TV-Tipp für den 22. März: Die zwölf Geschworenen (1997)

März 22, 2009

Kabel 1, 00.15

Die zwölf Geschworenen (USA 1997, R.: William Friedkin)

Drehbuch: Reginald Rose

LV: Reginald Rose (Story, Theaterstück)

Zwölf Geschworene beraten, ob sie einen jungen Latino schuldig sprechen sollen.

TV-Remake des gleichnamigen Lumet-Films, wieder mit exzellenten Schauspielern: Jack Lemmon, George C. Scott, Armin Mueller-Stahl, Edward James Olmos, William Peterson, James Gandolfini, Dorian Harewood, Courtney B. Vance, Ossie Davis


TV-Tipp für den 21. März: In der Hitze der Nacht/Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs/Die Organisation

März 21, 2009

Dreimal spielte Sidney Poitier den sympathischen Detective Virgil Tibbs. Heute zeigt das Erste alle Tibbs-Spielfilme


ARD, 22.10

In der Hitze der Nacht (USA 1967, R.: Norman Jewison)

Drehbuch: Sterling Siliphant

LV: John Ball: In the heat of the night, 1965 (In der Hitze der Nacht)

In einem Südstaatenkaff müssen ein weißer, reaktionärer Sheriff und ein afroamerikanischer Kollege einen Mord aufklären.

John Balls hochgelobter, erfolgreicher Roman war der erste Auftritt eines afroamerikanischen Polizisten als Sympathieträger. Ball wollte damit zur Verständigung zwischen den Rassen beitragen. Außerdem reflektierte er in seinem Krimi die damaligen politischen Kämpfe des Civil Rights Movements in den Südstaaten.

Die enorm erfolgreiche Verfilmung erhielt fünf Oscars, unter anderem als bester Film des Jahres. Aus heutiger Sicht ist „In der Hitze der Nacht“ ein extrem naives und einseitiges Bekenntnis zur Rassenversöhnung (etwas guter Wille und schon geht´s) und ein technisch gut gemachter Whodunit.

Poitier drehte noch zwei schwächere Fortsetzungen, die anschließend gezeigt werden. Letztendlich wurde es ein normaler, bestenfalls durchschnittlicher Polizeikrimi.

Mit Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant

ARD, 00.05

Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs (USA 1970, R.: Gordon Douglas)

Drehbuch: Alan R. Trustman, James R. Webb

LV: Charakter von John Ball

Virgil Tibbs untersucht den Mord an einer Prostituierten. In Verdacht gerät ein Bekannter von Tibbs: ein Reverend.

Ziemlich lahme Fortsetzung von „In der Hitze der Nacht“.

Mit Sidney Poitier, Martin Landau

ARD, 01.55

Die Organisation (USA 1971, R.: Don Medford)

Drehbuch: James R. Webb

LV: Charakter von John Ball

Idealistische Drogengegner plündern ein Heroindepot der Mafia und Detective Virgil Tibbs steht plötzlich zwischen allen Fronten. Denn er will den ziemlich doofen, jugendlichen Idealisten gegen die Verbrecher helfen.

Auch der dritte Spielfilm mit Virgil Tibbs ist nur ein durchschnittlicher Polizeikrimi.

Es war das letzte Drehbuch von James R. Webb, der unter anderem auch „Ein Köder für die Bestie“, „Vera Cruz“ und „Massai – der große Apache“ schrieb.

Mit Sidney Poitier, Barbara McNair, Raul Julia

Hinweise

Wikipedia über John Ball


Zwischenruf zu „Trimmels letzter Fall“

März 20, 2009

Haben Sie es [das verschwundene Kind, A. d. V.] vom Fenster aus gesehen, auf Spaziergängen, haben Sie Beobachtungen gemacht, die erst heute von Bedeutung sein könnten?

(…)

Ulf Rosen, immerhin, war am Morgen nach der Villa Verde offenbar doch von seinem Gewissen geplagt worden: Seine Sekretärin rief an, entschuldigte ihn wegen einer Gerichtsverhandlung, und per Kurier hatte Annette vor Dienstschluss, der auch ohne Rachel Röhmer für sie meist eine Farce war, den kompletten Fall Adler auf dem Tisch.

(…)

„Es kommen bestimmt wieder unchristliche Zeiten!“, tröstete ihn Annette.

Friedhelm Werremeier: Trimmels letzter Fall

Pendragon 2009

S. 51 – 53

Wenn Sie glauben, dass diese Sätze eine unrühmliche Ausnahme sind, muss ich Sie leider enttäuschen. Bis jetzt holpert die 200-seitige Geschichte in diesem umständlichen Stil und ohne erkennbaren Plot voran. Außerdem hat Werremeier die Marotte entwickelt, fast jeden gesprochenen Satz mit einem „!“ enden zu lassen.

Ich werde den Roman fertig lesen. Aber nur weil die vorherigen Trimmel-Romane zu meinen Lieblingsbüchern gehören und ich unbedingt den neuen Trimmel lesen will. Bei einem unbekannten Autor hätte ich die Lektüre schon längst abgebrochen.

Naja, dpr hat mich ja vorgewarnt.


TV-Tipp für den 20. März: Alone in the Dark

März 20, 2009

Tele 5, 22.00

Alone in the Dark (Can/D/USA, R.: Uwe Boll)

Drehbuch: Elan Mastai, Michael Roesch, Peter Scheerer

Nachdem Uwe Boll bei der diesjährigen Razzie-Verleihung der große Gewinner war und sogar in jungen Jahren bereits die Ehrung für sein Lebenswerk erhalten hat, bietet Tele 5 die Gelegenheit ganz objektiv zu überprüfen, ob Uwe Boll den Preis zurecht erhielt.

Die Videospiel-Verfilmung „Alone in the Dark“ wurde ebenfalls für zwei Razzies nominiert. Einmal Uwe Boll, einmal Tara Reid. Bei den Stinkers räumte das Werk dann ordentlich ab. Bei dem Preisregen dürfte es keine Zweifel mehr über die Qualitäten des Werkes geben. Letzte Zweifel beseitigt die Rotten-Tomatoes-Bewertung von 1 % Frische.

Die Story: Edward Carnby und seine Ex jagen Monster und einen verrückten Wissenschaftler, der Monster mit Menschen kreuzen will.

Mit Christian Slater, Tara Reid, Stephen Dorff

Wiederholung: Montag, 23. März, 04.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alone in the Dark“

Dread Central: Interview mit den Drehbuchautoren Michael Roesch und Peter Scheerer

DVD-Fourm: Bodycount in „Alone in the Dark“ (mit Bilder; Man muss sich ja auf das Wichtigste konzentrieren.)

P. S.: Mehr gibt’s im Moment nicht, weil ich am Nachmittag Charlie Huston zu einem Interview (ein sehr angenehmer Gesprächspartner) traf und am Abend auf der Lesung war. Bernd Begemann übernahm die deutschen Teile und führte souverän durch den sehr, sehr unterhaltsamen Abend. Ich sage nur John Denver. Heute Abend sind die beiden ab 21.00 Uhr in Hamburg im Golden Pudel Club.


Kurz gemeldet

März 19, 2009

Martin Compart bloggt. Bis jetzt gibt es viele lange Texte, einige ältere Werke, etwas über Jim Thompson, Ian Fleming und eine Liste der schlimmsten James-Bond-Momente (Roger Moore hält Martin wohl für nicht satisfaktionsfähig. Dafür gibts viel Brosnan und erstaunlich wenig „Quantum Trost“.)

Außerdem habe ich die Krimilady (Sorry, Henny, ich hatte immer gedacht, du seist schon lange bei mir verewigt. – Uh, und Henny kann mit dem Schenkel-„Bunker“ auch nichts anfangen. Interessant sind auch die Amazon-Leserbewertungen für diesen Roman), Krimiblog.at und Hauptfilm in die Linkliste aufgenommen.  Besucht sie!

Watching-the-Detectives dpr ist nicht so begeistert von Friedhelm Werremeiers „Trimmels letzter Fall“.  Ich werde den Roman zwar auch noch lese, aber das klingt sehr, sehr, sehr ernüchternd.

Michael Carlson schreibt im Shots Ezine über die neuen Werke von Richard Stark (Dirty Money) und Mickey Spillane (The Goliath Bone – der von Max Allan Collins vollendete erste Mike-Hammer-Roman).

Jon Jordan vom Crimespree Magazine meint: Wer nicht lesen will, muss sehen (und kann dann immer noch das Buch lesen).


TV-Krimi-Buch-Tipps online

März 19, 2009

Nachdem Alfred wieder eine Tastatur in den Händen halten kann, gibt es auch die schön bunten TV-Krimi-Buch-Tipps bei den Alligatorpapieren. Hier die ersten Zeilen:

Wenn Bond die Sache mit dem goldenen Colt geklärt hat, müssen Nesser-Fans sich mit einer Extraportion Kaffee versorgen (oder den Rekorder programmieren). Denn die TV-Premiere der fast dreistündigen Van-Veeteren-Verfilmung „Die Frau mit dem Muttermal“ startet nach Mitternacht.
Zu den sehenswerten, selten gezeigten Krimiverfilmungen der kommenden Tage gehören Erik van Looys Jef-Geeraerts-Verfilmung „Mörder ohne Erinnerung“, Alvin Rakoffs James-Hadley-Chase-Verfilmung „An einem Freitag um halb zwölf“, David Mackenzies Peter-Jinks-Verfilmung „Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters“ (die TV-Premiere gibt’s natürlich nach Mitternacht), Gabriele Salvatores‘ Edgar-nominierte Niccolò-Ammaniti-Verfilmung „Ich habe keine Angst“, William Friedkins Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, J. Lee Thompsons selten gezeigte Hubert-Monteilhet-Verfilmung „Die Tür fällt zu“, Martin Scorseses Herbert-Asbury-Verfilmung „Gangs of New York“, Ang Lees Daniel-Woodrell-Verfilmung „Wer mit dem Teufel reitet“ (und sich ganz schnell die Vorlage besorgt) und im Ersten laufen die drei Virgil-Tibbs-Filme. Nur der erste, „In der Hitze der Nacht“, ist dabei wirklich sehenswert.


Neu im Kino: RocknRolla

März 19, 2009

RocknRolla (RocknRolla, GB 2008)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Guy Ritchie

Nachdem sein letzter Film „Snatch“, der bei uns einen Kinostart hatte und ansehbar war (hm, auch das dürften einige bestreiten), bereits einige Jahre zurückliegt, tobt sich der Ex-Gatte von Madonna wieder einmal so richtig so aus. In seiner neuen schwarzhumorigen Action-Krimikomödie für Jungs geht’s um Londoner Gangster und Immobiliendeals. Denn mit Gebäuden lässt sich mehr Geld als mit Drogen verdienen; – wenn man den Deal überlebt.

„Guy Ritchie ist wieder ganz bei sich.“ (Dietmar Kanthak in epd Film 3/2009)

Mit Gerad Butler, Tom Wilkinson, Thandie Newton, Mark Strong, Idris Elba, Thomas Hardy, Jeremy Piven, Ludacris (als Chris Bridges)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „RocknRolla“

Drehbuch „RocknRolla“ von Guy Ritchie


TV-Tipp für den 19. März: Durch die Nacht mit James Ellroy und Bruce Wagner; James Ellroy: „American Dog“

März 19, 2009

Arte, 00.00 (VPS 00.05)

Durch die Nacht mit… (USA 2008, R.: Hasko Baumann)

Drehbuch: Hasko Baumann

James Ellroy und Bruce Wagner (einige Romane, Regie und die Drehbücher zu „A Nightmare on Elm Street 3“ und „Wild Palms“) zeigen sich gegenseitig ihre Stadt Los Angeles.

Über James Ellroy muss hier ja nichts gesagt werden. Außer, dass – endlich! – für den 22. September sein neuer Roman „Blood’s a Rover“ angekündigt ist.

Wiederholungen

Sonntag, 29. März, 05.00 Uhr (Taggenau!

Samstag, 4. April, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Arte, 00.50 (VPS 01.00)

James Ellroy: „American Dog” (F 2005, R.: Clara Kuperberg, Robert Kuperberg)

Drehbuch: Clara Kuperberg, Robert Kuperberg

Okaye Doku über den Thrillerautor. Im Mittelpunkt stehen seine Nachforschungen zum Mord an seiner Mutter, die er später auch in dem Roman „Die Rothaarige“ (1997) verarbeitete, und dem Mord an der „Schwarzen Dahlie“ Betty Short. Das aktuelle Schaffen von Ellroy und sein Werk neben diesen beiden Büchern werden in der Doku sträflich ignoriert.

Wiederholungen

Samstag, 21. März, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Sonntag, 5. April, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die Sendungen

Wikipedia über James Ellroy

James-Ellroy-Fanseite

Wikipedia über Bruce Wagner


Besprechung Martin Amis „Haus der Begegnungen“ online

März 17, 2009

Martin Amis hat ein neues Buch geschrieben. „Haus der Begegnungen“ (House of Meetings, 2006) heißt es und es ist nicht sein bestes Werk. Das behaupte ich jedenfalls in meiner Besprechung des Langweilers in der Berliner Literaturkritik.

Kaum zu glauben, dass der Mann auch „Gierig“  und „Pfeil der Zeit“ geschrieben hat.


Kurz gemeldet

März 17, 2009

Pieke Biermann ist von Tom Wolfes „Der Electric Kool-Aid Acid Test“ begeistert.

Leonard Cassuto ist von Hard Case Crime begeistert: That press is now publishing some of the best crime fiction around.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, William Gibson!


TV-Tipp für den 18. März: Hallam Foe

März 17, 2009

ARD, 00.50

Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters (GB 2007, R.: David Mackenzie)

Drehbuch: David Mackenzie, Ed Whitmore

LV: Peter Jinks: Hallam Foe, 2001 (Über roten Dächern)

Der 17-jährige Außenseiter Hallam Foe glaubt, dass seine Stiefmutter seine Mutter ermordet hat. Da trifft er die Hotelpersonalchefin Kate. Sie ist das Ebenbild seiner Mutter.

„Einfach mitreisend ist dieser Abenteuertrip eines jungen Ausreißers, faszinierend mühelos changiert das freche Szenario zwischen Murder Mystery mit Gothic Touch und moderner Lovestory. Ein Film, der ganz tief im Zuschauer seinen Widerhall findet.“ (Programm Fantasy Filmfest 2007)

„A viewing delight.“ (Variety)

TV-Premiere eines vielfach nominierten und ausgezeichneten Kritikerlieblings, der in den Arthouse-Kinos auch gut lief, zu einer unverschämten Zeit. Die Zeiten, zu denen man sich eine solide cineastische Bildung im TV ohne Rekorder zu normalen Uhrzeiten aneignen konnte, sind wohl endgültig vorbei.

Mit Jamie Bell, Sophia Myles, Ciarán Hinds, Claire Forlani

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hallam Foe“


„Bienzle“-Erfinder Felix Huby redet über sein Leben

März 17, 2009

huby-fast-wie-von-selbst

„Das Schwäbische, das ich mit der Muttermilch aufgenommen habe, ist für meine Entwicklung ganz entscheidend gewesen“, sagt Felix Huby ganz am Anfang des jetzt als Buch vorliegenden Gespräches mit seinem langjährigen Freund Dieter de Lazzer. „Fast wie von selbst“ heißt das sehr lesenswerte Werk, das in seinem chronologischem Aufbau von Hubys Jugend über seine Jahre als Journalist, zuerst bei einer Lokalzeitung, später beim Spiegel, über die ersten Bienzle-Romane hin zu seiner Fernseharbeit auch als Biographie des bekannt-beliebten und überaus produktiven Autors dienen kann. Bereits als Journalist schrieb er nebenher erzählende Texte und Satiren. 1977 erschien dann der erste Bienzle-Roman „Der Atomkrieg von Weihersbronn“ (später „Bienzle und der Terrorist“) und kurz darauf „Tod im Tauerntunnel“ (später „Bienzle und der Tod im Tauerntunnel“) in der rororo-Thriller-Reihe. Sie verkauften sich gut und gefielen mir, als ich sie vor vielen Jahren las, gut. Huby schrieb weitere Romane, auch für Jugendliche und Kinder, kündigte 1979 beim Spiegel und war, als erste Fernseharbeit, bei der Erfindung von Kommissar Horst Schimanski beteiligt. Dafür schrieb er dann sein erstes Drehbuch. „Grenzgänger“ mit Günter Maria Halmer als dubiosem Undercover-Polizisten wurde als zweiter Schimanski-Tatort ausgestrahlt und ist auch heute noch absolut sehenswert.

„Mein Vorschlag war die Geschichte eines Undercover-Agenten zu erzählen. Darüber hatte ich einmal eine Titelgeschichte im Spiegel geschrieben, unter Mithilfe eines Kriminalisten vom LKA Stuttgart. Der Entwurf wurde sofort akzeptiert, und ich war so angezündet davon, dass ich am Freitag nach Hause gefahren bin, mich an meinen Schreibtisch gesetzt habe – damals hab ich noch alles mit der Hand gepinselt – und im Grund ohne abzusetzen dieses Buch geschrieben habe. In einem Zug. Am Montagmittag war es fertig. Dann hat es meine Schwester abgetippt, ich habe es eingeschickt, die waren völlig perplex, denn es waren keine acht Tage vergangen, und fanden das Buch auch noch gut. (…)

Und das ist seltsam: Dieses Drehbuch ist eigentlich das einzige, das nur eine zweite Fassung erlebt hat“, sagt Huby über sein erstes Drehbuch. Danach schrieb er mehrere Serien und Folgen für Vorabendserien, entwickelte den Saarbrücker Kommissar Max Palu (die ersten Folgen sind gut, die späteren nicht mehr) mit und Ende 1992 wurde dann der erste Bienzle-Tatort „Bienzle und der Biedermann“ gezeigt. Die ersten Bienzle-Tatorte, die auf bereits veröffentlichten Bienzle-Romanen basieren, waren überzeugende Kriminalfilme mit viel stimmigem Lokalkolorit, die späteren ziemlich überzeugende Langweiler vor austauschbarer Kulisse.

In „Fast wie von selbst“ spricht Felix Huby ausführlicher über die frühen Bienzle-Tatorte, die verschiedenen von ihm geschriebenen Serien, wie „Ein Bayer auf Rügen“, „Großstadtrevier“ und „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, und seine Heimatfilme, wie „Die Geierwally“ und „Die Landärztin“.

Huby gibt immer wieder nüchterne Einblicke in das Fernsehgeschäft, erfreulichere in die Theaterwelt und natürlich erzählt er über sein Verhältnis zu Regeln beim Erzählen von Geschichten, über seine Vorbilder und seine schwäbische Arbeitsmoral: „Jetzt kann ich schon irgendwo ankommen und mir erst einmal die Landschaft ansehen und mich langsam eingewöhnen, um erst am nächsten Tag richtig mit der Arbeit zu beginnen. Aber arbeiten muss ich – meistens, in den letzten zwei oder drei Jahren ergab es sich aber, dass ich schon auch Urlaub gemacht habe, ganz ohne zu arbeiten. Meine nächste Umgebung hält das für eine Sensation.“

„Fast wie von selbst“ vermittelt tiefe Einblicke in das Leben und Werk von Felix Huby. Dieser erzählt sehr uneitel von seiner Arbeit und lobt immer wieder die Menschen, die seine Geschichten verfilmten oder auf die Bühne brachten. Da ist auch verschmerzbar, dass der mit Huby befreundete Fragesteller Dieter de Lazzer nicht kritisch nachfragt. Diese kritische Bewertung von Felix Hubys umfangreichem Werk muss ein anderer Autor leisten. Bis dahin ist „Fast wie von selbst“ nicht nur für Huby-Fans ein unverzichtbares Werk. Denn in dem Gespräch entsteht, neben Hubys Rückschau auf sein Leben, auch eine lockere Chronologie der deutschen Krimiliteratur und des (vor allem öffentlich-rechtlichen) Fernsehens der vergangenen Jahrzehnte.

In meiner Wertschätzung ist Felix Huby, der sich selbst nur als „Gebrauchsschreiber“ sieht, mit diesem Buch wieder gestiegen.

Felix Huby: Fast wie von selbst – Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer

Verlag der Autoren, 2008

176 Seiten

16 Euro

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Felix Huby (Stand: Januar 2007)

Krimi-Couch über Felix Huby (nur die Kriminalromane)

IMDB über Felix Huby (das dürfte die vollständigste Liste seines filmischen Werkes sein)

Wikipedia über Dieder de Lazzer


Cover der Woche

März 17, 2009

huby-bienzle-und-der-biedermann


TV-Tipp für den 17. März: Bienzle und der Champion

März 17, 2009

SWR, 20.15

TATORT: Bienzle und der Champion (D 1998, R.: Dieter Schlotterbeck)

Drehbuch: Felix Huby

LV: Felix Huby: Bienzle und der Champion, 1999

Hat der Boxer Piet Mangold den Wirt Jaco Riewers umgebracht? Eine harte Nuss für Bienzle, denn Piet kann sich an nichts erinnern.

Ein guter Bienzle im Boxmilieu.

„Ich glaube, hier ist ein guter Plot stimmig erzählt, wie in anderen Fällen auch. Herausragend wird der Film wirklich durch die Darsteller und die Regie von Dieter Schlotterbeck.“ (Felix Huby in „Felix Huby: Fast wie von selbst“)

Mit Dietz Werner Steck, Rüdiger Wandel, Ben Becker, Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge, Dariusz ‚Tiger’ Michalczewski

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Lexikon deutscher Kriminalautoren über Felix Huby (Stand: Januar 2007)

Planet Interview: Gespräch mit Felix Huby (21. Dezember 2008)

Tatort-Fundus über Bienzle


R. i. P. Ron Silver

März 17, 2009

R. i. P. Ron Silver (2. Juli 1946 – 15. März 2009)

Für uns Krimifans hatte Ron Silver in dem Cop-Thriller “Blue Steel” von Kathryn Bigelow die Rolle seines Lebens. Er spielte einen psychopathischen Killer, der sich in eine von Jamie Lee Curtis gespielte junge Streifenpolizistin verliebte. Er trat auch, meistens als Nebendarsteller, in „Silkwood“, „Garbo Talks“, „Reversal of Fortune“ (Die Affäre der Sunny von B.), „Timecop“, „Ali“, „Find me guilty“ und zahlreichen TV-Serien, wie „Crossing Jordan“, „Law & Order“, „The West Wing“, „Wiseguy“ (Kampf gegen die Mafia), „Hill Street Blues“ und „The Rockford Files“ (Detektiv Rockford) auf.

Silver hatte Speiseröhrenkrebs.

Nachrufe gibt es in der New York Times, Times Online, AP und der Berliner Zeitung (dpa-Meldung).


Preisregen bei Left Coast Crime: Bruce Alexander Memorial Mystery Award, Hawaii Five-O Award, Lefty Award, Dily Award

März 17, 2009

Auf dem diesjährigen “Left Coast Crime“-Krimifestival in Hawaii wurden auch mehrere Preise verliehen:

Bruce Alexander Memorial Mystery Award

Nox Dormienda: A Long Night for Sleeping, von Kelli Stanley (Five Star)

Nominiert:

Touchstone, von Laurie R. King (Bantam)

Tell Me Pretty Maiden, von Rhys Bowen (St. Martin’s Press)

A Royal Pain, von Rhys Bowen (Berkeley Prime Crime)

A Fatal Waltz, von Tasha Alexander (HarperCollins)

Hawaii Five-O Award (for law-enforcement/police procedurals)

Mahu Fire, von Neil S. Plakcy (Alyson Books)

Nonimiert:

Angel Falls, von Baron Birtcher (Iota)

Fractured, von Karin Slaughter (Delacorte Press)

The Black Path, von Åsa Larsson (Delta)

The Angel of Knowlton Park, von Kate Flora (Five Star)

Death of a Cozy Writer, von G.M. Malliet (Midnight Ink)

Lefty Award (for humorous mysteries)

Greasing the Piñata, von Tim Maleeny (Poisoned Pen Press)

Nonimiert:

Thugs and Kisses, von Sue Ann Jaffarian (Midnight Ink)

Six Geese A-Slaying, von Donna Andrews (St. Martin’s Minotaur)

Murder at the Bad Girl’s Bar and Grill, von N.M. Kelby (Shaye Areheart/Random House)

Getting Old Is to Die For, von Rita Lakin (Bantam Dell)

It Happened One Knife, von Jeffrey Cohen (Berkeley Prime Crime)

Dily Award (verliehen von Independent Mystery Booksellers Associations)

Trigger City, von Sean Chercover (Morrow)

Nominiert:

The Victoria Vanishes, von Christopher Fowler (Bantam)

Silent in the Sanctuary, von Deanna Raybourn (Mira)

Child 44, von Tom Rob Smith (Grand Central)

The Dawn Patrol, von Don Winslow (Knopf).

(mit Dank an The Rap Sheet)


Ein Kessel Buntes

März 15, 2009


Der Mystery Man on Film analysiert die mehrtätige Storykonferenz von George Lucas, Steven Spielberg und Lawrence Kasdan für den ersten Indiana-Jones-Film „Jäger des verlorenen Schatzes“. Er verlinkt auch zu dem Transkript der Sitzung. Für Indiana-Jones-Fans und Autoren pures Gold.

Der Noir of the Week ist der unterschätzte Alfred-Hitchcock-Film “Ich beichte” (I Confess). Das Drehbuch schrieben George Tabori und William Archibald. Montgomery Clift, Anne Baxter, Karl Malden und O. E. Hasse spielen mit.

„Dexter“-Darsteller Michael C. Hall besuchte Deutschland. Der Tagesspiegel schreibt darüber und bei Ouotenmeter gibt es ein kurzes Interview. Zu dem von ihm gespielten, bei der Polizei angestellten Serienkiller Dexter sagt er:

Ich glaube nicht, dass die Menschen «Dexter» mögen, weil er ein Serienkiller ist. Ich glaube, dass sie das Leben mögen, das er lebt. Dexter ist eine interessante Figur. Die Show inspiriert viele – wir alle haben unsere Schattenseiten und wir alle fürchten uns vor schattigen Plätzen. Dexter ist da ähnlich und doch anders – das macht es interessant.

Watchmen“-Zeichner Dave Gibbons freut sich bei Wired über die Verfilmung und spricht in einem ausführlichen Interview auch über andere Sachen.

Allan Mott listet bei Bookgasm fünfzig Gründe auf, warum niemand mein (äh, DEIN!) erstes Buch publizieren will. Einige Gründe sind:

Submitting a manuscript handwritten in your own blood does indicate your passion for the material, but not quite in the way you might have hoped.

– You’re actually the 139th person to submit a conspiracy thriller involving the ceiling of the Sistine Chapel, entitled THE MICHAELANGELO CIPHER.

– There’s a fine line between writing authentic regional dialogue and making all of your characters sound like stroke victims.

– Where are the vampires?

Sean Chercover verrät beim Outfit seine Antworten auf die drei häufigsten Fragen von Lesern und Jungautoren.

Er hat auch gerade den Dily-Preis für seinen neuen Roman „Trigger City“ erhalten. Herzlichen Glückwunsch!

Uh, und Lee Goldberg ist überhaupt nicht begeistert von Stieg Larsson.


TV-Tipp für den 16. März: Mörder ohne Erinnerung

März 15, 2009

ZDF, 22.15

Mörder ohne Erinnerung (NL/B 2003, R.: Erik van Looy)

Drehbuch: Carl Joos, Erik van Looy

LV: Jef Geeraerts: De zaak Alzheimer, 1985

Ein Auftragsmörder wendet sich gegen seine Auftraggeber, einen Pädo-Ring, und bringt sie um. Zunehmend gehemmt ist er dabei von seinem fortschreitenden Alzheimer.

In Deutschland erlebte der spannende Thriller seine Premiere auf dem Fantasy-Filmfest und wurde anschließend nur als DVD veröffentlicht.

„Geheimtipp“ (Fantasy Filmfest)

„Düsterer, realistisch anmutender Soziokrimi von überraschender Qualität.“ (Just: Film-Jahrbuch 2005)

Jef Geeraerts schrieb seinen Roman lange vor dem Belgien und Europa erschütternden Fall Dutroux.

Mit Jan Decleir, Koen de Bouw, Wernder de Smedt, Jo de Meyere

Auch bekannt als „Totgemacht – The Alzheimer Case“

Hinweis

Unionsverlag über Jef Geeraerts

Wikipedia über Jef Geeraerts

Jef-Geeraerts-Fanseite (Niederländisch)


TV-Tipp für den 15. März: Die Verfilmungen von Kriminalromanen

März 15, 2009

Kabel 1, 17.50

JAMES BOND: Der Mann mit dem goldenen Colt (GB 1974, R.: Guy Hamilton)

Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: The man with the golden gun, 1965 (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt, 007 James Bond und der goldene Colt)

Zweiter Einsatz von Roger Moore als Geheimagent ihrer Majestät. Sein Gegner ist Christopher Lee, der ein Profi-Killer (ungefähr das einzige aus dem letzten Bond-Buch übernommene Detail) spielt, der die Weltherrschaft will.

Das ist der Bond mit dem Auto-Spiralsprung. Oh, und Lees Auto verwandelt sich in ein Flugzeug.

Einer der unbestrittenen Tiefpunkte der Bond-Serie.


Das Vierte, 18.25

Der Hund von Baskerville (GB 1959, R.: Terence Fisher)

Drehbuch: Peter Bryan

LV: Arthur Conan Doyle: The hound of the Baskervilles, 1902 (Der Hund von Baskerville)

1889, Baskerville Hall: Sir Henry fürchtet um sein Leben und bittet Sherlock Holmes um Hilfe.

Die „Hammer“-Studios nehmen sich Sherlock Holmes vor.

Mit Peter Cushing, Christopher Lee


TV-Tipp für den 14. März: Die Verfilmungen von Kriminalromanen

März 14, 2009

Während Alligator-Alfred gegen die tödlichen Killerviren aus der dritten Dimension kämpft (Gute Besserung!), gibt es hier die Verfilmungen von Kriminalromanen:

RBB, 14.30

Sittenpolizei (USA 1953, R.: Arnold Laven)

Drehbuch: Lawrence Roman

LV: Leslie T. White: Harness Bull, 1937

Polizist Barnaby jagt zwei Polizistenmörder.

Polizeikrimi, der sich um eine realistische Schilderung des Polizeialltags bemüht.

Leslie T. White war Ermittler für das Los Angeles County District Attorney’s Office. Er schrieb das autobiographische „Me, Detective“ (1936), „Homicide“ und Geschichten für Pulp-Magazine.

Mit Edward G. Robinson, Paulette Goddard, Lee Van Cleef

Auch bekannt unter dem Titel “Polizeichef B”

Kabel 1, 20.15

JAMES BOND: Der Mann mit dem goldenen Colt (GB 1974, R.: Guy Hamilton)

Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: The man with the golden gun, 1965 (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt, 007 James Bond und der goldene Colt)

Zweiter Einsatz von Roger Moore als Geheimagent ihrer Majestät. Sein Gegner ist Christopher Lee, der ein Profi-Killer (ungefähr das einzige aus dem letzten Bond-Buch übernommene Detail) spielt, der die Weltherrschaft will.

Das ist der Bond mit dem Auto-Spiralsprung. Oh, und Lees Auto verwandelt sich in ein Flugzeug.

Einer der unbestrittenen Tiefpunkte der Bond-Serie.

Im Anschluss: Die Akte 007 – Wer war James Bond wirklich? (Doku über Ian Fleming)

Wiederholung: Sonntag, 15. März, 17.50 Uhr

ARD, 00.20 (Teil 1)

ARD, 01.55 (Teil 2)

Håkan Nesser: Die Frau mit dem Muttermal (S 2001, R.: Martin Asphaug)

Drehbuch: Ulf Ryberg

LV: Håkan Nesser: Kvinna med födelsemärke, 1996 (Die Frau mit dem Muttermal)

Eine Frau bringt Männer um. Kommissar Van Veeterens Ermittlungen führen zu einer Liste mit dreißig weiteren potenziellen Opfern.

TV-Premiere einer zweiteiligen Nesser-Verfilmung zu nächtlicher Stunde.

Mit Sven Wollter