Darauf war ich nicht vorbereitet.
Das einiges verratende Filmplakat gab es noch nicht. Einen Trailer habe ich mir vorher nicht angesehen. Die nebulöse Synopse, dass Michael Fassbender und Alicia Vikander in einem südkoreanischen Film mitspielen und dass Mubi ihn verleiht, signalisierten einen Slow-Cinema-Kunstfilm. Viel Stille, wenig Bewegung und alles hübsch verrätselt für Interpretationen über die Art der Bedrohung, die ein Dorf mit etwas konfrontiert, das ihre Vorstellungskraft übersteigt.
So beginnt der Film auch. Ein Polizist steht auf einer einsamen Straße zwischen nicht enden wollenden trockenen Feldern vor einen Tierkadaver. Irgendetwas hat das Rind regelrecht zerfetzt und ausgeweitet. Einige jüngere, sich unschuldig gebende Dorfbewohner, die anscheinend auch stadtbekannte Wilderer sind, stehen neben dem Kadaver. Einer sagt, ein Tiger könne für die Verletzung verursacht haben. Ein anderer Dorfbewohner habe ihm etwas von einem seltsamen Tiger erzählt, der durch die Wälder streife.
Bum-seok überzeugt das nicht. Aber eine bessere Erklärung hat der Leiter des in Südkorea in der Nähe der demilitarisierten liegendem Dorf Hope Harbor nicht. Er beginnt mit der Organisation nach der Jagd nach dem Tier.
In den folgenden Minuten zeigt Na Hong-jin („The Chaser“, „The Wailing: Die Besessenen“), was dieses sich rasend schnell bewegende Wesen angerichtet hat. Das Dorf sieht aus, als habe ein Wirbelsturm getobt. Das kann kein Tiger und auch keine Horde Tiger gewesen sein.
Im Film vergehen um die fünfzig Minuten, bis Na Hong-jin zum ersten Mal das Wesen in seiner ganzen Pracht zeigt. In dem Moment ist die fast pausenlose Jagd zwischen Menschen und Aliens bereits in vollem Gang. Und bis zum schamlos auf eine Fortsetzung spekulierendem Ende ist „Hope“ ein 158-minütiger Actionritt mit einigen eingestreuten Comedy-Elementen und der Erkenntnis, dass südkoreanische Helden quasi unsterblich sind.
Mit 158 Minuten ist „Hope“ auch zu lang. So zieht sich die Erzählung eines alten Mannes, der im Wald beim Verrichten eines menschlichen Bedürfnisses (das betont er mehrmals) die Aliens entdeckte, ewig hin. So ziehen die Kämpfe zwischen Bum-seok (Hwang Jung-min), seiner überaus taffen neuen Kollegin Sung-ae (Hoyeon), dem einheimischen Jäger Sung-ki (Zo In-sung) und weiteren Menschen und den bis fast zum Schluss anonym bleibenden, ebenfalls fast unbesiegbaren Aliens sich endlos hin. Bum-seok, Sung-ae und Sung-ki kämpfen manchmal zusammen, manchmal getrennt im Wald, auf nicht enden wollenden Straßen und in der zunehmend zerstörten Stadt gegen die Aliens. Im Kampf und beim fotogenen Sterben zwischen Mensch und Alien gibt es immer noch eine weitere abstruse Wendung und noch eine überraschende Auferstehung. Das sorgt für Amüsement und gleichzeitig für eine gewisse Langeweile.
Die Aliens sind anonyme Monster, die töten, weil sie töten. Das ändert sich am Ende, wenn Na Hong-jin in einem zu lang geratenem Infodump, vieles über die Aliens, deren Welt und warum sie auf der Erde sind, verrät. Für diesen Film sind die Informationen unwichtig. Für eine etwaige Fortsetzung nicht.
Am Ende bleibt ein Missverhältnis zwischen Länge, teils klamaukigem Humor, Minimal-Story (eigentlich besteht die Story nur aus weitgehend beliebig aneinandergereihten Actionszenen mit eindimensionalen Figuren) und atemberaubenden, nicht enden wollenden Actionszenen. Nennen wir „Hope“ einen Rohdiamanten.

Hope (호프, Südkorea 2026)
Regie: Na Hong-jin
Drehbuch: Na Hong-jin
mit Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Taylor Russell, Cameron Britton, Alicia Vikander, Michael Fassbender
Länge: 158 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film