Brandt Andersens „Das Los des Fremden“ beginnt 2023 in den USA in einem Krankenhaus und springt dann acht Jahre zurück in die Vergangenheit nach Aleppo. In Syrien tobt der Bürgerkrieg. Für eine syrische Ärztin, die sich in ihrer Arbeit nach dem hippokratischen Eid richtet, und ihre Tochter wird die Situation zunehmend bedrohlich. Sie flüchten.
Andersen erzählt diese Flucht als eine Abfolge mehrerer lose miteinander verbundener Kurzfilme mit wechselnden Protagonisten, die nach ihrem Kurzfilm aus dem Film verschwinden. Diese wechselnden Protagonisten, wozu auch ein an seinem Dienst zweifelnder Soldat, ein skrupelloser Schleuser, der sich rührend um seinen kranken Sohn kümmert, und ein zwischen Pflicht und Moral stehender griechischer Polizist der Küstenwache gehören, weiten auf den ersten Blick die Geschichte der aus Syrien flüchtenden Ärztin. Es gibt schließlich verschiedene Perspektiven auf die Ereignisse und wir erfahren in der einen Episode mehr über eine Nebenfigur aus einer anderen Episode. Oder wir erfahren einiges über einen Mann, der etwas tut, was für das Gelingen ihrer Flucht wichtig ist. Die Protagonistin der ersten Episode wird zunehmend zu einer Nebenfigur. Teilweise verschwindet sie vollkommen aus der Handlung, die sich dann mit dem Gefühlsleben einiger Männer beschäftigt. Mit jedem neuen Kurzfilm zerfasert die Geschichte und die Betroffenheit weiter.
Das führt dazu, dass der Spielfilm „Das Los des Fremden“ zu einer Abfolge von meist abrupt abbrechenden Episoden wird, die alle letztendlich ziemlich platt um Menschlichkeit und Verständnis werben.
Der Film hatte seine Premiere 2024 auf der Berlinale und wurde mit dem Amnesty International Filmpreis ausgezeichnet.

Das Los des Fremden (I was a stranger, USA 2024)
Regie: Brandt Andersen
Drehbuch: Brandt Andersen
mit Yasmine Al Massri, Yahya Mahayni, Omar Sy, Constantine Markoulakis
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
alternativer Titel: The Strangers‘ Case
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Hinweise
Moviepilot über „Das Los des Fremden“
Metacritic über „Das Los des Fremden“
Rotten Tomatoes über „Das Los des Fremden“