Die Thomas Crown Affäre (USA 1999, R.: John McTiernan)
Drehbuch: Leslie Dixon, Kurt Wimmer (nach dem Drehbuch von Alan R. Trustman)
Millionär Thomas Crown hat auf den ersten Blick alles. Aber weil ihn sein Leben als reicher Müßiggänger langweilt, organisiert er komplizierte Diebstähle. Die Versicherungsagentin Catherine Banning will ihn überführen. Crown nimmt die Herausforderung an und plant, während er mit ihr tändelt, seinen nächsten Coup.
Das Remake des gleichnamigen Semi-Klassikers mit Steve McQueen und Faye Dunaway ist locker-flockiges, eskapistisches Starkino.
„John McTiernans Version des Steve-McQueen-Klassikers ist der seltene Glücksfall eines Remakes, welches das Original mit kraftvolleren, präziseren Strichen übermalt.“ (Gerhard Midding, tip 19/99)
mit Pierce Brosnan, Rene Russo, Denis Leary, Faye Dunaway, Ben Gazzara, Fritz Weaver
Dexter: Verflucht/Einfach loslassen (USA 2007, R.: Tony Goldwyn, Marcos Siega)
Drehbuch: Daniel Cerone, Clyde Phillips
Erfinder: James Manos Jr.
LV: Jeff Lindsay: Darkly Dreaming Dexter, 2004 (Des Todes dunkler Bruder; – für die zweite Staffel dann eher Charakter von Dexter)
Ehrlich gesagt, damit habe ich schon nicht mehr gerechnet: nachdem die erste „Dexter“-Staffel quotenmäßig ein Flop war, hätte ich keine fünf Cent auf weitere „Dexter“-Episoden im frei empfangbaren deutschen TV gewettet. Aber die Jungs von RTL II wagen einen zweiten Versuch, zu einer Uhrzeit die stark nach Resterampe aussieht. Denn die zwölf Episoden der zweiten Staffel werden nach dem Spielfilm versendet und das kann dann schon etwas später werden. Nächsten Sonntag mordet Dexter von 22.55 Uhr bis 01.00 Uhr.
In der zweiten Staffel muss Dexter Morgan (Forensiker bei der Polizei von Miami und Serienkiller mit okayer Opferauswahl) herausfinden, warum an den Stränden von Miami Leichensäcke mit seinen Opfern liegen.
Inspiriert wurde die in den USA sehr erfolgreiche Serie von Jeff Lindays schwarzhumorigen Romanen. „Des Todes dunkler Bruder“ (Darkly Dreaming Dexter, 2004), „Dunkler Dämon“ (Dearly Devoted Dexter, 2005) und „Komm zurück, mein dunkler Bruder“ (Dexter in the Dark, 2007) erschienen bei Knaur und sind natürlich lesenswert. „Dexter by Design“ (2008) ist noch nicht übersetzt.
Mit Michael C. Hall (Dexter Morgan), Julie Benz (Rita Bennett), Jennifer Carpenter (Debra Morgan), David Zayas (Angelo Batista), Lauren Vélez (Lt. Maria LaGuerta), James Remar (Harry Morgan), Erik King (Sgt. James Doakes), C. S. Lee (Vince Masuka), Jaime Murray (Lila Tourney)
Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz
LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)
Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.
Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.
Bei den Alligatorpapieren sind die, wie immer von Alligator-Alfred wunderschön bebilderten, TV-Krimi-Buch-Tipps online. Ansehen!
Und was gibt’s die nächsten Tage im TV?
Also,
der Auftakt zwischen einem „Tod auf dem Nil“ und dem „Lawinenexpress“ lässt uns alle Wetterextreme von der heimischen Couch miterleben. Danach gibt’s Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“ (in einem wohltemperiertem Gerichtssaal), Jacques Derays Derek-Raymond-Verfilmung „Mörderischer Engel“, Jean Renoirs Emile-Zola-Verfilmung „Bestie Mensch“, Claude Pinoteaus Francis-Ryk-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“, Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“ und „Der Preis des Verbrechens“, Jean-Luc Godards „Peter Cheney“-Verfilmung „Alphaville“ (in der ungekürzten Fassung), Phillip Noyces Graham-Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“ und seine Ethal-Lina-White-Verfilmung „Eine Dame verschwindet“ und, als TV-Premiere, die Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“.
Manhattan Murder Mystery (USA 1992, R.: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Als eine Nachbarin in ihrem noblen New Yorker Mietshaus überraschend stirbt, glaubt Carol Lipton (Diane Keaton), dass sie ermordet wurde und sie beginnt, mit einem befreundeten Krimiautor, den Mörder zu suchen. Ihr Mann Larry (Woody Allen) ist davon überhaupt nicht begeistert.
Eine Krimikomödie von Woody Allen, bei der sich für die die Wortgefechte vom „Dünnen Mann“ inspirieren ließ und auch sonst lustvoll im Fundes des klassischen Hollywood-Krimis wühlte. Cineasten können also einiges entdecken.
„So unverhohlen publikumsfreundlich war Woody Allen lange nicht mehr.“ (Fischer Film Almanach 1995)
Sein nächster Film war „Bullets over Broadway“.
mit Woody Allen, Diane Keaton, Anjelica Huston, Alan Alda, Jerry Adler, Ron Rifkin, Zach Braff (sein erster Spielfilm), Frank Pellegrino (dito, später war er bei den „Sopranos“)
Bad Lieutenant (Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans, USA 2009)
Regie: Werner Herzog
Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)
Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.
Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind und er wurde sogar in die Parodie „If Filmmakers directed the Super Bowl“ aufgenommen. Neben den Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.
Doch jetzt, mit dem Remake eines Genrefilms und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury (was auch zu vielen Interviews führte [es half sicher, dass die Interviews auf Deutsch geführt werden konnten und er auch seinen neuen Film irgendwie promotete]) kehrt er zurück in die deutschen Kinosäle.
Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.
Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif
LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)
Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?
Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.
Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas
Es hat einige Tage gedauert, aber weil ich zu den altmodischen Menschen gehöre, die ihre Jahrescharts nicht als Verkaufsempfehlung für das Weihnachtsgeschäft im Oktober/November erstellen, sondern erst nach dem Weihnachtstrubel und Alfred mal wieder einen verdammt guten Job bei der Suche nach den richtigen Bildern gemacht hat, sind meine „Tops und Flops 2009“ erst jetzt in der Spurensuche.
Dafür kann ich jetzt sagen, dass ich einige potentielle Preisträger dabei habe.
Die Liste taugt natürlich auch als Einkaufsliste für Ostern.
The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)
Drehbuch: Hampton Fancher
LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)
Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.
Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher mit einem überraschendem Ende.
„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)
Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)
Urban Priol und Georg Schramm begrüßen in der heutigen Ausgabe ihrer Satiresendung Josef Hader, Jochen Malmsheimer und Volker Pispers. Es dürfte also ziemlich schwarzhumorig werden.
Die Tage ist die Taschenbuch-Ausgabe von Georg Schramms „Lassen Sie es mich so sagen… – Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit“ (Heyne, 8,95 Euro) erschienen. Eine höchst vergnügliche, vom Meister selbst liebevoll kommentierte Sammlung seiner schönsten Auftritte von den Anfängen (zum Beispiel als katholischer Hassprediger auf dem Ostermarsch) bis zur Gegenwart.
JAMES BOND: Moonraker – Streng geheim (GB 1979, R.: Lewis Gilbert)
Drehbuch: Christopher Wood
LV: Ian Fleming: Moonraker, 1955 (Mondblitz)
Buch zum Film: Christopher Wood: James Bond and Moonraker, 1979 (Moonraker – Streng geheim)
Der stinkreiche Hugo Drax hält wenig von seinen Mitmenschen. Deshalb will er sie umbringen und mit einigen Auserwählten einen neuen Start machen. James Bond macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
Natürlich hat der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam und das Ende – im Orbit – ist – auch heute – reinste Zukunftsmusik. Aber die bekannten Bond-Elemente wurden locker-flockig über den Globus verteilt. Das Ergebnis ist eine vergnügliche Mischung aus Action, leichtbekleideten Frauen, Witzen und einem glänzend aufgelegten Roger Moore. „Moonraker“ ist einer der guten Moore-Bonds.
Mit Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, Corinne Clery
Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?
Schwacher Agententhriller von Hitchcock.
Im Anschluss läuft, im Rahmen des Arte-Themenabends „Spione im Kalten Krieg“, die Doku „War Games“ (P/F 2009, R.: Dariusz Jablonski) über den polnischen Armeeoberst und Überläufer Ryszard Kuklinksi, der die Welt vor einem Atomkrieg bewahrt haben soll.
Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret
Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.
Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.
Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young,
LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)
Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.
Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh, Charles Napier
LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)
Ein finanziell klammer Autor (Gibt es andere?) soll die Biographie eines Politikers schreiben. Allerdings hat der Politiker Dreck am Stecken und der Autor will die Wahrheit aufschreiben.
Politthriller, der auf der Berlinale seine Premiere erlebte, weitgehend positiv aufgenommen wurde und jetzt im Kino startet.
mit Ewan McGregor, Piere Brosnan, Kim Cattrall, James Belushi, Olivia Williams, Timothy Hutton, Tom Wilkinson, Eli Wallach
Spur der Bären (D 2010, R.: Hans-Christoph Blumenberg)
Drehbuch: Alfred Holighaus, Hans-Christoph Blumenberg
Spielfilmlange Doku mit vielen Interviews und seltenem Archivmaterial über die Berlinale von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Mit Tilda Swinton, Angl Lee, Rosa von Praunheim, Arthur Brauner, Ulrich Gregor, Moritz de Hadeln, Dieter Kosslick, Reinhard Hauff, Wieland Speck, Tom Tykwer, Wolfgang Kohlhaase, Michael Winterbottom
Erinnern Sie sich an den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehen?
Nun, heute kommen die Programmplaner diesem Auftrag wieder gewohnt publikumsfreundlich nach und zeigen einen Film, der für die deutsche Filmgeschichte begeistern soll. Doch vor der Bildung sind die Mühen der Ebene: Um Himmels Willen, In aller Freundschaft, Plusminus, Menschen bei Maischberger, ttt-extra und dann, weit nach Mitternacht, präsentiert das Deutsche Fernsehen mit überschwänglichem Stolz und kaum zu bremsender Begeisterung für die Schlaflosen, Spätaufsteher und Cinephilen in deutscher Erstausstrahlung
ARD, 00.40
Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte (D 2008, R.: Michael Althen, Hans Helmut Prinzler)
Konzept: Hans Helmut Prinzler, Michael Althen
Michael Ballhaus, Andreas Dresen, Doris Dörrie, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler stellen ihre deutschen Lieblingsfilme vor. So entsteht ein kleiner, subjektiver Spaziergang durch die deutsche Filmgeschichte von „Nosferatu“ über „Menschen am Sonntag“, „M“, „Unter den Brücken“, „Alice in den Städten“ und „Die Ehe der Maria Braun“ bis zu „Heimat 1“.
Zweistündige sehr sehenswerte Doku über den Filmverlag der Autoren. Zu den Gründungsmitgliedern am 18. April 1971 gehörten Hark Bohm, Peter Lilienthal, Hans Noever, Pete Ariel, Uwe Brandner, Veith von Fürstenberg, Wim Wenders, Hans W. Geissendörfer und Volker Vogeler. Später kam auch Rainer Werner Fassbinder dazu. Die Idee des Filmverlags der Autoren war, die eigenen Filme kollektiv zu produzieren und zu verleihen. In den folgenden Jahren war der Filmverlag die kreative Brutstätte des Neuen Deutschen Films.
Mit Rudolf Augstein, Heinz Badewitz, Hark Bohm, Uwe Brandner, Rainer Werner Fassbinder, Michael Fengler, Peter Fleischmann, Hans W. Geissendörfer, Peter Handke, Irm Hermann, Werner Herzog, Alexander Kluge, Peter Lilienthal, Tom Luddy, Margaret Ménégoz, Lynda Myles, Hans Noever, Thomas Schamoni, Peter Sickert, Laurens Straub, Dan Talbot, Veith von Fürstenberg, Luggi Waldleitner, Wim Wenders
Auch bekannt als „Gegenschuss – Aufbruch der Filmemacher“
Eigentlich ist “Stammheim” ein abgefilmtes Theaterstück: Aust und Hauff konzentrierten sich auf die Verhandlung gegen die Baader-Meinhof-Gruppe und nahmen die Gerichtsprotokolle als Grundlage für die Dialoge.
Damals irritierte die Kritiker, dass Schauspieler anders aussehende Personen spielten, die im öffentlichen Bewusstsein noch sehr präsent waren.
Heute ist “Stammheim” ein Stück Zeitgeschichte und ein Blick in eine für uns inzwischen sehr fremde Zeit.
“Es ist ein Film über die Unfähigkeit der Politik und der Justiz, die Verhältnisse zu reflektieren, in denen Gewalt entsteht. Ein Film über die Ungeduld und Unduldsamkeit derjenigen, die erklärten, das Volk befreien zu wollen und am Ende mehr Zwänge und staatliche Repression erreichen.
Wie in einem Mikrokosmos findet der Kampf zwischen dem Staat und seinen radikalsten Gegner in einem Gerichtssaal statt. Keine Seite geht daraus unbeschädigt hervor. Die einen bekämpfen das Recht und die Ordnung des bürgerlichen Staates und berufen sich gleichzeitig auf seine Gesetze. Die anderen vertreten die Gesetze und verletzen dennoch das Recht (…)
Hauff und Aust haben den mutigsten Film über unsere politische Gegenwart gemacht.“ (Fischer Film Almanach 1987)
„Stammheim“ erhielt 1986 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Während der Preisverleihung sagte Jurypräsidentin Gina Lollobrigida – ein grober Verstoß gegen die Etikette -, dass sie gegen den Film gestimmt habe.
mit Ulrich Pleitgen, Ulrich Tukur, Therese Affolter, Sabine Wegner, Hans Kremer, Dominique Horwitz