Sleeper 2: Agent Carver will aussteigen

März 2, 2009

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„Die Schlinge zieht sich zu“ von Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips ist die fulminante Fortsetzung des ersten „Sleeper“-Bandes „Das Schaf im Wolfspelz“. Am Ende des ersten Bandes saß Undercover-Agent Holden Carver mächtig in der Patsche. Es war ihm zwar gelungen in dem weltumspannenden Gangstersyndikat von Tao bis ganz nach oben zu steigen. Dieser Aufstieg konnte gelingen, weil im Geheimdienst nur sein Vorgesetzter John Lynch von dem Einsatz wusste. Doch Lynch liegt im Koma und Tao sucht, nach einem fehlgeschlagenen Coup, den Spitzel in den eigenen Reihen. Carvers Lebenserwartung tendiert gegen Null.

Deshalb möchte Carver aussteigen. Doch das scheint unmöglich, bis er am Anfang von „Die Schlinge zieht sich zu“ auf dem Weg zu seiner Wohnung das Signal von Lynch für ein gemeinsames Treffen entdeckt. Dort wird er von Sir Malcolm Jones, einem britischen Agenten im Ruhestand, erwartet. Jones sagt ihm, dass es einen Weg zurück gibt. Lynch hat in einer Akte die Hintergründe des Undercover-Einsatzes aufgeschrieben. Gemeinsam beginnen sie mit den Vorbereitungen für Carvers Ausstieg.

Allerdings erfährt auch Tao über einen CIA-Agenten, dass der sich in seiner Nähe befindende, immer noch unbekannte Undercover-Agent aussteigen will.

Die Jagd auf Carver ist eröffnet, – mit ihm als Jäger und Gejagtem.

Ed Brubaker und Sean Phillips schildern in „Die Schlinge zieht sich zu“ nicht nur die Jagd auf den Verräter in den eigenen Reihen, sondern auch die zunehmend aussichtslos erscheinenden Bemühungen von Carver, der aussteigen will. Denn jeder Schritt, der ihn näher an seinen Ausstieg aus dem Gangstersyndikat und zurück zu seinem alten Leben (was auch immer das war) bringt, bringt ihn auch immer mehr in Gefahr. Diese Geschichte einer Menschenjagd würde allein schon, wenn sie nach den gängigen Regeln der Dramaturgie erzählt wird, für eine spannende Lektüre sorgen. Aber Brubaker und Phillips rücken, ohne die actionreiche Handlung zu vernachlässigen, den Gewissenskonflikt von Carver immer mehr in den Mittelpunkt. Denn Carver ist ein Noir-Held, der im falschen Leben gefangen ist. Er will etwas Gutes tun, indem er einen Gangsterboss zur Strecke bringt. Dafür muss er seine neuen Freunde und seine Geliebte verraten. Er muss Menschen, die oft auf der richtigen Seite des Gesetzes stehen, umbringen. Er muss das Leben eines Verbrechers führen, ohne einer zu sein. Er wird vom Geheimdienst gefangen genommen und an einem geheimen Ort gefoltert, weil sie ihn für einen Verbrecher halten. In dieser Welt der sich verschiebenden Grenzen und der ständigen Umkehrung von Gut und Böse, Vertrauen und Misstrauen, ist es nur eine ironische Volte, dass Carver von Tao befreit wird.

In der Noir-Welt von Ed Brubaker gibt es in „Die Schlinge zieht sich zu“ für den Undercover-Agenten Carver keine Erlösung und keine Antwort auf die Frage, wie er mit den widerstreitenden Verpflichtungen umgehen kann. Jedenfalls noch nicht.

Dafür endet der zweite „Sleeper“-Band mit einem grandiosen Cliffhanger, der für den dritten, für April angekündigten „Sleeper“-Band „Die Gretchenfrage“ weitere spannende Lesestunden verspricht.

Der dritte „Criminal“-Band „Gragbesang“, ebenfalls von dem Team Brubaker/Phillips, ist für Ende April angekündigt.

Ed Brubaker/Sean Phillips: Sleeper 2: Die Schlinge zieht sich zu

(übersetzt von Maria Morlock)

Cross Cult, 2009

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

Sleeper 2: All false moves

DC Comics 2004

Enthält

Sleeper 7 – 12

CD Comics 2003/2004

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal 1 – Feigling, 2008 (Criminal 1: Coward, 2007)

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal 2 – Blutsbande, 2008 (Criminal 2: Lawless, 2007)

Ed Brubaker/Colin Wilson: Point Blank, 2008 (Point Blank, 2003)

Ed Brubaker/Sean Phillips: Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz, 2008 (Sleeper: Out in the cold, 2003)


„Bunker“ – Andrea Maria Schenkels dritter Streich

Februar 26, 2009

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Andrea Maria Schenkels „Tannöd“ war ein Überraschungserfolg, wurde von der Kritik abgefeiert und erhielt etliche Preise. Auch mir gefiel der dünne Roman, obwohl ich die hymnischen Lobesarien für übertrieben hielt, gut. Bei ihrem zweiten Roman „Kalteis“ wiederholte sich das Spiel. Ich dagegen (Sonst noch jemand?) hielt das Werk für ein einziges Desaster.

Daher fragte ich mich vor der Lektüre ihres dritten Romans „Bunker“, ob er eher an „Tannöd“ oder eher an „Kalteis“ anschließt.

Nach der Lektüre halte ich „Tannöd“ für den berühmten Ausrutscher. Denn „Bunker“ ist zwar besser als „Kalteis“, aber es ist trotz der Kürze von knapp 120 Seiten eine viel zu lang geratene Kurzgeschichte. Während in einer Kurzgeschichte auf wenigen Seiten eine Situation beschrieben werden kann, muss auf über 100 Seiten – besonders bei einem Zweipersonenstück wie „Bunker“ – etwas zwischen den beiden Charakteren geschehen.

Doch hier versagt Andrea Maria Schenkel vollkommen. „Bunker“ liest sich wie ein aus zwei nur sehr lose miteinander verbundenen Monologen bestehendes Theaterstück.

Dabei ist die Prämisse so einfach wie vielversprechend: ein Mann entführt eine Frau. Er hält sie gefangen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Beziehung.

Natürlich ist diese Situation einer Geiselnahme (auch wenn es genügend Beispiele aus der Realität gibt) vor allem eine Laborsituation, in der idealtypisch zwei verschiedene Weltanschauungen aufeinanderprallen.

Allerdings begründet Schenkel diese Laborsituation, höflich formuliert, sehr schräg. Denn der bis zum Ende namenlose Entführer will eigentlich nur den Safe in einem Geschäft leer räumen. Als die Angestellte Monika ihm den Schlüssel für den Safe nicht geben kann, entführt er sie.

– Warum? Wäre es nicht vernünftiger, einfach abzuhauen?

– Er ist in sie verliebt. Er wohnt ihr gegenüber und beobachtet sie abends heimlich. Er ist sogar bei ihr eingebrochen und hat ein Kinderbild von ihr geklaut.

– Ah, dann war der Überfall ein Vorwand, um sie zu entführen.

– Äh, nein. Ich glaube nicht. Ich meine, wenn er sie nur hätte entführen wollen, dann hätte er es doch auch irgendwo machen können, wo es wahrscheinlich keine Zeugen und keine Videokameras gibt.

Er sperrt sie in einer einsam gelegenen Mühle in der nur durch eine Falltür zu erreichende Dachkammer ein.

– Dachkammer? Nicht Bunker?

– Der kommt später. Kurz. Sie ist meistens in der Kammer eingesperrt und kann sich dort frei bewegen.

– Oh, dann haut sie ihm gleich etwas über die Rübe und –

– Nein, nein. Sie tut nichts. Jedenfalls nicht am Anfang. Und später auch nicht. Nicht jede Frau ist eine Lara Croft oder Terminatrix.

Sie fragt sich, warum sie entführt wurde. Der Entführer redet nicht mit ihr, pflegt sie dafür aber ziemlich liebevoll.

Schenkel lässt den Entführer und das Opfer Teile der Geschichte erzählen und springt in der Chronologie etwas herum. Das sorgt auf den ersten Seiten, weil nicht klar ist, wer gerade spricht und an welcher Stelle in der Chronologie wir uns befinden, vor allem für Verwirrung. Beide sprechen in dem gleichen Stream-of-Consciousness-Stil. Dankenswerterweise werden diese Gedanken in verschiedenen Schriften präsentiert. Sie kann zunehmend weniger zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Er erinnert sich dagegen an seinen gewalttätigen Vater und wie der Vater seine Mutter in der Dachkammer einsperrte.

Wer einen irgendwie gearteten Machtkampf zwischen den Beiden erwartet, wird enttäuscht. In „Bunker“ versucht keiner den anderen zu besiegen oder von irgendetwas zu überzeugen. Dafür sind der Entführer und sein Opfer zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben keine für die Geschichte wichtigen Ziele.

Zwischenruf Andrea Maria Schenkel: Es geht (…) um Einsamkeit. Es ist ein Kriminalfall im weitesten Sinne, wir wissen am Anfang des Buches nicht, was der Mann mit der Frau zu tun hat, bis sie anfängt, nachzudenken, warum er sie entführt hat.

– Einsamkeit? Nur weil beide allein sind? Weil sie nicht miteinander reden? Weil sie dem Entführer einen falschen Grund für die Entführung unterschiebt?

Am Ende wird’s dann etwas chaotisch (wegen Spoilergefahr wird darüber nichts verraten). Eine Person landet mit einer Stichwunde im Bauch auf einem OP-Tisch (das ist kein Spoiler, denn Schenkel führt diesen dritten Handlungsstrang bereits auf Seite 16 ein) und wir fragen uns, wie die Polizei zur Scheune kommen konnte. Aber das ist wahrscheinlich wie mit der Kavallerie im Western: am Ende kommt sie und sammelt die Leichen auf, während die Zuschauer schnell die Reste von Bier und Popcorn vernichten.

Während mit dem Auftauchen der Kavallerie der Autor am Ende seiner Geschichte ist, bleibt am Ende von Andrea Maria Schenkels „Bunker“ die berühmte Frage, was uns der Autor damit sagen wollte, offen.

Deshalb könnte „Bunker“ (ein wegen des Handlungsortes doch sehr irreführender Titel) als zwanzigseitige Kurzgeschichte, in der eine Frau von einem Mann entführt wird, der ihr nichts über seine Gründe verrät, eine spannende Studie des plötzliche über eine gewöhnliche Person hereinbrechenden Schreckens sein.

Als Roman bleibt vor allem die unlogische Prämisse (Was will der Entführer? Geld, Sex, Macht? Einen Mutterersatz?) und die Abwesenheit jeglicher Dynamik zwischen dem Entführer und seinem Opfer im Gedächtnis. Kein Konflikt. Kein Drama. Keine Spannung. Nur Langeweile und die mäßig interessante Frage, warum die Geschichte in der Vor-Euro-Zeit spielt.

Andrea Maria Schenkel: Bunker

Edition Nautilus, 2009

128 Seiten

12,90 Euro

Hinweise

Homepage von Andrea Maria Schenkel

Zeit online: Interview mit Andrea Maria Schenkel (19. Februar 2009)

Frankfurter Rundschau: Interview mit Andrea Maria Schenkel (26. Februar 2009 – wieder wird ihr neuer Roman nur gestreift)

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Kalteis“ (2007)


Alter Scheiß? Frank Göhre: Abwärts

Februar 25, 2009

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Als „Abwärts“ 1984 in die deutschen Kinos kam, war Götz George nur noch als Schmuddelkommissar Horst Schimanski bekannt. Dass er bereits in den Fünfzigern und Sechzigern in vielen Filmen mitgespielt hatte, war inzwischen egal. In den Siebzigern spielte er vor allem Theater. Denn der Neue Deutsche Film konnte mit ihm nichts anfangen. Und umgekehrt.

Erst mit Carl Schenkel betrat ein Regisseur die Bildfläche, der sich vor allem für gut gemachtes Genrekino amerikanischer Prägung interessierte und nach „Abwärts“ in Hollywood etliche Filme drehte. Zusammen mit Frank Göhre schrieb er, wie Göhre in dem lesenswerten Nachwort zur Neuausgabe seines Romans zum Film „Abwärts“ schreibt, über eineinhalb Jahre das Drehbuch zu dem Film. Dann kam die Besetzung. George verlieh dem Film genug Starpower, um ihn zu einem Kassenknüller zu machen. Hannes Jaenicke gab sein Leinwanddebüt – und hatte auch gleich eine seiner besten Rollen. Wolfgang Kieling durfte noch einmal groß aufspielen. Die in Holland nach den Paul-Verhoeven-Filmen „Spetters“ und „Der vierte Mann“ bereits bekannte Renée Soutendijk gab ihr Deutschlanddebüt. Und nachdem Götze George in „Wetten dass?“ den Film promotete, waren auch die Kinos voll.

Denn „Abwärts“ ist einer der wenigen deutschen Genrefilme, die auch noch gelungen sind. Es ist ein waschechter Thriller über vier Menschen, die unfreiwillig an einem Freitagabend in einem Fahrstuhl in einem Bürohaus eingesperrt sind. Buchhalter Gössmann hat gerade die Kasse ausgeraubt. Jörg, der ausgebrannte Leiter einer Werbeagentur, und Pit, ein jugendlicher Null-Bock-Waver, begehren die Blondine Marion. Sie arbeitet bei Jörg. Der Notruf funktioniert nicht und schnell liegen die Nerven blank. Die vier Eingeschlossenen versuchen sich zu befreien und verschlimmern so ihre Lage.

Bereits während der Dreharbeiten plante der Heyne Verlag ein Buch zum Film. Allerdings war lange unklar, ob es eine Romanfassung des Drehbuchs oder ein Blick hinter die Kulissen, also ein Drehbericht, werden sollte. Am Ende wurde sich für den Roman zum Film entschieden und Göhre musste in vier Wochen das Manuskript abliefern.

Der so entstandene Roman „Abwärts“ ist kaum mehr als die Prosaversion des Drehbuchs. Wer also den Film gesehen hat, braucht das Buch nicht mehr zu lesen.

Die Erstausgabe war reichhaltig bebildert. Die neue Ausgabe des Pendragon-Verlags verzichtet auf die Bilder. Dafür gibt es ein zwanzigseitiges Nachwort von Frank Göhre, das interessante Einblicke in die Entstehung, Vermarktung und die Ereignisse nach dem Kinostart vermittelt.

Frank Göhre: Abwärts

Pendragon 2009

200 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Frank Göhre/Carl Schenkel: Abwärts

Heyne, 1984

192 Seiten

Verfilmung


Abwärts (Deutschland 1984)

Regie: Carl Schenkel

Drehbuch: Carl Schenkel, Frank Göhre (Dialoge)

mit Götz George, Renée Soutendijk, Wolfgang Kieling, Hannes Jaenicke, Kurt Raab, Klaus Wennemann, Ralf Richter

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)


Übersetzen? Lawrence Block – Killing Castro

Februar 23, 2009

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Wie in den vergangenen Jahren startete Hard Case Crime (das Original) das Kalenderjahr mit einem „neuen“ Buch von Lawrence Block. Wie in den vergangenen Jahren erschien das neue Hard-Case-Crime-Buch von Lawrence Block bereits in den frühen Sechzigern unter einem Pseudonym. Weil Block aber nur für „Fidel Castro Assassinated“ das Pseudonym „Duncan Lee“ benutzte, wussten auch Hardcore-Block-Fans nichts von dem schmalen Werk, das jetzt „Killing Castro“ heißt.

Und wie der Titel erahnen lässt, geht es um ein geplantes Attentat gegen ein Staatsoberhaupt. Fünf Amerikaner nehmen für 100.000 Dollar den Auftrag an, Fidel Castro umzubringen. Sie werden getrennt und unerkannt nach Kuba gebracht. Die beiden Zweiergruppen versuchen Castro im Dschungel zu erschießen oder auf einem Platz mit einer Bombe in die Luft zu sprengen. Der Einzelkämpfer versucht Castro während einer Rede zu erschießen. Block schildert, mit der für Männerabenteuerromane nötigen Brise Sex (aus heutiger Sicht sehr zahm) und Gewalt, wie die Attentäter sich auf das Attentat vorbereiten, dabei von Widerstandskämpfern unterstutzt werden und mit Soldaten kämpfen. Dazwischen fügt Block eine knappe Biographie von Castro ein. Weil der Roman erstmals in einem Sachbuchverlag erschien, kann dieser Teil der Sachbuchteil sein; es kann allerdings auch ganz einfach sein, dass Block noch einige Seiten füllen musste. Denn die Geschichte von „Killing Castro“ wird von Block als eine Folge von Episoden geschildert, in denen die Attentäter sich mit ihrem Auftrag auseinandersetzen und das haben, was zu einem pulpigen Abenteuerroman gehört.

Allerdings ist der Plan (oder besser die Pläne) Castro umzubringen vollkommen bescheuert. Da werden zunächst fünf Amerikaner engagiert, die, bis auf einen, keine Erfahrung mit Anschlägen haben und auch sonst keine zur Erfüllung des Auftrags wichtigen Fähigkeiten haben. Sie sind ganz normale, weiße, bürgerliche Vorstadtamerikaner. Sie sprechen kein Wort spanisch. Sie sind vollkommen abhängig von den Freiheitskämpfern. Sie würden alleine auf der Insel wie bunte Hunde auffallen. Und die Pläne (Im Dschungel auf einen Fahrzeugkonvoi schießen? Auf einem Platz eine Bombe werfen? Aus einem Hotelzimmer schießen?) sind so einfach, dass die Revolutionäre sie auch hätten selbst durchführen können.

„Killing Castro“ ist kein wiederentdecktes Meisterwerk. Es ist nur ein weiterer Blick auf die frühen Jahre eines Autors, der sich später mit mehreren Serien (Evan Tanner, Bernie Rhodenbarr, Matt Scudder, Keller) und Einzelwerken einen festen Platz bei seinen Lesern und Kollegen erschrieb. Doch in „Killing Castro“ hat er seine Stimme noch nicht gefunden und er benutzt ein Plotmuster, das er seitdem kaum benutzte. Denn politische Verschwörungsthriller waren nie Blocks Metier.

Für Lawrence-Block-Fans ist „Killing Castro“ natürlich eine willkommene Ergänzung. Aber übersetzt werden muss „Killing Castro“ wirklich nicht. Da sollten die deutschen Verlage zuerst die immer noch nicht übersetzten Abenteuer mit Bernie Rhodenbarr, Matt Scudder und Keller veröffentlichen. Denn in diesen Werken ist Lawrence Block auf der Höhe seines Könnens.

Lawrence Block: Killing Castro

Hard Case Crime, 2009

208 Seiten

6,99 Dollar

Originalausgabe

Duncan Lee: Fidel Castro Assassinated

Monarch, 1961

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

Lawrence Block in der Kriminalakte (u. a. Covers, Bouchercon-2008-Tribute-Video, Bouchercon-2008-Gespräch)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, Mona, Sweet slow death, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Verluste“ (Everybody dies, 1998)

Mein Buch “Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors”


John Rain besucht Japan

Februar 20, 2009

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Der eiskalte Killer John Rain entwickelt in Barry Eislers neuem Roman „Riskante Rückkehr“ Vatergefühle. Rain erfährt, dass seine frühere Geliebte Midori Kawamura von ihm einen Sohn hat. Die Jazzpianistin lebt in New York und wird dort von Handlangern des Yakuza-Chefs Yamaoto Toshi bewacht. Yamaoto hofft, dass John Rain irgendwann sein Kind sehen will und er ihn dann für seine früheren, in den vorherigen John-Rain-Thrillern erzählten, Taten bestrafen kann. Rain weiß natürlich, in welche Gefahr er Midori, sein Kind und sich bringt, wenn Yamaotos Männer ihn erwischen. Dennoch will Rain sie sehen.

Zusammen mit seinem Freund Dox, einem Ex-Marine und Scharfschützen, als Bodyguard macht er sich auf den Weg nach Manhattan. Gleich nach dem ersten Treffen mit Midori wird Rain entdeckt. Es gibt zwei Tote. Danach kehrt John Rain nach Japan zurück. Denn es gibt nur einen Weg, das Leben von Midori und seinem Sohn zu schützen. Er muss Yamaoto unschädlich machen.

Der fünfte John-Rain-Thriller „Riskante Rückkehr“ von Barry Eisler ist eines dieser zwiespältigen Bücher, die sich einerseits schnell lesen lassen, aber andererseits immer den Eindruck hinterlassen, dass der Autor mehr kann. Denn die Charaktere sind entweder gut oder böse und die großen Überraschungen, immerhin ist „Riskante Rückkehr“ ein Thriller, bleiben aus. Die Geschichte marschiert, wie in einem B-Picture oder Western, geradlinig, mit vielen schnell aufeinander folgenden Action-Szenen und einigen gefühlvollen Einlagen, auf die letzte Konfrontation zwischen den beiden verfeindeten Männern zu. Doch während Yamaoto durch seinen Hass auf Rain gut motiviert ist, verhält John Rain sich doch sehr unvorsichtig und, als ein auf seine Autonomie bedachter Mann, lässt er sich nur allzu willig zur Marionette von seinem alten, im Sterben liegendem Freund Tatsu Ishikura machen. Dass dann einige seiner Aktionen schlecht geplant sind, dient zwar der Spannung (Wie kann Rain die Situation meistern? Was wird schief gehen?), ist aber auch nicht besonders glaubwürdig.

Letztendlich ist Barry Eislers „Riskante Rückkehr“ ein eskapistisches Abenteuer, bei dem der Held am Ende etwas akzeptiert, was wir Leser schon von der ersten Zeile wussten. Nämlich dass Rain ein geborener Killer ist und es immer bleiben wird.

In der deutschen Ausgabe gibt es im Anhang eine Chronologie der John-Rain-Romane, eine Liste der zehn besten Bars, Coffeeshops, Jazzclubs und Restaurants in Tokio, Rains Top Ten Jazz-Interpreten, die Sie vielleicht noch nicht kennen (Eine ziemlich ungewöhnliche Auswahl.) und eine Liste der Top Ten Single Malts.

Barry Eisler: Riskante Rückkehr

(übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)

Fischer Taschenbuch Verlag, 2009

368 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The last Assassin

Penguin Putnam, 2006

Hinweise

Homepage von Barry Eisler

Blog von Barry Eisler

Evolver: Martin Compart über Barry Eisler und die John-Rain-Romane


Duane Swierczynskis „Cable“ oder Der Einzelkämpfer als Babysitter

Februar 19, 2009

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Regelmäßige Besucher von Duane Swierczynskis interessantem „Secret Dead Blog“, wissen, dass er nicht nur spannende Thriller wie „Blondes Gift“ und „Letzte Order“ (die beide bei uns auf Wunsch des Verlages unter dem Pseudonym Duane Louis erschienen) schreibt, sondern inzwischen auch als Aautor für Marvel Comics seine Brötchen verdient. Er schreibt für Batman, Punisher, Moon Knight, Iron Fist und X-Men.

Bei uns erschien jetzt, als erster Einblick in sein Comic-Schaffen, der erste in sich abgeschlossene „Cable“-Band „Kriegskind“. Die Geschichte aus dem X-Men-Universum enthält in einem Buch die ersten fünf von Duane Swierczynski geschriebenen „Cable“-Hefte.

Nach dem M-Day schrumpfte die Zahl der Mutanten. Deshalb soll der zeitreisende X-Man und Soldat Nathan „Cable“ Summers das Überleben der Mutanten sichern, indem er ein neugeborenes Mutantenkind beschützt, das zum Messias der Mutanten werden soll. Cable taucht mit dem Baby im Zeitstrom unter.

Lucas Bishop verfolgt ihn. Bishop kommt aus einer faschistoiden Zukunft, in der es Konzentrationslager für Mutanten gibt. Er glaubt, dass das Baby die größte Bedrohung der Mutanten wird und will es deshalb töten.

2043 treffen sie in einem postapokalyptischen New Jersey, in dem Vigilanten die Stadt regieren, aufeinander und, wie es sich für Superhelden gehört, bleibt bei ihren Kämpfen kein Stein mehr auf dem anderen. Kollateralschäden inclusive.

Diese Kämpfe füllen die meisten Seiten der ersten fünf „Cable“-Hefte. Cable und Bishop verkloppen sich. Bishop kämpft später auch gegen Sam „Cannonball“ Guthrie. Und dazwischen bringen Cable und Bishop auch einige Menschen um. Der Rest, wie die Geschichte der X-Men und Cables menschliche Helferin Sophie Pettit und ihr Schicksal, ist nur schmückendes Beiwerk.

Swierczynski lieferte für den ersten „Cable“-Band coole Dialoge und eine witzige Grundidee. Denn ein Muskelpaket, das auf ein Baby aufpassen und Windeln wechseln muss, ist schon die halbe Miete. In „Kriegskind“ ist das Baby noch ein fast stummer Gegenstand. Das wird sich in den späteren Heften, die in den USA bereits erschienen sind, sicher ändern.

Ariel Olivetti setzte die Kämpfe und auch die ruhigen Szenen in stilvollen Zeichnungen, die an Werbebilder aus den Fünfzigern erinnern, aber dennoch einen sehr zeitgemäßen Touch haben und gelungen mit wechselnden Perspektiven und der Schärfe spielen, um.

Für die Fans von Duane Swierczynskis Romanen ist „Cable: Kriegskind“ ein okayes Werk, das mit gut umgesetzten Schlägereien prächtig unterhält. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für die Fans des X-Men-Universums mag das natürlich ganz anders aussehen.

Duane Swierczynski/Ariel Olivett: Cable: Kriegskind (Band 1)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Marvel/Panini Comics, 2009

124 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Cable: War Child

Marvel 2008

enthält

Cable: War Child – Chapter 1 – 5

Mai – September 2008

Hinweise

Marvel über Cable

Secret Dead Blog von Duane Swierczynski

Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Blondes Gift“ (The Blonde, 2006)


Ein Angebot von Agent Graves, das Sie ablehnen sollten

Februar 18, 2009

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Die Idee ist, je nach Sichtweise, entweder vollkommen beknackt oder genial. Denn in der von Autor Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso erfundenen Serie „100 Bullets“ taucht ein Mann, der sich Agent Graves nennt, bei wildfremden Menschen auf und bietet ihnen eine Pistole und 100 Kugeln, die nicht zurückverfolgt werden können, an. Mit diesen Kugeln können sie sich an einem bestimmten Menschen rächen, der ihnen Leid zugefügt hat und dafür nicht bestraft wurde. Die Beweise für das Verbrechen liefert Agent Graves gleich mit.

Das beknackte ist, dass es natürlich keine Kugeln gibt, die Straffreiheit garantieren und dass es in der Wirklichkeit diese wasserdichten Beweise von Agent Graves so nicht geben kann. Das geniale ist, dass diese Grundidee es Azzarello und Risso ermöglicht, in vielen unterschiedlichen Geschichten immer wieder die Frage nach Schuld und Sühne zu stellen. In jeder Geschichte muss der Empfänger des Geschenkes sich fragen, ob eine schlimme Tat (es geht nicht immer um einen Mord) mit einem Mord vergolten werden darf. Er hat immer die Wahl zwischen Rache und Vergebung. Die dritte Möglichkeit, nämlich mit den Beweisen zur Polizei zu gehen, wurde in den ersten Geschichten der mehrfach ausgezeichneten Serie „100 Bullets“ noch nicht ausprobiert. In den USA erscheint am 18. März der hundertste und letzte Band von „100 Bullets“.

Dass Agent Graves bei seinen Missionen sein eigenes Spiel spielt und in einen größeren Kampf zwischen ihm und einer geheimen Organisation verwickelt ist, zieht sich zwar als roter Faden durch die „100 Bullets“-Geschichten, aber in dem gerade erschienenen „Alle guten Dinge“ ist das so nebensächlich, dass der dritte Sammelband der Serie (er enthält die Hefte 15 bis 19 beziehungsweise die fünfteilige Geschichte „Der Apfel fällt nicht weit vom Slum“; der fünfte Teil heißt „Epilog für einen Straßenköter“) gut als Einstieg in die düstere Welt des Teams Azzarello/Risso dienen kann.

Agent Graves geht zu dem Ghettojungen Louis „Loop“ Hughes, der noch bei seiner Mutter lebt und als Kleinkrimineller sein Geld verdient. Graves sagt ihm, wo sein Vater, der sich nie um ihn kümmerte, lebt. Und er gibt ihm den Koffer mit den 100 Kugeln. Loop macht sich, mit der geladenen Pistole, auf den Weg zu seinem Vater Curtis. Doch bevor er ihn umbringt, lässt er sich in ein Gespräch verwickeln. Curtis zieht Loop auf seine Seite und beginnt ihn als Schuldeneintreiber auszubilden. Am Ende des zweiten Heftes trifft Curtis Agent Graves und fragt ihn: „Warum haben Sie eigentlich meinen Jungen geschickt, um mich umzubringen?“

Und Agent Graves hat seinen Koffer mit dem Bild eines Verbrechers, der Pistole und den titelgebenden „100 Bullets“ bei sich. Denn: „Sie wissen, dass jeder irgendwann irgendwas getan hat, das irgendwer nicht vergeben kann. Jeder. Zum Beispiel ihr Junge…“

Brian Azzarello und Eduardo Risso erzählen in „Alle Guten Dinge“ ihre Vater-Sohn-Geschichte im kriminellen Milieu knapp, schnell, brutal, illusionslos und mit überraschenden Wendungen, die, wie es sich für eine gute Noir-Geschichte gehört, immer nur eine Richtung kennen. Es ist eine Geschichte fataler Entscheidungen, in der vor allem Vater und Sohn Hughes nur Marionetten von mächtigeren Kräften sind. Andere und das soziale Umfeld bestimmen über ihr Leben. Deshalb hat Loop am Anfang, wenn Agent Graves ihm sagt, wo er seinen Vater findet, nur scheinbar eine Wahl.

„Alle guten Dinge“, 2001 ausgezeichnet mit dem Eisner Award für „Best serialized story“, ist ein guter Einstieg in den brutalen Noir-Kosmos von „100 Bullets“ und dem coolen Agent Graves. Allerdings ist danach die Sucht nach mehr geweckt.

Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets – Alle guten Dinge (Heft 3)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2008

132 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets: Hang up on the Hang Low

Vertigo/DC Comics, 2001

enthält

100 Bullets, Heft 15 – 19

Vertigo/DC Comics, 2000/2001

Hinweise

You Tube: Brian Azzarello redet über “100 Bullets” (Chicago, 2008)

MySpace-Seite von Brian Azzarello

Homepage von Eduardo Risso

Englische „100 Bullets“-Fanseite

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)


Die trüben Hamburger Gewässer des Herrn Brack

Februar 12, 2009

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Ein türstopperdickes Werk voll literarisch-hochkultureller Anspielungen, eleganter Perspektivwechsel und das ausführlich geschilderte Privatleben des Ermittlers, der wegen seinem Beruf zuviel Alkohol trinkt, depressiv ist und Probleme mit dem anderen Geschlecht hat; das alles werden Sie bei Robert Brack nicht finden. Er belässt es gerne bei ungefähr 200 Seiten, schreibt gerne in der ersten Person und seine Helden müssen sich in Abenteuern beweisen, die eine Nummer zu groß für sie sind. Da bleibt keine Zeit für liebevoll gepflegte Depressionen.

Das war schon in dem kürzlich wiederveröffentlichtem „Psychofieber“, dem letzten Auftritt des Journalisten Tolonen aus dem Jahr 1993, so und hat sich auch in seinem neuesten Roman „Und das Meer gab seine Toten wieder“ nicht geändert.

In „Und das Meer gab seine Toten wieder“ soll die Engländerin Jennifer Stevenson von der International Policewomen’s Association Anfang März 1932 herausfinden, warum in Hamburg zwei Polizistinnen der Weiblichen Kriminalpolizei sich im Sommer 1931 angeblich umbrachten, diese vorbildliche Einheit aufgelöst wurde und deren Leiterin Josephine Erkens sich so seltsam benimmt. Stevenson stößt schnell auf institutionelle Widerstände. Denn offensichtlich soll sie die Wahrheit über den Doppelselbstmord nicht herausfinden. Außerdem ist sie von der fremden Stadt, den politischen Wirren und der Boheme der Weimarer Jahre verwirrt.

Robert Brack zeichnet mit wenigen Worten ein plastisches Bild des damaligen Hamburgs und thematisiert ein unbekanntes Kapitel der Polizeigeschichte. Denn in den Zwanzigern gab es bereits Polizistinnen, die mit einem eher sozialpädagogischen Ansatz arbeiteten. Er hält sich bei der Geschichte fast schon sklavisch an die Fakten. Weil dieser Hamburger Polizeiskandal fast unbekannt ist, ist es nachvollziehbar, dass Robert Brack zuerst einmal die Ergebnisse seiner Recherchen veröffentlichen wollte. Und die sind schon skandalös genug für einen spannenden Roman. Aber gleichzeitig kann er nur ein faktengestütztes Ende anbieten. Das ist dann, wie es in der Realität oft ist, unbefriedigend. Denn die Lösung ist eher banal und es kann nicht alles aufgeklärt werden.

Außerdem scheint es im Hamburg der frühen Dreißiger nur so von Sprachtalenten zu wimmeln. Jennifer Stevenson kann zwar etwas deutsch, aber die Deutschen scheinen noch besser englisch zu können. Das ist dann etwas unglaubwürdig. Eine Ermittlerin aus München oder Wien wäre vielleicht glaubwürdiger gewesen.

Mit der Aufklärung eines Mordes hat auch Journalist Tolonen in „Psychofieber“ seine Probleme. Auf einer Elbinsel wird, nach einer Party, eine ermordete junge Frau gefunden. In Verdacht gerät der untergetauchte Sohn des Innensenators, Kai-Uwe Katzur. Tolonen wittert eine große Story, mit der er sein kurz vor der Pleite stehendes Journalistenbüro retten will. Dass gleichzeitig die Rechten gegen Flüchtlinge demonstrieren und die Nazis in den Senat einziehen, nimmt Tolonen nur am Rand wahr.

„Psychofieber“ erschien 1993 als letzter Band der Tolonen-Trilogie und ist auch ein prägnantes Sittenbild der frühen Neunziger, als die Medien und bürgerlichen Parteien gegen die Asylantenflut polemisierten, das Grundrecht auf Asyl faktisch abschafften, rechtsradikale Parteien in Parlamente einzogen und in Hamburg die Statt-Partei in den Senat einzog (Schill folgte erst später). Diese politische Situation wird vom Ich-Erzähler Tolonen nur zynisch kommentiert. Immerhin ging er nicht zur Wahl und ist viel zu abgeklärt für eine selbstgerechte moralische Empörung. Allerdings ist er auch nicht so clever, wie er denkt. Denn am Ende von „Psychofieber“ landet er im Gefängnis.

„Psychofieber“ und „Und das Meer gab seine Toten wieder“ sind zwei spannende, wenn auch nicht perfekte, Krimis von einem Erzähler, der vor allem eine in einer bestimmten Zeit spielende Geschichte erzählen will. Deshalb sind seine Romane auch immer ein Sittenbild der Zeit, in der sie spielen.

In dem in „Psychofieber“ abgedruckten, lesenswertem Gespräch mit Helmut Ziegler sagt Robert Brack zu seinen Anfängen: „Ich wollte jedoch nicht über die Funktion des Semikolons nachdenken, sondern mich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen. Dazu musste man den Krimi nehmen.“

Der Satz gilt auch noch für den heutigen Robert Brack

Robert Brack: Und das Meer gab seine Toten wieder

Edition Nautilus, 2008

224 Seiten

13,90 Euro

Robert Brack: Psychofieber

(mit einem Werkstattgespräch von Helmut Ziegler, Band 10 der „Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands)

Edition Köln, 2008

224 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

rororo thriller, 1993

Hinweise

Homepage von Robert Brack

Edition Nautilus: Interview mit Robert Brack über „Und das Meer gab seine Toten wieder“

Meine Besprechung von Robert Bracks „Schneewittchens Sarg“ (2007)


Besprechung „Filmgenres: Film noir“ online

Februar 10, 2009

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Meine Besprechung des neuesten Bandes der lesenswerten Filmgenres-Reihe, „Film noir“ (herausgegeben von Norbert Grob), ist online in der Berliner Literaturkritik.


Alter Scheiß? Ross Thomas: Teufels Küche; Am Rand der Welt

Februar 6, 2009

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Mit „Teufels Küche“ und „Am Rand der Welt“ setzte der Alexander Verlag seine Werkausgabe von Ross Thomas fort. Beide Romane wurden mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und sie lesen sich heute immer noch so frisch und lebendig, wie vor über zwanzig Jahren.

In „Teufels Küche“ erfährt der Wahlkampfmanager Draper Haere fast zufällig von einem Ereignis, das die derzeitige Regierung aus dem Amt jagen könnte. Bevor ihm sein alter Freund Jack Replogle etwas Genaueres erzählen kann, werden sie überfallen und Replogle stirbt. Haere ist jetzt wirklich neugierig. Er engagiert den ehemaligen Journalisten Morgan Citron, der, nachdem er mehrere Monate in einem afrikanischen Gefängnis schmorte, seine Ersparnisse als Bummler in Kalifornien aufbrauchte und jetzt als Hausmeister in einem Apartmentkomplex arbeitet. Citron soll alles über das Ereignis herausfinden.

Tja, und ungefähr hier wird „Teufels Küche“ zu einem schwachen Roman von Ross Thomas.

Denn das die gesamte Geschichte initiierende Ereignis (Es ist ein Schusswechsel im Dschungel, bei dem Amerikaner beteiligt waren.) wird am Ende in seinem ganzen Ausmaß fast schon lieblos enthüllt und ist im nihilistischen Kosmos von Ross Thomas so unbedeutend, dass er es in einem anderen Roman auf zwei Seiten verbraten hätte.

Doch viel schlimmer ist, dass in „Teufels Küche“ alle Charaktere irgendwie miteinander verbandelt sind und damit die Glaubwürdigkeit überstrapazieren. Denn der Informant Drew Meade möchte nicht nur Replogle und später Draper Haere, sondern auch Pressezarin Gladys Citron die Informationen verkaufen. Sie ist die Mutter des zufällig von Haere engagierten Journalisten Morgan Citron. Velveta Keats, eine Mieterin im Apartmentkomplex und Freundin von Morgan Citron, ist die Tochter eines Kokainschmugglers, der zufällig auch in den tödlichen Schusswechsel im Dschungel involviert ist.

Da ist es schon tröstlich, dass die beiden falschen FBI-Agenten Tighe und Yarn mit keinem der anderen Charaktere verwandt oder verschwägert sind oder eine lange Vorgeschichte teilen. Denn natürlich kennen sich Meade, Haere, Replogle und Gladys Citron von früher.

In „Teufels Küche“ hat Ross Thomas in dieser Beziehung einfach zu viel getan, um noch glaubwürdig zu sein. Nur die zynische Grundeinstellung bewahrt „Teufels Küche“ davor, eine kontintentenübergreifende Räuberpistole zu werden.

Dass Ross Thomas es besser kann, zeigt er in „Am Rand der Welt“. Während auf den Philippinen Marcos gestürzt wird, wird Booth Stallings in Washington entlassen. Bereits wenige Stunden später hat er ein neues gutdotiertes Angebot. Er soll auf die Philippinen fliegen und einen irgendwo in den Bergen sitzenden Freiheitskämpfer oder Terroristen (es kommt auf die Perspektive an) mit fünf Millionen Dollar überzeugen, nicht die Macht zu übernehmen, sondern in Hongkong das Geld in Empfang zu nehmen. Die Auftraggeber sind ein anonymes Konsortium, das aus Geschäftsleuten, die auf den Philippinen investieren wollen, aber auch aus Regierungs- und Geheimdienstkreisen bestehen kann. Der Empfänger des Geldes ist Alejandro Espiritu. Er ist ein Fan von Stallings „Anatomie des Terrors“, sie sind sich bereits in einem Gefecht während des zweiten Weltkriegs begegnet und er vertraut nur Stallings.

Stallings nimmt das Angebot gegen eine erkleckliche Provision an und kontaktiert über seine Verwandtschaft Maurice „Otherguy“ Overby. Dieser empfiehlt ihm als kompetente Helfer die bereits aus „Umweg zur Hölle“ bekannten Glücksritter Artie Wu und Quincy Durant. Gemeinsam wollen sie einen Weg finden, die fünf Millionen in die eigenen Taschen zu stecken. Das ist natürlich nicht so einfach. Den um sie herum tobenden Bürgerkrieg nehmen sie dabei kaum wahr. Denn was sind schon einige Leichen und eine imposante Schuhsammlung gegen einen Haufen Bargeld?

Ross Thomas: Teufels Küche

(übersetzt von Wilm W. Elwenspoek, bearbeitet von Jochen Stremmel und Anja Franzen, mit einem Nachwort von Laf Überland)

Alexander Verlag, 2008

360 Seiten

12,90 Euro

Originalausgabe

Missionary Stew

Simon & Schuster, 1983

Deutsche Erstausgabe

Mördermission

Ullstein, 1985

Ross Thomas: Am Rand der Welt

(übersetzt von Jürgen Behrens, bearbeitet von Gisbert Haefs und Anja Franzen, mit einem Nachwort von Thomas Wörtche)

Alexander Verlag, 2008

408 Seiten

14,90 Euro

Originalausgabe

Out on the Rim

Mysterious Press, 1986

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 1987

Hinweise

Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint „Merkur“, November 2007)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966)


Blutiges von Jack Ketchum

Februar 4, 2009

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Jack Ketchums „Blutrot“ ist für mich eines der Bücher des vergangenen Jahres. Ketchums zweites 2008 auf Deutsch veröffentlichtes Buch „Amokjagd“ ist dagegen weniger gelungen, aber immer noch eine gute Lektüre. Beide Bücher erschienen in den USA bereits 1995 und sie sind beide nach der gängigen Bestsellerlänge altmodisch kurz. Denn die pompöse Seitenzahl von jeweils 288 Seiten erreichen sie nur dank eines großzügigen Layouts. Sie sind beide ganz traditionell erzählt und bewegen sich, dank ihrer Länge, geradlinig wie eine gut geölte Maschine auf ihr Ende zu. Auch Ketchums Sprache ist entsprechend schnörkellos. Da ist kein Satz zu viel, kein Wort überflüssig. Und, noch eine Gemeinsamkeit, sie spielen in der Provinz.

In „Amokjagd“ beobachtet Wayne Lock, wie Lee Edwards und Carole Gardner ihren gewalttätig-herrsüchtigen Mann Howard im Wald erschlagen und anschließend eine Felsklippe hinunterwerfen. Lock, der seine Gewaltfantasien bis jetzt nicht auslebt, glaubt, endlich zwei Gleichgesinnte gefunden zu haben. Er sucht sie und, als er sie gefunden hat, erpresst er sie mit seinem Wissen zu einer Spritztour. Auf dieser Fahrt flippt Lock aus und hinterlässt eine blutige Spur durch die Provinz. Edwards und Gardner müssen das als machtlose Zeugen mit ansehen. Denn wenn sie flüchten, würde Lock sie an die Polizei verraten.

Außerdem hat inzwischen auch der Revierleiter Lieutenant Joseph Rule die beiden Gattenmörder bereits im Visier.

Auf den ersten Seiten von „Amokjagd“ entwickelt Jack Ketchum den Konflikt zwischen den beiden Mördern und ihrem Bewunderer sehr konsequent und nachvollziehbar. Aber wenn die drei sich auf die gemeinsame Spritztour begeben, schlägt die Geschichte in einen B-Moviehaften Blutrausch, bei dem jeder, der den Weg von Lock kreuzt, umgebracht wird, um. Die Polizei ist währenddessen mit dem Einsammeln der Leichen beschäftigt. Trotz etlicher guter Szenen hat „Amoklauf“, im direkten Vergleich zum grandiosen „Blutrot“, zu viel von einem 08/15-Splattermovie, bei dem sich die Qualität des Films anhand des Blutzolls bemisst.

In „Blutrot“ kommt Jack Ketchum bis zum Ende mit einem toten Hund und den Konflikt zweier Männer über die Frage der richtigen Erziehung aus. Alles beginnt, wie so oft, ganz harmlos. Als Avery Ludlow und sein Hund Red friedlich am Fluss angeln, tauchen drei Jungs auf. Sie ärgern den alten Mann, bedrohen ihn und am Ende erschießt einer der Jungs, Daniel McCormack, den Hund.

Ludlow möchte, dass Daniel die Tat zugibt und sich dafür entschuldigt. Aber er tut es nicht und Daniels Vater, der neureiche Unternehmern Michael McCormack, beschützt seinen Sohn. Doch Ludlow lässt nicht locker. Die Jungs sollen zu ihren Taten stehen. Sie sollen die Wahrheit sagen. Mehr will Ludlow nicht. Aber sie leugnen den Mord an Red und beginnen Ludlow zu bedrohen.

Ludlow wehrt sich. McCormack schützt seine beiden Söhne zunehmend kompromisslos. Denn, so glaubt er, wer das Geld hat, hat die Macht und hat Recht.

Der Kampf zwischen zwei unvereinbaren Wertesystemen, die Fragen von Ehre, Männlichkeit, Verantwortungsbewusstsein für die eigenen Taten und die der Kinder wird wahrscheinlich in jeder Generation ausgefochten. In „Blutrot“, immerhin bedient Jack Ketchum sich ungeniert der bekannten Western-Topoi, läuft die Geschichte konsequent auf das finale Duell zwischen Ludlow, McCormack und seinen Söhnen hinaus.

Das ist, vergessen Sie den marktschreierischen Klappentext, einfach gutes, im besten Sinne altmodisches Erzählhandwerk und deshalb sind etliche bekannte Schriftsteller, wie Robert Bloch, Richard Laymon und Duane Swierczynski, Fans von Jack Ketchum. Der bekannteste und emsigste Lobredner für Ketchum dürfte Stephen King sein: „Hey, want some good advice? Don’t open this book unless you intend to finish it the same night. You may be shocked, even revolted, by Jack Ketchum’s hellish vision of the world, but you won’t be able to dismiss it or forget it.“

Kings Ratschlag gilt für beide Romane.

„Red“ wurde 2008 verfilmt. Der Trailer verspricht einen Film, der auch von Clint Eastwood hätte sein können. Die Kritiken sind ebenfalls sehr positiv. Aber nachdem „Red“ bei uns schon im Pay-TV läuft, gibt es leider keinen Kinostart, sondern im April die DVD-Veröffentlichung.

Jack Ketchum: Amokjagd

(übersetzt von Kristof Kurz)

Heyne, 2008

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Joyride

Berkley Books, 1995

(Titel der britischen Ausgabe: Road Kill)

Jack Ketchum: Blutrot

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne, 2008

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Red

Leisure Book/Dorchester Publishing, 1995

Verfilmung

Red (USA 2008)

Regie: Trygve Allister Diesen, Lucky McKee

Drehbuch: Stephen Susco

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Robert Englund

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Evolver porträtiert Jack Ketchum


Alter Scheiß? Dan Kavanagh: Duffy

Januar 30, 2009

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Duffy war mal Polizist. Sogar ein erfolgreicher bei der Sitte in West Central. Und ehrlich war er auch. Doch dann wurde er mit einem Neunzehnjährigem nackt erwischt. Es war eine Falle, aber diese Karriere war vorbei. Also wechselte Duffy den Beruf und wurde Privatdetektiv und Sicherheitsberater mit bescheidenen Umsätzen. Denn anstatt dem Klienten eine superteure Alarmanlage zu verkaufen und so ein florierendes Unternehmen aufzubauen, empfiehlt er ihnen lieber eine Sirenenattrappe und eine gute Versicherung. Auch jetzt herrscht in seiner Kasse mal wieder Ebbe.

Deshalb nimmt er den Auftrag des Spielzeugimporteurs Brian McKechnie an. Seine Frau Rosie wurde in ihrer noblen Vorstadtwohnung von zwei Männern überfallen, die sie auf Befehl ihres Bosses leicht mit einem Messer verletzten. McKechnie ruft die Polizei. Diese findet keine Spur und die Sache könnte irgendwann als „ungelöst“ ad acta gelegt werden.

Kurz darauf erhält McKechnie einen Anruf. Ein Erpresser will von ihm eine kleine Geldsumme. Die Polizei tut nichts. Erst als die Summe größer wird, nimmt die Polizei widerwillig die Anzeige auf. Aber sie findet nichts über den Erpresser heraus. McKechnie ist stinkig über die schlechte Arbeit der Polizei. Er engagiert Duffy und dieser findet bei der nächsten Geldübergabe heraus, dass die Polizei, entgegen ihres Versprechens, bei der Übergabe durch Abwesenheit glänzt. Duffy verfolgt den Boten des Erpressers in ein schmuddeliges Pornokino in Soho. Duffy ist wieder in seinem alten Revier und trifft auf den Gangsterboss Big Eddy, der seine Vergangenheit viel zu gut kennt.

Mit „Duffy“ erfand Dan Kavanagh (der unter seinem richtigen Namen Julian Barnes Mainstream-Romane schreibt) einen ungewöhnlichen Privatdetektiv. Denn Duffy ist ein hypochondrischer Bisexueller (Wir reden hier von 1980! Vor ihm gab es eigentlich nur Joseph Hansens Homosexuellen Dave Brandstetter.). Er verträgt keine lauten Geräusche. Er kann nirgends schlafen, wo es auch Uhren gibt (Wir reden von 1979.). Deshalb wandern sie zuerst in die Frischhaltebox und anschließend ins Badezimmer oder werden vors Fenster gehängt. Weitere Frischhalteboxen mit Lebensmitteln stapeln sich im Kühlschrank. Er sagt niemals ‚ja’, sondern ‚also gut’ oder „doch, doch’. Er hat eine angenehm illusionslose Einstellung zu seinem Beruf und dem Leben. Deshalb wird er, wie jeder gute literarische Detektiv, finanziell niemals auf einen grünen Zweig kommen. Aber im Gegensatz zu dem Marlowes, Hammers und Spensers spielt er für keine sich in Gefahr befindende Frau den rettenden Ritter. Am Ende seines ersten Auftritts ist Duffy nur noch damit beschäftigt, seine eigene Haut zu retten. Sein Auftraggeber McKechnie ist ihm da herzlich egal.

An „Duffy“ besticht der angenehm distanziert-ironische Tonfall von Dan Kavanagh, mit dem er seine Charaktere und Sohos Halbwelt beschreibt. Es sind die, besonders wenn sie gerade ein Verbrechen begehen, bemerkenswert gesitteten Verbrecher (die Einbrecher entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten; der Boss entschuldigt sich für das Fehlverhalten seiner Angestellten und legt wie ein biederer Beamter Akten über die in seinem Revier arbeitenden Polizisten an) und die Welt des käuflichen Sex und der Pornobranche in den späten Siebzigern in London, als AIDS noch unbekannt war. Duffy stolpert bei seinen Ermittlungen von einer Peepshow zur nächsten, von einem Pornokino zum nächsten und findet auch einige Pornomagazine. Das ist eine in Zeiten des Internets und des Heimkinos schon lange untergegangene Welt. Die Aufklärung der Erpressung ist dagegen, wie man schon nach dem Titel „Duffy“ vermuten kann, nebensächlich.

In den folgenden Jahren schrieb Kavanagh drei weitere Duffy-Romane, die auch eine Chronik Englands in den achtziger Jahren und literarische Spiele mit dem Genre sind. Danach hörte Kavanagh auf zu schreiben. Als Julian Barnes schrieb er eifrig weiter und bis heute verhallten die Bitten der Fans nach einem neuen Duffy-Abenteuer. Dabei wäre es sicher interessant (aber vielleicht auch enttäuschend) zu sehen, wie es einem dreißig Jahre älterem Duffy im heutigen London geht.

Bis dahin kann wieder Duffys erster, immer noch lesenswerter Auftritt gelesen werden. Er liest sich heute noch so vergnüglich, wie damals.

Dan Kavanagh: Duffy

(Neu übersetzt von Willi Winkler)

Ullstein, 2008

240 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Duffy

Jonathan Cape, London, 1980

Deutsche Erstveröffentlichung

Ullstein, 1981

(übersetzt von Bernd Jost)

Spätere deutsche Veröffentlichungen

Haffmans Verlag, 1988

Rowohlt Verlag, 2000

Süddeutsche Zeitung (Kriminalbibliothek Band 40), 2006

(immer übersetzt von Willi Winkler)

Anmerkung

Es ist unklar, ob die alte Haffmans-Übersetzung von Winkler genommen wurde oder ob Winkler diese überarbeitete oder sogar eine vollkommen neue anfertigte.

Duffys Ermittlungen

Duffy (Duffy, 1980)

Airportratten; Schieber-City (Fiddle city, 1981)

Grobes Foul; Abblocken (Putting the boot in, 1985)

Vor die Hunde gehen (Going to the dogs, 1987)

Hinweise

Homepage von Dan Kavanagh

Homepage von Julian Barnes (Duffys geistigem Vater)

Contemporary Writers über Julian Barnes

Thrilling Detective über Duffy


Dreimal spaßiges Mörderfangen mit Adrian Monk

Januar 26, 2009

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Er ist manisch. Panisch. Genial. Er sieht Kaffeeflecken auch ohne die Hilfsmittel eines gesamten CSI-Labors. Er lässt an einem Tatort die Autos neu einparken und er schlägt schon mal vor, die Leiche vom siebten in den sechsten oder achten Stock zu verlegen.

Er ist Adrian Monk. Ehemaliger Ermittler der Polizei von San Francisco und, seit dem bis jetzt nicht aufgeklärtem Tod seiner Frau Trudy, von der Arbeit freigestellt. Allerdings hilft er der Polizei bei besonders kniffeligen Fällen und seine Assistentin Natalie Teeger hilft ihm die größten Gefahren des Alltags, beginnend bei dem Schütteln von Händen (nur möglich mit anschließender Desinfektion), zu meistern. Die von Andy Breckman erfundene TV-Serie mit Tony Shalhoub ist seit Jahren auch bei uns ein Erfolg und die auf der Serie basierenden Romane von Lee Goldberg verkaufen sich wie geschnitten Brot. Dabei können die Monk-Romane auch sehr gut ohne die Serie bestehen und Goldberg kann sich in den Büchern Freiheiten erlauben, die das Budget einer Serienfolge sprengen würden. Denn nach dem Hawaii-Ausflug fliegt Monk in „Mr. Monk in Germany“ nach Deutschland und in „Mr. Monk und seine Assistentinnen“ kann er sich nicht zwischen seiner neuer Assistentin Natalie Teeger und seiner ersten Assistentin Sharona Fleming entscheiden.

Nachdem Natalies Tochter Julie bei einem Basketball-Spiel der Arm gebrochen wird (und Monk den Trainer der gegnerischen Mannschaft als Mörder überführt), treffen sie im Krankenhaus auf die dort arbeitende Sharona. Ihre Ehe ging wieder einmal in die Brüche, sie kehrte zurück an die Westküste und ihr Mann Trevor ist in Los Angeles als Mörder von Ellen Cole inhaftiert. Die Beweise sprechen gegen ihn und Monk ist aus durchaus eigennützigen Gründen nicht an Ermittlungen interessiert. Dennoch kann Natalie ihn aus ebenso eigennützigen Gründen überzeugen, den Fall zu übernehmen. Während der Ermittlungen trifft er auf den Bestsellerautor Ian Ludlow (ein Pseudonym von Lee Goldberg), der dem LAPD bei den Ermittlungen geholfen hat. Monk empfindet für den Konkurrenten und dessen formelhaften Krimis nur tiefste Verachtung.

Zurück in San Francisco stürzt Monk sich in einen anderen Fall. Am Strand wurde die Leiche eines nackten Mannes gefunden, der offensichtlich von einem Alligator ermordet wurde. Aber in San Francisco gibt es in freier Wildbahn keine Alligatoren. Lt. Randall Disher holt seinen Schreiblehrer Ian Ludlow als externen Berater. Monk ist über diese Konkurrenz in seinem Revier überhaupt nicht begeistert.

In „Mr. Monk und die Außerirdischen“ nimmt Lee Goldberg sich die zahlreichen Treffen von Serienfans vor, die dort verkleidet erscheinen und eine Serie kultisch verehren. Das bekannteste Beispiel dürfte „Raumschiff Enterprise“ sein. „Beyond Earth“ erinnert dagegen eher an „Kampfstern Galactica“. Es ist eine erfolglose Siebziger-Jahre-Kult-Science-Fiction-Serie, die treue Anhänger hat und demnächst als rundumerneuerte Serie ausgestrahlt werden soll. Die alten Fans sind stinkig über den Verrat am Original und dass ihr Guru Conrad Stipe, der Erfinder der Serie, das „Beyond Earth“-Erbe für einige Dollar an junge, gierige Hollywood-Produzenten verscheuert, die sich einen Dreck um das Original scheren.

Vor einer Fan-Convention wird Stipe erschossen. Der Mörder war als Mr. Snork verkleidet und tauchte im Gewühl der verkleideten Fans unter. Stottlemeyer bittet Monk, den Täter unter den Fans zu finden.

Als Monk die „Beyond Earth“-Fans zum ersten Mal sieht, möchte er die offensichtlich verrückten Besucher sofort alle verhaften. Denn sie laufen mit Elefantenrüsseln im Gesicht, Vierfach-Brüsten und angeklebten Schwänzen herum, verkaufen dreißig Jahre alte Frühstücksflocken und reden in der intergalaktischen Sprache Dratch.

Einen weiteren Schock erleidet Monk, als er erfährt, dass sein Bruder Ambrose (der niemals sein Haus verlässt) mehrere „Beyond Earth“-Bücher geschrieben hat und bei den Fans ein geachteter Experte ist. Er entdeckt auf dem Überwachungsvideo, dass der Mörder kein „Beyond Earth“-Fan ist, weil er Kostümteile aus verschiedenen Staffeln trug.

Das interessante Buch ist für uns Deutsche natürlich „Mr. Monk in Germany“. In den vergangenen Jahren war Lee Goldberg öfters in Deutschland. Vor allem mit „Action Concept“ (Alarm für Cobra 11) entwickelte er Projekte. Er gab mehrere Seminare und schrieb den okayen „Action Concept“-Film „Fast Track, No Limits“ (Arbeitstitel war wahrscheinlich „The Fast and the Furious – Berlin Drift“). Dafür war er öfters in Lohr und Berlin.

Monks Psychiater Dr. Charles Kroger nimmt im beschaulichen Lohr an einer Konferenz teil. Monk kann allerdings ohne seine regelmäßigen Sitzungen bei Dr. Kroger nicht leben. Er verfolgt ihn nach Deutschland. Natalie, die sich für Monks von Dr. Kroger initiierten Hawaii-Ausflug rächen will, nutzt die Gelegenheit für einen ungeplanten Urlaub.

Während sie Lohr für eine Märchenstadt hält, ist es für Monk die Hölle. Es ist alles krumm und schief. Überall ist Natur. Die Häuser wurden vor Jahrhunderten aus Holz und Lehm gebaut. Die Kinder erpressen Schutzgeld. Kurz: Unordnung und Bakterien überall.

Da trifft es sich gut, dass Monk auf dem Marktplatz einen Mann mit sechs Fingern entdeckt. Der Mörder seiner Frau Trudy hat auch sechs Finger. Auf der Konferenz trifft er den Sechfingrigen wieder. Es ist Dr. Martin Rahmer, der Leiter der Konferenz.

Außerdem entdeckt Monk, dass ein Selbstmord in einem Mehrfamilienhaus ein gut getarnter Mord an einem Enthüllungsjournalisten war. Er will den Mörder finden.

Während seiner Ermittlungen muss Monk einen Abstecher nach Berlin machen. Er hält – zur Überraschung für alle Berliner, die mal wieder in einen Haufen Hundescheiße getreten sind – die Hauptstadt für perfekt.

„Wir haben das Paradies gefunden“, seufzte er glücklich.

„Diese Bauten haben überhaupt keinen Charakter oder irgendwelchen Charme“, widersprach ich. „Sie sind rein funktional.“

„Sie sagen das, als ob es etwas Schlechtes wäre“, erwiderte Monk. „Alle Gebäude passen perfekt zusammen.“

„Das ist ja das Problem“, widersprach ich. „Mann kann ja kaum eins vom anderen unterscheiden.“

„So sollten alle Städte aussehen“, meinte Monk.

„Und wo bleibt die Individualität?“

„Ich bin ein großer Freund der Individualität, solange sie nicht irgendwie hervorsticht“, erklärte er.

Auch mit den, in der Chronologie, gut geplotteten Monk-Büchern vier, fünf und sechs hält Lee Goldberg das Niveau der vorherigen Bände. Einerseits verkürzen sie für die Fans der Serie das Warten auf neue Folgen, andererseits können sie auch gut als witzige Privatdetektivromane bestehen. Denn auch wenn Monks Verhalten immer seltsamer wird (Teilweise ist es sogar ein Rätsel, wie er überhaupt vor die Tür gehen kann, wenn er nicht durch eine Drehtür gehen kann, auf Pflastersteinen einen Veitstanz aufführt oder wegen einer verlorenen Socke die Polizei alarmiert.), steht er natürlich in der Tradition der großen literarischen Detektive von Sherlock Holmes über Hercule Poirot hin zur, hm, Parodie Nero Wolfe (um nur einige bekannte Namen zu nennen). Seine Gehilfin Natalie Teeger reportiert schnoddrig die Fälle und die beiden Polizisten Captain Leland Stottlemeyer und Lt. Randall Disher halten loyal zu ihrem bestem Aufklärer, der viele Fälle bereits während der Besichtigung des Tatortes löst. Denn obwohl für sie die Lösung überraschend ist, ist sie für Adrian Monk von Anfang an offensichtlich.

Neben den Fällen und den Witzen beschäftigt Goldberg sich auch immer mit ernsteren Themen, wie Verantwortung, Zugehörigkeit zu Gruppen (besonders in „Mr. Monk und die Außerirdischen“) und dem Umgang mit missgestalteten Personen (in „Mr. Monk in Germany“).

Lee Goldberg: Mr. Monk und seine Assistentinnen

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk and the two Assistants

Obsidian 2008

288 Seiten

Lee Goldberg: Mr. Monk und die Außerirdischen

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk in outer space

Obsidian, 2008

304 Seiten

Lee Goldberg: Mr. Monk in Germany

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk goes to Germany

Obsidian, 2008

288 Seiten

Anmerkungen

Die deutschen Namen in „Mr. Monk in Germany“, wie Stoffmacher, Geschier und Schust, sind störend undeutsch.

Selbstverständlich schreibt Goldberg im Original nicht „seufzte glücklich“, „widersprach“, „meinte“, sondern immer nur „said“, „said“, „said“.

Hinweise

Homepage von Lee Goldberg

USA Network über „Monk“

Thrilling Detective über Adrian Monk

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk und die Feuerwehr“ (Mr. Monk goes to the Firehouse, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk besucht Hawaii“ (Mr. Monk goes to Hawaii, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk und die Montagsgrippe“ (Mr. Monk and the Blue Flu, 2007)


Ein anderer Blick auf Kinky Friedmans neuen Roman

Januar 23, 2009

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Als Leser verbringe ich einige Stunden mit einem Buch. Der Übersetzer verbringt einige Monate (in seltenen Fällen sogar einige Jahre) mit einem Buch. Das schärft den Blick für die Qualitäten und versteckten Fallen einer Geschichte. Gunnar Kwisinski, der Übersetzer des neuesten Kinky-Friedman-Romans „Der Gefangene der Vandam Street“, schrieb mir eine Mail zu meiner Besprechung des Romans, die ich euch nicht vorenthalten will. Denn die von ihm erwähnten Punkte eröffnen einen anderen Blick auf den Roman (und lassen mich über die Frage nachdenken, wie Serienhelden altern können):

Der Gefangene ist ein gutes Buch, sehr gut konstruiert und durchgearbeitet – aber natürlich anders als die frühen Kinkys.

Es geht um Alter, Krankheit, angewiesen sein auf andere. Und zwar von Anfang an. Schwerhörigkeit bei McGovern (die durch ein Hörgerät zu beheben wäre), Krankheit (natürlich kinkytypisch die erfundene, überzogene Malaria), Krankenhaus, Rollstuhl, Umgang mit Rollstuhlfahrern.

Dann in der Wohnung. Allein und auf andere angewiesen. Die alten Kumpel und Chaoten sind aber auch alt geworden, kriegen nicht mehr viel auf die Reihe, sind genervt voneinander und vertragen ihre Drogen auch nicht mehr so richtig. Was früher noch locker und witzig war, ist jetzt ein ziemliches Elend. Nach einer durchzechten Nacht sind die eben nicht mehr leicht verkatert, sondern sie liegen schlaff im Hauseingang rum. Und die Witze …(Katzenscheiße) sind auch nicht mehr so komisch wie früher, als alle mitgekifft haben.

Der Krimi: Der alte, kranke Kinky kann nicht raus. Die anderen glauben dem alten kranken Knacker nicht (der ja auch früher noch Drogen genommen hat). Die kleine Welt um ihn herum wird chaotisch und unangenehm, mit dem Fernglas ist auch nicht viel zu sehen. Kinky flüchtet sich in melancholische Erinnerungen an bessere Jugendtage mit Eltern, Kolibris, etc, und seine alte große Liebe.

Dann sieht er was. Sehr konsequent „Häusliche Gewalt“. Er will eingreifen, kann aber nicht. Er schickt andere, die können und oder wollen auch nicht mehr wie früher. Die Polizei ist von wirren Alten sowieso genervt, außerdem sei häusliche Gewalt alltäglich und ja nicht so schlimm. Dass gerade der hilflose auf Hilfe im Haus angewiesene Kinky sich mit häuslicher Gewalt beschäftigt ist auch nur folgerichtig.

Auch der Freund von außen (der noch nicht von dem älter werdenden Kinky genervt ist) reagiert nur für kurze Zeit wirklich wohlwollend. Irgendwann muss er auch wieder weg.

Am Ende kann unser Held das Opfer nicht retten, weil er nicht mehr die Kraft dazu hat. Und auch weil das Opfer ihn nicht ernst nimmt. Dem jungen, vor Energie sprühenden Kinky wäre das nicht passiert. So ist es nur folgerichtig. Erst Wochen (Monate?) später erkennt er, dass er tatsächlich recht hatte, aber auch da will es in der schnelllebigen, für junge Menschen gebaute Stadt keiner mehr wissen.

So, und wenn man das vor der Folie der alten Kinkys liest, ist es ein längst nicht mehr so witziges Buch, das andere Themen als die frühen behandelt und einen ganz anderen Charakter hat, aber gewiss nicht schlecht ist. Kinky kämpft immer noch für Außenseiter – aber eben für andere.

Alle trauern den alten Kinky-Krimis nach, es wäre aber ja noch schöner, wenn Kinky sich nach 20 Jahren nicht verändert hätte. Das Alterswerk (sogar mit ironischem Metadiskurs, ob es denn „literarischer“ wäre – auch das gehört dazu), ist erst einmal anders. Und das müsstest du als Kritiker ernst nehmen. Wenn das dann erst einmal benannt ist – und der Roman nicht nur als schlecht und „früher war er besser“ tituliert wurde – kann man darüber sprechen, ob es wirklich gelungen ist (ich finde das schon) und was einem besser gefällt. Mein Hauptkritikpunkt wäre dann, dass man die alten Kinkys als Folie braucht, um diesen so richtig genießen zu können.Aber mit dieser Folie wird das Ganze dann auch wieder komisch.

Das Problem liegt aber immer noch darin, dass Kinkys Romane eben nicht wie Literatur oder „anspruchsvolle Krimis“ behandelt werden, sondern sich alle leichte, lockere Unterhaltung davon versprechen und sich ärgern, wenn diese Erwartungshaltung nicht erfüllt wird.


Meine Tops und Flops 2008

Januar 23, 2009

Sie wurden lange angekündigt und sind jetzt (wunderschön bebildert) online bei den Alligatorpapieren.

Und ich bereite schon die nächste Spurensuche vor. In ihr werden mehrere Sammlungen von Kurzgeschichten und Kurzromane (Novellen? Längere Kurzgeschichten? Hmhm.) vorgestellt.


Hard Boiled – Ein altes Werk von Frank Miller

Januar 20, 2009

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Eine richtige Geschichte hat „Hard Boiled“ von Texter Frank Miller und Zeichner Geof Darrow nicht und jede Zusammenfassung des Plots enthüllt wichtige Details der Handlung. Allein schon der Hinweis, dass „Hard Boiled“ unübersehbar von Philip K. Dick inspiriert ist, verrät neben dem Thema auch schon fast das ironische Ende der dreiteiligen Miniserie „Hard Boiled“. Denn der Held der Geschichte lebt in verschiedenen Welten. In der einen ist er ein ganz gewöhnlicher, stockbiederer in der verschlafenen Vorstadt lebender Versicherungsermittler mit Haus, Frau und Kindern. In der anderen ist er der knallharte Steuereintreiber Nixon, bei dessen Einsätzen Kollateralschäden in dreistelliger Höhe zu verzeichnen sind. Nicht Sachschäden, sondern Menschen, die im Kugelhagel zwischen Nixon und dem Objekt seiner Begierde stehen. Die Sachschäden, wie zerstörte Einkaufszentren und ganze Straßenschluchten, sind da noch nicht erwähnt, werden aber klaglos von seinen Vorgesetzten aus der Portokasse bezahlt.

Dass ein normaler Mensch dabei selbst sterben würde ist offensichtlich. Aber Nixon ist kein Mensch, sondern ein Roboter in Menschengestalt, der andere Roboter jagt, nach den Einsätzen wieder zusammengeflickt wird und gleichzeitig in einer ihm von seinem Hersteller einprogrammierten Scheinwelt lebt. Manchmal kollidieren diese Welten miteinander.

Und jetzt sind wir wieder bei dem kultisch verehrtem Philip K. Dick. Bei Robotern mit falschen Erinnerungen dürften viele, wenn sein Name fällt, an „Blade Runner“ denken. Aber auch „Total Recall“ (der Action-Kracher basiert auf Dicks Kurzgeschichte „We Can Remember It For You Wholesale“) böte sich an. Oder, wenn es um den Sprung von einer Welt in eine andere geht, sein mit dem John-W.Campbell-Memorial-Award ausgezeichneter Parallelwelt-Roman „Eine andere Welt“ (Flow my tears, the policeman said, 1974). Sowieso sind in den Romanen und Kurzgeschichten von Philip K. Dick die Helden oft unsicher, welche Wirklichkeit denn nun die wirkliche Wirklichkeit ist und, damit verbunden, die Frage, wer sie sind. Autor Miller und Zeichner Darrow übertrugen diese Frage in einen hyperbrutalen, von Philip K. Dick inspirierten Comic, der vor allem mit liebevoll ausgemalten Action-Szenen glänzt. In den großflächigen, öfters sogar zweiseitigen Bildern sind eine unglaubliche Zahl an Details zu erkennen. Das erinnert öfters an die detailverliebten Zeichnungen von Moebius – und Geof Darrow arbeitete in den Achtzigern auch mit ihm zusammen. Später wurde Darrow der „Conceptual Designer“ für die „Matrix“-Filme.

Frank Miller war, als „Hard Boiled“ 1990 in den USA erschien, bereits mit „Batman: The Dark Knight Returns“ als Neuerfinder des Batman-Mythoses bekannt. Etwa zur gleichen Zeit schrieb er auch die ersten „Sin City“-Comics und, auch wenn seine Vision nicht umgesetzt wurde, Drehbücher für den zweiten und dritten „Robocop“-Film. Diese Arbeit floss auch in „Hard Boiled“ ein.

Gemeinsam schufen Miller und Darrow in dem mit dem Eisner-Award ausgezeichnetem Comic „Hard Boiled“ eine knallbunte Negativutopie, in der Roboter auf offener Straße sich erbittert bekämpfen und alles, was sich ihnen in den Weg stellt, vernichten. Das ist einerseits absolut primitiv und andererseits unglaublich witzig. Dass dabei die Kritik am American Way of Life höchstens noch in Details aufblitzt, ist, dank der Zeichnungen und knappen Dialoge, verschmerzbar. Denn in „Hard Boiled“ geht es vor allem darum, möglichst viel zu zerstören.

„Na los…komm her…drei Kugeln hab ich noch…“

Anmerkung

Öfters wird geschrieben, dass „Hard Boiled“ auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick basiere. Das kann ich nicht bestätigen. Wikipedia schreibt, dass „Hard Boiled“ von Dicks Kurzgeschichte „Die elektrische Ameise“ (The Electric Ant, 1969) inspiriert sei. In „Die elektrische Ameise“ entdeckt Firmenleiter Poole, dass er ein Roboter in Menschengestalt ist. Er beginnt an sich herumzuexperimentieren. Mit fatalen Folgen. Die Gemeinsamkeiten zwischen Dicks gruseliger Geschichte (Unbedingt lesen!) und Millers Comic sind bestenfalls marginal.

Frank Miller/Geof Darrow: Hard Boiled

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2008

128 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Hard Boiled

Dark Horse Comics, 1990/1992

Hinweise

Wikipedia über Frank Miller

Wikipedia über Geof Darrow

Homepage von Philip K. Dick

Übersetzer Stefan Pannor über „Hard Boiled“


Kinky Friedman hat Hausarrest

Januar 12, 2009

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Als vor über zwanzig Jahren das erste Kinky-Friedman-Abenteuer „Greenwich Killing Time“ erschien, war es etwas ganz neues. Denn der Held war gleichzeitig der Autor, und dieser verarbeitete große Teile seiner Biographie (seine Herkunft aus Texas, seine Karriere als respektloser Country-Musiker mit Hits wie „They ain’t making Jews like Jesus anymore“ und „Asshole from El Paso“, seine Freunde, seine quer zum Mainstream liegenden politischen Ansichten) in größtenteils fiktiven Detektivgeschichten, die vielleicht nicht immer den besten Plot, aber dafür immer sehr witzig waren. Später nutzten sich die Witze ab (der Totenkopf, die zwei gleichzeitig klingelnden Telefone) und die löchrigen Plots störten immer mehr die Lektüre. Kinky Friedman kandidierte für das Amt des Gouverneurs von Texas. Er besuchte sogar Deutschland, sein zweitliebstes Land nach allen anderen.

Auch das neue Abenteuer „Der Gefangene der Vandam Street“ des Kinkster ist, wie die vorherigen, mau. Nach einer Sauftour mit McGovern (dessen Gehör rapide nachlässt) landet Kinky im Krankenhaus. Er hat die tödlich verlaufende Form der Malaria. Nach einigen Tagen im Krankenhaus geht Kinky zurück in sein Apartment in der Vandam Street 199b. Der Arzt hat ihm strengste Bettruhe verordnet. Seine Freunde McGovern, Ratso, Brennan und Piers Akerman wollen ihren Freund pflegen, sind aber die meiste Zeit damit beschäftigt, die Wohnung zuzumüllen und sich zu betrinken.

Als Kinky eines Nachts im gegenüberliegenden Haus einen häuslichen Streit beobachtet, ruft er die Polizei. Doch die Polizisten finden die Wohnung nicht. Kinkys Freunde ermitteln halbherzig etwas herum. Denn sie glauben, dass Kinky einen weiteren Fieberanfall mit Wahnvorstellungen hatte.

Kinky beginnt, soweit es seine nicht vorhandenen Kräfte zulassen, selbst zu ermitteln.

Auf den ersten Blick klingt „Der Gefangene der Vandam Street“ nach der Kinky-Variante von „Das Fenster zum Hof“. Aber im Gegensatz zu Alfred Hitchcocks Film, blickt Kinky nicht auf einen belebten Hinterhof, sondern auf ein altes Lagerhaus und die Inspiration für Hitchcocks Film ist eine Kurzgeschichte von Cornell Woolrich, die für den Film zu einem Panorama des Lebens erweitert wurde. Ein solches Panorama gibt es in „Der Gefangene der Vandam Street“ nicht und der Plot in dem siebzehnten Kinky-Abenteuer taugt höchstens für eine Kurzgeschichte. Denn der Erzähler liegt größtenteils passiv und delirierend im Bett. Erst als Kent Perkins, ein befreundeter Privatdetektiv aus Kalifornien, in der zweiten Hälfte des Romans auftaucht, bekommen die Ermittlungen so etwas wie eine Struktur. Doch auch jetzt konzentriert Friedman sich vor allem auf das sich scheinbar endlos wiederholende Geblödel der Village Irregulars, die Kinkys Wohnung als fürsorgliche Pfleger besetzt halten und sich gegenseitig beleidigen. Das ist allerdings nur mäßig komisch. Auch dass McGovern immer wieder die Hälfte falsch versteht und Kinky immer wieder behauptet, dass diese oder jene Person aus Katzenscheiße bestehe, ist spätestens nach der dritten Wiederholung nicht mehr witzig.

„Der Gefangene der Vandam Street“ ist meilenweit von der Qualität der ersten Kinky-Friedman-Abenteuer entfernt und setzt den Trend der vorherigen Kinky-Romane nach unten fort.

Kinky Friedman: Der Gefangene der Vandam Street

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, 2008

240 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

The Prisoner of Vandam Street

Simon & Schuster, 2004

Hinweise

Homepage von Kinky Friedman

Evolver über Kinky Friedman (6. November 2006)

Thrilling Detective über Kinky Friedman

Krimi-Couch über Kinky Friedman

Nachtrag (23. Januar 2009): Gunnar Kwisinski über das Buch


Zwei Rebus-Nebenwerke von Ian Rankin

Januar 9, 2009

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Nach der Lektüre der inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegenden Rebus-Romane von Ian Rankin gibt es für den Fan nur noch die kurzen Auftritte des Detective Inspector aus Edinburgh. Vor allem für ihn ist Ian Rankins „Rebus’s Scotland“ ein inspirierendes Buch. Bei der Kurzgeschichtensammlung „Eindeutig Mord“ können auch Rebus-Novizen und Fans spannender Kurzgeschichten bedenkenlos zuschlagen. Denn in diesen zwölf, in den frühen Neunzigern entstandenen, Geschichten löst Rebus mehrere Morde und wird auch in einige andere Fälle verwickelt. Insofern ist der deutsche Titel etwas irreführend.

Nach den ersten beiden Rebus-Romanen probierte Rankin in den im Original bereits 1992 publizierten Kurzgeschichten seinen Charakter in verschiedenen Situationen aus. So erleben wir einen nicht ganz typischen, arbeitsfreien „Sonntag“ mit John Rebus. Er verfolgt in „Not Provan“ den Schläger Willie Provan, der dank eines falschen Alibis wahrscheinlich wieder freigesprochen wird. In „Frank und frei“ hilft ihm ein verrückter Obdachloser dank seiner Beobachtungen einige Verbrecher zu verhaften. In „Monströse Trompete“ soll er dem französischen Kollegen Cluzeau die Stadt zeigen. Vor der Stadtführung klären sie den Diebstahl einer Bronzeplastik auf. Bei den Mordermittlungen ist John Rebus dann auf vertrautem Gelände. In „Playback“ kann er nachweisen, wie der Mörder mit damals moderner Technik (wir reden hier von der Vor-Handy-Zeit) sein Alibi fälschte. In „Gut gehängt“ bietet das jährliche Fringe-Festspiel den Hintergrund für einen Mord im Theatermilieu. In „Auld Lang Syne“ ist es die Silvesternacht auf der Tron. „Der Fluch des Hauses Dean“ erzählt von einer ähnlich verfluchten Familie wie die Dain-Familie bei Dashiell Hammett. Sowieso sind die meisten Titel bei Ian Rankin literarische und popkulturelle Anspielungen. Bei den Rebus-Romanen nahm er oft Liedtitel.

„Eindeutig Mord“ ist ein feines Buch mit zwölf spannenden Kurzgeschichten, die das kriminalliterarische Feld vom Rätselkrimi über komödienhafte Stücke bis hin zu Thrillern beschreitet. Öfters sogar innerhalb einer Geschichte.

Ebenfalls ein feines Buch ist „Rebus’s Scotland – A Personal Journey“. In ihm erzählt Ian Rankin von sich, wie er Rebus erfand, wie viel von ihm in John Rebus steckt und wie die Rebus-Romane zu einer Chronologie von Edinburgh und Schottland wurden. Ergänzt wird der Text durch die atmosphärischen Schwarz-Weiß-Bilder von Tricia Malley und Ross Gillespie, deren Aufnahmen inzwischen auch auf den englischen Ausgaben der Rankin-Romane sind. „Rebus’s Scotland“ ist vor allem ein Buch für langjährige Ian-Rankin-Leser, die jetzt mehr über den Autor und seinen Seriencharakter John Rebus erfahren wollen.

Ian Rankin: Rebus’s Scotland – A Personal Journey

(Photographed by Tricia Malley and Ross Gillespie)

Orion, 2005

160 Seiten (+ 64 Seiten Fotografien)

20,00 Pfund (gebundene Ausgabe)

7,99 Pfund (Taschenbuch-Ausgabe)

Ian Rankin: Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus

(übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini)

Goldmann, 2008

320 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

A Good Hanging

Century, London, 1992

Enthält

Playback (Playback)

Der Fluch des Hauses Dean (The Dean Curse)

Frank und frei (Being Frank)

Eine Leiche im Keller (Concrete Evidence)

Ansichtssachen (Seeing Things)

Gut gehängt (A good Hanging)

Von Meisen und Menschen (Tit for Tat)

Not Provan (Not Provan)

Sonntag (Sunday)

Auld Lang Syne (Auld Lang Syne)

Der Gentlemen’s Club (The Gentlemen’s Club)

Monströse Trompete (Montrous Trumpet)

Hinweise

Homepage von Tricia Malley und Ross Gillespie

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)


Enttäuschender Western von Brian Azzarello

Januar 7, 2009

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Mit “Jonny Double” und “100 Bullets” erschrieb Brian Azzarello sich bei den Fans von harten Noir-Crime-Comics einen guten Namen. In beiden Fällen wurden die Geschichten von Eduardo Risso gezeichnet. Für den Western „Loveless“ übernahm Marcelo Frusin, ein ehemaliger Assistent von Risso, diese Arbeit. Entsprechend gespannt war ich auf den dem ersten „Loveless“-Band „Blutrache“ – und war beim ersten Lesen enttäuscht. Denn „Loveless“, so das Fazit nach der ersten Lektüre, ist ein konfuses Werk, das auch nach den in „Blutrache“ zusammengefassten ersten fünf „Loveless“-Heften immer noch mit dem Set-Up beschäftigt ist.

Auch nach der zweiten Lektüre krankt „Blutrache“ immer noch an der nicht vorhandenen Geschichte. Zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs kehrt Wes Cutter in seine Südstaaten-Heimat zurück. Aber der Frieden hat Blackwater noch lange nicht erreicht. Die Nordstaatler versuchen erfolglos mit ihren Soldaten das Gesetz durchzusetzen. Südstaatler, die die Niederlage nicht akzeptieren wollen, haben sich in die Wälder zurückgezogen und ziehen als Vigilanten durch das Land. Für die befreiten Neger hat sich auch nichts geändert. Sie schuften immer noch auf den Feldern, die ihnen nicht gehören, und werden ohne Gerichtsverhandlung gehängt.

Aber Cutter ist nicht zurückgekehrt, um sein früheres Leben als Farmer wieder aufzunehmen. Er will sich an den Einwohnern von Blackwater rächen. Wofür ist auch nach 130 Seiten noch sehr unklar. Aber bis dahin hat er einige Süd- und Nordstaatler umgebracht. Seine Begleiterin Ruth (die sich als Mann verkleidet hat) hat ebenfalls einige Morde begangen und der unehrenhaft aus der Armee entlassene Afroamerikaner Atticus wird sicher auch für Probleme sorgen.

Am Ende von „Blutrache“ hat Wes Cutter, weil er sich so besser rächen kann, den Job als neuer Sheriff von Blackwater angenommen.

Bis dahin springt die Geschichte, ohne einen wirklich erkennbaren Rhythmus (was allerdings auch ein Kennzeichen von Flashbacks ist) zwischen Gegenwart und Vergangenheit und verschiedenen Erzählsträngen hin und her. Manchmal wird das gut gelöst. Dann werden Vergangenheit und Gegenwart, nur durch verschiedene Farbtöne differenziert, in einem Bild lebendig. Manchmal wird von einer Seite auf die nächste, von einem Bild zum nächsten, auch die Zeit gewechselt, ohne dass dieser Wechsel deutlich wird. Einige Puzzlestücke fügen sich beim zweiten Lesen in eine rudimentäre Chronologie. Andere nicht. Störend beim Lesen ist auch, dass einige Charaktere sich sehr ähnlich sehen; – was mit dem Wechseln von der Gegenwart in die Vergangenheit natürlich potenziert wird. Ist der Charakter jetzt tot? Ist es ein ähnlich aussehender Charakter? Ist es eine Rückblende mit dem in der Gegenwart gestorbenen Charakter? Und einige Fragen (besonders zu Ruth, der Beziehung zwischen Wes Cutter und seinem Bruder und was Cutter in Blackwater will) bleiben unklar.

Interessant ist aber, wie prägnant Azzarello und Frusin die Folgen des Bürgerkriegs thematisieren. Das Grundgerüst der Geschichte und die opernhafte Inszenierung erinnern natürlich an die Italowestern von Sergio Leone. Doch Azzarello/Frusin erzählen „Loveless“ als düsteres Drama, bei dem alle Charaktere in verschiedenen Graden schuldig und Gefangene der gesellschaftlichen Konventionen sind.

Nach der zweiten Lektüre ist der erste „Loveless“-Band „Blutrache“ nicht so schlecht. Er hat seine Momente. Er hat gute Episoden. Aber auch nach fünf Heften ist außer der Einführung der verschiedenen Charaktere, gut zwei Dutzend Toter und einer Vergewaltigung noch nichts passiert.

In den USA wurde „Loveless“ nach 24 Heften eingestellt. Sie erschienen gesammelt in zwei weiteren „Loveless“-Bänden, die demnächst auch auf Deutsch erscheinen sollen.

Brian Azzarello/Marcello Frusin: Loveless 1 – Blutrache

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2008

132 Seiten

14,95 Euro

Originaltitel

Loveless: A Kin’ of Homecoming

Vertigo/DC Comics, 2006

Enthält

Loveless 1 – 5, Vertigo/DC Comics 2005/2006

Hinweise

News A Rama: Interview mit Brian Azzarello (Oktober 2006)

UGO: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006)

Comics Bulletin: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006/2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)


Besprechung von John le Carrés „Marionetten“ online

Januar 6, 2009

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In der Berliner Literaturkritik kann meine Besprechung von John le Carrés neuestem Roman „Marionetten“ (A most wanted man, 2008) gelesen werden.  Es ist sicher nicht sein bester Roman, aber für mich ist es sein bester Roman seit vielen, vielen Jahren.