LV: Akif Pirinçci: Die Damalstür, 2001 (Neuveröffentlichung als „Die Tür“)
Fünf Jahre nach dem Unfalltod seiner Tochter erhält die David die Möglichkeit in die Vergangenheit zu reisen und das Unglück ungeschehen zu machen. Aber sein zweites Ich ist noch am Leben und David fragt sich, wie er mit dem fünf Jahre jüngeren Doppelgänger umgehen soll.
Sanfter Mystery-Thriller, der auf ein geteiltes, aber eher wohlwollendes Echo stößt. Denn es wäre wohl mehr möglich gewesen.
„erstaunlich souveräne Versuch eines deutschen ‚Mystery Thrillers’“ (Birgit Roschy, epd Film 11/2009)
Tatort: Eine unscheinbare Frau (D 2001, R.: Martin Gies)
Drehbuch: Johann Greve
Margit Bredes ist eine unscheinbare Frau, die klaglos jede Demütigung akzeptiert. Aber heute ist einer der Tage an denen alles schief geht. Als dann auch noch der Gemüsehändler zudringlich wird, reicht es ihr endgültig. Sie wehrt sich und erschießt ihn mit seiner Pistole. Als nächstes geht sie zu ihrem Exgeliebten. Dieses Mal hat sie eine Waffe dabei.
„Eine unscheinbare Frau“ ist die gelungene Studie einer Frau, die nach endlosen Demütigungen die Initiative ergreift. Da bleibt für die Kommissare Lürsen und Stedefreund nur noch ein Platz auf der Zuschauertribüne.
mit Sabine Postel, Oliver Mommsen, Bettina Kupfer, Henry Hübchen
LV: James Ellroy: Brown´s Requiem, 1981 (Browns Grabgesang)
Ein Detektiv beschattet eine 17-jährige und gerät an einen korrupten Tycoon.
In Deutschland lief dieser gelungene Noir-Thriller unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Die konzentrierte Adaption von James Ellroys Romandebüt kommt dem düsteren Geist der Vorlage sehr nahe: Ein kleines Requiem für den Film Noir, Verbeugung vor den Klassikern, schnörkellos und schön räudig ins Los Angeles der 90er Jahre transferiert.“ (Robert Weixlbaumer, Tip 14/2000)
Mit Michael Rooker, Tobin Bell, Selma Balir, Jack Conley
LV: José Giovanni: Le ruffian, 1969 (Der Rammbock)
Nach einem Überfall auf eine kanadische Goldmine kann Aldo mit einer größeren Menge Gold fliehen. Auf seiner Flucht verliert er das Gold in einem Wasserfall. Zusammen mit einigen Freunden versucht Aldo jetzt den Schatz zu bergen.
Hübscher Abenteuerfilm mit Top-Besetzung
Mit Lino Ventura, Claudia Cardinale, Bernard Giraudeau
Der Baader Meinhof Komplex – Teil 1 (D 2008, R.: Uli Edel)
Drehbuch: Bernd Eichinger
LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)
Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008
Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.
Heute und morgen hat die nach offiziellen Angaben um 20 Minuten längere TV-Fassung des Kinohits ihre TV-Premiere. Wenn ich so die die Zeiten zusammenrechne (Kino: 150 Minuten, TV: 85 Minuten, 75 Minuten) und Vor- und Abspänne dazurechne, dürfte es weniger zusätzliches Material sein. Eher ein Einfügen der „deleted scenes“.
Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer
Wiederholung: Eins Festival, 21.45 Uhr und 23.40 Uhr
Hinweise
Der Baader Meinhof Komplex – Teil 2: Montag, 23. November: ARD: 20.15 Uhr, Eins Festival: 21.30 Uhr
Wie der Film „Baader-Meinhof-Komplex“ entstand: Eins Festival, 22.45 Uhr
Serienfans dürfen sich auf die Wiederholungen von einigen selten gezeigten „Wilsberg“- und „Anwalt Abel“-Folgen freuen. Die „Nachtschicht“ wird auch mehrmals zum Einsatz gerufen.
Hitchcock-Fans können einige seiner englischen Filme genießen. Es sind „Jung und unschuldig“ (nach einem Roman von Josephine Tey) und „Geheimagent“ (nach W. Somerset Maugham). Außerdem läuft seine David-Dodge-Verfilmung „Über den Dächern von Nizza“.
Ebenfalls sehenswert sind Raoul Walshs Westernversion von W.-R.-Burnetts „Vogelfrei“ und sein Gangsterfilm „Die wilden Zwanziger“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“, Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“, José Giovannis „Der Rammbock“, René Clements Day-Keene-Verfilmung „Wie Raubkatzen“, Jason Freelands James-Ellroy-Verfilmung „Brown’s Requiem“ und Matthew Vaughns J.-J.-Connolly-Verfilmung „Layer Cake“.
Oh, und die TV-Version von „Der Baader-Meinhof-Komplex“ hat seine TV-Premiere.
GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi
LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)
Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.
Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.
mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino
Hustle – Unehrlich währt am längsten: Fälscher (GB 2004, R.: Bharat Nalluri)
Drehbuch: Matthew Graham
Erfinder: Tony Jordan (nach einer Idee von Bharat Nalluri)
Dieses Mal legen Mickey Stone und seine Jungs eine Kunstsammlerin, die für einen Mondrian alles geben würde, herein.
Das ist bereits die dritte Folge der in England erfolgreichen, sehr stilvollen Gaunerserie. Anfang 2010 läuft im BBC die sechste Staffel. Bei uns wird sie wahrscheinlich ein reiner Insider-Tipp bleiben.
„Hustle“ ist die britische Version von „Ocean’s Eleven“: locker, lässig, elegant, humorvoll und ein kleiner Schuss Guy Ritchie.
Mickey Stone, Danny Blue, Stacie Monroe, Albert Stroller und Ash Morgan sind leidenschaftliche Trickbetrüger, bei denen jeder Gedanke an Resozialisierung Zeitverschwendung ist. Denn dafür gefällt ihnen das über den Tisch ziehen von arroganten Geldsäcken viel zu sehr.
Tony Jordan war auch, in verschiedenen Positionen in „Eastenders“, „City Central“, „Holby Blue“ und „Life on Mars“ involviert.
Matthew Graham ist am Bekanntesten für seine Arbeit für „Life on Mars“ (dafür erhielt er einen Edgar) und dem Spin-Off „Ashes to Ashes“.
Und insgesamt waren bei der Entwicklung der Serie viele aus dem Team von „Spooks – Im Visier des MI 5“ beteiligt.
mit Adrian Lester (Mickey Stone), Marc Warren (Danny Blue), Robert Glenister (Ash Morgan), Jaime Murray (Stacie Monroe), Robert Vaughn (Albert Stroller)
Nachdem das Debüt „Tannöd“ nicht nur bei den Kritikern, sondern auch beim Publikum ein Riesenerfolg war und etliche Preise erhielt, war es nur eine Frage der Zeit, bis dieses in seiner Romanstruktur unverfilmbare Werk verfilmt wurde. Denn Schenkel erzählt ihre Geschichte (die Suche nach dem Mörder einer Familie auf einem Einödhof) als eine Abfolge von Monologen. Für den Film wurden das geändert und, so die ersten Kritiken, mit eher bescheidenem Erfolg.
„Die Produktion hat, um es klar zu sagen, in allen Belangen versucht, einen Kompromiss zu finden. (…) Fatalerweise aber war diese Aufgabe von Anfang an unlösbar.“ (Georg Seeßlen, epd Film 11/2009)
mit Julia Jentsch, Monica Bleibtreu (ihre letzte Rolle), Volker Bruch, Brigitte Hobmeier, Filip Peeters, Lisa Kreuzer, Bernd Tauber, Nils Althaus
Spielfilmlange Doku über den Kunstmarkt und die Spekulationsblase der vergangenen Jahre (86 Millionen für einen Francis Bacon, 72 Millionen für einen Andy Warhol, 23 Millionen für einen Jeff Koons), seziert mit britischem Humor von dem Kunstkritiker Ben Lewis.
Mit Tobias Rehberger, Anselm Reyle, Francis Outred
45-minütige Doku über den Mordfall, der Andrea Maria Schenkel zu ihrem Debütroman „Tannöd“ inspirierte. Die Verfilmung startet am Donnerstag, den 19. November.
Ein Film, der seit Jahrzehnten auf meiner Wunschliste steht:
RBB, 22.50
System ohne Schatten (D 1983, R.: Rudolf Thome)
Drehbuch: Jochen Brunow
Der verliebte Computerfachmann Faber soll illegal fünf Millionen von einer Berliner Bank auf eine Schweizer Bank umleiten. Selbstverständlich geht Melos Plan schief.
Rudolf Thome, der sonst Befindlichkeitsfilme dreht, inszenierte hier einen seiner raren Krimis (und natürlich auch ein Melodrama). Damals gefiel’s den Kritikern und heute besteht nach Jahren endlich wieder die Gelegenheit, den Film zu sehen.
„Ein kalter Film, die menschliche Nähe, auch in der Liebe, scheint simuliert, ähnlich berechenbar wie ein Computerprogramm. Was Gegensatz sein sollte, Mensch und Maschine, wird identisch. (…) Technisch perfekt, mit ein paar Rhythmusschwankungen in der ersten Hälfte (…), gleicht der Film selbst einem Computerspiel, das dem unausweichlichen Ende entgegentreibt.“ (Fischer Film Almanach 1984)
„Technisch brillant inszeniert, ist der Film nicht nur ein spannender Thriller und ein verhaltenes Dreiecksdrama, sondern darüber hinaus ein nachdenklicher Diskurs über Fantasie und Wirklichkeit im Kino wie im Leben.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Bruno Ganz, Dominique Laffin, Hanns Zischler, Sylvia Kekulé, Hartmut Bitomsky, Michael Klier, Laurie Anderson
Hinweise
Moanafilm über „System ohne Schatten“ (sehr umfangreich, mit einem Interview mit Rudolf Thome aus dem Presseheft und vielen zeitgenössischen Filmkritiken)
Tatort: …es wird Trauer sein und Schmerz (D 2009, R.: Friedemann Fromm)
Drehbuch: Astrid Paprotta
Kommissarin Lindholm jagt einen Heckenschützen, der anscheinend wahllos Menschen tötet und anschließend den Angehörigen einen Brief schickt.
Dass Astrid Paprotta das Drehbuch schrieb, verspricht einen ungewöhnlichen “Tatort”. Dummerweise werden wir auch mit einer Portion Familienglück (die Kommissarin ist mit Sohn und Mitbewohner im Urlaub) bedient und die Lindholm-Tatorte rangieren bei mir unter “muss nicht sein”.
“Mich hat die Geschichte hinter der Krimi-Geschichte gereizt. Während es auf der ersten Ebene um die Jagd auf einen Mörder geht, geht es auf der Meta-Ebene, der zweiten Ebene der Geschichte, um die Bedeutung des Schauens und Beobachtens in unserer heutigen Mediengesellschaft. So wird ein Unglück heute erst dann als richtig real empfunden, wenn Bilder davon existieren und herumgeschickt werden.” (Astrid Paprotta im Presseheft zum “Tatort”)
mit Maria Furtwängler, Ingo Naujoks, Torsten Michaelis, Anne Ratte-Polle
Wiederholungen: Eins Festival, 21.45 Uhr und 23.45 Uhr
Lili Marleen (D 1980, R.: Rainer Werner Fassbinder)
Drehbuch: Manfred Purzer, Rainer Werner Fassbinder, Joshua Sinclair (Mitarbeit)
LV: Lale Andersen: Der Himmel hat viele Farben
Fassbinders Version von Lale Andersens Leben. Gedreht im UFA-Look, aber mit genug Haken und Ösen, um jede blinde Identifikation zu verhindern.
Mit Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Karl-Heinz von Hassel, Christine Kaufmann, Hark Bohm, Karin Baal, Udo Kier, Erik Schumann, Gottfried John, Elisabeth Volkmann, Barbara Valentin, Adrian Hoven, Willy Harlander, Franz Buchrieser, Rainer Werner Fassbinder, Brigitte Mira, Irm Hermann, Harry Baer, Milan Boor, Volker Spengler
–
RBB, 01.05 (VPS 00.55)
Die Ehe der Maria Braun (D 1978, R.: Rainer Werner Fassbinder)
Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)
Buch zum Film: Gerhard Zwerenz: Die Ehe der Maria Braun, 1979
Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.
Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm
–
RBB, 03.00 (VPS 02.50)
Die bitteren Tränen der Petra von Kant (D 1972, R.: Rainer Werner Fassbinder)
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder (nach seinem Theaterstück)
Zum Abschluss gibt es einen frühen Klassiker von Fassbinder, der allerdings um diese Uhrzeit nur noch von ganz wenigen Nachtschwärmern angesehen wird. Die anderen nehmen den Film auf.
Mit Hanna Schygulla, Margit Carstensen, Irm Hermann, Eva Mattes
The Man from London (A Londoni Férfi, Ungarn/Frankreich/Deutschland 2007)
Regie: Béla Tarr, Ágnes Hranitzky (Co-Regie)
Drehbuch: László Krasznahorkai, László Krasznahorkai
LV: Georges Simenon: L’Homme de Londres, 1934 (Der Mann aus London)
Maloin beobachtet im Hafen einen tödlich endenden Streit. Als er bei der Leiche einen Koffer mit Geld findet, ändert sich sein Leben.
Atmosphärische Noir-SW-Simenon-Verfilmung, die mit 140 Minuten Laufzeit fast mehr Zeit als die Lektüre des Buches beansprucht und kein Film für die breite Masse ist.
In Berlin läuft er in zwei Kinos als OmU mit jeweils einer Vorstellung.
Alfred Hitchcock wagte in seinen Filmen immer wieder Experimente. Ein Film, der in einem Rettungsboot spielt. Ein Film, der in Echtzeit spielt und ohne Schnitt inszeniert wurde. Ein Film, der aus der Perspektive eines an seinen Rollstuhl in seinem Zimmer gefesselten Mannes inszeniert wurde.
In der Episode „Scheintot“, die Alfred Hitchcock für „Alfred Hitchcock präsentiert“ inszenierte, treibt er dieses Spiel weiter. Joseph Cotten spielt einen hartherzigen Unternehmer, der auf einer Autofahrt verunglückt. Er liegt so unglücklich, dass er sich überhaupt nicht mehr bewegen kann. Der halbe Film sieht wie ein Standbild aus. Denn die Kamera beobachtet Cotten, der nicht mit der Wimper zuckt und im Voiceover erzählt, was er fühlt und wie er sich (erfolglos) bemerkbar machen will.
In „Die Schlange im Bett“ erzählte Hitchcock eine ähnliche Geschichte. Dieses Mal behauptet Harry Pope, dass in seinem Bett eine Giftschlange ist. Sein Kumpel beschließt, leicht amüsiert, ihm zu glauben. Denn Pope ist ein Trinker.
Die meisten anderen Geschichten, die auf der DVD „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ versammelt sind, beschränken sich nicht nur auf einen Raum und einen so kurzen Zeitraum. Aber spannend sind sie alle und die Pointe ist auch immer gelungen, oft schwarzhumorig und meistens überraschend. Denn einige Endtwists sind heute doch schon zu bekannt oder, wie in „Der Kristallgraben“, arg vorhersehbar. Einige Geschichten, wie „Der geheimnisvolle Nachbar“ enden auch überraschend harmlos (Nein, ich werde jetzt keine Enden verraten!).
In der sehr Hitchcock-typischen Episode „Nasser Samstag“ zeigt ein Familienoberhaupt auf einem noblen Landsitz, was er alles zum Schutz seiner Familie unternimmt.
In vielen Geschichten soll allerdings nicht der gute Ruf der Familie geschützt werden, sondern ein Ehepartner will den anderen umbringen. Mal geht es um die persönliche Freiheit, aber oft auch nur um den schnöden Mammon, und am Ende macht immer wieder um einen kleinen Fehler, der den schönen Plan zunichte. In „Das zweite Inserat“ zerstört dagegen ein von einem älteren Arbeiter (Oskar Homolka) gefundener, prall gefüllter Geldbeutel seine glückliche Ehe.
Und wenn die Geschichte mal nicht so toll ist, gibt es immer noch die Möglichkeit für einen schauspielerischen Glanzauftritt, wie in „…und so starb Riabouchinska“. In dieser Episode, nach einer Geschichte von Ray Bradbury, spielt Claude Rains einen in seine Puppe verliebten Bauchredner. In „Draußen in der Dunkelheit“ hat Bette Davis als ältliche, allein mit ihrem Pudel in einem Apartment lebende Witwe diesen Auftritt. Es ist, wie viele Geschichten in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ auch die Geschichte eines Irrtums mit fatalen Folgen.
Als Bonusmaterial gibt es eine informative, kurze Doku über die Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“ und zwei weitere TV-Arbeiten von Alfred Hitchcock, die er für andere Reihen inszenierte. „Zwischenfall an der Straße“ ist eine harmlose, etwas längliche Geschichte mit einem interessanten Anfang (der Zwischenfall wird aus mehreren Perspektiven gezeigt) über falsche Anschuldigungen und das Einstehen für sein Recht. Harmlos ist die Geschichte allerdings nur, weil niemand ermordet wird. Denn üble Nachrede (ein alter Mann, der als Schülerlotse arbeitet, wird anonym beschuldigt, ein Kind unsittlich berührt zu haben) und die Angst des Betroffenen und seiner Familie, sich dagegen zu wehren, sind für eine Gemeinschaft letztendlich viel zerstörerischer.
„Die Bombe im Keller“ ist, nach einer Geschichte von Cornell Woolrich, Suspense pur. Ein Mann will mit einer Bombe, die um vier Uhr losgeht, seine Frau umbringen. Er wird im Keller eingesperrt und versucht nun verzweifelt vor der Explosion aus dem Haus zu entkommen.
„Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ enthält mit den beiden Bonusfilmen 27 spannende Krimis, die öfters auch ohne einen Mord auskommen und heute immer noch gut unterhalten können. Denn die Charaktere sind genau gezeichnet, die Geschichten stringent zur finalen Überraschung hin entwickelt, die Kamera angenehm zurückhaltend und die Schauspieler spielen gut. Wie schon bei den vorherigen Episoden von „Alfred Hitchcock präsentiert“ und „Alfred Hitchcock zeigt“ gefallen mir die älteren Schauspielerinnen und Schauspieler etwas besser als die damals noch jungen Stars. So bleibt Roger Moore als Ermittler sehr blass und Charles Bronson hat noch nicht seine spätere stoische Form gefunden. Wie bei den vorherigen Hitchcock-Boxen sind auch in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ etliche Episoden enthalten, die bislang im deutschen Fernsehen noch nicht gezeigt wurden. Die gibt es dann als Original mit Untertitel.
Außerdem sind jetzt alle Fernseharbeiten von Alfred Hitchcock auf DVD erhältlich.
Bonusmaterial: Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner), Die Bombe im Keller (Four O’Clock), Alfred Hitchcock präsentiert: Ein Blick zurück, deutsche Intros, Booklet
FSK: ab 12 Jahre
enthält
Rache (Revenge, USA 1955)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Francis M. Cockrell
LV: Samuel Blas
mit Ralph Meeker, Vera Miles, Frances Bavier, Ray Montgomery
–
Scheintot (Breakdown, USA 1955)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Francis M. Cockrell, Louis Pollock (auch Geschichte)
mit Joseph Cotten, Aaron Spelling (einer der wenigen Leinwandauftritte des später erfolgreichen TV-Produzenten, hier als Straßenarbeiter)
–
Massarbeit (Back for Christmas, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Francis M. Cockrell
LV: John Collier
mit John Williams, Isobel Elsom
–
Nasser Samstag (Wet Saturday, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Marian B. Cockrell
LV: John Collier
mit Cedric Hardwicke, John Williams, Tita Purdom
–
Der geheimnisvolle Nachbar (Mr. Blanchard’s Secret, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Sarett Rudley
LV: Emily Neff
mit Robert Horton, Meg Mundy, Mary Scott
–
Das perfekte Verbrechen (The perfect crime, USA 1957)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Stirling Silliphant
LV: Ben Ray Redman
mit Vincent Price, James Gregory, Gavin Gordon
–
Post Mortem (Post Mortem, USA 1958)
Regie: Arthur Hiller
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Cornell Woolrich
mit Steve Forrest, Joanna Moore, James Gregory
–
Ein riskanter Sprung (A dip in the pool, USA 1958)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Roald Dahl
mit Keenan Wynn, Fay Wray, Philip Bourneuf
–
Die Schlange im Bett (Poison, USA 1958)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Casey Robinson
LV: Roald Dahl
mit Wendell Corey, James Donald, Arnold Moss
–
Draußen in der Dunkelheit (Out there, darkness, USA 1959)
Regie: Paul Henreid
Drehbuch: Bernard C. Schoenfeld
LV: William O’Farrell
mit Bette Davis, Frank Albertson, James Congdon, Arthur Marshall
–
Der Schmuck der Lady Avon (The Avon Emeralds, USA 1959)
Regie: Bretaigne Windust
Drehbuch: William Fay
LV: Joe Piddock
mit Roger Moore, Hazel Court
–
Der Kristallgraben (The Crystal Trench, USA 1959)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Sterling Silliphant
LV: A. E. W. Mason
mit James Donald, Patrick Owens, Werner Klemperer, Patrick Macnee
–
Mama, darf ich schwimmen gehen? (Mother, May I go out to swim?, USA 1960)
Regie: Herschel Daugherty
Drehbuch: James P. Cavanagh
LV: Q. Patrick
mit William Shatner, Gia Scala, Jessie Royce Landis
–
Die Wette (The Horse player, USA 1961)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Henry Slesar
LV: Henry Slesar
mit Claude Rains, Ed Gardner
–
Die richtige Medizin (The right kind of medicine, USA 1961)
Regie: Alan Crosland Jr.
Drehbuch: Henry Slesar
mit Robert Redford
–
Ohne jede Spur (Into thin air, USA 1955)
Regie: Don Medford
Drehbuch: Marian B. Cockrell
mit Patricia Hitchcock, Geoffrey Toone, Alan Napier
–
…und so starb Riabouchinska (And so died Riabouchinska, USA 1956)
Regie: Robert Stevenson
Drehbuch: Mel Dinelli
LV: Ray Bradbury
mit Claude Rains, Charles Bronson, Claire Carleton
–
Tödliches Rezept (The perfect murder, USA 1956)
Regie: Robert Stevens
Drehbuch: Victor Wolfson
LV: Stacy Aumonier
mit Mildred Natwick, Hurd Hatfield, Philip Coolidge
–
Ein Portrait von Jacqueline (Portrait of Jocelyn, USA 1956)
Regie: Robert Stevens
Drehbuch: Harold Swanton
LV: Edgar Marvin
mit Philip Abbott, Nancy Gates, John Baragrey
–
Das zweite Inserat (Reward to finder, USA 1957)
Regie: James Neilson
Drehbuch: Frank Gabrielson
LV: F. J. Smith
mit Oskar Homolka, Jo Van Fleet, Claude Akins
–
Die ganz Zarte (The young one, USA 1957)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Sarett Rudley
LV: Phillip S. Goodman, Sandy Sax
mit Vince Edward, Carol Lynley, Stephen Joyce, Jeanette Nolan
–
Der Unwiderstehliche (The Deadly, USA 1957)
Regie: Don Taylor
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Lawrence Treat
mit Phyllis Thaxter, Lee Philips, Craig Stevens
–
Das ideale Haus (The right kind of house, USA 1958)
Regie: Don Taylor
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Henry Slesar
mit Robert Emhardt, Jeanette Nolan, James Drury
–
Treue um Treue (Mrs. Bixby and the Colonel’s Coat, USA 1960)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Halsted Welles
LV: Roald Dahl
mit Audrey Meadows, Les Tremayne, Sally Hughes
–
Mrs. Chistel – das ist keine Lösung (You can’t trust a man, USA 1961)
Regie:Paul Henreid
Drehbuch: Helen Nielsen
LV: Helen Nielsen
mit Polly Bergen, Frank Albertson, Joe Maross
–
Bonusfilme
Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner, USA 1960)
Weil seine Tochter auch die Ausbildung zur Altenpflegerin abbrechen will, schließt er ein Abkommen mit ihr: wenn er zwei Monate als Hilfspfleger durchhält, schließt sie die Ausbildung ab.
Gutes Drama über einen Vater, der seine Lebensziele überdenken muss, über eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung und über das Leben in einem Pflegeheim. Diese Welt wird genau gezeichnet und bietet etlichen alten Schauspielern noch einmal die Gelegenheit für einen großen Auftritt.
„Späte Aussicht“ ist, eine Seltenheit im deutschen TV, rundum gelungene, auf mehreren Ebenen funktionierende Unterhaltung.
mit Herbert Knaup, Anna Maria Mühe, Rosemarie Fendel, Heinz Baumann, Ernst Stankovski, Suzanne von Borsody, Sabine Orléans, Veronika Fitz
LV: John Buchan: The Thirty-Nine Steps, 1915 (Die neundundreißig Stufen)
Richard Hannay wird verdächtigt einen Spion umgebracht zu haben. Die Suche nach dem Mörder führt ihn durch halb England zu einem mordlüsternem Spionagering.
Schon seit Jahren nicht mehr gezeigter Hitchcock-Klassiker. Der “Anlass” für die derzeitigen Wiederholungen ist der 110. Geburtstag des Meisters der Suspense am 13. August.
“Was mir bei The 39 Steps gefiel, waren die jähen Umschwünge und das rapide Springen von einer Situation in die nächste. (…) Sollte ich The 39 Steps noch einmal drehen, dann würde ich wieder nach diesem Rezept vorgehen. Aber das kostet wirklich eine Menge Arbeit. Man muss einen Einfall auf den anderen folgen lassen, und das unheimlich schnell.” (Alfred Hitchcock zu Peter Bogdanovich)
Mit Madeleine Carroll, Robert Donat, Lucie Mannheim, Godfrey Tearle, Peggy Ashcroft, John Laurie