Hard Boiled – Ein altes Werk von Frank Miller

Januar 20, 2009

miller-darrow-hard-boiled

Eine richtige Geschichte hat „Hard Boiled“ von Texter Frank Miller und Zeichner Geof Darrow nicht und jede Zusammenfassung des Plots enthüllt wichtige Details der Handlung. Allein schon der Hinweis, dass „Hard Boiled“ unübersehbar von Philip K. Dick inspiriert ist, verrät neben dem Thema auch schon fast das ironische Ende der dreiteiligen Miniserie „Hard Boiled“. Denn der Held der Geschichte lebt in verschiedenen Welten. In der einen ist er ein ganz gewöhnlicher, stockbiederer in der verschlafenen Vorstadt lebender Versicherungsermittler mit Haus, Frau und Kindern. In der anderen ist er der knallharte Steuereintreiber Nixon, bei dessen Einsätzen Kollateralschäden in dreistelliger Höhe zu verzeichnen sind. Nicht Sachschäden, sondern Menschen, die im Kugelhagel zwischen Nixon und dem Objekt seiner Begierde stehen. Die Sachschäden, wie zerstörte Einkaufszentren und ganze Straßenschluchten, sind da noch nicht erwähnt, werden aber klaglos von seinen Vorgesetzten aus der Portokasse bezahlt.

Dass ein normaler Mensch dabei selbst sterben würde ist offensichtlich. Aber Nixon ist kein Mensch, sondern ein Roboter in Menschengestalt, der andere Roboter jagt, nach den Einsätzen wieder zusammengeflickt wird und gleichzeitig in einer ihm von seinem Hersteller einprogrammierten Scheinwelt lebt. Manchmal kollidieren diese Welten miteinander.

Und jetzt sind wir wieder bei dem kultisch verehrtem Philip K. Dick. Bei Robotern mit falschen Erinnerungen dürften viele, wenn sein Name fällt, an „Blade Runner“ denken. Aber auch „Total Recall“ (der Action-Kracher basiert auf Dicks Kurzgeschichte „We Can Remember It For You Wholesale“) böte sich an. Oder, wenn es um den Sprung von einer Welt in eine andere geht, sein mit dem John-W.Campbell-Memorial-Award ausgezeichneter Parallelwelt-Roman „Eine andere Welt“ (Flow my tears, the policeman said, 1974). Sowieso sind in den Romanen und Kurzgeschichten von Philip K. Dick die Helden oft unsicher, welche Wirklichkeit denn nun die wirkliche Wirklichkeit ist und, damit verbunden, die Frage, wer sie sind. Autor Miller und Zeichner Darrow übertrugen diese Frage in einen hyperbrutalen, von Philip K. Dick inspirierten Comic, der vor allem mit liebevoll ausgemalten Action-Szenen glänzt. In den großflächigen, öfters sogar zweiseitigen Bildern sind eine unglaubliche Zahl an Details zu erkennen. Das erinnert öfters an die detailverliebten Zeichnungen von Moebius – und Geof Darrow arbeitete in den Achtzigern auch mit ihm zusammen. Später wurde Darrow der „Conceptual Designer“ für die „Matrix“-Filme.

Frank Miller war, als „Hard Boiled“ 1990 in den USA erschien, bereits mit „Batman: The Dark Knight Returns“ als Neuerfinder des Batman-Mythoses bekannt. Etwa zur gleichen Zeit schrieb er auch die ersten „Sin City“-Comics und, auch wenn seine Vision nicht umgesetzt wurde, Drehbücher für den zweiten und dritten „Robocop“-Film. Diese Arbeit floss auch in „Hard Boiled“ ein.

Gemeinsam schufen Miller und Darrow in dem mit dem Eisner-Award ausgezeichnetem Comic „Hard Boiled“ eine knallbunte Negativutopie, in der Roboter auf offener Straße sich erbittert bekämpfen und alles, was sich ihnen in den Weg stellt, vernichten. Das ist einerseits absolut primitiv und andererseits unglaublich witzig. Dass dabei die Kritik am American Way of Life höchstens noch in Details aufblitzt, ist, dank der Zeichnungen und knappen Dialoge, verschmerzbar. Denn in „Hard Boiled“ geht es vor allem darum, möglichst viel zu zerstören.

„Na los…komm her…drei Kugeln hab ich noch…“

Anmerkung

Öfters wird geschrieben, dass „Hard Boiled“ auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick basiere. Das kann ich nicht bestätigen. Wikipedia schreibt, dass „Hard Boiled“ von Dicks Kurzgeschichte „Die elektrische Ameise“ (The Electric Ant, 1969) inspiriert sei. In „Die elektrische Ameise“ entdeckt Firmenleiter Poole, dass er ein Roboter in Menschengestalt ist. Er beginnt an sich herumzuexperimentieren. Mit fatalen Folgen. Die Gemeinsamkeiten zwischen Dicks gruseliger Geschichte (Unbedingt lesen!) und Millers Comic sind bestenfalls marginal.

Frank Miller/Geof Darrow: Hard Boiled

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2008

128 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Hard Boiled

Dark Horse Comics, 1990/1992

Hinweise

Wikipedia über Frank Miller

Wikipedia über Geof Darrow

Homepage von Philip K. Dick

Übersetzer Stefan Pannor über „Hard Boiled“


Kinky Friedman hat Hausarrest

Januar 12, 2009

friedman-der-gefangene-der-vandam-street

Als vor über zwanzig Jahren das erste Kinky-Friedman-Abenteuer „Greenwich Killing Time“ erschien, war es etwas ganz neues. Denn der Held war gleichzeitig der Autor, und dieser verarbeitete große Teile seiner Biographie (seine Herkunft aus Texas, seine Karriere als respektloser Country-Musiker mit Hits wie „They ain’t making Jews like Jesus anymore“ und „Asshole from El Paso“, seine Freunde, seine quer zum Mainstream liegenden politischen Ansichten) in größtenteils fiktiven Detektivgeschichten, die vielleicht nicht immer den besten Plot, aber dafür immer sehr witzig waren. Später nutzten sich die Witze ab (der Totenkopf, die zwei gleichzeitig klingelnden Telefone) und die löchrigen Plots störten immer mehr die Lektüre. Kinky Friedman kandidierte für das Amt des Gouverneurs von Texas. Er besuchte sogar Deutschland, sein zweitliebstes Land nach allen anderen.

Auch das neue Abenteuer „Der Gefangene der Vandam Street“ des Kinkster ist, wie die vorherigen, mau. Nach einer Sauftour mit McGovern (dessen Gehör rapide nachlässt) landet Kinky im Krankenhaus. Er hat die tödlich verlaufende Form der Malaria. Nach einigen Tagen im Krankenhaus geht Kinky zurück in sein Apartment in der Vandam Street 199b. Der Arzt hat ihm strengste Bettruhe verordnet. Seine Freunde McGovern, Ratso, Brennan und Piers Akerman wollen ihren Freund pflegen, sind aber die meiste Zeit damit beschäftigt, die Wohnung zuzumüllen und sich zu betrinken.

Als Kinky eines Nachts im gegenüberliegenden Haus einen häuslichen Streit beobachtet, ruft er die Polizei. Doch die Polizisten finden die Wohnung nicht. Kinkys Freunde ermitteln halbherzig etwas herum. Denn sie glauben, dass Kinky einen weiteren Fieberanfall mit Wahnvorstellungen hatte.

Kinky beginnt, soweit es seine nicht vorhandenen Kräfte zulassen, selbst zu ermitteln.

Auf den ersten Blick klingt „Der Gefangene der Vandam Street“ nach der Kinky-Variante von „Das Fenster zum Hof“. Aber im Gegensatz zu Alfred Hitchcocks Film, blickt Kinky nicht auf einen belebten Hinterhof, sondern auf ein altes Lagerhaus und die Inspiration für Hitchcocks Film ist eine Kurzgeschichte von Cornell Woolrich, die für den Film zu einem Panorama des Lebens erweitert wurde. Ein solches Panorama gibt es in „Der Gefangene der Vandam Street“ nicht und der Plot in dem siebzehnten Kinky-Abenteuer taugt höchstens für eine Kurzgeschichte. Denn der Erzähler liegt größtenteils passiv und delirierend im Bett. Erst als Kent Perkins, ein befreundeter Privatdetektiv aus Kalifornien, in der zweiten Hälfte des Romans auftaucht, bekommen die Ermittlungen so etwas wie eine Struktur. Doch auch jetzt konzentriert Friedman sich vor allem auf das sich scheinbar endlos wiederholende Geblödel der Village Irregulars, die Kinkys Wohnung als fürsorgliche Pfleger besetzt halten und sich gegenseitig beleidigen. Das ist allerdings nur mäßig komisch. Auch dass McGovern immer wieder die Hälfte falsch versteht und Kinky immer wieder behauptet, dass diese oder jene Person aus Katzenscheiße bestehe, ist spätestens nach der dritten Wiederholung nicht mehr witzig.

„Der Gefangene der Vandam Street“ ist meilenweit von der Qualität der ersten Kinky-Friedman-Abenteuer entfernt und setzt den Trend der vorherigen Kinky-Romane nach unten fort.

Kinky Friedman: Der Gefangene der Vandam Street

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, 2008

240 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

The Prisoner of Vandam Street

Simon & Schuster, 2004

Hinweise

Homepage von Kinky Friedman

Evolver über Kinky Friedman (6. November 2006)

Thrilling Detective über Kinky Friedman

Krimi-Couch über Kinky Friedman

Nachtrag (23. Januar 2009): Gunnar Kwisinski über das Buch


Zwei Rebus-Nebenwerke von Ian Rankin

Januar 9, 2009

rankin-eindeutig-mordrankin-rebus-scotland

Nach der Lektüre der inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegenden Rebus-Romane von Ian Rankin gibt es für den Fan nur noch die kurzen Auftritte des Detective Inspector aus Edinburgh. Vor allem für ihn ist Ian Rankins „Rebus’s Scotland“ ein inspirierendes Buch. Bei der Kurzgeschichtensammlung „Eindeutig Mord“ können auch Rebus-Novizen und Fans spannender Kurzgeschichten bedenkenlos zuschlagen. Denn in diesen zwölf, in den frühen Neunzigern entstandenen, Geschichten löst Rebus mehrere Morde und wird auch in einige andere Fälle verwickelt. Insofern ist der deutsche Titel etwas irreführend.

Nach den ersten beiden Rebus-Romanen probierte Rankin in den im Original bereits 1992 publizierten Kurzgeschichten seinen Charakter in verschiedenen Situationen aus. So erleben wir einen nicht ganz typischen, arbeitsfreien „Sonntag“ mit John Rebus. Er verfolgt in „Not Provan“ den Schläger Willie Provan, der dank eines falschen Alibis wahrscheinlich wieder freigesprochen wird. In „Frank und frei“ hilft ihm ein verrückter Obdachloser dank seiner Beobachtungen einige Verbrecher zu verhaften. In „Monströse Trompete“ soll er dem französischen Kollegen Cluzeau die Stadt zeigen. Vor der Stadtführung klären sie den Diebstahl einer Bronzeplastik auf. Bei den Mordermittlungen ist John Rebus dann auf vertrautem Gelände. In „Playback“ kann er nachweisen, wie der Mörder mit damals moderner Technik (wir reden hier von der Vor-Handy-Zeit) sein Alibi fälschte. In „Gut gehängt“ bietet das jährliche Fringe-Festspiel den Hintergrund für einen Mord im Theatermilieu. In „Auld Lang Syne“ ist es die Silvesternacht auf der Tron. „Der Fluch des Hauses Dean“ erzählt von einer ähnlich verfluchten Familie wie die Dain-Familie bei Dashiell Hammett. Sowieso sind die meisten Titel bei Ian Rankin literarische und popkulturelle Anspielungen. Bei den Rebus-Romanen nahm er oft Liedtitel.

„Eindeutig Mord“ ist ein feines Buch mit zwölf spannenden Kurzgeschichten, die das kriminalliterarische Feld vom Rätselkrimi über komödienhafte Stücke bis hin zu Thrillern beschreitet. Öfters sogar innerhalb einer Geschichte.

Ebenfalls ein feines Buch ist „Rebus’s Scotland – A Personal Journey“. In ihm erzählt Ian Rankin von sich, wie er Rebus erfand, wie viel von ihm in John Rebus steckt und wie die Rebus-Romane zu einer Chronologie von Edinburgh und Schottland wurden. Ergänzt wird der Text durch die atmosphärischen Schwarz-Weiß-Bilder von Tricia Malley und Ross Gillespie, deren Aufnahmen inzwischen auch auf den englischen Ausgaben der Rankin-Romane sind. „Rebus’s Scotland“ ist vor allem ein Buch für langjährige Ian-Rankin-Leser, die jetzt mehr über den Autor und seinen Seriencharakter John Rebus erfahren wollen.

Ian Rankin: Rebus’s Scotland – A Personal Journey

(Photographed by Tricia Malley and Ross Gillespie)

Orion, 2005

160 Seiten (+ 64 Seiten Fotografien)

20,00 Pfund (gebundene Ausgabe)

7,99 Pfund (Taschenbuch-Ausgabe)

Ian Rankin: Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus

(übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini)

Goldmann, 2008

320 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

A Good Hanging

Century, London, 1992

Enthält

Playback (Playback)

Der Fluch des Hauses Dean (The Dean Curse)

Frank und frei (Being Frank)

Eine Leiche im Keller (Concrete Evidence)

Ansichtssachen (Seeing Things)

Gut gehängt (A good Hanging)

Von Meisen und Menschen (Tit for Tat)

Not Provan (Not Provan)

Sonntag (Sunday)

Auld Lang Syne (Auld Lang Syne)

Der Gentlemen’s Club (The Gentlemen’s Club)

Monströse Trompete (Montrous Trumpet)

Hinweise

Homepage von Tricia Malley und Ross Gillespie

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)


Enttäuschender Western von Brian Azzarello

Januar 7, 2009

azzarello-frusin-loveless-1

Mit “Jonny Double” und “100 Bullets” erschrieb Brian Azzarello sich bei den Fans von harten Noir-Crime-Comics einen guten Namen. In beiden Fällen wurden die Geschichten von Eduardo Risso gezeichnet. Für den Western „Loveless“ übernahm Marcelo Frusin, ein ehemaliger Assistent von Risso, diese Arbeit. Entsprechend gespannt war ich auf den dem ersten „Loveless“-Band „Blutrache“ – und war beim ersten Lesen enttäuscht. Denn „Loveless“, so das Fazit nach der ersten Lektüre, ist ein konfuses Werk, das auch nach den in „Blutrache“ zusammengefassten ersten fünf „Loveless“-Heften immer noch mit dem Set-Up beschäftigt ist.

Auch nach der zweiten Lektüre krankt „Blutrache“ immer noch an der nicht vorhandenen Geschichte. Zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs kehrt Wes Cutter in seine Südstaaten-Heimat zurück. Aber der Frieden hat Blackwater noch lange nicht erreicht. Die Nordstaatler versuchen erfolglos mit ihren Soldaten das Gesetz durchzusetzen. Südstaatler, die die Niederlage nicht akzeptieren wollen, haben sich in die Wälder zurückgezogen und ziehen als Vigilanten durch das Land. Für die befreiten Neger hat sich auch nichts geändert. Sie schuften immer noch auf den Feldern, die ihnen nicht gehören, und werden ohne Gerichtsverhandlung gehängt.

Aber Cutter ist nicht zurückgekehrt, um sein früheres Leben als Farmer wieder aufzunehmen. Er will sich an den Einwohnern von Blackwater rächen. Wofür ist auch nach 130 Seiten noch sehr unklar. Aber bis dahin hat er einige Süd- und Nordstaatler umgebracht. Seine Begleiterin Ruth (die sich als Mann verkleidet hat) hat ebenfalls einige Morde begangen und der unehrenhaft aus der Armee entlassene Afroamerikaner Atticus wird sicher auch für Probleme sorgen.

Am Ende von „Blutrache“ hat Wes Cutter, weil er sich so besser rächen kann, den Job als neuer Sheriff von Blackwater angenommen.

Bis dahin springt die Geschichte, ohne einen wirklich erkennbaren Rhythmus (was allerdings auch ein Kennzeichen von Flashbacks ist) zwischen Gegenwart und Vergangenheit und verschiedenen Erzählsträngen hin und her. Manchmal wird das gut gelöst. Dann werden Vergangenheit und Gegenwart, nur durch verschiedene Farbtöne differenziert, in einem Bild lebendig. Manchmal wird von einer Seite auf die nächste, von einem Bild zum nächsten, auch die Zeit gewechselt, ohne dass dieser Wechsel deutlich wird. Einige Puzzlestücke fügen sich beim zweiten Lesen in eine rudimentäre Chronologie. Andere nicht. Störend beim Lesen ist auch, dass einige Charaktere sich sehr ähnlich sehen; – was mit dem Wechseln von der Gegenwart in die Vergangenheit natürlich potenziert wird. Ist der Charakter jetzt tot? Ist es ein ähnlich aussehender Charakter? Ist es eine Rückblende mit dem in der Gegenwart gestorbenen Charakter? Und einige Fragen (besonders zu Ruth, der Beziehung zwischen Wes Cutter und seinem Bruder und was Cutter in Blackwater will) bleiben unklar.

Interessant ist aber, wie prägnant Azzarello und Frusin die Folgen des Bürgerkriegs thematisieren. Das Grundgerüst der Geschichte und die opernhafte Inszenierung erinnern natürlich an die Italowestern von Sergio Leone. Doch Azzarello/Frusin erzählen „Loveless“ als düsteres Drama, bei dem alle Charaktere in verschiedenen Graden schuldig und Gefangene der gesellschaftlichen Konventionen sind.

Nach der zweiten Lektüre ist der erste „Loveless“-Band „Blutrache“ nicht so schlecht. Er hat seine Momente. Er hat gute Episoden. Aber auch nach fünf Heften ist außer der Einführung der verschiedenen Charaktere, gut zwei Dutzend Toter und einer Vergewaltigung noch nichts passiert.

In den USA wurde „Loveless“ nach 24 Heften eingestellt. Sie erschienen gesammelt in zwei weiteren „Loveless“-Bänden, die demnächst auch auf Deutsch erscheinen sollen.

Brian Azzarello/Marcello Frusin: Loveless 1 – Blutrache

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2008

132 Seiten

14,95 Euro

Originaltitel

Loveless: A Kin’ of Homecoming

Vertigo/DC Comics, 2006

Enthält

Loveless 1 – 5, Vertigo/DC Comics 2005/2006

Hinweise

News A Rama: Interview mit Brian Azzarello (Oktober 2006)

UGO: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006)

Comics Bulletin: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006/2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)


Besprechung von John le Carrés „Marionetten“ online

Januar 6, 2009

le-carre-marionetten

In der Berliner Literaturkritik kann meine Besprechung von John le Carrés neuestem Roman „Marionetten“ (A most wanted man, 2008) gelesen werden.  Es ist sicher nicht sein bester Roman, aber für mich ist es sein bester Roman seit vielen, vielen Jahren.


Alter Scheiß? Michael Molsner – Rote Messe

Januar 5, 2009

molsner-rote-messe

Wie sich die Zeiten ändern. Als Michael Molsners „Rote Messe“ 1973 erschien, hatte es vor der Veröffentlichung bereits hinter den Kulissen Ärger gegeben. Molsners ursprünglicher Verlag rororo (mit dem legendären Lektor Richard K. Flesch) wollte das Buch nicht veröffentlichen. Flesch meinte, er werde keinen Roman mit einem Marxisten als Sympathieträger veröffentlichen. Molsner legte den Roman in die Schublade. Später erschien der Roman im S.-Fischer-Verlag und Molsners Schilderung der Provinz als Hort des Reaktionären traf den Nerv der Zeit.

Denn „Rote Messe“ ist ein paradigmatischer Soziokrimi, bei dem die Geschichte hinter der laut in die Welt hinausgebrüllten Botschaft und einigen literarischen Spielereien verschwindet. Die beiden Morde sind nur ein Vehikel für die Gesellschaftsanalyse aus dezidiert linker Perspektive, in der die Provinz als ein Ort voller verkappter Nazis, Rassisten und Anpasser geschildert wird. Damals wurde diese Analyse akzeptiert. Heute ist sie in ihrem einfachen Gut-Böse-Schema ermüdend plakativ.

Die Guten sind der Journalist Jakob Nestor, der bei der bürgerlichen Presse auch aus studentischer Sicht die Wahrheit schreibt, und Hermann Marwitz, der Führer einer Gruppe Studierender, die mit ihren Protestaktionen die Landwirtschaftsmesse in der baden-württembergischen Provinz stören wollen. Kurz vor der Messe wird der italienische Gastarbeiter Bracchi ermordet. Einige Kinder haben den die Stadt beherrschend Unternehmer August Tschaut bei der Tat heimlich beobachtet. Sie schweigen. Die Polizei ermittelt nicht gegen Tschaut.

Während der Messe, die von den Studis mit verschiedenen Aktionen zur titelgebenden „Roten Messe“ umfunktioniert wird, wird die von den Studierenden als Vorbild verehrte Journalistin Hanna Kahmm von einem wütendem Mob ermordet.

Die Bösen sind, nun, der gesamte Rest, aber vor allem die im Ort lebenden Spießer, die Polizei und die örtliche Tageszeitung (stellvertretend für die bürgerlichen Medien), die Nestor nach einem unbotmäßigen Artikel über die Messe nicht weiter beschäftigt.

Einige Wochen nach der Messe wird Nestor von einem befreundeten Polizisten eingeladen, ihn zu der Verhaftung von Bracchis Mörder zu begleiten. In den Stunden vor der Verhaftung liest Nestor eine von Marwitz geschriebene romanhafte Schilderung der Ereignisse der vergangenen Wochen. Diese Schilderung nimmt, mit kurzen Unterbrechungen in denen Nestor zu Wort kommt, den größten Teil des Romans ein.

„Rote Messe“ ist heute nur noch als Sittenbild einer längst vergangenen gesellschaftlichen Stimmung interessant. Es ist ein als Kriminalroman verkleideter Kommentar zur Gesellschaft. Das war das literarische Programm des Soziokrimis: Analyse und Kritik der Gesellschaft mit Hilfe eines populären Genres. Maj Sjöwall und Per Wahlöö hatte es mit der von Band zu Band immer politischer und zynischer werdenden zehnbändigen Polizeiromanserie um Martin Beck vorgemacht.

Aber die Beck-Romane funktionieren, wie die Verfilmung des Romans „Endstation für neun“ als „Massenmord in San Francisco“ zeigt, auch einfach als spannende Krimis. „Rote Messe“ funktioniert dagegen nur als einseitige Gesellschaftsanalyse. Es gibt keine Rätsel. Es gibt keine Ungewissheiten. Es gibt keinen Humor. Es gibt nur die absolute, selbstgerechte Gewissheit der beiden Erzähler Nestor (weniger) und Marwitz (mehr) über die Gesellschaft. „Rote Messe“ ist heute ähnlich verstaubt wie die Pamphlete der Studentenbewegung.

Und deshalb ist Molsners Frühwerk „Rote Messe“ als Bericht aus einer uns heute seltsam fremd erscheinenden Welt eine gute Wahl für die von Frank Göhre herausgegebenen „Kriminellen Sittengeschichte Deutschlands“.

Michael Molsner: Rote Messe

(mit einem Nachwort von Jürgen Alberts – Band 5 der „Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands“)

Edition Köln, 2008

240 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

S. Fischer Verlag, 1973

Hinweise

Homepage von Michael Molsner

Lexikon deutscher Kriminalautoren über Michael Molsner


Lesenswerte Essays für langjährige Krimifans

Dezember 30, 2008

wortche-das-morderische-neben-dem-leben

„Das Mörderische neben dem Leben“ ist die von Krimifans, die sich auch theoretisch mit dem Genre beschäftigen, langerwartete Sammlung von in den vergangenen fünfzehn Jahren verstreut in verschiedenen Zeitungen, Büchern und im Internet veröffentlichten Kritiken, Vorträgen und Essays von „Krimipapst“ Thomas Wörtche. Ergänzt werden die bekannten Texte durch einige bislang unveröffentlichte Texte, wozu vor allem das lesenswerte Vorwort, Wörtches Rückblick auf seine Zeit als Herausgeber der Krimireihe „metro“ des Unionsverlages und ein Text über Eric Ambler gehören. Wegen des langen Zeitraums, über den sich die Texte erstrecken, werden Konstanten in Wörtches Denken und seinem ästhetischem Programm, seiner Unterscheidung zwischen „Krimi“ (manchmal auch „Grimmi“) und „Kriminalliteratur“, deutlich. „Es ist also nur plausibel, Kriminalliteratur da zu vermuten, wo auch ästhetisch etwas bemerkenswert ist, wo also die verwendeten literarischen Mittel zum ‚Sinn’ oder der ‚Bedeutung’ eines Romans wesentlich beitragen. (…) Die beiden Komponenten Sprache und Wirklichkeit stehen in einem prekären Verhältnis: Die Sprache kann noch so kunstvoll sein, noch so raffiniert, ausgekocht und mit allen Wassern von Romantheorien gewaschen – wenn mit ihr etwas erzählt wird, was aus Gründen des Nicht-genau-Hinschauens, des Nicht-Wissens, des Falsch-Verstehens, des Nicht-Kennens von Sachverhalten, Topographien, Fakten etc. nicht hinreicht, dann zerplatzt die schöne Kunst wie eine Seifenblase, die bestenfalls noch hübsch schillert, normalerweise aber nur einen seifigen Nachgeschmack hinterlässt. Dann werden Texte plötzlich entsetzlich prätentiös.“ Und „Kriminalliteratur wird zum belanglosen oder auch bedenklichen ‚Grimmi’ dort, wo sie prätendiert, dass das Gute siegt, wo die Ordnung wieder hergestellt wird, die Monster ‚Serialkiller’ heißen, ‚das Böse’ psychopathisch ist, das Morden eine künstlerische Tätigkeit und das Aufklären ein Puzzlespiel.“

Es werden, allerdings eher beiläufig, einige Entwicklungen im Genre in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich. Die wichtigsten sind dabei das Ende der seit Jahrzehnten bekannten Krimireihen in den Neunzigern, der Aufstieg des Regiokrimis, der Sieg von Donna Leon und Henning Mankell an der Kasse und der Aufbau der metro-Reihe, die vor allem Autoren außerhalb der bekannten Regionen Deutschland-Skandinavien-USA präsentierte.

Das Namedropping in den Essays löst immer wieder ein beifälliges Nicken aus. Joseph Wambaugh (die Werke aus dem letzten Jahrhundert), Chester Himes, Jerry Oster, Jerome Charyn, Pieke Biermann, Jean-Patrick Manchette, Ross Thomas, Eric Ambler, Lawrence Block und George Simenon. Auch seine „15 begründete Vorlieben, international, in Büchern…“ erfreut die langjährigen Krimifans:

Thomas Adcock (geb. 1947): Hell’s Kitchen (Sea of Green, 1989 – nicht mehr erhältlich)

Robert W. Campbell (1927 – 2000): Asche (Juice, 1988 – nicht mehr erhältlich)

Liza Cody (geb. 1944): Schwesternkrieg (Monkey Wrench, 1994 – nicht mehr erhältlich)

Didier Daeninckx (geb. 1949)/Jacques Tardi (geb. 1946): Den Letzten beißen die Hunde Le Der des ders, 1997 – nicht mehr erhältlich)

Pablo de Santis (geb. 1963): Voltaires Kalligraph (El caligrafo de Voltaire, 2001 – Unionsverlag)

Garry Disher (geb. 1949): Drachenmann (The Dragon Man, 1999 – Unionsverlag)

Joe Gores (geb. 1931): 32 Cadillacs (32 Cadillacs, 1992 – nicht mehr erhältlich)

Imre Kertész (geb. 1929): Detektivgeschichte (Detektivtörténet, 1977/2001 – Rowohlt)

Robert Littell (geb. 1935): Die kalte Legende (Legends, 2005 – Fischer Verlag)

William Marshall (geb. 1944): Manila Bay (Manila Bay, 1986 – Unionsverlag, nicht mehr erhältlich)

Andreu Martin (geb. 1949): Die Stadt, das Messer und der Tod (El Hombre de la Navaja, 1993 – nicht mehr erhältlich)

James Sallis (geb. 1944): Driver (Drive, 2005 – Liebeskind)

Paco Ignacio Taibo II (geb. 1949): Vier Hände (Cuatro Manos, 1990 – Unionsverlag)

Luis Ferdinand Verissimo: Der Club der Engel (O Clube dos Anjos, 1998 – nicht mehr erhältlich)

Donald E. Westlake (geb. 1933): Der Freisteller (The Ax, 1997 – nicht mehr erhätlich)

Gerade jüngere Krimifans dürften spätestens jetzt ins Grübeln geraten. Von diesen fünfzehn Werken sind neun Werke nicht mehr erhältlich, andere Bücher der genannten Autoren oft ebenfalls nicht, das Durchschnittsalter ist deutlich über Sechzig, es ist nur eine Frau dabei und der Unionsverlag erhält bei den erhältlichen Büchern die meisten Nennungen. Diese Liste zeigt exemplarisch den Grund für das zunehmende Unwohlsein während der Lektüre von „Das Mörderische neben dem Leben“.

Insgesamt entsteht nämlich der Eindruck, dass in den vergangenen zehn Jahren, bis auf wenige Ausnahmen, nur Mist veröffentlicht wurde und dass alle jüngeren Autoren (sagen wir mal: unter sechzig Jahren) nur Mist schreiben oder nicht erwähnenswert sind. Kein Ian Rankin, kein Michael Connelly, kein George Pelecanos (den Wörtche nicht mag), kein Joe R. Lansdale, kein Jason Starr, kein Ken Bruen, kein John Harvey, keine Sara Paretsky, kein Thomas C. Cook, kein Peter Temple, kein Dennis Lehane, kein Charlie Huston, kein Mark Billingham, kein Jonathan Lethem – um nur einige Autoren (unabhängig von ihrem ästhetischem Programm, also ob Kriminalliteratur oder Grimmi) zu nennen, die in den vergangenen Jahren in der Krimiszene bei Lesern und Autoren sehr beliebt waren. Lee Child wird im Vorwort mit einem Satz erwähnt. Donna Leon, Ingrid Noll, die Skandinavier und die Serienkillerthriller werden immer mal wieder in einem Halbsatz abgewatscht.

Diese massive Schlagseite zugunsten nicht mehr erhältlicher Romane und Autoren kann, weil sie sich durch das gesamte Buch zieht, nicht damit erklärt werden, dass halt in einem Text aus dem Jahr 1995 auf 1995 erhältliche Autoren hingewiesen wird und es in erster Linie um die Argumentation des Autors gehe. Denn Wörtche wählte die Texte aus und, weil die meisten Bücher und Autoren nicht mehr erhältlich sind, müssen die Urteile von Wörtche einfach geglaubt werden. Eine schnelle Überprüfung ist meistens nicht möglich (Ein Stöbern in verschiedenen Antiquariaten ist dagegen eine langwierige Aufgabe und das Bestellen über Amazon-Marketplace und Abebooks immer etwas gefährlich.). Diese vom Autor aufgerichtete Barriere erschwert Interessierten unnötig die Lektüre. Da hilft auch Wörtches in dem Vorwort bescheiden formulierter Anspruch, dass „Das Mörderische neben dem Leben“ sich den Luxus gönne, „Kriminalliteratur und das Nachdenken über sie als zunächst einmal (allgemein-)konsensfreie Zone zu betreiben“, nicht. Denn dieser Luxus führt dazu, dass „Das Mörderische neben dem Leben“ vor allem ein Buch für bereits bekehrte Krimifans ist.

Neulinge dürften dagegen besser mit den „Krimijahrbüchern“ oder Barry Forshaws „The Rough Guide to Crime Fiction“ bedient sein. Denn für sie dürfte „Das Mörderische neben dem Leben“ ein obskurer Closed-Shop sein.

Thomas Wörtche: Das Mörderische neben dem Leben – Ein Wegbegleiter durch die Welt der Kriminalliteratur

Libelle, 2008

208 Seiten

19,90 Euro

Enthält

Kriminalliteratur tanzt, schwimmt und rudert auf vielerlei Grenzlinien – Ein Vorwort

TWs seltsame Rankings

Sprengfallen – Eric Ambler und die Poetik des Pragmatischen

Das Versagen der Kategorien – Über Georges Simenon

It Does Make Sense! Chester Himes und sein 20. Jahrhundert in den USA und Europa

Rätsel Ripley oder Ripley, revisted

Das Mörderische und das Komische

Kriminalliteratur, weltweit

The making of metro…

Krimis und Kriminalliteratur

Desaster as usual – Science-Fiction, Kriminalliteratur und eine ungeklärte Nachbarschaft

Die Verweigerung von Eindeutigkeit – Der argentinische Zeichner Albert Breccia und sein Beitrag zur Ästhetik des 20. Jahrhunderts

Gewalt im Reich der Töne – Ein unbequemes Radiofeuilleton mit Musik


Hinweis

Thomas Wörtche im Netz: Kaliber .38 und Titel-Magazin


Die Pechvögel 2008

Dezember 29, 2008

Welche Bücher wollte ich dieses Jahr unbedingt lesen und habe es bis heute aus verschiedenen Gründen nicht geschafft? Meistens lag es an der Länge (teils über 500, 600 Seiten), seltener verschwanden sie im Zu-Lesen-Stapel und einige sind erst vor wenigen Wochen erschienen, aber „Stichtag ist Stichtag“. Daher:

Martin Amis: Haus der Begegnungen (Ich sage nur „Gierig“ und „Pfeil der Zeit“.)

Iain Banks: Die Sphären

Brett Battles: Der Profi

Mark Billingham: Das Blut der Opfer

Robert Brack: Und das Meer gab seine Toten zurück (wird jetzt aber zusammen mit „Psychofieber“ gelesen)

Wolfgang Brenner: Bollinger und die Barbaren (wird jetzt aber zusammen mit „Honeckers Geliebte“ gelesen)

Glenn Chandler: Die Todeskarte

Donn Cortez: Closer (oder: Was hat der Junge vor seinen „CSI: Miami“-Romanen geschrieben?)

Pete Dexter: Paris Trout (Hardcovers passen so schlecht in die Jackentasche.)

Chuck Hogan: Endspiele

Charlie Huston: Killing Game

Simon Kernick: Gnadenlos

Michael Koryta: Tödliche Rechnung

Thor Kunkel: Kuhls Kosmos

Lynda La Plante: Die blutrote Dahlie

Hugh Laurie: Bockmist (Irgendwie ist das Buch immer wieder untergegangen. Dabei sind die ersten Zeilen grandios.)

David Lawrence: Tödliches Dunkel

Gayle Lynds: Spymaster

Stuart MacBride: Der erste Tropfen Blut

Michael Morley: Viper (wahrscheinlich kein gutes Buch, aber als Morley sein Debüt vorstellte, sagte ich, die Prämisse von „Viper“ klinge interessant: ein Serienkiller in der Mafia.)

Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

Scott Sigler: Infiziert

Peter Temple: Spur ins Nichts

Hunter S. Thompson: Angst und Schrecken im Wahlkampf

Martyn Waites: Der Gnadenthron


In der Kategorie „noch (?) nicht übersetzt“:

Sean Chercover: Big City, Bad Blood

James W. Hall: Magic City

Thomas Perry: Silence

Duane Swierczynski: Severance Package

Und noch mindestens ein Buch von James O. Born, Sean Doolittle, Tom Piccirilli, Richard Price und Max Allan Collins (zu produktiv für Einzelnennungen) und alle Hard-Case-Crime-Originalausgaben, die ich bis jetzt noch nicht gelesen habe.


Irgendwie Pech (und deshalb nicht in meiner Jahres-Top-Liste) hatten auch diese TV-Serien:

KDD – Kriminaldauerdienst (2. Staffel)

Kidnapped – 13 Tage Hoffnung

Sleeper Cell

Die Ausschnitte, die ich gesehen habe, haben mir gefallen, aber dann wurden die Serien auf die externe Festplatte ausgelagert und vergessen. Denn sie scheinen alle diese „Die nächste Folge will ich noch sehen“-Wirkung zu haben.


Wiederveröffentlichungen – Ein Trend?

Dezember 28, 2008

2008 wurden im Rückblick ungewöhnlich viele Kriminalromane, die lange nicht mehr erhältlich waren, wieder veröffentlicht; – teilweise in neuen Übersetzungen oder vom Autor überarbeitet und, manchmal, mit begleitenden Texten zum Werk und Autor.

Hier ist die, sicher unvollständige, Liste:

Lawrence Block: Abzocker

Robert Brack: Psychofieber

Pete Dexter: Paris Trout

Egon Eis: Duell im Dunkel

Frank Göhre: An einem heißen Sommertag

Uta-Maria Heim: Das Rattenprinzip

Emilie Heinrichs: Leibrenten (der erste Band der „Criminalbibliothek 1850 – 1933)

David Hewson: Epiphanias

Sam Jaun: Brandnacht

Dan Kavanagh: Duffy

-ky: Einer von uns beiden

Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge

Hugh Laurie: Bockmist

Hansjörg Martin: Kein Schnaps für Tamara

Rex Miller: Fettsack

Michael Molsner: Rote Messe

Helga Riedel: Einer muss tot

Irene Rodrian: Schlaf, Bübchen, Schlaf

Peter Robinson: Eine respektable Leiche

James Sallis: Deine Augen hat der Tod

Peter Schmidt: Die Regeln der Gewalt

Leonard Schrader: Der Yakuza

Ross Thomas: Teufels Küche

Ross Thomas: Am Rand der Welt

Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig

Donald E. Westlake: Mafiatod

Peter Zeindler: Feuerprobe


Schöner Bildband über das Kino des Grauens

Dezember 22, 2008

duncan-horror-cinema

„Horror ist das Gegenwärtige, die Vergegenwärtigung. Die Tatsache, der man ins Auge sehen muss. Der Mörder, der vor dir steht, mit gefletschten Zähnen und erhobenem Messer. Die tote Ehefrau am Boden. Das schlaffe Fleisch im Spiegel – das Kind, das hinter einem Ball herläuft und dabei den Lastwagen nicht wahrnimmt, den du kommen siehst. Horror ist die Wanze, die dir aus dem Ohr kriecht. Horror sind die Nazis an der Macht.

Worin besteht der Unterschied zwischen Horror und Terror? Horror ist die zweite Stufe. Terror ist die Ungewissheit, die Angst. (…) Horror ist, wenn deine Befürchtungen wahr werden. Horror ist die Erfüllung.“ schreiben Jonathan Penner und Steven Jay Schneider in der Einleitung zu dem von Paul Duncan herausgegebenen, gewohnt prächtig gelayouteten Band „Horror Cinema“ der „Film series“ des Taschen Verlages.

In neun Kapitel zeichnen Penner und Schneider in knappen Texten die Geschichte des Horrorfilms von den Anfängen bis zur Gegenwart nach. Sie fassen die Genregrenzen, wie man nach den einleitenden Worten vermuten kann, großzügig. Es geht um Slasher und Serienmörder, Kannibalen und Hinterwäldler, die Rache der Natur, Science-Fiction-Horror, lebende Toten, Geister und Spukhäuser, Besessene und teuflische Bösewichte, Voodoo und Satanisten, Vampire und Werwölfe, und Ungeheuer in Frauengestalt.

Die ersten Kapitel sind umfangreicher und auch für Genrekenner gewinnbringend zu lesen. Ab der Mitte des Buches werden sie kürzer und erschöpfen sich teilweise in einer kaum kaschierten Aufzählung von Filmtiteln, die, auch weil sie zu unsortiert sind, nicht mehr als Ansehempfehlungen taugen.

Doch das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Denn insgesamt bietet „Horror Cinema“ auf wenigen Seiten einen gelungenen Überblick über das Genre. Jonathan Penner und Steven Jay Schneider gelingt es, die Entwicklung des Genres von den Stummfilmen über die klassischen Horrorfilme der dreißiger Jahre und die Zombie- und Slasherfilme hin zu den aktuellen Werken nachzuzeichnen.

Die Texte werden, wie gewohnt, durch zahlreiche Fotos, kundige Bildunterschriften und prägnante Zitate ergänzt. Dabei beeindruckt – wie schon bei den früheren Veröffentlichungen in der Filmreihe des Taschen-Verlages – die Auswahl der Bilder. Denn neben den wenigen bekannten Filmfotos gibt es zahlreiche selten bis nie abgedruckte Filmfotos und Bilder von den Dreharbeiten.

Paul Duncan (Hrsg.): Horror Cinema

(Texte von Jonathan Penner und Steven Jay Schneider)

Taschen Verlag, 2008

192 Seiten

19,99 Euro


Hinweis

Taschen-Verlag über „Horror Cinema“ (in dem Buch kann geblättert werden)


CSI: Las Vegas und CSI: NY auf Mörderjagd

Dezember 19, 2008

preisler-csi-tod-in-der-wuste decandido-csi-ny-ohne-ausweg

Tote im Knast, in einem italienischen Cafe, in einem See und in einer Villa. Das sind in den neuen Büchern von Jerome Preisler und Keith R. A. DeCandido die harten Fälle für die CSIler aus New York und Las Vegas.

Preisler und DeCandido sind erprobte Tie-In-Autoren. Preisler schrieb mehrere „Homicide“- und „Tom Clancy’s Power-Plays“-Romane. DeCandido „Resident Evil“-, „Buffy“-, „Supernatural“- und „Star Trek“-Romane. Beiden gelingt es mit ihrer ersten Arbeit für das CSI-Franchise einerseits perfekt die Formel für die TV-Fans auszufüllen, und andererseits spannende Fälle für die Leser, die die Serien nicht ansehen, zu erfinden. Denn auch ein Tie-In-Roman muss vor allem als Roman funktionieren.

Im Original heißt Jerome Preislers Roman mit dem Las-Vegas-Team um Gil Grissom „Nevada Rose“. Dieser Titel bezieht sich dabei auf beide Fälle, während der deutsche Titel „Tod in der Wüste“ einen Fall hervorhebt. Denn in dem einem Fall wird das stadtbekannte Partygirl Rose Demilles, genannt Nevada Rose, tot in ihrem Bett gefunden. Wurde sie ermordet oder ist ein SM-Spiel zu weit gegangen? Catherine Willows und Warrick Brown haben schnell zwei Verdächtige. Demilles Freund, den Baseball-Star Mark Baker, und ihren verheirateten Liebhaber. Dr. Layton Samuels ist Schönheitschirurg und seine Ehe inzwischen ein schrottreifes Unternehmen mit glänzender Fassade.

In dem zweiten Fall wird in einem künstlichen See eine männliche Leiche gefunden. Aber der Fundort ist nicht der Tatort. Anhand des sandartigen Materials an den Kleidern des Toten finden Greg Sanders und Sara Sidle heraus, dass Adam Belcher in einem Stollen starb und durch ein Unwetter in den See gespült wurde. Der Tote hatte zusammen mit seinem Bruder Charles einen wertvollen Stein gefunden, den sie „Nevada Rose“ nannten. Aufgrund ihrer Ermittlungen glauben die CSIler an einen Mord und Charles, der den Stein meistbietend verkaufen wollte, ist ihr Hauptverdächtiger.

Während Jerome Preislers „Tod in der Wüste“ einfach eine weitere Geschichte mit den Forensikern aus Las Vegas ist, platziert Keith R. A. DeCandido seine Geschichte genau an das Ende der dritten „CSI: NY“-Staffel zwischen die Folgen „Nachspiel“ und „Ausnahmezustand“. Deshalb werden in „Ohne Ausweg“ für einen Tie-In-Roman ungewöhnlich oft frühere Ereignissen erwähnt. Außerdem lässt DeCandido, genau wie in vielen Episoden, nach der Verhaftung einen langen Epilog folgen. Das funktioniert überraschend gut, weil er allen Charakteren einen abschließenden Auftritt gewährt.

Am Anfang von „Ohne Ausweg“ werden Mac Taylor und seine Jungs in die Richmond Hill Correctional Facility gerufen. Vance Barker wurde erstochen. Der Mithäftling Jack Mulroney gesteht sofort die Tat. Taylor und sein Team sollen nur die Spuren sichern.

Der zweite Todesfall ist wesentlich komplizierter. Der allseits beliebte, zum Islam konvertierte Ex-Polizist Malik Washburne wurde erschlagen. Der erste Tatverdächtige ist Jorge Melendez. Er fand die Leiche und er hatte in den vergangenen Tagen Streit mit Malik, weil dieser ihm bei einer Berufungsverhandlung nicht helfen wollte.

Stella Bonasera und Lindsay Monroe müssen derweil den Mord an der Nachtbedienung Maria Campagna in Belluso’s Bakery aufklären. Ihr erster Verdächtiger ist ein cholerischer Kampfsportler, der die Tote zuletzt gesehen hatte und, nachdem er früher bereits wegen einer Vergewaltigung fälschlich verdächtigt wurde, die Polizei hasst und sich entsprechend unkooperativ verhält.

Im direkten Vergleich ist Keith R. A. DeCandidos „Ohne Ausweg“ gelungener als Jerome Preislers „Tod in der Wüste“. Denn während Preisler sich vor allem auf die Frage nach dem Täter konzentriert und diesen, entsprechend der TV-Serie, anhand der Spuren ermittelt, gewinnen bei DeCandido die einzelnen Charaktere, ihre Gefühle, Motive und Wünsche ein größeres Gewicht. Es entsteht ein kleines Sittenbild von New York als einer pulsierenden Großstadt, die doch ein Dorf ist. Jedenfalls spätestens, wenn Stella Bonasera ihre Arbeitskollegen am Ende in Belluso’s Bakery zum Cannoli-Essen einlädt.

Jerome Preisler: CSI: Crime Scene Investigation – Tod in der Wüste

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

264 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

CSI: Crime Scene Investigation – Nevada Rose

Pocket Books, 2008

Keith R. A. DeCandido: CSI: NY – Ohne Ausweg

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

312 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

CSI: NY – Four Walls

Pocket Books, 2008

Hinweise

Homepage von Jerome Preisler

Homepage von Keith R. A. DeCandido

CSI Files: Interview mit Keith R. A. DeCandido über seinen CSI: NY-Roman (30. April 2008)

Meine Besprechungen der CSI-Romane und CSI-Comics (mit weiterführenden Links)

Max Allan Collins: CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003):

Max Allan Collins: CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Max Allan Collins:  CSI – Das Dämonenhaus (Demon House, 2004 – Comic)

Max Allan Collins:  CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006 – Comic)

Donn Cortez: CSI: Miami – Mörderisches Fest (CSI: Miami – Harm for the Holidays – Misgivings, 2006)

Donn Cortez: CSI: Miami – Todsicheres Alibi (CSI: Miami – Harm for the Holidays – Heart Attack, 2006)

Donn Cortez: CSI: Miami – Im freien Fall (CSI: Miami – Cut and run, 2007)

Ken Goddard: CSI: Crime Scene Investigation – In Extremis (CSI: Crime Scene Investigation – In Extremis, 2007)

Steven Grant: CSI: Geheimidentität (Secret Identity, 2005 – Comic)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Der Tote ohne Gesicht (CSI: NY – Dead of Winter, 2005)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Blutige Spur (CSI: NY – Blood on the sun, 2006)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Sintflut (CSI: NY – Deluge, 2007)

Jeff Mariotte/Kris Oprisko: CSI Miami (enthält die Comics „Blut/Geld“, „Du sollst nicht“ und „Verräterische Waffe“, 2005)

Kris Oprisko: CSI: Domino (Dominoes, 2005)




Frühwerk von Joe R. Lansdale in einer umfangreichen Jubiläumsausgabe

Dezember 15, 2008

lansdale-der-gott-der-klinge

Als Joe R. Lansdales „Nightrunners“ 1998 bei rororo in der Allgemeinen Reihe erschien, nahm ich das Buch überhaupt nicht wahr. Erst später, dank Martin Comparts kurzlebiger Noir-Reihe entdeckte ich Lansdale. Danach verschlang ich alle deutschen Ausgaben und auch einige Originalausgaben. Seine Hap-Collins/Leonard-Pine-Geschichten, eine mitreisende Mischung aus Action und Humor, wurden schon zutreffend als Gonzo-Privatdetektivromane bezeichnet. Seine frühen Einzelwerke beeindrucken vor allem durch die schonungslose Darstellung von Gewalt. Seine späteren, wie das hier vollkommen untergegangene, mit dem Edgar ausgezeichnete „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000), sind großartige, in den Südstaaten spielende Geschichten.

Mit dem Sammelband „Der Gott der Klinge“ kehrte Joe R. Lansdale vergangenes Jahr zu seinen Anfängen zurück. Der kleine, feine Verlag Subterranean Press brachte zum zwanzigjährigen Jubiläum von „The Nightrunners“ eine Geschenkausgabe von Lansdales Roman und sechs Kurzgeschichten, die etwas mit dem „Gott der Klinge“ zu tun haben und, bis auf „Jane findet ein Messer“, bereits an verschiedenen Orten veröffentlicht wurden, heraus. Lansdale schrieb zu allen Geschichten kurze Einleitungen und fertig war das Werk, das jetzt auch (und erheblich günstiger, aber weniger prächtig als die Originalausgabe) in Deutschland veröffentlicht wurde.

In „Nightrunners“ kämpft ein junges Ehepaar gegen die Nightrunners, eine Gruppe Jugendlicher, die Becky und ihren Mann Montgomery, der sich für einen Schlappschwanz hält, in einem einsamen Ferienhaus umbringen wollen. Die Nightrunners beten den Gott der Klinge an. Ob er ein übernatürliches Phänomen oder nur eine spinnerte Vorstellung der Nightrunners ist, ist in dieser Geschichte unklar.

Eine spannende Lektüre und selbstverständlich ein Thriller ist dieses Frühwerk von Joe Lansdale, das, so Lansdale in dem Vorwort, in vielen Listen der besten Horrorromane der achtziger Jahre und manchmal auch der besten Horrorromane aufgeführt wird.

Die Kurzgeschichten sind dann eher Horrorgeschichten. Denn damals schrieb Lansdale vor allem Horrorgeschichten. In „Nicht aus Detroit“ begegnet ein altes Ehepaar dem Tod und nervt ihn gehörig. In „Das zottelige Haus“ beginnt ein plötzlich auftauchendes Haus das Leben aus den anderen Häusern herauszuziehen. In „Der Gott der Klinge“ begegnet ein Antiquitätenhändler in einem verlassenen Haus einem seltsamen Typen, der ihm etwas über den Gott der Klinge erzählt und anschließend mit einem Rasiermesser umbringen will. In „König der Schatten“ erzählt Lansdale von dem vierzehnjährigen Leroy, der plötzlich den elfjährigen Draighton als jüngeren Bruder akzeptieren muss. Draightons Vater hat seine Mutter und anschließend sich selbst umgebracht. Mit einem Rasiermesser. Eines Tages entdeckt Leroy, dass Draighton das Rasiermesser besitzt.

Zwischenfall an einer Bergstraße“ ist fast schon ein Thriller. Ellen rempelt auf einer Bergstraße ein im Weg stehendes Auto an. Kurz darauf wird sie von einem Mann verfolgt, der sie umbringen will. Da ist es gut, dass ihr vorheriger paranoider Freund ihr einiges über Überlebenstechniken in der Wildnis beigebracht hat. Und in der fünfseitigen Vignette „Janet findet ein Rasiermesser“ fehlt eigentlich nur der Halbsatz „und bringt einige Leute um“ um den Inhalt der Geschichte wiederzugeben.

Für die vorliegende Ausgabe wurde die alte rororo-Übersetzung von „Nightrunners“ etwas überarbeitet; – wobei Lansdale-Fans sich den „Gott der Klinge“ wegen der neuen Geschichten und des Vorworts von Lansdale (insgesamt immerhin fast 150 Seiten) in jedem Fall kaufen müssen. Die anderen können mit „Der Gott der Klinge“ einen begnadeten Erzähler kennenlernen und sich danach an den absolut diesseitigen Collins/Pine-Bücher („Wilder Winter“ und „Rumble Tumble“ gibt’s derzeit auf Deutsch) erfreuen. Denn die meisten anderen Lansdale-Übersetzungen gibt es, teilweise zu ziemlich unverschämten Preisen, nur noch antiquarisch.

Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge

(übersetzt von Walter Hartmann und Frank Dabrock)

Heyne, 2008

400 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The God of the Razor

Subterranean Press, 2007

enthält den Roman:

Nightrunners (The Nightrunners, 1987)

und die auf Deutsch unveröffentlichten Kurzgeschichten

Der Gott der Klinge (The God of the Razor, 1987)

Nicht aus Detroit (Not from Detroit, 1988)

König der Schatten (King of Shadows, 2006)

Das zottelige Haus (The Shaggy House, 1986)

Zwischenfall an einer Bergstraße (Incident on and Off a Mountain Road, 1991)

Janet findet ein Rasiermesser (Janet Finds the Razor, 2007)

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter” (Savage Season, 1990)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Rumble Tumble” (Rumble Tumble, 1998)


Henry Parker in Gefahr

Dezember 12, 2008

pinter-72-stunden

“72 Stunden”, das Debüt von Jason Pinter, war für den Barry Award, den neuen Strand Magazine Critics Award und den Romantic Times Reviewers Choice Award nominiert. Während der Barry ein in der Krimiszene durchaus bekannter Preis ist, sind die beiden anderen hier unbekannter. Allerdings wird der Strand Magazine Award von bekannten Krimikritikern vergeben. Und bei drei Nominierungen sind die Erwartungen selbstverständlich höher als bei einem x-beliebigen Debüt. Auch die positiven Kritiken (mehr) und die Blurbs bekannter Schriftsteller (weniger), hauptsächlich aus dem Bereich Bestsellerautoren von Thrillern, steigern die Erwartungen.

Und vielleicht ist deshalb „72 Stunden“ ein eher enttäuschender Thriller. Der Anfang ist gar nicht so schlecht. Der vierundzwanzigjährige Ich-Erzähler Henry Parker liegt blutend auf dem Boden eines verlassenen Hauses. Vor ihm liegen zwei Männer, die ihn für verschiedene Parteien umbringen wollten. Bevor er vielleicht stirbt, beginnt Parker uns seine Geschichte zu erzählen (Yep, das Buch ist eine einzige lange Rückblende.). Wie er vor einem Monat aus der Provinz nach New York kam und anfing als Journalist für die New York Gazette zu schreiben. In den ersten Wochen richtet er sich in New York ein, versucht die Beziehung zu seiner Studi-Freundin Mya Loverne zu kitten und, endlich, von seinem Journalistenidol Jack O’Donnell einen kleinen Rechercheauftrag erhält. O’Donnell schreibt seit Wochen an einer großen Geschichte über die New Yorker Mafia. Parker soll dafür den Ex-Knacki Luis Guzman befragen. Das Interview verläuft normal. Doch Parker fragt sich, wie ein Knacki, der als Wachmann arbeitet, sich ein neunzig Quadratmeter-Apartment leisten kann. Er will es herausfinden (Ohoh!). Deshalb geht er nach dem Interview wieder zurück zu den Guzmans und stolpert in eine unschöne Szene. Ein Mann hat Luis Guzman und seine Frau Christine gefesselt und geschlagen. Er bedroht Parker mit einem Revolver. In dem anschließenden Kampf löst sich ein Schuss und der Mann stirbt (wie nicht anders zu erwarten). Sie sagt ihm, er solle abhauen und er tut es (Auch zukünftige Top-Journalisten dürfen absolut idiotisch handeln).

Am nächsten Tag sieht Parker sein Bild in der Zeitung. Der Tote war ein Polizist (Tja, Pech gehabt.). Parker soll ihn kaltblütig ermordet haben (Da haben die Guzmans doch tatsächlich die Polizei belogen!) und mit einem Päckchen (das alle haben wollen und das Parker natürlich nicht hat) geflohen sein.

In diesem Moment sind wir zwar erst auf Seite achtzig, aber auf den folgenden dreihundert Seiten verläuft die Geschichte geradlinig auf den bekannten Gleisen von New York nach St. Louis und zurück. Die Polizei jagt ihn als Polizistenmörder. Die Mafia will das Päckchen haben und schickt einen gnadenlosen Killer los. Seine Freundin will ihm nicht helfen. Aber dafür hilft ihm eine andere, selbstverständlich gutaussehende, Frau. Und warum der Polizist die Guzmans gefoltert hat, können Krimifans, obwohl die Aktion mit dem Päckchen nicht gerade für die Intelligenz der Bösen spricht, sich ebenfalls denken. Weil Pinter keinen 250-seitigen Noir, sondern einen 370-seitigen Thriller über einen unschuldig Verfolgten schrieb, tat er nach dem Polizistenmord, was für einen Thriller normal ist: er wechselt die Perspektive zwischen dem Gejagten und den Jägern. Dummerweise muss Pinter dafür in den Kapiteln, die aus der Perspektive der Jäger erzählt sind, auch die eingangs gewählte Ich-Perspektive aufgeben. So zerstört er alle paar Seiten den Lesefluss und brüllt: „Alles nur erfunden!“

Das klingt jetzt nach einem furchtbaren Desaster. Aber als Thriller, bei dem auf jeder Seite klar ist, in welcher Gefahr Henry Parker (ein absolut gewöhnlicher Name, der mich sofort an Spider-Man Peter Parker erinnerte) sich befindet und weil die gesamte Geschichte während der titelgebenden 72 Stunden spielt, funktioniert Pinters Erstling als nicht sonderlich plausibler, seine Geschichte unnötig detailliert erzählender 08/15-Thriller für die U-Bahn.

Jason Pinter: 72 Stunden

(übersetzt von Maike Walter)

Mira, 2008

384 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

The Mark

Harlequin Enterprises, 2007

Hinweise

Homepage von Jason Pinter

The Man in Black (Blog von Jason Pinter)

YouTube-Kanal von Jason Pinter

Let’s do Lunch: Interview mit Jason Pinter (28. Juni 2006)

Writer Unboxed: Interview mit Jason Pinter (7. März 2008)

Material Witness: Interview mit Jason Pinter (6. Juni 2008)


Es ist nicht nur das Ende

Dezember 8, 2008

Wow, da werfe ich das Wort Vertrag in die unendlichen Weiten des Internets und es geht los. Bernd hat hier ja einiges zu Verträgen gesagt und so hab ich das auch verstanden: gegenseitige Erwartungen an eine Geschichte. Im Filmbereich hat der Begriff es sogar auf einen Buchtitel gebracht hat: „Der Publikumsvertrag“. Da hat sich, meines Wissens, keiner so über den Begriff „Vertrag“ empört, wie hier.

Doch „Sterbezeit“, der vierte Roman des mit dem Glauser und Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Norbert Horst, ist nach meiner Ansicht nicht nur wegen des Endes misslungen. Und es war sicher ein Fehler, sich nur auf das Ende zu konzentrieren. Denn das Ende ist nur der Abschluss einer enttäuschenden Lektüre, bei dem kein Plot überzeugt.

Sterbezeit“ besteht aus diesen Plots:

Hauptplot: der Fall mit den skelettierten Händen im Keller

Subplot 1: der tote Junkie-Sohn in der Villa der Eltern

Subplot 2: die tote alte Frau und ihr trauernder Mann

Privater Plot 1: seine Beziehung zu Ayse

Privater Plot 2: die drogensüchtige Tochter der entfernten Verwandten

Bei jedem Plot stellt sich die Frage, was der Held (und auch die anderen Charaktere) wollen. Bei den Polizeiplots können wir einfach sagen: er will den Fall klären. Dafür wird er bezahlt und das reicht eigentlich schon als Motivation.

(Obwohl viele Ermittler noch eine persönliche Motivation haben. Was wäre Rebus ohne seinen Hass auf die da oben und auf Big Ger Cafferty? Und was wäre der letzte Rebus-Roman ohne diese persönlichen Motive?)

Im privaten Plot 1 will er mit Ayse zusammenbleiben.

Im privaten Plot 2 will er die fünfzehnjährige Tochter seiner Cousine (die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat) vor dem Drogenkonsum bewahren.

Jetzt hat Kirchenberg in jedem Plot ein Ziel. Anschließend muss er Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sein Ziel zu erreichen. Denn die anderen (zum Beispiel der Täter, andere in die Verbrechen involvierte Personen, seine Vorgesetzten, seine Kollegen, seine Freundin) wollen das verhindern. Der Held muss sein Ziel verfolgen und seine Handlungen müssen zu Veränderungen in der Welt und/oder in seiner Persönlichkeit führen. Denn jede Handlung bewirkt irgendetwas. In den drei Krimiplots von „Sterbezeit“ muss es den Kampf zwischen dem Polizisten, der ein Verbrechen aufklären will (also Gerechtigkeit wiederherstellen will) und dem Täter, der genau das verhindern will, geben.

Wie tut Kirchenberg nun, um seine Ziele zu erreichen?

In beiden privaten Plots hat er keinen Gegner.

Die Beziehung zu Ayse ist konfliktfrei. Sie will bei ihm bleiben und deshalb bleibt sie bei ihm.

Im zweiten privaten Plot reicht es nur zu einem Pflichtbesuch, der auch nach Kirchenbergs Meinung in die Hose geht.

Später treffen sie sich auf der Polizeistation und sie sagt, dass sie nie Drogen genommen habe und nicht deale. Er glaubt (!) ihr. Auch hier haben die Taten des Erzählers nichts geändert. Also wieder Zielerreichung durch Abwesenheit eines Konflikts.

Oder: Gähn!

Die beiden Polizei-Subplots, eigentlich eher kurze Episoden, enden ähnlich. Denn die Fälle werden ohne Kirchenberg aufgeklärt. Beim ersten Gespräch mit Kirchenberg gesteht der alte Mann freiwillig und ohne zu zögern, dass er seine Frau umgebracht hat.

Der Junkie starb an einer Überdosis. Beide Fälle werden schnell zu den Akten gelegt.

Nachdem Kirchenberg jetzt in vier Plots das vom Autor gesetzte Ziel erreicht hat, ohne sich anstrengen zu müssen, bleibt das Gesamtgewicht der dramatischen Handlung auf dem Hauptplot.

Doch auch hier tut Kirchenberg, außer Dienst nach Vorschrift, nichts. Die Initiative wird von dem neuen Assistenten übernommen, der den Fall aufklären möchte und dafür Ideen entwickelt. Kirchenberg legt dem Neuen keine Steine in den Weg. Aber aktive Ermittlungen sehen anders aus.

Am Ende der Ermittlungen gibt es ein aus meiner Sicht unbefriedigendes Ergebnis. Das liegt nicht nur an dem mangelhaftem Einsatz von Kirchenberg bei der Lösung des Falles. Es ist auch die von Autor Norbert Horst angebotene Lösung. Kirchenberg glaubt, dass vor dreißig Jahren die Mutter eine Beziehung zu einem Knacki hatte. Als der Knacki entlassen wurde, hat er ihren Mann umgebracht. Anschließend haben er/sie die Leiche über halb Deutschland verteilt. Er hat den Namen des Vaters angenommen und gemeinsam haben sie die Tochter großgezogen. Dafür haben sie alle Beziehungen zu ihren vorherigen Leben abgebrochen. Und zwei Hände (den wirklich belastenden Beweis) im Keller des Hauses, in dem sie zur Miete wohnten, versteckt.

Hm.

Allerdings könnte auch sie ihren Mann umgebracht haben. Oder es könnte auch irgendeine andere Lösung geben.

Das soll dann das großartige Ende von 280 Seiten Lektüre sein.

(Der Hinweis, dass in Wirklichkeit die Bösen nicht immer bestraft und dass nicht alle Verbrechen restlos aufgeklärt würden, ist aus mindestens zwei Gründen so richtig wie unerheblich.

Erstens: der Autor ist Herr über die von ihm erfundene Welt. Er kann daher auch über das Ende bestimmen.

Zweitens: selbst wenn der Held scheitert, dann müssen wenigstens seine vorherigen Bemühungen das Ziel [hier die Aufklärung eines alten Mordfalles] zu erreichen, wesentlich energischer gewesen sein. Er muss sein Ziel, wie zum Beispiel Rebus in seinem letzten Fall, fanatisch verfolgen.

Eigentlich muss jeder Charakter in einer Geschichte ein Fanatiker sein, der mit allen für ihn akzeptablen Mitteln sein Ziel verfolgt. In einer Geschichte liebe ich solche fanatischen Charaktere; in der Wirklichkeit nicht.)

Strukturell hört Horst für mich am Ende des zweiten Aktes auf. In diesem Moment kennt der Held seinen Gegner und er will ihn in einer letzten Anstrengung besiegen. Aber diese Konfrontation zwischen dem Helden und seinem Antagonisten (dem Mörder) fehlt in „Sterbezeit“.

Jetzt könnte gesagt werden: es gibt doch diese Konfrontation.

Nun, die sieht so aus: Der Kommissar sagt der Tochter, was nach seiner Meinung damals geschah. Der Knacki sitzt nach mehreren Schlaganfällen bewegungslos im Stuhl und reagiert nicht auf die Beschuldigungen von Kirchenberg. Keine Reaktion. Absolut keine Reaktion. Auch die Tochter reagiert nicht auf die Äußerungen von Kirchenberg, die im wesentlichen eine Menge Mutmaßungen sind: „können uns vielleicht auch nicht alles zusammenreimen“, „Dieser Mann (…) heißt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Rudolf Daniels.“ „Da können wir nur raten.“ „Ich weiß es nicht.“ „Ich glaube, dass dieser Mann dort Ihren Vater getötet hat, um an seiner Stelle weiterzuleben.“

Sie schiebt ihren „Vater“ nachdem sie angehört hat, dass er erstens nicht ihr Vater ist und zweitens der Mörder ihres Vaters ist, in den Wintergarten und beginnt ihm aus einem Buch vorzulesen.

Ende.

Das war die große Konfrontation zwischen dem Polizisten (dem Guten) und dem Mörder (dem Bösen)? Die Konfrontation, in der sich zum letzten Mal zwei widerstreitende Prinzipien gegenüberstehen und nur eines gewinnen kann? Die Konfrontation, die uns für die Lektüre des Buches belohnt?

Nein, das ist höchstens ein Ermittlungsansatz. Denn sogar die Identität des Mannes ist noch nicht geklärt.


True-Crime-Spurensuche online

Dezember 5, 2008

Nach langer Zeit gibt es endlich wieder eine neue Spurensuche bei den Alligatorpapieren und dieses Mal beschäftige ich mich nur mit Sachbüchern. Es sind Gay Taleses wundervolle Chronik „Ehre deinen Vater“ (Honor Thy Father, 1971) über die Mafiafamilie Bonanno, Sabine Rückerts „Unrecht im Namen des Volkes – Ein Justizirrtum und seine Folgen“ (2007/2008), Pieke Biermanns Reportagen „Der Asphalt unter Berlin“ (2008), die aktuelle Ausgabe des „Grundrechte-Report 2008 – Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland“ (2008) und Frank Litteks „Alle Achtung! – Sich erfolgreich schützen und zur Wehr setzten bei Überfällen, Einbrüchen, Taschendiebstählen etc.“ (2008).


Die dunkle Seite von Edinburgh

Dezember 3, 2008

guthrie-post-mortem

Wem Allan Guthries “Abschied ohne Küsse” zu düster war, der sollte um “Post Mortem” einen großen Bogen machen. In seinem für den Debüt-Dagger der britischen Autorenvereinigung Crime Writers’ Association nominiertem Werk bewegen sich im winterlichen Edingburgh einige mehr als halbseidene Charaktere auf eine tödliche Konfrontation, die kaum einer von ihnen überleben wird, zu. Es sind ein Gangstertrio, das bei seinen Postfilialen-Überfällen und Geiselnahmen mit beispielloser Brutalität vorgeht. Das Gleichgewicht innerhalb des Trios gerät außer Kontrolle, als Robin Greaves, der Kopf der Bande, von einem schmierigen Privatdetektiv erfährt, dass seine Frau ihn mit seinem Komplizen betrügt. Wie ihm der Detektiv das auf den ersten Seiten von „Post Mortem“ schonend beibringt, ist großes Theater. Die zweite Partei ist der Privatdetektiv und dessen Laufbursche, der einen Überfall des Trios beobachtet, und die mit diesem Wissen ihren Schnitt machen wollen. Als dritte Partei gesellt sich der Ex-Knacki und Geldeintreiber Pearce dazu. Als seine Mutter bei einem Überfall von Greaves erstochen wird, beginnt Pearce sie zu jagen und spätestens jetzt verläuft für keinen der Charaktere mehr etwas nach Plan; – falls er überhaupt jemals einen hatte.

Der Plot von „Post Mortem“ mit den parallel ablaufenden Geschichten ist nicht neu und in der Post-Tarantino-Euphorie der neunziger Jahre wurden solche Geschichten von dummen Gangstern, dem großen Ding, der eigenen Unfähigkeit und dem grandios-blutigem Scheitern von Plänen schon tausendmal, begleitet vom Gelächter des Publikums, erzählt.

Allan Guthries Debüt unterscheidet sich von diesen Werken vor allem durch seinen dreckig-ironiefreien Tonfall, der ihn für eine popkulturelle Verwertung sperrt. Er lässt seine grimmige Geschichte an zwei Tagen spielen. Er jongliert, ohne dabei ins Straucheln zu geraten, mit einem guten Dutzend verschiedener Charaktere und mehreren parallelen Handlungssträngen. Er erzählt die Geschichte lakonisch-knapp auf 280 Seiten in der deutschen Ausgabe; die Erstausgabe hat keine 200 Seiten.

In seinem zweiten Roman „Abschied ohne Küsse“, der wie „Post Mortem“ zuerst in den USA erschien und in seiner Heimatstadt Edinburgh spielt, erzählt Guthrie dann eine bittere Rachegeschichte, in der ein Vater den Tod seiner Tochter rächen will. Dieser verdient seine Brötchen als skrupelloser Schuldeneintreiber für den bereits in „Post Mortem“ auftauchenden Kredithai Cooper. Erzählerisch machte Allan Guthrie mit seinem zweiten Roman einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung. Denn während „Post Mortem“ zu sehr an der vorhersehbaren Geschichte und dem etwas übertriebenem Ende litt, erzählt Guthrie in „Abschied ohne Küsse“ ganz traditionell eine Geschichte mit einer gemeinen Pointe.

Sein auch von bekannten Autoren wie Ian Rankin, Ken Bruen, Jason Starr, Bill Pronzini und George Pelecanos gelobtes Debüt „Post Mortem“ ist dagegen vor allem die überzeugende Talentprobe eines neuen Noir-Autors. 2009 will der Rotbuch Verlag das dritte Buch von Guthrie „Hard Man“ auf Deutsch veröffentlichen.

Allan Guthrie: Post Mortem

(übersetzt von Gerold Hens)

Rotbuch Verlag, 2008

288 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Allan Guthrie: Two-Way Split

PointBlank, 2004

Hinweise

Homepage von Allan Guthrie

Meine Besprechung von Allan Guthries „Abschied ohne Küsse“ (Kiss Her Goodbye, 2005)


TV-Tipp für den 30. November: Mogadischu

November 30, 2008

kortner-mogadischu

ARD, 20.15

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel letztes Jahr ein Zweiteiler) über die RAF, dem noch im Kino laufendem „Baader Meinhof Komplex“ mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtätigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte, nach den bisherigen euphorischen Kritiken, jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte.

„Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Nach dem Film wird bei „Anne Will“ mit Zeitzeugen über die Entführung gesprochen und um 22.45 Uhr gibt es „Mogadischu – Die Dokumentation“ von Maurice Philip Remy.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“


Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro

Nachtrag: Ich kann den Zeitungskritiken zustimmen: Der Film ist absolut sehenswert. Für meinen Geschmack hätte die Wackelkamera etwas dezenter sein können. Die Diskussion bei „Anne Will“ war gewohnt ziellos. Die Dokumentation war dann wieder gut. Weil sie wie der Film von teamWorx produziert wurde, dürfte sie auf der demnächst erscheinenden DVD sein.


Kommissar Kirchenbergs enttäuschender vierter Auftritt

November 28, 2008

horst-sterbezeit

Kann man einen Krimi schrieben, ohne den Täter zu präsentieren?

Ja, natürlich.

Kann man dafür gute Kritiken erhalten?

Ja, auch.

Aber nicht von mir. Denn für mich ist „Sterbezeit“ von Norbert Horst ein Roman, der den unsichtbaren Vertrag zwischen Erzähler und Publikum verneint. Dieser Vertrag besagt, dass der Erzähler am Ende eine Lösung für die von ihm eingangs aufgeworfene Frage liefert. Bei einem Krimi ist die Frage meistens „Wer ist der Täter?“ und am Ende wird der Täter überführt.

Schon in dem Polizeiroman „Blutskizzen“ strapazierte Horst diesen Vertrag, weil der Täter zwar ermittelt, aber entkommen konnte. In „Sterbezeit“, geht Horst auf diesem Weg noch einen Schritt weiter. Denn der Täter wird nicht mehr ermittelt, sondern am Ende hat Kommissar Konstantin Kirchenberg eine Vermutung, wer der Täter in einem alten Mordfall ist und wie sich die Tat abgespielt haben könnte.

Dieser zentrale Fall von „Sterbezeit“ beginnt mit dem Fund von zwei säuberlich abgetrennten, skelettierten Händen im Keller eines Mietshauses. Erst nachdem die Polizei eine neue wissenschaftliche Methode anwendet, können der Zeitpunkt der Tat und damit auch die zu befragenden Mieter genauer eingrenzt werden. Kirchenberg beginnt, mit einem neuen Kollegen, die ehemaligen Mieter zu befragen und die Vermisstenanzeigen durchzuforsten.

Dieser Mordfall wird mit dem Tod eines Drogensüchtigen und einer alten, kranken Frau, einem Fall von Drogenkonsum in der Verwandtschaft und Kirchenbergs Liebesgeschichte zu Ayse mühsam auf knappe dreihundert Seiten gestreckt.

Keiner dieser Subplots ist sonderlich interessant. Im Gegenteil. Die beiden privaten Plots bewegen sich auf dem Niveau einer Daily-Soap. Die drei Todesfälle sind letztendlich auch nicht viel besser. Doch während der Tod des Junkies und der alten Frau ohne große Mühe irgendwo in der Mitte des Buches aufgeklärt werden, gibt es bei dem Hauptfall keine Lösung.

Das ist, nachdem Horst in „Sterbezeit“ seinen vorherigen Roman mit keinem Wort erwähnt, nicht der Beginn eines zweiteiligen Romans (wie es Donn Cortez mit den „CSI: Miami“-Romanen „Mörderisches Fest“ und „Todsicheres Alibi“ tat), sondern einfach Verrat am Publikum. Denn das eingangs von dem Autor aufgeworfene Rätsel wird nicht gelöst. Er löst ein gegebenes Versprechen nicht ein, sondern beendet das Buch einfach indem er seinen Ich-Erzähler vage eine Vermutung äußern lässt, wer der Täter sei. Dieser Verstoß gegen die Genrekonventionen (und die Konventionen des Erzählens von Geschichten) könnte funktionieren, wenn Norbert Horst innerhalb der Geschichte ein anderes Thema präsentiert hätte, das er zu einem befriedigenden Schluss führen würde. Doch das tut er nicht. Deshalb ist „Sterbezeit“, genau wie ein Agatha-Christie-Roman bei dem die letzten Seiten fehlen, Zeitverschwendung.

Norbert Horst: Sterbezeit

Goldmann, 2008

288 Seiten

7,95 Euro

Hinweise

Homepage von Norbert Horst

Meine Besprechung von Norbert Horsts „Blutskizzen“

Nachtrag

Nachdem es in anderen Blogs eine Diskussion über diesen Text (vor allem meine Verwendung des Wortes „Vertrag“ gab), habe ich hier meine anderen Kritikpunkte gepostet.


Eisige Stunden mit US-Marshal Carrie Stetko

November 26, 2008

rucka-lieber-whiteoutrucka-lieber-whiteout-melt1

Greg Rucka – – – ist in den USA bereits seit über zehn Jahren ein in der Krimi- und Comicszene bekannter Name. In Deutschland dauerte es, obwohl der große Druchbruch immer noch nicht gekommen ist, etwas länger. Denn seine Romane mit dem Bodyguard Atticus Kodiak wurden bislang nicht übersetzt. Die von Rucka geschriebenen, von Steve Lieber gezeichneten Comics „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“, das einen Eisner Award erhielt, erschienen erst gute zehn Jahre nach ihrem Erscheinen in den USA in Deutschland. Die zwei auf dem gleichnamigem Spiel basierenden „Perfect Dark“-Romanen erschienen in der Heyne Science-Fiction-Reihe und sind nur noch antiquarisch erhältlich. Die später entstandene Comicserie „Queen & Country“ mit der britischen Agentin Tara Chace wurde fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht. Aber der erste Tara-Chace-Roman „Dschihad“ (A Gentleman’s Game, 2004) wurde schon breiter wahrgenommen. Und wenn die lange angekündigte Verfilmung von „Whiteout“ von Dominic Sena mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle am 11. September 2009 in den USA (nach einigem Hin und Her ist das der derzeit aktuelle Starttermin) und, sicher, kurz darauf in Deutschland startet, wird Greg Rucka endlich auch beim breiten Publikum bekannt werden.

Beckinsale spielt den in die Antarktis versetzten toughen US-Marshal Carrie Stetko. In dem Comic „Whiteout“ muss sie wenige Tage bevor die Stationen auf den Winterbetrieb umschalten und fast alle Beschäftigen die Antarktis verlassen, den Mord an einem Amerikaner aufklären. Schnell gibt es weitere Morde und der Mörder versucht Stetko zu töten.

Während „Whiteout“ ein Whodunit ist, der vor allem in den verschiedenen Polarstationen spielt, geht es in dem zweiten Abenteuer mit Carrie Stetko „Whiteout: Melt“ in die arktische Weite. Eine Gruppe russischer Ex-Elitesoldaten klaut aus einer russischen Station mehrere Atomwaffen. Dabei töten sie die dort stationierten Polarforscher. Stetko wird von ihrer Regierung zurück in das Eis geschickt. Sie soll die Atomwaffen finden und so die Verhandlungsposition der USA gegenüber Russland stärken. Denn nach dem Antarktisvertrag sind dort Atomwaffen verboten. Zusammen mit dem russischen Ermittler Kapitän Alexander Iwanowitsch Kuchin verfolgt sie die Söldner durch das Eis.

Wie Greg Rucka in dem in „Whiteout: Melt“ abgedrucktem Interview mit Jochen Ecke sagt, habe er sich nach einigen Romanen mit Atticus Kodiak bewusst dafür entschieden, auch Comics zu schreiben, weil die verschiedenen Medien wie Comic, Roman und Film ihre spezifischen Stärken hätten und mit Steve Lieber habe er den Partner gefunden, der die Stetko-Geschichten kongenial in sparsame Schwarz-Weiß-Zeichnungen, was vor dem Manga-Boom sehr ungewöhnlich war, übertrug.

In den beiden Hardboiled-Geschichten „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“ ergänzen die Zeichnungen und den Text in mehr als nur einer Beziehung. Neben der Geschichte verhandeln die Beiden immer auch weitere Themen, wie das Leben einer Frau in einer reinen Männergesellschaft, und sie geben ein Gefühl für die eisige Landschaft.

Derzeit arbeiten Greg Rucka und Steve Lieber nach einer fast zehnjährigen Pause an einem dritten Carrie-Stetko-Abenteuer: „Whiteout: Night“.

Ein dickes Lob verdient „Crosscult“ für die liebevolle Ausstattung der beiden Bände. Im ersten Band gibt es eine Covergalerie und ein aktuelles Nachwort von Steve Lieber. Im zweiten Band ausführliche Interviews mit Greg Rucka und Steve Lieber, ein kurzes Porträt von Greg Rucka und ein Vorwort von Brian Michael Bendis, einem bekannten Marvel-Comics-Autor: „wenn ein Comic so vielschichtig und oft gelobt wird wie dieser, ertappe ich mich immer wieder bei dem Wunsch, dass dies der Standard für Comics sein, nicht die Ausnahme. (…) Glückwunsch zu einer außergewöhnlichen Geschichte, die gut erzählt ist, Greg und Steve.“

Yeah.


Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2007

128 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Whiteout

Oni Press, 1999 (die Einzelhefte erschienen 1998)

Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout: Melt

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2008

128 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Whiteout: Melt

Oni Press, 2000 (die Einzelhefte erschienen 1999/2000)

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

YouTube: PressPass-Inteview mit Greg Rucka (Oktober 2008)

CrossCult über “Whiteout” und “Whiteout: Melt” (jeweils mit Leseprobe)

Crimespree Cinema über die Verfilmung “Whiteout”


The Spirit schlägt wieder zu

November 19, 2008

cooke-the-spirit-2

Mit einem Diamantendiebstahl beginnt der zweite “The Spirit”-Band. Danach gibt es, als kleine Sozialstudie, im hochsommerlichen Central City eine rasante Verfolgungsjagd durch ein Mietshaus und den Mord an dem Butler einer bekannten Action-Schauspielerin. Aber diese drei Geschichten sind nicht von Darwyn Cooke, der im ersten „The Spirit“-Band den von Will Eisner erfundenen Charakter fit für das neue Jahrhundert machte, sondern von Walter Simonson, Jimmy Palmiotti und Kyle Baker. Sie schrieben das im August 2007 veröffentlichte „Summer Special“. Mit dem achten Heft übernahm Darwyn Cooke dann wieder das monatliche erscheinende Heft.

In „Zeitbombe“ trifft The Spirit wieder auf die knallharte Agentin Silk Satin. Octopus will mit einer Atombombe Central City vernichten. Nach einem heftigen Kampf mit dem Spirit kann Octopus den Countdown für die Bombe starten und, mal wieder, unerkannt fliehen. Satin soll die Bombe entschärfen. Aber während des Kampfs wurde sie verletzt. Sie erinnert sich an nichts und die Zeit läuft ab.

In „El Morte“ muss The Spirit gegen Alvarro Mortez kämpfen. Mortez starb, wie wir aus der dritten Spirit-Geschichte „Auferstehung“ wissen, vor einigen Jahren, als er als Handlanger für einen Terroristen arbeitete. Denny Colt, der als The Spirit wiederauferstand, „starb“ ebenfalls bei diesem Kampf. Mortez ist jetzt ein unverwundbarer Untoter, der nur von dem Gedanken an Rache beseelt ist. In „El Morte“ wird vor allem die Geschichte der Auferstehung von Alvarro Mortez geschildert.

Der „Tag der Toten“ findet in auch Central City an dem mexikanischen Feiertag statt. Aber das ist auch das einzig folkloristische an diesem Zombie-Reißer. Denn El Morte erweckt eine scheinbar unbesiegbare, wild mordende Zombie-Armee und schickt sie nach Central City.

In „Tod via TV“ tritt, wenig überraschend, die bereits aus dem ersten neuen The-Spirit-Abenteuer „Ginger Coffee auf Eis“ bekannte TV-Journalistin Ginger Coffee auf. Mehrere TV-Moderatoren wurden ermordet. The Spirit versucht, mit Ginger Coffees Hilfe, den Mörder zu finden. „Tod via TV“ ist ein Whodunit, der auch als ironisches Spiel mit den verschiedenen Ebenen von Realität und Fiktion funktioniert: ein Comic spielt im TV-Milieu und die verschiedenen Charaktere (die behandelt werden, als ob sie wirklich leben würden) durchbrechen immer wieder die Geschichte, um sich – mehr oder weniger direkt – an die Leser zu wenden.

Bereits auf der ersten Seite ruft Commissioner Dolan Ellen und Ebony, die sich mit mehreren Personen wegen des gesundheitlichen Zustandes von Denny Colt und dem Erscheinen des nächsten Spirit-Abenteuers unterhalten, zur Ordnung. Die Geschichte müsse beginnen. Auf der zweiten Seite, mit dem Titel als „BoobTube“-Bild (auch bei Darwyn Cooke sind die Titelbilder wie bei Spirit-Erfinder Will Eisner ein individuell gestalteter Teil der Geschichte), stampft Dolan missmutig ‚Wenn ich eins hasse, sind es diese Multimedia-Crossover-Krimis’ knurrend durch das Bild.

Zum Abschluss trifft Denny Colt in „Sand“ seine erste Liebe Sand Saref wieder. Schon als sie Kinder waren, war ihre Beziehung, wie die zahlreichen Rückblenden zeigen, nicht einfach. Sand wurde zu einer Verbrecherin. Jetzt ist sie im Besitz von einem tödlichen Virus, das in wenigen Stunden den Besitzer wechseln soll.

Damit bietet auch der zweite „The Spirit“-Sammelband in jeder Beziehung abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung. Nach dem zwölften Heft hörte Darwyn Cooke, wegen Umstrukturierungen bei dem Herausgeber DC Comics und weil Zeichner J. Bone sich anderen Projekten zuwandte, auf. Die erfolgreiche neue „The Spirit“-Reihe wird seitdem von Sergio Aragones und Mark Evanier weitergeschrieben. Und Frank Millers nach den bisher bekannten Filmbildern wesentlich düstere „The Spirit“-Verfilmung startet Ende Januar 2009 in Deutschland.

Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiotti: Will Eisner’s The Spirit 2

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini Comics 2008

148 Seiten

16,95 Euro

Enthält die Spirit-Abenteuer 7 bis 12:

The Spirit 7: Summer Special, August 2007 (Harder than Diamonds/Härter als Diamant, Synchron, Hammer Handy)

The Spirit 8: Timebomb, September 2007 (Zeitbombe)

The Spirit 9: El Morte, Oktober 2007 (El Morte)

The Spirit 10: Death by Television, November 2007 (Tod via TV)

The Spirit 11: Day of the Dead, Dezember 2007 (Tag der Toten)

The Spirit 12: Sand, Januar 2008 (Sand)

.

Originaltitel

Darwyn Cooke, Walter Simonson, Gail Simone, Jimmy Palmiotti and others: The Spirit Vol. 2

DC Universe, 2008

176 Seiten

(enthält die Spirit-Abenteuer 7 – 13)

Hinweise

Meine Besprechung von Darwyn Cookes „Will Eisner’s The Spirit 1“

Comic Con: Interview mit Darwyn Cooke (2007)

Revisions 3: Interview mit Darwyn Cooke (Januar 2008)