Die BBC-Dokumentation „The Ascent of Money“ des Harvard Professors Niall Ferguson erhielt 2009 den International Emmy Award als beste Dokumentation. Nach dem Ansehen der dreistündigen deutschen Fassung „Der Aufstieg des Geldes“ erschließt sich mir nicht die Preisvergabe nicht.
Das kann daran liegen, dass die deutsche Fassung aus vier 45-minütigen Episoden besteht. Die ursprüngliche Fassung bestand aus sechs jeweils gut 50-minütigen Episoden; also gute fünf Stunden. Eine neuere, anders geschnittene Fassung besteht aus vier einstündigen Episoden. Tja, und dann gibt es noch von BBC Germany und DCTP erstellte deutsche Fassung, die auf den vier einstündigen Episoden basiert und diese um ein Viertel kürzte.
In dieser Version ist die Argumentation des Wirtschaftshistorikers Ferguson, ohne solides wirtschaftswissenschaftliches Wissen, ziemlich unverständlich und eher verwirrend als erhellend. Denn ein roter Faden ist kaum auszumachen. Ferguson springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück, quer über den gesamten Globus; weshalb er ständig und ohne erkennbaren Mehrwert vor exotischer Kulisse steht. Denn bis auf ganz wenige Ausnahme wurde auf Interviews verzichtet. Stattdessen erzählt der Historiker Anekdoten aus der Geschichte des Geldes und der Börse. Mehr der Börse. Er erzählt von den Rothschilds und wie sie Geld verdienten. Er erzählt von der US-Immobilienkrise, dem Niedergang Argentiniens durch Staatsanleihen, der ökonomischen Verbindung zwischen China und den USA (die er „Chimerica“ nennt) und dem Sinn von Versicherungen.
Aber es bleiben Anekdoten, die einerseits viel Wissen voraussetzen (Wer weiß schon, was Derivate sind? Was Anleihen sind?), andererseits dürften sie alle, die das ökonomische Wissen haben und sich etwas für Wirtschaftsgeschichte interessieren, altbekannt sein.
So verschenkt die deutsche, extrem spartanisch ausgestattete Fassung von „Der Aufstieg des Geldes“ die Möglichkeit, einem breiten Publikum unterhaltsam ökonomische Zusammenhänge zu erklären.
Der Aufstieg des Geldes (The Ascent of Money, GB 2009)
Regie: Adrian Penninck
Drehbuch: Niall Ferguson
LV (wenn man so will): Niall Ferguson: The Ascent of Money, 2008 (Der Aufstieg des Geldes)
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DVD
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 180 Minuten
FSK: Infoprogramm
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Hinweise
BBC Germany über „Der Aufstieg des Geldes“
