LV: Ernest Tidyman: Shaft, 1970 (Shaft, Shaft und das Drogenkartell)
Musik: Isaac Hayes
Privatdetektiv Shaft sorgt in seinem Revier für Gerechtigkeit – und erfreut nebenbei mit seinen Körpersäften die Herzen der Frauen.
Damals war der Film ein Kassenknüller, heute ist er Kult. Dazu trug nicht unerheblich Isaac Hayes‘ cooler Soundtrack bei, der Shaft bei seinen Streifzügen durch das urbane New York begleitete. Politisch ist er nicht. Gordon Parks sagt: „Es ist ein Filmvergnügen für den Samstagabend, das Leute besuchen, die den schwarzen Helden gewinnen sehen wollen.“
An einem Freitag um halb zwölf (D 1960, R.: Alvin Rakoff)
Drehbuch: Frank Harvey
LV: James Hadley Chase: The world in my pocket, 1959 (An einem Freitag um halb zwölf)
Der Geldtransporter mit den Lohngeldern ist nicht zu knacken. Also plant Frank Morgan gleich den Diebstahl des Transporters.
Selten gezeigtes, aber sehenswertes Caper-Movie. „Herkömmlich, aber so spannend wie möglich inszenierter Kriminalfilm.“ (Lexikon des internationalen Films)
„While this effective film may ostensibly be a thriller about the robbery of an armored vehicle, considerable black comedy ensnares the action in many places.” (All Movie Guide)
Mit Nadja Tiller, Rod Steiger, Peter van Eyck, Jean Servais, Ian Bannen, Marisa Merlini
LV: Robert Daley: Tainted Evidence, 1993 (Nacht über Manhattan)
Der junge Staatsanwalt Casey möchte seinen Vater verteidigen. Nur ist der Vater nicht so unschuldig, wie sein Sohn annimmt.
Lumet inszenierte eine makellose Mischung aus Polizeifilm, Gerichtsdrama und Thriller.
Der Fischer Film Almanach schrieb zutreffend: „Großes Kino alter Schule: Perfekte Inszenierung, psychologisch ausgefeilte Szenen, die das Ringen der Personen transparent machen, eine adäquat karge Ausstattung, exzellente Darsteller und die Musik von Mark Isham fesseln bis zur letzten Minute.“
Mit Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, Ron Leibman, James Gandolfini
Amores Perros – Von Hunden und Menschen (Mexiko 2000, R.: Alejandro González Iñárritu)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Bereits die erste Zusammenarbeit von Iñárritu und Arriaga ist, wie ihre späteren gemeinsamen Werke (21 Gramm, Babel), ein verschachtelter Episodenfilm, dessen Geschichten nicht chronologisch erzählt werden. In „Amores Perros“ führt ein Autounfall in Mexico City einen Auftragskiller, einen erfolgreichen Verleger, ein Top-Modell und einen Mann, der mit Hundekämpfen sein Geld verdient, zusammen.
Mit Emilio Echevarria, Gael Garcia Bernal, Goya Toledo
In den ersten Minuten von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ bahnen die beiden Profikiller Charlie (Lee Marvin) und Lee (Clu Gulager), wie zwei Terminatoren, sich ihren Weg durch eine Blindenschule zu ihrem Opfer und erschießen es kaltblütig vor mehreren Zeugen. Später, im Zug fragt Charlie sich, warum ihr Opfer, der ehemalige Rennfahrer Johnny North (John Cassavetes), obwohl er gewarnt wurde, wie ein Lamm auf sie wartete und warum sie für diesen so unglaublich einfachen Auftrag so viel Geld bekommen. Außerdem war North in einen Überfall verwickelt und die Beute ist verschwunden. Charlie und sein jüngerer Partner erforschen auf der Suche nach der Beute, wie Detektive, das frühere Leben ihres Opfers.
Mit diesen ersten Minuten gibt Don Siegel die gewalttätig-amoralische Stimmung für den gesamten Films vor. Denn auch wenn die Morde in dem 1963 gedrehten „Der Tod eines Killers“ aus heutiger Sicht unblutig und theaterhaft-übertrieben inszeniert sind (was sie noch wirksamer macht), ist es vor allem diese Mischung aus Sturheit, Fatalismus, Gewalt und der Lust an der Gewalt, die heute immer noch unangenehm berührt.
Denn als erstes verprügeln die beiden Killer ungerührt die blinde, ältere Schulsekretärin. Geht es noch gemeiner? Und diese beiden Schläger sollen die Sympathieträger sein?
Auch später, wenn Charlie und Lee erfahren, dass ihr Opfer sich in Sheila Farr (Angie Dickinson) verliebte und diese mit dem Gangster Jack Browning (Ronald Reagen) liiert ist, nimmt das Level an körperlicher Gewalt kaum ab. Sheila Farr wird mehr als einmal geschlagen. Die beiden Killer gehen bei ihrer Suche nach der Methode „erst schlagen, dann fragen“ vor. Und auch ihr Auftraggeber ist körperlicher Gewalt nicht abgeneigt. Denn für sie heiligt der Zweck die Mittel.
Dass Lee Marvin harte Männer spielen kann, ist nicht überraschend. Für diese Rolle erhielt er einen BAFTA und war für einen Laurel Award nominiert. Auch Angie Dickinson, John Cassavetes, Claude Akins, Norman Fell und Clu Gulager (als leicht psychopathischer junger Killer) sind gewohnt überzeugend in ihren Rollen.
Die große Überraschung in dem Film ist Ronald Reagan. Er spielte erstmals in seiner langen, nicht allzu erfolgreichen Karriere einen Gangster. Viele behaupten, er habe hier seinen besten Auftritt als Schauspieler gehabt (Dem würde ich mich, obwohl ich nur sehr wenige seiner Filme gesehen habe, anschließen.). Seine Verkörperung des skrupellosen, aalglatten Gangsters, der seine Frau niemals an einen Nebenbuhler abgeben wird, ist wirklich furchteinflößend. Allerdings war Reagan von seiner Rolle nicht begeistert. Er hasste es, wie er später in Interviews sagte, den Bösewicht zu spielen.
Auch aus einem weiteren Grund war für Ronald Reagan „Der Tod eines Killers“ ein wichtiger Film. Er markierte das Ende seiner Filmkarriere. Danach wandte er sich vollends der Politik zu und der Rest ist Geschichte.
Für Don Siegel markierte „Der Tod eines Killers“, nach zahlreichen, heute oft vergessenen B-Pictures, den Beginn seines legendären Spätwerks. Sein übernächster Film war der TV-Western „Ein Fremder auf der Flucht“ (Stranger on the run). Danach kamen „Nur noch 72 Stunden“ (Madigan), „Coogans großer Bluff“ (Coogan’s Bluff), „Ein Fressen für die Geier (Two Mules for Sister Sara), „Betrogen“ (The Beguiled), „Dirty Harry“ undundund.
Für „Der Tod eines Killers“ ließ Don Siegel, der den Film auch produzierte und eine frühe Drehbuchversion schrieb, sich von Ernest Hemingways Kurzgeschichte „The Killers“ inspirieren. Wie in der ersten Verfilmung der Kurzgeschichte, „Rächer der Unterwelt“/“Die Killer“ (USA 1946) von Robert Siodmak mit Burt Lancaster und Ava Gardner, wurde nur die Grundidee, von einem Mann, der apathisch auf seine Mörder wartet, übernommen. Siegel und sein Drehbuchautor Gene L. Coon (viele TV-Arbeiten von „Bonanza“ über „Ihr Auftrag, Al Mundy“ bis „Raumschiff Enterprise“) machten daraus zwei schnörkellose Noir-Geschichten. Die eine erzählt von einem gutgläubigen, ehrlichem Mann, der sich in die falsche Frau verliebt und zum Verbrecher wird. Die andere erzählt von zwei Killern, die an die große Kohle wollen. Und natürlich enden sie, wie Noir-Geschichte enden müssen.
Lee Marvin und Angie Dickinson trafen 1967 in dem sehr ähnlichen „Point Blank“ wieder und nicht weniger gewalttätig aufeinander. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden, in vielerlei Hinsicht sehr ähnlichen Filmen ist, dass „Der Tod eines Killers“ ursprünglich als TV-Film geplant war, während „Point Blank“ von Anfang an als Kinofilm konzipiert war.
Siegels Film war der erste Film der Universal-Reihe „Project 120“, die aus Filmen bestehen sollte, die für das Fernsehen produziert würden, aber auch im Kino laufen könnten. So sollte der damals steigende Bedarf an neuen Spielfilmen für das Fernsehen gestillt werden. Aber die Ermordung von John F. Kennedy und die aus Sicht der TV-Verantwortlichen zu hohe Gewalttätigkeit des Films führten letztendlich zu einem Kinostart und einem sofortigen Ende der Reihe.
„Der Tod eines Killers“ ist ein auch heute noch überzeugender, formal und stilistisch in sich geschlossener Gangsterfilm.
Das Bonusmaterial, Originaltrailer und zwei kurze Biographien, ist nicht weiter erwähnenswert. Denn gerade wenn eine Reihe „Hollywood Klassiker“ heißt, sollten die DVD-Macher auf der DVD auch einige Hintergrundinformationen liefern, warum sie diese Filme für Klassiker halten. Die Bildqualität ist überraschend gut. Der Originalton ebenfalls, die Synchronisation, wie bereits auf einer Texttafel vor Filmbeginn angekündigt wird, weniger.
Der Tod eines Killers (The Killers, USA 1964)
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Gene L. Coon
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
mit Lee Marvin, Angie Dickinson, John Cassavetes, Ronald Reagan, Clu Gulager, Claude Akins, Norman Fell, Seymour Cassel (kleine Nebenrolle als Bote)
LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941
Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.
Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).
“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar
Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)
Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris
LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)
Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.
Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.
Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.
Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet
Welche Krimi-Verfilmungen laufen die nächsten vierzehn Tage im TV? Wie sehen die Buchcovers und Filmplakate zu den Filmen auf? Fragen, die in den von Alligator-Alfred wunderschön bibilderten, von mir geschriebenen TV-Krimi-Buch-Tipps, die hier in ganzer Länge studiert werden können, beantwortet werden. Unter anderem gibt’s:
Traditionell werden die Sommermonate zum Abspielen lange nicht mehr gezeigter SW-Filme genutzt und nicht nur „King Kong und die weiße Frau“ ist immer wieder einen Blick wert. Die anderen sehenswerten Filme (meistens Wiederholungen) sind Jonathan Demmes Richard-Condon-Verfilmung „Der Manchurian Kandidat“, Lars Beckers „Einsatz in Hamburg: Bei Liebe Mord“ (nur Regie, aber trotzdem gut), Gilles Grangiers André-Gillois-Verfilmung „Tatort Paris“ (mit Lino Ventura), Herni Verneuils Claude-Veillot-Verfilmung „100.000 Dollar in der Sonne“ (mit Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo), Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Alvin Rakoffs James-Hadley-Chase-Verfilmung „An einem Freitag um halb zwölf“, Gordon Parks Ernest-Tidyman-Verfilmung „Shaft“, Franklin J. Schaffners Henri-Charrière-Verfilmung „Papillon“, Dennis Hoppers Charles-Williams-Verfilmung „The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer“, einige Sherlock-Holmes-Filme mit dem Team Rathbone/Bruce und George Gently ermittelt weiter in den Sechzigern.
Die TV-Premiere der nächsten Tage ist Shane Blacks „Kiss Kiss Bang Bang“.
State of Play – Stand der Dinge (State of Play, USA/GB 2009)
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)
In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.
Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief, ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten sich an die Arbeit und jetzt können wir den hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller im Kino genießen.
Eigentlich perfekte Unterhaltung, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend kann Hollywood sich heute einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.
Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.
Die Kritiker (vulgo Journalisten) sind begeistert.
mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Batemenan, Jeff Daniels
Hannah und ihre Schwestern (USA 1986, R.: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Zum Abschluss der kleinen 3sat-Reihe gibt es einen mit Preisen und Nominierungen überschütteten Woody-Allen-Film: Oscars gab’s für das Drehbuch, Michael Caine und Diane Wiest, einen Golden Globe für die beste Komödie, BAFTAs für Regie und Drehbuch und den Preis der WGA für das beste Drehbuch. Oh, und an der Kinokasse war er auch erfolgreich.
Die Story ist die Woody-Allen-Version von „Short Cuts“, denn Allen erzählt über einen Zeitraum von zwei Jahren von Hannah, ihren Schwestern und ihren Männern. Mal komisch, mal tragisch und immer kurzweilig, denn der Erzähler des Films ist der von Allen gespielte Stadtneurotiker und Fernsehautor Mickey Rose, der mit Hannah verheiratet war und sich nach der Scheidung in Hannahs Schwester Holly verliebt.
mit Woody Allen, Barbara Hershey, Mia Farrow, Dianne Wiest, Michael Caine, Maureen O’Sullivan, Lloyd Nolan (letzte Rolle), Max von Sydow, Carrie Fisher, J. T. Walsh, John Turturro, Richard Jenkins
Leonard Zelig ist ein weltbekanntes Phänomen. Denn, wie ein Chamäleon passt er sich seiner Umgebung an. Dieser Film dokumentiert mit Fotos, Wochenschauausschnitten und Statements bekannter Personen sein Leben von den späten Zwanzigern bis zur Gegenwart.
„Eine gigantische Pseudodokumentation, eine perfekte Konfusion von Dokumentation und Fiktion mit der Absicht, es möge im Kino niemand mehr von einem nicht manipulierten, unverstellten Bild von einer wirklichen Sache sprechen. ‚Zelig‘ ist auch eine große Filmkomödie.“ (Fischer Film Almanach 1984)
Tja, danach gab’s „Forrest Gump“ und „Borat“.
mit Woody Allen, Mia Farrow, John Buckwalter, George Hamlin, Susan Sontag (als sie selbst), Irving Howe (dito), Saul Bellow (dito)
Es könnte sein, dass „Schatten und Nebel“ heute zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt wird. Jedenfalls ist er in diesem Jahrzehnt noch nicht gezeigt worden.
„Schatten und Nebel“ ist eine weitere Liebeserklärung von Woody Allen an den Kriminalfilm, vor allem den Noir, und den deutschen Expressionismus. Das beginnt schon bei der Story (In einer Stadt geht ein Würger um. Eine Bürgerwehr hält den Buchhalter Max Kleinman für den Serienmörder und verfolgt ihn in der Nacht durch die nebligen Straßen.) geht über zahlreiche Zitate im Film und die Verwendung der Musik von Kurt Weill bis hin zum Dreh in Schwarzweiß.
„Ein zutiefst philosophischer und überaus unterhaltsamer Film und ein Meisterwerk.“ (Fischer Film Almanach 1993)
„Um den Film zu genießen, muss man entweder gebildet oder unvoreingenommen sein.“ (Stephan Reimertz: Woody Allen – Eine Biographie, 2000)
mit Woody Allen, Mia Farrow, Kathy Bates, Madonna, John Malkovich, Donald Pleasence, Lily Tomlin, John Cusack, Kate Nelligan, Kurtwood Smith, Robert Joy, William H. Macy (Aufpassen, sind teilweise sehr kleine Nebenrollen)
Im Bann des Jade Skorpions (USA 2001, R.: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
New York, Vierziger Jahre: Woody Allen spielt einen Versicherungsdetektiv, der sich in seine Chefin verliebt. Sie möchte ihn am liebsten feuern. Eines Abends hypnotisiert ein Magier die beiden. Sie werden ein leidenschaftliches Liebespaar und Juwelendiebe. Am nächsten Tag muss Woody den Diebstahl aufklären.
„Im Bann des Jade Skorpions ist ein weiterer Ausflug von Woody Allen in das Krimigenre. Für diese Komödie standen vor allem die Schwarze Serie und die Screwball-Comedy Pate.
Der Film ist der Auftakt einer kleinen Woody-Allen-Reihe. Die nächsten Filme sind „Anything Else“ (23.00 Uhr), „Schatten und Nebel“ (Mittwoch, 22.25 Uhr), „Zelig“ (Donnerstag, 22.25 Uhr) und „Hannah und ihre Schwestern“ (Freitag, 22.25 Uhr).
Mit Woody Allen, Helen Hunt, Dan Aykroyd, Wallace Shawn, David Ogden Stiers, Charlize Theron, Elizabeth Berkley
–
3sat, 23.00
Anything Else (USA/F/NL/GB 2003, R.: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Über die Handlung muss eigentlich nichts gesagt werden. Woody Allen spielt einen erfolglosen Comedy-Autor, der einen jüngeren Comedy-Autor gute Ratschläge gibt. Denn dieser – jüdisch und voller Selbstzweifel (klingt nach Woody vor dreißig Jahren) – hat einen erfolglosen, aber wortgewaltigen Manager, einen Psychiater und eine launische Freundin, die gerade nicht mit ihm schlafen will, dafür ihre Mutter in der viel zu kleinen Wohnung einquartiert.
Also nichts Neues in Allen-Land. Und das ist gut so.
Außer dass die Witze in seinem ersten Film nach 9/11 eine Spur bissiger und auch verzweifelter sind.
Mit Woody Allen, Jason Biggs, Christina Ricci, Danny DeVito, Stockard Channing
Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.
Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und dreht mit einer Action-All-Star-Besetzung im Dschungel „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).
James Mangold erfreute uns zuletzt mit der Elmore-Leonard-Verfilmung „Todeszug nach Yuma“ (3:10 to Yuma).
Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich
Der Körper meines Feindes (F 1976, R.: Henri Verneuil)
Drehbuch: Michel Audiard, Félicien Marceau, Henri Verneuil
LV: Félicien Marceau: Le Corps de mon ennemi, 1975
Leclerq saß sieben Jahre unschuldig im Knast. Jetzt kehrt er in sein stinkkorruptes Heimatstädtchen zurück und will sich rächen.
Ein Belmondo ohne Action und einer rückblendenlastigen Erzählstruktur. Das war damals eine Ausnahme im Belmondoschen Ouevre. Daher ist „Der Körper meines Feindes“ vor allem etwas für die Freunde des gut abgehangenen französischen Polit-Thrillers.
Mit Jean-Paul Belmondo, Bernard Blier, Marie-France Pisier
Die Tochter des US-Präsidenten wird entführt. Spezialagent Robert Scott soll sie finden – und der Befehlsempfänger deckt ein Komplott auf.
Wenn David Mamet einen Polit-Thriller schreibt und inszeniert, dann sind einerseits die üblichen Genrestandards enthalten und andererseits, dank guter Schauspieler und Dialoge, auch viel mehr.
Außerdem waren bei den Vorbereitungen und dem Dreh zahlreiche Polizei- und Militärspezialisten dabei. Der bekannteste (und wichtigste) dürfte Eric L. Haney sein, dessen „Inside Delta Force“ auch die Grundidee für die von DAvid Mamet und Shawn Ryan (The Shield) erfundene grandiose Serie „The Unit“ lieferte.
mit Val Kilmer, Derek Luke, William H. Macy, Ed O’Neill, Kristen Bell, Tia Texada, Mark Pellegrino
Der Falke und der Schneemann (USA 1984, R.: John Schlesinger)
Drehbuch: Steven Zaillian
LV: Robert Lindsey: The Falcon and the snowman, 1979
Musik: Pat Metheny (und dem David Bowie-Hit „This is not america“)
Auf Tatsachen basierendes Drama über zwei Jugendliche, die mäßig brisante Geheimdokumente an die UdSSR verkauften und 1977 zu lebenslanger beziehungsweise 40-jähriger Haft verurteilt wurden. Inzwischen sind sie auf Bewährung entlassen.
Nach 9/11 und der Hatz auf islamistische Terroristen und ihr Umfeld ist „Der Falke und der Schneemann“ als düsteres Drama über jugendlichen Idealismus wieder sehr aktuell.
Mit Sean Penn, Timothy Hutton, Pat Hingle, Joyce Van Patten
Gut, die Story erinnert an „Eine verhängnisvolle Affäre“ (nur ohne Sex), aber sie ist auch so einfach, wie effektiv: eine Frau verliebt sich in einen verheirateten Mann und beginnt ihn zu verfolgen. Nur ist dieses Mal der Mann ein Afroamerikaner.
Aber auch das kennen wir von David Lougherys letztem, unterschätzen Film „Lakeview Terrace“. Da spielte Samuel L. Jackson den Rassisten und Blockwart.
Ansonsten: Steve Shill ist ein verdienter TV-Regisseur, der hier sein Spielfilm-Debüt abliefert. Die meisten Schauspieler sind vertraute TV-Gesichter und „Obsessed“ hat wohl nur wegen Sängerin Beyoncé Knowles (verglichen mit „While she was out“, „Red“ und „JCVD“) bei uns einen Kinostart erhalten. Denn die Bewertungen bei Rotten Tomatoes (Kritiker 18 %, Zuschauer 39 Prozent Frische) und in der IMDB (3,7 von 10 Punkten) zeigen eindeutig in Richtung Flop und die deutschen Kritiker sind ebenfalls nicht begeistert.
„Perfect example of why Hollywood should not be profitable!“ (Benutzer IMDB)
„Beyonce’s latest movie contains more laughs than the entire output of Jim Carrey, Will Ferrell and Eddie Murphy. Just one problem – Obsessed is meant to be a thriller.“ (David Edwards, Daily Mirror)
mit Idris Elba, Beyoncé Knowles, Ali Larter, Jerry O’Connell, Bonnie Perlman, Christine Lahti