Neu im Kino/Filmkritik: Der „Seventh Son“ kämpft gegen Hexen, Dämonen und böse Geister

März 5, 2015

Fans von Jeff Bridges und Julianne Moore können getrost auf „Seventh Son“ verzichten.
Auch die Fans von Joseph Delaneys Jugendbuch „Spook – Der Schüler des Geisterjägers“ dürften von „Seventh Son“ enttäuscht sein. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Delaneys Roman, der der Auftakt einer erfolgreichen Kinder-/Jugendbuch-Serie, die es inzwischen auf dreizehn Romane gebracht hat, so schlecht wie Sergei Bodrovs Verfilmung ist. Und, wenn wir gerade dabei sind, Sergei Bodrovs vorherige Filme, wie „Der Mongole“, dürften auch alle besser als dieses halbgare Fantasy-Abenteuer sein, das nie weiß, welche Geschichte es denn nun erzählen möchte, während die Programmierer sich im Pixelrausch austoben.
In der „Seventh Son“-Fantasy-Welt gibt es natürlich Hexen und sonstige nicht ganz menschliche Wesen. Als Kämpfer gegen sie und die Schwarze Magie gibt es sogenannte Spooks. Einer von ihnen ist John Gregory (Jeff Bridges im „True Grit“-Modus), dessen Schüler gerade von der Hexe Mutter Malkin (Julianne Moore in „Razzie“-Hoffnung) getötet wurde. Also sucht Gregory einen neuen Schüler, der der siebte Sohn eines siebten Sohns sein muss. Das sind nämlich ganz starke Jünglinge. Tom (Ben Barnes) ist der Auserwählte, der auch der Sohn einer Hexe ist; was für seine seherischen Qualitäten gut ist. Ach ja: es gibt drei Arten von Hexen: die Guten, die Bösen und die, die es noch nicht wissen. – – – Kein Kommentar zu diesem Hexenkonzept. Immerhin ist nicht jede Frau eine Hexe.
Jedenfalls bandelt der Jüngling auch mit einer Schönheit an, die sich als Hexe entpuppt. Sie sagt, dass sie keine böse Hexe sei und schon steht ihrer Liebe nichts mehr im Weg. Außerdem ist seine Mutter auch eine Hexe.
Weil es demnächst wieder einen Blutmond gibt und Mutter Malkin dann halt tun will, was böse Hexen so tun, muss Gregory Tom schnell ausbilden und mit dem Jüngling in die Schlacht ziehen.
Und irgendwann erfahren wir auch, dass Toms Lehrmeister und Mutter Malkin eine gemeinsame Vergangenheit haben.
Bodrov erzählt diese Geschichte nach einem Drehbuch von Charles Leavitt („The Mighty – Gemeinsam sind sie stark“, „K-PAX – Alles ist möglich“, „Blood Diamond“) und Steven Knight („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „No turning back“, „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“), die hier wohl ihr schlechtestes Werk ablieferten. Denn nie kann sich der Film entscheiden, ob er jetzt die Geschichte von John Gregory, dem Lehrer, der gegen seine frühere Geliebte kämpfen muss, und der einen großen Verschleiß an Auszubildenden hat, oder die von Tom, der von Jungen zum Mann wird, erzählen will. Also werden einfach einige Szenen nacheinander abgehandelt, die wohl so etwas wie die Origin Story von Tom ergeben sollen, die aber vor allem langweilen. Und – auch wenn das Drehbuch vielleicht viel besser war – ist der Film einfach nur eine lustlose Abfolge sattsam bekannter Szenen mit viel CGI und wenig Herz. Natürlich in 3D.
Da sieht man sich besser noch einmal Percy Jackson an.
P. S.: Gedreht wurde der Film bereits 2012. Danach gab es zwischen den Studios etwas Hin und Her.

Seventh Son - Plakat
Seventh Son (Seventh Son, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Sergei Bodrov
Drehbuch: Charles Leavitt, Steven Knight, Matt Greenberg (Filmgeschichte)
LV: Joseph Delaney: The Spook’s Apprentice, 2004 (US-Titel: The Last Apprentice: Revenge of the Witch) (Spook – Der Schüler des Geisterjägers)
mit Jeff Bridges, Ben Barnes, Julianne Moore, Alicia Vikander, Antje Traue, Olivia Williams, John DeSantis, Kit Harington, Djimon Hounsou, Gerard Plunkett, Jason Scott Lee
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Seventh Son“
Moviepilot über „Seventh Son“
Metacritic über „Seventh Son“
Rotten Tomatoes über „Seventh Son“
Wikipedia über „Seventh Son“ (deutsch, englisch)
Homepage von Joseph Delaney

–

Auf der Comic-Con. 2011. Vor dem Start der Dreharbeiten reden Sergei Bodrow, Jeff Bridges, Ben Barnes und Alicia Vikander über den Film

2013 waren sie wieder auf der Comic-Con. Sergei Bodrow, Jeff Bridges, Ben Barnes, Antje Traue und Kit Harrington reden über den Film (Bild- und Tonqualität sind nicht so gut)

 

 


Neu im Kino/FIlmkritik: Lasse Hallström, „Madame Mallory und der Duft von Curry“

August 22, 2014

Nachbarn. Man muss sich halt irgendwie mit ihnen arrangieren. Aber Madame Mallory fällt das bei den neuen Nachbarn sichtbar schwer. Sie betreibt im südfranzösischen Städtchen Saint-Antonin-Noble-Val seit Jahrzehnten das ländlich gelegene Edelrestaurant „Le Saule Pleureur“. Einen Michelin-Stern hat sie. Einen zweiten will sie seit Jahren für ihren Tempel der französischen Eßkunst bekommen.

Da zieht in das gegenüberliegende Haus, eine Ruine, die mal ein Restaurant war, eine indische Familie ein. Die Kadams mussten aus Mumbai fliehen. Dort betrieben sie ein erfolgreiches und gutes Restaurant. Sie waren in England. Aber die Lebensmittel gefielen ihnen nicht. Jetzt fahren sie durch Europa auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich niederlassen können. Nachdem an ihrem Auto die Bremsen versagen, müssen sie notgedrungen in Saint-Antonin-Noble-Val pausieren. Als sie bei Marguerite essen, ist das Familienoberhaupt begeistert. Diese Lebensmittel haben, wie die indischen, eine Seele.

Kurz darauf entdeckt er ein altes, zum Verkauf stehendes baufälliges Haus und er sieht in ihm sofort den Ort, an den sie das Schicksal geführt hat. Hier werden sie ihr Restaurant eröffnen und die Franzosen für die indische Küche begeistern. Sein Sohn Hassan, selbst ein begeisterter Koch, hält die Idee für wahnsinnig. Immerhin ist doch bekannt, was die Franzosen essen und was sie von nicht-französischer Küche halten.

Dennoch setzt Papa seinen Willen durch. Sie renovieren das Haus, was Madame Mallory überhaupt nicht gefällt und was sie mit zahlreichen kleinen Sticheleien und Beschwerden beim Bürgermeister zu verhindern versucht. Trotzdem gelingt es den Kadams, die „Maison Mumbai“ zu eröffnen und der Kleinkrieg zwischen den beiden Restaurantchefs und ihren gegensätzlichen Philosophien, vor allem hinsichtlich des richtigen Essens, eskaliert.

Zwischen ihnen steht Hassan, der nicht nur ein begeisterter, sondern auch ein begnadeter Koch ist, der auch die Geheimnisse der französischen Küche kennenlernen will. Was am Besten in der auf der anderen Straßenseite liegenden „Le Saule Pleureur“ gehen würde.

Außerdem ist er in Marguerite, Madame Mallorys Sous-Chefin, verliebt, die aber glaubt, dass Köche sich nicht ineinander verlieben sollten.

Und weil „Madame Mallory und der Duft von Curry“ ein romantisches Feelgood-Movie ist, ist auch schon von den ersten Minuten an klar, wie der Film enden wird. Auch der Weg dorthin ist ziemlich offensichtlich, aber dank der guten Besetzung – Helen Mirren als Madame Mallory, Om Puri als Papa, Manish Dayal als Hassan und Charlotte Le Bon als Marguerite -, dem feinen, wohldosiert mit Humor gewürztem Drehbuch von Steven Knight (u. a. „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“ und „No Turning Back – Locke“) und der gewohnt feinfühligen Regie von Lasse Hallström, der für solche Feelgood-Movies bekannt und beliebt ist, ist dieser Zusammenprall unterschiedlicher Welten ein Vergnügen. Denn natürlich bedeutet der kurze Weg über die Straße, von einem Haus zu einem anderen Haus, auch den Weg in eine andere Welt und er zeigt, wie die Verständigung zwischen verschiedenen Weltvorstellungen und Kulturen gelingen kann. Durch gegenseitigen Respekt, Anerkennung von Fähigkeiten, Neugierde und Toleranz.

Allerdings sollte man sich den kurzweiligen Feelgood-Film gut gesättigt ansehen. Denn die Kocherei und die vielen, liebevoll präsentierten Gerichte, vor allem natürlich die üppigen indischen Gerichte, die die Tische biegen und herzhaft gegessen werden, machen hungrig und dann würde „Madame Mallory und der Duft von Curry“ zu einem Magenknurren verursachendem Feelbad-Movie werden.

Madame Mallory - Plakat

 

Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Steven Knight

LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)

mit Helen Mirren, Om Puri, Manisch Dayal, Charlotte Le Bon, Farzana Dua Elahe, Amit Shah, Aria Pandya, Dillon Mitra, Michel Blanc

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Moviepilot über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Metacritic über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Rotten Tomatoes über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Wikipedia über „Madame Mallory und der Duft von Curry“ 

Homepage von Richard C. Morais

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms “Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht” (Safe Haven, USA 2012)

–

Ein etwas älteres Interview mit Lasse Hallström (zu „Der Hypnotiseur“, aber auch zu anderen Themen)