„Choke“ – Zur zweiten Chuck-Palahniuk-Verfilmung

November 11, 2009

Choke“ ist nicht „Fight Club“, obwohl die erste Szene von „Choke“ an „Fight Club“ erinnert. Clark Greggs Debütfilm beginnt mit einem Treffen der Anonymen Sexsüchtigen. Sie sitzen im Kreis in einem anonymen Raum in einer Kirche auf viel zu kleinen Stühlen und Erzähler Victor Mancini (grandios: Sam Rockwell) stellt die anderen Sexsüchtigen kurz und sarkastisch vor. Danach verzieht er sich mit einer Sexsüchtigen auf die Toilette.

Aber im Gegensatz zu dem „Fight Club“-Erzähler will Victor sich bessern. Er kann es nur nicht. Er kommt einfach nicht über die vierte Stufe des Programms, in dem er alle seine Sünden aufschreiben soll, hinaus. Seine kärglichen Brötchen verdient er sich als Darsteller in einem historischen Themenpark. Dort arbeitet auch sein Freund Denny, ein weiterer Sexsüchtiger, der für seine Verfehlungen (wie historisch falsche Kleidung, Accessoires und Sprache) öfters am Pranger steht (und so immerhin nicht masturbiert). Den Unterhalt für seine demenzkranke Mutter verdient Victor vor allem, indem er in Nobelrestaurants am Essen erstickt und sich von einer hilfsbereiten Hand retten lässt. Der Retter fühlt sich als sein Beschützer und schickt ihm immer wieder Geld.

In Victors Leben ist seine Mutter Ida Mancini (Anjelica Huston in einer weiteren Paraderolle) der Dreh- und Angelpunkt. Mit ihr erlebte er in seiner Jugend, wenn er nicht von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht wurde, zahlreiche Abenteuer. Denn Ida lebte in ständiger Opposition zur Gesellschaft. Jetzt ist sie, dank übermäßigem Drogenkonsum, frühzeitig gealtert. Victor hätte gerne seine alte, lebenslustig-anarchistische Mutter zurück. Jedenfalls irgendwie.

Da bietet die Ärztin Dr. Paige Marshall eine abenteuerliche Therapie an und der sexsüchtige Victor hat erstmals Probleme mit einem Orgasmus. Denn er verliebt sich in die Ärztin.

Während das Buch (wenigstens in der deutschen Übersetzung) eine ziemlich zähe Lektüre ist, ist die Verfilmung eine flotte, schwarzhumorige Groteske über Abhängigkeiten und die Sucht danach, anderen Menschen zu gefallen. Denn hier spielt jeder Charakter den anderen etwas vor und alle Beziehungen sind gestört.

Vor allem Victor hat kein eigenes Leben. Er wird immer nur dann lebendig, wenn er in eine Rolle schlüpft, die andere Menschen (scheinbar) von ihm erwarten. Dabei ist er überhaupt nicht glücklich. Es ist eine kindische Gefallsucht, die ihn aber nicht zu einem Heiligen macht. Denn sein Leitspruch ist „Was würde Jesus nicht tun?“.

Die Charakterstudie „Choke“ ist das Kinodebüt von Schauspieler Clark Gregg. Aber dank guter Darsteller und eines pointierten Drehbuchs fallen die geringe Drehzeit und das überschaubare Budget (vor allem im Vergleich zu „Fight Club“) kaum auf.

Störend ist allerdings, wie schon bei dem Roman, eine gewisse Zeit- und Ortlosigkeit. Denn alles spielt an austauschbaren, oft künstlichen Orten, wie einem Themenpark, einem Altersheim, einem Stripclub, Sexsüchtigen-Treffen und in Victors Junggesellenwohnung. Das alles könnte irgendwann in den vergangenen Jahrzehnten irgendwo in den USA spielen. Insofern ist die filmische Zustandsbeschreibung genauso heimatlos wie seine Charaktere.

Das sehenswerte Bonusmaterial ist, wie immer, wenn eine kleine Produktion auch ein Liebhaberprojekt ist, sehr umfangreich ausgefallen. Es gibt entfallene Szenen mit sehr selbstkritischen Kommentaren von Regisseur und Drehbuchautor Clark Gregg (Schade, dass er keinen Audiokommentar aufgenommen hat.), zwei informative Auftritte von Chuck Palahniuk und Clark Gregg (einmal beim L. A. Film Festival, einmal in einem persönlichen Gespräch), und zwei ausführliche Featurettes.

Choke - DVD

Choke (Choke, USA 2008)

Regie: Clark Gregg

Drehbuch: Clark Gregg

LV: Chuck Palahniuk: Choke, 2001 (Der Simulant)

mit Sam Rockwell, Anjelica Huston, Kelly MacDonald, Brad William Henke, Clark Gregg

DVD

Koch Media

Laufzeit: 88 Minuten

Bild: 1.85:1 (16:9)

Sprachen: Deutsch, Englisch (DTS, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Deleted Scenes (ca. 11 Minuten, mit Audiokommentar von Clark Gregg und Sam Rockwell), Gag Reel (ca. 2 Minuten), Clark Gregg im Gespräch mit Chuck Palahniuk (ca. 11 Minuten), „Mein Name ist Victor und ich bin sexsüchtig“ – Featurette mit Sam Rockwell (ca. 16 Minuten), „Die Leibe einer Mutter“ – Featurette mit Anjelica Huston (ca. 6 Minuten), Aufnahmen vom L. A. Film Festival (ca. 4 Minuten)

FSK: ab 16 Jahren

Die Vorlage

Chuck Palahniuk: Der Simulant

(übersetzt von Werner Schmitz)

Goldmann, 2002

320 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Chuck Palahniuk: Choke

Doubleday, 2001

Hinweise

Homepage zum Film

Homepage von Chuck Palahniuk

Slashfilm: Interview mit Clark Gregg über „Choke“ (23. Januar 2008)


TV-Tipp für den 11. November: The Gingerbread Man

November 11, 2009

Tele 5, 20.15

The Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre (USA 1998, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Clyde Hayes

LV: John Grisham (Originalstory – soweit bekannt nicht veröffentlicht)

Anwalt Rick Magruder verknallt sich in Mallory Doss und bemerkt nicht, wie sehr sie ihn für ihre Interessen benutzt.

Die erfolgloseste und – so auch meine Ansicht – die beste Grisham-Verfilmung. Altman verfilmte einen Drehbuch-Entwurf, den Grisham vor seinem Leben als Bestseller-Autor schrieb, und das Studio startete den Film – nach einem Streit mit Altman über die endgültige Fassung – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Grisham-Bücher und deren Verfilmungen löst der Held, natürlich ein Anwalt, nicht das Problem, sondern er ist das Problem. In dem düsteren Südstaaten-Thriller glänzen etliche Stars: Kenneth Branagh, Robert Downey Jr., Embeth Davidtz, Robert Duvall, Tom Berenger, Daryl Hannah, Famke Janssen

Wiederholung: Donnerstag, 12. November, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham


TV-Tipp für den 10. November: Nachtschicht: Tod im Supermarkt

November 10, 2009

ZDF neo, 21.00

Nachtschicht: Tod im Supermarkt (D 2006, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Dieses Mal sucht das Nachtschicht-Team den Mörder eines Supermarkt-Wachmanns.

Dritter Nachtschicht-Krimi, der auf seiner Plus-Seite zahlreiche ironische Anspielungen und gute Schauspieler, auf der Minus-Seite einen nicht sonderlich logischen Whodunit verbucht. Und dabei waren die ersten beiden Nachtschicht-Filme gerade weil sie die Whodunit-Stereotypen vermieden gut.

Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Ken Duken, Minh-Phai-Thi, Marie Bäumer, Devid Striesow


TV-Tipp für den 9. November: Sabotage

November 9, 2009

Arte, 21.00

Sabotage (GB 1936, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Charles Bennett, Alma Reville, Ian Hay, Helen Simpson, E. V. H. Emmett

LV: Joseph Conrad: The Secret Agent, 1907 (Der Geheimagent)

Kinobetreiber Verloc ist in Wirklichkeit ein Saboteur. Als ein Polizist, der undercover als Gemüsehändler ermittelt, ihn enttarnt, schickt Verloc einen Jungen mit einer Bombe los.

Ein früher Hitchcock-Klassiker mit einigen immer noch beeindruckenden Szenen und einem zeitlosen Thema.

Legendär ist “Sabotage” auch wegen einer Suspense-Szene, die Hitchcock später bedauerte: dem Transport der Bombe durch den Jungen und den auf dem Weg zum Ziel entstehenden Verzögerungen.

mit Sylvia Sidney, Oscar Homolka, Desmond Tester, John Loder

Wiederholung: Mittwoch, 11. November, 15.50 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Sabotage“ (deutsch, englisch)

Arte über „Sabotage“

Film „Sabotage“ im Internet Archive


TV-Tipp für den 8. November: Die Bourne-Verschwörung

November 8, 2009

RTL, 20.15

Die Bourne-Verschwörung (USA/D 2004, R.: Paul Greengrass)

Drehbuch: Tony Gilroy

LV: Robert Ludlum: The Bourne Supremacy, 1986 (Die Borowski-Herrschaft, Das Bourne Imperium)

Jason Bourne ist in Goa untergetaucht. Als ein Anschlag auf ihn verübt wird und er in Berlin ein Attentat verübt haben soll, beginnt Bourne den wirklichen Täter zu jagen.

Überaus erfolgreiche und auch bei der Kritik beliebte Fortsetzung von “Die Bourne-Identität”. Wieder, bis auf die Regie, mit dem bewährten Team und einigen halsbrecherischen Autoverfolungsjagden. Die Story ist ein Aufguss von „Die Bourne Identität“ (Am Anfang kämpft Bourne mit seiner Amnesie. In der Mitte erinnert er sich an seine Vergangenheit. Am Ende kämpft er gegen einen anderen Profikiller. Oh, und etliche Autos werden geschrottet.). Die vielen Berlin-Bilder sind dagegen für Berlin-Freunde ein Fest.

Gilroys Drehbuch war für den Edgar Allen Poe-Preis nominiert.

Der dritte Bourne-Film „Das Bourne-Ultimatum“ läuft am nächsten Sonntag, den 15. November, um 20.15 Uhr auf RTL.

Mit Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen, Michelle Monaghan

Wiederholung: Montag, 9. November, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Film-Zeit über „Die Bourne-Verschwörung“


TV-Tipp für den 7. November: Die gefürchteten Vier

November 7, 2009

Nach Sam Peckinpahs „Sierra Charriba“ (um 22.55 Uhr in einer restaurierten Fassung) geht’s mit einem weiteren Western weiter:


BR, 00.50

Die gefürchteten Vier (USA 1966, R.: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

LV: Frank O’Rourke: A mule for the Marquesa, 1964 (später “The Professionals”)

Mexiko 1917: ein texanische Öl- und Viehmillionär engagiert vier Söldner seine von einem mexikanischen Revolutionär und Banditenführer entführte Frau zu befreien. Die vier Profis machen sich auf den Weg.

Richard Brooks Western-Klassiker „The Professionals“ ist gleichzeitig eine Heroisierung und zynische Demontage des professionellen Kriegshandwerks. Einer von Brooks besten, vielleicht sogar sein bester, Film.

Mit Burt Lancaster, Lee Marvin, Robert Ryan, Woody Strode, Claudia Cardinale, Jack Palance, Ralph Bellamy

 


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

November 6, 2009

Bei den Alligatoren gibt es die neuen, von Alfred wunderschön bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps, mit subjektiven Einschätzen von mir zu diesen und vielen anderen Werken:

In den kommenden beiden Wochen gibt es einige TV-Premieren. Nämlich Astrid Paprottas ersten „Tatort“ (sie schreibt schon am Zweiten), Martin Asphaugs Unni-Lindell-Verfilmung „Kommissar Isaksen – Das 13. Sternbild“, Paul Greengrass‘ Robert-Ludlum-Verfilmung „Das Bourne Ultimatum“ („Die Bourne Verschwörung“ läuft auch), Antoine Fuquas Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“, Peter Keglevics Batya-Gur-Verfilmung „Die Seele eines Mörders“ und Marcel Wehns „Von einem der auszog – Wim Wenders‘ frühe Jahre“.
Es gibt einige weitere selten gezeigte Hitchcock-Filme: seine Daphne-du-Maurier-Verfilmung „Riff-Piraten“, seine Joseph-Conradt-Verfilmung „Sabotage“, seine John-Buchan-Verfilmung „Die 39 Stufen“ und, öfter laufend, seine Frederick-Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“.
Außerdem sehenswert sind Richard Brooks‘ Frank-O’Rourke-Verfilmung „Die gefürchteten Vier“, Stanley Kubricks Humphrey-Cobb-Verfilmung „Wege zum Ruhm“, die „Nachtschicht“-Filme „Tod im Supermarkt“ und „Der Ausbruch“ von Lars Becker, Robert Altmans John-Grisham-Verfilmung „Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre“ und Richard Fleischers Elmore-Leonard-Verfilmung „Das Gesetz bin ich“.


TV-Tipp für den 6. November: 3nach9

November 6, 2009

NDR/HR 22.00

3nach9

In der Talkshow tritt heute unter anderem Frank Schätzing auf. Er wird einiges über sein neues Buch „Limit“ erzählen. Mir ist es mit über 1300 Seiten ja viel zu dick.

Jessica Schwarz, Jan Josef Liefers und Sting wollen in der Sendung zum 35-jährigem Jubiläum auch aufschlagen.


Neu im Kino: Der Informant!

November 5, 2009

Der Informant! (The Informant!, USA 2009)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

LV: Kurt Eichenwald: The Informant, 2000

Biotechniker und Topmanager Mark Whitacre steckt dem FBI, dass sein Arbeitgeber, der Agrarkonzern Archer Daniels Midland, mit den Japanern illegale Preisabsprachen tätigt. Das FBI ist begeistert und lässt Whitacre als Maulwurf arbeiten. Allerdings ist Whitacre nicht so unschuldig-doof, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Die Big-Business-Posse basiert auf einem wahren Fall aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

New-York-Times-Finanzreporter Kurt Eichenwald schrieb auch die Enron-Geschichte „Conspiracy of Fools“ (Verschwörung der Narren).

mit Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale, Melanie Lynskey, Ludger Pistor, Clancy Brown

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Informant!“

New York Times über Kurt Eichenwald

Movie Web: Kurzes Interview mit Drehbuchautor Scott Z. Burns

 


TV-Tipp für den 5. November: El Dorado

November 5, 2009

Das Vierte, 20.15

El Dorado (USA 1966, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Harry Brown: The Stars in their Courses, 1960

Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.

Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.

‚El Dorado‘ ist ein Film gegen ‚Rio Bravo‘, wie ‚Rio Bravo‘ ein Film gegen ‚High Noon‘ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)

mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner

Hinweise

Wikipedia über „El Dorado“ (deutsch, englisch)

Combustible Celluloid über „El Dorado“


TV-Tipp für den 4. November: Zoom Europa

November 4, 2009

Arte, 23.05

Zoom Europa

In dem Politmagazin geht es heute um die Überwachung der europäischen Bürger durch den Staat und die Wirtschaft.

Detaillierte Infos liefert der Sender unseres Vertrauens (dort müsste die Sendung auch später noch online angesehen werden können)

Wiederholung: Samstag, 7. November, 12.00 Uhr

 


TV-Tipp für den 3. November: In Plain Sight – In der Schusslinie; Spooks – Im Visier des MI5

November 3, 2009

Zwei Serien mit interessanten Prämissen, die in ihrer Heimat auch erfolgreich laufen, starten heute im ZDF. Die eine auch im Hauptprogramm; die andere nur in dem neuen Spartenkanal mit der sehr überschaubaren Reichweite.

ZDF neo, 22.30

In Plain Sight – In der Schusslinie: Happy Birthday, Mary (USA 2008, R.: Mark Piznarski)

Autor/Erfinder: David Maples

Albuquerque, New Mexiko: US Deputy Marshal Mary Shannon (Mary McCormack) soll Menschen, die im Zeugenschutzprogramm sind, beschützen.

In den USA ist die dritte Staffel schon bestellt.

Mit Mary McCormack (Mary Shannon), Frederick Weller (Marshall Mann), Nichole Hiltz (Brandi Shannon), Todd Williams (Detective Robert Dershowitz), Lesley Ann Warren (Jinx Shannon)

Hinweise

Offizielle Homepage zur Serie

ZDF neo über „In Plain Sight“

Wikipedia über „In Plain Sight“

Serienjunkies über „In Plain Sight“

ZDF, 23.30

Spooks – Im Visier des MI5: Heilige Rache (GB 2002, R.: Bharat Nalluri)

Drehbuch/Erfinder: David Wolstencroft

Serie über britische Agenten, die gegen Terroristen kämpfen.

In England wird derzeit die achte Staffel ausgestrahlt.

Weitere Folgen: Montags nach 22.00 Uhr in ZDF neo; Dienstags nach 23.00 Uhr (oft 23.30 Uhr) im ZDF.

Mit Peter Firth (Harry Pearce), Hugh Simon (Malcolm Wynn-Jones), Rory MacGregor (Colin Wells), David Oyelowo (Danny Hunter), Keeley Hawes (Zoe Reynolds), Matthew Macfadyen (Tom Quinn)

Hinweise

Offizielle Homepage zur Serie

ZDF neo über „Spooks“

Wikipedia über „Spooks“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Wolstencrofts „Die Spezialisten“ (Good News, Bad News, 2004)

 


DVD-Kritik: Enttäuschende „Echelon-Verschwörung“

November 2, 2009

Shane West, Ed Burns, Ving Rhames, Martin Sheen und Jonathan Pryce haben in Greg Marcks‘ zweitem Spielfilm „Die Echelon-Verschwörung“ wichtige Rollen übernommen. Frauen sind, obwohl Tamara Feldman in einer in einer Prager Wohnung spielenden Szene ein halbes Dutzend böser Jungs verprügeln und töten darf, nur schmückendes Beiwerk. Das war in Marcks‘ schwarzhumorigem und ebenfalls glänzend besetztem Debüt „11:14“ noch anders. Damals löste eine Leiche zahlreiche Verwicklungen aus und oft waren Frauen die treibenden Kräfte für die schlimmsten Wendungen. Gegen dieses grandiose Feuerwerk von Ideen ist sein Folgewerk eine Enttäuschung. Denn auch wohlwollend betrachtet ist „Die Echelon-Verschwörung“ nur ein sehr durchschnittlicher Paranoia-Thriller ohne eine persönliche Handschrift.

Der Held der Geschichte ist der junge Computerexperte Max Petersen. Eines Tages schickt ihm in Bangkok ein Unbekannter ein Handy. Schnell stellt er fest, dass die SMS-Nachrichten auf diesem Handy sein Leben entscheidend beeinflussen. Er wird vor einem Flugzeugabsturz gewarnt und erhält einen gewinnbringenden Aktientipp. Nachdem seine ersten Erfahrungen mit den Handybotschaften positiv sind, fliegt er – wie vom Handy gewünscht – nach Prag und steigt in einem Nobelhotel ab. Dort trifft er auf den Sicherheitschef des Casinos und einen FBI-Agenten. Beide wollen herausfinden, wer Petersen die Botschaften schickt. Denn in der Vergangenheit haben auch andere Menschen so ein Handy erhalten. Kurz darauf sind sie gestorben. Und dann ist da auch noch ein überaus hilfsbereiter russischer Taxifahrer, der anscheinend problemlos alles besorgen kann.

Ihre Ermittlungen führen sie zu dem titelgebendem und wirklich existierendem US-amerikanischen Überwachungssystem „Echelon“. Sie fragen sich, wer den Computer steuert und was er vorhat.

Irgendwie wildgewordene Computer, ihre nicht minder durchgeknallten Beherrscher, irgendwelche skrupellosen Bösewichter, die Computer für ihre Zwecke kapern, und die zunehmende Überwachung sind für Science-Fiction- und Thrillerfans keine neuen Themen. „Eagle Eye“, „Staatsfeind Nr. 1“, „Das Netz“, „Wargames“, „Der Dialog“, „Colossus“, „2001“ und „Dr. Seltsam“, um nur einige Filme zu nennen, spielen mit dieser Angst der Menschen vor der Maschine. Mal besser, mal schlechter.

Die Echelon-Verschwörung“ gehört in die zweite Kategorie.

Denn auch eine gute Besetzung und exotische Schauplätze (es wurde, wie für einen Bond- oder Bourne-Film, vor Ort gedreht) können ein maues und unplausibles Drehbuch nicht verbessern. Das beginnt schon mit der Frage, warum Max so bereitwillig den elektronischen Nachrichten folgt und endet mit der Erklärung für die Verschwörung, die mal wieder darauf aufbaut, dass die Empfänger der Handys sich entsprechend bestimmter ihnen unbekannter Pläne verhalten; – was natürlich ziemlicher Unfug ist.

Daher ist das Komplott letztendlich nur der Vorwand für zahlreiche Ortswechsel, Explosionen und gute Actionszenen, wie die schon erwähnte Schlägerei in einer Wohnung und einer nächtlichen Autoverfolgungsjagd quer durch Moskau.

Für einen langen Videoabend ist „Die Echelon-Verschwörung“ ein durchaus okayer Film, der aber immer weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und im Windschatten von „Eagle Eye“ komplett unterging.

Der Informationsgehalt des Bonusmaterials, einigen wild zusammengeschnittenen Mini-Featurettes, tendiert gegen Null.

Anmerkung: Als nächstes will Greg Marcks „You don’t love me yet“ von Jonathan Lethem verfilmen. Das verspricht einen interessanten Film.

Die Echelon-Verschwörung - DVD

Die Echelon-Verschwörung (Echelon Conspiracy, USA 2009)

Regie: Greg Marcks

Drehbuch: Michael Nitsberg (auch Story), Kevin Elders

mit Shane West, Ed Burns, Ving Rhames, Martin Sheen, Tamara Feldman, Jonathan Pryce, Sergey Gubanov

DVD

Koch-Media

Laufzeit: 101 Minuten

Bildformat: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1 DTS)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern Shane West, Ed Burns, Martin Sheen, Ving Rhames und Regisseur Greg Marcks (ca. 5. Minuten), Teaser, Trailer, Wendecover

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Homepage von Greg Marcks

Wikipedia über „Echelon Conspiracy“


TV-Tipp für den 2. November: Der Auslandskorrespondent

November 2, 2009

Arte, 21.00

Der Auslandskorrespondent (USA 1940, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Charles Bennett, Joan Harrison, James Hilton, Robert Benchley

Holland, 1939: Journalist Johnny Jones wird während der Recherchen für eine Reportage über den in Europa drohenden Krieg Zeuge eines Anschlags auf einen Diplomaten. Er beginnt die Hintermänner zu suchen.

Spannender Thriller, der auch Anti-Nazipropaganda ist.

Arte zeigt die vom ZDF angefertigte Synchronisation

mit Joel McCrea, Laraine Day, Herbert Marshall, George Sanders

auch bekannt als “Mord”

Wiederholung: Mittwoch, 4. November, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Der Auslandskorrespondent“ (deutsch, englisch)

Arte über „Der Auslandskorrespondent“

This Distracted Globe über „Foreign Correspondent“



TV-Tipp für den 1. November: Mitternachtskino

Oktober 31, 2009

BR, 23.45

Mitternachtskino (USA 2005, R.: Stuart Samuels)

Drehbuch: Stuart Samuels, Victor Kushmaniuk

Sehenswerte Doku mit vielen Statements über das in den Siebzigern in den USA sehr populäre Mitternachtskino. Der präzise Originaltitel ist „Midnight Movies: From the Margin to the Mainstream“. Vorgestellt werden „Eraserhead“, „Rocky Horror Picture Show“, „El Topo“, „Night of the Living Dead“, „The Harder They Come“ und „Pink Flamingos“.


TV-Tipp für den 31. Oktober: Der Feind in den eigenen Reihen

Oktober 31, 2009

ARD, 22.15

Der Feind in den eigenen Reihen (F 2007, R.: Florent Emilio Siri)

Drehbuch: Florent Emilio Siri, Patrick Rotman

Nachdem Florent Emilio Siri in den USA mit Bruce Willis „Hostage- Entführt“ gedreht hatte, kehrte er in seine Heimat zurück und inszenierte einen krassen Film über den Algerienkrieg. Er folgt dabei einer Einheit, die in den Bergen skrupellos gegen die ebenfalls skrupellose FLN kämpft.

mit Benoît Magimel, Albert Dupontel, Aurélien Recoing, Marc Barbé, Eric Savin

auch bekannt als „Intimate Enemies“ (DVD-Titel, weil es selbstverständlich keinen Kinostart gab)


TV-Tipp für den 30. Oktober: Network

Oktober 30, 2009

3sat, 22.25

Network (USA 1976, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Paddy Chayefsky

Buch zum Film: Sam Hedrin: Network, 1976 (Network)

Wegen sinkender Quoten soll eine Nachrichtensendung eingestellt werden. Ihr Sprecher Howard Beale kündigt, weil ihm damit seine Daseinsberechtigung genommen wird, in einer der folgenden Sendungen seinen Selbstmord an. Die Quoten steigen und Beale bekommt seine eigene Sendung. Dass damit eine für alle Beteiligten verhängnisvolle Spirale in Gang gesetzt wird, ahnen sie in diesem Moment nicht.

Bitterböse Mediensatire, die heute immer noch so aktuell (in gewissen Aspekten realistischer, in anderen nicht) wie damals ist.

Der Film war für zahlreiche Preise nominiert, erhielt vier Oscars (männliche und weibliche Hauptrolle, weibliche Nebenrolle und Drehbuch) und den Preis der Writers Guild of America (WGA).

mit Peter Finch, Faye Dunaway, William Holden, Robert Duvall, Wesley Addy, Ned Beatty, Ken Kercheval, Lance Henriksen (Miniauftritt als Anwalt), Tim Robbins (ungeannter Kurzauftritt als Mörder; sein Filmdebüt)

Hinweise

Wikipedia über „Network“ (deutsch, englisch)

Archive of American Television: Interview mit Sidney Lumet (22. Oktober 1999)



TV-Tipp für den 29. Oktober: Dracula

Oktober 29, 2009

Das Vierte, 20.15

Dracula (GB 1958, R.: Terence Fisher)

Drehbuch: Jimmy Sangster

LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)

Doktor Van Helsing jagt Graf Dracula.

Nachdem der Horrorfilmklassiker in diesem Jahrhundert im Fernsehen noch nicht gezeigt wurde, wird er jetzt sogar zu einer sehr christlichen Zeit gezeigt. Das liegt auch an gesellschaftlichen Entwicklungen. Denn inzwischen ist der Film „frei ab 12 Jahre“.

Die Bedeutung (nicht die Qualität) dieser Hammer-Produktion für den Vampirfilm ist in etwa mit der von Kubricks ‚2001‘ für den Science Fiction Film zu vergleichen: Der Aufbruch zu neuen Ufern!“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms, 1985/1989)

Die Hammer-Filme waren viel markiger als Hollywoods B-Movies: Farbige Bilder, für das Genre üppige Details, eine durchgängig fähige britische Besetzung und eine wirksame Kombination von Sex und Blut, die die Vampirfilme in eine bislang ungeahnte Dimension katapultierten. (…) des besten Dracula-Films von Hammer, der in vielerlei Hinsicht immer noch der beste Dracula aller Zeiten ist.“ (James Marriott/Kim Newman: Horror, 2006)

mit Christopher Lee, Peter Cushing, Michael Gough

Hinweise

Wikipedia über „Dracula“ (deutsch, englisch)

Vampire World über „Dracula“


TV-Tipp für den 28. Oktober: Tatort: Das Glockenbachgeheimnis

Oktober 28, 2009

WDR, 23.35

Tatort: Das Glockenbachgeheimnis (D 1999, R.: Martin Enlen)

Drehbuch: Friedrich Ani

Wer ermordete Hauserbe Martens? Und was ist das Geheimnis des Glockenbaches?

Guter Münchner „Tatort“ mit den Kommissaren Batic (Miroslav Nemec), Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Menzinger (Michael Fitz). Iris Berben spielt eine dubiose Caféhaus-Besitzerin.

Das Glockenbachgeheimnis“ gehört zu den am 3. Dezember auf DVD erscheinenden „Tatorten“. Anscheinend ist die DVD sogar mit sehenswertem Bonusmaterial ausgestattet.

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

 


TV-Tipp für den 27. Oktober: Asphalt-Dschungel

Oktober 27, 2009

RBB, 22.50

Asphalt-Dschungel (USA 1950, R.: John Huston)

Drehbuch: Ben Maddow, John Huston

LV: W. R. Burnett: The asphalt jungle, 1949 (Asphalt-Dschungel)

Sieben Gangster planen einen Bankraub. Nach dem Raub geht alles schief.

Hustons spannender Krimi gilt als Vorläufer des Caper-Movies: der Geschichte vom großen Ding und – meistens – dessen Scheitern.

Mit Sterlin Hayden, Louis Calhern, Marilyn Monroe (nur in einer kleinen Nebenrolle)

Hinweise

Wikipedia über W. R. Burnett (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über W. R. Burnett

Mordlust über W. R. Burnett

DetNovel über W. R. Burnett

FilmNoirNet über W. R. Burnett