Drehbuch: Charles Brackett, Billy Wilder, Walter Reisch (nach einer Geschichte von Melchior Lengyel)
Die 150-prozentige Kommunistin Ninotschka soll in Paris einige abtrümmige Genossen wieder auf Parteilinie bringen und den Verkauf von Edelsteinen in die Wege leiten. Aber auch sie muss schnell gegen die Verlockungen des Kapitalismus kämpfen.
Nach einem halben Jahrzehnt ist dieser Lubitsch-Klassiker, endlich wieder, wieder im TV zu sehen.
„ein Meisterwerk“ (Herbert Spaich: Ernst Lubitsch und seine Filme)
„Ninotschka“ war für vier Oscars nominiert: Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Originalgeschichte (Ja, ist eine rätselhafte Doppelkategorie) und Beste Hauptdarstellerin. Aber „Vom Winde verweht“ war einfach stärker.
mit Greta Garbo, Melvyn Douglas, Ina Claire, Bela Lugosi
Wiederholung: RBB, Samstag, 17. April, 23.40 Uhr (im Anschluss die Garbo-Filme „Die Frau mit den zwei Gesichtern“ und „Anna Karenina“)
Das erste was bei der jetzt erschienen DVD-Veröffentlichung von Sam Peckinpahs Debütspielfilm „Gefährten des Todes“ auffällt, ist die Bildqualität. Denn bislang gab es nur Kopien im falschen Format und einer, sehr höflich formuliert, sehr bescheidenen Bildqualität. Nach dem Remaster sind die Farben meistens noch etwas blass, aber die Details sind gut zu erkennen und die Bildkompositionen sind – was bisher ebenfalls nicht zu erkennen war – gelungen.
Als zweites fällt auf, dass der Film sich ziemlich gut gehalten hat. Das liegt daran, dass er das in Peckinpahs Ouevre immer wieder auftauchende, zeitlose Thema von Schuld und Sühne behandelt und die Frau in dem Film kein verhuschtes Hascherls ist. Maureen O’Hara ist als Sandra-Bullock-Typ des netten Mädchens von nebenan ziemlich sexy und sie zeigt auch, für damalige Verhältnisse, viel nackte Haut.
Immerhin reden wir hier von 1960. Das war die Zeit, als Frauen, die über Dreißig waren, wie Großmütter aussahen; als in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) die nur sieben Jahre ältere Jessie Royce Landis die Mutter von Cary Grant spielte und Doris Day die Frau mit dem größten Sex-Appeal; — Hm, wahrscheinlich waren deshalb damals in den USA europäische Filme so beliebt.
Jedenfalls spielt Maureen O’Hara in „Gefährten des Todes“ die Hure mit dem goldenen Herz.
Nachdem Yellowleg (Brian Keith) in einem Schusswechsel irrtümlich ihren Sohn erschießt, will Kit Tilden ihr Kind neben seinem Vater beerdigen. Dummerweise liegt das Grab im Apachengebiet in der Geisterstadt Siringo. Sie macht sich alleine auf den Weg. Yellowleg, der von Schuldgefühlen geplagt ist, begleitet sie, gegen ihren Wunsch, mit seinen beiden Gefährten, den Verbrechern Billy (Steve Cochran) und Turk (Chill Wills). Auf der Reise nach Siringo gibt es den erwartbaren Ärger zwischen ihnen, mit den Apachen und der Natur.
Yellowleg hat nicht nur Schuldgefühle wegen dem Jungen. Er ist auch ein von Rachsucht getriebener Mann. Er verfolgte Turk ein halbes Jahrzehnt, weil dieser ihn damals skalpierte. Turk kann sich nicht daran erinnern und Yellowleg zögert seine Rache hinaus. Denn, so fragt er in einer Szene Kit, was bleibe ihm, wenn er den Sinn seines Lebens umbringe.
Und Turk, ein ziemlich unsympathischer Feigling, ist, wie spätere Szenen in „Gefährten des Todes“ zeigen, selbst ein von den Dämonen der Vergangenheit getriebener Mann.
Da ist Billy die psychologisch langweiligste Figur. Er ist einfach ein junger Berufsverbrecher.
Peckinpah-Fans entdecken in „Gefährten des Todes“ leicht viele Elemente, die auch in seinen späteren Filmen auftauchen. Aber, so Mike Siegel zutreffend in dem Audiokommentar, es gebe nur eine bestimmte Menge an Situationen und Themen und die meisten dieser Elemente stünden bereits in A. S. Fleischmans Roman und Drehbuch.
Der ausschließlich vor Ort in Old Tucson, Arizona, gedrehte „Gefährten des Todes“ ist von seinem Budget und der Drehzeit ein TV-Film fürs Kino. Gerade weil er einen ziemlich realistischen Blick auf den Wilden Westen wirft und zeitlose Themen, wie Schuld und Sühne ohne einfache Lösungen verhandelt, ist er auch heute noch einen Blick wert. Es ist einer der ersten Spätwestern und damit ein Western, der sich an ein erwachsenes Publikum richtet.
Die Action-Szenen sind dagegen TV-Niveau und sie zeigen noch nichts von Sam Peckinpahs späterem Ruf als Action-Regisseur.
Als Bonusmaterial gibt es eine umfangreiche, interessante Bildergalerie, ein Booklet, ein halbstündiges Featurette und einen Audiokommentar von Peckinpah-Fan Mike Siegel. In dem informativem Featurette verarbeitet er viel bereits aus der absolut sehenswerten Doppel-DVD „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ bekanntes Material. Der Audiokommentar ist dagegen eher enttäuschend, weil Siegel sich nicht wiederholen wollte und die Menge an Informationen über einen fast fünfzig Jahre alten Western einfach begrenzt ist.
„Gefährten des Todes ist kein Meisterwerk, aber in der remasterden Version durchaus einen Blick wert.
Gefährten des Todes (The Deadly Companions, USA 1961)
Regie: Sam Peckinpah
Drehbuch: Albert Sidney Fleischman
LV: A. S. Fleischman: Yellowleg, 1960 (später „The Deadly Companions“)
mit Maureen O’Hara, Brian Keith, Steve Cochran, Chill Wills, Strother Martin, Will Wright, Jim O’Hara, Billy Vaughn
Columbo: Schreib oder stirb (USA 1974, R.: Robert Butler)
Drehbuch: Peter S. Fischer
Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall
Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.
Wer ermordete den Freund von Kommissar Glauberg? Und warum schickt das BKA eine Polizistin in die norddeutsche Provinz? Gemeinsam decken Glauberg und die hübsche BKAlerin RAF-, Stasi-, West- und Ost-Ängste auf.
Woelks Roman kam damals bei den Kritikern nicht gut an. Ganz im Gegensatz zu den Fernsehkritikern. Die mochten den Film des immer zuverlässigen Matti Geschonneck. Und beim Hamburger Filmfest 2004 erhielt „Mord am Meer“ den TV-Produzentenpreis.
„Mord am Meer“ ist ein insgesamt gelungener Film, der unter den Beschränkungen des 90-Minuten-TV-Formats (einige Minuten länger wäre besser gewesen), einem zuviel an verschiedenen angesprochenen Themen (hier wäre weniger mehr gewesen) und einer enttäuschenden Lösung leidet. Aber die schönen Berlin-Bilder und die guten Leistungen der Schauspieler, die teilweise nur eine Szene haben, trösten darüber hinweg.
Mit Heino Ferch, Nadja Uhl, Manfred Zapatka, Birge Schade, Ulrike Krumbiegel, Otto Mellies, Ellen Schwiers, Thomas Sarbacher, Markus Boysen
Wiederholung: Mittwoch, 14. April, 03.00 Uhr (Taggenau!)
Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.
Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.
„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.
mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin
Wiederholung: Dienstag, 13. April, 01.55 Uhr (Taggenau!)
Das Geheimnis der falschen Braut (F/I 1969, R.: Francois Truffaut)
Drehbuch: Francois Truffaut
LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)
Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.
Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet
Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozess in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.
Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle, Robert Patrick, Rumer Willis (Tochter von Demi Moore und Bruce Willis; spielt die Tochter von Erin Grant)
Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden
Wiederholung: Montag, 12. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)
Meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps sind, mit vielen schönen Bildern (Danke, Alfred!), bei den Alligatorpapieren online:
Nach dem österlichem Trommelfeuer geht’s jetzt geruhsamer durch den April. Zum Auftakt gibt es George Stevens A.-B.-Guthrie-jr.-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“ und die schon länger nicht mehr gezeigte Carl-Hiaasen-Verfilmung „Striptease“ (jaja, viele Razzies). Weiter geht’s mit Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Francois Truffauts Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Geheimnis der falschen Braut“, Norman Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“, Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“, Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“ (und schlaflos ist), Henri-Georges Clouzots Boileau/Narcejac-Verfilmung „Die Teuflischen“, José Giovannis „Der Mann aus Marseille“, den ersten beiden Teile der TV-Version von „Der Pate“ und zweimal Columbo. Einmal mit Mickey Spillane (Schreib oder stirb), einmal von Jonathan Latimer (Blumen des Bösen).
New Jersey: Mafiosi Perello beauftragt Joey, den Revolver, mit dem er einen Undercover-Polizisten erschossen hat, zu entsorgen. Joey versteckt den Revolver im heimischen Keller. Ein Nachbarjunge entdeckt den Revolver, erschießt seinen brutalen Stiefvater und, weil jetzt verschiedene Gangstergruppen und die Polizei die Waffe wollen, hat Joey plötzlich eine ganze Menge Probleme, die er in einer Nacht lösen muss.
Düster-grotesker, blut- und bleihaltiger, zynischer Thriller, den man, weil alles mit allem zusammenhängt und alle irgendwie miteinander verbandelt sind, besser nicht zu genau auf Logik und Wahrscheinlichkeit überprüfen sollte.
Wayne Kramer scheint seine letzten Filme nach dem Prinzip der größtmöglichen Distanz geschrieben zu haben. Anders ist nicht zu erklären, warum er nach dem Las-Vegas-Märchen für Erwachsene „The Cooler“ und der knalligen Thriller-Groteske „Running Scared“ das ernste Episodendrama „Crossing Over“ über illegale Einwanderer in die USA inszenierte.
mit Paul Walker, Cameron Bright, Vera Farmiga, Chazz Palminteri, Johnny Messner, Karel Roden
Wiederholung: Samstag, 10. April, 02.40 Uhr (Taggenau!)
Schwarz Rot Gold: Alles in Butter (D 1982, R.: Dieter Wedel)
Drehbuch: Dieter Meichsner
Zollfahnder Zaluskowski jagt den Betreiber einer Butterschmelze wegen Subventionsbetrug.
Zwischen 1982 und 1995 entstanden 18 TV-Spielfilme mit Uwe Friedrichsen als Zollfahnder Zaluskowski. Drehbuchautor Dieter Meichsner, der alle Drehbücher nach wahren Fällen schrieb, gelang es, das dröge Thema Wirtschaftskriminalität in spannende Krimis zu verpacken. Bis jetzt fand er keinen Nachfolger.
Vor allem in den Achtzigern war „Schwarz Rot Gold“ eine der Serien, in denen Qualität und Quote stimmten: „gehört zum Besten, was in den achtziger Jahren an deutscher Krimiunterhaltung geboten wurde“ (Martin Compart: Crime TV).
Mit Uwe Erichsen, Siegfried Kernen, Edgar Bessen, Georg Meyer-Groll, Gerd Böckmann, Heinz Moog, Hannelore Elsner
Im Jahr des Drachen (USA 1985, R.: Michael Cimino)
Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino
LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)
Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.
Mit Mickey Rourke, John Lone
Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“
Wiederholung: MDR, Sonntag, 11. April, 00.15 Uhr (Taggenau!)
12 Monate Bewährungsfrist (USA 1939, R.: Lloyd Bacon)
Drehbuch: Warren Duff (nach einer Originalgeschichte von Jonathan Finn
LV: Lewis E. Lawes
Cliff Taylor ist auf Bewährung draußen und möchte sauber bleiben. Aber das ist nicht so einfach.
Kraftvolles Gangsterdrama, das sich auf vertrauten Pfaden bewegt.
“Ereignisreiche, routiniert inszenierte Gangstergeschichte mit tragischem Ausgang.” (Lexikon des internatioanlen Films)
Lewis E. Lawes leitete von 1920 bis 1941 das Gefängnis Sing-Sing. Er bemühte sich die Haftbedingungen zu verbessern und trat dafür mit Büchern und Radioshows an die Öffentlichkeit. Sein bekanntestes Werk dürfte “20.000 Years in Sing-Sing” sein, das mit Spencer Tracy und Bette Davis verfilmt wurde.
mit George Raft, Jane Bryan, William Holden, Humphrey Bogart
Live Flesh – Mit Haut und Haar (E/F 1997, R.: Pedro Almodóvar)
Drehbuch: Pedro Almodóvar, Ray Loriga, Jorge Guerricaechevarria
LV: Ruth Rendell: Live Flesh, 1986 (In blinder Panik)
Sechs Jahre nachdem Victor einen Polizisten zum Krüppel schoss, kreuzen sich wieder ihre Wege.
Halt ein typischer Almodovar-Film. „Almodóvar pendelt in überraschenden Wendungen geschickt zwischen Pathos und Ironie, ohne völlig in den schrillen Erzählton früherer Werke zu kippen.“ (Zoom 8/98)
mit Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Angela Molina
Wiederholung: Dienstag, 6. April, 02.55 Uhr (Taggenau!)
LV: Robert Daley: Tainted Evidence, 1993 (Nacht über Manhattan)
Der junge Staatsanwalt Casey möchte seinen Vater verteidigen. Nur ist der Vater nicht so unschuldig, wie sein Sohn annimmt.
Lumet inszenierte eine makellose Mischung aus Polizeifilm, Gerichtsdrama und Thriller.
Der Fischer Film Almanach schrieb zutreffend: „Großes Kino alter Schule: Perfekte Inszenierung, psychologisch ausgefeilte Szenen, die das Ringen der Personen transparent machen, eine adäquat karge Ausstattung, exzellente Darsteller und die Musik von Mark Isham fesseln bis zur letzten Minute.“
Mit Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, Ron Leibman, James Gandolfini
Vor seinem Spielfilmdebüt gehörte Michael Martin zu den Autoren von „Sleeper Cell“ und Antoine Fuquas „Training Day“ (ebenfalls mit Ethan Hawke) gehört zu den besten Cop-Filmen des vergangenen Jahrzehnts. Seine Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“ war auch nicht schlecht. Ein gewisses Niveau ist also garantiert.
In ihrem starbesetzten „Gesetz der Straße“ erzählen sie parallel drei Geschichten: ein ausgebrannter Cop will seine letzten Arbeitstage gemütlich abfeiern; ein Undercoverpolizist will aussteigen; ein Drogenfahnder ist in illegale Geschäfte verstrickt und den Rest können wir uns denken.
„Die Achillesferse von ‚Gesetz der Straße‘ zeigt sich in diversen Erzähllinien, die allzu vorhersehbar abgespult werden, aber es gelingt Fuqua doch über weiteste Strecken, seine drei Geschichten zu spannungsreich vibrierenden Dramen auszuformen.“ (Rainer Gansera in epd Film 4/2010). Das Rotten-Tomatoes-Fazit ist ähnlich.
mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Lili Taylor, Ellen Barkin, Will Patton
LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)
Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.
Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.
Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe.
Mit Guy Pearce, Russell Crowe, Kevin Spacey, Kim Basinger, Danny DeVito
Wiederholung: Samstag, 3. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)
Jean-Luc Godard sagte: „Um einen Film zu machen genügen eine Waffe und ein Mädchen.“
„Las Bandidas“ hat vier gutaussehende, vornehmlich knapp begleitete Frauen und ein ganzes Arsenal von Waffen.
Damit erfüllt „Las Bandidas“ Godards Minimaldefin ition für einen Film locker.
Aber ein guter Film ist es nicht geworden.
Denn nach dem Versprechen von Cover und Trailer folgen einfach nur zwei Stunden Langeweile.
Woran liegt das?
Nun, mal wieder an grundlegenden Plotproblemen.
Denn auch wenn die einzelnen Charaktere ein Ziel haben (die mexikanischen Gangster wollen mit den Koreanern ein Drogengeschäft abwickeln; die spanischen Einbrecherinnen wollen sie ausrauben), müssen wir Zuschauer erstens wissen, was sie erreichen wollen, und zweitens, wie sie es erreichen wollen. Erst dann können wir mitfiebern.
Aber in „Las Bandidas“ bohren die Frauen sich nur durch irgendwelche Gemäuer, schrauben an Fahrrädern herum, kriechen im roten Abendkleid durch Fenster und klettern irgendwelche Mauern hoch (Jaja, sieht lecker aus.) und machen dann irgendetwas furchtbar kompliziertes (was wahrscheinlich auch einfacher ginge), um an eine im Safe des Gangster liegende Festplatte zu kommen. Keine Ahnung, warum sie die externe Festplatte klauen und das Geld im Safe lassen. Keine Ahnung, warum sie dann die Festplatte gegen einen ziemlich geringen Geldbetrag zurückgeben und dann etwas noch viel komplizierteres anstellen, um an eine riesige Tasche voller Geld zu kommen.
Das bietet – Habe ich schon erwähnt, dass die Einbrecher vier heiße Weiber sind? – natürlich einiges für das Auge des männlichen Betrachters. Aber solange dem Zuschauer nicht gesagt wird, wie Ana, Aurora, Gloria und Paloma an die Kohle rankommen wollen, langweilen die ziemlich irrwitzigen Aktionen der Frauen. Zum Beispiel: Warum müssen sie eine Laser-Schusswaffe bauen, diese dann in dem Fahrrad verstecken und kurz vor ihrem Einsatz mühevoll zusammenbauen? Warum – und wo – buddeln sie ein Loch in den Boden und tarnen es anschließend fein säuberlich? Sowieso ist unklar, wie sie in die Zentrale des Gangsterbosses einbrechen und anschließend flüchten wollen.
Irgendwann zertrümmert der Gangsterboss, der wahrlich keine Zierde für uns Männer ist, einer der Einbrecherinnen die Hand. In den nächsten Szenen scheint ihre Hand geheilt zu sein. Später ist sie wieder dick verbunden und sie eignet sich gut als Schlagwaffe. Die kaputte Hand scheint außer einer kleinen körperlichen Unbequemlichkeit den Einbruchsplan der Frauen überhaupt nicht zu beeinflussen. Bei einem besseren Drehbuch wäre in diesem Moment der ursprüngliche Einbruchsplan ein Fall für die Geschichtsbücher.
Auch die anderen Taten der drei Einbrecherinnen (Ana liegt nach einem Unfall im Koma) und der Gangster wirken zufällig und haben meist keine Konsequenzen für die weitere Geschichte. Subplots werden plötzlich fallengelassen. Über weite Strecken wirkt „Las Bandidas“ wie der lieblose Zusammenschnitt aus einigen möglicherweise interessanten Filmen.
Außerdem erfahren wir niemals, warum die Frauen die Einbrüche verüben. Diese Nicht-Psychologie führt auch dazu, dass die Vier bis zum Ende austauschbar bleiben – Gutgut, die eine ist etwas älter und hat hellere Haare als die beiden Schwarzhaarigen. – und uns herzlich egal sind. Sie scheinen sogar die gleichen Einbruchsfähigkeiten zu haben. In einem klassischen Heist-Movie, wozu „Las Bandidas“ gehören möchte, hat jeder Gauner seine feste Rolle und seine für das gelingen des Unternehmens wichtigen Aufgaben.
Am meisten psychologische Tiefe in diesem Desaster hat noch der Killer Gabriel. Er hat keine Probleme damit, Männer umzubringen. Aber Frauen – immerhin hat sein Vater seine Mutter erschlagen – bringt er nicht um. Als sein Boss und Freund beginnt, die Frauen schlecht zu behandeln, zerbricht auch diese Freundschaft.
Autor und Regisseur Augustín Díaz Yanes konnte sich allerdings nicht entscheiden, ob er die Geschichte von Gabriel und seinem Gewissenskonflikt oder von den vier Frauen und ihren Einbrüchen bei den Gangstern erzählen wollte. Also entschloss er sich, weder die eine noch die andere Geschichte zu erzählen, sondern uns einfach nur mit Bildern von heißen Frauen, grenzdebilen, blowjobgeilen Gangstern, schmutzigen mexikanischen Straßen und austauschbaren Zimmern zu bedienen.
Denn Yanes scheint sich vor allem, in der Hoffnung, dass die konfuse Geschichte dann nicht weiter auffällt, darüber Gedanken gemacht zu haben, wie er die Frauen apart ins Bild setzt und das ganze relativ jugendfrei mit Sex und Gewalt garniert. Das ist ihm gelungen.
Aber ein guter Gangsterfilm ist so nicht entstanden.
Las Bandidas – Kann Rache schön sein! (Solo Quiero Caminar, Spanien/Mexiko 2009)
Regie: Agustín Díaz Yanes
Drehbuch: Agustín Díaz Yanes
mit Victoria Abril, Diego Luna, Ariadna Gil, Pilar López de Ayala, Elena Anaya, José María Yazpik