Endlich ist es soweit: nach wochenlanger Vorberichterstattung und pflichtschuldigem Gemaule von Scientology können wir den Anlass für die ganze Aufregung ansehen.
Weil Niki Stein auch einige der guten „Tatorte“ (vor allem mit dem Frankfurter Team Dellwo/Sänger) drehte, dürfte dieser TV-Film über einen Studenten, der mit seiner Frau, in die Fänge der Sekte gerät und nach jahrelanger Mitgliedschaft aussteigen will, immerhin ansehbar sein. Vielleicht ist er sogar wirklich gut.
Mit Felix Klare, Silke Bodenbender, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn
Vietnam-Veteran Daryl Deever arbeitet als Hausmeister in einem New Yorker Bürohaus. Als er den ermordeten Manager Long findet, ergreift er die Gelegenheit sich seiner heimlichen Liebe, der TV-Reporterin Tony Sokolow, zu nähern, indem er behauptet, er habe den Mörder gesehen.
Unterschätzter ruhiger, romantischer Thriller.
„a thoroughly delightful but far from plausible mystery melodrama that operates exclusively on high spirits and a no-nonsense intelligence that is never sidetracked by coherence.“ (Vincent Canby, New York Times, 27. Februar 1981)
mit William Hurt, Sigourney Weaver, Christopher Plummer, James Woods, Irene Worth, Albert Paulsen, Steven Hill, Morgan Freeman
Ostern ist wie Weihnachten für die kleine verschworene Gemeinschaft der Mankell-Fans. Die Peckinpahianer versammeln sich ebenfalls am Lagerfeuer. Und dann gibt es noch die sehenswerte Henri-Georges Clouzot Boileau/Narcejac-Verfilmung „Die Teuflischen“, seine Georges-Arnaud-Verfilmung „Lohn der Angst“, Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Michael Ciminos Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Alfred Hitchcocks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Fenster zum Hof“, Curtis Hansons James-Ellroy-Verfilmung „L. A. Confidential“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „Casino“, Pedro Almodóvars Ruth-Rendell-Verfilmung „Live Flesh“, John Fords Alan-LeMay-Verfilmung „Der schwarze Falke“, Bennet Millers Gerald-Clarke-Verfilmung „Capote“ (TV-Premiere zu – Ach, vergessens wir’s und programmieren den Rekorder.), Delmer Daves‘ David-Goodis-Verfilmung „Das unbekannte Gesicht“ und für die Klassik-Fans gibt es den seit gut fünfzehn Jahren nicht mehr gezeigten Tatort „Flieder für Jaczek“, nach einem Buch von Stefan Murr.
LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: Les diaboliques: Celle qui n´etait pas, 1952 (Die Teuflischen; Tote sollen schweigen)
Privatschullehrer Delasse quält mit sadistischer Freude seine herzkranke Frau und seine Geliebte. Da beschließen die beiden Frauen, das Ekelpaket umzubringen.
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter Klassiker, der einem auch heute noch den Atem raubt.
Das Drehbuch gewann einen Special Edgar.
mit Simone Signoret, Véra Clouzot, Paul Meurisse, Charles Vanel, Michel Serrault
Ich könnte jetzt einen langen Vortrag beginnen, dass Krimis eigentlich Liebesgeschichten sind undsoweiterundsofort.
Oder ich sage einfach nur: JAMES GRAY.
Genau, der James Gray, der bis jetzt drei fantastische Gangsterfilme, die er mit präzisen Sozialstudien und Familiengeschichten verband, drehte. „Little Odessa“, „The Yards“ und „Helden der Nacht“ hießen die in New York, vornehmlich Brighton Beach/Brooklyn, spielenden Filme, für die er auch immer das Drehbuch schrieb und immer wieder eine erkleckliche Zahl bekannter Schauspieler engagieren konnte.
Auch sein neuester Film „Two Lovers“ fügt sich nahtlos in sein bisheriges Werk ein und zeigt, wieder einmal, dass er zu den am meisten unterschätzten Geschichtenerzählern gehört. Wieder spielt sein Lieblingsschauspieler Joaquin Phoenix mit und wieder zeigt Phoenix in seinem bislang letztem Film eine beeindruckende Leistung als Leonard Kraditor, der nach einem psychischen Zusammenbruch seit vier Monaten wieder bei seinen Eltern lebt und versucht sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Seine Eltern (Isabella Rossellini, Moni Monoshov) wollen ihn mit Sandra Cohen (Vinessa Shaw) verkuppeln. Sandra hat sich, nachdem sie ihn in der Kleiderreinigung seiner Eltern gesehen hatte, in ihn verliebt. Sie ist die Tochter eines Geschäftskonkurrenten und auch ihre Eltern stünden einer Ehe wohlwollend gegenüber.
Aber Leonard verliebt sich in den blonden Engel Michelle Rausch (Gwyneth Paltrow). Sie ist die Geliebte des reichen, verheirateten Ronald Blatt (Elias Koteas) und hat absolut kein sexuelles Interesse an Leonard. Für sie ist er nur der nette Nachbar von nebenan.
Gray konzentriert sich in seiner von Fjodor Dostojewskis Kurzgeschichte „Weiße Nächte“ inspirierten, hübsch doppeldeutig betitelten Geschichte (das ist einer der raren Fälle, in denen der Originaltitel besser als eine wörtliche Übersetzung ist) auf den einsamen Leonard und seine Entscheidung zwischen zwei Frauen und Lebensstilen.
„Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.
Und dennoch ist James Gray immer noch viel zu unbekannt. Teils weil seine Filme keinen großen Kinostart erhielten, teils weil sie – wie „The Yards“ nach einer Pleite des deutschen Verleihs – nie in die Kinos kamen. Aber auch weil seine Filme auf modischen Schnickschnack verzichten und sich auf die derzeit unhippe Tradition des klassischen Erzählkinos und des europäischen Kinos, zwischen Frederico Fellini und Krzysztof Kieslowski, beziehen.
Sein Erzähltempo ist für heutige Sehgewohnheiten ungewöhnlich langsam, aber immer entwickelt er bereits mit den ersten Bildern einen fatalistischen Sog, bei dem auf überraschende Plottwists und überraschende Enden verzichtet wird. Seine Charaktere scheinen äußeren Umständen und ihrem Schicksal ausgeliefert zu sein. Auch Leonards Schicksal ist von Anfang an vorherbestimmt, das Ende ist bittersüß und, je nach persönlicher Sicht, ist es ein gutes oder ein schlechtes Ende. Aber in jedem Fall ist es ein befriedigendes Ende.
Als Bonusmaterial gibt es lediglich drei geschnittene Szenen, die bis auf eine, die ich vielleicht drin gelassen hätte (sie zeigt Leonard mit seinen Eltern in der Reinigung), zu recht weggefallen sind, und einen sehr hörenswerten Audiokommentar von James Gray. Er erzählt von seinen Vorbildern im europäischen Kino, seinen ästhetischen Vorstellungen, den Dreharbeiten, welche Absichten er bei bestimmten Szenen hatte und wie die Schauspieler ihn mit ihren Improvisationen immer wieder überraschten.
Two Lovers (Two Lovers, USA 2008)
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Rick Menello
mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas
Pat Garrett jagt Billy the Kid (USA 1973, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Rudolph Wurlitzer
Der Titel verrät die Story – und das Ende kennen wir aus den Geschichtsbüchern.
Grandioser Abgesang auf den Wilden Westen und das Ende der sechziger Jahre. Es wird, wie üblich, die rekonstruierte Langfassung gezeigt (in der leider die grandiose Sterbeszene am Fluss mit Dylans „Knockin´ on heavens door“ fehlt). MGM brachte damals nur eine gekürzte Fassung in die Kinos.
„Der Film hat eine Trägheit und einen elegischen Ton, in denen man versinken kann. Was kommen wird, ist so klar, dass er immer wieder innehalten, abweichen, verzögern kann. Die Szenen müssen nicht ineinander greifen, es gibt abrupte Wechsel, und im Grunde ist es ein Film übers Herumhängen im Grenzgebiet, in runtergekommenen Häusern, provisorischen Quartieren. Es gibt eine ausgeprägte Vorliebe für Abend- und Morgendämmerung, für das Nachmittagslicht im amerikanischen Südwesten, und mittendrin gerät man immer wieder in kurze Sequenzen von einer tranceartigen Schönheit.“ (Peter Körte in Filmgenres: Western, Reclam 2003)
Mit Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan (auch Musik), Jason Robarts Jr., Richard Jaeckel, Katy Jurado, Slim Pickens, John Beck, Rita Coolidge, R. G. Armstrong, Jack Elam, L. Q. Jones, Harry Dean Stanton, Rudolph Wurlitzer, Sam Peckinpah (spielt Will, den Sargmacher), Elisha Cook Jr.
Davor, um 20.15 Uhr, „Der Mann aus dem Westen“ (USA 1958, R.: Anthony Mann, mit Gary Cooper) und danach, um 23.50 Uhr, „Das passende Leben des Billy the Kid“ (D 1980, R.: Peter Gehring) ansehen.
Dass ich noch nichts über Jackie Chans „Stadt der Gewalt“ geschrieben habe, liegt nicht an dem Film, sondern nur an meiner schlechten Planung. Denn anstatt sofort die Kritik zu schreiben, hab ich’s auf die lange Bank geschoben. Dabei hat mir sein neuer Film, der ihn in einer ungewohnten Rolle zeigt, gut gefallen.
Chan spielt Tietou, eine armen chinesischen Arbeiter, der in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts illegal nach Japan einreist, um seine Freundin Xiu Xiu zu suchen. Als illegaler Flüchtling versucht er mit schlechtbezahlten Jobs und kleinen Gaunereien in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku halbwegs ehrlich über die Runden zu kommen.
In einem Lokal, in dem er jobbt, sieht er Xiu Xiu in Begleitung des aufstrebenden Yakuza-Bosses Toshinari Eguchi. Sie ist, wie er später erfährt, Eguchis Frau. Tietou entschließt sich zu den nächsten Schritten in seiner Verbrecherlaufbahn, es gibt Ärger mit japanischen Gangstern und eines Tages rettet er Eguchi das Leben.
Die Geschichte von „Stadt der Gewalt“ erinnert an die auch heute noch mitreisenden Hollywood-Gangster- und Sozialdramen aus den Dreißigern. Da wird dann, wegen der Botschaft, der Held arg positiv und naiv gezeichnet. Manchmal verhält Tietou sich wie ein reiner Tor. So ist er bass erstaunt, dass er als der neue Pate Schutzgeld von den Wirten und Unternehmern erhält. Und sein Versuch als Gangsterboss einfach nur der gute Onkel im Viertel zu sein, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Auch das gemütliche Zusammensitzen der Illegalen in ihrer Suppenküche und ihr Zusammenhalt werden arg idealisiert und romantisch verklärt. Da fehlt nur noch das beschwingte Lied und die Tanznummer auf den Tischen.
Das alles dient natürlich nur dazu, die von den Japanern verachteten illegalen Einwanderer in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Für sie soll Verständnis geweckt werden. Denn in den Neunzigern, als viele Chinesen illegal, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, nach Japan einwanderten, gab es gewalttätigen Konflikte zwischen den Chinesen und den sich in ihrem Wohlstand und ihren Privilegien bedrohten Japanern. Auch in anderen Einwanderergesellschaften gab und gibt es ähnliche Konflikte, die auch in Büchern und Filmen verarbeitet wurden.
In diesen Grenzen eines in der Realität geerdeten Gangsterdramas, das auf das Leben der von der Öffentlichkeit ignorierten Illegalen aufmerksam machen will, ist die Geschichte gut entwickelt und sie bewegt sich glaubwürdig und durchaus realistisch auf die letzte Konfrontation zu.
„Stadt der Gewalt“ ist ein feines, düsteres Gangsterdrama mit einem nachvollziehbarem sozialen Anliegen. Jackie-Chan-Fans, die nur seine Action-Filme und Komödien sehen wollen, werden enttäuscht sein. Dies ist einer seiner bislang sehr wenigen Ausflüge in dramatische Gefilde und er schlägt sich mit seinem zur Rolle passenden introvertiertem Spiel mehr als achtbar aus der Affäre.
Stadt der Gewalt (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)
Regie: Derek Yee (Pseudonym von Tung-Shing Yee)
Drehbuch: Tung-Shing Yee, Tin Nam Chun
mit Jackie Chan, Naoto Takenaka, Daniel Wu, Xu Jinglei
Bonusmaterial (angekündigt für die Doppel-DVD; Einzel- und Dreier-DVD ebenfalls erhältlich): Making of, Interviews, Deleted Scenes, Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie, Wendecover (ca. 4 Stunden Bonusmaterial)
From Paris with Love (From Paris with Love, Frankreich 2009)
Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Adi Hasak (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Ein biederer Botschaftsangestellter, der gerne ein richtiger Geheimagent wäre, soll für den CIA-Agenten Charlie Wax in Paris das Kindermädchen spielen. Dieser Wax ist ein sehr ungezogenes Kind, das alles, was sich ihm in den Weg stellt, zerdeppert.
Und wieder einmal benehmen sich die Amis in der Fremde schlecht.
Aber wenn das ganze in Paris spielt, ist Luc Besson nicht weit und er hat mit „From Paris with Love“ ein weiteres actionreiches Buddy-Movie fabriziert, auf das Hollywood stolz sein kann.
Also: neunzig Minuten Franco-Action, der man alles vorwerfen kann, außer das Gehirn des geneigten Zuschauers übermäßig zu beanspruchen.
mit John Travolta, Jonathan Rhys-Meyers, Kasia Smutniak, Richard Durden, Eric Godon
Tatort: Unter uns (D 2007, R.: Margarethe von Trotta)
Drehbuch: Katrin Bühlig
Margarethe von Trotta (Co-Regie bei „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, „Das zweite Erwachen der Christa Klages“, „Die bleierne Zeit“, „Rosa Luxemburg“, „Das Versprechen“, „Jahrestage“ und „Rosenstraße“) inszeniert einen „Tatort“ und es ist einer der besten „Tatorte“ der letzten Jahre. Daran ändert auch die seltsame Konstruktion mit den zwei parallelen Geschichten nichts: ein Mädchen behauptet, in einem Nachbarhaus ein Kind gesehen zu haben und niemand glaubt ihr; ein Unternehmer, der zum Hartz-IV-Empfänger wurde, dreht im Jobcenter durch und flüchtet mit einer Geisel. „Unter uns“ ist ein berührendes Sozialdrama.
mit Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Peter Lerchbaumer, Franziska Walser, Ulrike Krumbiegel, Michael Brandner, Lena Stolze, Stefan Jürgens
The Unit – Eine Frage der Ehre: Jäger und Gejagte – Teil 1 (USA 2007, R.: Vahan Moosekian)
Drehbuch: Sharon Lee Watson
Erfinder: David Mamet
LV: Eric L. Haney: Inside Delta Force, 2002
Am Ende der zweiten Staffel wurde die Spezialeinheit von Sergeant Major Jonas Blane aufgelöst, indem ihnen vergangene Verfehlungen vorgeworfen wurden, und einige Mitglieder tauchten unter. Jetzt wollen sie herausfinden, warum sie aufgelöst wurden.
Nach einer jahrelangen Pause geht es im deutschen TV endlich weiter mit dieser ziemlich genialen Actionserie, bei der neben David Mamet auch „Shield“-Erfinder Shawn Ryan Produzent war.
Mit Dennis Haysbert (Jonas Blane), Regina Taylor (Molly Blane), Robert Patrick (Colonel Tom Ryan), Audrey Marie Anderson (Kim Brown), Max Martini (Mack Gerhardt), Abby Brammell (Tiffy Gerhardt), Michael Irby (Charles Grey), Demore Barnes (Hector Williams), Scott Foley (Bob Brown), Rebecca Pidgeon (Charlotte Ryan), Tia Texada (Mariana Ribera)
Die Schwarze Komödie mit etlichen Morden und grotesk überzeichneten Typen ist ein kleiner Klassiker: um ein Bestattungsunternehmen vor der Pleite zu retten, sorgen der Schwiegersohn und sein Gehilfe für Nachschub. Mit allen Mitteln.
Mit Boris Karloff, Vincent Price, Peter Lorre, Basil Rathbone
Thomas Crown ist nicht zu fassen (USA 1968, R.: Norman Jewison)
Drehbuch: Alan R. Trustman
Versicherungsagentin Vicky Anderson glaubt, dass der vermögende und seriöse Geschäftsmann Thomas Crown ein Bankräuber ist. Zwischen beiden entspinnt sich ein erotisch aufgeladenes Katz-und-Maus-Spiel.
Ein Kassenhit und mindestens ein Semi-Klassiker.
„Just the movie to see if you want to see an ordinary, not wonderful, but highly enjoyable movie—of which there have been so few this year.“ (New York Times, 27. Juni 1968)
„‚The Thomas Crown Affair‘ ist vornehmlich eine private Fingerübung von Jewison, Michel Legrand (zu dessen Musik der Film geschnitten wurde) und seinem Cutter, bei der die Schauspieler nicht so sehr als wahre Persönlichkeiten mit ihren eigenen Spannungsfeldern auftreten, sondern hauptsächlich als sprechende Köpfe.“ (Derek Elley, Focus on Film, März 1981)
„Beim Publikum der späten sechziger Jahre kam diese etwas klebrige Mischung, deren Unterhaltungswert sich zugestandenermaßen auch aus heutiger Sicht kaum wegnörgeln lässt, außerordentlich gut an, und Jewisons Kunstgewerbe wurde von manchen Kritikern gar als große Filmkunst bezeichnet.“ (Robert J. Kirberg: Steve McQueen, 1985)
mit Steve McQueen, Faye Dunaway, Paul Burke, Jack Weston, Yaphet Kotto
Wiederholungen
SWR: Mittwoch, 24. März, 23.00 Uhr
RBB: Samstag, 27. März, 00.30 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Wikipedia über „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (deutsch, englisch)
Lohn der Angst (F/I 1953, R.: Henri-Georges Clouzot)
Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi
LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)
Vier Männer fahren mit einer Ladung Nitro durch den lateinamerikanischen Dschungel.
Klingt langweilig? Ist aber ein Klassiker, der Anfangs das Leben gestrandeter Abenteuerer in den Kolonien extrem genau zeigt, später extrem spannend ist und einen tiefen, illusionslosen Einblick in die menschliche Seele bietet. Eine existentialistische Parabel im Gewand eines Action-Films. – Seine volle Wirkung entfaltet „Lohn der Angst“ allerdings nur auf der großen Leinwand.
Hellmuth Karasek in „Mein Kino – Die 100 schönsten Filme“: „Clouzots Meisterwerk, wahrscheinlich der vollkommenste und geradlinigste Thriller der Filmgeschichte…Clouzot hat hier (gemeint ist der Filmanfang, A. d. V.) als erster gnadenlose Bilder aus der Dritten Welt, ihren kolonialen Strukturen, der vorherrschenden Desperado-Mentalität, der latent homoerotischen Männerbünde, deren letzter Stolz die Frauen- und Eingeborenen-Verachtung ist, eingefangen – lange vor Taverniers Saustall.“
London, East End, Arbeiterviertel mit hoher Kriminalitätsrate, in der Wirklichkeit gefürchtet und in der Popkultur als Reservoir für Gangstermythen geliebt. Mythen, die ihren Ursprung in den Taten von Jack the Ripper und denen der Kray-Brüder haben. Auch die von Nicola Collins inszenierte Doku „The End – Confessions of a real gangster“ führt diesen Mythos fort und, als Tochter des Verbrechers Les Falco, der auch vor die Kamera tritt, hatte sie einen privilegierten Zugang zu diesem Milieu.
In der vor allem aus sprechenden Köpfen montierten Doku erzählen er und einige seiner Freunde von ihrem Leben als Verbrecher. Aber als „Gangster“ sehen sie sich nicht. So wollen sie nicht genannt werden. Denn Gangster seien böse und ehrlos. Der Gangster werde in der Öffentlichkeit glamourisiert. Das sei nicht die Wirklichkeit.
Sie, so sagen die East-End-Gauner, hatten und haben einen Ehrenkodex und sie haben immer gearbeitet.
Nach diesem Auftakt, der wieder einmal zeigt, dass jeder sich selbst als guten Menschen sieht, blickt der Film genauer in eine archaische Gesellschaft, in der der Zusammenhalt viel und die staatliche Macht wenig zählt. Aufgrund des Alters einiger Interviewpartner entsteht auch eine Chronik des East End von den Nachkriegsjahren bis zur Gegenwart. Einen großen Teil der Erzählungen nimmt dabei das Boxen und die nicht lizensierten Wettkämpfe ein. Die Interviewten erzählen von den Zwillingen Ronnie und Reggie Kray und betonen die guten Seiten der Brüder. Sie erzählen auch von ihren Verbrechen; – jedenfalls soweit sie dafür verurteilt wurden. Les Falco meint, dass neun von zehn East Ender wenigstens zeitweise in irgendwelche Gaunereien verstrickt waren.
Gedreht wurden die Interviews in Schwarzweiß. So entsteht zwischen den aktuellen Interviews und historischen Dokumenten, wie Filmschnipsel, Bilder und Zeitungen, kein Bruch. Außerdem verleiht die atmosphärische SW-Fotografie und das Fehlen moderner Gegenstände den Porträts etwas zeitloses.
Störend sind aber die immer wieder bewusst verschmutzen und ruckelige Bilder und auch mal ein Schwarzbild. So soll der Eindruck von einem historischen Dokument, das man nach Jahrzehnten aus einem Archiv gezogen hat, entstehen. Aber meistens nervt es einfach nur und lenkt von den, ohne einen erklärenden Kommentar, pointiert montierten sprechenden Köpfen ab. Collins gelingt es durch ihre Montage die vielen Gemeinsamkeiten und die wenigen Unterschiede in der Lebenseinstellung ihrer Interviewpartner zu zeigen. Dass sie ihr Geld mal als Boxer, mal als Boxpromoter, mal als Verhandler, mal als Geldeintreiber, mal als Dieb und Räuber verdienten ist eher nebensächlich. Man tat eben, was seinen Talenten entsprach und womit man, mehr oder weniger illegal, Geld verdienen konnte.
Ein Nachteil dieser Methode ist, dass man sich die Hintergründe mühsam zusammenreimen muss und die Selbstdarstellung allzu leicht als wahre Sicht der Ereignisse übernimmt.
Denn letztendlich kommen sie als durchaus sympathische alte Knochen rüber. Arbeiterjungs eben.
The End – Confessions of a real gangster (The End, GB 2008)
Regie: Nicola Collins
Drehbuch: Nicola Collins
mit Les Falco, Victor Dark, Mickey Goldtooth, Danny Woollard, Roy Shaw, Jimmy Tibbs, Michael Gonella, Matt Attrell, Bobby Reading, Mickey Taheny, Alan Mortlock, Charlie Magri, Jimmy Murphy
LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)
Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.
Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.
Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).
Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.
Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.
Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen
Beim durch den „Satire Gipfel“ ersetzen „Scheibenwischer“ ist Bruno Jonas ausgestiegen. Aber auf den Brettern, die die Welt bedeuten, präsentiert er sein neues Soloprogramm „Bis hierher und weiter“. In den Programm spielt er den Unternehmensberater Hubert Unwirsch, der sich dank Wirtschaftskrise und Wunschkoalition vor Aufträgen nicht retten kann. Auch wenn er im Moment ein Problem hat.