Vor allem für die Menschen, die sich wirklich alles von Quentin Tarantino ansehen müssen, ist „My Best Friend’s Birthday“; ein unvollendetes Werk, das er von 1985 bis 1987 mit seinen Kollegen von Video Archives für lau drehte. Als im Labor die letzten beiden Akte zerstört wurden, beerdigte man das Projekt. Tarantino verwandte einige Ideen aus dem Film für seine späteren Drehbücher und Filme.
„My Best Friend’s Birthday“, gedreht auf 16mm in Schwarzweiß, sollte eine Screwball-Comedy werden. Die Story: ein Mann verliert einen Tag vor seinem dreißigsten Geburtstag seinen Job und seine Freundin. Sein bester Freund versucht ihn aufzuheitern.
Tarantino plante den Film nicht als Regiedebüt, sondern als schauspielerische Talentprobe. Aber später nannten sie das unvollendete Werk ihre Filmschule.
Tarantinos allererste Regiearbeit „Lovebirds in Bondage“ (USA 1983) existiert nicht mehr. Die wenigen gedrehten Szenen wurden zerstört.
So, und jetzt: Vorhang auf für „My Best Friend’s Birthday“
Verzockt, verloren, verstaatlicht… – Was kostet die Hypo Real Estate? (D 2010, R.: Karl Hinterleitner, Michael Haselrieder)
Drehbuch: Karl Hinterleitner, Michael Haselrieder
Weit nach Mitternacht gibt’s die Premiere einer halbstündigen Doku über die Pleite der Hypo Real Estate. Erstmals äußern sich auch Mitarbeiter der Bank zu den Ereignissen und den überhörten Warnungen.
Wenn vor der Doku nicht eine weitere Johannes-Mario-Simmel-Verfilmung (Brauchen wir wirklich Updates von gut fünfzig Jahre alten Schmökern?), „Abenteuer Wissen“ über den Kölner Dom (Aktuell?), das „auslandsjournal“ (keine Einwände) und „Markus Lanz“ (kein Kommentar) kämen, würde ich sagen: Gute Anlage der Gebührengelder.
Sterben für Afghanistan (D 2010, R.: Stefan Aust, Claus Richter)
Drehbuch: Stefan Aust, Claus Richter
45-minütige Doku, die anscheinend weniger die Frage, warum wir Soldaten nach Afghanistan schicken, sondern mehr die Frage, was in Kundus geschah und wer in Berlin wann was wusste, beantwortet.
Dürfte in jedem Fall informativer als die nächste Talkrunde zum Thema sein.
Dominique Marceau ist angeklagt ihren Liebhaber, einen Musikstudenten, ermordet zu haben. Der Staatsanwalt will sie vor allem wegen ihres unmoralischen Lebenswandels ins Gefängnis schicken. Ihr Verteidiger versucht dagegen das Bild einer lebenshungrigen jungen Frau zu zeichnen.
Mit diesem selten gezeigten Werk beginnt Arte eine kleine Henri-Georges-Clouzot-Reihe. Seine weitaus bekannteren Krimis „Lohn der Angst“ und „Die Teuflischen“ folgen an den kommenden Montagen.
In „Die Wahrheit“ benutzt Clouzot den Gerichtssaal, um über die damalige Moral zu urteilen. Brigitte Bardot überzeugte hier auch als Schauspielerin. Der Film war für einen Oscar nominiert und erhielt einen Golden Globe (natürlich in der Kategorie „Bester ausländischer Film“). Clouzot erhielt beim Mar del Plata Film Festival den Preis als bester Regisseur.
„Ein intensiv gestalteter, schauspielerisch eindrucksvoller Film, der freilich bei der Aufdeckung der psychologisch-geistigen Ursachen für gesellschaftliche und individuelle Verirrungen auf eine eigene Grundhaltung verzichtet.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Clouzots Film ist eine Anklage gegen ein Justizsystem, in dem der Bourgeoisie entstammende, zumeist ältere Richter über Fälle zu entscheiden hatten, zu deren Umfeld und sozialen Ursprüngen sie keinerlei Bezug hatten. (…) Der Film (…) war ein Riesenerfolg.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
mit Brigitte Bardot, Charles Vanel, Marie-José Nat, Sami Frey, Louis Seigner, Claude Berri
Wiederholungen
Freitag 19. März, 14.45 Uhr
Dienstag 23. März, 14.45 Uhr (und das bei einem Film, der FSK-18 ist)
Columbo: Bluthochzeit (USA 1992, R.: Alan J. Levi)
Drehbuch: Robert Van Scoyck
LV: Ed McBain: So Long As You Both Shall Live, 1976 (So lang ihr zwei noch lebt)
Ein persönlicher Fall für Columbo: Ein Irrer hat die Braut seines Neffen gekidnappt.
Ein Columbo, der sich nicht an die Columbo-Formel hält. Aber wer hätte das bei einer Ed McBain-Story erwartet?
„Bluthochzeit“ ist einer der besten neuen Columbo-Fälle; jedenfalls wenn man auch einmal auf die Columbo-Formel verzichten kann: ein ungewöhnlicher Fall (kein Mord, sondern ein Kidnapping ohne Lösegeldforderung), bei dem die normale Polizeiarbeit im Vordergrund steht (es wird öfters gezeigt, wie frustrierend langwierig das Beschaffen von Informationen ist), es fast keine Columbo-Maniriesmen gibt (und die verbleibenden sind eher zufällig) und die Geschichte ungewohnt straff erzählt (ein Manko der neuen Columbos ist, dass sie alle altmodischer als die klassischen Columbos wirken) wird. „Bluthochzeit“ ist ein Columbo, der auch Columbo-Hassern gefallen könnte.
Oh, es ist auch einer der ganze wenigen Fälle, in denen Columbo eine Pistole trägt.
Mit Peter Falk, Joanna Going, Daniel Davis, Thomas Calabro, Dan Butler, Doug Savant, Daniel McDonald, Donald Moffat
Wer nicht gerade ein Wallander- oder Fan britischer TV-Krimis ist, wird die kommenden Tage auf Diät gesetzt. Aber Martin Ritts schon länger nicht mehr gezeigte John-le-Carré-Verfilmung „Der Spion, der aus der Kälte kam“, Michael Apteds zweimal gezeigte Martin-Cruz-Smith-Verfilmung „Gorky Park“ (als Einstimmung zur Veröffentlichung seines neuen Romans „Die goldene Meile“), Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Georges Lautners Raf-Vallet-Verfilmung „Der Fall Serrano“, Henri-Georges Clouzots Georges-Arnaud-Verfilmung „Lohn der Angst“ und zweimal Sam Peckinpah („Die Killer-Elite“ und „Sacramento“) trösten darüber hinweg.
Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, R.: Martin Ritt)
Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper
LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)
Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.
Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).
Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee
Drehbuch: William Monahan, Andrew Bovell (nach dem Drehbuch von Troy Kennedy Martin)
Vor der Haustür des Polizisten Thomas Craven erschießen unbekannte seine Tochter. Craven glaubt, dass der Anschlag ihm gegolten hat. Er beginnt ihren Mörder zu jagen.
Nachdem er in den vergangenen Jahren vor allem als Regisseur und wegen anderer Dinge von sich reden machte (Hey, wir haben doch alle kopfschüttelnd die Meldungen auf den Bunten Seiten gelesen.), übernahm Mel Gibson für diesen leicht noirischen Politthriller endlich wieder einmal die Hauptrolle und es wurde eine veritable Soloshow.
„Auftrag Rache“ ist das Remake der hochgelobten, sechstündigen BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness) von 1985, die ebenfalls von Campbell inszeniert wurde.
Weil die BBC-Serie seit Ewigkeiten nicht mehr im TV lief, könnten die TV-Planer sie doch jetzt mal wieder zeigen. Denn alle, die damals den „Meilenstein der Fernsehgeschichte“ (Martin Compart in „Crime TV“) gesehen haben, schwärmen von ihr. Uh, eine deutschsprachige DVD-Veröffentlichung wäre auch okay.
mit Mel Gibson, Ray Winstone, Danny Huston, Bojana Novakovic, Shawn Roberts, Frank Grillo
Drehbuch: Philipp Stennert, Cyrill Boss, Andreas Gaw (Gag Overwrite), Katrin Fröhlich (Dubbing Dialogue)
FBI-Agent Jerry Cotton und sein neuer Partner Phil Decker wollen herausfinden, wer den Unterweltkönig Sammy Serrano umgebracht hat.
Irgendwann hat sicher jeder Krimifan auch mal ein Jerry-Cotton-Abenteuer gelesen. Immerhin ermittelt der saubere FBI-Agent schon seit 1954 in New York. In den Sechzigern gab es auch acht Jerry-Cotton-Filme, die immer wieder nach Mitternacht im Fernsehen laufen und vor allem Trash-Fans ansprechen.
Der neue Jerry-Cotton-Film protzt dagegen schon im Trailer mit einem deutlich höheren Budget (obwohl er, wie die klassischen Cotton-Filme, in Deutschland gedreht wurde) und einer enormen Stardichte.
Verantwortlich für „Jerry Cotton“ ist Produzent Christian Becker und damit die Clique, die uns bereits die Edgar-Wallace-Parodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“, die Pro7-Märchenstunde und die Pro7-Funny-Movies bescherte. Das dürfte die Erwartungen doch eindeutig genug definieren.
„Einzig ein gutes Drehbuch fehlt.“ (Michael Kohler, Berliner Zeitung, 11. März 2010)
„Stil hat das nicht, dafür hätte man das Triviale nämlich ernst nehmen müssen.“ (Lars Penning, tip 6/2010)
Das nächste Projekt von Beckers Rat Pack Filmproduktion ist – Warum sollte an einer Erfolgsformel etwas geändert werden? – eine Wiederbelebung der trashigen „Dr. Mabuse“-Filme aus den Sechzigern, die nichts mit den legendären Fritz-Lang-Filmen und dem von Norbert Jacques erfundenen Charakter zu tun haben.
mit Christian Tramitz, Christian Ulmen, Monica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch, Moritz Bleibreu, Jürgen Tarrach, Herbert Knaupp, Janke Rieke, Günther Kaufmann, Frank Giering, Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Oliver Welke, Christoph Maria Herbst
Ein Bildungsroman der anderen Art: der 19-jährige Malik kommt in den Knast und lernt dort alles, was er für das Leben braucht. Dummerweise macht ihn nichts davon zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft.
In Cannes erhielt „Ein Prophet“ den Großen Preis der Jury, bei den Cesars und den Étoiles d’Or (dem Preis der französischen Filmjournalisten) räumte er ab, die Kritiker feiern den Film ab, Knackis (von denen etliche bei der Produktion beteiligt waren) loben die Authenzität des Films, es wurde über den Zustand und die Lebensbedingungen in den Knästen diskutiert und über 1,5 Millionen Franzosen lösten ein Kinoticket.
mit Tahra Rahim, Nils Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb
Land des Sonnenscheins (USA 2002, R.: John Sayles)
Drehbuch: John Sayles
Anhand von drei Familien reflektiert Sayles die Veränderungen in einem Küstenort in Florida und wie die heile Welt von einer Investmentgesellschaft, die aus dem Ort ein Ferienparadies machen will, bedroht wird.
John Sayles ist ein begehrter Script-Doktor in Hollywood und eine der Ikonen des amerikanischen Independent-Cinema. „Matewan“, „City of Hope“, „Passion Fish“, „Lone Star“ und „Limbo“, um nur einige zu nennen, sind vielschichtige Filme, die persönliche Themen, gut besetzt, in Geschichten für ein denkendes Publikum umsetzen. „Sunshine State“ (so der Originaltitel von „Land des Sonnenscheins“) erlebte bei uns seine Premiere auf DVD. Seine anderen in den vergangenen zehn Jahren gedrehten Filme kamen, falls überhaupt, nur noch mit jahrelanger Verspätung und sehr wenigen Kopien in unsere Kinosäle. Schade, denn Sayles erzählt sehr unterhaltsam und kluge Geschichten für ein erwachsenes Publikum.
„Land des Sonnenscheins“ Film erhielt mehrere Preise, unter anderem den Golden Orange Award mit der Begründung: „For his witty satire that insightfully examines Florida’s historic past, expanding present and uncertain future.“
Bei Rotten Tomatoes erhält „Land des Sonnenscheins“ einen beachtlichen Frischegrad von achtzig Prozent.
„Ein anspielungsreicher, von subtilem Humor und Poesie geprägter Ensemblefilm über äußere Hitze und die Kälte im Innern sowie die Schwierigkeit, den ‚amerikanischen Traum‘ zu leben.“ (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2004)
Die andere Meinung: „schläfrige Sozialdrama“ (Lothar R. Just: Film-Jahrbuch 2005)
mit Edie Falco, Angela Bassett, Timothy Hutton, Alex Lewis, Mary Steenburgen, Miguel Ferrer, Gordon Clapp, James McDaniel, Ralph Waite, Jane Alexander, Tom Wright
Der Mann ohne Vergangenheit (Fin/D/F 2002, R.: Aki Kaurismäki)
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.
Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.
„Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)
„eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.
mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä
Hinweise
Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)
Deshalb gibt es heute eine früheren Auftritt von ihm als Musiker:
RBB, 22.45
Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, R.: Steve Kloves)
Drehbuch: Steve Kloves
Die Brüder Jack und Frank Baker klimpern sich seit Jahrzehnten mit abnehmendem Erfolg durch Amerikas Hotelbars und Clubs. Jetzt wollen sie mit der Sängerin Susie Diamond ihre Auftritte aufregender gestalten. Allerdings wissen sie nicht, wie aufregend es mit ihr wird.
Sentimentales Musikerdrama mit geschmackvollem Jazz (Dave Grusin) und einer dazu passenden Kamera (Michael Ballhaus).
„Dem Regiedebütanten Steve Kloves gelang mit seiner atmosphärischen Komödie, romantische Arrangements mit Versatzstücken des Film noir auf eine Weise zu verbinden, die sehr vertraut erscheint und die doch immer wieder neu ist in der Modernität ihrer Inszenierung.“ (Fischer Film Almanach 1991)
Damals dachten alle, dass Steve Kloves jetzt in Hollywood Karriere machen wird, aber in den Neunzigern folgte fast nichts und in den letzten zehn Jahren schrieb er die Drehbücher für die „Harry Potter“-Filme.
mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Elli Raab, Xander Berkeley, Gregory Itzin, Jennifer Tilly
Heute geht’s, wir ahnen es bei den Fragen „Nackt, aber sicher? Wie viel Sicherheit verträgt die Demokratie?“, um den mit dem islamistischen Terrorismus begründeten Abbau von Freiheitsrechten. Ranga Yogeshwar überprüft Sicherheitstechnik, Psychologe Thomas Kliche erklärt wie Angst Handeln bestimmt und der Stadtsoziologe Andreij Holm erzählt, wie er vom Verfassungsschutz zum linksextremistischen Terroristen erklärten wurde.
Japan 1586: Weil Banditen immer wieder ihre Ernte stehlen, beschließen die Bauern eine Gruppe von Samurai zu bezahlen. Die Samurai sollen sie und ihre Ernte vor den Banditen beschützen.
Heute läuft die TV-Premiere der 2006 restaurierten Langfassung von Kurosawas Klassiker. Kurosawa erstellte für den japanischen Markt eine 203-minütige Fassung (das dürfte auch die heute Abend gezeigte Version sein) und für den internationalen Markt eine 160-minütige Version.
Diese internationale Version sah ich vor ungefähr fünfzehn Jahren im Kino und ich war sprachlos. Denn obwohl ich lange Filme nicht mag, verging die Zeit wie im Flug. Nichts wirkte veraltet. Die Kämpfe sind immer noch atemberaubend und unglaublich direkt inszeniert (Er nahm sie mit mehreren Kameras auf.). Die Betrachtungen über das Leben der armen Bauern, der Samurai und ihrem Ethos sind als prägnante Zeichnung unterschiedlicher Kulturen zeitlos. Das Ende ist bitter-ironisch. Die Kameraarbeit erstaunlich zeitgemäß. Immerhin reden wir hier von einem Film, der als ich ihn sah bereits vor über vierzig Jahren entstand.
„Die sieben Samurai“ ist ein Klassiker, der kein Patina angesetzt hat und kraftvolles Kino.
„‚Shichinin No Samurai‘ ist episches Kino in Vollendung, das heißt: es ist vor allem Erzählung.“ (Karsten Visarius in Akira Kurosawa, Hanser Reihe Film Band 41, 1988)
„Doch wie kunstvoll Kurosawa die verschiedenen Bedeutungsebenen verknüpft, wie kongenial er im Vordergrund eine packende, mal tragische, mal komische Geschichte und dazu einen bitteren historisch-geschaftlichen Subtext entwickelt – das macht ‚Shichinin No Samurai‘ zu einem zeitlosen Meisterwerk.“ (Heinz-Jürgen Köhler in Bodo Traber/Hans J. Wulf, Hrsg.: Filmgenres – Abenteuerfilm, 2004)
Es wurden mehrere Remakes und Quasi-Remakes gedreht. Das bekannteste ist „Die glorreichen Sieben“ (The magnificent seven, USA 1960) von John Sturges.
Mit Takashi Shimura, Toshiro Mifune, Yoshio Inaba, Seiji Miyaguchi, Minoru Chiaki, Daisuke Kato, Ko Kimura
Blutrot (USA 2008, R.: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)
Drehbuch: Stephen Susco
LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)
Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.
Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.
Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.
Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams
Der stille Amerikaner (USA 2002, R.: Phillip Noyce)
Drehbuch: Christopher Hampton, Robert Schenkkan
LV: Graham Greene: The quiet American, 1955 (Der stille Amerikaner)
Saigon, 1952: Der britische Reporter Thomas Fowler führt, zwischen gelegentlichen Reportagen, Opium rauchen und Sex, ein ruhiges Leben. Der stille, idealistische Amerikaner Alden Pyle will dagegen etwas bewegen. Schnell sind beide in politische Intrigen verwickelt, die sie nicht überblicken.
„Der stille Amerikaner“ ist eine gelungene Greene-Verfilmung und ein im besten Sinn angenehm altmodischer Film, der zwar 1952 spielt, aber auch die heutige Außenpolitik der Ersten Welt präzise beschreibt.
Mit Michael Caine, Brendan Fraser, Do Thi Hai Yen, Rade Sherbedgia
Columbo: Tödliche Trennung (USA 1971, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Steven Bochco
Erfinder: Richard Levinson , William Link
Ken Franklin und Jim Ferris sind ein erfolgreiches Krimiautorenduo. Als Ferris alleine schreiben will, bringt sein untalentierter Partner ihn um. Sein Alibi ist so gut, dass Lieutenant Columbo ermitteln muss.
Spielberg drehte nachher einige Filme, die sich fest in der Top-10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten behaupten.
Bochco erfand einige bahnbrechende TV-Serien, wie „Polizeirevier Hill Street“, „L. A. Law“, „Murder One“ und „NYPD Blue“. Sein erstes Columbo-Drehbuch wurde für den Emmy und den Edgar nominiert.
Ihre Zusammenarbeit markiert den offiziellen Start der erfolgreichen Columbo-Reihe innerhalb der Reihe „NBC Mystery Movie“. „Tödliche Trennung“ ist ein guter TV-Krimi (Gut, das ist jetzt Understatement.) mit einigen ungewöhnlichen Kameraeinstellung und all den Elementen, die Columbo so erfolgreich beim Publikum macht(e).
Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Rosemary Forsyth, Martin Milner, Barbara Colby
Das Haus der Lady Alquist (USA 1944, R.: George Cukor)
Drehbuch: John Van Druten, Walter Reisch, John L. Balderston
LV: Patrick Hamilton: Gaslight, 1938 (Theaterstück)
Nach dem Umzug leidet Paula Alquist an Wahnvorstellungen. Oder will sie jemand in den Wahnsinn treiben?
Über den bekannt-beliebten Romantikthriller schreibt das Lexikon des internationalen Films zutreffend: „Ein ungebrochen spannender Psychokrimi, angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, hervorragend inszeniert und gespielt. Reizvoll vor allem durch die außergewöhnliche Kameraführung.“
Ingrid Bergman erhielt für ihre Leistung den Oscar und den Golden Globe. Für die Ausstattung gab es einen weiteren Oscar. Außerdem war „Das Haus der Lady Alquist“ in allen wichtigen Oscar-Kategorien nominiert: Bester Film, Drehbuch, Kamera, Haupt- und Nebenrolle. Der große Abräumer war in diesem Jahr aber das Musical „Going my way“ (Der Weg zum Glück, R.: Leo McCarey). Erinnert sich noch jemand an diesen Film?
Hamilton schrieb auch die Vorlage zum Hitchcock-Film “Rope – Cocktail für eine Leiche”.
Mit Charles Boyer, Ingrid Bergman, Joseph Cotton, Angela Lansbury (Debüt), Barbara Everest
Auch Vögel können töten (USA 1970, R.: Robert Altman)
Drehbuch: Doran William Cannon, Brian McKay (ungenannt)
Brewster McCloud (so auch der Originaltitel) bastelt seit Ewigkeiten in den Katakomben des Houstoner Sportstadions Astrodome an einem Flugapparat. Denn er hält sich für einen Vogel. Da wird er in einen Reihe von Morden verwickelt und er verliebt sich.
Direkt nach „M. A. S. H.“ drehte Robert Altman diese liebenswerte Spinnerkomödie mit satirischen Anklängen und einem betonten Desinteresse an filmischen Konventionen. In Deutschland wurde der Film erst 1992 von Tele 5 als „Nur fliegen ist schöner“ gezeigt.
„Bewusst verwirrende, surrealistische Satire, formal eher den Cartoons und der französischen ‚Nouvelle Vague‘ als gängigen Filmkonventionen verpflichtet. (…) Frühe, bizarre Regiearbeit von Robert Altman.“ (Lexikon des internationalen Films)
„‚Brewster McCloud‘ ist der Gegenfilm, der die meisten Gegnerschaften in sich vereint, ein Chaos von einem Film, und von vorneherein anarchisch in der Erzählstruktur. (…) Selten hat dieser Filmemacher mehr Ideen und Einfälle gehabt, selten hat er so unbekümmert Erzählhaltungen variiert, von der satirischen Groteske zur fast feierlich vorgetragenen Allegorie, von Metaphern zu konkreten Details. (…) Ein Grundproblem für das Verständnis des Films ergibt sich aus dem Verzicht, die Figuren als Charaktere zu entwickeln; sie werden unmittelbar vom Wechsel der Erzählhaltungen betroffen und erscheinen, ständig in einer Art Metamorphose begriffen, mitunter als Symbol, dann als Allegorie, dann wieder nur als simple Prototypen ihrer Gesellschaft und letztlich als Protagonisten der amorphen Imagination des Regisseurs.“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altman, Hanser Reihe Film Band 25, 1981)
mit Bud Cort, Sally Kellerman, William Windom, Shelly Duvall, René Auberjonois, Stacy Keach
In fünf Worten ist „Hustle“ die britische Version von „Ocean’s Eleven“. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Mickey Stone und seine Gang sind auch leidenschaftliche Trickbetrüger und in jeder Folge der BBC-Serie legen sie – mit wechselndem Erfolg – einen arroganten Geldsack herein. Die Serie ist auch sehr stylish. Die Macher spielten bereits vor über sechs Jahren souverän auf der gesamten Klaviatur des Films von überraschenden Plottwists (gerne gekoppelt an Rückblenden) über gelungenen Anspielungen auf andere Filme und einer sehr stilisiert-poppigen Filmsprache hin zu Experimenten, wie eingefrorenen Bildern, in denen die Verbrecher den Betrug erklären. Das unterscheidet sich dann kaum von einem Kinofilm.
Aber „Ocean’s Eleven“ war letztendlich, vor allem im zweiten und dritten Teil, nur noch mäßig amüsantes Starkino der Marke „George Clooney und seine Freund haben Spaß“.
Dagegen wird „Hustle“ von Folge zu Folge besser und die Serie ist realistischer als „Ocean’s Eleven“. Denn die Charaktere der von Kudos produzierten Serie (unter anderem „Life on Mars“ und „Spooks – Im Visier des MI5“) sind keine Cartoon-Figuren. Die Opfer sind reich, aber keine milliardenschweren Casinobesitzer.
Und natürlich, das wichtigste Elemente bei einer Serie, Trickbetrüger Mickey Stone und seine Gang sind ein Ensemble dem man gerne zusieht.
Im „Making of“ erzählt Autor Tony Jordan, dass er die Verbrecherbande wie eine Familie mit Großvater, Vater, Sohn, Onkel und Mutter (die hier auch gleichzeitig die Geliebte ist) aufgebaut habe.
Mickey Stone ist der charismatische Anführer. Jordan erzählt, dass die Rolle zuerst für einen anderen Schauspielertyp vorgesehen war, aber als Adrian Lester den Raum betrat, wussten sie, dass sie ihren Mickey Stone gefunden hatten. Er hat die Lässigkeit eines Mannes, dem die Welt gehört – auch wenn alles nur Schein ist. Er flößt Vertrauen ein – auch wenn er gerade einen Betrug durchzieht. Und, als guter Familienvater, schützt er seine Familie. Er nimmt auch, leicht widerwillig, die Rolle als Lehrer für den Neuzugang Danny Blue an.
Albert Stroller ist die Legende, die Stone alles beibrachte und auch im Rentenalter nicht vom verbrecherischen Leben lassen kann. Er ist der Großvater. Dass Stroller von Robert Vaughn gespielt wird, ist eine der glücklichen Fügungen, die gerade wegen Vaughns Filmographie (Ich sage nur „Solo für O. N. K. E. L.“, „Bullit“ und „Die glorreichen Sieben“.) grandios passt. Er ist nicht nur im Film für die Jüngeren ein Vorbild. Er beherrscht alle Tricks und hat schon mit allen Größen im Geschäft zusammengearbeitet hat. In der Serie natürlich Verbrechergrößen; im Filmgeschäft Stars wie Paul Newmann, Steve McQueen, Jacqueline Bisset, Faye Dunaway, Robert Duvall, Walter Matthau, Peter Falk, Charles Bronson, James Coburn, Yul Brynner, Eli Wallach und Boris Karloff.
Danny Blue ist der Jungspund, der zum Meisterverbrecher werden will, aber noch viele jugendliche Flausen im Kopf hat. Für ihn ist das Verbrecherleben, auch wenn er gerade nach einem missglückten Betrug verprügelt wurde, ein einziger großer Spaß und die Gelegenheit, jeden Tag ein neues Abenteuer zu erleben.
Ash Morgan ist der gute Onkel, der Butler und der Handwerker. Er kann anscheinend auf die altmodische Art jedes System hereinlegen und die richtigen Geräte basteln. Er ist immer da, zuverlässig, gesegnet mit dem Humor und dem Duft des Arbeiters. In der ersten Staffel (von inzwischen insgesamt sechs) ist er der unauffälligste Charakter im Team.
Und Stacie Monroe ist die Mutter der Kompanie. Allerdings ist sie sehr sexy und Danny Blue möchte gerne mit ihr ins Bett steigen. Dummerweise ist sie auch klug und als Danny sie einmal zu einer Partie Strip-Poker überredet, hat sie wundersamerweise immer das bessere Blatt in der Hand.
In der ersten Staffel von „Hustle – Unehrlich währt am längsten“ zeigen sie in sechs kurzweiligen Episoden ihr Können. In der ersten Folge ist ihr Opfer der gierige Geschäftsmann Peter Williams, der regelmäßig auf der Liste der 500 reichsten Engländer steht. Mickey Stone erzählt ihm, getarnt als vertrauenswürdiger Banker, dass sein Unternehmen mit einem Computerprogramm gigantische Gewinne machen könne. Demnächst gebe es wieder die Möglichkeit und gegen eine stattliche Geldsumme könne er mitmachen. Williams ist einverstanden. Dass sie bei dem Coup von der Polizei beobachtet werden, stachelt Stone nur noch mehr an.
In „Der Hollywood-Schwindler“ ködern sie einem brutalen Hotel- und Kasinobesitzer, der ein Fan von klassischen Hollywood-SW-Filmen ist, mit einer Investition an einen sich an eben diesen Filmen orientierendem Filmprojekt.
Sie versuchen einer fanatischen Kunstsammlerin einen gefälschten Mondrian zu verkaufen. Dabei haben sie ihren Plan ohne den Fälscher (Köstlich!) und eine ehrgeizige Journalistin gemacht.
Sie werden von einem kurz vor der Pensionierung stehendem Polizisten, der bis jetzt jeden Trickdieb schnappte (wie Albert Stroller aus eigener leidvoller Erfahrung weiß), zur Mitarbeit erpresst. Denn der Polizist will einen Bankräuber, der bis jetzt bei keinem seiner verwegenen Einbrüche geschnappt wurde, verhaften. Mickey Stone versucht den Polizisten hereinzulegen. Aber wird ihm das gelingen? Und: Kann er, vor den Augen der Polizei, die Bank ausrauben?
Sie wollen von einem Scheidungskrieg profitieren, indem sie die hasserfüllte Ehefrau und ihren Gatten mit einem falschen Bauprojekt hereinlegen.
Und, in der letzten Episode der ersten Staffel, „Die letzte Wette“ spielen sie ihre Version von „Der Clou“ (The Sting) durch, indem sie ihrem Opfer erzählen, dass sie wissen, welches Pferd bei einem Pferderennen gewinnt. Dabei müssen Mickey Stone und seine Gang auch damit kämpfen, dass heute Informationen in Echtzeit verfügbar sind.
Als Bonusmaterial gibt es ein zweiteiliges „Making of“. Im ersten, sehr interessanten Teil erzählen die Macher, wie die Serie entstand und die Schauspieler ausgewählt wurden. Im zweiten Teil gibt es dann die üblichen Lobhuddeleien der Schauspieler.
Die grandiose Serie läuft freitags ungefähr um 22.00 Uhr (halt nach dem Spielfilm) auf ZDFneo. Gezeigt werden, wie auch auf der DVD, die vom BBC erstellte kürzere internationale Fassung.
Hustle – Unehrlich währt am längsten (GB 2004)
Erfinder: Tony Jordan (nach einer Idee von Bharat Nalluri)
mit Adrian Lester (Mickey Stone), Marc Warren (Danny Blue), Robert Glenister (Ash Morgan), Jaime Murray (Stacie Monroe), Robert Vaughn (Albert Stroller)