Neu im Kino/Filmkritik: „Vaiana“, jetzt in der Realverfilmung

Braucht es diese Realverfilmung wirklich? Während bei Disneys vorherigen Life-Action-Remakes der Abstand zwischen dem allseits geliebtem Zeichentrickfilm und der sogenannten Realverfilmung, die dank unzähligen Computereffekte oft ein fotorealistischer Animationsfilm war, mehrere Jahrzehnte betrug, liegen zwischen dem Original-„Vaiana“ und diesem Remake nur zehn Jahre. Das Original war 2016 ein allseits geliebter Kinohit. Vor zwei Jahren war die Fortsetzung „Vaiana 2“ ein noch größerer Hit. Ein dritter Teil, wieder als Animationsfilm, ist geplant. Entsprechend präsent dürfte die Geschichte der taffen polynesischen Häuptlingstochter Vaiana sein.

Sie lebt glücklich auf ihrer Heimatinsel Motunui. Ein Riff markiert die Grenze, über die sie mit ihren Booten nicht fahren. Während ihre Mitbewohner gut mit dieser Grenze leben können, übt das Meer schon von frühester Kindheit eine große Anziehungskraft auf Vaiana aus.

Als die Fischschwärme ausbleiben, entschließt sie sich, die hinter dem Riff liegende Welt zu erkunden. Sie hofft, dort neue Fischgründe zu finden und so ihr Volk vor dem Verhungern zu retten.

Auf ihrer Reise erfährt sie auch den Grund für die Misere ihres Volkes. Der Halbgott Maui stahl das Herz von Te Fiti, einer Leben gebenden Göttin, und beschwor die Dunkelheit herauf, die auch Vaianas Volk bedroht. Gemeinsam mit dem Hallodri, der zunächst nicht daran denkt, mit Vaiana das von ihm verursachte weltbedrohende Problem zu lösen, machen sie sich auf den Weg zu dem Lava-Monster Te Ka. In einem Kampf mit Te Ka verlor Maui das Herz von Te Fiti.

In seinem Life-Action-Remake, das Disney Life-Action-Reimagination nennt, wiederholt Regisseur Thomas Kail („Hamilton“) diese Geschichte. Dwayne Johnson spielt wieder den Halbgott Maui. Jemaine Clement ist – in der Originalfassung – wieder die Stimme der Riesenkrabbe Tamatoa. Die neu eingespielten Songs sind ebenfalls bekannt aus dem Original.

Im Realfilm-Remake spielen Schauspieler, wie Catherine Laga’aia als Vaiana, die wenigen Menschen, die in der Geschichte auftauchen und die im Original gezeichnet waren. Die vielen für die Geschichte wichtige Tiere und göttlichen Wesen, wozu auch das Wasser gehört, sind selbstverständlich computeranimiert. Gleiches gilt für Mauis sehr lebendige Körperbemalung. Sowieso dürfte es fast kein Bild im Film geben, das nicht am Computer mehr oder weniger stark nachbearbeitet wurde.

Allerdings wirken diese oft erstaunlich mittelprächtigen CGI-Effekte durchgehend unnatürlicher als die Zeichnungen des Originals. In „Vaiana“ (2026) sieht es immer aus, als ob die Schauspieler vor Green Screens agieren. In „Vaiana“ (2016) bestand das Problem nicht. Menschen, Tiere, (Halb)Götter und das Wasser bildeten eine einheitliche, fantastische Welt in einem ebenso fantastischem Abenteuer.

Schon lange vor dem Finale stellt sich die Frage, warum dieses Life-Action-Remake, das ohne nennenswerte Änderungen die bekannte und gut funktionierende Geschichte des Originals wieder erzählt, gemacht wurde. Eine überzeugende künstlerische Antwort haben die Macher nicht.

Deshalb bleibt das Original einfach der überzeugendere Film und die bessere Wahl als dieser vollkommen überflüssige Aufguss eines guten und gut verfügbaren Films.

Vaiana (Moana, USA 2026)

Regie: Thomas Kail

Drehbuch: Jared Bush, Dana Ledoux Miller

mit Catherine Lagaʻaia, Dwayne Johnson, Rena Owen, John Tui, Frankie Adams, Jemaine Clement

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vaiana“

Metacritic über „Vaiana“

Rotten Tomatoes über „Vaiana“

Wikipedia über „Vaiana“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Clements/John Musker/Don Hall/Chris Williams‘ „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ (Moana, USA 2016)

Meine Besprechung von David Derrick Jr./Jason Hand/Dana Ledoux Millers „Vaiana 2“ (Moana 2, USA 2024)

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