Über Peter Graingers DC-Smith-Kriminalromane „Ein unglücklicher Tod“ und „Gnade vor Recht“

Erster Platz auf der Krimibestenliste im September und Oktober. Das heißt: aus Sicht der die Liste erstellenden Krimikritiker:innen ist Peter Graingers erster DC-Smith-Kriminalroman „Ein unglücklicher Tod“ der Roman, dem sie die meisten Leser wünschen. Aber ist „Ein unglücklicher Tod“ wirklich so gut und hält Peter Grainger das Niveau in seinem zweiten DC-Smith-Roman? Diogenes veröffentlichte wenige Wochen nach „Ein unglücklicher Tod“ „Gnade vor Recht“. Für Dezember ist mit „Nach menschlichem Ermessen“ der dritte Band der inzwischen siebzehn Bände umfassenden Serie angekündigt. Der achtzehnte Band ist für nächstes Jahr angekündigt. Für Nachschub ist also gesorgt.

Robert Partridge, war, als er 2013 in England seinen ersten Kriminalroman „Ein unglücklicher Tod“ (An Accidental Death) im Selbstverlag unter dem Pseudonym Peter Grainger veröffentlichte, dreißig Jahre Lehrer für Englisch und Literatur. Unter seinem richtigen Namen veröffentlichte er drei Romane. Von Anfang an plante er, weil er vom Schreiben leben wollte, eine Serie und regelmäßige Veröffentlichungen. Von allen Genres, die beim Publikum beliebt sind, hatte er die größte Affinität zum Krimi-Genre. Mit dem Erfolg, den er dann beim Publikum hatte, hat er wohl selbst nicht gerechnet. Insgesamt verkauften sich seine Polizeikrimis über eine Million Mal. Inzwischen erscheinen sie nicht mehr im Selbstverlag, sondern in seiner Heimat bei Penguin Random House UK. Im deutschsprachigen Raum erscheinen sie bei Diogenes.

Dort erschien im Sommer „Ein unglücklicher Tod“. Eine Gruppe Jugendlicher verbringt mit all den Dingen, die zu einer jugendlichen Spontanfeier gehören, einen Sommernachmittag am Fluss. Dabei ertrinkt der siebzehnjährige Wayne Fletcher. Er hatte vorher Alkohol und Cannabis zu sich genommen. Nach dem ersten Eindruck handelt es sich um einen tragischen Badeunfall. Eine unglückliche Kombination von Hitze, Drogen und Selbstüberschätzung beim Schwimmen. Bei der Obduktion fällt eine merkwürdige Prellung auf.

Der kurz vor der Pensionierung stehende Smith beginnt, mit seinem sich noch in Ausbildung befindendem Kollegen Chris Waters zu ermitteln. Er befragt die anderen Jugendlichen, erkundet die Gegend und er fragt sich, ob ein sich merkwürdig verhaltender Kanufahrer etwas gesehen hat.

Der zweite DC-Smith-Kriminalroman „Gnade vor Recht“ spielt unmittelbar nach „Ein unglücklicher Tod“. Er enthält auch einige Spoiler zu diesem Roman, die vollumfänglich wahrscheinlich nur von denen verstanden werden, die „Ein unglücklicher Tod“ kennen.

In „Gnade vor Recht“ stirbt am 6. Dezember Joan Riley in dem noblen Altersheim Rosemary House. Dass alte Menschen im Altersheim sterben, ist nicht ungewöhnlich. In diesem Fall fällt der Gerichtsmedizin allerdings auf, dass Joan Riley an einer Überdosis Morphium starb. Und damit wird der Tod zu einem Fall für DC Smith, der ohne wirkliche Spuren ermitteln muss. Denn seit Rileys Tod ist ein Monat vergangen.

„Ein unglücklicher Tod“ und „Gnade vor Recht“ sind angenehm altmodische Ermittlerkrimis mit angenehm normalen Ermittlern. Peter Graingers DC Smith steht eindeutig in der Traditon klassischer Ermittler wie Colin Dexters Inspector Morse. Smith ist schon seit dreißig Jahren Polizist. Der Witwer könnte problemlos in den Ruhestand gehen. Stattdessen arbeitet er wieder, auf eigenen Wunsch, als Detective Sergeant. In diesem Rang ist er von Verwaltungs- und Führungstätigkeiten befreit. Er kann ermitteln.

Der Fall selbst ist beide Male nicht sonderlich spektakulär. Beide Male beginnen die Ermittlungen eher zufällig, weil bei dem Toten etwas entdeckt wird, das aus einem natürlichen Tod einen potentiellen Mord macht. Beide Male ist die Zahl der Verdächtigen überschaubar und beide Male dürften erfahrene Krimileser schnell eine Idee haben, wer der Täter ist und was sein Motiv ist.

Grainger erzählt dies unaufgeregt, mit dem Blick für Details, spürbarer Sympathie für die Figuren, strikt an dem Fall orientiert und in überschaubarer Länge. Das gilt eindeutig für „Ein unglücklicher Tod“ (272 Seiten) und etwas weniger für „Gnade vor Recht“ (352 Seiten). Denn in seinem zweiten, achtzig Seite längerem Kriminalroman gibt es, neben kurzen Ausflügen in DC Smiths Privatleben (wie es sich für einen klassischen Ermittler gehört, hört er nach Feierabend allein in seiner Wohnung Musik) und die Arbeit in der Polizeistation, zwei private Subplots mit DC Smith und einige Rückblicke auf den ersten DC-Smith-Roman. Trotzdem steht auch hier der Fall und der Tatort, ein nobles Altersheim, seine Bewohner und das Personal, eindeutig im Zentrum der Geschichte.

Zwischen all den durchgeknallten Serienkillerthrillern, banalen Schmunzel- und Regiokrimis sind die beiden jetzt auf Deutsch erschienenen DC-Smith-Kriminalromane Krimi-Graubrot. Und wer schon einmal einen Monat in den USA verbrachte und sich nur von dem dortigen Brot(ersatz) ernähren musste, weiß, wie gut danach eine Scheibe Graubrot schmeckt.

–

Peter Grainger: Ein unglücklicher Tod

(übersetzt von Eva Regul)

Diogenes, 2026

272 Seiten

18 Euro

–

Originalausgabe

An Accidental Death

Selbstverlag, 2013

–

Peter Grainger: Gnade vor Recht

(übersetzt von Peter Torberg)

Diogenes, 2026

352 Seiten

18 Euro

–

Originalausgabe

But for the Grace

Selbstverlag, 2014

–

Hinweise

Diogenes über Peter Grainger

Perlentaucher über Peter Grainger

Wikipedia über Peter Grainger (deutsch, englisch)

Kommentar verfassen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..