Einige Gedanken zum Homeoffice

Anscheinend ist Homeoffice für viele eine neue Erfahrung und viele Ratgeber sind nur begrenzt hilfreich. Nicht weil die Tipps Unfug sind, sondern weil mehr oder weniger apodiktisch gesagt wird, dass es nur so geht. Und das ist Unfug.

Der wichtigste und einzig relevante Punkt ist: dass die Arbeit erledigt wird.

Wie ist dagegen ziemlich egal. Doch dazu gleich mehr.

Zuerst geht es um ein, zwei Rahmenbedingungen:

Wenn aus bestimmten Gründen zu oder über eine bestimmte Zeit die Anwesenheit vorgeschrieben ist, dann muss man dann anwesend sein.

Wenn es Videokonferenzen gibt, dann sollte man zu diesem Zeitpunkt präsentabel aussehen (ein Banker ist dabei sicher anders angezogen als ein Systemadministrator) und im Hintergrund sollte nichts Störendes sein. Kapitalismuskritische Plakate kommen bei einem Banker sicher nicht gut an. Gleiches gilt für die gesamte Star-Wars-Sammlung und die Sammlung von erlesener Trash-Literatur. Jedenfalls wenn man als belesener Feingeist mit Goethe-Komplex wahrgenommen werden will. Im Zweifel hilft eine weiße oder unauffällige Wand oder ein sauberes, einfarbiges Bettlaken.

Wenn die Arbeitszeit nicht vorgeschrieben ist, sondern nur zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Arbeitsergebnis vorliegen muss, dann hat man Freiheiten und man sollte auch einiges ausprobieren.

Also:

Wann kann ich am besten arbeiten? Vormittags? Nachmittags? In der Nacht?

Wo kann ich am besten arbeiten? In einem Arbeitszimmer? Am Schreibtisch? Auf der Couch? Auf dem Boden sitzend? Oder kopfüber am Regal hängend (bei Autor*innen von Vampirromanen sehr beliebt)?

In welcher Kleidung kann ich am besten arbeiten? Das ist nicht unbedingt, die Kleidung, in der ihr ins Büros geht. Hier kann alles von absoluter Nacktheit (gut, das dürfte später im Büro auf Grenzen stoßen) über die normale Jogginghose/T-Shirt/Hauptsache-Bequem-Kluft bis zum Anzug gehen. Auch hier hilft ausprobieren und dann bei der Kleidung bleiben, in der ihr euch am Wohlsten fühlt. Das kann sich im Lauf der Zeit ändern.

Wie kann ich am Besten arbeiten? Absolute Ruhe? Oder doch mit Musik? Wenn ja: mit welcher Musik? (Wenn ihr für die Musikauswahl mehr als fünf Minuten braucht und mehr als dreimal den Song genervt abbrecht, dann versucht ihr die Arbeit hinauszuzögern.) Oder brauche ich ein monotones Plappern im Hintergrund? Dann kann man irgendeine Gesprächssendung oder das Radio leise im Hintergrund laufen lassen und so die atemberaubend-angsteinflößende, nur vom Vogelgezwitscher und singenden Nachbarn unterbrochene Stille übertönen.

Abgesehen von dieser Freiheit des Ausprobierens gibt es keine Unterschiede zur normalen Arbeit und alles das, was man da tut, tut man dann halt in den eigenen vier Wänden. Die sind nicht mehr und nicht weniger als ein neues Büro, in dem selbstverständlich alle Regeln des alten/vorherigen/normalen Büros gelten. Wer also gut mit To-Do-Listen arbeitet, soll es weiter tun. Wer gerne einen aufgeräumten Schreibtisch hat, kann weiterhin mit einem aufgeräumtem Schreibtisch arbeiten. Und, weil es in einem anderen Artikel erwähnt wurde, vertrauliche Unterlagen sind weiterhin vertrauliche Unterlagen. Das war schon immer so. Und, (muss das gesagt werden?), wenn ein Computer von mehreren Personen benutzt wird, braucht es verschiedene Benutzerkonten.

Wenn man mit mehreren Menschen in der Wohnung lebt, sollte vorher geregelt werden, wann man nicht gestört werden darf. Also wann die Arbeitszeit ist.

Sehr wichtig ist, wenn es keinen vom Chef festgelegten Arbeitsbeginn gibt, die Selbstdisziplin, die einen irgendwann in der Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang aus dem Bett treibt und die einen dazu bringt, für sich selbst Regeln aufzustellen und sie dann auch einzuhalten. Der erste Schritt ist dabei, zu einer bestimmten Uhrzeit aufzustehen und nicht den Abend und die Nacht bis zum Sonnenaufgang vor dem Fernseher zu verbringen. Das ist sicher der schwierigste Teil des Homeoffice und damit ist mein erster Ratschlag: zur gewohnten Zeit aufstehen, duschen, frühstücken (wenn man das tut), anziehen und sich auf den Weg zur Arbeit machen, als sei es ein ganz normaler Arbeitstag im Büro. Nur dass der Arbeitsweg viel kürzer ist und es keine nervigen Kollegen gibt, die einem mit dem Bürotratsch von der Arbeit abhalten.

Experimentieren kann man ab der zweiten oder dritten Woche.

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