Fans von Konzerfilmen müssen heute und morgen (Shine a light, Lou Reed’s Berlin)
3sat einschalten
3sat, 22.25
Crosby, Stills, Nash & Young – Déjà Vu (USA 2008, R.: Bernard Shakey [Pseudonym von Neil Young], Benjamin Johnson)
Drehbuch: Mike Cerre, Neil Young
2006 tourten CSNY durch die USA, nahmen die Konzerte ihrer „Freedom of Speech“-Tour auf, Neil Young stellte auch sein neues Album „Living with war“ vor und die Musiker machten aus ihrer pazifistischen Gesinnung und ihrer Ablehnung der Politik von George Bush kein Geheimnis. Kriegsreporter Cerre interviewte Fans der Band. So dokumentiert der Konzertfilm ein zerrissenes Land.
mit Neil Young, David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash, Mike Cerre
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3sat, 00.00
Year of the Horse (USA 1997, R.: Jim Jarmusch)
Drehbuch: Jim Jarmusch
Nachdem Neil Young in einer Session die geniale Musik für Jim Jarmuschs Western „Dead Man“ einspielte, bat Young den Regisseur, die „Broken Arrow“-Tour von ihm und seiner Band Crazy Horse zu dokumentieren.
mit Neil Young, Frank ‚Pancho‘ Sampedro, Billy Talbot, Ralph Molina, Larry Cragg, Jim Jarmusch
Die Spur des Verräters (Irland 1997, R.: Martyn Friend)
Drehbuch: John Brown, Jim Lusby
LV: Jim Lusby: Making the cut, 1995 (Eiskalte Abrechnung)
Inspektor McCadden rollt einen Mord im Dealermilieu gegen den Willen seiner Vorgesetzten wieder auf und stößt auf dunkle Machenschaften eines Pharma-Unternehmers.
„Die Spur des Verräters“, basierend auf dem ersten McCadden-Roman, ist der durchaus sehenswerte Pilotfilm für eine vierteilige, in Deutschland nie gezeigte, Fernsehserie.
Der Film ist konventionell erzählt, hat genaue Milieuzeichnungen, präzise Charakterisierungen der Personen und ist nicht so düster wie das Buch.
Auf Deutsch wurden, bei rororo thriller, nur die ersten beiden Bücher mit Detective Inspector Carl McCadden veröffentlicht.
Mit Sean McGinley, Andrea Irvine, Brendan Gleeson, Gerard McSorley
Drehbuch: Jo Heims, Dean Riesner (nach einer Geschichte von Jo Heims)
Zwischen den von Don Siegel inszenierten Filme „Betrogen“ und „Dirty Harry“ schob Clint Eastwood sein Regiedebüt, das ihn in einer ungewöhnlichen Rolle zeigt. Er spielt einen Radio-DJ, der von einer Anruferin verfolgt wird.
Trotz kleiner Schwächen ein spannender Psychothriller, der seiner Zeit weit voraus war.
mit Clint Eastwood, Jessica Walter, Donna Mills, John Larch, Don Siegel
auch bekannt als „Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten“ (Früher waren die Verleiher noch kreativ bei der Titelwahl)
Künftig wird auch Christine Westermann („Zimmer frei!“) im Fernsehen Bücher empfehlen. Heute stehen unter anderem „Der Brenner und der liebe Gott“ (Wolf Haas), „Verbrechen“ (Ferdinand von Schirach) und „Marilyn & Co.“ (Truman Capote) auf ihrer Liste. „west.art – Bücher“ soll einmal im Monat laufen.
Boston Legal: Die Neue und das Biest (USA 2007, R.: Bill D’Elia)
Drehbuch/Erfinder David E. Kelley
Nach einer fast zweijährigen Pause geht’s heute mit der vierten Staffel von „Boston Legal“ auf einem doch ziemlich schlechten Sendeplatz weiter. Denn ich dachte, dass „Boston Legal“ eine gute Quote hatte.
Es gibt einige neue Gesichter, aber sonst bleibt in dieser sehr seriösen Kanzlei Crane, Poole & Schmidt alles beim alten.
Mit James Spader (Alan Shore), John Larroquette (Carl Sack), Christian Clemenson (Jerry Espenson), Gary Anthony Williams (Clarence/Clarice Bell), Tara Summers (Katie Lloyd), Saffron Burrows (Lorraine Weller), Candice Bergen (Shirley Schmidt), William Shatner (Denny Crane)
Das Geheimnis der Frau in Weiß (USA 1948, R.: Peter Godfrey)
Drehbuch: Stephen Morehouse Avery
LV: Wilkie Collins: The woman in white, 1860 (Die weiße Frau; Die Frau in Weiß)
England, um 1850: Ein Erbschleicher will mit allen Mitteln an das Vermögen einer jungen Gutsbesitzerin.
Gelungene Verfilmung des viktorianischen Kriminalromans mit einem alles beherrschenden Sidney Greenstreet als Schurken. Und Max Steiner schrieb die Musik.
Mit Sidney Greenstreet, Alexis Smith, Eleanor Parker, Gig Young, Agnes Moorehead, John Abbott, John Emery, Curt Bois
Es geschah am hellichten Tag (D 1958, R.: Ladislao Vajda)
Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacoby, Ladislao Vajda
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kommissar Matthäi sucht den Mörder eines neunjährigen Mädchens.
Allseits bekannter Krimiklassiker mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Siegfried Lowitz. Auch das Ausland war von dem Film begeistert: „Unter der hervorragenden Regie von Ladislao Vajda wird die Handlung pausenlos in einem unbarmherzigen und beklemmenden Tempo gesteigert und ist getragen von einem Dialog, der vor Gescheitheit blitzt und nur gelegentlich durch die, dem Dichter eigene, Melancholie gebremst wird.“ (Aufbau, New York, 1960)
Dürrenmatt war mit dem Ende des Filmes unzufrieden. Sein „Buch zum Film“ hat daher ein pessimistisches Ende
Krieg der Sterne – Special Edition (USA 1977/1997, R.: George Lucas)
Drehbuch: George Lucas
Darth Vader entführt Prinzessin Leia. Der Jüngling Luke Skywalker macht sich auf den Weg, sie aus den Fängen des Bösewichts zu retten.
Heute wird die vor über zehn Jahren von George Lucas himself digital aufgepeppte Version seines Klassikers gezeigt. Naja, immerhin besser als nichts.
Die zeitgenössische Kritik war nicht amüsiert („Ramschladen“ [Der Spiegel], „ein Verbrechen“ [Film und Fernsehen], „Star Wars offenbart sich als ein Film, der den Zuschauer in seinen Ängsten gefangenhalten will, um ihm eine affirmative Haltung zur Macht zu erleichtern.“ [SF-Baustelle], „Star Wars gehört zu jenen zahllosen Filmen, die das Publikum unmündig halten wollen.“ [Science Fiction Times]).
Variety meinte: „An der Kinokasse dürfte der Film, der potentiell alle Altersgruppen anspricht, zauberhafte Ergebnisse erzielen.“
Das Werk wurde ein Blockbuster.
„Im nachhinein ist es einfach, die Schwachstellen in Krieg der Sterne zu finden: Er ist mehr naiv als unschuldig erzählt; er arbeitet nicht mit Andeutungen, sondern mit geklauten Ideen. (…) Kurz gesagt, ist Krieg der Sterne eine durchdacht hergestellte Märchengeschichte, die sorgfältig aus Stücken seiner Hauptinspiration Rocket Ship (Flash Gordon, 1936) und zahlreichen anderen Filmen und Serien zusammengefügt ist, die trotz ihrer herrlichen Verrücktheiten mit einigen Ausnahmen (für die Flash Gordon das beste Beispiel ist) ihre bizarren Plots in eine Moral packten, die weitaus enger gefasst war als die in alten Märchengeschichten. (…) Krieg der Sterne ist ein erheiternder Film.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie)
Nicht erstaunlich ist, dass „Krieg der Sterne“ 1978 einen Hugo gewann. Erstaunlich ist aber die Drehbuchnominierung der Writers Guild of America. Nicht, dass das Buch nominiert wurde, sondern dass es in der Kategorie „Best Comedy Written Directly for the Screen“ nominiert wurde.
Obwohl – witzig ist der „Krieg der Sterne“ schon. Irgendwie.
Anschließend läuft „Star Wars – Ein Blick in die Zukunft“ (USA 2005)
Mit Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Peter Cushing, Alec Guiness, Anthony Daniels, Kenny Baker, David Prowse, Peter Mayhew, Phil Brown
Seit gut vier Jahrzehnten erhält Henrik Vanger jedes Jahr zu seinem Geburtstag in einem austauschbaren, billigen Bilderahmen eine gepresste Blume. Das Geschenk erinnert ihn immer wieder an seine Lieblingsnichte Harriet Vanger. Sie verschwand am 22. September 1966 spurlos von der Insel, auf der das Anwesen der Vanger-Familie ist. Der inzwischen 82-jährige Firmenmogul Henrik Vanger glaubt, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde.
Jetzt beauftragt er den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist mit Recherchen in diesem Fall. Blomkvist, der gerade wegen schlampiger Recherchen zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, nimmt den Auftrag an. Aber seine Recherchen machen erst richtige Fortschritte, als er beginnt mit der Hackerin Lisbeth Salander zusammen zu arbeiten. Über eine in Harriet Vangers Tagebuch enthaltene verschlüsselte Liste kommen sie auf die Spur eines Serienkillers, der seit 1949 Frauen bestialisch ermordet und ein Mitglied der Familie Vanger ist.
Der Roman
Seit vier Jahren verkauft sich der gut siebenhundertseitige Roman von Stieg Larsson, zuerst in seiner Heimat, dann in Europa und inzwischen auch in den USA, wie geschnitten Brot und Kritiker feiern „Verblendung“ und die beiden Folgeromane „Verdammnis“ und „Vergebung“ ab. Larsson selbst hatte allerdings nichts von diesem Erfolg, weil er bereits vor der Publikation von „Verblendung“ überraschend starb und so aus der von ihm auf zehn Romane angelegten „Millennium“-Serie (so heißt die Zeitung für die Blomkvist arbeitet) mit dem Journalisten Mikael Blomkvist und seiner deutliche jüngeren Gehilfin Lisbeth Salander zur „Millennium“-Trilogie schrumpfte.
Dabei ist der Erfolg von „Verblendung“ rätselhaft. Der Roman liefert reichlich Anlass für Kritik. Larsson ist nämlich ein unglaublich weitschweifiger Erzähler, der anscheinend seine gesamten Notizen und Hintergrundgeschichten zu den Charakteren in den Roman einfügen musste.
So dauert es hundert Seiten, bis sich Henrik Vanger und Mikael Blomkvist zum ersten Mal begegnen und Vanger sein Anliegen vorbringt. Zur Tarnung soll Blomkvist die Geschichte der Familie Vanger aufschreiben. Das ermöglicht Larsson, ausführlich in vergangenen Jahrhunderten und vor allem den Verstrickungen der Vangers mit den Nazis herumzuwühlen. Für die Frage, wer Harriet Vanger ermordet hat, bringt das nichts. Auch bis Blomkvist und Salander sich zum ersten Mal begegnen, vergeht viel Lesezeit. Bis dahin haben wir so ungefähr alles über sie erfahren: wie sie ihren jetzigen Job bekommen hat, was ihr Chef von ihr hält, wie ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist, wie sie lebt, wie sie von der einen Pflegefamilie zur nächsten geschickt wurde, wie sie mit ihrem ersten richtigen Vormund zurecht kam und wie sie sich mit ihrem neuen Vormund (einem sexistischen Schwein) arrangiert. Das alles ist reines Hintergrundmaterial, das die Handlung nicht voranbringt, in der Häufung fast nichts über den Charakter Salander verrät und auch die spätere Handlung nicht beeinflusst. Andere Charaktere, wie der über viele Seiten eingeführte Chef von Salander und ihr neuer Vormund verschwinden irgendwann einfach aus der Geschichte.
Nachdem die Mordermittlungen ungefähr in der Buchmitte endlich an Dynamik gewinnen, sind sie schnell abgeschlossen. Auf Seite 511 ist der Mörder enttarnt und auf Seite 541 tot.
Die restlichen 150 Seiten füllt Larsson vor allem mit dem Kampf von Blomkvist gegen den Industriellen Hans-Erik Wennerström um seine Rehabilitierung. Das ist aber eine vollkommen andere Geschichte, die vor allem nach der Enttarnung eines Serienkillers, nur mäßig interessant ist.
Wenn „Verblendung“ kein Roman, sondern eine TV-Serie wie „Lost“, „Prison Break“ (vor allem in der ersten Staffel) oder „24“ wäre, würde ich sagen, dass die Autoren im Lauf der Staffel bemerkten, dass einige Charaktere die Geschichte doch nicht voranbringen und deshalb fallengelassen wurden und sie am Ende bemerkten, dass sie für die restlichen Folgen, weil sie in ihrer Dusseligkeit den Bösewicht umgebracht hatten, noch schnell eine neue Geschichte erfinden mussten.
Der Film
Für die Verfilmung machten die Drehbuchautoren Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg dann die Arbeit, die Stieg Larsson hätte tun müssen. Sie entfernten etliche überflüssige Subplots (wie die Erstellung der Vanger-Familienchronik, den Kampf um das Überleben der Zeitschrift „Millennium“ und die Suche nach dem Maulwurf in der Redaktion), im Nichts endende Expositionen (wie die seitenlange Einführung von Salanders Chef, Salanders Biographie und wie ein alter Freund Blomkvist die ersten Informationen über Wennerströms krumme Geschäfte gibt) und einige unwichtige Charaktere.
Sie konzentrierten sich auf die Suche nach Harriet Vangers Mörder. Sie verdichteten. Sie dramatisierten. Zum Beispiel ist die erste Kontaktaufnahme von Blomkvist und Salander im Film anders als im Buch. Im Buch empfiehlt der Anwalt der Familie Vanger Blomkvist Lisbeth Salander als Rechercheurin. Im Film nimmt sie per E-Mail Kontakt zu Blomkvist auf und sagt ihm, was die kryptischen Buchstaben und Zahlen in Harriet Vangers Tagebuch bedeuten. So ist Salander im Film von Anfang an stärker als im Roman an einem erfolgreichen Abschluss der Recherche interessiert. Auch die Recherchen von Blomkvist verlaufen im Film etwas anders und glaubwürdiger als im Buch.
Arcel und Heisterberg erzählen konzentriert eine Geschichte, mit einigen Abschweifungen. Niels Arden Oplev inszenierte sie fast schon schmucklos-spartanisch. Denn es gibt keine kostspieligen Szenen. Er verzichtete auf modische Spielereien, wie die derzeit angesagte Wackelkamera und Sekundenschnitte. Er lässt sich Zeit, beobachtet seine, bei uns bis auf Peter Haber (Kommissar Beck), unbekannten Schauspieler und löst Szenen meisten klassisch in Schuss/Gegenschuss auf. Nur die an aktuelle US-Krimiserien erinnernden Montagen, bei den Recherchen von Blomkvist/Salander erinnern an aktuelle Trends.
„Verblendung“ ist ein guter Krimi, der trotz seiner Länge von 150 Minuten kurzweilig unterhält. Im Kino wirkt er allerdings auch immer wie ein TV-Zweiteiler, der irrtümlich im Kino gezeigt wird. Denn der auch im Film ausführlich geschilderte Subplot von Lisbeth Salanders Kampf gegen ihren neuen Betreuer und der sehr lange Epilog gehorchen den Gesetzen eines TV-Zweiteilers. Im ersten Teil werden die beiden gleichberechtigten Protagonisten Blomkvist und Salander vorgestellt. Am Ende des ersten Teils begegnen sie sich erstmals (also nach ungefähr 75 Filmminuten) und im zweiten Teil jagen sie gemeinsam den Serienmörder.
Obwohl ich sonst nie Punkte vergebe, würde ich „Verblendung“ ohne zu zögern als Kinofilm 8/10 und als TV-Zweiteiler 10/10 Punkten geben. Dem Roman…deutlich weniger.
Die zweite Larsson-Verfilmung „Verdammnis“ ist für Februar 2010 angekündigt und „Vergebung“ ist für Sommer 2010 geplant. Michael Nyqvist und Noomi Rapace haben wieder die Hauptrolle. Aber die Drehbuchautoren und der Regisseur wechselten.
Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)
Regie: Niels Arden Oplev
Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)
mit Michael Nyqvist (Mikael Blomkvist), Noomi Rapace (Lisbeth Salander), Lena Endre (Erika Berger), Peter Haber (Martin Vanger), Sven-Bertil Taube (Henrik Vanger), Peter Andersson (Nils Bjurman), Ingvar Hirdwall (Dirch Frode), Marika Lagercrantz (Cecilia Vanger), Björn Granath (Gustav Morell)
Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973, R.: Robert Altman)
Drehbuch: Leigh Brackett
LV: Raymond Chandler: The long goodbye, 1953 (Der lange Abschied)
Philip Marlowe hilft seinen Freund Terry Lennox aus der Klemme. Er soll seine Frau umgebracht haben.
Bitterböse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum und einem Marlowe (Elliot Gould), der als Relikt durch die Story gestossen wird. – Eine der besten Chandler-Verfilmungen!
Leigh Brackett (1915 – 1978, Schriftstellerin, außerdem schrieb sie die Drehbücher zu „Tote schlafen fest“, „Rio Bravo“, „El Dorado“, „Krieg der Sterne: Das Imperium schlägt zurück“) sagte zu ihrer und Altmans Vorstellung von der Figur Marlowe: „Ich sehe Marlowe so, wie Chandler ihn sah, als Verlierer. Aber ein wirklicher Verlierer, nicht der falsche Gewinner, den Chandler aus ihm machte. Ein Verlierer auf der ganzen Linie….Goulds Marlowe ist ein Mann von simpler Redlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und vollständiger Integrität. Alles, was wir machten, war, ihn von den Attributen eines falschen Helden zu befreien. Chandler Marlowe wusste immer mehr als die Polizei. Er konnte zu Brei geschlagen werden, aber er kam immer irgendwie ungeschoren davon. Nur aufgrund bloßer Kraft der Persönlichkeit, professioneller Sachkenntnis und Frechheit war er im Vorteil. Wir meinten ´Solch ein Mann besitzt keinen Vorteil. Er wird rumgestoßen. Die Leute nehmen ihn nicht ernst. Sie wissen nicht, was mit ihm los ist, und es kümmert sie auch nicht´. Also wurde aus dem harten Typ Marlowe ein Gefoppter.“ (Take One)
Pflaum dazu: „Altmann hat Marlowe so gründlich demystifiziert, dass dem Zuschauer in jedem Moment bewußt ist: dieser Mann übernimmt sich, und es ist allein eine Frage der Zeit, bis sich das rächt. Der Held Raymond Chandlers ist nie gefährdeter, nie sterblicher gewesen als in The long goodbye; Altman hat dem Roman auf seine Weise die realistische Dimension zurückgegeben, die er, unter anderen Vorzeichen, einmal hatte“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altmann, Hanser Reihe Film 25)
Mit Elliott Gould, Nina van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Carradine (Cameo), Arnold Schwarzenegger (eigentlich auch ein Cameo-Auftritt)
Alligator-Alfred (frisch erholt, gebräunt und wohlernährt von seinem Urlaub) hat sich die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps geschnappt, gnadenlos aufgebretzelt und online gestellt. Ich bin sprachlos und liefere hier nur die ersten Zeilen:
Die filmischen Höhepunkte der kommenden Tage sind Billy Wilders „Das Privatleben des Sherlock Holmes“, Joseph Sargents John-Godey-Verfilmung „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (pünktlich zum Kinostart läuft mal wieder das Original), Shane Blacks Brett-Halliday-Verfilmung „Kiss Kiss Bang Bang“, Robert Altmans Raymond-Chandler-Verfilmung „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, Ladislao Vajdas Friedrich-Dürrenmatt-Verfilmung „Es geschah am hellichten Tag“, Jules Dassins Eric-Ambler-Verfilmung „Topkapi“ und Martyn Friends fast unbekannte Jim-Lusby-Verfilmung „Die Spur des Verräters“.
Außerdem läuft die schon lange nicht mehr gezeigte, auf einem wahren Fall basierende Politsatire „Der Fall Lucona“.
LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941
Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.
Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).
“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar
Burn Notice: Kaltgestellt (USA 2007, R.: Jace Alexander)
Drehbuch/Erfinder: Matt Nix
„Covert intelligence involves a lot of waiting around. Know what it’s like being a spy? Like sitting in your dentist’s reception area twenty-four hours a day. You read magazines, sip coffee, and every so often, someone tries to kill you.“ (die ersten Worte von Michael Westen in „Kaltgestellt“)
Nachdem in den letzten Jahren das Krimifernsehen fast nur aus „CSI“- und „Law & Order“-Klonen bestand, ist die ironische PI/Agentenserie „Burn Notice“ eine höchst willkommene Abwechslung. Denn in ihr werden keine Morde aufgeklärt.
US-Geheimagent Westen muss, nachdem er verbrannt ist, in Miami bleiben. Wenn er die Stadt verlässt, wird er von seinen früheren Bossen umgebracht. Weil sie auch seine Bankkonten gesperrt haben, muss er sich mit verschiedenen Jobs, die seinen Fähigkeiten entsprechen, über Wasser halten. Seine einzigen Freunde sind seine Ex-Freundin und IRA-Terroristin Fiona („A spy is just a criminal with a government paycheck.“), der Ex-Agent und Schürzenjäger Sam („You know spies. Bunch of bitchy little girls.“) und seine kettenrauchende Mutter, die ihrem Sohn einige sehr schlecht bezahlte Aufträge verschafft und auch sonst gerne seine Hilfe in Anspruch nimmt.
„Michael Westen is Jim Rockford and MacGyver filtered through Carl Hiaasen.“ (LA Weekly)
Matt Nix erhielt für diese Folge den Edgar.
Mit Jeffrey Donovan (Michael Westen), Gabrielle Anwar (Fiona Glenanne), Bruce Campbell (Sam Axe), Sharon Gless (Madeline Westen)
Mankells Wallander: Tödliche Fracht (S/D 2005, R.: Anders Engström)
Drehbuch: Cilla Börjlind, Rolf Börjlind
LV: Henning Mankell (Treatment)
Kommissar Wallander und seine Tochter Linda suchen die Mörder von neun, in einem LKW-Container gefundenen, toten Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten. Die erste Spur führt zu einem Kloster.
Neunter Fall der auf dreizehn Folgen angelegten Serie mit dem neuen Wallander.
Mit Krister Henriksson, Johanna Sällström
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RBB, 23.35
Coma (USA 1978, R.: Michael Crichton)
Drehbuch: Michael Crichton
LV: Robin Cook: Coma, 1977 (Koma)
Die Ärztin Susan Wheeler hat einen schrecklichen Verdacht: ihre Vorgesetzten versetzen Patienten ins Koma und betreiben mit ihren Innereien einen schwunghaften, illegalen Organhandel. Ein Geschäft, das sie sich von Susan Wheeler nicht vermiesen lassen wollen.
„Ungemein spannender, perfekt inszenierter und geschnittener Thriller“ meint der Filmdienst, im Einklang mit anderen Kritiken, über den okayen Thriller aus der bösen Welt der Mediziner, mit einem großartigen Richard Widmark, einem herrlich hilflosen Tom Selleck und die beiden Hauptdarsteller sind auch nicht zu verachten. Der medizinische Hintergrund, immerhin schrieb ein Arzt den Roman und ein anderer inszenierte den Film, ist dagegen nicht so wichtig.
Mit Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Tom Selleck
Der Todesrächer von Soho (D/E 1972, R.: Jess Frank, eigentlich Jesus Franco)
Drehbuch: Art Bernd, Jess Frank
LV: Bryan Edgar Wallace: Death Packs a Suitcase, 1961 (Der Tod packt seinen Koffer; andere Quellen nennen „The Corpse Packs His Bags“, aber über dieses Werk sind keine weiteren Angaben auffindbar; einige nennen eine ungenannte Kurzgeschichte von Bryan Edgar Wallace als Vorlage, aber in Wirklichkeit wurde wahrscheinlich nur der Name Wallace für die Werbung benutzt)
Ein Polizist und ein Krimiautor ermitteln gemeinsam in einer Mordserie. Die Spur führt ins Rauschgiftmilieu.
Nun, Herr Franco liefert die vertraute Qualität – und Arthur Brauner (der als Art Bernd auch am Drehbuch mitschrieb) schloß als Produzent das Kapitel „Wallace“ ab.
Die Musik schrieb Rolf Kühn.
Mit Fred Williams, Horst Tappert, Barbara Rütting, Wolfgang Kieling, Rainer Basedow, Elisa Montes, Siegfried Schürenberg
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ZDF, 03.00
Die Hölle am Ende der Welt (F/I 1971, R.: Jean Herman)
Drehbuch: Jean Herman, Henri Charriére
Marco, zwei Komplizen und Stripperin Popsy Pop wollen in Venezuela Diamanten klauen. Allerdings hat Popsy Pop eigene Pläne.
Drehbuchautor und Hauptdarsteller Henri Charriére ist vor allem für seine erfolgreich verfilmte Biographie „Papillon“ bekannt. Dies ist sein einziger Auftritt als Schauspieler.
Langweiliger Abenteurfilm mit Henri Charriére, Claudia Cardinale, Stanley Baker
Die Ärztin Susan Wheeler hat einen schrecklichen Verdacht: ihre Vorgesetzten versetzen Patienten ins Koma und betreiben mit ihren Innereien einen schwunghaften, illegalen Organhandel. Ein Geschäft, das sie sich von Susan Wheeler nicht vermiesen lassen wollen.
„Ungemein spannender, perfekt inszenierter und geschnittener Thriller“ meint der Filmdienst, im Einklang mit anderen Kritiken, über den okayen Thriller aus der bösen Welt der Mediziner, mit einem großartigen Richard Widmark, einem herrlich hilflosen Tom Selleck und die beiden Hauptdarsteller sind auch nicht zu verachten. Der medizinische Hintergrund, immerhin schrieb ein Arzt den Roman und ein anderer inszenierte den Film, ist dagegen nicht so wichtig.
Mit Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Tom Selleck
Frederick Forsyth: Das schwarze Manifest (USA 2005, R.: Charles Martin Smith)
Drehbuch: Adam Armus, Nora Kay Foster
LV: Frederick Forsyth: Icon, 1996 (Das schwarze Manifest)
Moskau in den Neunzigern: Im Auftrag des britischen Botschaftrs soll Ex-CIA-Agent Jason Monk dem rechtsradikalen Populisten Igor Komarov das Handwerk legen.
Freie Verfilmung des gleichnamigen Buches von Frederick Forsyth. Gut besetzt, vor Ort gedreht und vom ZDF sicher nicht grundlos immer im Nachtprogramm versteckt.
Mit Patrick Swayze, Patrick Bergin, Michael York, Annika Peterson, Ben Cross, Jeff Fahey, Joss Ackland
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Brian Helgeland
LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)
In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.
Jetzt – immerhin sollte der Thriller ursprünglich Ende Juli starten – ist das nur wenig upgedatete Remake des 1973er-Thrillers endlich auch bei uns zu sehen. Denn Autor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen.
mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini
16 Uhr 50 ab Paddington (GB 1961, R.: George Pollock)
Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon
LV: Agatha Christie: 4.50 from Paddington, 1957 (16 Uhr 50 ab Paddington)
Miss Marple beobachtet in einem vorüberfahrenden Zug einen Mord. Die Polizei glaubt der schrulligen alten Frau nicht. Deshalb klärt sie den Fall alleine auf.
Erster Miss Marple-Film, der den Plot mit reichlich britischem Humor würzte.
Mit Margaret Rutherford, Arthur Kennedy, Stringer Davis
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ARD, 00.50
Killer – Tagebuch eines Serienmörders (USA 1996, R.: Tim Metcalfe)
Drehbuch: Tim Metcalfe
LV: Thomas E. Gaddis/James D. Long: Killer: A Journal of Murder, 1970
Produktion: Oliver Stone
Widmung: „For Sam Peckinpah“
Auf Tatsachen beruhender Spielfilm über Carl Panzram (bravourös gespielt von James Woods), dem ersten bekannten Massenmörder der USA. Er wurde 1929 wegen Mordes an 21 Menschen hingerichtet.
Differenziertes Drama, das allerdings immer auf dem Niveau eines gehobenen Fernsehspiels bleibt.
Polt muss weinen (A/D 2001, R.: Julian Roman Pölsler)
Drehbuch: Susanne Freund, Julian Roman Pölsler
LV: Alfred Komarek: Polt muss weinen, 1998
Wer ermordete den allseits unbeliebten Weinbauern? Landgendarm Polt ermittelt.
Komareks erster Polt-Krimi erhielt 1999 den Glauser. Sein neuer Polt-Krimi „Polt.“ erschien vor wenigen Tagen im Haymon Verlag.
Mit Erwin Steinhauer, Hans Clarin
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Arte, 14.45
Rendezvous mit einer Leiche (USA 1988, R.: Michael Winner)
Drehbuch: Anthony Shaffer, Peer Buckman, Michael Winner
LV: Agatha Christie: Appointment with death, 1938 (Der Tod wartet)
Hercule Poirot klärt während einer Urlaubsreise in Israel den Mord an einer reichen Amerikanerin auf.
Trotz der guten Besetzung ein Langweiler.
Mit Peter Ustinov, Lauren Bacall, John Gielguld, Carrie Fisher, Piper Laurie, David Soul, Nicholas Guest
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MDR, 22.05
TATORT: Money! Money! (D 1998, R.: Peter Ristau)
Drehbuch: Fred Breinersdorfer
Dorsey organisert ein Kettenspiel. Als seine Partnerin Angie umgebracht wird, ermitteln Erhlicher und Kain im Milieu krimineller Geschäftemacher.
Im Vergleich zu den Post-2000-Ehrlicher-Filmen wird dieser schwache Ehrlicher immer besser. Denn er hat eine sauber entwickelte Handlung und weist ohne einen allzu erhobenen Zeigefinder auf kriminelle Abzocker hin.
Mit Peter Sodann, Bernd Michael Lade, Ulrich Noethen, Julia Jäger
Die Ärztin Susan Wheeler hat einen schrecklichen Verdacht: ihre Vorgesetzten versetzen Patienten ins Koma und betreiben mit ihren Innereien einen schwunghaften, illegalen Organhandel. Ein Geschäft, das sie sich von Susan Wheeler nicht vermiesen lassen wollen.
„Ungemein spannender, perfekt inszenierter und geschnittener Thriller“ meint der Filmdienst, im Einklang mit anderen Kritiken, über den okayen Thriller aus der bösen Welt der Mediziner, mit einem großartigen Richard Widmark, einem herrlich hilflosen Tom Selleck und die beiden Hauptdarsteller sind auch nicht zu verachten. Der medizinische Hintergrund, immerhin schrieb ein Arzt den Roman und ein anderer inszenierte den Film, ist dagegen nicht so wichtig.
Mit Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Tom Selleck