Neu im Kino/Filmkritik: KZ Auschwitz, “Block 10”, wo Prof. Dr. Clauberg Frauen zwangssterilisiert

Die Fakten sind schockierend und kaum bekannt. Im KZ Auschwitz sterilisierte der anerkannte Gynäkologen Prof. Dr. Carl Clauberg während des Zweiten Weltkriegs im Block 10 hunderte Frauen gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen. Ohne Rücksicht auf Verluste probierte er an ihnen ein operationsloses Sterilisationsverfahren aus. Zu den Tätern gehörten auch zur Kollaboration erpresste jüdische Häftlingsärzte.

Deshalb ist es gut, dass Marcus O. Rosenmüller, basierend auf einem Drehbuch von Alice Brauner, die den Film auch produzierte, einen Film darüber drehte. Er tat es mit dem gebotenen Respekt und Anstand. Und so nah an den Fakten wie möglich. Der Film spielt fast ausschließlich im Block 10. Rosenmüller verzichtet auf eindeutig erkennbare Helden und Bösewichter; wobei Axel Prahl als Prof. Dr. Carl Clauberg so diabolisch-fies spielt, dass er sich als Bösewicht qualifiziert.

Brauner und Rosenmüller zeigen ein System, in dem alle mitmachen. Sie konzentrieren sich auf den Block 10 und die Menschen, die dort als Täter und Opfer waren. Dabei konzentrieren sie sich auf die Täter. Clauberg interessiert sich nicht für die Frauen, sondern für Forschungsergebnisse. Viele Zwangssterilisationen werden von dem feinfühlig auf die Frauen eingehendem jüdischen Doktor Maximilian Samuel (Christian Berkel) durchgeführt, der seine Tochter beschützen will.

Das Ergebnis ist honorig, in seiner Ernsthaftigkeit rechtschaffen bemüht, aber auch zu brav und zu konventionell in Richtung „Großer TV-Film der Woche mit einem wichtigen historischen Thema und Starbesetzung“ inszeniert.

„Son of Saul“ und „The Zone of Interest“ (läuft am Montag, den 9.. November, um 22.15 Uhr im ZDF und kann danach wohl auch in der Mediathek angesehen werden), die ebenfalls in und vor dem KZ Auschwitz spielen, zeigen eindrücklicher die Schrecken in einem Konzentrationslager.

Block 10 (Deutschland 2026)

Regie: Marcus O. Rosenmüller

Drehbuch: Alice Brauner

mit Christian Berkel, Axel Prahl, Johannes Zirner, Moritz Führmann, Bibiana Beglau, Marta Sroka, Rafael Stachowiak, Michelle Twarowska, Luisa Aschenbrenner, Anezka Rusevova, Lea Fassbender, Gonny Gaaker, Robert Besta, Milena Straube, Nilofar Khodabakhshi, Voula Doulgkeridou, Talia Dogan, Lena Kalisch, Lydia Georgantzi

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Block 10“

Moviepilot über „Block 10“

Wikipedia über „Block 10“

Meine Besprechung von Marcus O. Rosenmüllers „Münter & Kandinsky” (Deutschland 2024)

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