TV-Tipp für den 22. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 22, 2009

Arte, 14.45

Ein Herr ohne Kleingeld (F/I 1959, R.: Jean Delannoy)

Drehbuch: Michel Audiard, Jean Delannoy, Maurice Druon

LV: Georges Simenon: Le baron de l’écluse ou la crosière du ‚Potam’, 1940 (Der Baron an der Schleuse oder Die Kreuzfahrt der ‚Potam’ in „Emil und sein Schiff“, Erzählung)

Baron Jérome Napoléon Antoine ist bettelarm. Aber er führt trotzdem ein luxuriöses Leben. Als er eine Luxusyacht gewinnt scheint sich sein Schicksal zu wenden.

Amüsant-ironische Komödie mit einem grandios aufspielenden Jean Gabin.

3sat, 20.15

Polt muss weinen (A/D 2001, R.: Julian Roman Pölsler)

Drehbuch: Susanne Freund, Julian Roman Pölsler

LV: Alfred Komarek: Polt muss weinen, 1998

Wer ermordete den allseits unbeliebten Weinbauern? Landgendarm Polt ermittelt.

Komareks erster Polt-Krimi erhielt 1999 den Glauser. Sein neuer Polt-Krimi „Polt.“ erschien vor wenigen Tagen im Haymon Verlag.

Mit Erwin Steinhauer, Hans Clarin

BR, 00.15

Der Wolf: Dein bis in den Tod (Dänemark/Schweden/Deutschland 2008, R.: Erik Richter Strand)

Drehbuch: Kjersti Rasmussen

LV: Gunnar Staalesen: Din, til døden, 1979 (Dein bis in den Tod)

Varg Veum soll ein gestohlenes Auto wiederbeschaffen. Als er beginnt Fragen zu stellen, wird’s gefährlich.

Anscheinend ziemlich aktualisierte und storytechnisch veränderte Verfilmung des zweiten Varg-Veum-Romans.

Mit Trond Espen Seim, Bjørn Floberg, Kathrine Fagerland

Hinweis

Homepage von Gunnar Staalesen


TV-Tipp für den 21. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 21, 2009

Arte, 14.45

Kommissar Maigret stellt eine Falle (Fr/I 1957, R.: Jean Delannoy)

Drehbuch: Rodolphe-Marie Arlaud, Michel Audiard, Jean Delannoy

LV: Georges Simenon: Maigret tend un piège, 1955 (Maigret stellt eine Falle)

Maigret sucht einen fünffachen Frauenmörder.

Erster von drei Maigret-Filmen, in denen Jean Gabin den Kommissar spielte. Netter psychologischer Rätselkrimi, der auch eine gelungene kleine Sozialstudie ist.

Delannoy inszenierte diese klassische Kriminalkonstruktion sehr spannend und mit viel Einfühlungsgabe für atmosphärische Details, filmisch beinahe ebenso sorgfältig wie Maigret bei der Arbeit.” (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Intelligenter, gut gespielter, atmosphärisch dichter Kriminalfilm.” (Katholischer Film-Dienst)

Der Film gewann den Edgar-Allan-Poe-Preis in der Kategorie “bester ausländischer Film”.

mit Jean Gabin, Annie Girardot, Jean Desailly, Lino Ventura

Kabel 1, 20.15

Die Stunde der Patrioten (USA 1992, R.: Philip Noyce)

Drehbuch: W. Peter Illiff, Donald Stewart

LV: Tom Clancy: Patriot games, 1987 (Die Stunde der Patrioten)

In London vereitelt Jack Ryan einen Anschlag einer IRA-Splittergruppe. Einer der Attentäter schwört blutige Rache an Ryan und dessen Familie.

Erster Auftritt von Harrison Ford als Jack Ryan – im Vergleich zum Buch entschärft, aber immer noch militaristischer Murks (beispielsweise als wir per PC-Bildschirm verfolgen können, wie die US-Army ein Ausbildungslager in der nordafrikanischen Wüste zerstört).

Clancys zweites Buch „Die Stunde der Patrioten“ spielt zeitlich vor seinem Debüt „Jagd auf Roter Oktober“.

Mit Harrison Ford, Anne Archer, Patrick Bergin, Sean Bean, James Fox, Samuel L. Jacksonn, James Earl Jones, Richard Harris

Das Vierte, 20.15

Die Apothekerin (D 1997, R.: Reiner Kaufmann)

Drehbuch: Ralf Hertwig, Kathrin Richter

LV: Ingrid Noll: Die Apothekerin, 1994

Die spröde Apothekerin Helle Moormann hat es faustdick hinter den Ohren und kennt sich – berufsbedingt – mit Giften aus.

Schwarze Komödie mit viel Leerlauf.

Mit Katja Riemann, Jürgen Vogel, Richy Müller, August Zirner, Andrea Sawatzki

Arte, 21.00

Tote schlafen fest (USA 1946, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: William Faulkner, Leigh Brackett, Jules Furthman

LV: Raymond Chandler: The big sleep, 1939 (Der große Schlaf)

Unbestritten – neben „Der Malteser Falke“ – der Klassiker unter den Privatdetektiv-Krimis und eines der Meisterwerke des Film Noir.

Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Elisha Cook Jr.

NDR, 21.00

TATORT: Rache-Engel (D 2005, R.: Robert Sigl)

Drehbuch: Andreas Föhr, Thomas Letocha, Jochen Senf

Eine Stiftungsvorsitzende wird ermordet. Kommissar Palu und sein Team suchen unter fünf Verdächtigen den Täter.

Grauenhafte Abschiedsvorstellung des SR-Kommissars Max Palu. In seinen jungen Jahren war er ein erfrischend anderer Kommissar. In den letzten Jahren schlug er sich nur noch lustlos durch zunehmend schlechte Filme. Verantwortlich dafür war unter anderem auch Hauptdarsteller Jochen Senf, der einige der Drehbücher schrieb. Auch „Rache-Engel“ stammt aus der Feder des gelegentlichen Krimi-Autors.

Die Erstausstrahlung war von einem gewaltigen Kulissendonner begleitet: Zuerst war Jochen Senf lautstark in der Presse beleidigt, dass er nicht mehr Palu spielen durfte. Dann hielt er das vorliegende Drehbuch für indiskutabel und schrieb in zwei Wochen (Hey, Paul Schrader schrieb „Taxi Driver“ in fünf Tagen.) ein neues Drehbuch. Vor der Ausstrahlung regte sich „Bild“, natürlich penibelst bebildert, über eine kurze Sexszene auf. Der Sender veränderte sie vor der Ausstrahlung. Der Regisseur schrie entsetzt, man habe die gesamte Aussage seines Filmes entstellt (Hm, in welchen Spielfilmen hängt alles von einer knappen Minute in der Mitte des Films ab?).

Und das Publikum durfte einen der schlechtesten Tatorte seit langem sehen: idiotische Dialoge, absurde Szenen, sinnlose Kameraarbeit, indiskutable Schauspielerleistungen. Der „Tatort“ in heftiger Konkurrenz zu C- und D-Filmen (bei denen immerhin der Anteil von Sex und Gewalt in Ordnung ist). Leichter fiel kein Abschied.

Mit Jochen Senf, Gregor Weber, Annett Rennenberg, Alexander Held, Nikolai Kinski, René Soutendijk, Sylvester Groth

HR, 23.30

Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters (GB 2007, R.: David Mackenzie)

Drehbuch: David Mackenzie, Ed Whitmore

LV: Peter Jinks: Hallam Foe, 2001 (Über roten Dächern)

Der 17-jährige Außenseiter Hallam Foe glaubt, dass seine Stiefmutter seine Mutter ermordet hat. Da trifft er die Hotelpersonalchefin Kate. Sie ist das Ebenbild seiner Mutter.

Einfach mitreisend ist dieser Abenteuertrip eines jungen Ausreißers, faszinierend mühelos changiert das freche Szenario zwischen Murder Mystery mit Gothic Touch und moderner Lovestory. Ein Film, der ganz tief im Zuschauer seinen Widerhall findet.“ (Programm Fantasy Filmfest 2007)

A viewing delight.“ (Variety)

Die TV-Premiere eines vielfach nominierten und ausgezeichneten Kritikerlieblings, der in den Arthouse-Kinos auch gut lief, war zu einer unverschämten Zeit (Mittwochnacht, offizieller Beginn um 00.50 Uhr).

Mit Jamie Bell, Sophia Myles, Ciarán Hinds, Claire Forlani

Eins Festival, 03.10

Back Fire – Eine Mutter sieht rot (F 1984, R.: Alain Bonnot)

Drehbuch: André G. Brunelin, Marie-Thérèse Cuny, Alain Bonnot

LV: Gérald Moreau: Nathalie ou la Punition, 1979

Annie Girardot sieht rot – und die Polizei sieht schweigend zu.

Schnörkelloser französischer Selbstjustiz-Thriller.


TV-Tipp für den 20. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 19, 2009

Kabel 1, 16.45

Die diebische Elster (USA 1987, R.: Hugh Wilson)

Drehbuch: Jeph Loeb, Matthew Weisman, Hugh Wilson

LV: Lawrence Block: The burglar in the closet, 1978 (Frisch geklaut ist halb gemordet, Der Dieb im Schrank)

Buchhändler und Einbrecher Bernice Rhodenbarr stolpert bei einem Einbruch über eine Leiche. Um nicht selbst ins Gefängnis zu wandern, muss sie (Yep, Bernie ist eine Frau.) den Mörder fangen.

Ehe ich jetzt länger aushole, nur soviel: Muss echt nicht sein. Dieser lärmige 80-er-Jahre-Schrott hat wirklich nichts (bis auf einige Wendungen in der Story) mit Lawrence Blocks witzigen Burglar-Romanen zu tun.

Mit Whoopi Goldberg, Bob Goldthwait, G.W. Bailey, Lesley Ann Warren, James Handy, John Goodman

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

ZDF Theaterkanal, 19.40

Anwalt Abel: In tödlicher Gefahr (D 1999, R.: Olaf Kreinsen)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Fanny soll ihren Mann umgebracht haben. Aber Anwalt Abel glaubt an ihre Unschuld.

Mit Günther Maria Halmer, Peter Sattmann, Nina Hoger

Hinweise

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)

Eins Festival, 20.15

Back Fire – Eine Mutter sieht rot (F 1984, R.: Alain Bonnot)

Drehbuch: André G. Brunelin, Marie-Thérèse Cuny, Alain Bonnot

LV: Gérald Moreau: Nathalie ou la Punition, 1979

Annie Girardot sieht rot – und die Polizei sieht schweigend zu.

Schnörkelloser französischer Selbstjustiz-Thriller.

ZDF, 22.00

Fred Vargas: Bei Einbruch der Nacht (F 2009, R.: Josée Dayan)

Drehbuch: Emmanuel Carrère

LV: Fred Vargas: L’homme à l’envers, 1999 (Bei Einbruch der Nacht)

In den Bergen zerfleischt eine Bestie Schafe und zuletzt auch eine Bäuerin. Eine Komponinistin, ein Waisenkind, ein greiser Schäfer, ein Grizzly-Forscher und Kommissar Adamsberg jagen das Tier.

Erste von vier Vargas-Abenden, die das ZDF sonntags zeigt (unter anderem ein Zweiteiler). Warum das ZDF mit dem zweiten Auftritt von Jean-Hugues Anglade als Kommissar Adamsberg beginnt, wissen nur die Lerchenberg-Fernsehgötter. Aber wenn es keine filmübergreifenden Plots gibt, ist es ja auch egal.

Mit Jean-Hugues Anglade, Hélène Fillières, Alain Fromager, Maurice Garrel, Corinne Masiero, Tobias Moretti

Hinweise

Facebook-Seite von Fred Vargas

Krimi-Couch über Fred Vargas

ARD, 00.05

Arabeske (USA 1966, R.: Stanley Donen)

Drehbuch: Julian Mitchell, Stanley Price, Pierre Marton (Pseudonym von Peter Stone)

LV: Alex Gordon (auch Gordon Cotler): The Cipher, 1961

Oxford-Professor Pollock soll eine hethitische Inschrift entziffern. Er weiß nicht, dass er danach umgebracht werden soll.

Schwungvolle Agenten-Komödie in einem verschwenderischen Dekor, z. B. trägt Sophia Loren nur Kleider von Dior. Ist einer der besten nicht von Hitchcock inszenierten Hitchcock-Filme – und eine prall gefüllte Wundertüte an Intrigen und Gegenintrigen.

Gordons Buch war 1962 als bestes Debüt für den Edgar nominiert.

Mit Gregory Peck, Sophia Loren

BR, 00.15

Das Haus der Lady Alquist (USA 1944, R.: George Cukor)

Drehbuch: John Van Druten, Walter Reisch, John L. Balderston

LV: Patrick Hamilton: Gaslight, 1938 (Theaterstück)

Nach dem Umzug leidet Paula Alquist an Wahnvorstellungen. Oder will sie jemand in den Wahnsinn treiben?

Über den bekannt-beliebten Romantikthriller schreibt das Lexikon des internationalen Films zutreffend: „Ein ungebrochen spannender Psychokrimi, angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, hervorragend inszeniert und gespielt. Reizvoll vor allem durch die außergewöhnliche Kameraführung.“

Ingrid Bergman erhielt für ihre Leistung den Oscar und den Golden Globe. Für die Ausstattung gab es einen weiteren Oscar. Außerdem war „Das Haus der Lady Alquist“ in allen wichtigen Oscar-Kategorien nominiert: Bester Film, Drehbuch, Kamera, Haupt- und Nebenrolle. Der große Abräumer war in diesem Jahr aber das Musical „Going my way“ (Der Weg zum Glück, R.: Leo McCarey). Erinnert sich noch jemand an diesen Film?

Hamilton schrieb auch die Vorlage zum Hitchcock-Film “Rope – Cocktail für eine Leiche”.

Mit Charles Boyer, Ingrid Bergman, Joseph Cotton, Angela Lansbury (Debüt), Barbara Everest

Hinweis

Kirjasto über Patrick Hamilton


TV-Tipp für den 19. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 19, 2009

ZDF, 20.15

Einsatz in Hamburg: Tödliches Vertrauen (D 2009, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Stefan Cantz, Jan Hinter

Ein neuer Fall für Kommissarin Jenny Berlin: sie soll herausfinden, wer die alleinerziehende Mutter eines achtjährigen, schweigsamen Schlüsselkindes erstach.

Zwölfter Einsatz der Kommissarin und weil Cantz, Hinter und Giovinazzo normalerweise überzeugende Arbeiten abliefern, dürfte dieser “Einsatz in Hamburg” für einen spannenden Abend sorgen.

Mit Aglaia Szyszkowitz, Rainer Strecker, Hannes Hellmann, Victoria Trauttmansdorff, Bruno Schubert, Florian Lukas, Anja Kling, Oliver Stokowski

Pro 7, 22.20

Kill Bobby Z – Ein Deal um Leben und Tod (USA 2007, R.: John Herzfeld)

Drehbuch: Bob Krakower, Allen Lawrence

LV: Don Winslow: The Death and Life of Bobby Z, 1997 (Die Wiederauferstehung des Bobby Z)

Knacki Tim Kearney ist ein echter Pechvogel. Aber da erhält er von dem Drogenpolizisen Tad Gruzsa ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: er soll freikommen, wenn er bei einem Gefangenenaustausch den legendären Drogendealer Bobby Z. spielt. Natürlich geht der Austausch schief und Kearney hat jetzt wirkliche Probleme.

Unterhaltsame, weitgehend unterschätzter Actionthriller, der sich an das Buch hält.

Mit Paul Walker, Laurence Fishburne, Olivia Wilde, Jason Flemyng, Keith Carradine, Joaquim de Almeida, J.R. Villarreal, Jason Lewis, Jacob Vargas, Michael Bowen

Wiederholung: Sonntag, 20. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Don Winslow

Meine Besprechung von “Pacific Private” (The Dawn Patrol, 2008)

Kabel 1, 00.05

Wehrlos – Die Tochter des Generals (USA 1999, R.: Simon West)

Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)

LV: Nelson De Mille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)

Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.

Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)

Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.

Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, mal wieder vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.

Der Film ist FSK-16 und für die 20.15-Uhr-Ausstrahlung wird normalerweise auf eine sinnentstellend beschnittene Version (im Wesentlichen wurde das Motiv herausgeschnitten) zurückgegriffen. Die heutige Nachtwiederholung dürfte dagegen ungekürzt sein.

Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”

Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III

Hinweise

Homepage von Nelson De Mille

Schnittberichte über die Kürzungen


TV-Tipp für den 18. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 18, 2009

Arte, 14.45

Ein Herr ohne Kleingeld (F/I 1959, R.: Jean Delannoy)

Drehbuch: Michel Audiard, Jean Delannoy, Maurice Druon

LV: Georges Simenon: Le baron de l’écluse ou la crosière du ‚Potam’, 1940 (Der Baron an der Schleuse oder Die Kreuzfahrt der ‚Potam’ in „Emil und sein Schiff“, Erzählung)

Baron Jérome Napoléon Antoine ist bettelarm. Aber er führt trotzdem ein luxuriöses Leben. Als er eine Luxusyacht gewinnt scheint sich sein Schicksal zu wenden.

Amüsant-ironische Komödie mit einem grandios aufspielenden Jean Gabin.

ARD, 01.20

Der Tod im roten Jaguar (D/I 1968, R.: Harald Reinl)

Drehbuch: Alex Berg (Pseudonym von Herbert Reinecker)

LV: Heftserie aus dem Bastei Lübbe Verlag

Jerry Cottons siebter Einsatz: Jerry gibt bei einem Mördersyndikat seine Ermordung in Auftrag. Findet er die Hintermänner, bevor er umgebracht wird?

Der Titel ist etwas irreführend. Es gibt zwar Tote und einen roten Jaguar. Aber keinen Tod im roten Jaguar. Oder soll Jerry der Tod sein? – Die Musik von Peter Thomas ist das beste an diesem Werk.

Mit George Nader, Heinz Weiss, Grit Böttcher, Herbert Stass

RTL II, 02.30

Never Die Alone (USA 2004, R.: Ernest R. Dickerson)

Drehbuch: James Gibson

LV: Donald Goines: Never die alone, 1974

Vor seinem Tod gibt der schwarze Ex-Dealer King David einem Journalisten seinen Nachlass. Der Journalist sichtet ihn – mit uns als Beobachter.

Einer der intelligentesten Genrefilme seit langem…Arthouse-Kino im Genregewand“ (Kai Mihm, epd-Film 9/2004)

Der Afroamerikaner Goines verdiente sein Geld, bevor er Romane schrieb, als Zuhälter, Dieb und Fabrikarbeiter. Er verbrachte viele Jahre im Gefängnis und wurde 1974 erschossen. Er schrieb hier und in seinen anderen Romanen ungeschönte, oft auf eigenen Erfahrungen basierende Reportagen aus der Wirklichkeit der Ghettos. Auf Deutsch erschienen vor Jahren „Bestie Heroin“ (Dopefiend, 1971) und seine Kenyatta-Krimis. In den USA ist er als Ghettopoet immer noch geachtet.

Mit DMX, David Arquette, Michael Ealey

Hinweise

Einige Infos über Donald Goines

Weitergehende Infos über Donald Goines

ARD, 02.50

Schüsse aus dem Geigenkasten (D 1965, R.: Fritz Umgelter)

Drehbuch: Georg Hurdalek

LV: Jerry-Cotton-Heftserie

Der erste Fall von Jerry Cotton: er jagt, zusammen mit seinem Freund Phil Decker, eine Raubmörderbande.

Aus heutiger Sicht hat Peter Schröders Besprechung in der Filmkritik etwas: „George Nader…gibt einen tölpelhaften Jerry Cotton ab, der den bereits durch das grandiose Buch Georg Hurdaleks totalimbezilen Handlungsablauf noch dusseliger gestaltet, als es die Gauner müssen…Die Kamera hat ein Blinder vor nutzlos strapazierten stock-shots dirigiert, das Drehbuch ein sprachlich zurückgebliebener, tolldreister Mensch gefertigt, und die Regie schließlich hat Fritz Umgelter, der Wenn-die-Connie-mit-dem-Peter-Regisseur, mit der ihm eigenen Dreistigkeit an sich gerissen.“ Stimmt alles, aber was würde Schröder zu den heutigen TV-Krimis sagen? Was würde er von der heutigen Kameraführung halten?

Mit George Nader, Heinz Weiss, Sylvia Pascal, Helga Schlack, Helmut Förnbacher (inzwischen als Regisseur bekannter), Franz Rudnick, Richard Münch

Eins Festival, 03.05

Am Rande der Nacht (F 1983, R.: Claude Berri)

Drehbuch: Claude Berry, Alain Page

LV: Alain Page: Tchao Pantin, 1983

Ex-Polizist Lambert verdient seine normalerweise flüssigen Brötchen als Tankwart. Als sein Freund, ein arabischer Kleindealer, umgebracht wird, beginnt Lambert einen Rachefeldzug.

Äußerst gelungener Film noir – gemacht von zwei Männern, die damals für leichte Unterhaltung und Komödien bekannt waren. Der in Frankreich sehr populäre Komiker Coluche brachte sich damals als Präsidentschaftskandidat ins Gespräch. Er starb überraschend 1986 mit 41 Jahren.

Mit Coluche, Richard Anconina, Agnès Soral, Philippe Léotard


TV-Tipp für den 17. September: LeseHorizonte: Québec

September 17, 2009

Arte, 22.35

LeseHorizonte: Québec (F 2009, R.: Anne Dörr)

Drehbuch: Anne Dörr

Heute besucht Patrick Poivre d’Arvor die größte kanadische Provinz und trifft die der dort lebenden Schriftsteller Neil Bissoondath, Dany Laferrière, Jacques Godbout, Nelly Arcan, Marie-Sissi Labrèche, Catherine Mavrikakis, Nicolas Dickner, Jean-François Beauchemin und Daniel Lavoie.

Wiederholung: Freitag, 25. September, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Arte über die Doku


TV-Tipp für den 16. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 16, 2009

Arte, 14.45

Kommissar Maigret stellt eine Falle (Fr/I 1957, R.: Jean Delannoy)

Drehbuch: Rodolphe-Marie Arlaud, Michel Audiard, Jean Delannoy

LV: Georges Simenon: Maigret tend un piège, 1955 (Maigret stellt eine Falle)

Maigret sucht einen fünffachen Frauenmörder.

Erster von drei Maigret-Filmen, in denen Jean Gabin den Kommissar spielte. Netter psychologischer Rätselkrimi, der auch eine gelungene kleine Sozialstudie ist.

Delannoy inszenierte diese klassische Kriminalkonstruktion sehr spannend und mit viel Einfühlungsgabe für atmosphärische Details, filmisch beinahe ebenso sorgfältig wie Maigret bei der Arbeit.” (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Intelligenter, gut gespielter, atmosphärisch dichter Kriminalfilm.” (Katholischer Film-Dienst)

Der Film gewann den Edgar-Allan-Poe-Preis in der Kategorie “bester ausländischer Film”.

mit Jean Gabin, Annie Girardot, Jean Desailly, Lino Ventura

Tele 5, 20.15

Mordmotiv: Rache (USA/Can 2004, R.: Christopher Leitch)

Drehbuch: Nancey Silvers

LV: Lisa Gardner: The Survivors Clug, 2002 (Unter Mordverdacht)

Drei Frauen wurden alle von einem Maskierten vergewaltigt. Als er erschossen wird, sind sie die Hauptverdächtigen.

Das CBS Movie of the Week ist wohl ein okayer Krimi, der einem nicht gerade den Schlaf raubt.

Mit Roma Downey, Jacqueline Bisset, James Remar

Wiederholung: Donnerstag, 17. September, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Homepage von Lisa Gardner

RBB, 22.35

Das unbekannte Gesicht (USA 1947, R.: Delmer Daves)

Drehbuch: Delmer Daves

LV: David Goodis: Dark passage, 1946 (Dark Passage – Die schwarze Natter)

Ein unschuldig Verurteilter (Bogart) flieht aus dem Gefängnis, unterzieht sich einer Gesichtsoperation und versucht seine Unschuld zu beweisen.

Ein unterschätzter Bogart-Film – was auch daran liegt, dass Humphrey Bogart und Lauren Bacall davor in „To have and have not“ (Haben und Nichthaben) und „The big sleep“ (Tote schlafen fest) aufeinander trafen. Danach ist ein spannender Film Noir einfach ein Abstieg; besonders wenn Bogart und Bacall kaum zusammen zu sehen sind. Aufgrund der Story ist Bogart im ersten Drittel des Films nicht zu sehen und danach, bis zum letzten Drittel, nur mit Verband. Das erste Drittel wurde ausschließlich aus Bogarts Perspektive gedreht.

Delmer Daves erzählte zu den Schwierigkeiten der subjektiven Perspektive: „Ich war der erste, der in den Vereinigten Staaten die Arriflex einsetzte. Wir bekamen sie von der US-Regierung. Es war eine Beutekamera von den Nazis. Ich hatte ein Schulterstativ machen lassen, um sie in Augenhöhe zu halten…und dann ging der Kameraoperateur so, wie der Mann ging. Zuerst dachte ich, wie einfach, man braucht nur einen Mann, der dasteht und alles macht. Als ich meinen Test machte, sah es so aus, als seien die Schultern viel zu breit, und so nahmen wir schließlich in dem Film zwei Männer für die zwei Arme: Ein Mann war der rechte Arm, und ein Mann war der linke, und sie waren unmittelbar gleich neben der Kamera. Ich hatte sogar drei Operateure bei einer Einstellung, um den Fluss der Kontinuität zu bewahren. Ich hatte nämlich herausgefunden, dass wir mit unseren Augen nicht so schneiden, wie man in einem normalen Film schneidet. Jede Einstellung war ein Probleme, und anstelle von Schnitten machte ich Reißschwenks.“

Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Bruce Bennett, Agnes Moorehead

auch: „Die schwarze Natter“


TV-Tipp für den 15. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 15, 2009

Arte, 14.45

16 Uhr 50 ab Paddington (GB 1961, R.: George Pollock)

Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon

LV: Agatha Christie: 4.50 from Paddington, 1957 (16 Uhr 50 ab Paddington)

Miss Marple beobachtet in einem vorüberfahrenden Zug einen Mord. Die Polizei glaubt der schrulligen alten Frau nicht. Deshalb klärt sie den Fall alleine auf.

Erster Miss Marple-Film, der den Plot mit reichlich britischem Humor würzte.

Mit Margaret Rutherford, Arthur Kennedy, Stringer Davis

Kabel 1, 20.15

Wehrlos – Die Tochter des Generals (USA 1999, R.: Simon West)

Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)

LV: Nelson De Mille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)

Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.

Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)

Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.

Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, mal wieder vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.

Der Film ist FSK-16 und für die 20.15-Uhr-Ausstrahlung wird normalerweise auf eine sinnentstellend beschnittene Version (im Wesentlichen wurde das Motiv herausgeschnitten) zurückgegriffen.

Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”

Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III

Hinweise

Homepage von Nelson De Mille

Schnittberichte über die Kürzungen

ARD, 01.05

Haben und Nichthaben (USA 1944, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: Jules Furthman, William Faulkner

LV: Ernest Hemingway: To have and have not, 1937 (Haben und Nichthaben)

Kutterkapitän Morgan kümmert sich um seine Geschäfte und den regelmäßigen Zufluss von Alkohol. Da lernt er Marie kennen und lieben. Sie kämpft gegen die Vichy-Regierung und reißt ihn aus seiner Passivität.

Hawks Abenteuerfilm hat mit dem Buch nichts mehr zu tun. Ist trotzdem die bekannteste Verfilmung des Romans – wegen Bogart und Bacall, die sich während der Dreharbeiten ineinander verliebten und zu einem von Hollywoods Traumpaaren wurden.

Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Walter Brennan

ARD, 02.45

Jagd im Nebel (USA 1945, R.: Herman Shumlin)

Drehbuch: Robert Buckner

LV: Graham Greene: The confidential agent, 1939 (Jagd im Nebel)

1937: Ein Agent soll die englischen Minenbesitzer überzeugen, ihre Kohle nach Spanien zu liefern.

Agentenkrimi

Mit Charles Boyer, Lauren Bacall, Peter Lorre


TV-Tipp für den 14. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 14, 2009

Eins Festival, 12.30

Die Spielerin (D/A 2005, R.: Erhard Riedlsperger)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Die gut situierte Mittfünfzigerin Polina wird durch die Zufallsbekanntschaft Friedrich zur Spielerin. Als er in Untersuchungshaft kommt, spielt Polina, um ihm zu helfen. Aber sie hat kein Glück.

Fred Breinersdorfer schrieb das Drehbuch über einen Fall von selbstzerstörerischer Spielsucht und Hannelore Elsner kann wieder einmal zeigen, wie gut sie ist.

Mit Hannelore Elsner, Erwin Steinhauer, Nina Petri, Frank Giering

Hinweise

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)

Arte, 14.45

Rendezvous mit einer Leiche (USA 1988, R.: Michael Winner)

Drehbuch: Anthony Shaffer, Peer Buckman, Michael Winner

LV: Agatha Christie: Appointment with death, 1938 (Der Tod wartet)

Hercule Poirot klärt während einer Urlaubsreise in Israel den Mord an einer reichen Amerikanerin auf.

Trotz der guten Besetzung ein Langweiler.

Mit Pter Ustinov, Lauren Bacall, John Gielguld, Carrie Fisher, Piper Laurie, David Soul, Nicholas Guest

Pro 7, 20.15

Der Bibelcode (F/A/D 2008, R.: Christoph Schrewe)

Drehbuch: Timo Berndt, Georg Lemppenau

LV: Michael Drosnin: Bible Code, 1997 (Der Bibelcode)

So ist das mit Familienzusammenführungen in Thrillern: kaum kann Ex-Polizistin Johanna (!) ihren Vater erstmals umarmen, da wird er auch schon hinterrücks gemeuchelt. Doch bevor der Bibelforscher seinem Forschungsobjekt gegenübertritt, kann er noch “Der Papst…Du musst es verhindern” sagen und Töchterchen macht, was getan werden muss, um die Sendezeit zu füllen.

Naja, immerhin ist “Der Bibelcode” (das Buch ist in der Sachbuch-Abteilung zu finden) als der “Da Vinci Code”. Denn heute läuft die extra hergestellte zweistündige Version des Event-Zweiteiler (Im deutschen TV ist inzwischen ja jeder Einzelfilm ein Event, vor allem wenn er auf drei Stunden gestreckt wird.) und diese Heiligkeiten geben sich die Ehre:

Cosma Shiva Hagen, Olivier Struck, Joachim Fuchsberger, Steffen Wink, James Faulkner

Kabel 1, 20.15

Das Kartell (USA 1994, R.: Phillip Noyce)

Drehbuch: Donald Stewart, Steven Zaillian, John Milius

LV: Tom Clancy: Clear and present danger, 1989 (Der Schattenkrieg, Das Kartell)

Nachdem das Cali-Kartell den Industriellen Harding brutal ermordete, will der Präsident der Vereinigten Staaten nur noch Rache. Jack Ryan, inzwischen stellvertretender Direktor der CIA, schwört vor dem Kongress keine Militärschläge durchzuführen. Dummerweise hat Sicherheitsberater Cutter bereits eine Guerilla-Truppe nach Kolumbien geschickt. Und Ryan muß wieder seinen Schreibtisch verlassen.

Besser als das 600-Seiten Buch, weil schneller überstandener militaristisch-patriotisch-chauvinistischer, langweilig-langatmiger Quark. Autor Clancy war der Film zu liberal.

Mit Harrison Ford, Willem Dafoe, Anne Archer, Harris Yulin, James Earl Jones

Arte, 21.00

16 Uhr 50 ab Paddington (GB 1961, R.: George Pollock)

Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon

LV: Agatha Christie: 4.50 from Paddington, 1957 (16 Uhr 50 ab Paddington)

Miss Marple beobachtet in einem vorüberfahrenden Zug einen Mord. Die Polizei glaubt der schrulligen alten Frau nicht. Deshalb klärt sie den Fall alleine auf.

Erster Miss Marple-Film, der den Plot mit reichlich britischem Humor würzte.

Mit Margaret Rutherford, Arthur Kennedy, Stringer Davis


TV-Tipp für den 13. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 12, 2009

Arte, 20.15

Kommissar Maigret stellt eine Falle (Fr/I 1957, R.: Jean Delannoy)

Drehbuch: Rodolphe-Marie Arlaud, Michel Audiard, Jean Delannoy

LV: Georges Simenon: Maigret tend un piège, 1955 (Maigret stellt eine Falle)

Maigret sucht einen fünffachen Frauenmörder.

Erster von drei Maigret-Filmen, in denen Jean Gabin den Kommissar spielte. Netter psychologischer Rätselkrimi, der auch eine gelungene kleine Sozialstudie ist.

Delannoy inszenierte diese klassische Kriminalkonstruktion sehr spannend und mit viel Einfühlungsgabe für atmosphärische Details, filmisch beinahe ebenso sorgfältig wie Maigret bei der Arbeit.” (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Intelligenter, gut gespielter, atmosphärisch dichter Kriminalfilm.” (Katholischer Film-Dienst)

Der Film gewann den Edgar-Allan-Poe-Preis in der Kategorie “bester ausländischer Film”.

mit Jean Gabin, Annie Girardot, Jean Desailly, Lino Ventura

Eins Festival, 20.15

Am Rande der Nacht (F 1983, R.: Claude Berri)

Drehbuch: Claude Berry, Alain Page

LV: Alain Page: Tchao Pantin, 1983

Ex-Polizist Lambert verdient seine normalerweise flüssigen Brötchen als Tankwart. Als sein Freund, ein arabischer Kleindealer, umgebracht wird, beginnt Lambert einen Rachefeldzug.

Äußerst gelungener Film noir – gemacht von zwei Männern, die damals für leichte Unterhaltung und Komödien bekannt waren. Der in Frankreich sehr populäre Komiker Coluche brachte sich damals als Präsidentschaftskanditat ins Gespräch. Er starb überraschend 1986 mit 41 Jahren.

Mit Coluche, Richard Anconina, Agnès Soral, Philippe Léotard

Arte, 22.15

Die Akte Maigret (F 2009, R.: Alain Ferrari)

Drehbuch: Alain Ferrari

Knapp einstündige Doku über Kommissar Maigret.

BR, 23.45

Der dritte Mann (GB 1949, R.: Carol Reed)

Drehbuch: Graham Greene

LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)

Wien, kurz nach dem Krieg: Holly Martins kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.

Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.

Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger

RTL, 00.45

Mordshunger (D 2007, R.: Robert-Adrian Pejo)

Drehbuch: Dorothee Schön

LV: Frank Schätzing: Mordshunger, 1996

Konzernchefin Inka von Barneck wird ermordet. Als erstes verdächtigt Kommissar Cüpper natürlich ihren finanziell von ihr abhängigen Ehemann. Doch dieser hat nicht nur ein Alibi, sondern zwei.

Die „Tatort“-erprobte Dorothee Schön schrieb das Drehbuch zu dieser Schätzing-Verfilmung. Und der Film scheint sich (so mein Eindruck bis zur ersten Werbepause) auch auf dem üblichen mäßig spannendem „Tatort“-Niveau zu bewegen.

Es geht schlicht, nett und in traditioneller Miss-Marple-Ausschließlichkeit um die Frage, wer denn nun der Mörder sei. (…) am Ende gibt es gar einen Mörder ohne glaubhaftes Motiv. Dem Spaß an der gutgelaunten Fernsehkomödie tut das keinen Abbruch. Ihr Vorzug ist immerhin, dass man sie bedenkenlos auch Kindern zumuten kann: Freigegeben, sagen wir, ab zehn.“ (Jochen Hieber, FAZ, 15. Mai 2008)

nur wenig überzeugende (Fernseh-)Verfilmung eines Krimis von Frank Schätzing“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Hans-Werner Meyer, Henry Hübchen, Bettina Zimmermann, Johannes Zirner


TV-Tipp für den 12. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 12, 2009

Weil der Alligator in wärmeren Gefilden nach Beute sucht, gibt’s hier die tägliche Auflistung der im TV laufenden Krimi-Verfilmungen:

ZDF, 20.15

Der Kommissar und das Meer: Schwarzer Engel (S/D 2009, R.: Marcus Weiler

Drehbuch: Kathrin Richter, Jürgen Schlagenhof

LV: Charakter von Mari Jungstedt

Architekt Algard wird kurz nach der Eröffnung einer von ihm geplanten Kongresshalle ermordet. Kommissar Robert Anders ermittelt.

Sechster Einsatz von Walter Sittler als Kommissar Anders, der in Jungstedts Romanen Anders Knutas heißt. Mindestens zwei weitere TV-Fälle folgen.

mit Walter Sittler, Andy Gätjen, Papriak Steen, Inger Nilsson

Eins Festival, 22.00

Gorky Park (USA 1983, R.: Michael Apted)

Drehbuch: Dennis Potter

LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)

Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.

Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadij Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.

Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).

Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmässiger Film.

Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen

Hinweis

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)

ARD, 23.02

Mankells Wallander: Bilderrätsel (S/D 2005, R.: Jonas Grimås)

Drehbuch: Ola Saltin

LV: Henning Mankell (Treatment)

Eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation wird ermordet. Kommissar Wallander und seine Kollegen werden in Ystad mit den Problemen der Welt konfrontiert. Denn die Tote stritt sich vor ihrem Tod mit einem Kriegsfotografen über ein Bild und in Afghanistan gestohlene antike Siegel tauchen auf.

Obwohl hier alles sehr rätselhaft ist, hat dieses Bilderätsel nichts mit “Zimmer Frei” zu tun.

Achter Film der dreizehnteiligen Wallander-Serie mit dem neuen Wallander.

Mit Krister Henriksson, Johanna Sällström

ZDF, 23.15 (Teil 1)

ZDF, 00.45 (Teil 2)

Messias: Stadt der Schmerzen/Die neun Kreise der Hölle (GB/USA 2005, R.: Paul Unwin)

Drehbuch: Terry Cafolla

LV: Charakter von Boris Starling

Vierter und bislang letzter Auftritt von Ken Stott als DCI Red Metcalfe. Dieses Mal jagt er einen Serienmörder, der Dantes Inferno nachinszeniert.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

mit Ken Stott, Neil Dudgeon

NDR, 01.20

Im Kopf des Mörders (F 2004, R.: Claude-Michel Rome)

Drehbuch: Didier Decoin, Claude-Michel Rome

LV: Jean-François Abgrall: Dans la tête du tueur – sur les traces de Francis Heaulme, 2002

Am 14. Mai 1991 wird am Strand von Brest eine Frauenleiche gefunden. Kommissar Jean-Francois Abgrall glaubt, dass ein Landstreicher für diesen und weitere Morde verantwortlich ist.

Auf einem wahren Fall beruhendes Thrillerdrama. Im Mittelpunkt stehen die alltägliche Polizeiarbeit und die Konfrontation zwischen dem Kommissar und dem Verdächtigen. Thierry Frémont erhielt für seine Darstellung des Landstreichers einen Emmy als bester Schauspieler.

Mit Bernard Giraudeau, Thierry Frémont

Kabel 1, 01.45

French Connection (USA 1971, R.: William Friedkin)

Drehbuch: Ernest Tidyman

LV: Robin Moore: The French Connection, 1969 (Heroin Cif New York)

Die beiden Polizisten Popeye Doyle und Buddy Russo sind auf der Spur einer großen, aus Frankreich kommenden, Lieferung Rauschgift.

Zeitloser, hochspannender, vor Ort gedrehter Genre-Klassiker, der auf einem wahren Fall beruht.

Mit Gene Hackman, Roy Scheider, Fernando Rey, Tony LoBianco, Marcel Bozzufi

ARD, 02.35

Im Dunkel der Nacht (USA 1956, R.: Maxwell Shane)

Drehbuch: Maxwell Shane

LV: Cornell Woolrich: And so to death/Nightmare (Kurzgeschichte)

Jazzmusiker Stan hat die Hosen voll: hat er in Hypnose einen Mann umgebracht?

Spannender Noir-Thriller mit Edward G. Robinson

Kabel 1, 03.30

French Connection II (USA 1975, R.: John Frankenheimer)

Drehbuch: Alexander Jacobs, Robert Dillon, Lauri Dillon

LV: Charakter von Robin Moore

Buch zum Film: Robin Moore/Milt Machlin: French Connection II, 1975

Der New Yorker Cop Popeye Doyle soll seinen französischen Kollegen helfen, den Drogenbaron Alan Charnier zu verhaften. Doch die Franzosen wollen Doyles Hilfe nicht. Also beginnt Doyle auf eigene Faust in der für ihn fremden Stadt Marseille Charnier zu jagen.

French Connection“ war ein auf Tatsachen basierender Polizeithriller. „French Connection II“ ist die vollkommen erfundene Fortsetzung, die auch vollkommen andere Akzente setzt. Frankenheimer konzentrierte sich auf die Hafenstadt Marseille und Popeye Doyle. Doyle ist das Bild des hässlichen Amerikaners. Er spricht kein Wort Französisch. Er prescht mit der Feinfühligkeit einer Dampframme in die Ermittlungen der französischen Polizei. Und er wird von seinem Intimfeind Alain Charnier zum Junkie gemacht. Gene Hackman zeigt hier wieder einmal sein Können (dazu gehört auch der legendäre Kalte Entzug in der Mitte des Films).

Mit Gene Hackman, Fernando Rey, Bernard Fresson, Jean-Pierre Castaldi, Philippe Léotard, Charles Millot, Cathleen Nesbitt


TV-Tipp für den 11. September: Mogadischu

September 10, 2009

SWR, 20.15

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel letztes Jahr ein Zweiteiler) über die RAF, dem noch im Kino laufendem „Baader Meinhof Komplex“ mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtägigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte. Einziger Kritikpunkt ist die derzeit angesagte Wackelkamera

Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“

Kortner - Mogadischu

Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro


Neu im Kino: Sturm

September 10, 2009

Sturm (Storm, D/Dk/Nl 2009)

Regie: Hans-Christian Schmid

Drehbuch: Bernd Lange, Hans-Christian Schmid

Den Haag, Internationaler Gerichtshof: Als die Anklage gegen einen serbischen Kriegsverbrecher auf der Kippe steht, beginnt Anklägerin Hannah Maynard eigenmächtig in Bosnien-Herzegowina und Berlin nach Zeugen zu suchen.

Hochgelobter Politthriller und Gerichtsdrama, der den Pessimus der 70er-Jahre-Politthriller zeitgemäß erneuert (und den Berlin-Bonus hat).

Hans-Christian Schmid ist ein radikal humanitärer Regisseur. Dass es ihm um Zwänge und Erfahrungen geht, hat er schon mit Filmen wie ‚Requiem‘ und ‚Lichter‘ kundgetan. ‚Storm‘ ist nun ein Film, der ein wenig zu viel will. Aber in welcher Hinsicht er zu viel will – das spricht schon wieder für ihn.“ (Anke Westphal, Berliner Zeitung, 9. Februar 2009)

mit Kerry Fox, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgård

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sturm“


TV-Tipp für den 10. September: Das Geheimnis des gelben Zimmers

September 10, 2009

Arte, 21.00

Das Geheimnis des gelben Zimmers (F/B 2003, R.: Bruno Podalydès)

Drehbuch: Bruno Podalydès

LV: Gaston Leroux: Le mystère de la chambre jaune, 1907 (Das Geheimnis des gelben Zimmers)

Journalist Joseph Rouletabille will herausfinden, wer die Tochter von Professor Stangerson in einem verschlossenen Zimmer umgebracht hat.

Bislang letzte Verfilmung des ersten Romans mit Hobbydetektiv Rouletabille. Leroux schrieb insgesamt acht Abenteuer mit ihm, aber das Geheimnis des gelben Zimmers ist ein „absoluter Klassiker“ (Galerie der Detektive)

Und der Film ist anscheinend eine nett upgedatete Version.

mit Denis Podalydès, Jean-Noël Brouté, Claude Rich, Scali Delpeyrat, Sabine Azéma, Michael Lonsdale

Wiederholung: Freitag, 11. September, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Gaston Leroux (deutsch, englisch, französisch)

Arte über den Film

Homepage zum Film


TV-Tipp für den 9. September: Die Katze

September 9, 2009

3sat, 22.25

Die Katze (D 1988, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Uwe Erichsen, Christoph Fromm

LV: Uwe Erichsen: Das Leben einer Katze, 1984 (später “Die Katze”)

In der Düsseldorfer Innenstadt endet ein Bankraub in einer Geiselnahme. Die Polizei umstellt die Filiale und ein nervenzerfetzendes Duell beginnt. Aber die Polizisten wissen nicht, dass sie von Probek beobachtet werden und dieser alles geplant hat.

Grandioser deutscher Action-Thriller, der sich nicht vor amerikanischen Vorbildern verstecken muss.

Für einen bundesdeutschen Spielfilm zeigt ‚Die Katze‘ eine erstaunliche Professionalität: präzise Kamera- und Schauspielerführung, eine funktionelle Dramaturgie, eine funktionierende Geschichte.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe)

Beim Cognac Festival du Film Policier gab’s dafür den “Grand Prix” und den “FR3 Grand Prix” (Unwichtige Bonus-Information: Guy Hamilton war der Juryvorsitzende).

mit Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Uwe Erichson

Vierundzwanzig über „Die Katze“ (Interview mit Christoph Fromm)


TV-Tipp für den 8. September: Der Uhrmacher von St. Paul

September 8, 2009

RBB, 22.50
Der Uhrmacher von St. Paul (F 1974, R.: Betrand Tavernier)
Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost, Georges Simenon, Bertrand Tavernier
LV: Georges Simonon: L’Horloger d’Everton, 1954 (Der Uhrmacher von Everton)
Ist sein Sohn ein Mörder? Uhrmacher Michel Descombes will seinen Sohn verstehen.
Hochgelobtes, selten gezeigtes Debüt von Tavernier – psychologisch dicht und packend. Dafür erhielt Tavernier den Silbernen Bären.
Mit Philippe Noiret, Jean Rochefort
Hinweise
Diogenes über Georges Simenon
Sehr umfangreiche Georges-Simenon-Fanseite


TV-Tipp für den 7. September: Sophie Scholl – Die letzten Tage

September 7, 2009

Spaß (ZDF, 22.15 Uhr: Hot Fuzz) oder Bildung?

SWR, 23.00

Sophie Scholl – Die letzten Tage (D 2005, R.: Marc Rothemund)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Das sei Schulfernsehen, sagte Breinersdorfer, als Rothemund ihm vorschlug die letzten Tage der Geschwister Scholl zu verfilmen. Dann vertiefte er sich in die Protokolle der Verhöre und schrieb das Drehbuch zu einem von Kritikern, Kollegen und Publikum hochgelobten Film. Über eine Million sahen „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ in den deutschen Kinos.

Mit Julia Jentsch, Alexander Held, Fabian Hinrichs, Jörg Hube

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Deutscher Filmpreis: Nominierungen für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Das Parlament: Interview mit Fred Breinersdorfer zu „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)


TV-Tipp für den 6. September: Long Riders

September 6, 2009

Das Vierte, 22.20

Long Riders (USA 1980, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Bill Bryden, Steven Phillip Smith, Stacy Keach, James Keach

Als Vorbereitung auf das demnächst erscheinende Buch über Walter Hill (von Ivo Ritzer) können wir uns wieder diesen schönen Spätwestern gönnen. Die sehr stimmungsvolle Musik ist von Ry Cooder, die Action ist – wie bei Walter Hill üblich – gut, aber der große Coup ist die Besetzung. Denn in dieser Verfilmung der Geschichte der James-Younger-Miller-Bande spielen Brüder Brüder.

mit James Keach, Stacy Keach, David Carradine, Keith Carradine, Robert Carradine, Dennis Quaid, Randy Quaid, Pamel Reed, Christopher Guest, Nicholas Guest, James Remar, James Whitmore jr. (inzwischen Regisseur, u. a. „24“,“Cold Case“, „The Unit“, „Navy CIS“), Edward Bunker, Ry Cooder (als Musiker)

Hinweise

Wikipedia über „Long Riders“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Michael Koller über „The Long Riders“ und „Wild Bill“ (noch’n Hill-Western)

IGN über Walter Hill


TV-Tipp für den 5. September: 24h Berlin

September 5, 2009

RBB, 05.30

Arte, 06.00

24h Berlin

Ein Tag im Leben der Hauptstadt. In Echtzeit.

Also irgendwann einfach einmal reinzappen oder die Homepage besuchen.


Die Selbstdarstellung des „Very British Gangster“ Dominic Noonan

September 4, 2009

Schlimm.

Sehr schlimm.

Jedenfalls wenn ich Donal MacIntyres spielfilmlange Dokumentation „A Very British Gangster“ aus der political-correctness-Perspektive betrachte. Denn in dem Film erscheint der porträtierte Dominic Noonan, seine Familie und seine Gefolgsleute nicht als eine Verbrecherbande, mit teils etlichen Jahren Zuchthaus im Lebenslauf, sondern sie erscheinen als ganz normale Menschen und Noonan als ein durchaus für sich einnehmender Familienvater und freiwilliger, aber nicht uneigennütziger Sozialarbeiter, der in seinem Viertel von den Bewohnern und auch von der Polizei immer wieder um Hilfe gebeten wird.

Diese durchaus problematische (und von den Machern bewusst in Kauf genommene) Gratwanderung zwischen Mystifizierung und sich langsam einstellender Demystifizierung ist der Preis für die große Nähe des Journalisten zum Objekt seiner Begierde. Denn natürlich wird der porträtierte Verbrecher vor laufender Kamera keine Verbrechen zugeben, für die er später angeklagt werden kann. Außerdem – und hier zeigt sich die Macht der Bilder – ist der Schritt von der Beobachtung zur Glorifizierung des Gangster klein. Wenn Dominic Noonan vor laufender Kamera sehr offen aus seinem Leben erzählt (und Noonan ist ein guter Erzähler), wenn er mit seinen Jungs, die alle einen Anzug tragen, durch die Straßen geht, wenn sie in ausgesucht ästhetischen Bildern vor Arbeiterhäusern warten und am Fluss angeln, dann erscheint das Verbrecherleben als ein ziemlich cooles Leben.

Die eingesetzte Musik passt gut zu den Impressionen von Manchester. Die Perspektiven, Schwenks und Schnitte sind reinstes Kino. Donal MacIntyre lässt sich auf den Porträtierten ein und übernimmt auch seine Sicht auf die Welt. Denn natürlich sieht Noonan sich nicht als bösen Menschen. Er ist der Mann, der in seinem Revier durch Verhandlungen für Ruhe sorgt. Er holt die Jungs von der Straße, kleidet sie ein, sorgt für den richtigen Haarschnitt, bringt ihnen Manieren bei. Er macht das, was die Gesellschaft nicht tut.

Seine Verbrechen und auch die Gerichtsverhandlungen werden nicht gezeigt. Dafür aber die sich an die Freisprüche anschließenden Feiern. Es wird auch seine Trauer über den Mord an seinem Bruder Desmond Noonan und der große Trauermarsch durch Manchester gezeigt.

Gleichzeitig erzählt Noonans Sohn, dass er seinen Vater eigentlich nicht kennt, weil er die meiste Zeit im Gefängnis ist, und Noonans Jungs erzählen von ihren Träumen. Einer will Schauspieler, einer will Noonans Nachfolger werden.

Und vielleicht gelingt es MacIntyre als teilnehmendem Beobachter viel näher an die Wahrheit zu kommen, als vielen anderen TV-Reportern. Denn im Gegensatz zu einem Zeitungsjournalisten sind sie auf Bilder angewiesen. MacIntyre war in seiner dreijährigen Langzeitbeobachtung auf die Kooperation von Dominic Noonan angewiesen. In dem kurzen, aber informativen Making-of (betitelt als „Behind the Scenes“) sagt Donal MacIntyre, dass er Noonan bewusst nicht nach seinen Verbrechen gefragt hat und Noonan den Film vor der Veröffentlichung gezeigt hat. Dieser sagt, ebenfalls in dem Making-of, dass ihm der Film gefalle. Dass der Film die Wahrheit zeige.

Wenn ich MacIntyres Dokumentation nicht aus der PC-Perspektive betrachte, die schon vor der ersten Filmminute weiß, was richtig und was falsch ist, dann ist „A very british Gangster“ ein grandioser Film. Denn ich lerne einen schwulen Gangster kennen, erhalte einen ziemlich ungeschminkten Blick in eine fremde Welt und sehe einen Dokumentarfilm, der immer wieder Bilder für die große Leinwand hat.

Beim Cognac Festival du Film Policier erhielt „ A Very British Gangster“ den Großen Preis.

A very british Gangster

A Very British Gangster (A Very British Gangster, GB 2007)

Regie: Donal MacIntyre

Drehbuch: Donal MacIntyre

DVD

New KSM

Bild: 16:9 (1.77:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel:

Bonusmaterial: Deleted Scence, Behind the Scenes, Wendecover

Laufzeit: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über Dominic Noonan