„Alfred Hitchcock präsentiert“ ganz viel Hitchcock

November 13, 2009

Alfred Hitchcock wagte in seinen Filmen immer wieder Experimente. Ein Film, der in einem Rettungsboot spielt. Ein Film, der in Echtzeit spielt und ohne Schnitt inszeniert wurde. Ein Film, der aus der Perspektive eines an seinen Rollstuhl in seinem Zimmer gefesselten Mannes inszeniert wurde.

In der Episode „Scheintot“, die Alfred Hitchcock für „Alfred Hitchcock präsentiert“ inszenierte, treibt er dieses Spiel weiter. Joseph Cotten spielt einen hartherzigen Unternehmer, der auf einer Autofahrt verunglückt. Er liegt so unglücklich, dass er sich überhaupt nicht mehr bewegen kann. Der halbe Film sieht wie ein Standbild aus. Denn die Kamera beobachtet Cotten, der nicht mit der Wimper zuckt und im Voiceover erzählt, was er fühlt und wie er sich (erfolglos) bemerkbar machen will.

In „Die Schlange im Bett“ erzählte Hitchcock eine ähnliche Geschichte. Dieses Mal behauptet Harry Pope, dass in seinem Bett eine Giftschlange ist. Sein Kumpel beschließt, leicht amüsiert, ihm zu glauben. Denn Pope ist ein Trinker.

Die meisten anderen Geschichten, die auf der DVD „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ versammelt sind, beschränken sich nicht nur auf einen Raum und einen so kurzen Zeitraum. Aber spannend sind sie alle und die Pointe ist auch immer gelungen, oft schwarzhumorig und meistens überraschend. Denn einige Endtwists sind heute doch schon zu bekannt oder, wie in „Der Kristallgraben“, arg vorhersehbar. Einige Geschichten, wie „Der geheimnisvolle Nachbar“ enden auch überraschend harmlos (Nein, ich werde jetzt keine Enden verraten!).

In der sehr Hitchcock-typischen Episode „Nasser Samstag“ zeigt ein Familienoberhaupt auf einem noblen Landsitz, was er alles zum Schutz seiner Familie unternimmt.

In vielen Geschichten soll allerdings nicht der gute Ruf der Familie geschützt werden, sondern ein Ehepartner will den anderen umbringen. Mal geht es um die persönliche Freiheit, aber oft auch nur um den schnöden Mammon, und am Ende macht immer wieder um einen kleinen Fehler, der den schönen Plan zunichte. In „Das zweite Inserat“ zerstört dagegen ein von einem älteren Arbeiter (Oskar Homolka) gefundener, prall gefüllter Geldbeutel seine glückliche Ehe.

Und wenn die Geschichte mal nicht so toll ist, gibt es immer noch die Möglichkeit für einen schauspielerischen Glanzauftritt, wie in „…und so starb Riabouchinska“. In dieser Episode, nach einer Geschichte von Ray Bradbury, spielt Claude Rains einen in seine Puppe verliebten Bauchredner. In „Draußen in der Dunkelheit“ hat Bette Davis als ältliche, allein mit ihrem Pudel in einem Apartment lebende Witwe diesen Auftritt. Es ist, wie viele Geschichten in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ auch die Geschichte eines Irrtums mit fatalen Folgen.

Als Bonusmaterial gibt es eine informative, kurze Doku über die Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“ und zwei weitere TV-Arbeiten von Alfred Hitchcock, die er für andere Reihen inszenierte. „Zwischenfall an der Straße“ ist eine harmlose, etwas längliche Geschichte mit einem interessanten Anfang (der Zwischenfall wird aus mehreren Perspektiven gezeigt) über falsche Anschuldigungen und das Einstehen für sein Recht. Harmlos ist die Geschichte allerdings nur, weil niemand ermordet wird. Denn üble Nachrede (ein alter Mann, der als Schülerlotse arbeitet, wird anonym beschuldigt, ein Kind unsittlich berührt zu haben) und die Angst des Betroffenen und seiner Familie, sich dagegen zu wehren, sind für eine Gemeinschaft letztendlich viel zerstörerischer.

Die Bombe im Keller“ ist, nach einer Geschichte von Cornell Woolrich, Suspense pur. Ein Mann will mit einer Bombe, die um vier Uhr losgeht, seine Frau umbringen. Er wird im Keller eingesperrt und versucht nun verzweifelt vor der Explosion aus dem Haus zu entkommen.

Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ enthält mit den beiden Bonusfilmen 27 spannende Krimis, die öfters auch ohne einen Mord auskommen und heute immer noch gut unterhalten können. Denn die Charaktere sind genau gezeichnet, die Geschichten stringent zur finalen Überraschung hin entwickelt, die Kamera angenehm zurückhaltend und die Schauspieler spielen gut. Wie schon bei den vorherigen Episoden von „Alfred Hitchcock präsentiert“ und „Alfred Hitchcock zeigt“ gefallen mir die älteren Schauspielerinnen und Schauspieler etwas besser als die damals noch jungen Stars. So bleibt Roger Moore als Ermittler sehr blass und Charles Bronson hat noch nicht seine spätere stoische Form gefunden. Wie bei den vorherigen Hitchcock-Boxen sind auch in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ etliche Episoden enthalten, die bislang im deutschen Fernsehen noch nicht gezeigt wurden. Die gibt es dann als Original mit Untertitel.

Außerdem sind jetzt alle Fernseharbeiten von Alfred Hitchcock auf DVD erhältlich.

Alfred Hitchcock präsentiert - Teil 2

Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2

Koch Media, 2009

Laufzeit: 732 Minuten

Bild: 1,33:1 (4:3)

Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner), Die Bombe im Keller (Four O’Clock), Alfred Hitchcock präsentiert: Ein Blick zurück, deutsche Intros, Booklet

FSK: ab 12 Jahre

 

enthält

Rache (Revenge, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: Samuel Blas

mit Ralph Meeker, Vera Miles, Frances Bavier, Ray Montgomery

Scheintot (Breakdown, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell, Louis Pollock (auch Geschichte)

mit Joseph Cotten, Aaron Spelling (einer der wenigen Leinwandauftritte des später erfolgreichen TV-Produzenten, hier als Straßenarbeiter)

Massarbeit (Back for Christmas, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: John Collier

mit John Williams, Isobel Elsom

Nasser Samstag (Wet Saturday, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Marian B. Cockrell

LV: John Collier

mit Cedric Hardwicke, John Williams, Tita Purdom

Der geheimnisvolle Nachbar (Mr. Blanchard’s Secret, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: Emily Neff

mit Robert Horton, Meg Mundy, Mary Scott

Das perfekte Verbrechen (The perfect crime, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Ben Ray Redman

mit Vincent Price, James Gregory, Gavin Gordon

Post Mortem (Post Mortem, USA 1958)

Regie: Arthur Hiller

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Cornell Woolrich

mit Steve Forrest, Joanna Moore, James Gregory

Ein riskanter Sprung (A dip in the pool, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Roald Dahl

mit Keenan Wynn, Fay Wray, Philip Bourneuf

Die Schlange im Bett (Poison, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Casey Robinson

LV: Roald Dahl

mit Wendell Corey, James Donald, Arnold Moss

Draußen in der Dunkelheit (Out there, darkness, USA 1959)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Bernard C. Schoenfeld

LV: William O’Farrell

mit Bette Davis, Frank Albertson, James Congdon, Arthur Marshall

Der Schmuck der Lady Avon (The Avon Emeralds, USA 1959)

Regie: Bretaigne Windust

Drehbuch: William Fay

LV: Joe Piddock

mit Roger Moore, Hazel Court

Der Kristallgraben (The Crystal Trench, USA 1959)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Sterling Silliphant

LV: A. E. W. Mason

mit James Donald, Patrick Owens, Werner Klemperer, Patrick Macnee

Mama, darf ich schwimmen gehen? (Mother, May I go out to swim?, USA 1960)

Regie: Herschel Daugherty

Drehbuch: James P. Cavanagh

LV: Q. Patrick

mit William Shatner, Gia Scala, Jessie Royce Landis

Die Wette (The Horse player, USA 1961)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Henry Slesar

LV: Henry Slesar

mit Claude Rains, Ed Gardner

Die richtige Medizin (The right kind of medicine, USA 1961)

Regie: Alan Crosland Jr.

Drehbuch: Henry Slesar

mit Robert Redford

Ohne jede Spur (Into thin air, USA 1955)

Regie: Don Medford

Drehbuch: Marian B. Cockrell

mit Patricia Hitchcock, Geoffrey Toone, Alan Napier

…und so starb Riabouchinska (And so died Riabouchinska, USA 1956)

Regie: Robert Stevenson

Drehbuch: Mel Dinelli

LV: Ray Bradbury

mit Claude Rains, Charles Bronson, Claire Carleton

Tödliches Rezept (The perfect murder, USA 1956)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Victor Wolfson

LV: Stacy Aumonier

mit Mildred Natwick, Hurd Hatfield, Philip Coolidge

Ein Portrait von Jacqueline (Portrait of Jocelyn, USA 1956)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Harold Swanton

LV: Edgar Marvin

mit Philip Abbott, Nancy Gates, John Baragrey

Das zweite Inserat (Reward to finder, USA 1957)

Regie: James Neilson

Drehbuch: Frank Gabrielson

LV: F. J. Smith

mit Oskar Homolka, Jo Van Fleet, Claude Akins

Die ganz Zarte (The young one, USA 1957)

Regie: Robert Altman

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: Phillip S. Goodman, Sandy Sax

mit Vince Edward, Carol Lynley, Stephen Joyce, Jeanette Nolan

Der Unwiderstehliche (The Deadly, USA 1957)

Regie: Don Taylor

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Lawrence Treat

mit Phyllis Thaxter, Lee Philips, Craig Stevens

Das ideale Haus (The right kind of house, USA 1958)

Regie: Don Taylor

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Henry Slesar

mit Robert Emhardt, Jeanette Nolan, James Drury

Treue um Treue (Mrs. Bixby and the Colonel’s Coat, USA 1960)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Halsted Welles

LV: Roald Dahl

mit Audrey Meadows, Les Tremayne, Sally Hughes

Mrs. Chistel – das ist keine Lösung (You can’t trust a man, USA 1961)

Regie:Paul Henreid

Drehbuch: Helen Nielsen

LV: Helen Nielsen

mit Polly Bergen, Frank Albertson, Joe Maross

Bonusfilme

Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner, USA 1960)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Charlotte Armstrong

LV: Charlotte Armstrong

mit George Peppard, Vera Miles

Die Bombe im Keller (Four O’Clock, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: Cornell Woolrich

mit E. G. Marshall, Harry Dean Stanton

Hinweise

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

 


TV-Tipp für den 13. November: Späte Aussicht

November 13, 2009

ARD, 23.30

Späte Aussicht (D 2007, R.: Sylvia Hoffmann)

Drehbuch: Ariela Bogenberger

Weil seine Tochter auch die Ausbildung zur Altenpflegerin abbrechen will, schließt er ein Abkommen mit ihr: wenn er zwei Monate als Hilfspfleger durchhält, schließt sie die Ausbildung ab.

Gutes Drama über einen Vater, der seine Lebensziele überdenken muss, über eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung und über das Leben in einem Pflegeheim. Diese Welt wird genau gezeichnet und bietet etlichen alten Schauspielern noch einmal die Gelegenheit für einen großen Auftritt.

Späte Aussicht“ ist, eine Seltenheit im deutschen TV, rundum gelungene, auf mehreren Ebenen funktionierende Unterhaltung.

mit Herbert Knaup, Anna Maria Mühe, Rosemarie Fendel, Heinz Baumann, Ernst Stankovski, Suzanne von Borsody, Sabine Orléans, Veronika Fitz


TV-Tipp für den 12. November: Die 39 Stufen

November 12, 2009

Arte, 21.00

Die 39 Stufen (GB 1935, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Charles Bennett, Alma Reville, Ian Hay

LV: John Buchan: The Thirty-Nine Steps, 1915 (Die neundundreißig Stufen)

Richard Hannay wird verdächtigt einen Spion umgebracht zu haben. Die Suche nach dem Mörder führt ihn durch halb England zu einem mordlüsternem Spionagering.

Schon seit Jahren nicht mehr gezeigter Hitchcock-Klassiker. Der “Anlass” für die derzeitigen Wiederholungen ist der 110. Geburtstag des Meisters der Suspense am 13. August.

Was mir bei The 39 Steps gefiel, waren die jähen Umschwünge und das rapide Springen von einer Situation in die nächste. (…) Sollte ich The 39 Steps noch einmal drehen, dann würde ich wieder nach diesem Rezept vorgehen. Aber das kostet wirklich eine Menge Arbeit. Man muss einen Einfall auf den anderen folgen lassen, und das unheimlich schnell.” (Alfred Hitchcock zu Peter Bogdanovich)

Mit Madeleine Carroll, Robert Donat, Lucie Mannheim, Godfrey Tearle, Peggy Ashcroft, John Laurie

Wiederholung: Freitag, 13. November, 14.45 Uhr

Hinweise

John-Buchan-Gesellschaft

Wikipedia über John Buchan (deutsch, englisch)

Kirjasto über John Buchan


„Choke“ – Zur zweiten Chuck-Palahniuk-Verfilmung

November 11, 2009

Choke“ ist nicht „Fight Club“, obwohl die erste Szene von „Choke“ an „Fight Club“ erinnert. Clark Greggs Debütfilm beginnt mit einem Treffen der Anonymen Sexsüchtigen. Sie sitzen im Kreis in einem anonymen Raum in einer Kirche auf viel zu kleinen Stühlen und Erzähler Victor Mancini (grandios: Sam Rockwell) stellt die anderen Sexsüchtigen kurz und sarkastisch vor. Danach verzieht er sich mit einer Sexsüchtigen auf die Toilette.

Aber im Gegensatz zu dem „Fight Club“-Erzähler will Victor sich bessern. Er kann es nur nicht. Er kommt einfach nicht über die vierte Stufe des Programms, in dem er alle seine Sünden aufschreiben soll, hinaus. Seine kärglichen Brötchen verdient er sich als Darsteller in einem historischen Themenpark. Dort arbeitet auch sein Freund Denny, ein weiterer Sexsüchtiger, der für seine Verfehlungen (wie historisch falsche Kleidung, Accessoires und Sprache) öfters am Pranger steht (und so immerhin nicht masturbiert). Den Unterhalt für seine demenzkranke Mutter verdient Victor vor allem, indem er in Nobelrestaurants am Essen erstickt und sich von einer hilfsbereiten Hand retten lässt. Der Retter fühlt sich als sein Beschützer und schickt ihm immer wieder Geld.

In Victors Leben ist seine Mutter Ida Mancini (Anjelica Huston in einer weiteren Paraderolle) der Dreh- und Angelpunkt. Mit ihr erlebte er in seiner Jugend, wenn er nicht von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht wurde, zahlreiche Abenteuer. Denn Ida lebte in ständiger Opposition zur Gesellschaft. Jetzt ist sie, dank übermäßigem Drogenkonsum, frühzeitig gealtert. Victor hätte gerne seine alte, lebenslustig-anarchistische Mutter zurück. Jedenfalls irgendwie.

Da bietet die Ärztin Dr. Paige Marshall eine abenteuerliche Therapie an und der sexsüchtige Victor hat erstmals Probleme mit einem Orgasmus. Denn er verliebt sich in die Ärztin.

Während das Buch (wenigstens in der deutschen Übersetzung) eine ziemlich zähe Lektüre ist, ist die Verfilmung eine flotte, schwarzhumorige Groteske über Abhängigkeiten und die Sucht danach, anderen Menschen zu gefallen. Denn hier spielt jeder Charakter den anderen etwas vor und alle Beziehungen sind gestört.

Vor allem Victor hat kein eigenes Leben. Er wird immer nur dann lebendig, wenn er in eine Rolle schlüpft, die andere Menschen (scheinbar) von ihm erwarten. Dabei ist er überhaupt nicht glücklich. Es ist eine kindische Gefallsucht, die ihn aber nicht zu einem Heiligen macht. Denn sein Leitspruch ist „Was würde Jesus nicht tun?“.

Die Charakterstudie „Choke“ ist das Kinodebüt von Schauspieler Clark Gregg. Aber dank guter Darsteller und eines pointierten Drehbuchs fallen die geringe Drehzeit und das überschaubare Budget (vor allem im Vergleich zu „Fight Club“) kaum auf.

Störend ist allerdings, wie schon bei dem Roman, eine gewisse Zeit- und Ortlosigkeit. Denn alles spielt an austauschbaren, oft künstlichen Orten, wie einem Themenpark, einem Altersheim, einem Stripclub, Sexsüchtigen-Treffen und in Victors Junggesellenwohnung. Das alles könnte irgendwann in den vergangenen Jahrzehnten irgendwo in den USA spielen. Insofern ist die filmische Zustandsbeschreibung genauso heimatlos wie seine Charaktere.

Das sehenswerte Bonusmaterial ist, wie immer, wenn eine kleine Produktion auch ein Liebhaberprojekt ist, sehr umfangreich ausgefallen. Es gibt entfallene Szenen mit sehr selbstkritischen Kommentaren von Regisseur und Drehbuchautor Clark Gregg (Schade, dass er keinen Audiokommentar aufgenommen hat.), zwei informative Auftritte von Chuck Palahniuk und Clark Gregg (einmal beim L. A. Film Festival, einmal in einem persönlichen Gespräch), und zwei ausführliche Featurettes.

Choke - DVD

Choke (Choke, USA 2008)

Regie: Clark Gregg

Drehbuch: Clark Gregg

LV: Chuck Palahniuk: Choke, 2001 (Der Simulant)

mit Sam Rockwell, Anjelica Huston, Kelly MacDonald, Brad William Henke, Clark Gregg

DVD

Koch Media

Laufzeit: 88 Minuten

Bild: 1.85:1 (16:9)

Sprachen: Deutsch, Englisch (DTS, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Deleted Scenes (ca. 11 Minuten, mit Audiokommentar von Clark Gregg und Sam Rockwell), Gag Reel (ca. 2 Minuten), Clark Gregg im Gespräch mit Chuck Palahniuk (ca. 11 Minuten), „Mein Name ist Victor und ich bin sexsüchtig“ – Featurette mit Sam Rockwell (ca. 16 Minuten), „Die Leibe einer Mutter“ – Featurette mit Anjelica Huston (ca. 6 Minuten), Aufnahmen vom L. A. Film Festival (ca. 4 Minuten)

FSK: ab 16 Jahren

Die Vorlage

Chuck Palahniuk: Der Simulant

(übersetzt von Werner Schmitz)

Goldmann, 2002

320 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Chuck Palahniuk: Choke

Doubleday, 2001

Hinweise

Homepage zum Film

Homepage von Chuck Palahniuk

Slashfilm: Interview mit Clark Gregg über „Choke“ (23. Januar 2008)


TV-Tipp für den 11. November: The Gingerbread Man

November 11, 2009

Tele 5, 20.15

The Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre (USA 1998, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Clyde Hayes

LV: John Grisham (Originalstory – soweit bekannt nicht veröffentlicht)

Anwalt Rick Magruder verknallt sich in Mallory Doss und bemerkt nicht, wie sehr sie ihn für ihre Interessen benutzt.

Die erfolgloseste und – so auch meine Ansicht – die beste Grisham-Verfilmung. Altman verfilmte einen Drehbuch-Entwurf, den Grisham vor seinem Leben als Bestseller-Autor schrieb, und das Studio startete den Film – nach einem Streit mit Altman über die endgültige Fassung – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Grisham-Bücher und deren Verfilmungen löst der Held, natürlich ein Anwalt, nicht das Problem, sondern er ist das Problem. In dem düsteren Südstaaten-Thriller glänzen etliche Stars: Kenneth Branagh, Robert Downey Jr., Embeth Davidtz, Robert Duvall, Tom Berenger, Daryl Hannah, Famke Janssen

Wiederholung: Donnerstag, 12. November, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham


TV-Tipp für den 10. November: Nachtschicht: Tod im Supermarkt

November 10, 2009

ZDF neo, 21.00

Nachtschicht: Tod im Supermarkt (D 2006, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Dieses Mal sucht das Nachtschicht-Team den Mörder eines Supermarkt-Wachmanns.

Dritter Nachtschicht-Krimi, der auf seiner Plus-Seite zahlreiche ironische Anspielungen und gute Schauspieler, auf der Minus-Seite einen nicht sonderlich logischen Whodunit verbucht. Und dabei waren die ersten beiden Nachtschicht-Filme gerade weil sie die Whodunit-Stereotypen vermieden gut.

Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Ken Duken, Minh-Phai-Thi, Marie Bäumer, Devid Striesow


TV-Tipp für den 9. November: Sabotage

November 9, 2009

Arte, 21.00

Sabotage (GB 1936, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Charles Bennett, Alma Reville, Ian Hay, Helen Simpson, E. V. H. Emmett

LV: Joseph Conrad: The Secret Agent, 1907 (Der Geheimagent)

Kinobetreiber Verloc ist in Wirklichkeit ein Saboteur. Als ein Polizist, der undercover als Gemüsehändler ermittelt, ihn enttarnt, schickt Verloc einen Jungen mit einer Bombe los.

Ein früher Hitchcock-Klassiker mit einigen immer noch beeindruckenden Szenen und einem zeitlosen Thema.

Legendär ist “Sabotage” auch wegen einer Suspense-Szene, die Hitchcock später bedauerte: dem Transport der Bombe durch den Jungen und den auf dem Weg zum Ziel entstehenden Verzögerungen.

mit Sylvia Sidney, Oscar Homolka, Desmond Tester, John Loder

Wiederholung: Mittwoch, 11. November, 15.50 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Sabotage“ (deutsch, englisch)

Arte über „Sabotage“

Film „Sabotage“ im Internet Archive


TV-Tipp für den 8. November: Die Bourne-Verschwörung

November 8, 2009

RTL, 20.15

Die Bourne-Verschwörung (USA/D 2004, R.: Paul Greengrass)

Drehbuch: Tony Gilroy

LV: Robert Ludlum: The Bourne Supremacy, 1986 (Die Borowski-Herrschaft, Das Bourne Imperium)

Jason Bourne ist in Goa untergetaucht. Als ein Anschlag auf ihn verübt wird und er in Berlin ein Attentat verübt haben soll, beginnt Bourne den wirklichen Täter zu jagen.

Überaus erfolgreiche und auch bei der Kritik beliebte Fortsetzung von “Die Bourne-Identität”. Wieder, bis auf die Regie, mit dem bewährten Team und einigen halsbrecherischen Autoverfolungsjagden. Die Story ist ein Aufguss von „Die Bourne Identität“ (Am Anfang kämpft Bourne mit seiner Amnesie. In der Mitte erinnert er sich an seine Vergangenheit. Am Ende kämpft er gegen einen anderen Profikiller. Oh, und etliche Autos werden geschrottet.). Die vielen Berlin-Bilder sind dagegen für Berlin-Freunde ein Fest.

Gilroys Drehbuch war für den Edgar Allen Poe-Preis nominiert.

Der dritte Bourne-Film „Das Bourne-Ultimatum“ läuft am nächsten Sonntag, den 15. November, um 20.15 Uhr auf RTL.

Mit Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen, Michelle Monaghan

Wiederholung: Montag, 9. November, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Film-Zeit über „Die Bourne-Verschwörung“


TV-Tipp für den 7. November: Die gefürchteten Vier

November 7, 2009

Nach Sam Peckinpahs „Sierra Charriba“ (um 22.55 Uhr in einer restaurierten Fassung) geht’s mit einem weiteren Western weiter:


BR, 00.50

Die gefürchteten Vier (USA 1966, R.: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

LV: Frank O’Rourke: A mule for the Marquesa, 1964 (später “The Professionals”)

Mexiko 1917: ein texanische Öl- und Viehmillionär engagiert vier Söldner seine von einem mexikanischen Revolutionär und Banditenführer entführte Frau zu befreien. Die vier Profis machen sich auf den Weg.

Richard Brooks Western-Klassiker „The Professionals“ ist gleichzeitig eine Heroisierung und zynische Demontage des professionellen Kriegshandwerks. Einer von Brooks besten, vielleicht sogar sein bester, Film.

Mit Burt Lancaster, Lee Marvin, Robert Ryan, Woody Strode, Claudia Cardinale, Jack Palance, Ralph Bellamy

 


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

November 6, 2009

Bei den Alligatoren gibt es die neuen, von Alfred wunderschön bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps, mit subjektiven Einschätzen von mir zu diesen und vielen anderen Werken:

In den kommenden beiden Wochen gibt es einige TV-Premieren. Nämlich Astrid Paprottas ersten „Tatort“ (sie schreibt schon am Zweiten), Martin Asphaugs Unni-Lindell-Verfilmung „Kommissar Isaksen – Das 13. Sternbild“, Paul Greengrass‘ Robert-Ludlum-Verfilmung „Das Bourne Ultimatum“ („Die Bourne Verschwörung“ läuft auch), Antoine Fuquas Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“, Peter Keglevics Batya-Gur-Verfilmung „Die Seele eines Mörders“ und Marcel Wehns „Von einem der auszog – Wim Wenders‘ frühe Jahre“.
Es gibt einige weitere selten gezeigte Hitchcock-Filme: seine Daphne-du-Maurier-Verfilmung „Riff-Piraten“, seine Joseph-Conradt-Verfilmung „Sabotage“, seine John-Buchan-Verfilmung „Die 39 Stufen“ und, öfter laufend, seine Frederick-Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“.
Außerdem sehenswert sind Richard Brooks‘ Frank-O’Rourke-Verfilmung „Die gefürchteten Vier“, Stanley Kubricks Humphrey-Cobb-Verfilmung „Wege zum Ruhm“, die „Nachtschicht“-Filme „Tod im Supermarkt“ und „Der Ausbruch“ von Lars Becker, Robert Altmans John-Grisham-Verfilmung „Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre“ und Richard Fleischers Elmore-Leonard-Verfilmung „Das Gesetz bin ich“.


TV-Tipp für den 6. November: 3nach9

November 6, 2009

NDR/HR 22.00

3nach9

In der Talkshow tritt heute unter anderem Frank Schätzing auf. Er wird einiges über sein neues Buch „Limit“ erzählen. Mir ist es mit über 1300 Seiten ja viel zu dick.

Jessica Schwarz, Jan Josef Liefers und Sting wollen in der Sendung zum 35-jährigem Jubiläum auch aufschlagen.


Neu im Kino: Der Informant!

November 5, 2009

Der Informant! (The Informant!, USA 2009)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

LV: Kurt Eichenwald: The Informant, 2000

Biotechniker und Topmanager Mark Whitacre steckt dem FBI, dass sein Arbeitgeber, der Agrarkonzern Archer Daniels Midland, mit den Japanern illegale Preisabsprachen tätigt. Das FBI ist begeistert und lässt Whitacre als Maulwurf arbeiten. Allerdings ist Whitacre nicht so unschuldig-doof, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Die Big-Business-Posse basiert auf einem wahren Fall aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

New-York-Times-Finanzreporter Kurt Eichenwald schrieb auch die Enron-Geschichte „Conspiracy of Fools“ (Verschwörung der Narren).

mit Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale, Melanie Lynskey, Ludger Pistor, Clancy Brown

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Informant!“

New York Times über Kurt Eichenwald

Movie Web: Kurzes Interview mit Drehbuchautor Scott Z. Burns

 


TV-Tipp für den 5. November: El Dorado

November 5, 2009

Das Vierte, 20.15

El Dorado (USA 1966, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Harry Brown: The Stars in their Courses, 1960

Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.

Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.

‚El Dorado‘ ist ein Film gegen ‚Rio Bravo‘, wie ‚Rio Bravo‘ ein Film gegen ‚High Noon‘ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)

mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner

Hinweise

Wikipedia über „El Dorado“ (deutsch, englisch)

Combustible Celluloid über „El Dorado“


TV-Tipp für den 4. November: Zoom Europa

November 4, 2009

Arte, 23.05

Zoom Europa

In dem Politmagazin geht es heute um die Überwachung der europäischen Bürger durch den Staat und die Wirtschaft.

Detaillierte Infos liefert der Sender unseres Vertrauens (dort müsste die Sendung auch später noch online angesehen werden können)

Wiederholung: Samstag, 7. November, 12.00 Uhr

 


TV-Tipp für den 3. November: In Plain Sight – In der Schusslinie; Spooks – Im Visier des MI5

November 3, 2009

Zwei Serien mit interessanten Prämissen, die in ihrer Heimat auch erfolgreich laufen, starten heute im ZDF. Die eine auch im Hauptprogramm; die andere nur in dem neuen Spartenkanal mit der sehr überschaubaren Reichweite.

ZDF neo, 22.30

In Plain Sight – In der Schusslinie: Happy Birthday, Mary (USA 2008, R.: Mark Piznarski)

Autor/Erfinder: David Maples

Albuquerque, New Mexiko: US Deputy Marshal Mary Shannon (Mary McCormack) soll Menschen, die im Zeugenschutzprogramm sind, beschützen.

In den USA ist die dritte Staffel schon bestellt.

Mit Mary McCormack (Mary Shannon), Frederick Weller (Marshall Mann), Nichole Hiltz (Brandi Shannon), Todd Williams (Detective Robert Dershowitz), Lesley Ann Warren (Jinx Shannon)

Hinweise

Offizielle Homepage zur Serie

ZDF neo über „In Plain Sight“

Wikipedia über „In Plain Sight“

Serienjunkies über „In Plain Sight“

ZDF, 23.30

Spooks – Im Visier des MI5: Heilige Rache (GB 2002, R.: Bharat Nalluri)

Drehbuch/Erfinder: David Wolstencroft

Serie über britische Agenten, die gegen Terroristen kämpfen.

In England wird derzeit die achte Staffel ausgestrahlt.

Weitere Folgen: Montags nach 22.00 Uhr in ZDF neo; Dienstags nach 23.00 Uhr (oft 23.30 Uhr) im ZDF.

Mit Peter Firth (Harry Pearce), Hugh Simon (Malcolm Wynn-Jones), Rory MacGregor (Colin Wells), David Oyelowo (Danny Hunter), Keeley Hawes (Zoe Reynolds), Matthew Macfadyen (Tom Quinn)

Hinweise

Offizielle Homepage zur Serie

ZDF neo über „Spooks“

Wikipedia über „Spooks“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Wolstencrofts „Die Spezialisten“ (Good News, Bad News, 2004)

 


DVD-Kritik: Enttäuschende „Echelon-Verschwörung“

November 2, 2009

Shane West, Ed Burns, Ving Rhames, Martin Sheen und Jonathan Pryce haben in Greg Marcks‘ zweitem Spielfilm „Die Echelon-Verschwörung“ wichtige Rollen übernommen. Frauen sind, obwohl Tamara Feldman in einer in einer Prager Wohnung spielenden Szene ein halbes Dutzend böser Jungs verprügeln und töten darf, nur schmückendes Beiwerk. Das war in Marcks‘ schwarzhumorigem und ebenfalls glänzend besetztem Debüt „11:14“ noch anders. Damals löste eine Leiche zahlreiche Verwicklungen aus und oft waren Frauen die treibenden Kräfte für die schlimmsten Wendungen. Gegen dieses grandiose Feuerwerk von Ideen ist sein Folgewerk eine Enttäuschung. Denn auch wohlwollend betrachtet ist „Die Echelon-Verschwörung“ nur ein sehr durchschnittlicher Paranoia-Thriller ohne eine persönliche Handschrift.

Der Held der Geschichte ist der junge Computerexperte Max Petersen. Eines Tages schickt ihm in Bangkok ein Unbekannter ein Handy. Schnell stellt er fest, dass die SMS-Nachrichten auf diesem Handy sein Leben entscheidend beeinflussen. Er wird vor einem Flugzeugabsturz gewarnt und erhält einen gewinnbringenden Aktientipp. Nachdem seine ersten Erfahrungen mit den Handybotschaften positiv sind, fliegt er – wie vom Handy gewünscht – nach Prag und steigt in einem Nobelhotel ab. Dort trifft er auf den Sicherheitschef des Casinos und einen FBI-Agenten. Beide wollen herausfinden, wer Petersen die Botschaften schickt. Denn in der Vergangenheit haben auch andere Menschen so ein Handy erhalten. Kurz darauf sind sie gestorben. Und dann ist da auch noch ein überaus hilfsbereiter russischer Taxifahrer, der anscheinend problemlos alles besorgen kann.

Ihre Ermittlungen führen sie zu dem titelgebendem und wirklich existierendem US-amerikanischen Überwachungssystem „Echelon“. Sie fragen sich, wer den Computer steuert und was er vorhat.

Irgendwie wildgewordene Computer, ihre nicht minder durchgeknallten Beherrscher, irgendwelche skrupellosen Bösewichter, die Computer für ihre Zwecke kapern, und die zunehmende Überwachung sind für Science-Fiction- und Thrillerfans keine neuen Themen. „Eagle Eye“, „Staatsfeind Nr. 1“, „Das Netz“, „Wargames“, „Der Dialog“, „Colossus“, „2001“ und „Dr. Seltsam“, um nur einige Filme zu nennen, spielen mit dieser Angst der Menschen vor der Maschine. Mal besser, mal schlechter.

Die Echelon-Verschwörung“ gehört in die zweite Kategorie.

Denn auch eine gute Besetzung und exotische Schauplätze (es wurde, wie für einen Bond- oder Bourne-Film, vor Ort gedreht) können ein maues und unplausibles Drehbuch nicht verbessern. Das beginnt schon mit der Frage, warum Max so bereitwillig den elektronischen Nachrichten folgt und endet mit der Erklärung für die Verschwörung, die mal wieder darauf aufbaut, dass die Empfänger der Handys sich entsprechend bestimmter ihnen unbekannter Pläne verhalten; – was natürlich ziemlicher Unfug ist.

Daher ist das Komplott letztendlich nur der Vorwand für zahlreiche Ortswechsel, Explosionen und gute Actionszenen, wie die schon erwähnte Schlägerei in einer Wohnung und einer nächtlichen Autoverfolgungsjagd quer durch Moskau.

Für einen langen Videoabend ist „Die Echelon-Verschwörung“ ein durchaus okayer Film, der aber immer weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und im Windschatten von „Eagle Eye“ komplett unterging.

Der Informationsgehalt des Bonusmaterials, einigen wild zusammengeschnittenen Mini-Featurettes, tendiert gegen Null.

Anmerkung: Als nächstes will Greg Marcks „You don’t love me yet“ von Jonathan Lethem verfilmen. Das verspricht einen interessanten Film.

Die Echelon-Verschwörung - DVD

Die Echelon-Verschwörung (Echelon Conspiracy, USA 2009)

Regie: Greg Marcks

Drehbuch: Michael Nitsberg (auch Story), Kevin Elders

mit Shane West, Ed Burns, Ving Rhames, Martin Sheen, Tamara Feldman, Jonathan Pryce, Sergey Gubanov

DVD

Koch-Media

Laufzeit: 101 Minuten

Bildformat: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1 DTS)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern Shane West, Ed Burns, Martin Sheen, Ving Rhames und Regisseur Greg Marcks (ca. 5. Minuten), Teaser, Trailer, Wendecover

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Homepage von Greg Marcks

Wikipedia über „Echelon Conspiracy“


TV-Tipp für den 2. November: Der Auslandskorrespondent

November 2, 2009

Arte, 21.00

Der Auslandskorrespondent (USA 1940, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Charles Bennett, Joan Harrison, James Hilton, Robert Benchley

Holland, 1939: Journalist Johnny Jones wird während der Recherchen für eine Reportage über den in Europa drohenden Krieg Zeuge eines Anschlags auf einen Diplomaten. Er beginnt die Hintermänner zu suchen.

Spannender Thriller, der auch Anti-Nazipropaganda ist.

Arte zeigt die vom ZDF angefertigte Synchronisation

mit Joel McCrea, Laraine Day, Herbert Marshall, George Sanders

auch bekannt als “Mord”

Wiederholung: Mittwoch, 4. November, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Der Auslandskorrespondent“ (deutsch, englisch)

Arte über „Der Auslandskorrespondent“

This Distracted Globe über „Foreign Correspondent“



TV-Tipp für den 1. November: Mitternachtskino

Oktober 31, 2009

BR, 23.45

Mitternachtskino (USA 2005, R.: Stuart Samuels)

Drehbuch: Stuart Samuels, Victor Kushmaniuk

Sehenswerte Doku mit vielen Statements über das in den Siebzigern in den USA sehr populäre Mitternachtskino. Der präzise Originaltitel ist „Midnight Movies: From the Margin to the Mainstream“. Vorgestellt werden „Eraserhead“, „Rocky Horror Picture Show“, „El Topo“, „Night of the Living Dead“, „The Harder They Come“ und „Pink Flamingos“.


TV-Tipp für den 31. Oktober: Der Feind in den eigenen Reihen

Oktober 31, 2009

ARD, 22.15

Der Feind in den eigenen Reihen (F 2007, R.: Florent Emilio Siri)

Drehbuch: Florent Emilio Siri, Patrick Rotman

Nachdem Florent Emilio Siri in den USA mit Bruce Willis „Hostage- Entführt“ gedreht hatte, kehrte er in seine Heimat zurück und inszenierte einen krassen Film über den Algerienkrieg. Er folgt dabei einer Einheit, die in den Bergen skrupellos gegen die ebenfalls skrupellose FLN kämpft.

mit Benoît Magimel, Albert Dupontel, Aurélien Recoing, Marc Barbé, Eric Savin

auch bekannt als „Intimate Enemies“ (DVD-Titel, weil es selbstverständlich keinen Kinostart gab)


TV-Tipp für den 30. Oktober: Network

Oktober 30, 2009

3sat, 22.25

Network (USA 1976, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Paddy Chayefsky

Buch zum Film: Sam Hedrin: Network, 1976 (Network)

Wegen sinkender Quoten soll eine Nachrichtensendung eingestellt werden. Ihr Sprecher Howard Beale kündigt, weil ihm damit seine Daseinsberechtigung genommen wird, in einer der folgenden Sendungen seinen Selbstmord an. Die Quoten steigen und Beale bekommt seine eigene Sendung. Dass damit eine für alle Beteiligten verhängnisvolle Spirale in Gang gesetzt wird, ahnen sie in diesem Moment nicht.

Bitterböse Mediensatire, die heute immer noch so aktuell (in gewissen Aspekten realistischer, in anderen nicht) wie damals ist.

Der Film war für zahlreiche Preise nominiert, erhielt vier Oscars (männliche und weibliche Hauptrolle, weibliche Nebenrolle und Drehbuch) und den Preis der Writers Guild of America (WGA).

mit Peter Finch, Faye Dunaway, William Holden, Robert Duvall, Wesley Addy, Ned Beatty, Ken Kercheval, Lance Henriksen (Miniauftritt als Anwalt), Tim Robbins (ungeannter Kurzauftritt als Mörder; sein Filmdebüt)

Hinweise

Wikipedia über „Network“ (deutsch, englisch)

Archive of American Television: Interview mit Sidney Lumet (22. Oktober 1999)