Neu im Kino/Filmkritik: „Der Heimatlose“ kehrt zurück – und niemand will ihn erkennen

Nach vierzehn Jahren kehrt Hein (Paul Boche) zurück in seine alte Heimat: ein auf einer Nordseeinsel gelegenes, von der Welt abgeschiedenes Dorf. Aber dort erkennt ihn niemand. An Ereignisse, von denen er erzählt, erinnern die Dörfler sich ganz anders. Um Herauszufinden, ob Hein Hein ist, wird ein Dorfgericht abgehalten.

Interessant ist „Der Heimatlose“ nicht wegen seiner Geschichte, sondern wegen seiner Inszenierung. Die Geschichte ist absolut vorhersehbar und insgesamt erschreckend überraschungsfrei. Jedes weitere Wort würde sie vollkommen spoilern.

Aber die Inszenierung. Kai Stänicke lässt sein Spielfilmdebüt in einer absolut künstlichen Welt spielen. Es ist unklar, wann genau die Geschichte spielt. Sie dürfte irgendwann zwischen dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts und den sechziger Jahren spielen; also in einer Zeit, in der die Zeichen der Industrialisierung auch auf einer Insel sichtbar sind, aber die Moderne mit Telefonen und Fernsehern auf dies einsam gelegenen Insel noch nicht angekommen ist. Es wird in einer überdeutlichen und sehr künstlichen Theatersprache gesprochen. Die Geschichte spielt in einer Kulissenwelt. Und das ist wörtlich zu verstehen. Stänicke baute kein Dorf auf, sondern er stellt, wie in einer Kulissenstadt nur einige Kulissen auf. Da besteht ein Haus nur aus der vorderen Fassade. Küche und Schlafzimmer wurden dahinter errichtet, aber ohne Wände. Kein Haus hat ein Dach. Alles wurde am Strand gedreht.

Das verleiht dem „Heimatlosen“ seinen besonderen Touch. In dieser Welt wird dann über Identität, Fremd- und Eigenwahrnehmung, Zugehörigkeit und auch Entfremdung verhandelt.

Allerdings bleibt die Open-Air-Kulisse im Wesentlichen ein Gimmick, der während der Dreharbeiten in der Buchhaltung wahrscheinlich für schlaflose Nächte sorgte. Anstatt in einer ebenso künstlichen Theaterwelt, also auf einer klar erkennbaren Bühne in einem Studio zu drehen, wurde der gesamte Film am Strand gedreht. Jede Drehminute waren die Macher den Unberechenbarkeiten des Wetters ausgesetzt. Jeder Wetterumschwung konnte den Drehplan über den Haufen werfen. Jede Spur von Fahrzeugen und Menschen musste vor dem Dreh aus dem Bild gekehrt werden.

Das Ergebnis ist in seiner Einzigartigkeit ziemlich überzeugend.

Der Heimatlose (Deutschland 2026)

Regie: Kai Stänicke

Drehbuch: Kai Stänicke

mit Paul Boche, Philip Froissant, Emilia Schüle, Stephanie Amarell, Aaron Hilmer, Irene Kleinschmidt, Jeanette Hain, Julika Jenkins, Sebastian Blomberg, Margarita Broich

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Der Heimatlose“

Moviepilot über „Der Heimatlose“

Rotten Tomatoes über „Der Heimatlose“

Wikipedia über „Der Heimatlose“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Der Heimatlose“

 

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