Neu im Kino/Filmkritik: „Spider-Man: No Way Home“ beendet eine erfreuliche Trilogie

Vor dem Film bitten Tom Holland und einige seiner Co-Stars uns, nichts von der Handlung des Films zu verraten. Nun, denn, dann bleibe ich im Folgenden weitgehend bei der offiziellen Synopse und nenne nicht alle wichtigen und bekannten Schauspieler, die dabei sind; – was jetzt vielleicht auch schon ein Spoiler sein könnte. Denn in dem neuen Spider-Man-Film „No Way Home“ steigt das Vergnügen an diesem Film mit dem Wissen über die vorherigen Filme.

No Way Home“ beginnt unmittelbar nach dem Ende von dem Europatrip „Far from Home“. Das war der zweite gelungene Spielfilm mit Tom Holland als Peter ‚Spider-Man‘ Parker. Dazwischen absolvierte Holland in anderen Marvel-Filmen mehrere Auftritte als Spider-Man. Diese Gastauftritte gehören zur DNA des Marvel Cinematic Universe (MCU) und sie stellen einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Filmen her, die oft auch unabhängig voneinander gesehen werden können. Am Ende von „Far from Home enthüllte ‚Mysterio‘ Quentin Beck die Identität von Spider-Man. Seitdem weiß die ganze Welt, dass der siebzehnjährige Schüler Peter Parker der freundliche Superheld von nebenan ist. Parker, der seine Anonymität schätzt, ist von dem Medienrummel überfordert und angewidert. Er möchte sein früheres Leben wieder zurück haben. Helfen soll ihm Doctor Strange (Benedict Cumberbatch). Der Zauberer kann die Vergangenheit verändern. Also kann er auch die Welt vergessen lassen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Bei dem Zauberspruch geht einiges schief, weil Parker sich spontan, während des Spruchs, entscheidet, dass doch einige Menschen, wie seine Freundin, wissen sollten, dass er Spider-Man ist. So sorgt er für ein gewaltiges Chaos in dieser und anderen Welten. Das führt dazu, dass die verschiedenen Welten nicht mehr sauber getrennt sind und Menschen aus einem Paralleluniversum unsere Welt betreten können.

Dieses Multiverse ist im MCU ein neues Konzept. In den Marvel-Comics gibt es die Idee von unendlich vielen nebeneinander bestehenden, sich mehr oder weniger ähnlichen Welten schon lange. Sie ermöglicht es den Machern, verschiedene Formen von Spider-Mann, seinen Freunden und Feinden zu erfinden. Weil diese Welten voneinander unabhängig sind, kann sich hier jeder Autor mit seiner Version von Spider-Man austoben. Es kann auch ein Crossover geben, in dem sich die verschiedenen Versionen eines Superhelden treffen. Im Kino wurde das Konzept des Multiverse in dem nicht zum MCU zählendem Animationsfilm „Spider-Man: A new Universe“ (Spider-Man: Into the Spider-Verse, USA 2018) vorgestellt. Da gab es dann auch einen schwarzen Spider-Man.

In „No Way Home“ trifft Parker zuerst auf einige Bösewichter aus den vorherigen, in anderen Universen spielenden Spider-Man-Filmen. Es sind ‚Doctor Octopus‘ Otto Octavius (Albert Molina), der ‚Green Goblin‘ Norman Osborn (Willem Dafoe), ‚Electro‘ Max Dillon (Jamie Foxx), ‚Sandman‘ Flint Marko und der ‚Lizard‘ Dr. Curt Connors (um nur die zu nennen, die im Pressematerial namentlich genannt werden). Diese Bösewichter wissen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Auch wenn sie von seinem Aussehen irritiert sind. Schließlich haben sie gegen einen anderen Spider-Man gekämpft.

Doctor Strange, Peter Parker und seine engsten Freunde versuchen jetzt, das von Parker angerichtete Chaos wieder rückgängig zu machen.

Jon Watts und die Drehbuchautoren Chris McKenna und Erik Sommers, die auch für die beiden vorherigen Spider-Man-Filme „Homecoming“ und „Far from Home“ verantwortlich waren, erfanden eine zwar ausufernde, aber doch in sich schlüssige Geschichte. Sie dürfte auch ohne die Kenntnis der Spider-Man-Filme von Sam Raimi und Marc Webb (für die Bösewichter) und Jon Watts (für diesen Spider-Man und sein Umfeld) verständlich sein. Aber einen wirklichen emotionalen Impact hat der neue Film nur, wenn man die vorherigen Filme Filme kennt. Dann haben die Auftritte von den schon erwähnten und anderen Figuren eine Bedeutung. Schließlich kennt man sie, ihre Geschichte und ihre Beziehung zu Spider-Man. Man versteht auch die vielen Anspielungen, die das Herz des MCU-Fans erfreuen.

Diese Ansammlung der Superbösewichter wird nicht, wie in Sam Raimis „Spider-Man 3“, zu einer ermüdenden Abfolge nacheinander folgender Auftritte von Bösewichtern, die sofort vernichtet, oder, im Fall von „No Way Home“, an den ihnen zustehenden Platz in ihrer Welt befördert werden. Sie treten gemeinsam auf, agieren miteinander (auch weil sie sich teilweise von früher kennen) und sie versuchen sich an die neue Situation anzupassen. Schließlich gibt es eine neue Welt zu erobern.

Dummerweise führt diese Ansammlung von Bösewichtern dazu, dass keiner wirklich herausragt und keiner von ihnen hat einen Plan, den Spider-Man verhindern muss. So ist auch dieses dreckige Dutzend, wie eigentlich alle MCU-Bösewichter, ein mit großen Kräften ausgestatteter, aber ansonsten enttäuschender Gegner.

Insgesamt ist diese Begegnung der verschiedenen Spider-Man-Welten ein gelungener Spaß. Vor allem, wie gesagt, für die Menschen, die auch die Spider-Man-Filme von Raimi und Webb kennen. Denn Jon Watts setzt sie als bekannt voraus – und es gibt, darauf aufbauend, eine gehörige Fan-Service und Fan-Amüsement. Gleichzeitig führt er die Geschichte von seinem Peter Parker fort, der immer wieder in haarsträubende Situationen und Abenteuer hineinstolpert, die für ihn ein, zwei Nummern zu groß sind. Er ist, Superheld hin, Superheld her, halt immer noch ein Teenager, hat noch nicht die Schule abgeschlossen und ist seit kurzem mit seiner ersten großen Liebe MJ zusammen.

Das ist locker-flockig, mit einer ordentlichen Portion Humor erzählt (auch wenn das Nachspiel nach dem großen Kampf etwas lang geraten ist) und knüpft gelungen an die früheren Marvel-Filme an.

Spider-Man: No Way Home“ ist der bislang befriedigenste Film der aktuellen, dieses Jahr begonnenen vierten MCU-Phase. Auch wenn die Zukunft von Tom Holland als Spider-Man unklar ist und damit auch unklar ist, wie sehr er in diese vierte Phase involviert sein wird. Holland würde die Rolle gerne weiter spielen. Es gibt Gerüchte, aber noch keine konkrete Ankündigung über einen weiteren Auftritt von ihm als Spider-Man.

Nach dem Abspann gibt es mehrere Bilder, die wie der Trailer für den von Sam Raimi inszenierten „Doctor Strange“-Film „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“, der Anfang Mai 2022 starten soll, wirken.

Spider-Man: No Way Home (Spider-Man: No Way Home, USA 2021)

Regie: Jon Watts

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers (basierend auf dem Marvel Comics von Stan Lee und Steve Ditko)

mit Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Benedict Cumberbatch, Marisa Tomei, Jon Favreau, Alfred Molina, Willem Dafoe, Jamie Foxx, J.K. Simmons, Benedict Wong (wenn schon die Besetzungsliste ein Spoiler ist…oder, anders gesagt: zu einem späteren Zeitpunkt wird es eine längere Besetzungsliste geben)

Länge: 149 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Spider-Man: No Way Home“

Metacritic über „Spider-Man: No Way Home“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: No Way Home“ (aktuell mit fast 100 Prozent Frische überbewertet)

Wikipedia über „Spider-Man: No Way Home“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ (The Amazing Spider-Man, USA 2012)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ (The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, USA 2013)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Homecoming“ (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Far From Home“ (Spider-Man: Far From Home, USA 2019)

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