Neu im Kino/Filmkritik: Sandra Hüller ist „Rose“

Während des Dreißigjährigen Krieges taucht in einem protestantischem Dorf ein unbekannter Mann auf. Der schweigsame, sich abweisend gebende Ex-Soldat legt Papiere vor, die ihn zum Erben eines Gutshof machen. Dieser ist schon lange verlassen und entsprechend heruntergekommen. In mühseliger Arbeit richtet er ihn wieder her. Er gewinnt den Respekt der Dorfbewohner. Schließlich bietet ihm der Großbauer, im Zusammenhang mit einem Grundstückgeschäft, seine Tochter Suzanna als Frau an.

Der Fremde nimmt an. Dass der Fremde eine Frau ist, wissen die Dorfbewohner nicht. Sie ahnen es noch nicht einmal. Das Kinopublikum weiß das schon vor dem Film. Denn der Fremde heißt Rose (wie der Filmtitel) und er wird von Sandra Hüller als Frau in unförmigen Männerkleidern gespielt. Dafür erhielt sie auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bär als beste Schauspielerin. Hüller verleiht diesem kantigen, schweigsamen Einzelgänger schnell durch ihre Handlungen, Bewegungen, Blicke und die wenigen Sätze, die sie sagt, eine individuelle Persönlichkeit. Über ihre Vergangenheit müssen wir nichts erfahren; auch wenn Regisseur Markus Schleinzer („Michael“, „Angelo“) zur Vorbereitung unzählige Seiten füllte und für sich einen dicken Roman über Rose schrieb. Sie wird zum Mann, verleugnet alles erkennbar Weibliche und kann so unter falscher Identität ein Leben jenseits der damals gültigen Konventionen leben.

Auch Suzanna sieht es ähnlich. Sie kommt, was zu dem Zeitpunkt weder ihr Vater noch Rose wissen, schwanger in die Ehe. Später sieht sie Rose nackt. Anstatt Rose zu verraten, deckt sie sie. Im Haus genießt sie die Freiheit, von keinem Mann unterdrückt zu werden; außerhalb des Hauses tritt sie zunehmend auch als Gutsherrin auf. Gemeinsam führen die beiden Frauen fortan den Hof. Solange die Dorfbewohner nicht zu neugierig werden.

Markus Schleinzer erzählt diese Geschichte in atmosphärischen Schwarzweiß-Bildern. Die durchkomponierten, kargen Bilder tragen dazu bei, dass „Rose“ als in sich geschlossenes Kunstwerk überzeugt. Die Bilder, die Schauspieler, die Dialoge und der distanzierte Bericht der Erzählerin fügen sich zu einem geschlossenem Bild zusammen. Schleinzer erzählt eine Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit und fragt, was Freiheit ist.

Rose (Österreich/Deutschland 2026)

Regie: Markus Schleinzer

Drehbuch: Markus Schleinzer, Alexander Brom

mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Maria Dragus, Annalisa Hohl, Robert Gwisdek, Augustino Renken, Maurice Leonhard

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Rose“

Moviepilot über „Rose“

Metacritic über „Rose“

Rotten Tomatoes über „Rose“

Wikipedia über „Rose“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Rose“

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