowski, Teddy Lussi-Modeste (Mitarbeit)

mit Mina Farid, Zahia Dehar, Lakdhar Dridi, Nuno Lopes, Benoît Magimel, Clotilde Courau

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein leichtes Mädchen“

AlloCiné über „Ein leichtes Mädchen“

Metacritic über „Ein leichtes Mädchen“

Rotten Tomatoes über „Ein leichtes Mädchen“

Wikipedia über „Ein leichtes Mädchen“ (englisch, französisch)