Beginnen wir bei diesem ziemlich unerfreulichem Horrorfilm mit der für Horrorfans erfreulichen Nachricht. Prinzipiell ist es begrüßenswert, wenn ein Horrorfilm, der vor wenigen Jahren nur auf DVD erschienen wäre, im Kino läuft. Es zeigt auch, dass Horrorfilme im Kino eine Wiederauferstehung feiern. In den USA sind „Backrooms“ (deutscher Kinostart am 18. Juni) und „Obsession – Du sollst mich lieben“ (deutscher Kinostart am 25. Juni) Erfolge, die alle Erwartungen übertreffen. Am Startwochenende von „Backrooms“ landete der Horrorfilm auf dem ersten Platz. „Obsession“ auf dem zweiten. Und „Star Wars: The Mandalorian and Groku“ auf den dritten Platz. Das hatte Disney/Lucasfilm anders erwartet. In der Folgewoche konnten die beiden Horrorfilme am umsatzträchtigen Wochenende ihre Plätze gegen die Neustarts „Scary Movie“ und „Masters of the Universe“ nicht verteidigen. Aber ihr Budget spielten sie bereits jetzt um ein mehrfaches wieder ein. In diesem Umfeld ist der Kinostart von „Dolly“ nicht mehr so ungewöhnlich. Und die nächsten Monate werden etliche weitere Horrorfilme im Kino starten.
Im Gegensatz zu „Backrooms“ und „Obsession“ erzählt Rod Blackhurst in „Dolly“ eine Geschichte, die sich am trashig-brutalen 70er-Jahre-Grindhouse-Horrorfilm orientiert. Die Filme wurden gemacht mit geringstem Budget, unbekannten Schauspielern, billigen Locations und genug Sex und Gewalt, um ein jugendliches Publikum zu begeistern. Die etablierte Filmkritik verriss die Filme als unappetitliche Machwerke. Inzwischen sind einige dieser Horrorfilme Klassiker. Viele wurden vergessen. Einige poppen manchmal in Filmreihen wieder auf. Dann sieht man, dass die Filme, die man als Teenager wegen der neugierig machenden Plakate und Mundpropaganda unbedingt sehen wollte, nicht gut sind.
Blackhursts „Dolly“ ist eine stilecht auf Super 16mm gedrehte Liebeserklärung an genau diese Grindhouse-Filme. Bei einer Wanderung will Chase seiner Freundin Macy einen Heiratsantrag machen. Davor entdecken sie im Wald einen beunruhigend aussehenden Puppenfriedhof und sie hören seltsame Geräusche. Chase will herausfinden, woher die Geräusche kommen. Allein begibt er sich in den Wald und begegnet der titelgebenden Dolly. Sie ist ein maskiertes, sich kindlich verhaltendes Monstrum. Ihr Gesicht hat sie verdeckt mit einer an eine Porzellanpuppe erinnernden Maske. Sie greift ihn an und verletzt ihn schwer; – die Szene ist so inszeniert, dass wir glauben sollen, sie habe ihn ermordet. Aber später im Film beginnt er sich durch den Wald zu Dollys Haus zu robben. Gehen kann er nicht mehr.
Kurz darauf gerät Macy in Dollys Hände. Dolly schleppt Macy in ihr Haus, sperrt sie ein und verdeutlicht ihr, dass sie jetzt ihr Kind, Spielzeug und Puppe ist. Macy versucht zu flüchten.
Im Gegensatz zu „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ (vorherige Woche angelaufen) dient die Gefangenschaft in „Dolly“ nur der Präsentation von Abscheulichkeiten. Gewalt um der Gewalt willen, in einer Welt, in der es keine moralischen Maßstäbe gibt. Alle Menschen, die Dolly begegnen, werden von ihr fast immer sofort möglichst brutal getötet. Blackhurst inszeniert diese Begegnungen für den Splatter-Fan angemessen blutig und in jeder Beziehung unappetitlich. Durchgängig ersetzten Schocks und Ekel Suspense. Es ist auch eine Welt, in der die Hauptfiguren immer die dümmste Entscheidung treffen in einer Geschichte, die wenig bis kaum Sinn ergibt.
Das macht „Dolly“ trotz seiner kurzen Laufzeit von 83 Minuten zu einer ziemlichen Geduldsprobe. Immerhin zeigt Rod Blackhurst sehr stilgerechte Hommage an den 70er-Jahre-Horrorfilm, warum die meisten dieser Filme inzwischen vergessen sind. Es sind einfach schlechte Filme.

Dolly (Dolly, USA 2025)
Regie: Rod Blackhurst
Drehbuch: Rod Blackhurst, Brandon Weavil
mit Max The Impaler, Fabianne Therese, Seann William Scott, Ethan Suplee, Kate Cobb, Russ Tiller, Michalina Scorzelli, Eve Blackhurst
Länge: 83 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
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