Neu im Kino/Filmkritik: Der Fall „Coyote vs. ACME“

Das ist eine Hollywood-Geschichte! „Coyote vs. ACME“ wurde zum größten Teil von März bis Mai 2022 in Albuquerque, New Mexico, gedreht. Animationen wurden hinzugefügt. Im Juli 2023 sollte der Film dann ins Kino kommen. Der Start wurde verschoben. Das passiert öfter. Einige Monate später entschloss Warner Bros. sich, den Film abzuschreiben und ins Archiv zu verbannen. Niemand würde ihn sehen.

Es gab Proteste von Fans und einen langwierigen Bieterwettstreit. Letztendlich kaufte Ketchup Entertainment die globalen Rechte. In Deutschland verleiht capelight pictures Dave Greens Komödie. Die Kritiken sind ziemlich euphorisch. Bei Rotten Tomateos kommt er auf 96 Prozent Frischegrad, bei dem weniger zu Übertreibungen neigendem Metacritic auf 77 Prozent. Auch beim Publikum kommt er ähnlich gut an. Und seine Kosten von ungefähr 70 Millionen US-Dollar hat er bereits eingespielt.

Das ist die Geschichte von dem glücklichen Ende eines Nobodys gegen einen riesigen Konzern. Und auch, irgendwie, die Geschichte des Films.

Coyote vs. ACME“ erzählt eine Geschichte aus der Welt der Looney Tunes. Das sind Cartoonfiguren, die 1930 von Warner Bros. erfunden wurden und seitdem erfolgreich im Kino und Fernsehen laufen. Zu den Figuren gehören Schweinchen Dick, Daffy Duck, Bugs Bunny, Speedy Gonzales, Road Runner und Willi Kojote (bzw. im Original Wile E. Coyote).

1990 schrieb Ian Frazier im The New Yorker einen satirischen Text über einen Rechtsstreit zwischen Willi Kojote und der ACME Corporation. Kojote verklagt das Unternehmen, weil deren Produkte auf seiner Jagd nach Road Runner regelmäßig versagen und ihn tödlich verletzten.

Diese Satire war die Grundlage für Dave Greens Film „Coyote vs. ACME“. Er verbindet Cartoon-Szenen mit Realszenen und fast durchgängig interagieren Menschen mit Cartoon-Figuren. Wie in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) leben Menschen und Cartoon-Figuren einträchtig nebeneinander.

Willi Kojote jagt Road Runner. Weil die von ihm benutzten ACME-Produkte versagen, endet jede seiner Aktionen in einem für ihn kurzweilig tödlichem Desaster..

Eines Tages sieht Willi Kojote im Fernsehen eine Werbung von Winkeladvokat Kevin Avery (Will Forte), der Menschen helft, die durch ACME-Produkte verletzt werden. Willi Kojote beauftragt ihn mit der Klage. Der Fall ist eindeutig, gut dokumentiert – und vollkommen aussichtslos. Denn der Lebensinhalt bestimmter Cartoon-Fiugren ist es, in katastrophale Situation zu geraden, zu sterben und kurz darauf in eine ähnlich katastrophale Situation zu geraten. Außerdem wird ACME von dem skrupellosen Anwalt Buddy Crane (John Cena) vertreten.

Das ganze ist saukomisch, wenn Coyote und Road Runner in der Wüste aneinander geraten. Aber diese Slapstick-Momente, von denen es zu wenig gibt, können die Probleme der Komödie nicht verdecken. Die Story ist nicht plausibel und auch nie glaubwürdig. Das Zusammenspiel zwischen den gezeichneten Cartoon-Figuren und realen Menschen ist nicht stimmig. Sie scheinen immer in verschiedenen Räumen zu sein. Und das Spiel der beiden Hauptdarsteller – Will Forte als Kojotes Anwalt und John Cena als ACME-Anwalt – passt nicht zu den Cartoon-Figuren.

Coyote vs. ACME (Coyote vs. ACME, USA 2026)

Regie: Dave Green

Drehbuch: Samy Burch (nach einer Geschichte von James Gunn und Jeremy Slater, und nach einem Artikel von Ian Frazier)

mit Will Forte, Lana Condor, John Cena, Tone Bell, Martha Kelly, Luis Guzmán, P. J. Byrne, John Early

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Coyote vs. ACME“

Metacritic über „Coyote vs. ACME“

Rotten Tomatoes über „Coyote vs. ACME“

Wikipedia über „Coyote vs. ACME“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dave Greens „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ (Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows, USA 2016)

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