Tatort: Acht Jahre später (D 1974, R.: Wolfgang Becker)
Drehbuch: Karl-Heinz Willschrei
Nach acht Jahren wird der Einbrecher Brossberg aus der Haft entlassen. Er schwor damals, sich an seiner Ex-Geliebten und an Kommissar Heinz Haferkamp (der seinen Bruder erschoss) zu rächen.
Der feine Einstand von dem beliebtesten „Tatort“-Kommissar der siebziger Jahre und auch ohne Nostalgie-Bonus immer noch besser als die meisten aktuellen „Tatorte“.
Alte und neue Haferkamp-Fans dürfen sich die kommenden Mittwoche fest im Kalender notieren. Denn der WDR zeigt nach !Acht Jahre später“, „Zweikampf“ (20. Januar, WDR, 23.00 Uhr), „Der Mann aus Zimmer 22“ (27. Januar, WDR, 23.00 Uhr), „Wodka Bitter-Lemon“ (3. Februar, WDR, 23.00 Uhr), „Die Abrechnung“ (10. Februar, WDR, 23.00 Uhr), „Treffpunkt Friedhof“ (17. Februar, WDR, 23.00 Uhr) undsoweiter chronologisch bis Ende Mai alle zwanzig Haferkamp-Tatorte.
mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Christine Ostermayer, Relja Basic, Herbert Bötticher, Klaus Schwarzkopf (als Gastkommissar)
KDD – Kriminaldauerdienst: Chancen (1) (D 2010, R.: Christian Zübert)
Drehbuch: Orkun Ertener
Heute startet die dritte und letzte Staffel von „KDD – Kriminaldauerdienst“, der ziemlich grandiosen, in Berlin spielenden Polizeiserie, die sich nicht vor amerikanischen und englischen Vorbildern verstecken muss. Die Quoten waren nie berauschend, die Optik und die Geschichten gefielen den typischen ZDF-Freitagabendkrimizuschauern nie, aber dafür gab’s gute Kritiken, Preise und in der Szene eine leichte Verwunderung (oder große Erleichterung?), dass das ZDF die Serie zweimal fortsetzte.
Jetzt ist Schluss; mit der dümmlichen Begründung, die Geschichten seien auserzählt. Da fragt man sich, wann die Geschichten der sich inflationär breitmachenden Sokos, dem „Fall für zwei“ und Bergdoktoren auserzählt sind.
Orkun Ertener:Ich habe vor vier, fünf Jahren gedacht: Wir hinken der Höhe der Erzählkunst im Fernsehen hinterher, die woanders ja existiert. Da gibt es genügend Beispiele, die man sich auf DVD ansehen kann, Kaufserien, die mich persönlich interessieren und die wenig im deutschen Fernsehen zu sehen waren und sind. Desillusioniert bin ich insofern, als ich mich mittlerweile frage, ob wir die Höhe dieser Erzählkunst jemals erreichen, ob wir diese Entwicklung überhaupt durchlaufen werden. Ich glaube eher nicht.
Die deutsche Serienzukunft sieht finster aus?
Was für einen deutschen Weg es geben wird in den nächsten drei, vier oder fünf Jahren, das weiß ich nicht. Aber wir sind ja insgesamt, was Serien betrifft, auf einem relativen Tiefpunkt angelangt. Im Privatfernsehen findet Serie im Moment so gut wie gar nicht mehr statt, bei Sat.1 und RTL gibt es kaum neue Formate oder neue Versuche, im Öffentlich-Rechtlichen sind die erfolgreichen Serien diejenigen, über die wir hier nicht sprechen, die mit KDD nichts zu tun haben, die aber prolongiert werden. Insofern ist ästhetisch-künstlerisch eine Talsohle erreicht, und ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.
Arte zeigt die letzten acht KDD-Folgen an den kommenden Dienstagen zu sehr wechselnden Uhrzeiten (nächste Woche um 21.45 Uhr, übernächste um 23.00 Uhr); ab April dann wieder im ZDF.
Mit Barnaby Metschurat, Billey Demirtas, Bülent Sharif, Götz Schubert, Henny Reents, Johanna Gastdorf, Jördis Triebel, Laura Tonke, Lucas Gregorowicz, Manfred Zapatka, Melika Foroutan, Michael Rotschopf, Nina Kronjäger, Saskia Vester, Uwe Preuss
Polizeimeister Vogt liebt an Amrum die Ruhe. Doch damit ist es vorbei, als er eine Moldawierin vor der Russenmafia beschützen soll.
Erstens ist „Mörder auf Amrum“ der letzte Film von Barbara Rudnik.
Zweitens erhielt der Film beim Hamburger Filmfest den Produzentenpreis mit dieser schönen Begründung: „’Mörder auf Amrum‘ der Beweis ist, dass sich Spannung und Verbrechen und Humor nicht ausschließen. Obwohl in diesem Film sinnlos und zahlreich getötet wird, überwiegt beim Zuschauer das Lebensbejahende.“
Und der Tagesspiegel meint: „ein wunderbar garstiges Kleinod im deutschen Krimifernsehen, komisch und grotesk, voller schräger Figuren und mit Momenten echten Schreckens – man wähnt sich zeitweise in einem Film der Brüder Coen.“
mit Hinnerk Schönemann, Irina Potapenko, Thomas Thieme, Barbara Rudnik, Simon Schwarz
Die drei Tage des Condor (USA 1975, R.: Sydney Pollack)
Drehbuch: Lorenzo Semple jr., David Rayfield
LV: James Grady: Six days of the Condor, 1974
Joe Turner ist ein Büromensch und Angestellter der CIA. Als er nach einem Einkauf in das Büro zurückkommt sind seine Kollegen tot und er wird gejagt. Von den eigenen Leuten, wie Turner schnell herausfindet. Turner kämpft um sein Leben.
Der spannende Thriller entstand unmittelbar nach der Watergate-Affäre und fing – wie einige andere fast zeitgleich entstandene Filme – die damalige Atmosphäre von Mißtrauen und Paranoia gut ein.
Das Drehbuch erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Mit Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman
Ein geschasster CIA-Agent will seine Memoiren veröffentlichen. Sie stoßen vor allem in Agentenkreisen auf großes Interesse.
Nette Agentenkomödie, die in Deutschland nur eine Videopremiere erlebte.
„Witzige und größtenteils schwungvolle Agenten-Komödie.“ (Lexikon des internationalen Films)
Der Film war für einen Edgar nominiert, das Drehbuch für den Preis der Writers Guild of America , der Roman erhielt den Edgar als bester Krimi des Jahres und auch Brian Garfield ist mit dieser Verfilmung sehr zufrieden.
mit Walter Matthau, Glenda Jackson, Sam Waterston, Herbert Lom, Ned Beatty, David Matthau, George Baker
Auch bekannt als „Bluff Poker – Ein Schlitzohr packt aus“ (Videotitel)
Für SF- und Thriller-Fans ist die Grundidee von „Gamer“ ein alter Hut: ein Mann beteiligt sich bei einem Spiel, bei dem der Gewinner einen unglaublich großen Preis erhält. Wenn er verliert, ist er tot. Die bekanntesten neueren Versionen sind von Robert Sheckley und Stephen King. Sie mischen den Thrillerplot mit Gesellschaftskritik (denn das Gladiatorenspiel wird vor einem sensationsgierigem Publikum aufgeführt) und wurden mehrmals verfilmt: „Das zehnte Opfer“, „Das Millionenspiel“, „Kopfjagd“, „Running Man“. Die „Crank“-Macher gaben dem alten Plot einen neuen Dreh, indem die Kämpfer Teil eins Computerspiels sind und sie von anderen Menschen gesteuert werden.
Oh, und es gibt etwas mehr knallige Action. Schließlich müssen die Lautsprecher im Multiplex ausgenutzt werden.
mit Gerard Butler, Amber Valletta, Michael C. Hall, Kyra Sedgwick, Logan Lerman, Alison Lohman, Ludacris, Zoe Bell, John Leguizamo, James Roday, Maggie Lawson
Live Flesh – Mit Haut und Haar (E/F 1997, R.: Pedro Almodóvar)
Drehbuch: Pedro Almodóvar, Ray Loriga, Jorge Guerricaechevarria
LV: Ruth Rendell: Live Flesh, 1986 (In blinder Panik)
Sechs Jahre nachdem Victor einen Polizisten zum Krüppel schoss, kreuzen sich wieder ihre Wege.
Halt ein typischer Almodovar-Film. „Almodóvar pendelt in überraschenden Wendungen geschickt zwischen Pathos und Ironie, ohne völlig in den schrillen Erzählton früherer Werke zu kippen.“ (Zoom 8/98)
mit Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Angela Molina
Beverly Hills Cop – Ich lös‘ den Fall auf jeden Fall (USA 1984, R.: Martin Brest)
Drehbuch: Daniel Petrie jr. (nach einer Geschichte von Danilo Bach und Daniel Petrie jr.)
Als ein alter Freund von Detroit-Cop Axel Foley ermordet wird, nimmt er Urlaub und beginnt im noblen Beverly Hills den Mörder zu jagen. Dort fällt er nicht nur wegen seiner Hautfarbe, seinen Klamotten, seinem Mundwerk, sondern auch wegen seinen Methoden (die jede geschriebene und ungeschriebene Dienstvorschrift ignorieren) auf.
Die Action-Comedy war damals ein Kassenschlager und zog zwei schwächere Fortsetzungen nach sich. Eine vierte ist immer wieder im Gespräch.
„Meisterwerk des Kommerzes“ (Fischer Film Almanach 1986)
„pures Entertainment“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Tja, das Team Simpson/Bruckheimer wusste schon damals, wie sie an unser Geld kommen. Ihr nächster Film war „Top Gun“.
Das Drehbuch war für einen Oscar und den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
mit Eddie Murphy, Judge Reinhold, John Ashton, Lisa Eilbacher, Steven Berkoff, James Russo, Jonathan Banks, Stephen Elliott
The Sentinel – Wem kannst du trauen? (USA 2006, R.: Clark Johnson)
Drehbuch: George Nolfi
LV: Gerald Petievich: The Sentinel, 2003
Aus den Reihen des Secret Service soll ein Attentat auf den Präsidenten geplant werden. Die Ermittlungen führen David Breckinridge zu seinem ehemaligem Freund Pete Garrison. Doch bevor er ihn verhaften kann, flüchtet Garrison. Garrison will auf eigene Faust den Verräter finden; falls er nicht vorher von Breckinridge erwischt wird.
Unterschätzter Thriller
Mit Michael Douglas, Kiefer Sutherland, Eva Longoria, Kim Basinger, Martin Donovan, David Rasche, Gloria Reuben, Clark Johnson
Die kriminalfilmischen Höhepunkte in den ersten Tagen des neuen Jahres sind rar gesät. Sehenswert sind Robert Harmons ruhige Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone – Knallhart“ (mit Tom Selleck in der zweiten Rolle seines Lebens), Sidney Lumets Edwin-Torres-Verfilmung „Tödliche Fragen“, Clark Johnsons unterschätzte Gerald-Petievich-Verfilmung „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“, John Hustons Richard-Condon-Verfilmung „Die Ehre der Prizzis“, seine Dashiell-Hammett-Verfilmung „Die Spur des Falken“, Pedro Almodóvars Ruth-Rendell-Verfilmung „Live Flesh – Mit Haut und Haar“, Spike Lees David-Benioff-Verfilmung „25 Stunden“, Ronald Neames fast unbekannte Brian-Garfield-Verfilmung „Agenten-Poker“, Sydney Pollacks James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“ und David Cronnenbergs John-Wagner/Vince-Locke-Verfilmung „A History of Violence“. Immerhin wurden einige Filme schon seit längerem nicht mehr gezeigt.
Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren (USA 1981, R.: Brian De Palma)
Drehbuch: Brian De Palma, Bill Mesce Jr. (ungenannt)
Jack Terry ist Toningenieur für Horrorfilme. Eines Nachts beobachtet er, während er auf der Jagd nach Geräuschen ist, den tödlichen Autounfall eines Präsidentschaftskandidaten. Als er sich später sein Tonband anhört, hört er einen Schuss. Wurde der Kandidat ermordet?
Spannender Thriller von Brian De Palma, der damals eine Reihe guter Filme hintereinander inszenierte.
Der Titel erinnert an Michelangelo Antonionis auch inhaltlich sehr ähnlichen Klassiker „Blow Up“. Die Kritiker fanden (eines ihrer liebsten Hobbys) zahlreiche Hitchcock-Anleihen, die Polit-Junkies durften über die Ähnlichkeiten zu dem JFK-Attentat, Watergate und Chappaquiddick (während in dem Film der Politiker stirbt, starb in Wirklichkeit die Beifahrerin von Ted Kennedy) nachdenken, die Cineasten über das Kino und den Zusammenhang zwischen Film und Wirklichkeit sinnieren und alle über die Schlusspointe lachen. Das ist doch ziemlich viel für ein Genrewerk, das einfach nur zwei Stunden unterhalten will.
Der Fischer Film Almanach urteilte damals über den Thriller: „einer seiner spannendsten und besten Arbeiten überhaupt.“
DVD Verdict zwanzig Jahre später: „One could make an argument that Blow Out is the most underrated, overlooked film of the entire 1980s.“
Und, jaja, auch Quentin Tarantino gefällt der Film. Ist einer seiner Lieblingsfilme
mit John Travolta, Nancy Allen, John Lithgow, Dennis Franz
No way out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton
Jesse Stone – Knallhart (USA 2006, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: Tom Epperson
LV: Robert B. Parker: Night Passage, 1997 (Das dunkle Paradies)
Der zweite Jesse-Stone-Film erzählt die Vorgeschichte: in ihr tritt Jesse Stone seinen Job in Paradise an und muss zuerst den Kleinstadtsumpf ausmisten. Denn – Überraschung! – Stone hat den Job nur wegen seines Lebenslaufs (und dem Fazit: kaputter Verlierer) bekommen.
Im Buch endet die Ankunft von Jesse Stone in Paradise in einem Western-Showdown. Im Film ist es etwas weniger dramatisch. Aber auch der zweite Jesse-Stone-Film ist gute altmodische Unterhaltung, bei der die Charaktere im Mittelpunkt stehen.
„No fools over at CBS, the net quickly followed one of last year’s best TV movies, „Stone Cold,“ with this equally first-rate prequel.” (Variety)
Mit Tom Selleck, Stephanie March, Stephen Baldwin, Saul Rubinek, Viola Davis, Kohl Sudduth
Catch me if you can (USA 2002, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeff Nathanson
LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)
Spielberg erzählt die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)
Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner
Drehbuch: J.S. Cardone (nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake und einer Geschichte von Carolyn Starin, Brian Garfield und Donald E. Westlake)
Von der Kritik gehasstes Remake von Joseph Rubens kleinem, Edgar-nominierten Klassikers „Kill, Daddy, Kill“ (The Stepfather, USA 1986), der die wahre Geschichte von John List verarbeitete. In dem Film ist List besessen von seinem Traum von einer glücklichen Familie. Wenn die anderen Familienmitglieder sich seinen Wünschen nicht mehr beugen, bringt er sie um und macht sich auf zur nächsten Traumfamilie. Aber dieses Mal misstraut die Tochter (im Original)/der Sohn (im Remake) dem Stiefvater.
Bei „Rotten Tomatoes“ kommt der Film auf 11 %, bei „Metacritic“ auf ebenfalls ziemlich enttäuschende 33 % und alle sind sich einig, dass das Original besser ist.
Epix veröffentlicht das Original am 8. Januar 2010 als „The Stepfather – Kill, Daddy, Kill“ auf DVD.
mit Dylan Walsh, Sela Ward, Penn Badgley, Amber Heard, Braeden Lemasters
Einen ganzen Tag lang gibt’s mehr oder weniger gute Pop- und Rockmusik. Los geht’s mit Jan Delay. Weiter geht’s mit Fleetwood Mac, Tom Petty, Eric Clapton und Steve Winwood, den Söhnen Mannheims, Peter Fox, Tina Turner (50th Anniversary Concert Tour), Neil Diamond (Hot August Night, Ausgabe 2008), Stevie Wonder, Pink, The Killers, Green Day und Oasis.
Pat Garrett jagt Billy the Kid (USA 1973, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Rudolph Wurlitzer
Der Titel verrät die Story – und das Ende kennen wir aus den Geschichtsbüchern.
Grandioser Abgesang auf den Wilden Westen und das Ende der sechziger Jahre. Es wird, wie üblich, die rekonstruierte Langfassung gezeigt (in der leider die grandiose Sterbeszene am Fluss mit Dylans Knockin´ on heavens door fehlt). MGM brachte damals nur eine gekürzte Fassung in die Kinos.
„Der Film hat eine Trägheit und einen elegischen Ton, in denen man versinken kann. Was kommen wird, ist so klar, dass er immer wieder innehalten, abweichen, verzögern kann. Die Szenen müssen nicht ineinander greifen, es gibt abrupte Wechsel, und im Grunde ist es ein Film übers Herumhängen im Grenzgebiet, in runtergekommenen Häusern, provisorischen Quartieren. Es gibt eine ausgeprägte Vorliebe für Abend- und Morgendämmerung, für das Nachmittagslicht im amerikanischen Südwesten, und mittendrin gerät man immer wieder in kurze Sequenzen von einer tranceartigen Schönheit.“ (Peter Körte in Filmgenres: Western, Reclam 2003)
Mit Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan (auch Musik), Jason Robarts Jr., Richard Jaeckel, Katy Jurado, Slim Pickens, John Beck, Rita Coolidge, R. G. Armstrong, Jack Elam, L. Q. Jones, Harry Dean Stanton, Rudolph Wurlitzer, Sam Peckinpah (spielt Will, den Sargmacher), Elisha Cook Jr.
Hinweise
Wikipedia über „Pat Garrett jagt Billy the Kid (deutsch, englisch)
LV: Richard Rostand (Robert Hopkins): Monkey in the middle, 1973
Die Freunde Locken und Hansen arbeiten für COMTEG, eine Personenschutzgesellschaft, die an den schmutzigen Fronten des Kalten Krieges kämpft. Nach einem Auftrag verrät Hansen Locken und schießt ihn zum Krüppel. Locken sinnt jetzt auf Rache. Die Gelegenheit kommt, während er einen japanischen Politiker beschützt.
Ein als Agenten-Thriller getarnter harter Thriller über Freundschaft und Verrat.
Der Film „zerfällt in zwei sorgfältig voneinander getrennte Hälften…Bis zum Tod Hansens bleibt alles im Rahmen eines konventionellen Thrillers, die zweite Hälfte des Films wird zum definitiven Beleg der These, dass Peckinpah jeden Stoff mit seinen immergleichen Themen und Obsessionen veredelte. Er konnte keine Nebenwerke und Auftragsarbeiten abliefern, und auch ein Projekt, wie dieses, das er sich nicht selbst ausgesucht hatte, formte er zum Nachweis seiner unverwechselbaren Identität als Autorenregisseur um.“ (Frank Arnold/Ulrich von Berg: Sam Peckinpah). Das heißt: „Unter dem Deckmäntelchen eines Genrefilms von der Stange ist ‚The Killer Elite’ ein ambitioniertes und persönliches Bekenntnis zur Selbstanalyse und zur Lernbereitschaft, auch eine weitere Abhandlung des Themas Rache und ihrer Bezwingung, aber ein ungebrochen optimistischer Film ist er nicht.“ (ebenda)
Mit James Caan, Robert Duvall, Arthur Hill, Bo Hopkins, Mako, Burt Young
Die breite Öffentlichkeit denkt bei Sam Peckinpah immer noch zuerst an Gewalt. In „Straw Dogs“ kämpft ein junges amerikanisches Intellektuellenpaar gegen rückständige englische Dorfbewohner. Der Stein des Anstoßes war, neben dem gewalttätigem Ende, in vielen Ländern die für den Film zentrale Vergewaltigung der Ehefrau. Auch in Deutschland stand der Film deshalb von 1983 bis 2007 auf dem Index. In „Getaway“ schießt ein Gangsterpaar sich den Weg frei und in „The Wild Bunch“ sterben die Verbrecher in einem wahren Blutrausch. Das Ende ist auch heute, auf dem kleinen Bildschirm, immer noch überwältigend. Vor vierzig Jahren muss es für das damalige Publikum ein schockierender Alptraum gewesen sein.
Peckinpahs andere Filme, wie seine sehr persönlichen Filme „The Ballad of Cable Hogue“ und „Junior Bonner“, sind dagegen viel unbekannter und auch die stillen Momente in seinen Spielfilmen (von denen es viele gibt) wurden zunächst kaum beachtet. So ist auch in „The Wild Bunch“ die Gewalt in den ersten und letzten Minuten des Films nur die Klammer für die vielen ruhigen Szenen, in denen wir Pike Bishop und seine Jungs kennen und auch irgendwie lieben lernen. Aus den Desperados werden Menschen, die wissen, dass ihre Zeit vorüber ist. Denn im Gegensatz zu ihrem Verfolger, ihrem alten Gefährten Deke Thornton, wollen sie sich nicht anpassen.
Bishop und seine Gefährten sind typische Peckinpah-Charaktere. Es sind Westerner, deren Werte nicht mehr in die moderne Gesellschaft passen. Sie sind Individualisten, die ihrem eigenen moralischen Kompass folgen. Sie wissen das, aber sie sind auch unfähig Kompromisse einzugehen. Lieber sterben sie.
Oder, wie Sam Peckinpah in „Ride the High Country“ einem Charakter einen Satz seines Vaters in den Mund legte: „All I want is to enter my house justified.“ In der deutschen Synchronisation wurde daraus: „Alles was ich will, ist, dass ich als rechtschaffener Mensch diese Welt wieder verlasse.“
Außerdem behandelt Peckinpah immer wieder den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen. Oft ist es der alte Wilde Westen gegen die moderne Industriegesellschaft. Deshalb spielen seine Western zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Seltener der Norden (vulgo die USA) gegen den Süden (vulgo Mexiko). Einmal kehrt Peckinpah sein normales Wertesystem um. In „Straw Dogs“ müssen linksliberale Intellektuelle gegen rückständige Dorfbewohner kämpfen und der von Dustin Hoffman gespielte linkische Ehemann verteidigt sich am Ende äußert gewalttätig.
Schon zu Lebzeiten und heute noch immer bewundern ihn viele Kollegen, Kritiker und Kinogänger. Allein schon die zahlreichen, vor allem in den USA, nach seinem Tod erschienenen und nicht ins Deutsche übersetze Bücher, verraten einiges über seinen Einfluss.
Auch Mike Siegel ist ein Peckinpah-Fan. Der Sindelfinger war als Teenager von „Convoy“ und „Steiner“ begeistert, wollte mehr über den Macher wissen und baute in den vergangenen Jahren ein großes Peckinpah-Archiv auf. Er veröffentlichte das reich bebilderte und sehr informative Buch „Passion & Poetry: Sam Peckinpah in Pictures“ (nur noch antiquarisch, aber die Suche lohnt sich). Bereits in dem Buch wies er einige Male auf die von ihm gedrehte Dokumentation „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ hin. Denn die meisten Interviews waren damals bereits gedreht und er war gerade beim Schneiden. Aber dann verzögerte sich alles. Siegel übernahm verschiedene Aufträge, wie das schon erwähnte Peckinpah-Buch und Featurettes für Peckinpah-DVDs. In den vergangenen Jahren wurde der Film auf mehreren Festivals gezeigt, aber kein TV-Sender wollte ihn kaufen. Auch Arte machte in letzter Minute einen Rückzieher.
Jetzt brachte Mike Siegel den Film, mit etwas Geld von der Filmförderung Baden-Württemberg, auf DVD heraus und das Warten hat sich gelohnt. Denn, wie Siegel in seinen informativen Audiokommentaren sagt, wollte er jetzt einfach möglichst viel von seinem Peckinpah-Material veröffentlichen. Deshalb gibt es neben der zweistündigen Dokumentation „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ auch die ebenfalls gut zweistündige, dreiteilige Dokumentation „Stories on a Storyteller“, weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Ernest Borgnine (der in seinem Redefluss kaum zu bremsen war), ein Featurette über die Hacienda Cienega Del Carmen (dort entstand die legendäre Schlusssequenz von „The Wild Bunch“) und „Mike’s Home Movies“. Das sind einige Impressionen von Ausstellungen über Peckinpah und Präsentationen von „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ auf verschiedenen Festivals. Bis auf „Mike’s Home Movies“, einer kurzen Mischung aus B-Roll und filmischem Tagebuch, sind die anderen Bonusfilme eine absolut wichtige und sehenswerte Ergänzung zu dem Hauptfilm. Die „Stories on a Storyteller“ ist eine weitere eigenständige Dokumentation über Peckinpah, die auch gut als Hauptfilm hätte fungieren können.
Der Hauptfilm „Passion & Poetry“ folgt dem Leben von Sam Peckinpah: chronologisch werden seine Jugend, seine Zeit beim Militär, die ersten TV-Arbeiten in Hollywood und seine Spielfilme abgehandelt. Die Chronologie wird durch Einschübe über Peckinpahs Frauen und seine Alkohol- und Kokainsucht unterbrochen. Die Geschichte seines Lebens wird erzählt von Peckinpah-Vertrauten, wozu vor allem seine Schwester Fern Lea Peter (die hier erstmals vor der Kamera über Sam sprach), seine Tochter Lupita, langjährigen Mitarbeitern, wie Katy Haber, Chalo González, Gordon Dawson und Dan Melnick, Schauspielern, die teilweise in mehreren seiner Filme auftraten, wie Ernest Borgnine, James Coburn, Kris Kristofferson, Bo Hopkins, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, David Warner, Vadim Glowna, Ali MacGraw und Senta Berger, und Peckinpah-Biographen, wie David Weddle, zählen. Ergänzt werden die neuen Interviews von einigen längeren Interviews, die Sam Peckinpah noch zu Lebzeiten gab. Illustriert werden die Geschichten von Fotografien, ganz wenigen Filmausschnitten und Trailern zu seinen Filmen. Wie Siegel in dem Audiokommentar erzählt, musste er auf die Trailer ausweichen, weil er nicht genug Geld hatte, um die Rechte an speziellen Filmausschnitte zu erwerben.
Umrahmt wird Peckinpahs Biographe von Bildern der Hacienda Cienega Del Carmen und längeren Behind-the-Scenes-Aufnahmen von seiner letzten Regiearbeit: einem Musikvideo für Julian Lennon. Sie zeigen einen alten Mann – obwohl Peckinpah damals noch keine Sechzig war. Das Video entstand im Sommer 1984. Am 28. Dezember 1984 starb er.
„Passion & Poetry“ ist kein Peckinpah-kritischer Film oder eine quasi-wissenschaftliche Werkanalyse. Es ist eine sehr informative Biographie, die vor allem eine Liebeserklärung an den Regisseur ist. Sie lebt von den Erinnerungen seiner Freunde und Mike Siegel lässt sie sehr ausführlich zu Wort kommen. Das driftet öfters ins Anekdotische ab, ist aber immer interessant. Denn Mike Siegel gelingt es, ein ganzes Leben in knapp zwei Stunden zu erzählen. Und die Dokus „Passion & Poetry“ und „Stories on a Storyteller“ (denn alles was ich über „Passion & Poetry“ geschrieben habe, gilt auch für „Stories on a Storyteller“) laden zum wiederholten Ansehen der Filme von Sam Peckinpah ein.
Mike Siegel nahm auch einen deutschen und einen englischen Audiokommentar auf, die sich vom Inhalt kaum unterscheiden. In beiden erzählt er, wie er zum Peckinpah-Fan wurde, von den Dreharbeiten und warum es so lange dauerte, bis der Film endlich auch außerhalb von Filmfestivals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird. Denn der Hauptdreh war im Winter 2002. Damit sind sie ein interessanter Einblick in die Welt des unabhängigen Filmemachens.
Aber auch nach dieser sehr umfangreichen Doppel-DVD kommt Mike Siegel von Sam Peckinpah nicht los. Als nächstes plant er eine Dokumentation über Peckinpahs Kriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“, die dann als Bonusmaterial auf einer werkgetreuen DVD erscheinen soll.
Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah
(D 2005)
Regie: Mike Siegel
Drehbuch: Mike Siegel
mit Ernest Borgnine, James Coburn, Kris Kristofferson, Ali MacGraw, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, Bo Hopkins, David Warner, Senta Berger, Vadim Glowna, Mario Adorf, Gordon T. Dawson, Roger Fritz, Chalo González, Katherine Haber, Martin Lewis, Dan Melnick, Lupita Peckinpah, Fern Lea Peter, Garner Simmons, Isela Vega, David Weddle, Monte Hellman (Erzähler), Sam Peckinpah (Archivaufnahmen)
Bonusmaterial: Audiokommentar (deutsch, englisch), Stories of a Storyteller (3-teilige Dokumentation mit zusätzlichen Interviews: The Westerner [29 Minuten], Art & Success [36 Minuten], Poet on the Loose [38 Minuten]), Mapache Territory (15 Minuten), Ernest Borgnine on The Wild Bunch (15 Minuten), Mike’s Home Movies (15 Minuten), Booklet, Wendecover
FSK: ab 12 Jahre
–
Außerdem
Mike Siegel: Passion & Poetry – Sam Peckinpah in Pictures
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2003
576 Seiten
(nur noch antiquarisch)
–
Die Spielfilme von Sam Peckinpah
Gefährten des Todes (The deadly Companions, USA 1961, Drehbuch: Albert Sidney Fleischman)