Drehbuch: N. B. Stone, Jr. (ungenannt: William S. Roberts, Sam Peckinpah)
Sacramento, um 1900: Drei Männer, von denen zwei ihre besten Jahre bereits hinter sich haben, sollen aus einer in den Bergen gelegenen Goldgräberstadt Gold abholen und ins Tal zur Bank bringen. Bald haben sie mehr Ärger an der Hacke als sie verdauen können.
Bereits bei Peckinpahs zweitem Spielfilm, der den Beginn des Spätwesterns markierte, sind alle seine Themen vorhanden. Und die ständigen Probleme mit dem Studio. „Die MGM sah in ´Ride the High Country´ einen billigen, schnell heruntergedrehten Film, gerade gut genug, im Sommer ein Doppel-Film-Programm voll zu machen. Wenn ich versucht hätte, ihnen zu sagen, um was es in dem Film wirklich geht, nämlich um Einsamkeit und Erlösung, dann hätten sie mich auf der Stelle rausgeschmissen. Sie hassten ohnehin, was ich da drehte, und sie haben mich herausgeworfen, bevor ich mit dem Schneiden, dem Synchronisieren und der Musik fertig wurde.“ (Peckinpah im Playboy-Interview)
Mit Randolph Scott, Joel McCrea, Ronald Starr, Mariette Hartley, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, Warren Oates
Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.
Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.
Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins
ARD, 01.35
Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia (USA 1974, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Gordon Dawson, Sam Peckinpah (nach einer Story von Frank Kowalski und Sam Peckinpah)
Der mehr als abgehalfterte Barpianist Benjamin wittert seine große Chance. Denn auf den Kopf von Alfredo Garcia ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Und Benjamin weiß, wo Alfredos Kopf ist.
„Wie eine klassische griechische Tragödie rollt das Filmdrama vor dem Zuschauer ab, mit allen Momenten und Zutaten des klassischen Genres. In einem hermetisch geschlossenen Zirkel, aus dem es keinen Ausweg gibt, zeugt Gewalt fortzeugend Gewalt…Dennoch wird man sagen dürfen, dass – sicher im Gegensatz zu unendlich vielen anderen Action-Filmen – hier die Gewalt in einem eindeutig kritischen, und zwar politisch-kritischen Rahmen dargestellt und präsentiert wird. Peckinpah zeigt einen Staat, in dem statt der Gesetze das Recht des Stärkeren regiert, statt des Rechtes die Faust, statt der Pistole die Maschinenpistole.“ (Film-Dienst)
Mit Warren Oates, Isela Vega, Gig Young, Kris Kristofferson
A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm (USA 2006, R.: Richard Linklater)
Drehbuch: Richard Linklater
LV: Philip K. Dick: A Scanner Darkly, 1977 (Der dunkle Schirm)
USA, demnächst: Die Regierung führt einen gnadenlosen Krieg gegen Drogen. Polizist Bob Arctor soll in einem Undercover-Einsatz einen wichtigen Drogenhändler schnappen. Dummerweise wird er selbst süchtig und er weiß immer weniger, wer er ist und wem er vertrauen kann. Irgendwann glaubt er sogar, dass er sich selbst jagt.
TV-Premiere einer tollen Dick-Verfilmung, die bei uns ihre Premiere auf DVD erleben musste. Und das trotz der guten Besetzung.
Linklater verwandete für den Film die Rotoscoping-Technik, d. h. zuerst drehte er die Szenen ganz normal, anschließend übermalte er sie am Computer. Jetzt sieht “A Scanner Darkly” wie ein Trickfilm aus und natürlich wird so auch die zunehmende Identitätskrise des Helden und die allumfassende Paranoia visualisiert. Bei Dick war es die Paranoia der Siebziger; bei Linklater ist es die Post-9/11-Paranoia.
“A Scanner Darkly” war für einen Hugo als bester SF-Film des Jahres nominiert.
mit Keanu Reeves, Rory Cochrane, Robert Downey jr., Winona Ryder, Woody Harrelson, Melody Chase
Drehbuch: Julian Mitchell, Stanley Price, Pierre Marton (Pseudonym von Peter Stone)
LV: Alex Gordon (auch Gordon Cotler): The Cipher, 1961
Oxford-Professor Pollock soll eine hethitische Inschrift entziffern. Er weiß nicht, dass er danach umgebracht werden soll.
Schwungvolle Agenten-Komödie in einem verschwenderischen Dekor, z. B. trägt Sophia Loren nur Kleider von Dior. Ist einer der besten nicht von Hitchcock inszenierten Hitchcock-Filme – und eine prall gefüllte Wundertüte an Intrigen und Gegenintrigen.
Gordons Buch war 1962 als bestes Debüt für den Edgar nominiert.
Lichter der Großstadt (USA 1931, R.: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin, Harry Clive (ungenannt), Harry Crocker (ungenannt)
Tramp Charlie verliebt sich in ein blindes Blumenmädchen. Um ihr eine Augenoperation zu ermöglichen, muss er Geld verdienen. Das ist allerdings nicht so einfach.
Ein weiterer, schon lange nicht mehr gezeigter Charlie-Chaplin-Klassiker.
„Wie alle großen Komödien Chaplins enthält ‚City Lights‘ sowohl slapstickhafte als auch romantische, sentimentale, und melancholische Elemente. Doch kaum ein anderer seiner Filme zerfällt so deutlich in einen burlesken und einen romantischen Handlungsstrang. (…) Was dem Film, abgesehen von den thematischen Berührungspunkten zwischen den beiden Parallelhandlungen, formale Geschlossenheit verleiht, ist die spielerische Leichtigkeit und das exakte Timing der Inszenierung. Chaplin selbst wies darauf hin, dass ‚City Lights‘ mehr als seine anderen Filme den Charakter eines Tanzes oder Balletts besitzt.“ (Lars Heiler in Heinz-B. Heller/Matthias Steinle, Hrsg.): Filmgenres Komödie, 2005)
mit Charlie Chaplin, Virginia Cherrill, Florence Lee, Harry Myers, Allan Garcia
Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“
Und das, mal wieder, als Vorbereitung für den heiligen Abend. Teil 2 und 3 folgen an den kommenden Tagen.
Mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson, Paul Gleason, William Atherton, Robert Davi
Drehbuch: Guillermo Arriaga (nach einer Idee von Guillermo Arriaga und Alejandro González Iñárritu)
In ihrem dritten gemeinsamen Spielfilm (nach „Amores Perros“ und „21 Gramm“) verschränken Iñárritu und Arriaga wieder mehrere Geschichten miteinander. Dieses Mal erzählen sie die Geschichte eines amerikanischen Touristenpärchens in Marokko, deren Haushälterin in San Diego und einer Teenagerin in Tokio. Auch wenn die Verbindung zwischen den Geschichten etwas gewollt ist (ich sage nur Gewehr) und der Film mit 135 Minuten Laufzeit ziemlich lang ist, hat er mir im Kino gut gefallen.
„Babel“ gewann, nach der IMDB, 28 Filmpreise und war für 75 weitere Preise nominiert. Er war, unter anderem, für den Oscar und BAFTA als bester Film des Jahres nominiert und erhielt in dieser Kategorie einen Golden Globe. In Cannes gewann er drei Preise (unter anderem für die Regie) und Arriagas Drehbuch hat es auf ungefähr jede wichtige Preisliste geschafft.
Mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Rinko Kikuchi, Elle Fanning, Gael García Bernal, Adriana Barraza
Tramp Charlie muss in einer Fabrik am Fließband arbeiten. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle landet er sogar im Gefängnis.
Chaplins Kommentar zur Industriegesellschaft und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise ist heute wieder brennend aktuell. Ein Klassiker der Komödie ist der Stummflim „Moderne Zeiten“ sowieso schon lange.
mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Chester Conklin
Charlie Chaplin starb am 25. Dezember 1977. Für unseren liebsten Kultursender ist das der Anlass für den Themenabend „Charlie, der ewige Tramp“ und die Ausstrahlung einiger, teils lange nicht mehr gezeigter Chaplin-Klassiker.
Arte, 20.15
Der große Diktator (USA 1940, R.: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin
Grandiose Satire über Adolf Hitler: ein jüdischer Friseur und der Diktator Hynkel sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Wer den Film noch nicht gesehen hat,…
Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie,
Wiederholungen
Mittwoch, 23. Dezember, 15.15 Uhr (VPS 15.14)
Donnerstag, 31. Dezember, 15.35 Uhr
Montag, 11. Januar 2010, 14.45 Uhr
–
Arte, 22.25 (VPS 22.20)
Charlie – Leben und Werk von Charles Chaplin (USA 2003, R.: Richard Schickel)
Drehbuch: Richard Schickel
Zweistündige Doku über Charles Chaplin, mit Interviews und exclusivem Material.
Mit Charlie Chaplin, Geraldine Chaplin, Michael Chaplin, Sydney Chaplin, Johnny Depp, Woody Allen, Milos Forman, Claire Bloom, Martin Scorsese, Norman Lloyd, Jeffrey Vance
Wiederholung: Freitag, 1. Januar 2010, 00.25 Uhr (Taggenau! – Abschluss eines Charlie-Chaplin-Tages bei Arte)
Meine letzten TV-Krimi-Buch-Tipps für dieses Jahr sind, wegen der Feiertage, ein ziemlich fettes Teil geworden und Alligator-Alfred hat auch wieder viele schöne Bilder gefunden:
Über 1500 Filme sollen in den nächsten Tagen im TV laufen. Ich habe sie nicht nachgezählt, aber es sind gefühlte 1492 Wiederholungen. Keine Wiederholung ist Richard Linklaters grandiose Philip-K.-Dick-Verfilmung „A Scanner Darkly“.
Außerdem sehenswert sind die vielen Hitchcock-Filme – „Frenzy“, „Die Vögel“, „Vertigo“, „Fenster zum Hof“, „Der Mann, der zuviel wusste“, „Immer Ärger mit Harry“ – und die spielfilmlange Doku „Hitchcock – Der Schatten eines Genies“. Zum 25. Todestag von Sam Peckinpah (28. Dezember 1984) gibt es seine Jim-Thompson-Verfilmung „Getaway“, „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“, „Sacramento“, „Die Killer-Elite“ und „Pat Garrett jagt Billy the Kid“.
Bleiben wir einen Moment im Wilden Westen: George Stevens Jack-Schaefer-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“ und Don Siegels Glendon Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ sind immer wieder sehenswert.
Moderner wird’s mit Sam Mendes‘ Max-Allan-Collins-Verfilmung „Road to Perdition“, Francis Ford Coppolas „Cotton Club“, Frank Millers und Robert Rodriguez „Sin City“ (nach Millers Comics), Steven Spielbergs Frank-Abagnale-Verfilmung „Catch me if you can“ und mit Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco „Der Name der Rose“ landen wir im Mittelalter.
Humphrey Bogart will einige Male „Haben und Nichthaben“ und erlebt „Die wilden Zwanziger“. Bruce Willis feiert dreimal Weihnachten (jaja, den dritten Heiligabend verlegte er in den Sommer).
LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)
Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.
Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“
Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)
Jack the Ripper ist nicht zu fassen (GB 2008, R.: S. J. Clarkson)
Drehbuch: Ben Court, Caroline Ip
Detective Inspektor Chandler glaubt, dass im heutigen Whitechapel ein Mörder die Taten von Jack the Ripper nachahmt.
Dreiteilige britische Serie, die Arte heute komplett ausstrahlt.
Ein großartiges Volk, diese Briten. Da ist die Polizei 1888 zu dusselig einen Mörder zu fangen und ein noch heute viele Menschen ernährender Mythos wird geboren. Auch „Jack the Ripper ist nicht zu fassen“ war so erfolgreich, dass der Nachfolger „Whitechapel II“ bereits Anfang 2010 gedreht werden soll. Dann wird es um die Taten der Kray-Brüder gehen.
mit Rupert Penry-Jones, Philip Davis, Steve Pemberton
Wiederholung: Sonntag, 3. Januar 2011, 00.05 Uhr (Taggenau!)
Johnny Cash at Folsom Prison (USA 2008, R.: Bestor Cram)
Drehbuch: Michael Streissguth
Anfang 1968 war Johnny Cash am Ende. Er hatte gerade einen Entzug hinter sich und niemand wollte ihn hören. Also erklärte er sich bereit, am 13. Januar 1968 vormittags in einem kalifornischem Hochsicherheitsgefängnis aufzutreten. Die beiden Auftritte wurde aufgenommen und als „At Folsom Prison“ (teilweise) veröffentlicht. Die LP wurde ein Bestseller.
Die spielfilmlange Doku zeichnet die Hintergründe und Auswirkungen des Auftritts nach.
Mord an einem chinesischen Buchmacher (USA 1976, R.: John Cassavetes)
Drehbuch: John Cassavetes
LA-Clubbesitzer Cosmo Vitelli hat Geldsorgen. Da sagt ihm die Mafia, er könne sich mit einem Mord an einem Buchmacher seiner Probleme entledigen.
Ein Noir von Cassavetes
„Auch das New-Hollywood-Kino hat geglaubt, innerhalb des Systems unabhängig werden zu können. ‚The Killing of a Chinese Bookie‘ handelt von der Niederlage dieses Glaubens.“ (Christian Petzold in Norbert Grob, Hrsg.: Filmgenres – Film noir, 2008)
Mit angekündigten 130 Minuten Spielzeit wird die 135-minütige Originalfassung gezeigt. Cassavetes selbst erstellte nach vernichtenden Kritiken und Publikumsreaktionen kürzere Versionen und, je nach Angabe, lief auch in den deutschen Kinos eine 112-minütige Version. Die kürzeren Versionen konzentrieren sich stärker auf den Plot.
mit Ben Gazzara, Timothy Agoglia Carey, Seymour Cassel, Robert Phillips,
Hinweise
Wikipedia über „Mord an einem chinesischen Buchmacher“ (deutsch, englisch)
Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow
Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.
Auch die neueste Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf gehört zu den TV-Höhepunkten des Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.
„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)
Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg
Eine Frau unter Einfluß (USA 1974, R.: John Cassavetes)
Drehbuch: John Cassavetes
Seit zehn Jahren ist Mabel die aufopferungsvolle Haus- und Ehefrau. Ihr Ehemann Nick ist der Vorarbeiter eine städtischen Bautrupps und sie führen eine scheinbar perfekte Ehe. Denn in letzter Zeit verhält Mabel sich immer seltsamer.
Ein weiterer Klassiker des Independent-Kinos, bei dem die Schauspieler mit ihren Rollen verschmolzen (und umgekehrt) und sie viele Szenen in langen Einstellungen durchspielen konnten.
„Für mich ist ‚A Woman under the Influence‘ immer noch ein sehr optimistischer Film. Aber ich weiß – wo wie ich das Leben kenne, was sich vielleicht von dem anderer Leute unterscheidet -: zwei Leute, die zusammenleben, sind ständig an dieser Beziehung interessiert. Ob sie sie hassen oder nicht. Sie sind besessen von dieser Beziehung, ob sie gut oder schlecht ist. (…) Und ich denke, besonders ‚A Woman under the Influence‘ ist ein Fall, wo zwei Leute einfach kein Konzept dafür haben, wie sie mit ihrem Gefühl füreinander umgehen sollen. Ich finde vieles davon witzig und vieles das berührt, aber nicht deprimiert.“ (John Cassavetes in einem Interview mit Christa Maerker in „John Cassavetes, Hanser Reihe Film 29“, 1983)
Die Produktion gestaltete sich schwierig. Cassavetes nahm eine Hypothek auf sein Haus auf und Freunde gaben ihm Geld. Der Verleih ebenso. Die New Yorker Kritiker hassten den Film. Damit standen die Zeichen für einen Flop gut, aber beim Publikum traf er einen Nerv. Variety nahm „Eine Frau unter Einfluß“ in die Liste der fünfzig „Top Grossing Films of the Week“ auf. Ein halbes Jahr nach seiner Uraufführung beliefen sich die Einnahmen auf 15 Millionen Dollar (wir reden von den Siebzigern und einem Film, der nichts für vergnügungssüchtige Teenager ist).
Gena Rowlands erhielt einen Golden Globe für ihre Leistung und war, unter anderem, für einen Oscar nominert. John Cassavetes war für einen Oscar und einen Golden Globe als bester Regisseur nominiert. Sein Drehbuch war für einen Golden Globe und von der Writers Guild of America als bestes Drehbuch nominiert. Oh, und der Film war für einen Golden Globe als bester Film nominiert (In dem Jahr war „Chinatown“ der große Gewinner.).
mit Peter Falk, Gena Rowlands, Matthew Cassel, Fred Draper
Der Sohn des britischen Geheimagenten Tarrant wird entführt. Tarrants Vorgesetzten scheinen kein Interesse an einer Befreiung zu haben. Also kämpft Tarrant allein um das Leben seines Sohnes.
Ein Spätwerk von Don Siegel: ein harter, eiskalter Agententhriller, der seine Story konzentriert und ohne Mätzchen geradlinig erzählt.
„‚The black Windmill‘ ist kein bedeutendes Werk in Siegel Karriere, aber etwas, das es heute kaum noch gibt: ein mit Konzentration und Originalität erzählter Genrefilm.“ (Marcus Stiglegger in Frank Arnold/Michael Esser, Hrsg.: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme, 2003)
Mit Michael Caine, Donald Pleasence, John Vernon, Delphine Seyrig
Jesse Stone – Eiskalt (USA 2005, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: John Fasano, Michael Brandman
LV: Robert B. Parker: Stone Cold, 2003
Das Städtchen Paradise hat zwei neue Einwohner: die Lincolns. Sie sind Serienkiller und der Polizeichef von Paradise, Jesse Stone, beginnt sie zu jagen.
Neben der erfolgreichen Spenser-Serie und der unter Fans gehassten Sunny-Randall-Serie schreibt Robert B. Parker auch die Jesse-Stone-Romane. In ihnen ist ein geschiedener L.-A.-Cop mit einem Alkoholproblem, der in der Kleinstadt Paradise bei Boston zur Ruhe kommen will, der Held. Gerade die ersten Romane waren düsterer als von Robert B. Parker gewohnt und sorgfältiger konstruiert als die Spenser-Romane, die von Parker teilweise per Autopilot geschrieben werden.
„Stone Cold“ ist der vierte Jesse-Stone-Roman, aber die erste Jesse-Stone-Verfilmung. Der Film wurde positiv aufgenommen und bis jetzt wurden vier weitere Jesse-Stone-Filme im US-TV ausgestrahlt. Der sechste Film „No Remorse“ wird gerade produziert.
„Eiskalt“ ist ein ruhiger Krimi mit vielen Robert-B.-Parker-Dialogen, die von den Schauspielern auch entsprechend lässig präsentiert werden. Angenehm altmodische Unterhaltung, bei der die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander im Mittelpunkt stehen.
Mit Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers, Mimi Rogers
1972 will eine junge, ehrgeizige Journalistin herausfinden, was 1957 in einem Hotelzimmer geschah. Damals wurde die Leiche einer Studentin in der Suite der erfolgreichen Entertainer Lanny Morris und Vince Collins gefunden. Die Todesursache wurde nie geklärt, aber die Freundschaft der beiden Entertainer zerbrach.
Eleganter Neo-Noir von Kritikerliebling Atom Egoyan.
„Die retrospektiv erzählte Mischung aus Film noir und 1950er-Jahre-Melodram ist als faszinierendes Spiel mit Chiffren und Symbolen konzipiert, das, inszenatorisch perfekt, auf höchst vergnügliche Weise den Widerspruch zwischen Schein und Sein demonstriert.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Kevin Bacon, Colin Firth, Alison Lohman, Rachel Blancard
Der menschliche Faktor (GB/USA 1979, R.: Otto Preminger)
Drehbuch: Tom Stoppard
LV: Graham Greene: The human factor, 1978 (Der menschliche Faktor)
Ein Beamter der britischen Spionageabwehr, der zum Doppelagenten wurde, wird zum Spielball der Geheimdienste.
Der letzte Spielfilm von Otto Preminger ist, trotz der prominenten Besetzung, ein fast unbekanntes Werk. Anscheinend gingen hier chaotische Finanzierung und schlechter Verleih Hand in Hand.
“Eine Agentengeschichte als Parabel auf die Gefährdung menschlicher Bindungen, auf den Widerspruch zwischen Politik und Gefühl. Otto Preminger verzichtet in seinem letzten Spielfilm auf Klischees und vordergründige Action, konzentriert sich statt dessen auf die geruhsame und differenzierte Entfaltung von Charakterporträts.” (Lexikon des internationalen Films)
mit Nicol Williamson, Iman, Robert Morley, Richard Attenborough, John Gielgud