Spannendes Frühwerk von einem Grandmaster

Oktober 10, 2007

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Lawrence Block schrieb in den frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch zahlreiche Softpornos, die unter verschiedenen Pseudonymen erschienen. Block hatte diese Zeit nie verschwiegen, aber er hielt auch nie viel von diesen Frühwerken. Deshalb sagte er nie, welche der damals erschienenen Romane in den Softporno-Reihen von ihm waren und welche nicht. Sie waren für den damals am Anfang seiner Karriere stehenden Autor vor allem eine Möglichkeit, regelmäßig zu schreiben, verschiedene Dinge auszuprobieren und dafür bezahlt zu werden. Es gab bei diesen Romanen nur eine Auflage: pro Kapitel musste eine erotische Szene drin sein.

Auch das unlängst bei Hard Case Crime veröffentlichte Werk „Lucky at Cards“ ist einer dieser, aus heutiger Sicht, Softpornos. Es erschien 1964 unter dem Pseudonym Sheldon Lord als „The Sex Shuffle“. Die Neuauflage hat den treffenderen Titel „Lucky at Cards“. Aber damals veränderten die Verleger einfach die Titel, tauschten Autorennamen aus und tauschten auch mal Kapitel zwischen verschiedenen Romanen. Den Lesern war’s egal, solange die Geschichte genügend erotische Szenen enthielt.

Auf diesem Gebiet hat „Lucky at Cards“, im Gegensatz zu „Cinderella Sims“, kaum etwas zu bieten. Denn Lawrence Block peppt seine Kriminalgeschichte lediglich mit etwas Sex auf.

Der betrügerische Kartenspieler Bill Maynard muss nach einer Tracht Prügel aus Chicago flüchten. Auf dem Weg nach New York lässt er sich in einer Kleinstadt die Zähne richten. Er wird zu einem Kartenspiel der oberen Zehntausend des Dorfes eingeladen und trifft dort auf Joyce Rogers, die junge und überaus gutaussehende Frau von Murray. Sie durchschaut den Falschspieler sofort, lässt ihn aber gewinnen.

Selbstverständlich verlieben sich die beiden ineinander. Und ebenso selbstverständlich wollen sie mit dem Vermögen von ihrem Mann abhauen. Doch Murray hat sie nicht in seinem Testament bedacht. Genau die richtige Aufgabe für einen ausgefuchsten Kartenprofi.

„Lucky at Cards“ beginnt mit einer typischen Noir-Situation. Doch schon durch eine kleine Variation beginnt der Krimi in ungewohnten Bahnen zu verlaufen. Das Liebespaar muss sich nämlich nicht überlegen, wie sie den Geldesel umbringt, sondern wie sie ihn in eine Lage hineinmanövrieren, in der er ihnen sein Geld gibt. Damit verläuft auch das Scheitern von Bill Maynards Plan, schließlich denkt Murray Rogers nicht daran sein Geld oder seine Frau herzugeben, in ungewohnten Bahnen.

Der damals noch junge Lawrence Block erzählt diese Geschichte auf wenigen Seiten geradlinig in einem angemessen nüchternen Hardboiled-Tonfall. Damit ist er näher an seinen Matthew Scudder-Romanen als an seinen Evan Tanner- und Bernie Rhodenbarr-Geschichten. Für Block-Fans ist „Lucky at Cards“ ein Pflichtkauf. Für andere ein guter Anfang einen der großen lebenden Krimiautoren kennen zu lernen.

 

 

Lawrence Block: Lucky at Cards

Hard Case Crime, 2007

224 Seiten

6,99 US-Dollar (circa 6 Euro)

 

Erstausgabe: Sheldon Lord: The Sex Shuffle, 1964

 

 

Hinweise:

Alles über Lawrence Block erfahren Sie in dem von mir herausgegebenen Werk „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“

Meine Besprechung von „All the Flowers are dying“

Homepage von Lawrence Block

Homepage von Hard Case Crime (Diese Covers!)


Mit Elmore Leonard in die Dreißiger

Oktober 4, 2007

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Der in den Dreißigern in Oklahoma spielende Krimi “Gangsterbraut” ist einer von Elmore Leonards besten Romanen. Nach einigen schwächeren Werken begab er sich mit „Gangsterbraut“ in die Zeit, als Gangster wie John Dillinger, Machine Gun Kelly, Pretty Boy Floyd, Ma Baker, Bonnie Parker und Clyde Barrow und ihre staatlichen Verfolger die Schlagzeilen beherrschten. Mit dem Prohibitionswestern „Schwarzer Schnaps und blaue Bohnen“ (The moonshine war, 1969) hatte Leonard bereits einmal einen Roman in dieser Ära spielen gelassen. Bekannter ist er für seine frühen, kaum ins Deutsche übersetzten Western und seine in der Gegenwart spielenden Kriminalromane, die vieles von der Mythologie des Western übernommen haben.

Der charismatische Held seines neuesten auf Deutsch erschienenen Romans ist Carlos Huntington Webster, oder kurz Carl Webster. Mit fünfzehn Jahren erschießt er, auf einem Pferd sitzend, auf 200 Meter Distanz einen Viehdieb. Zu seinem Vater sagt er: „Ich hab mich gefragt, warum er nicht glaubte, dass ich schießen würde.“ Einige Jahre später ist er „The Hot Kid“ (so der Originaltitel) des U. S. Marshals Service in Tulsa, Oklahoma. Für sein Alter ist er sehr erwachsen, ein glänzender Schütze und ehrgeizig. Er will die Bösen fangen. Lebendig oder auch tot.

Sein Gegner ist Jack Belmont. Der Sohn eines Ölmoguls will seinem Vater beweisen, dass er auf eigenen Füßen stehen kann. Er raubt Banken aus mit dem Ziel Staatsfeind Nummer 1 zu werden.

Zwischen den beiden Männern steht Louly Brown, die aller Welt erzählt, sie sei die Freundin von Pretty Boy Floyd. Jetzt ist sie mit Carl Webster liiert.

„True Detective“-Reporter Tony Antonelli zeichnet den Kampf zwischen den beiden Männern mit den normalen Übertreibungen der Sensationspresse auf. Und es gibt für ihn viel zu schreiben über den Kampf zwischen Polizisten und Verbrechern auf staubigen Landstraßen und abgelegenen Berghütten.

In seinem entspannt-lakonischen Tonfall erzählt Elmore Leonard in dem episodischen Roman „Gangsterbraut“ von dieser legendenumwobenen Zeit. Wie immer gelingt es Leonard in seinen trockenen Dialogen die Personen mit wenigen Worten zu charakterisieren. Der 1925 Geborene lässt so die Zeit seiner frühesten Erinnerungen glanzvoll wiederauferstehen.

Der Titel ist, wie bei „Callgirls“ seltsam unzutreffend, weil wieder ohne Not die Hauptfigur geändert wird. So wurde aus „Mr. Paradise“ in Deutschland „Callgirls“ und aus „The Hot Kid“ wird „Gangsterbraut“. Dabei geht es in dem historischen Kriminalroman nur um „Hot Kid“ Webster. Leonard, der seine Charaktere fast immer nur in einem Roman benutzt, gefiel der U. S. Marshall so gut, dass er mit dem „New York Times“-Fortsetzungsroman „Comfort to the Enemy“ und „Up in Honey’s Room“ zwei weitere Carl-Webster-Abenteuer folgen ließ.

 

 

Elmore Leonard: Gansterbraut

(übersetzt von Jochen Stremmel)

Goldmann, 2007

384 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

Elmore Leonard: The Hot Kid

Morrow, Mai 2005

320 Seiten

 

Hinweise:

Homepage von Elmore Leonard:

http://www.elmoreleonard.com/

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-vierzig.html  

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-sechs.html

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“:

http://www.nordpark-verlag.de/krimikritiksieben-jahrbuch-2006.html

 


Mörderische Berliner Unterwelt

September 25, 2007

 

Ich liebe bei DVDs die „Geschnittenen Szenen“. Am liebsten sogar mit einem Audiokommentar des Regisseurs oder Produzenten, in dem sie sagen warum eine eigentlich gute Szene doch nicht die letzte Schnittfassung überlebte. Die Macher sagen dann immer wieder, sie hätten die Szene gestrichen, weil sie von der eigentlichen Geschichte ablenkte oder diese nicht voranbrachte oder die Information bereits in einer anderen Szene vermittelt wurde.

Beim Lesen von Marcel Feiges Roman „Wut“ dachte ich immer wieder, wie viele überflüssige Szenen in dem Wälzer sind und ohne Verluste gestrichen werden könnten. Ganze Handlungsstränge bringen die Geschichte nicht voran. So erfahren wir alles Mögliche über einen Boulevardreporter. Aber nichts davon hat etwas mit der Jagd nach dem Mörder zu tun. Das gleiche gilt für Jessy Kalkbrenner; die erwachsene Tochter des Kommissars. Es ist für die Handlung vollkommen egal, dass sich ihre Eltern gerade scheiden lassen, dass sie ihren Vater nie ans Telefon bekommt, dass sie in einer Kneipe jobbt, wie anstrengend die Arbeit ist und dass sie mit ihren Freunden einen Geburtstag feiern will. Nichts davon hat etwas mit der Jagd nach dem Mörder zu tun. Nichts davon verrät uns wirklich etwas über die Charaktere. Diese bleiben letztendlich doch nur die aus dem Fernsehen bekannten Klischeefiguren. Denken Sie nur an die zahlreichen Kinder der „Tatort“-Kommissare die auch in ihren Zwanzigern immer noch aus dem elterlichen Nest wollen. An die Myriaden von TV-Kommissare, die gerne mal einen Sexualverbrecher so richtig hart rannehmen würden, keine Zeit für ihre Familie haben, der beste Ermittler der Stadt sind und suspendiert werden.

Außerdem sind in „Wut“ viele Szenen redundant. Nachdem Kommissar Kalkbrenner bei seinem ersten Auftritt ein Treffen mit seiner Tochter verpasst, wissen wir, dass für ihn der Beruf wichtiger als die Familie ist. Wir müssen das nicht unzählige Male mit kleinen Variationen immer wieder lesen. Ebenso müssen wir nicht zweimal lesen, dass Kalkbrenners demente Mutter wieder in ihre alte Wohnung geht und der Nachmieter ein doofer Stinkstiefel ist. Es bringt die Handlung nicht voran. Es sagt auch in der Wiederholung nicht mehr über den Charakter aus. Dramaturgisch gesehen ist es die gleiche Situation und das gleiche Verhalten. Also überflüssig.

Doch so füllt Feige letztendlich hunderte von Seiten. Dabei bewegt sich sein Hauptplot, die Jagd nach dem Mörder, ohne große Wendungen auf ihr Ziel zu. Dieser Plot verläuft sogar so geradlinig, dass der Klappentext fast alles verrät, weil er nicht anders kann.

Denn vor dem ersten Mord führt Feige Kommissar Paul Kalkbrenner, den Studenten Leif Nehring, Kalkbrenners Tochter Jessica, Kommissar Richard Stäuber und den Boulevardjournalisten Harald Sackowitz ein. Wer davon für die Geschichte wichtig sein wird und wer nicht, ist bis dahin – wenn man den Klappentext nicht kennt – vollkommen unklar. Geübte Krimileser dürften richtig vermuten, dass Kalkbrenner und Nehring die beiden Hauptcharaktere sind. Während Kalkbrenner den Mörder sucht und dabei weitere Leichen im Untergrund von Berlin findet, beginnt Nehring seine Sozialstunden beim Obdachlose e. V. abzuleisten. Er versorgt im Untergrund von Berlin Menschen mit Medikamenten. Als er den Dealer Ramon, dem er seine Strafe zu verdanken hat, sieht, verfolgt er ihn in den Untergrund und beobachtet, wie Ramon von einem Mann erschossen wird. Nehring kann flüchten. Als er später wieder zur Sozialstation geht, wird er bereits von Kalkbrenner erwartet. Bei dem Gespräch verheddert Nehring sich in Widersprüche und – jetzt habe ich ein Problem. Bis jetzt sind zwei Drittel des Romans um. Feige enthüllt bei diesem Gespräch die Identität des Mörders. Im letzten Drittel gibt es dann noch den Mord an einer US-Botschaftsangehörigen, ein Besäufnis, eine Kneipenschlägerei, mehrere Auftritte von anzugtragenden Bösewichtern und schließlich ein weiteres Treffen zwischen Kalkbrenner und Nehring, die nur gemeinsam die Mordserie stoppen können.

Letztendlich liest sich „Wut“ wie die Vorlage für den gähnend langweiligen „Großen Fernsehfilm der Woche“. Nie wird das Verhältnis von Haupt- und Nebengeschichten in ein sinnvolles Verhältnis gesetzt. Nie wird deutlich, wer die Hauptcharaktere und wer die Nebencharaktere sind und welche Bedeutung sie für die Geschichte haben. Alles ist in dem fast fünfhundertseitigen Werk irgendwie gleich wichtig. Früher hätte ein Pulpautor auf zweihundert Seiten die gleiche Geschichte mit zwei, drei weiteren Twists und einem weniger vorhersehbarem, gemeinerem Ende erzählt. Das wäre dann ein spannender Thriller und ein düsteres Großstadtporträt geworden.

 

Marcel Feige: Wut

Goldmann, 2007

480 Seiten

8,95 Euro

 

Homepage des Autors

 

Lesung

Marcel Feige liest aus seinem Thriller „Wut“ am Donnerstag, den 27. September, um 20.30 Uhr in den Räumen der Berliner Unterwelten (Brunnenstraße 108a). Vor der Lesung gibt es eine Führung durch die historische Luftschutzanlage im U-Bahnhof Gesundbrunnen. Der Treffpunkt ist die südliche Vorhalle des U-Bahnhofs Gesundbrunnen (Ausgang Humboldthain/Brunnenstraße). 

(Weitere Informationen zur Lesung)


Stephen King und Ich

September 20, 2007

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„Im Hetton House begann John, Geschichten zu schreiben. Es waren holprige Sachen, mit starken Anleihen bei den Filmen, die er sich mit Blaze ansah, aber allmählich verschaffte er sich mit ihnen eine gewisse Popularität unter den Gleichaltrigen. Die anderen Jungs fanden es nicht gut, wenn man klug war, aber sie bewunderten eine gewisse Art von Cleverness. Und sie liebten Geschichten. Sie sehnten sich nach Geschichten.

Bei einem ihrer Ausflüge sahen sie sich einen Vampirfilm mit dem Titel Messias des Bösen an. John Cheltzmanns Version gipfelte darin, dass Graf Igor Yorga einer halb nackten jungen Schönheit ‚mit bebenden Brüsten, so groß wie Wassermelonen’, den Kopf abriss und dann mit dem Kopf unter dem Arm in den Fluss Yorba sprang. Der Titel dieses seltsamen Underground-Klassikers lautete Yorga beobachtet dich.“

Wenn wir Stephen Kings unterhaltsamer Mischung aus Schreibratgeber und Memoiren „Das Leben und das Schreiben“ (On Writing – A Memoir of the Craft) glauben dürfen, war King genau wie der in seinem gerade erschienenen Schubladenroman „Qual“ beschriebene John Cheltzmann. Ein Junge, der Geschichten aufsog, schrieb und bereits auf dem Schulhof verkaufte. Seitdem hat sich nur sein Schulhof vergrößert.

Meine erste Begegnung mit Stephen King war „Carrie“. Ich fand sein Debüt, diese Mischung aus Carries Geschichte und den Zeitungsartikeln, grauenhaft und schwor mir nie wieder ein Buch von King zu lesen. Denn damals wurde der neue König des Horrorromans bereits exzessiv abgefeiert und ich dachte mir, wenn seine anderen Bücher genauso sind, kann ich meine Lesezeit besser investieren. Später las ich dann „Dead Zone“ und „Feuerkind“. Beide Bücher – irgendwie King-untypisch mehr Thriller als Horrorroman – gefielen mir viel besser und seitdem las ich immer wieder Romane, Novellen (dazu gehört bei King alles zwischen dreißig und zweihundert Seiten) und Kurzgeschichten von ihm.

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schien auch kein Monat ohne eine neue Stephen-King-Verfilmung zu vergehen. „Carrie“ (von 1976), „Shining“, „Christine“, „Dead Zone“, „Stand by me“ und “Misery” waren die guten. Etliche andere Verfilmungen von Romanen und Kurzgeschichten des produktiven Horrorautors sind inzwischen ziemlich vergessen. Eine kleine Ausnahme bildet die verfilmte Kurzgeschichte „Kindes des Korns“. Kritiker ließen kein gutes Haar an dem Film. Aber es gingen genug Menschen ins Kino, um fünf Fortsetzungen zu rechtfertigen, die oft die schon nicht herausragende Qualität des Originals unterboten. Bei „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ (Maximum Overdrive) führte King Regie und wurde als schlechtester Regisseur für einen Razzie nominiert. Prince gewann.

King schrieb in diesen Jahren „Cujo“ (anscheinend im Vollrausch), „Friedhof der Kuscheltiere“, „Christine“, „Sie“ (Misery) und „Stark – The Dark Half“. In letzterem bereitet ein lebendig werdendes Pseudonym einem Autor massive Probleme. „Stark“ war natürlich auch eine Abrechnung mit Richard Bachman. King hatte unter diesem Pseudonym einige Romane veröffentlicht, weil sein Verlag meinte, die Leser würden nicht so viele King-Bücher kaufen, wie er schrieb. Außerdem wollte King wissen, ob seine Bücher wegen seinem Namen oder dem Inhalt gekauft würden. Nachdem das Pseudonym enthüllt war, verkauften sich auch die Richart-Bachman-Romane prächtig.

Das Jahrzehnt schloss mit der Uncut-Edition des schon im Original unglaublich dicken „The Stand – Das letzte Gefecht“ ab. Bereits die kurze Version von um die 900 Seiten legte ich nach etwa einem Drittel weg. Die Schicksale der verschiedenen Charaktere, die auf getrennten Wegen durch ein entvölkertes Amerika gehen und sich am Ende zu dem titelgebenden letzten Gefecht treffen, faszinierten mich nicht so sehr. Außerdem lagen damals sicher einige Bücher von Jim Thompson auf meinem Nachttisch.

Die Neunziger Jahre begann Stephen King mit einem „Dark Tower“-Wälzer.

Das war für mich dann entschieden zuviel Fantasy (mit einer Portion Horror) und zu wenig Krimi. Aber ich griff trotzdem immer wieder zu einer Kurzgeschichte oder einem Roman von Stephen King und sie gefiel mir jedes Mal.

Inzwischen ebbte hier die große mediale King-Euphorie ab. Denn er war nicht mehr die neue Sensation, sondern ein etablierter Autor. Die ersten Bücher über das Phänomen King landeten bereits auf den Ramschtischen. Die Verfilmungen wurden seltener. Jedenfalls die Verfilmungen, die im Kino liefen. Denn auf Video erschienen zahlreiche weitere Verfilmungen. Außerdem gab es im Fernsehen Miniserien, die selten wiederholt werden; falls sie in Deutschland gezeigt wurden.

Die beste King-Verfilmung der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts basierte auf einem Kurzroman, war ein Krimi und wurde im Kino nicht als King-Verfilmung beworben. Denn „Die Verurteilten“ hat einfach nichts mit übernatürlichem Horror zu tun.

Zwei weitere „Dark Tower“-Romane folgten. Er schrieb 1996 den Fortsetzungsroman „The Green Mile“. Und er gründete mit anderen Schriftstellern die Rockband „Rock Bottom Remainders“.

In den vergangenen Jahren zog Stephen King (der allerdings noch nie einen Ruf als Partylöwe zu verlieren hatte) sich aus der Öffentlichkeit etwas zurück. Schuld daran war im Juni 1999 ein schwerer Autounfall. Während eines Spaziergangs wurde er von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Bis er wieder in seinem normalen Tempo Schreiben konnte, verging viel Zeit. In „Das Leben und das Schreiben“ erzählte er von dem Unfall und seiner Genesung.

Die Zahl der Verfilmungen ebbte nicht ab. In Deutschland bekamen wir davon allerdings wenig mit, weil nur wenige Verfilmungen im Kino starteten und viele weder auf DVD noch im Fernsehen gezeigt wurden. In den USA startete die erfolgreiche TV-Serie „Dead Zone“. In Deutschland wurde nur etwas mehr als die Hälfte der Episoden ausgestrahlt.

Ich begann wieder mehr von Stephen King zu lesen. Es begann mit “Das Leben und das Schreiben”. In dem Buch erzählt King viel von sich und gibt nützliche Tipps zum Schreiben von Geschichten. Danach gab es bei Hard Case Crime seine sehr umstrittene Novelle „The Colorado Kid“ (Bei King gelten immer noch andere Maßstäbe für die Seitenzahl.). Denn „Colorado Kid“ ist eine Kriminalgeschichte. King sagt „Softboiled“. Sie hat keine richtige Auflösung. Aber mir gefiel es, den beiden alten Journalisten zuzuhören, wie es ihnen so gelingt, die junge Frau letztendlich von dem Job in der Provinzzeitung zu überzeugen. Da schrieb ein Erzähler auf der Höhe seines Könnens.

Zuletzt veröffentlichte Stephen King „Blaze“ (hat hier den unpassenden Titel „Qual“). Diesen Kriminalroman schrieb Stephen King als Richard Bachmann bereits vor ungefähr 35 Jahren und, auch nach den Überarbeitungen, gibt er immer noch einen Blick in die Anfangstage des Königs des Horrorromans.

Heute feiert Stephen King seinen sechzigsten Geburtstag. Er lebt immer noch in Maine. Er ist immer noch mit Tabitha King verheiratet. Seine Söhne Joe Hill und Owen King schreiben ebenfalls.

Herzlichen Glückwunsch!

Hinweise:

Homepage von Stephen King

Fantastic Fiction listet die Werke von Stephen King, die wichtigsten Nominierungen und Preise und die Bücher über Stephen King auf (dürfte ziemlich vollständig sein)

Meine Besprechung von „Qual“

Meine Besprechung der in „Die hohe Kunst des Mordens (herausgegeben von Ed McBain) enthaltenen Kurzgeschichte „Nachgelassene Dinge“


Frühes Werk eines Königs

September 19, 2007

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Das Gebaren der Verlage ist schon seltsam. Bei „Colorado Kid“ wurde das Nachwort von Stephen King nicht übersetzt. Bei seinem neuesten Roman „Qual“ wurde aus dem Vorwort ein irgendwo hinten verstecktes Nachwort. Denn nach den amüsant-selbstkritischen Erklärungen von Stephen King gibt es noch die neuere Kurzgeschichte „Erinnerung“.

Diese Umstellung ist keine Kleinigkeit. Denn in seinem ab Seite 343 abgedruckten Vorwort sagt King, dass „Qual“ ein altes Manuskript von ihm sei. Er habe es in den frühen Siebzigern als weiteres Richard Bachmann-Buch geschrieben. „Ich fand ihn toll, als ich ihn schrieb, und Schrott, als ich ihn anschließend las.“, schreibt King in seinem Vorwort. Das Manuskript verschwand, ohne dass er es einem Verleger anbot, in der Schublade. Dort blieb es viele Jahre. Auch wenn die Schublade von Kings Haus in die Fogler Library der Universität von Maine wanderte und die dortige Sammlung von Texten des Schriftstellers ergänzte. Nachdem King von Charles Ardai gefragt wurde, ob er für die „Hard Case Crime“-Serie eine Geschichte habe, erinnerte er sich an „Blaze“ (so der treffendere Originaltitel). Aber King war immer noch nicht richtig zufrieden mit „Qual“ und er schrieb „The Colorado Kid“. Später überarbeitete er „Qual“ und veröffentlichte jetzt die Leidensgeschichte von Blaze. „Dies ist (…) ein alter Roman, aber ich glaube, ich habe mich geirrt, was mein anfängliches Urteil betrifft, dass es ein schlechter Roman sei.“, sagt King über seinen Ende 1972/Anfang 1973 geschriebenen Schubladenroman. Dabei gehen die Einkünfte aus „Qual“ an die Haven Foundation, eine Organisation, die notleidende Künstler unterstützt.

Der Grund für Kings erstes Urteil ist die Hauptfigur Clayton ‚Blaze’ Blaisdell jr. Er ist ein Trottel, der das Pech gleich eimerweise gepachtet hat. Zuerst bringt ihn sein alkoholsüchtiger, alleinerziehender Vater fast um. Seitdem hat Blaze ein Loch im Kopf und ist geistig zurückgeblieben. In der Schule wird der Muskelprotz gehänselt. Im Kinderheim ist es nicht besser. Als er später George kennen lernt, beginnen sie eine Karriere als Kleingangster. Ihr größtes Projekt ist die Entführung des Babys der stinkreichen Familie Gerard. Bei dem Kidnapping gibt es nur ein Problem. Kurz bevor Blaze und George ihren Plan in die Tat umsetzen können, stirbt George. Blaze, auf sich allein gestellt, will es trotzdem tun. Immerhin hilft George ihm aus dem Reich der Toten. Blaze kann das Baby entführen. Dabei hinterlässt er mehr Spuren, als eine durch ein Einkaufszentrum rasende Büffelherde. Entsprechend einfach kann die Polizei ihn Spur verfolgen.

„Qual“ ist, trotz der Überarbeitung des Autors, unverkennbar ein vor Jahrzehnten geschriebener Roman. Damals war King ein junger Autor. Seine Sprache ist hölzerner. Der Aufbau der Geschichte einfach. Der Hauptplot, die Geschichte des Kidnappings, wird immer wieder von chronologisch angeordneten Rückblenden unterbrochen, in denen King von Blaze und dessen Kindheit und Jugend erzählt. Diese Geschichte einer unglücklichen Kindheit in einem zeitlosen, gotisch-düsteren Amerika, in dem die Klassenschranken festgemauert sind, ist wesentlich gelungener als die mit wenigen Wendungen auf ihr fatales Ende zusteuernde Entführungsgeschichte. Denn dass Blaze bei der Entführung Mist bauen wird, dass er von seiner Rolle als Pfleger für das Baby überfordert ist und dass er beschützende Gefühle für es entwickeln wird, ist alles nicht sonderlich überraschend. Auch nicht, dass die Polizei unglaublich leicht seine Fährte aufnehmen kann. Das verläuft entlang den Konventionen der düsteren Pulp-Romane, die King in seiner Jugend verschlang und weshalb er auch dachte, dass „Qual“ eine Geschichte für Hard Case Crime sein könnte.

„Qual“ ist nicht Kings bester Roman. Es ist auch kein unentdeckter Klassiker. Es ist nur der eindrückliche Beweis, wie gut King bereits in seinen frühen Jahren war und, das zeigt die ebenfalls in „Qual“ abgedruckte Kurzgeschichte „Erinnerung“, wie sehr er sich seitdem als Geschichtenerzähler entwickelte. Sie inspirierte King zu seinem neuen, in den USA für Januar angekündigten Roman „Duma Key“.

Stephen King wird am 21. September sechzig Jahre.

 

Stephen King (schreibt als Richard Bachmann): Qual

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Heyne, 2007

384 Seiten

19,95 Euro

 

Originalausgabe:

Blaze

Scribner, New York, 2007

 

Homepage von Stephen King

Besprechung der in „Die hohe Kunst des Mordens (herausgegeben von Ed McBain) enthaltenen Kurzgeschichte „Nachgelassene Dinge“


Umfangreiche Einkaufsliste

September 14, 2007

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Einen ausgezeichneten Überblick über die Kriminalliteratur liefert die von Barry Forshaw geschriebene „The Rough Guide to Crime Fiction“. Der „Crime Time“-Herausgeber hat seinen Wegweiser in fünfzehn sinnvolle Kapitel unterteilt. In ihnen stellt er wichtige Romane und Autoren vor. Über einige Autoren, wie Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle, Ian Fleming (in Verbindung mit James Bond), Patricia Highsmith (mit einem Extrakapitel über Tom Ripley), Elmore Leonard, Derek Raymond und Jim Thompson, gibt es in Kästen weitere biographische Informationen. Sowieso bleibt Forshaw fast nie bei dem vorgestellten Roman stehen, sondern setzt diesen in Bezug zu den anderen Romanen des Autors, anderen zeitgenössischen Autoren, der Wirkung und, bei den Klassikern, wie sich die Geschichten heute lesen.

Bei der Einteilung der vorgestellten Romane in die verschiedenen Abschnitte orientierte Forshaw sich meistens an der Hauptperson. Dazu kommen Kapitel über die frühen, klassischen (Das Goldene Zeitalter), Hardboiled, historischen, psychologischen und ins Englische übersetzten Kriminalromane.

Bei der Auswahl der vorgestellten Romane gelang Forshaw der Spagat zwischen allgemein anerkannten Klassikern (bevorzugt natürlich einfach erhältliche Klassiker) und neuen Autoren, die das Genre in den kommenden Jahren voranbringen können. So wird auch der vielfach nominierte und prämierte Roman „Mr Clarinet“ von Nick Stone vorgestellt. Dass Lee Child (mit „Echo Burning“), Michael Connelly, Robert Crais, Joe R. Lansdale, Lawrence Block (nur ein Burglar-Roman; das halte ich natürlich für skandalös), Elmore Leonard (mehrere Romane; das versöhnt mich wieder), James Lee Burke, Ed McBain, Jeffery Deaver, Colin Dexter, Michael Dibdin, James Ellroy, H. R. F. Keating, Dennis Lehane, Donna Leon und Ian Rankin vorgestellt werden, überrascht nicht.

„The Rough Guide to Crime Fiction“ ist eine ausgezeichnete Kaufliste für Novizen (allerdings etwas teuer, denn Forshaw empfiehlt viele Bücher) und macht auch Kenner auf einige Autoren wieder (?) aufmerksam.

Barry Forshaw: The Rough Guide to Crime Fiction

Foreword by Ian Rankin

Rough Guides, 2007

320 Seiten

7,99 Pfund (circa 12,65 Euro)

Homepage von „Crime Time“

Vorwort von Ian Rankin

Für alle, die die Bücher auf Deutsch lesen wollen, gibt es jetzt die Liste der besprochenen Romane mit den deutschen Titeln:

1) Reading the entrails: Origins, motives, sources

E. C. Bentley: Trent’s Last Case, 1913 (Trents letzter Fall)

John Buchan: The Thirty-Nine Steps, 1915 (Die neunundreißig Stufen)

G. K. Chesterton: The Man Who Was Thursday, 1908 (Der Mann, der Donnerstag war)

Erskine Childers: The Riddle of the Sands, 1903 (Das Rätsel der Sandbank)

Arthur Conan Doyle: The Casebook of Sherlock Holmes, 1927 (Sherlock Holmes’ Buch der Fälle)

Ernest William Hornung: The Amateur Cracksmann, 1899 (Raffles – Der Amateur-Einbrecher)

2) The Golden Age: Classic mysteries

Margery Allingham: Tiger in the Smoke, 1952 (Die Spur des Tigers)

Nicholas Blake: The Beast must die, 1938 (Mein Verbrechen)

Christianna Brand: Green for Danger, 1944

John Dickson Carr: The Hollow Man/The Three Coffins, 1935 (Der verschlossene Raum; Die drei Särge; Der Unsichtbare)

Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934 (Mord im Orientexpress; Die Frau im Kimono; Der rote Kimono)

Edmund Crispin: Love Lies Bleeding, 1948 (Liebe stirbt zuerst; Mit Geheimtinte)

Erle Stanley Gardner: The Case of the turning Tide, 1941 (Das Rätsel der tanzenden Jacht)

Patrick Hamilton: Hangover Square, 1941 (Hangover Square – Eine Geschichte aus dem finstersten Earl’s Court)

Geoffrey Household: Rogue Male, 1939 (Einzelgänger, männlich; Der Gejagte)

Francis Iles: Malice Aforethought, 1931 (Vorsätzlich)

Ngaio Marsh: Surfeit of Lampreys, 1940 (Tod im Lift; Familie Lamprey)

Dorothy L. Sayers: Gaudy Night, 1936 (Aufruhr in Oxford)

Josephine Tey: The Franchise Affair, 1949 (Die verfolgte Unschuld; Der große Verdacht)

3) Hardboiled and pulp: Tough guys and tough talk

W. R. Burnett: The Asphalt Jungle, 1949 (Asphalt-Dschungel; Da waren es nur noch zwei)

James M. Cain: The Postman Always Rings Twice, 1934 (Wenn der Postmann zweimal klingelt…, Die Rechnung ohne den Wirt)

Raymond Chandler: The Big Sleep, 1939 (Der große Schlaf)

James Hadley Chace: No Orchids for Miss Blandish, 1939 (Die Erbschaft der Carol Blandish; Keine Orchideen für Miss Blandish)

David Goodis: The Moon in the Gutter, 1953 (Der Mond in der Gosse)

Dashiell Hammett: Red Harvest, 1929 (Rote Ernte)

Geoffrey Homes: Build my Gallows High, 1946 (Goldenes Gift)

Ross Macdonald: The Galton Case, 1959 (Der Fall Galton; Ein schwarzes Schaf verschwindet)

Mickey Spillane: Kiss me, deadly, 1952 (Küss mich, Tod; Rhapsodie in Blei; Die verlorenen Schlüssel)

Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen; Die Abzocker)

4) Private eyes: Sleuths and gumshoes

Kate Atkinson: Case Histories, 2004 (Die vierte Schwester)

James Lee Burke: Purple Cane Road, 2001 (Straße ins Nichts)

Harlan Coben: The Final Detail, 1999 ( – )

Michael Connelly: City of Bones, 2002 (Kein Engel so rein)

Robert Crais: The Last Detective, 2003 ( – )

Stella Duffy: Calendar Girl, 1994 (Septemberfrau)

Kinky Friedman: Steppin‘ on a Rainbow, 2001 (Tanz auf dem Regenbogen)

Sue Grafton: S is for Silence, 2006 ( – )

Dashiell Hammett: The Maltese Falcon, 1929 (Der Malteser-Falke)

Joseph Hansen: Gravedigger, 1982 (Schattenreich)

David Hewson: A Season for the Dead, 2004 (Das Blut der Märtyrer)

Joe R. Lansdale: Sunset and Sawdust, 2004 ( – )

Dennis Lehane: Prayers for Rain, 1999 (Regenzauber)

John D. MacDonald: One Fearfull Yellow Eye, 1966 (Die gelben Augen)

Ross Macdonald: The Moving Target, 1948 (Reiche sterben auch nicht anders; Das wandernde Ziel)

Katherine V. Forrest: Murder at the Nightwood Bar, 1987 (Die Tote hinter der Nightwood Bar)

Reggie Nadelson: Sex Dolls, 2002

Sara Paretsky: Blacklist, 2003 (Blacklist)

Robert B. Parker. Stone Cold, 2003 ( – )

George Pelecanos: Hell to Pay, 2002 (Wut im Bauch)

Mike Ripley: Angel on the Inside, 2003 ( – )

Alexander McCall Smith: The No. 1 Ladies Detective Agency, 2002 (Ein Krokodil für Mma Ramothswe; Dunkler Zauber)

Peter Spiegelman: Black Maps, 2004 ( – )

Nick Stone: Mr Clarinet, 2006 ( – )

5) Cops: Police procedurals and mavericks

Lee Child: Echo Burning, 2001 (In letzter Sekunde)

Jon Cleary: The High Commissioner, 1966

Martina Cole: Broken, 2000 ( – )

Jeffery Deaver: The Blue Nowhere, 2001 (Lautloses Duell)

Colin Dexter: The Way through The Woods, 1992 (Finstere Gründe)

Michael Dibdin: Medusa, 2003 (Im Zeichen der Medusa)

James Ellroy: LA Confidential, 1990 (L. A. Confidential; Stadt der Teufel))

Reg Gadney: The Scholar of Extortion, 2003 ( – )

Lisa Gardner: The Third Victim, 2001 (Der Schattenmörder)

Elizabeth George: A Traitor of Memory, 2001 (Nie sollst du vergessen)

Caroline Graham:A Ghost In The Machine, 2004 (Nur wer die Wahrheit sieht)

Donald Harstad: The Big Thaw, 2000 ( – )

P. D. James: The Murder Room, 2003 (Im Saal der Mörder)

Quintin Jardine: Head Shot, 2002 ( – )

H. R. F. Keating: Breaking And Entering, 2000 ( – )

Simon Kernick: The Business of Dying, 2002 (Tage des Zorns)

Stephen Leather: Soft Target, 2005 ( – )

Dennis Lehane: Mystic River, 2001 (Mystic River; Spur der Wölfe)

Donna Leon: Uniform Justice, 2003 (Verschwiegene Kanäle)

Ed McBain: The Empty Hours, 1962 (Zwischen Tag und Tod, in Ullstein Kriminalmagazin 3)

Barry Maitland: The Marx Sisters, 1994 (Die Marx-Schwestern)

Barbara Nadel: Arabesk, 2000 (Arabeske)

Martin O’Brien: Jacquot and the Angel, 2005 ( – )

Ian Rankin: The Falls, 2001 (Puppenspiel)

Ruth Rendell: The Babes in the Wood, 2002 (Dunkle Wasser)

Peter Robinson: Playing with Fire, 2004 (Kein Rauch ohne Feuer)

Georges Simenon: The Madman of Bergerac, 1932 (Maigret und der Verrückte von Bergerac; Maigret und der Verrückte)

Martin Cruz Smith: Gorky Park, 1981 (Gorki Park)

Joseph Wambaugh: Hollywood Station, 2006 ( – )

Charles Willeford, Sideswipe, 1987 (Seitenhieb)

Robert Wilson: The Silent and The Damned, 2004 (Die Toten von Santa Clara)

6) Professionals: Lawyers, doctors, forensics and others

James M. Cain: Double Indemnity, 1943 (Doppelte Abfindung)

Robin Cook: Seizure, 2003 (Die Operation)

Patricia Cornwell: Blowfly, 2003 (Die Dämonen ruhen nicht)

Janet Evanovich: Hard Eight, 2002 (Heiße Beute)

Frederick Forsyth: Avenger, 2003 (Der Rächer)

Clare Francis: A Dark Devotion, 1997 (Dunkles Geheimnis)

Tess Gerritsen: Body Double, 2005 (Schwesternmord)

John Grisham: The Broker, 2005 (Die Begnadigung)

George V. Higgins: The Rat on Fire, 1981

Val McDermid: The Last Temptation, 2002 (Ein kalter Strom)

Philip Margolin: Ties That Bind, 2003 ( – )

John McLaren: Blind Eve, 2004 ( – )

Kathy Reichs: Déjà Dead, 1997 (Tote lügen nicht)

Scott Turow: Presumed Innocent, 1987 (Aus Mangel an Beweisen)

7) Amateurs: Journalists and innocent bystanders

Christopher Brookmyre: Be My Enemy, 2004 ( – )

G. K. Chesterton: The Innocence of Father Brown, 1911 (Vater Browns Einfalt)

Martina Cole: The Graft, 2004 (Das Abbild)

Dick Francis: Dead Cert, 1962 (Aufs falsche Pferd gesetzt, Todsicher)

Jonathan Gash: Spend Game, 1980 ( – )

Robert Goddard: Dying To Tell, 2001 (Der verborgene Schlüssel)

Peter Guttridge: No Laughin Matter, 1997 ( – )

Mo Hayder: Tokyo, 2002 (Tokio)

Joanna Himes: Angels of the Flood, 2004 ( – )

Tami Hoag: Dark Horse, 2002 (Schattenpferd)

Lynda La Plante: Sleeping Cruelty, 2000 ( – )

Elmore Leonard: Rum Punch, 1992 (Jackie Brown)

John D. MacDonald: The Executioners, 1957 (Kap der Angst; Ein Köder für die Bestie)

Iain Pears: The Portrait, 2005 ( – )

Ruth Rendell: Adam and Eve and Pinch Me, 2001 (Der Liebesbetrug)

Phil Rickman: The Smile of a Ghost, 2005 ( – )

Michael Ridpath: The Predator, 2001 (Das Programm)

James Siegel: Derailed, 2003 (Entgleist)

Alexander McCall Smith: Friends, Lovers, Chocolate, 2005 (Das Herz des fremden Toten)

John Williams: Cardiff Dead, 2000 ( – )

8) All in the mind: Matters psychological

Carla Banks: The Forest of Souls, 2005 (Der Wald der toten Seelen)

Iain Banks: The Wasp Factory, 1984 (Die Wespenfabrik)

Marc Behm: The Eye of the Beholder, 1980 (Das Auge)

Thomas H. Cook: The Murmur of Stones, 2005 ( – )

Nicci French: Land of the Living, 2003 (In seiner Hand)

Frances Fyfield: Seeking Sanctuary, 2003 (Nur wer frei von Sünde ist)

Patrica Highsmith: Strangers on a Train, 1950 (Zwei Fremde im Zug; Alibi für zwei)

Maxim Jakubowski: Confessions of a Romantic Pornographer, 2004 ( – )

Morag Joss: Half Broken Things, 2003 (Des Hauses Hüter)

Jonathan Kellerman: Flesh and Blood, 2001 (Fleisch und Blut)

Danny Leigh: The Monsters of Gramercy Park, 2005 (Die Seele des Bösen)

Ed McBain/Evan Hunter: Candyland, 2001 ( – )

Julia Wallis Martin: Dancing with an uninvited Guest, 2002 (Tanz mit dem ungebetenen Gast)

Derek Raymond: I Was Dora Suarez, 1990 (Ich war Dora Suarez)

James Sallis: Ghost on a Flea, 2001 ( – )

Minette Walters: Disordered Minds, 2003 (Der Außenseiter)

Laura Wilson: Hello Bunny Alice, 2003 (Im Dunkel der Angst)

Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Fenster zum Hof, die einzige Kurzgeschichte in dem Buch)

9) The killer inside me: Serial killers

David Baldacci: Hour Game, 2004 (Mit jedem Schlag der Stunde)

Marik Billingham: Lifeless, 2005 (In der Stunde des Todes)

John Connolly: Bad Men, 2003 (Die Insel)

Bret Easton Ellis: American Psycho, 1991 (American Psycho)

James Ellroy: Silent Terror/Killer on the Road, 1986 (Stiller Schrecken)

Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

Mo Hayder: The Treatment, 2002 (Die Behandlung)

David Lindsey: A Cold Mind, 1983 (Kalter Amok)

Karin Slaughter: Faithless, 2005 (Gottlos)

James Patterson: Four Blind Mice, 2002 (Mauer der Schweigens)

Ruth Rendell: The Rottweiler, 2003 (Der Duft des Bösen)

Jim Thompson: The Killer inside Me, 1952 (Der Mörder in mir)

Charles Williams: Dead Calm, 1963 (Tödliche Flaute)

10) In the belly of the beast: Criminal protagonists

Alex Abella: The Killing of the Saints, 1991 (Fremde Götter)

Lawrence Block: The Burglar On The Prowl, 2002 ( – )

Eddie Bunker: No Beast so Fierce, 1973 (Wilder als ein Tier)

Martina Cole: Maura’s Game, 2002 ( – )

James Crumley: The Final Country, 2001 (Land der Lügen)

Frederick Forsyth: The Day of the Jackal, 1971 (Der Schakal)

Graham Greene: Brighton Rock, 1938 (Am Abgrund des Lebens)

Carl Hiaasen: Sick Puppy, 2000 (Krumme Hunde)

Gerald Kersh: Night and the City, 1938 (Nachts in der Stadt)

Elmore Leonard: Swag, 1976 (Beute; Dies ist ein Überfall)

Gilda O’Neill: The Sins of their Fathers, 2002 ( – )

Derek Raymond: The Crust on Its Uppers, 1962 ( – )

Kevin Sampson: Clubland, 2001 ( – )

Mark Timlin: Answers from the Grave, 2003 ( – )

11) Organized crime: Wiseguys and godfathers

Jake Arnott: The Long Firm, 1999 (Der große Schwindel)

W. R. Burnett: Little Caesar, 1929 (Little Caeser)

James Crumley: Bordersnakes, 1996 (Jeder gräbt sein eigenes Grab)

Ted Lewis: Get Carter/Jack’s Return Home, 1970 (Jack Carters Heimkehr; Jack rechnet ab)

Michael Dibdin: And Then You Die, 2002 (Roter Marmor)

James Ellroy: American Tabloid, 1995 (Ein amerikanischer Thriller)

Elmore Leonard: Get Shorty, 1990 (Schnappt Shorty)

Mario Puzo: The Godfather, 1969 (Der Pate)

Richard Stark: Point Blank/The Hunter, 1962 (Jetzt sind wir quitt, Payback)

Jim Thompson: The Getaway, 1959 (Getaway)

12) Crime and society: Class, race and politics

Nicholas Blincoe: Acid Casuals, 1995 (Acid Killers)

Natasha Cooper: Gagged & Bound, 2005 ( – )

Michael Crichton: State of Fear, 2004 (Welt in Angst)

Jon Courtenay Grimwood: 9tail Fox, 2005 ( – )

John Harvey: Ash & Bone, 2005 (Schau nicht zurück)

Chester Himes: Cotton comes to Harlem, 1965 (Schwarzes Geld für weiße Gauner)

John le Carré: The Constant Gardener, 2001 (Der ewige Gärtner)

Paul McAuley: White Devils, 2004 ( – )

Denise Mina: Exile, 2001 (Die zweite Tote)

Walter Mosley: Walking the Dog, 1999 (Socrates’ Welt)

Margaret Murphy: The Dispossessed, 2004 (Wer kein Erbarmen kennt)

Stel Pavlou: Gene, 2004 ( – )

David Peace: Nineteen Seventy Seven, 2000 (1977)

Georges Pelecanos: Drama City, 2005 ( – )

Joan Smith: A Masculine Ending, 1987 (Schmutziges Wochenende)

Martin Cruz Smith: Wolves eat Dogs, 2005 (Treue Genossen)

Robert Stone: Dog Soldiers, 1973 (Unter Teufeln)

Minette Walters: Acid Row, 2001 (Der Nachbar)

John Williams: The Prince of Wales, 2003 ( – )

13) Espionage: Spies, spooks and supercriminals

Eric Ambler: Journey into Fear, 1940 (Die Angst reist mit)

Desmond Bagley: Running Blind, 1970 (Blindlings)

Tom Clancy: Red Rabbit, 2002 (Red Rabbit)

Charles Cumming: A Spy by Nature, 2001 ( – )

Len Deighton: The Ipcress File, 1962 (IPCRESS – streng geheim)

Alan Furst: Blood of Victory, 2002 (Die Nacht der Sirenen)

Graham Greene: The Ministry of Fear, 1943 (Zentrum des Schreckens)

Jack Higgins: Bad Company, 2003 (Im Auftrag des Bösen)

John le Carré: The Spy who came in from the Cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Robert Littell: The Company, 2002 (Die Company – Die weltumspannende Sage über die CIA)

Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Die Bourne-Identität; Der Borowski-Betrug)

Charles McCarry: Old Boys, 2004 (In später Mission – angekündigt für 2007; Erscheinungstermin auf unbekannt verschoben)

Andy McNab: Dark Winter, 2003 (Feind ohne Namen)

Henry Porter: Empire State, 2003 (Empire State)

Chris Ryan: Land Of Fire, 2002 ( – )

Gerald Seymour: Traitor’s Kiss, 2003 ( – )

Robert Wilson: The Company of Strangers, 2001 (Das verdeckte Gesicht)

14) Through a glass darkly: Historical crime

Barbary Cleverly: The Damascened Blade, 2003 (Der Tod des Khan)

Lindsay Davis: A Body in the Bathhouse, 2001 (Eine Leiche im Badehaus)

Jeffery Deaver: Garden of Beasts, 2004 ( – )

Robert Harris: Fatherland, 1992 (Vaterland)

Jane Jakeman: In the Kingdom of Mists, 2002 ( – )

Donald James: Walking the Shadows, 2003 ( – )

Michael Jecks: The Last Templar, 1994 (Der letzte Tempelritter)

Deryn Lake: Death in the West Wind, 2001 ( – )

Peter Lovesey: The False Inspector Dew, 1982 (Abschied auf englisch)

Edward Marston: The Frost Fair, 2002 ( – )

Charles Palliser: The Quincunx, 1990 (Quincunx – Das Geheimnis der fünf Rosen)

Georges Pelecanos: Hard Revolution, 2004 ( – )

Elizabeth Peters: The Golden One, 2002 (Die goldene Göttin)

Ellis Peters: A morbid taste for Bones, 1978 (Im Namen der Heiligen)

Julian Rathbone: Lying in State, 1985 (Der Katafalk)

Candace Robb: A Trust Betrayed, 2000 ( – )

Robert Ryan: Night Crossing, 2004 ( – )

C. J. Sansom: Dissolution, 2003 (Pforte der Verdammnis)

Steven Saylor: Last seen in Massilia, 2000 ( – )

Andrew Taylor: The American Boy, 2003 (Der Schlaf der Toten)

David Wishart: A Vote for Murder, 2003 ( – )

Robert Wilson: A Small Death in Lisbon, 1999 (Tod in Lissabon)

15) Foreign bloodshed: Crime in translation

Boris Akunin: The Winter Queen, 2002 (Fandorin)

Guillermo Arriago: The Night Buffalo, 2005

Boileau-Narcejac: Celle qui n’etait pas/Les Diaboliques/The Fiends, 1954 (Die Teuflischen; Tote sollen schweigen)

Andrea Camilleri: The Terracotta Dog, 2004 (Der Hund aus Terracotta)

Friedrich Dürrenmatt: The Pledge, 1959 (Das Versprechen)

Umberto Eco: The Name of the Rose, 1985 (Der Name der Rose)

Karin Fossum: He who fears the Wolf, 2003 (Wer hat Angst vorm bösen Wolf)

Arnaldur Indridason: Voices, 2006 (Engelsstimme)

Sébastien Japrisot: Rider on the Rain, 1992 ( – )

Carlo Lucarelli: Almost Blue, 2003 (Der grüne Leguan)

Henning Mankell: Firewall, 2002 (Die Brandmauer)

Miyuki Miyabe: All she was worth, 1992 ( – )

Arturo Pérez-Reverte: The Queen of the South, 2002 (Königin des Südens)

Georges Simenon: The Man who watched Trains go by, 1946 (Der Mann, der den Zügen nachsah; Der Mann, der die Züge vorbeifahren sah)

Maj Sjöwall/Per Wahlöö: The Man who went up in Smoke, 1969 (Der Mann, der sich in Luft auflöste)

Fred Vargas: Wash this Blood clean from my Hand, 2007 (Der vierzehnte Stein)

Qui Xialong: When Red is Black, 2004 (Schwarz auf rot)

P. S.:

Die deutschen Titel sind nach bestem Wissen angegeben. Aber ich übernehme keine Garantie.

Ein „( – )“ bedeutet, dass es nach meinen Recherchen keine deutsche Übersetzung gibt. Keine Klammer bedeutet, dass es wahrscheinlich keine deutsche Übersetzung gibt oder ich den deutschen Titel nicht hinreichend genau herausgefunden habe.

Das ganze hat natürlich viel länger gedauert, als ich gedacht habe.


Ein Detektiv trauert

September 12, 2007

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Trauer ist ein lähmendes Gefühl. Das überträgt sich auch auf John Rickards zweiten Alex-Rourke-Roman „Die Stadt der toten Seelen“.

Der Bostoner Privatdetektiv Alex Rourke ist in die Pathologin Gemma Larson verliebt. Er freut sich auf ein Wochenende mit ihr im verschneiten Vermont. Dass sie ihm bei seinem neuesten Fall helfen will, gefällt ihm auch. So kann er das Angenehme mit dem Nützlichen Verbinden. Er soll den 25-jährigen Adam Webb finden. Webb wurde zuletzt vor zwei Monaten in Burlington, Vermont, gesehen. Larson will vor Rourkes Ankunft ihre Kollegen nach dem Verschwundenen fragen. Vielleicht hat ihn jemand behandelt oder seine Leiche gesehen. Noch bevor Alex Rourke nach Vermont aufbrechen kann, wird er von der Polizei angerufen. Seine Freundin wurde in ihrem Auto erschossen. Die Polizei glaubt eher an einen tragischen Jagdunfall. Rourke weiß dagegen, dass er seine große Liebe verloren hat und bevor er mit ernsthaften Ermittlungen beginnt, widmet er sich ausführlich in dem Haus seiner Freundin seiner Trauer. Dabei sieht er in einer gegenüberliegenden Geisterstadt nachts Lichter und er erfährt, dass in den vergangenen Jahren mehrere Menschen in den Wäldern verschwanden.

„Die Stadt der toten Seelen“ hat als Kriminalroman einige Probleme. Das erste ist, dass John Rickards hier seinen Ich-Erzähler Alex Rourke die Geschichte im Präsens erzählen lässt. Einige Formulierungen hören sich falsch an. Andere sind holprig. Mein Lesefluss wird so immer wieder gestört. In seinem neuesten Buch „Risen Furies“ (Arbeitstitel) wechselt Rickards, nach einer kurzen Diskussion in seinem Blog, in die gängigere Vergangenheitsform.

Doch wenn alles andere in „Die Stadt der verlorenen Seelen“ perfekt wäre, würde mich die ungebräuchliche Erzählzeit nicht weiter stören. Dem ist nicht so. Die Genrekonventionen eines Privatdetektivromans, in dem der Held ermittelt, stoßen sich an dem persönlichen Gefühl der Trauer und der damit einhergehenden menschlich normale Untätigkeit. Die Folge ist, dass nach dem Mord an Rourkes Freundin, er erfährt auf Seite 43 davon, bis kurz vor Schluss nichts geschieht, was Rourke erkennbar näher an die Lösung bringt. Er trauert. Er sucht den Mörder seiner Freundin. Er glaubt, dass ihr Mord irgendwie mit den in den Wäldern verschwundenen Menschen zusammenhängt. Doch eine heiße Spur findet er nicht. Dabei ist uns Lesern klar, dass diese von Rourke als unverbundene Puzzleteile präsentierten Verbrechen und Ereignisse miteinander zusammenhängen müssen.

Erst auf Seite 249 fordert Rourkes Partner ihn auf, endlich den verschwundenen Webb zu suchen. Danach findet Rourke erstaunlich schnell eine Spur, die ihn direkt zu Webb und zur Lösung des Mordfalles Larson führt. Diese Lösung ist letztendlich nicht besonders überraschend. Nur unser Held Rourke (und halb Vermont) hat sie wahrscheinlich wegen seiner Trauer nicht gesehen.

 

 

John Rickards: Die Stadt der toten Seelen

(übersetzt von Helmut Splinter)

Goldmann, 2007

352 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

The Touch of Ghosts

Michael Joseph, London, 2004

 

Homepage/Blog von John Rickards:

http://www.johnrickards.com/

Interview mit John Rickards:

http://www.greatwriting.co.uk/index.php?option=com_content&task=view&id=139&itemid=74

 

Probleme von Autoren bei der Arbeit:

John Rickards diskutiert die Frage von Erzähler und Erzählzeit


Frank Elder ist zurück

September 6, 2007

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Wenige Monate nach dem ersten hochgelobten Kriminalroman mit Detective Inspector Frank Elder erscheint „Schau nicht zurück“. In dem zweiten Elder-Roman beweist der in England hochgeschätzte John Harvey wieder einmal seine Klasse. Die Geschichte beginnt mit einem missglückten Polizeieinsatz und wird immer mehr zu einem düsteren Porträt des heutigen Englands.

In London will die Polizei den seit langem gesuchten Gangster James William Grant verhaften. Doch die Verhaftung geht schief. Grant kann Detective Constable Paul Draper erschießen. Anschließend erschießt Einsatzleiter George Mallory ihn. Die einzige Zeugin des Schusswechsels und Beinahe-Opfer Detective Sergeant Maddy Birch kann sich nachher nicht erinnern, ob Grant den Derringer bereits von Anfang an in der Hand hatte oder Mallory ihn nachträglich dorthin legte. Noch während die „Behörde zur Untersuchung polizeilicher Vergehen“ den Fall untersucht, fühlt Maddy Birch sich verfolgt. Kurz darauf ist sie tot. Sie wurde erstochen. Die ersten Ermittlungen des von Detective Chief Inspector Karen Shields, einer Schwarzen, geleiteten Teams führen zu nichts.

Der seit drei Jahren frühpensionierte DI Frank Elder interessiert sich für den Fall. Denn vor sechzehn Jahren hatte er eine sehr kurze Affäre mit Birch. Jetzt will er als unabhängiger, zum Fall hinzugezogener Experte helfen, den Mord aufzuklären.

Gleichzeitig versucht seine sechzehnjährige, vor einem Jahr von Keach entführte und vergewaltige Tochter Katherine ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie trifft sich mit älteren, in Drogengeschäfte verwickelten Jugendlichen. Bei einer Polizeikontrolle wird in ihrer Tasche Heroin gefunden. Elder will ihr helfen.

Vor wenigen Wochen erhielt John Harvey den Diamond Dagger der Crime Writers‘ Association (CWA) für seine Verdienste als Autor. „Schau nicht zurück“, der mittlere Teil der Elder-Trilogie, zeigt eindrucksvoll warum er von seinen Kollegen so geschätzt wird. Denn wie ruhig und überlegt Harvey seine Geschichte ausbreitet, mit wie wenigen Strichen er seine Charaktere lebendig werden lässt und wie pointiert er die heutige britische Gesellschaft porträtiert, das ist ganz einfach wirklich gekonntes Handwerk. Hier arbeitet ein Autor, der sich nicht an irgendwelche modischen Trends anschließt oder mangelnde inhaltliche Substanz mit Sex und Gewalt verdecken will. Insofern ist der 1938 geborene Harvey, genau wie der 1930 geborene Regisseur Clint Eastwood, ein Erzähler der alten Schule. Für sie steht die Geschichte im Mittelpunkt; alles andere muss sich ihr unterordnen.

Deshalb steht in dem Polizeiroman nicht Frank Elder sondern Maddy Birch und die Jagd nach ihrem Mörder im Zentrum der Erzählung. John Harvey stellt sie genauer beim Einsatz, der anschließenden Befragung und mit ihrer Freundin vor. Dann kommt auf Seite 81 der Schock. Die über so viele Seiten liebevoll eingeführte Vierundvierzigjährige wurde ermordet. Bis Frank Elder sich dann in die Ermittlungen einmischt, vergehen wieder etliche Seiten. Auf diesen Seiten beginnt John Harvey den Fall auszubreiten und entwirft ein Porträt des heutigen Englands. Allerdings kein sehr positives Bild. Die Gesellschaft und damit auch die Polizei sind korrupt. Rassismus und Sexismus sind allgegenwärtig. Im Hintergrund wabert ein endloser Krieg gegen den Terrorismus.

Dies ist der Hintergrund für John Harveys ruhig erzählten Polizeiroman, in dem er souverän die Perspektiven wechselt und die einzelnen Erzählstränge so entwickelt, dass man letztendlich unbedingt wissen will, wie der Mord an einer Polizistin mit einer fehlgeschlagenen Verhaftung zusammenhängt.

P. S.: Natürlich können die Elder-Romane unabhängig voneinander gelesen werden.

 

 

John Harvey: Schau nicht zurück

(übersetzt von Sophie Kreutzfeldt)

dtv, 2007

448 Seiten

8,95 Euro

 

Originaltitel:

Ash & Bone

Heinemann, London, 2005

 

Homepage von John Harvey:

http://www.mellotone.co.uk/

CWA zur Verleihung des Cartier Diamond Dagger für John Harvey:

http://thecwa.co.uk/daggers/2007/cartier.html


Es wird gegrantelt

September 4, 2007

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Mit dem Humor und der Sprache ist das so eine Sache. Die einen sind von Manfred Wieninger und seinen vier Marek-Miert-Privatdetektivromanen begeistert. Den anderen geht es wie mir. Sie können mit „Der Engel der letzten Stunde“ einfach nichts anfangen.

Im dritten Roman mit Privatdetektiv Marek Miert ist der reine Krimiplot kaum erkennbar und noch weniger nachvollziehbar. Der übergewichtige, cholerische und vollständig abgebrannte Marek Miert soll die seit über einem Monat verschwundene elfjährige Helene Kafka finden. Dass die Polizei, die gesamte Öffentlichkeit und eine andere Detektei keine Spur von der Verschwundenen gefunden haben, stört Miert nicht. Er beginnt seine Ermittlungen bei Helenes trunksüchtiger Mutter und pöbelt sich dann zur Lösung durch.

Diese Ermittlung interessiert Wieninger aber nur am Rand. Denn es ist einfach unlogisch, dass Miert das gelingen soll, was dem restlichen Österreich nicht gelingt. Trotzdem, soviel Konzession an die Genreregeln muss sein, findet Miert die verschwundene Helene. Aber ich kann unmöglich sagen, wie ihm das auf eine irgendwie nachvollziehbare Art gelungen ist.

Allerdings hat Wieninger auch überhaupt nicht den Anspruch einen gewöhnlichen Privatdetektivroman zu schreiben. Der Grundplot vom Suchen und Finden einer Person bildet für Wieninger nur das Gerüst für einen Rundumschlag auf die österreichische Psyche. Sein Ich-Erzähler Marek Miert grantelt sich zwischen Selbst- und Welthass schwankend durch „Der Engel der letzten Stunde“. Assoziativ springt er von einem Thema und Ermittlungsschritt zum Nächsten und begibt sich dabei immer wieder auf Abwege. Das ist typisch österreichisch und erinnert natürlich an den großen Thomas Bernhard.

In einem Roman mag ich dieses assoziative Granteln nicht.

Und deshalb gefällt mir auch „Der Engel der letzten Stunde“ nicht. Denn von einem Roman erwarte ich immer auch eine nachvollziehbare Geschichte.

 

 

Manfred Wieninger: Der Engel der letzten Stunde

Unionsverlag, 2007

192 Seiten

8,90 Euro

 

Erstausgabe: Haymon-Verlag, 2005

 

Weitere Informationen:

Unionsverlag über Manfred Wieninger:

http://www.unionsverlag.com/info/person.asp?pers_id=1829

Die Befragung:

http://www.alligatorpapiere.de/befragung-wieninger.html

 


Spannendes aus Hamburg-Altona

September 4, 2007

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Neben all den hochgelobten literarischen Kriminalromane und dicken Serienkillerthrillern fällt Robert Bracks neuestes Buch „Schneewittchens Sarg“ kaum auf. Es ist ein schmales Buch. 192 Seiten. Es gibt nur einen Mord. Strukturell ist es ein Whodunit, bei dem es streng nach den Genreregeln auf den Gärtner als Mörder hinausläuft. Doch in seinem neuesten Roman ist Robert Brack an dem Wer-ist-der-Täter-Spiel nur mäßig interessiert. Als Kenner des Genres respektiert und befolgt er die Regeln und präsentiert innerhalb der Genrekonventionen ein pointiertes Bild des gesellschaftlichen Milieus der Achtundsechziger damals und heute.

In den Siebzigern besetzten sie leerstehende Gebäude und begannen verschiedene Projekte. In einem von ihnen, dem Sozial-Verein, wurde vor zwanzig Jahren im Keller die Leiche der erschlagenen siebzehnjährigen Vera vergraben. Als der Vereinssitz des Sozialprojektes jetzt abgerissen wurde, wurde ihr Skelett gefunden.

Die Polizei kommt nicht richtig weiter bei ihren Ermittlungen. Nur der sich treu gebliebene Alt-Achtundsechziger Paul möchte wissen, wer der Täter ist. Er beauftragt die Tochter eines verstorbenen Freundes, Schneewittchens Sarg zu finden. Die finanziell notorisch abgebrannte Privatdetektivin Lenina Rabe nimmt den Auftrag an. Immerhin kann sie ihrem Onkel Paul schlecht diesen Wunsch abschlagen. Kurz darauf erhält sie einen zweiten Auftrag. Sie soll für einen unbekannten, aber zahlungskräftigen Klienten herausfinden, wer der geheimnisvolle Anführer der Dänischen Befreiungsfront, Jens Jensen, ist. Diese Volkstümler fordern, dass Hamburg-Altona wieder ein Teil von Dänemark wird.

Bei ihren Ermittlungen stöbert die schlagkräftige und schlagfertige Lenina Rabe durch die Vergangenheit der Bewohner der damaligen Kommune.

Mit wenigen Worten entwirft Robert Brack die unterschiedlichen Biographien von Revolutionären, die sich mehr oder weniger stark anpassten. Indem Brack das heutige Leben seiner Charaktere mit ihrem damaligen Anspruch kontrastiert, werden sie und ihre Verlogenheit lebendig. Denn bereits lange bevor Vera auftauchte und für triebgesteuerte Unruhe sorgte, hatten die Kommunarden begonnen, sich zu bekriegen. Veras plötzliches und damals geheimnisvolles Verschwinden beschleunigte nur den Verfall der Gemeinschaft. Einige passten sich an. Einer wurde Firmeninhaber. Einer Immobilienbesitzer. Einer Arzt. Eine wurde zur hysterischen Ziege, die niemand das Betreten ihres Rasens gestattet. Eine schneidet liebevoll die Blumen und betrachtet alles mit dem distanzierten Blick eines Forschers. Und Leninas Auftraggeber Paul blieb sich treu. Deshalb halten ihn die anderen für einen Verlierer. Miteinander verbunden sind sie immer noch in herzlicher, auf alten Geschichten fußender Feindschaft, die sie, gewürzt mit revolutionären Sprüchen, im Schlaf herunterbeten können. Jeder Besucher einer alternativen Kneipe oder eines Treffens ökologischer Unternehmen kennt sie und in Bracks neuestem Roman werden sie in einer spannenden Kriminalgeschichte lebendig.

Der dritte Lenina-Rabe-Fall  „Schneewittchens Sarg“ ist ein geradliniger Privatdetektiv-Roman, der das Genre nicht neu erfindet, aber prächtig unterhält. Bei Robert Brack sind wir in den Händen eines Könners. Doch wen wundert das, wenn man weiß, dass Brack neben seinen Romanen auch Kritiken schrieb und Kriminalromane übersetzte. Unter anderem Robert B. Parker, der mit seiner Spenser-Serie den Privatdetektivroman in den USA in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts revitalisierte und zahlreiche neue Autoren dafür begeisterte. Robert Brack gehört, wie „Schneewittchens Sarg“ zeigt, dazu.

 

Robert Brack: Schneewittchens Sarg

Nautilus, 2007

192 Seiten

12,90 Euro

 

Homepage von Robert Brack:

http://www.gangsterbuero.de/zestart/frame.html


Das Compart-Ding

August 29, 2007

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Das war zu erwarten gewesen. Ich meine, wir kennen Martin Compart. Seit vielen Jahren ist er ein scharfzüngiger Krimikritiker und gab verschiedene, vor allem unter Noir- und Hardboiled-Fans geschätzte Krimireihen bei Ullstein, Bastei-Lübbe und Dumont heraus. Dass er in seinem jetzt wiederveröffentlichten Debüt „Der Sodom-Kontrakt“ all seine Vorlieben und Obsessionen hineinpackt, wundert nicht.

Die wüste Story beginnt wie eines der von Compart geliebten Bücher. Der ehemalige Stasi- und BND-Agent Gill schlägt sich jetzt als Privatdetektiv durch. Er ist gerade damit beschäftigt ein Paar beim Sex zu fotografieren. Der Auftrag kommt von einem verheirateten Mann, der wissen möchte, ob ihn seine unverheiratete Freundin betrügt. Da ruft ihn sein alter Kumpel Brenner an und bietet ihm 500 Euro für eine Stunde Arbeit. Gill sagt zu und wenig später ist er in ein mehrere Grenzen überschreitendes Komplott verwickelt. Denn Brenner hat etwas entdeckt und fürchtet um sein Leben. Gill kann ihn vor seinen Verfolgern in ein Safehouse bringen. Aber Gill hat nicht aufgepasst. Wenig später bringen die Killer Schmidt und Schneider Brenner um und präsentieren der Polizei Gill als Mörder. Bevor die Polizei am Tatort erscheint, kann Gill flüchten. Er will jetzt herausfinden, warum sein Freund sterben musste. Gleichzeitig wird er von dem Killerpärchen und der Leiterin der Mordkommission, Alexa Bloch, verfolgt. Das ist erst der Anfang einer blutigen Hatz von Witten nach Brüssel und wieder zurück, bei der sich irgendwann auch Gills früherer Arbeitgeber beteiligt.

Wer Comparts literarische Vorlieben kennt, wird vom „Der Sodom-Kontrakt“ auch ohne den etwas marktschreierisch-falschen Untertitel „Ein politisch inkorrekter Anti-EU-Thriller“ keinen biederen Regionalkrimi erwarten. Hier ist alles so, wie wir es aus den harten amerikanischen Thrillern und ihren europäischen Epigonen Jean-Patrick Manchette, Jörg Fauser und Ulf Miehe kennen. Der Plot, die Charaktere, die Beschreibungen und der schwarze Humor – alles bekannt. Aber die deutschen und belgischen Handlungsorte sind dann für eine solche Geschichte doch neu und Martin Compart hat das alles souverän in Szene gesetzt.

Für die Neuauflage hat Compart sein Debüt zum Glück kaum überarbeitet. Damit spielt die Geschichte immer noch unüberlesbar zur Jahrtausendwende. Denn die zahlreichen Anspielungen auf die Bundesregierung, die EU-Politik, diverse Skandale und den damals Belgien erschütternden Fall Dutroux wären in einem nach 9/11 spielenden Roman unpassend. Deshalb muss Martin Compart unbedingt wieder in die Tasten hauen und einen „politisch inkorrekten 9/11-Thriller“ vorlegen.

 

Martin Compart: Der Sodom-Kontrakt – Ein politisch inkorrekter Anti-EU-Thriller

(vom Autor durchgesehen und für die Neuauflage bearbeitet)

Alexander-Verlag, 2007

336 Seiten

12,90 Euro

 

Erstausgabe: Strange Verlag 2001

 

Evolver-Interview von 2000 mit Martin Compart:

http://www.evolver.at/site/story.php?id=9251&page=1

Alexander Verlag über Martin Compart:

http://www.martincompart.de/


Collins schickt die CSIler ins Dämonenhaus

August 28, 2007

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Halloween ist auch in Las Vegas keine normale Nacht. Für Gil Grissom und sein Team vom CSI Las Vegas beginnt die Nacht mit einem Überfall in dem Dämonenhaus. Das Dämonenhaus ist eine Attraktion in der Stadt der Attraktionen. In einem leeren Lagerhaus inszeniert die stockkonservative, christliche Organisation TAPARS (Teenager und Eltern für eine verantwortungsbewusste Gesellschaft) eine drastische Schau der Sünden. Sie will so die zahlreichen jugendlichen Besucher zu einem christlichen Leben animieren.

Der Überfall im Dämonenhaus ist die neueste Tat eines Pärchen, das in den vergangenen Wochen in Las Vegas zehn Geschäfte überfiel und keine verwertbaren Spuren hinterließ. Bereits am Tatort bemerken Gil Grissom, Nick Stokes und Sara Sidle zahlreiche Ungereimtheiten. So schlugen die beiden bis jetzt nie an einem Freitag zu. Sie hatten andere Waffen und andere Schuhe an. Aber der größte Unterschied ist, dass sie dieses Mal auch die Einnahmen aus dem Safe mitnahmen. In dem Safe des Dämonenhauses lagen die Einnahmen einer gesamten Woche. Haben die CSIler es hier mit einem gut informierten Nachahmungstäter zu tun?

Noch während die drei CSIler den Tatort sichern, ertönt ein lauter Schuss. Karl Newton hat auf offener Bühne seine Verlobte Joanna Boyd erschossen. Entgegen dem normalen Gebrauch war seine Waffe mit einer scharfen Patrone geladen. Während Newton unter Tränen die Tat gesteht, ist Grissom misstrauisch. Zusammen mit Catherine Willows und Warrick Brown beginnen sie den Tatort zu untersuchen. Schnell stellen sie fest, dass Boyd ermordet wurde und der wahrscheinliche Täter nicht ihr Verlobter ist.

Das Comicbuch „Das Dämonenhaus“ ist ein weiterer spannender Fall für das erste und nach Ansicht vieler Fans immer noch beste CSI-Team. Max Allan Collins, der in den vergangenen Jahren acht CSI-Romane mit dem Las Vegas-Team schrieb, erfand auch für dieses Buch mehrere spannende Fälle und würzte sie mit etlichen pointierten Dialogen und atmosphärischen Beschreibungen über die Stadt der Träume. Gabriel Rodriguez und Ashley Wood zeichneten dazu die gelungen zwischen dem bekannten CSI-Look und knalligen Comicbildern changierenden Bilder.

Auf seiner Homepage schreibt Max Allan Collins, dass er sich nach einem halben Jahrzehnt aus dem CSI-Franchise verabschiedet hat. Neben Comics hat er auch zehn Romane geschrieben und Computerspiele und Puzzles (Ja, es gibt CSI-Puzzles!) entworfen. Er hat gerade den Roman „Jump Cut“ für die Krimiserie „Criminal Minds“ geschrieben. In den USA erscheint er im November. Bei uns, immerhin läuft die Serie erfolgreich sonntags bei Sat.1, sicher einige Monate später.

 

 

Max Allan Collins (Story)/Gabriel Rodriguez/Ashley Wood (Zeichnungen): CSI: Das Dämonenhaus

(Übersetzung von Helga Parmiter)

Panini Comics, 2007

128 Seiten

14,95 Euro

 

Originalausgabe:

CSI Crime Scence Investigation: Demon House

IDW Publishing, Oktober 2004

 

Hinweise:

CSI-Comics in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-acht.html

CSI-Romane in der Spurensuche:

CSI-Roman „Im Profil des Todes (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006) von Max Allan Collins:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-sechs.html

CSI:NY-Romane “CSI:NY – Der Tote ohne Gesicht” (CSI:NY – Dead of Winter, 2005) und “CSI:NY – Blutige Spur” (CSI:NY – Blood on the sun, 2006) von Stuart M. Kaminsky:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-eins.html

 

Homepage Max Allan Collins:

http://www.maxallancollins.com/index.html

 

Panini Comics über CSI:

http://paninicomics.de/csi-s10279.html

 


Eine Liebeserklärung an Astrid Paprotta

August 23, 2007

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Regelmäßige Watching the Detectives-Leser wissen, dass Blogger Dieter Paul Rudolph ein Fan der Romane von Astrid Paprotta ist. Für ihn gehört sie „zum erlauchten Kreis der literarischen MagierInnen, die uns die ewige Suppe des Krimis mit den Elixieren der literarischen Landschaftsgärtnerei würzen“. Jetzt hat er mit „Die Zeichen der Vier – Astrid Paprotta und ihre Ina-Henkel-Kriminalromane“ das erste Buch über sie geschrieben.

Paprotta eroberte mit dem aus den Romanen „Mimikry“ (1999), „Sternentaucher“ (2002), „Die ungeschminkte Wahrheit“ (2004) und „Die Höhle der Löwin“ (2005) bestehenden Ina-Henkel-Zyklus die Herzen der Kritiker und etlicher Krimifans. Sie erhielt den Deutschen Krimipreis und den Glauser.

Dieter Paul Rudolph liest die vier Henkel-Romane in seiner werkimmanenten Interpretation in erster Linie als einen großen Entwicklungsroman, in dem aus der Heldin eine gute Polizistin wird. Neben dieser romanübergreifenden Entwicklungsgeschichte sind die einzelnen Romane wie Spiegelkabinette mit verschiedenen Spiegelungen aufgebaut. „Wir haben Ina Henkels Weg durch die Fiktion als einen Emanzipationsprozess erlebt, der sie durch die Spiegelkabinette der subjektiven Wirklichkeiten führte.“

Ein Interview mit Astrid Paprotta und eine umfangreiche, von Thomas Przybilka gewohnt zuverlässig erstellten, Bibliographie schließen „Die Zeichen der Vier“ ab.

Rudolphs schmales Buch richtet sich vor allem an Paprotta-Fans, die noch tiefer in die Welt der Ina-Henkel-Romane eintauchen wollen.

 

 

Dieter Paul Rudolph: Die Zeichen der Vier – Astrid Paprotta und ihre Ina-Henkel-Kriminalromane

Nordpark – Krimikritik, 2007

88 Seiten

12 Euro

 

Nordpark Verlag zum Buch:

http://www.nordpark-verlag.de/krimikritikacht.html

Blog „Watching the Detectives“ von Dieter Paul Rudolph:

http://www.hinternet.de/weblog/watching_the_detectives/

Homepage von Astrid Paprotta:

http://www.astrid-paprotta.de/main.html


Kein Thriller, sondern eine Satire

August 23, 2007

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Nein, ein Thriller, wie auf dem Cover steht, ist Robert Littells „Zufallscode“ nicht. Es ist, trotz des vielversprechenden Klappentextes,  auch keine schweißtreibende Jagd nach einem Serienmörder oder ein Geheimagenten-Roman, obwohl in „Zufallscode“ ein Zufallsmörder gut zwei Dutzend Menschen umbringt und Geheimagenten verschiedener Staaten und Mafiosi Lemuel Falk anwerben wollen. Dieser, ein russischer Chaostheoretiker auf der Flucht vor dem irdischen Chaos und Erfinder eines nicht zu knackenden Codes, ist die fast perfekte Verkörperung eines weltfremden Gelehrten. In seiner russischen Heimat war er ein geachteter Forscher und stellte, aus Gewohnheit, jedes Jahr einen Ausreiseantrag. So prüfte er, wie chaotisch die Zustände in der Sowjetunion sind. Sein Antrag wurde jedes Jahr abgelehnt und Falk wartete ein weiteres Jahr. Jetzt, kurz nach dem Fall der Mauer wird sein Antrag bewilligt und Falk befürchtet, dass das Chaos in der UdSSR viel schlimmer ist als er annahm. Er nimmt also eine Gastprofessur am Institut für fortgeschrittene interdisziplinäre Chaosforschung in der Nähe von New York an und landet im amerikanischen Chaos.

Während seiner ersten Nacht in den USA hört Lemuel Falk im Radio, dass ein Serienmörder scheinbar wahllos Menschen umbringt. Für den Chaosforscher ist offensichtlich, dass diese Morde nur scheinbar zufällig sind. Denn, so Falk: „Es gibt eine Gesetzmäßigkeit, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Zufälligkeit in reiner Form gibt es leider nicht. Zumindest hat noch nie jemand ein Beispiel vorweisen können. Ich muss es wissen. Ich habe überall danach gesucht.“ Dafür hat er sogar die Zahl Pi auf drei Milliarden dreihundertdreißig Millionen Nachkommastellen ausgerechnet.

Doch bevor er sich auf die Jagd nach dem Zufallsmörder begibt, muss Falk sich erst in seiner neuen Heimat arrangieren. Das ist nicht so einfach und bietet Littell die Gelegenheit, die verschiedenen Mentalitäten gekonnt aufeinanderprallen zu lassen. Denn Falk versteht die meisten Redewendungen nicht, obwohl er Englisch mit der Ausbildungsvorschrift der Royal Canadian Air Force lernte und mit Raymond Chandler und dem Playboy aufpolierte. Er versteht nicht, warum er sich schuldig bekennen muss wenn er unschuldig ist. Er trifft auf zahlreiche, aus seiner sowjetischen Sicht seltsame Menschen und, das ist kein große Überraschung, die Liebe seines Lebens. Die Studentin Rain Morgan betreibt einen Friseursalon, bestiehlt mit der Erlaubnis des Geschäftsführers den EZ-Mart und verkauft Drogen. Mit ihr erlebt der Gelehrte auch seine sexuelle Befreiung.  

Robert Littells Roman „Zufallscode“ ist natürlich kein Thriller, sondern die mit vielen ironischen Spitzen erzählte Geschichte eines Mannes, der in die Fremde aufbricht und sein Glück findet. Diese Entwicklungsgeschichte erzählt Robert Littell gekonnt aus drei verschiedenen Perspektiven mit drei mühelos zu unterscheidenden Stimmen. Er erzählt in der Dritten Person und in der Ersten Person aus der Sicht von Falk und Rain.

 

Robert Littell: Zufallscode

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

Knaur, 2007

368 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

The Visiting Professor

Faber and Faber Limited, London, 1993

 

Deutsche Erstausgabe:

Der Gastprofessor

Goldmann, 1995 (gebundene Ausgabe)

Goldmann, 1999 (Taschenbuch)

 

Meine Besprechung von Robert Littells „Die kalte Legende“ (Legends, 2005):

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-zwanzigsechs-Agenten-Ex-Polizisten.html

 

Knaur über „Zufallscode“:

http://www.knaur.de/sixcms/detail.php?template=buchdetail&six_isbn=3-426-63206-3

 


Nichts Neues im Dschungel

August 22, 2007

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Die Ausgangsidee von Scott Smiths zweitem Roman „Dickicht“ ist denkbar einfach. Die folgende Geschichte vielfach in zahllosen Varianten erprobt und das Ende mit kleinen Variationen absehbar. Die Variation besteht darin, wie viele der Charaktere die Geschichte überleben. Alles beginnt natürlich vollkommen harmlos: sechs etwa zwanzigjährige Touristen machen sich in Mexiko auf den Weg zu einer im Dschungel gelegenen Ausgrabungsstätte. Der Bruder des Deutschen Matthias ist dort mit seiner neuesten Freundin. Die Einheimischen verhalten sich abweisend. Das auf einem Hügel liegenden Lager der Archäologen ist verlassen. Und kurz darauf müssen die Touristen gegen ein unheimliches Wesen kämpfen, das sie töten will.

Das haben wir schon tausendmal gesehen und etwas seltener gelesen. Dennoch ist dieser Plot immer wieder gut für einen spannenden Abend. Der Autor muss seine Charaktere nur, möglichst spektakulär der Reihe nach umbringen und eine halbwegs plausible Erklärung für sein Schlachtfest finden. Bei einem Horrorfilm geht’s auch ohne. Dafür spritzt das Blut neunzig Minuten über die Leinwand. Wir ergötzen uns an der Dummheit der Opfer. Denn sie begeben sich regelmäßig freiwillig in Todesgefahr. Wir erinnern uns an die blutigsten Morde und die schrägsten Szenen. Ich denke da an die Szene, in der in „Tanz der Teufel“ der Wald eine der jungen Frauen vergewaltigt.

Und so sind wir wieder bei „Dickicht“. Denn auch hier ist der Mörder eine Pflanze. Damit hören aber auch schon die Gemeinsamkeiten zwischen den erwähnten Horrorfilmen und Scott Smiths dickem Roman auf. Denn während in einem der zahllosen Filme die Jugendlichen der Reihe nach über die gesamte Filmlänge von der Pflanze verspeist würden (wir hoffen auf gescheite Spezialeffekte) und die restliche Zeit verzweifelt versuchen würden, sich aus der misslichen Situation irgendwie zu befreien, passiert in „Dickicht“ nichts davon. Die beiden US-Pärchen Jeff und Amy und Eric und Stacy, ihre Urlaubsbekanntschaft Matthias und der Grieche Pablo warten einfach ziemlich passiv auf von außen eintreffende Hilfe. Bei Pablo ist das verständlich. Denn nachdem er sich schwer verletzte, liegt er von Schmerzen gepeinigt auf dem Hügel. Der Deutsche bleibt blasseste Staffage. Sogar der Butler in einem britischen Krimi ist ein tiefgründigerer Charakter. Jeff, Amy, Eric und Stacy sind einfach nur vier junge, vollkommen austauschbare Amerikaner, die bis auf minimale Unterschiede vollkommen gleich auf die Bedrohung reagieren. Nämlich passiv abwartend. Deshalb gibt es innerhalb der Gruppe auch keine erwähnenswerten Konflikte. Doch zwischen den Gefangenen müsste viel mehr geschehen, denn die Pflanze verhält sich über die gesamte Buchlänge von gut fünfhundert engbedruckten Seiten abwartend. Erst gegen Ende verspeist sie ihre Opfer in einem Rutsch und wir fragen uns, ob wir wirklich auf dieses Buch dreizehn Jahre gewartet haben. Denn soviel Zeit verging seit Scott Smiths später auch erfolgreich verfilmten, spannenden Kriminalroman „Ein einfacher Plan“ (A simple plan, 1993).

„Dickicht“ ist dagegen als Horrorroman nach einem gelungen Anfang einfach nur ein enttäuschender Langweiler mit blassen Charakteren, einer vorhersehbaren, ohne Überraschungen bis zum bitteren Ende abgespulten Geschichte und einer netten Schlusspointe. Für 480 Seiten ist das viel zu wenig.

Vielleicht ist der gerade abgedrehte Film besser. Scott Smith hat, wie schon bei „Ein einfacher Plan“, auch für „Dickicht“ das Drehbuch geschrieben. Carter Smith führte Regie. Jonathan Tucker, Jena Malone, Laura Ramsey, Shawn Ashmore, Joe Anderson und Dimitri Baveas übernahmen die Hauptrollen. Der Film soll am 24. April 2008 in Deutschland starten.

 

 

Scott Smith: Dickicht

(übersetzt von Christine Strüh)

Fischer Taschenbuch Verlag, 2007

480 Seiten

8,95 Euro

 

Originalausgabe:

The Ruins

Alfred A. Knopf, 2006

 

Informative US-Homepage zum Roman “The Ruins”:

http://www.randomhouse.com/kvpa/ruins/

Fischer Verlag zu “Dickicht”:

http://www.fischerverlage.de/buch/9783596176168


Blogger on the run

August 6, 2007

Die kommenden Tage bin ich unterwegs und weiß deshalb nicht, wie viel Zeit ich zum Bloggen habe.

Deshalb gibt es bereits jetzt den ultimativen TV-Tipp:

Am kommenden Sonntag, den 12. August, zeigt Kabel 1, nach 23.00 Uhr die erste Staffel der derzeit besten Polizeiserie:

Kabel 1, 23.20

The Shield – Gesetz der Gewalt (USA 2002, Erfinder: Shawn Ryan)

Wenn die Quote stimmt, wird Kabel 1 nach der ersten Staffel auch die bislang noch nicht im deutschen Fernsehen gelaufenen Folgen zeigen.

Mein „The Shield“-Fantum habe ich bereits öfters bekundet:

Zum Ende der ersten Staffel im Fernsehen (und der Absetzung der Serie)

Zur DVD „The Shield – Die komplette erste Staffel“

Zur DVD „The Shield – Die komplette dritte Staffel“

Bereits eine Stunde früher startet „Las Vegas“. Nachdem Pro 7 vergangenes Jahr die Ausstrahlung nach wenigen Folgen abbrach, erhält das Glam-Drama mit James Caan bei Kabel 1 eine zweite Chance.

Bevor ich meinen Schreibtisch in dem bekannt-kreativen Chaos zurücklasse, gibt es einen kurzen Überblick über einige zuletzt gelesene Krimis, die ich auch demnächst ausführlicher besprechen will:

Robert Brack: Schneewittchens Sarg (Edition Nautilus) – Der dritte Krimi mit PI Lenina Rabe ist ein spannender Krimi über die 68er in ihren Wohnprojekten damals und heute. Brack ist ein sträflich unterschätzter Autor.

Martin Compart: Der Sodom-Kontrakt (Alexander-Verlag) – Kritikerpapst Martin Compart schreibt einen Noir-Thriller, wie wir ihn sonst nur aus Amiland kennen. Ross Thomas, Jean-Pierre Manchette und die üblichen Verdächtigen grüßen respektvoll.

G. M. Ford: Rotes Fieber (Goldmann)

G. M. Ford: Die Geisel (Goldmann) – Zwei spannende Thriller mit dem Journalisten und True Crime-Bestsellerautor Frank Corso. Ford legt weiterhin seine Finger in schmerzende Wunden: in „Rotes Fieber“ (2004 veröffentlicht) ist es die US-amerikanische Politik gegen den Terrorismus; in „Die Geisel“ ist es die Privatisierung des Strafvollzugs. Demnächst wird’s eine „Spurensuche“ über G. M. Ford und seine sechsteiligen Corso-Serie geben.

Frank Göhre: St. Pauli Nacht (Pendragon) – Die stark überarbeitete Fassung seiner in einer Nacht spielenden Sammlung von Kurzgeschichten gewinnt durch die Überarbeitung. Bei dieser limitierten Auflage sind auch die gleichnamige Verfilmung und der nicht mehr erhältliche Kurzroman „Rentner in Rot“ enthalten. Für den Preis ein wahres Schnäppchen.

John Rickards: Die Stadt der toten Seelen (Goldmann) – Der zweite Krimi mit PI Alex Rourke ist letztendlich eine enttäuschende, im leseunfreundlichen Präsens geschriebene Geschichte, die definitiv kein Thriller ist.

Dieter Paul Rudolph: Die Zeichen der Vier – Astrid Paprotta und ihre Ina-Henkel-Romane (Nordpark) – Eine werkimmanente Interpretation der vier Henkel-Romane von einem Fan für andere Fans. Ein Interview und eine Bibliographie runden das Werk ab.

 

P. S.: Ich habe die Kommentarfunktion für die nächsten Tage ausgestellt.


Unverzichtbar für Autoren

Juli 27, 2007

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Der wirkliche Wert des von Gerhild Tieger und Manfred Plinker herausgegebenen  „Deutsches Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008“ liegt nicht den zahlreichen Artikeln, sondern in den Adressen. Die beiden Herausgeber und sicher eine große Zahl helfender Hände im Hintergrund haben umfangreiche Adresslisten zusammengestellt. Verlage, Zeitungen, Literaturhäuser, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen, die verschiedensten Förderungen und Literaturpreise; das alles und noch mehr ist übersichtlich unter verschiedenen Rubriken alphabetisch sortiert mit Ansprechpartnern und kurzen Profilen der Institutionen aufgeführt. Diese Seiten ersparen Autoren die stundenlange Suche im Internet.

Dagegen wirken die 52 Artikel etwas eklektisch zusammengestellt. Auch hier wird die gesamte Buchbranche abgesteckt, es werden Schwerpunkte gebildet, aber oft hat man auch den Eindruck, dass hier einfach genommen wurde, was gerade im zwischen informativ und unterhaltend im Angebot war. Von Daniel Kehlmann und Arno Geiger gibt es Reden, von Sibylle Berg Betrachtungen über die Menschen, die Briefe an Autoren schreiben, Klaus Modick erzählt unterhaltsam-selbstironisch von seinem Werdegang als Schriftsteller, es gibt ein eigenes Kapitel zur Lyrik, Lektoren erzählen von ihrer Arbeit, Franz Josef Görtz erzählt, wie es dazu kam, dass die FAZ 1984 „Das Parfüm“ abdruckte, Tilmann P. Gangloff berichtet von dem Kampf deutscher Drehbuchautoren gegen „Knebelverträge“, Julie Myerson schreibt über Kritiker und Autoren, ein Essay von John Updike über den „Untergang des Buchhandels – und des Schriftstellers“ und dann gibt es im umfangreichen Kapitel „Genres“ mehrere Texte über Kriminalromane.

Diese fünfzig Seiten verdienen in der „Kriminalakte“ natürlich einen genaueren Blick. Tobias Gohlis schreibt über deutsche Krimis. Stephan Harbort über den Modus operandi von Serienmördern. Reinhard Jahn gibt Tipps zum Schreiben von Krimis. Anna Taube schreibt über Krimi im Kinderbuch. 

Kriminalhauptkommissar Harborts Text ist eine kurze quasi-wissenschaftliche Abhandlung, in denen er Serienmörder typisiert. Darüber hat er bereits erfolgreich mehrere Sachbücher geschrieben. Entsprechend informativ sind die vierzehn Seiten, die aber als Hintergrundinformation eigentlich nichts in einem „Jahrbuch für Autoren“ zu suchen haben.

Reinhard Jahn beantwortet in „Kriminalromane schreiben“ häufig gestellte Fragen. Der Titel ist letztendlich falsch. Denn im Zentrum stehen nicht Kriminalromane, sondern Kriminalgeschichten für Zeitungen und Zeitschriften. Jahns Antworten treffen natürlich auf alle Manuskripte, die Zeitungen angeboten werden, zu.

In die Tiefen und Untiefen des Kinderbuches dringt Kinderbuchlektorin Anna Taube mit ihrem sehr informativen „Krimi im Kinderbuch“ vor. Sie erklärt die Unterschiede zwischen Krimis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und stellt einige erfolgreiche Reihen, wie die „Fünf Freunde“, „Die drei???“ und „TKKG“, pointiert vor.

Tobias Gohlis beginnt „Deutsche Krimis“ gleich mit der zutreffenden Bemerkung (er sagt Polemik) „Der durchschnittliche deutsche Krimiautor ist als Schriftsteller Amateur und fest davon überzeugt, das Krimischreiben sei so einfach wie für Japaner das Verfassen von Haikus.“ ehe er auf die guten deutschen Krimiautoren hinweist. Es sind, wenig überraschend, Merle Kröger, Oliver Bottini, Thomas Kastura, Friedrich Ani und die Altmeister Frank Göhre, D. B. Blettenberg, Robert Brack (seine als Virginia Doyle geschriebenen Romane) und Robert Hültner. Damit wendet sich „Deutsche Krimis“ vor allem an Menschen, die in den vergangenen Jahren krimiabstinent waren.

Aber, wer kauft das „Deutsche Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008“ schon wegen der Texte? Es wird wegen der Adressen gekauft.

 

Gerhild Tieger/Manfred Plinke (Hrsg.): Deutsches Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008

Autorenhaus Verlag, 2007

1056 Seiten

29,90 Euro

 

Homepage des Verlages (mit Inhaltsverzeichnis):

http://www.autorenhaus-verlag.de/das-branchenhandbuch.phtml

 


Florida-Crime à la Hiaasen

Juli 26, 2007

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Im Rückblick ist die vor acht Jahren erschienene Satire „Krumme Hunde“ (Sick Puppy) der letzte wirklich gnadenlose satirische Kriminalroman von Carl Hiaasen. Danach schrieb er, neben zwei erfolgreichen Jugendbüchern, einen in der ersten Person erzählten Thriller („Letztes Vermächtnis“), garnierte die Satire mit einem Schuss Altersmilde („Der Reinfall“) oder brachte niemanden mehr um („Sumpfblüten“).

„Krumme Hunde“ beginnt harmlos, bevor die Geschichte ihren brüllend komischen Hiaasen-typischen fatal-destruktiven Verlauf nimmt. Der beste Lobbyist Floridas Palmer Stoat wirft aus seinem Range Rover in die Wildnis Floridas die Verpackungen seines Fastfood-Essens. Keine große Sache. Macht schließlich jeder. Dummerweise wird er dieses Mal von Twilly Spree beobachtet. Twilly ist ein Weltverbesserer, der seine Mitmenschen mit handfesten Demonstrationen überzeugen will. So sprengte er die Bank seines Onkels, weil die Bank einer Baufirma vierzehn Millionen Dollar für Bauarbeiten im Amazonasbecken lieh, in die Luft und musste – erfolglos – an einem Kursus zur Aggressionsbewältigung teilnehmen. Denn Twilly kann seine Wut immer noch nicht beherrschen. Er befördert eine Ladung Müll in Stoats BMW Cabrio. Damit könnte die Sache beendet sein, wenn Stoat nicht wenige Tage später wieder Müll aus seinem Wagenfenster werfen würde. Denn Stoat hat erstens keine Ahnung, wer warum seinen BMW zerstörte, und ist zweitens damit beschäftigt, die Umwidmung der idyllischen Insel Toad Island in ein luxuriöses Golfressort voranzubringen. Für das Shearwater-Island-Projekt (natürlich wird Toad Island [Kröteninsel] zuerst umbenannt) müssen seltene Tierarten verschwinden, Politiker geschmiert und Investoren beruhigt werden.

Auch als Twillys Demonstrationen immer persönlicher werden, hat Stoat keine Ahnung, wer ihn warum bedroht. Ihm fällt nur ein, dass es mit seinem neuesten Projekt zusammenhängen könnte.

Stoats von der Ehe und ihrem arroganten Ehemann gelangweilte Frau Desie verliebt sich natürlich prompt in den sympathischen Twilly, der zuerst ihren Hund Boodle und später sie entführt, und erzählt ihm, dass Stoat letztendlich die treibende Kraft bei der geplanten Zerstörung des Paradieses Toad Island ist. Twilly fordert Stoat auf, das Projekt zu stoppen. Sonst werde er seinen Hund und seine Frau nie wieder sehen.

Stoat kann diese Forderung, die letztendlich das Ende seiner Karriere als Lobbyist bedeuten könnte, unter keinen Umständen akzeptieren. Twilly soll, wie die anderen Probleme bei der Erschließung der Insel, aus dem Weg geschafft werden. Weil Geld bei dem vermögenden Überzeugungstäter Twilly Spree nicht fruchten wird, erpressen Stoat und der Gouverneur von Florida den früheren, in den Sümpfen untergetauchten Gouverneur Clinton ‚Skink’ Tyree. Er soll ihnen helfen, den Irren Twilly Spree aus dem Weg zu schaffen.

Hiaasen-Fans kennen Skink und wissen, dass spätestens jetzt für die Bösen die Straße ins Verderben ein mehrspuriger Highway ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen ist.

„Krumme Hunde“ ist Carl Hiaasens gnadenlose Abrechnung mit korrupten Politikern und, wieder einmal, eine furiose Anklage gegen die Zerstörung der traumhaften Landschafts Floridas für kommerzielle Interessen. Alle Probleme können mit der richtigen Menge Geld, – mal legal, mal illegal verbucht -, gerichtet werden, bis mit Twilly Spree ein Idealist auf der Bildfläche erscheint und den korrupten Frieden stört. Das erschreckende bei „Krumme Hunde“, wie auch bei den anderen in Florida spielenden witzig-grotesken Kriminalromanen von Hiaasen, ist, dass die auf den ersten Blick unglaublichsten Ereignisse wahr sind.

Doch was kann man schon von einem Bundesstaat erwarten, in dem Präsidentschaften gekauft werden und Journalisten als Haustiere Alligatore haben?

 

Carl Hiaasen: Krumme Hunde

(übersetzt von Michael Kubiak)

Goldmann, 2007 (2. Auflage)

512 Seiten

8,95 Euro

 

Deutsche Erstausgabe: Goldmann, 2002

 

Originalausgabe

Sick Puppy

Alfred A. Knopf, New York, 1999

Homepage von Carl Hiaasen: http://www.carlhiaasen.com/

 

Bücher von Carl Hiaasen

Romane

Powder Burn, 1981 (mit William D. Montalbano)

Trap Line, 1982 (mit William D. Montalbano)

A Death In China, 1984 (mit William D. Montalbano) (Der Tod in China)

Tourist Season, 1986 (Miami Terror)

Double Whammy, 1987 (Dicke Fische, Miami Morde)

Skin Tight, 1989 (Unter die Haut)

Native Tongue, 1991 (Große Tiere)

Strip Tease, 1993 (Striptease, Nachtclub)

Stormy Weather, 1995 (Stürmische Zeiten)

Naked Came the Manatee, 1996 (mit Brian Antoni, Dave Barry, Edna Buchanan, Tananarive Due, James W Hall, Vicki Hendricks, Elmore Leonard, Paul Levine, Evelyn W Mayerson and Edna Standiford – Serial Novel for The Miami Herald’s Tropic Magazine)

Lucky You, 1997 (Die Glücksfee)

Sick Puppy, 1999 (Krumme Hunde)

Basket Case, 2002 (Letztes Vermächtnis)

Skinny Dip, 2004 (Der Reinfall, Dagger-Nominierung für bester Roman)

Nature Girl, 2006 (Sumpfblüten)

 

Kinderbücher

Hoot, 2002 (Eulen)

Flush, 2005 (Fette Fische)

 

Sachbücher

Team Rodent: How Disney Devours the World, 1998

Kick Ass: Selected Columns of Carl Hiaasen, 1999

Paradise Screwed: Selected Columns of Carl Hiaasen, 2001

 

Verfilmungen

Striptease (Striptease, USA 1996, Regie/Drehbuch: Andrew Bergman)

Eulen – Kleine Freunde in großer Gefahr! (Hoot, USA 2006, Regie/Drehbuch: Wil Shriner)


Spenser in der Schule

Juli 24, 2007

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Mit „Der stille Schüler“ von Robert B. Parker legt der Pendragon-Verlag seinen zweiten Spenser-Roman vor. Das klingt jetzt etwas umständlich, aber Robert B. Parker ist ein enorm produktiver Autor. Neben den jährlich erscheinenden Spenser-Romanen (2005 waren es sogar zwei) schreibt er fast ähnlich regelmäßig neue Jesse-Stone- und Sunny-Randall-Kriminalromane und zuletzt auch mehrere Einzelwerke. Die Plots sind oft locker gestrickt, aber immer gut geschrieben. Denn mit wenigen Sätzen charakterisiert er Personen und Orte. In „Der stille Schüler“ fragt sich Spenser, warum ein Schüler Amok läuft.

Ich betrat den ersten Klassenraum. Die Wände waren aus Gipskarton und wie der Flur gestrichen. Es gab eine Tafel, Fenster, Stühle mit Schreiblehne. Einen Lehrertisch vorn mit einem Stehpult darauf. Kreide auf der Ablage unten an der Tafel. Eine große, runde elektrische Uhr an der Wand über der Tür. Es hatte die Atmosphäre einer Verwahrzelle.

Ich konnte das Erstickende spüren, die Eingeschränktheit, die tödliche Langeweile, das schwerfällige Ticken der Uhr, während sie sich durch den Tag mahlte. Ich konnte mich daran erinnern, wie ich durch Fenster wie dieses zur Welt der Lebenden hinausgeschaut hatte. Zu Leuten, die sich tatsächlich frei bewegen durften.“

Dass Schule die Hölle ist, ist nach diesen Worten klar. Aber der 17-jährige Jared Clark wird von allen als stiller, unauffälliger und zurückhaltender Schüler beschrieben. Er soll zusammen mit Wendell Grant fünf Schüler und zwei Lehrer erschossen haben. Grant ergab sich und verpfiff Jared Clark an die Polizei. Clark gestand später die Tat. Damit ist der Fall offiziell geschlossen.

Doch nicht für Lily Ellsworth. Sie glaubt nicht, dass ihr Enkel Jared Clark die Morde begangen hat. Sie beauftragt Spenser, Clarks Unschuld zu beweisen. Spenser hält Clark, wie alle anderen, für schuldig. Doch ihm fällt bei seinen Ermittlungen sofort auf, dass alle, sogar Clarks Eltern, die beiden Amokläufer möglichst schnell und für immer wegsperren wollen. In der Dowling Privatschule befiehlt der Schulpräsident seinen Lehrern und den Schülern nicht mit Spenser zu reden. Der Polizeichef will ihn möglichst sofort aus der Stadt werfen und Clark hat einen vollkommen unerfahrenen Verteidiger.

Spensers Neugier ist jetzt geweckt. Im Gegensatz zu allen anderen will er herausfinden, warum ein stiller Schüler Amok läuft. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn durch alle Facetten des Lebens und der Teenage-Angst von Jugendlichen in den Vorstädten. Seit Spensers Schultagen ist allerdings der Druck sich anzupassen und gute Noten zu haben enorm gestiegen. Denn sie entscheiden heute über die Aufnahme am richtigen College und damit über das weitere Leben. Harlan Coben hat in seinem letzten Myron Bolitar-Roman „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise Me, 2006) ebenfalls diesen Leistungsdruck thematisiert. In US-amerikanischen Städten ist – im Gegensatz zu Deutschland mit der zentralen Studienplatzvergabe und der freien Wahl des Studienortes – die Frage, welche Universität einen annimmt, das den Sommer beherrschende Gespräch. Dies und zahlreiche andere Probleme des Erwachsenwerdens, wie Drogen, Sex und Zugehörigkeit zu Gruppen, thematisiert Robert B. Parker mit leichter Hand und ohne jemals zu moralisieren in witzigen Dialogen.

„Wie lautet unser Grundsatz für Klugscheißer hier?“

„Null Toleranz. Außer für mich.“

Mit „Der stille Schüler“ setzt Robert B. Parker seine Serie um den schlagfertigen und selbstironischen Bostoner Privatdetektiv Spenser gelungen fort, – auch wenn von Spensers Freunden nur Rita Fiore mitspielt. Susan Silverman ist auf einem Kongress und Hawk verdient Geld. Pearl versucht sich erfolglos als Wachhund und die vollbusigen Frauen geizen nicht mit eindeutigen Angeboten an Spenser.

Das gleiche wie immer. Susan ist unterwegs, und ich dachte, ich könnte für sie einspringen.“

„Du solltest dringend an deinen Hemmungen arbeiten.“

„Und sie in den Griff kriegen?“

„Nein. Überhaupt erst mal welche entwickeln.“

 

Robert B. Parker: Der stille Schüler – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Frank Böhmert)

Pendragon, 2007

216 Seiten

9,90 Euro

 

Originalausgabe:

School Days

G. P. Putnam’s Sons, New York, 2005

 

Homepage von Robert B. Parker

Pendragon-Homepage zu Robert B. Parker

Mein Porträt von Robert B. Parker und der Spenser-Serie in der Spurensuche

Mein Porträt von Harlan Coben und der Myron-Bolitar-Serie in der Spurensuche


Unterhaltsame Schatzsuche

Juli 23, 2007

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Als erstes sollten Sie die Verlagsprosa von „Packender Verschwörungsthriller um den meistgesuchten Schatz der Welt“ nicht sonderlich ernst nehmen. Ebenso sollten Sie das Titelbild einfach nur als eine bestimmte, mit dem Buch nicht zusammenhängende Verteilung von Farbe, betrachten. Denn Peter Wührmanns Debüt „Silberfieber“ ist eine unterhaltsame Abenteuergeschichte über eine Schatzsuche, aber kein Verschwörungsthriller, und der sich angeblich auf Wavy Island, einer Insel vor der kanadischen Küste, befindende Schatz ist sicher nicht der meistgesuchte Schatz der Welt. Ich denke da an das Bernsteinzimmer, den heiligen Gral und die Schatzkammern untergegangener Schiffe wie der Lutine, Sussex oder Flor de la Mar. Um nur einige zu nennen.

Für den sich in der Schlussphase seines Geographiestudiums befindenden Frank Schönbeck beginnt alles mit einem maskierten Mann, der sich Einstein nennt und ihn in seiner Wohnung zusammenschlägt. Einstein möchte von Schönbeck eine alte Landkarte haben. Schönbeck sagt, er habe sie wieder Professor Pfleiderer gegeben. Einstein verschwindet und am nächsten Tag ist Pfleiderer mit einem Ziegelstein erschlagen worden.

Schönbeck fliegt nach London zu seinem Studienfreund Peter Adams. Denn er hat die Karte. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, warum jemand bereit ist für eine auf den ersten Blick vollkommen wertlose Karte zu morden. Neben dem für Jungs immer interessanten Räuber-und-Gendarm-Spiel, hat auch Adams bereits Kontakt mit den Bösen gehabt. Seine neueste, geheimnisvolle Freundin sagte ihm, er solle sie Marie Curie nennen. Als Adams sie am nächsten Tag zusammen mit einem großen Mann, der Einstein sein könnte, beobachtet, ist er überzeugt, dass er und Schönbeck in Lebensgefahr schweben. Sie flüchten vor Einstein, Curie und einer deutschen Polizistin.

Ihr einziger Verbündeter ist Professor Kenneth McCully. Durch ihn erfahren sie von Wavy Island und dem sich angeblich auf der Insel befindenden Silberschatz der spanischen Flotte. Gleichzeitig unterstützt er sie finanziell und begibt sich mit ihnen auf Weltreise.

Entsprechend den Genrekonventionen treffen sich alle zum Showdown auf Wavy Island.

„Silberfieber“ ist, wie gesagt, ein unterhaltsamer Abenteuerroman für einen lauen Sommerabend. Peter Wührmann will in seinem Debütroman unterhalten und dabei noch einige Informationen vermitteln. Beides gelingt ihm. In einem Nachwort sagt Wührmann, welche Quellen er für das Leben Einsteins, der Titanic und der Schatzsuche auf Wavy Island, die in Wirklichkeit Oak Island heißt, benutzt hat.

Dass die Bösen sich sehr verräterische Namen verpassen und mit ihren Aktionen mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als vernünftig ist, gehört in einem gewissen Rahmen zu den Genrekonventionen. Denn wenn die Bösen sich wirklich vernünftig verhielten, gäbe es kein Buch. Trotzdem macht die Dummheit der Bösen es den Guten hier zu leicht.

Noch leichter macht Wührmann es für sein Trio Schönbeck-Adams-McCully, weil er ihnen keine nennenswerten Steine in den Weg legt und sie auch nie in Lebensgefahr, halt das Brot und die Butter eines zünftigen Abenteuerromans, bringt. Deshalb unterhält „Silberfieber“ gut, ohne jemals wirklich spannend zu werden oder in Tiefen vorzustoßen, die den Roman für Jugendliche bedenklich machen würden. Wäre „Silberfieber“ ein Film, würde er wahrscheinlich ab 12 Jahren, vielleicht sogar ab 6 Jahren freigegeben.

 

 

Peter Wührmann: Silberfieber

Goldmann, 2007

352 Seiten

7,95 Euro

 

Weitere Informationen: http://www.silberfieber.de/