Französisch morden: Philippe Djian: Die Ruchlosen

Meistens; – oder anders gesagt: in den Romanen, die ich von Philippe Djian kenne, geht es um Sex, Drogen, Verbrechen, oft Mord, und eigentlich immer um überbordende Gefühle. Sein dritter Roman „Betty Blue“ ist, auch dank der grandiosen Verfilmung von Jean-Jacques Beineix, sein bekanntester Roman. „Oh…“, bzw. Paul Verhoevens Verfilmung „Elle“, dürfte das bekannteste neuere Werk des Schriftstellers sein.

Mit seinem neuen Roman „Die Ruchlosen“, eigentlich eher eine Novelle, kreist er wieder um seine bekannten Themen. Der 32-jährige Marc lebt bei seiner fast zwanzig Jahre älteren Schwägerin Diana. Sie ist Zahnärztin, Witwe, hat eher milde psychische Probleme und sieht, so denkt Marc, für ihr Alter immer noch verdammt gut aus. Er findet sie auch sexuell attraktiv. Allein dieses Zusammenleben mit absehbaren emotionalen und sexuellen Verwicklungen könnte in dem Küstenort schon für Probleme sorgen.

Aber es kommt schlimmer. Denn eines Tages findet Marc am Strand drei Päckchen Koks, die er gewinnbringend anlegen möchte. Das sorgt zwischen Marc, Diana, ihren leicht psychotischen Freunden und einigen Gangstern, denen das Koks gehört, für Ärger. Kurz darauf steht Marc vor der ersten Leiche.

Die Ruchlosen“ oder, im Original, „Die Ungerechten“, nennt Philippe Djian die Gruppe Freunde, die verschieden alt sind, sich in der Kleinstadt gefunden haben und jetzt, mangels gesellschaftlicher Alternativen, miteinander auskommen müssen. Sie alle haben psychischen Probleme und oft auch körperlichen Gebrechen. Sie alle sind auch höchst unsympathisch.

Das wäre kein Problem, wenn Djian es schaffen würde, dass ich mich für sie, ihre Probleme, Wünsche und Ziele interessieren würde. Aber daran scheint er in seinem oft sehr kryptisch geschriebenem Roman kein Interesse zu haben. Auch der Plot ist mehr erahn- als erkennbar.

Insgesamt gehört „Die Ruchlosen“ zu den Romanen von Djian, die mich absolut nicht ansprechen und wenn er nicht so kurz geraten wäre, hätte ich ihn nicht zu Ende gelesen.

Philippe Djian: Die Ruchlosen

(übersetzt von Norma Cassau)

Diogenes, 2021

208 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Les inéquitables

Editions Gallimard, 2019

Hinweise

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD

One Response to Französisch morden: Philippe Djian: Die Ruchlosen

  1. […] Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Ruchlosen“ (Les inéquitables, 2019) […]

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