TV-Tipp für den 18. Juni

Juni 18, 2008

Das Vierte, 22.00

Mein Bruder Kain (USA 1992, R.: Brian De Palma)

Drehbuch: Brian De Palma

Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.

Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‚make it easy‘ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‚red phase‘.” (Senses of Cinema)

Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry

Hinweise

Senses of Cinema über „Mein Bruder Kain“ (Raising Cain)

Slant Magazine über „Mein Bruder Kain“

Senses of Cinema über Brian De Palma (2003)


TV-Tipp für den 17. Juni

Juni 17, 2008

Arte, 22.20

Wattstax (USA 1973, R.: Mel Stuart)

TV-Premiere der Musikdoku über das Watts-Gedenkkonzert vom 20. August 1972 im Los Angeles Memorial Coliseum mit den Stars von Stax Records: Isaac Hayes, The Bar-Kays, Rufus Thomas, The Staple Singers, The Dramatics, Kim Weston, Jimmy Jones, Rance Allen Group, The Emotions, Albert King, Little Milton, Johnnie Taylor, Mel and Tim, Carla Thomas und Luther Ingram. Jesse Jackson hält seine “I am”-Rede. Richard Pryor erledigt die Comedy-Einlagen. Herz, was begehrst du mehr?

Wiederholung: Freitag, 20. Juni, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Arte zum Film

Wikipedia über „Wattstax“ (englisch)


TV-Tipp für den 16. Juni

Juni 16, 2008

ZDF, 19.25

Die Ebay-Falle: Ein Auktionshaus, die Gauner und die Opfer (D 2008, R.: Michael Scheuch)

Drehbuch: Michael Scheuch

Eine Wiso-Dokumentation über – für gutgläubige Käufer – die Gefahren beim Ebay-Kauf und wie man sich gegen Ebay-Gauner wehren kann.

Wiederholung: Dienstag, 17. Juni, 03.25 Uhr (Taggenau! – und normalerweise in der ZDF Mediathek)

Hinweise

ZDF/Wiso zur Doku


TV-Tipp für den 15. Juni

Juni 15, 2008

Arte, 20.40

African Queen (USA 1951, R.: John Huston)

Drehbuch: James Agee, John Huston, Peter Viertel (ungenannt), John Collier (ungenannt)

LV: C. S. Forester: The African Queen, 1946 (Die „African Queen“)

Die zeitlos-witzige Abenteuerromanze (für die Jüngeren: Romantic-Comedy) enthält die klassischen Zutaten: zwei gegensätzliche Charaktere (Bogart als versoffener Kapitän und Hepburn als sittenstrenge Missionarin), exotische Kulisse (Ostafrika 1914), etwas Weltpolitik (sie will, nachdem die Deutschen ihre Familie ermordeten, ein Boot der Deutschen in die Luft jagen, er will in einem Fluss-Seitenarm in aller Ruhe seinen Schnapsvorrat austrinken) und ein vorhersehbares Ende (Ja, sie kriegen sich). Davor gibt es gefährliche Abenteuer und heftige Wortgefechte.

Bogart erhielt für diese untypische Rolle den schon lange überfälligen Oscar als bester Hauptdarsteller. Das Publikum liebte das streitbare Leinwandpaar. Die katastrophalen Dreharbeiten wurden später von Peter Viertel literarisch verarbeitet und von Clint Eastwood unter „Weißer Jäger, schwarzes Herz“ (White hunter, black heart; USA 1990) verfilmt.

Mit Humphrey Bogart, Katharine Hepburn, Robert Morley, Peter Bull

Wiederholungen:

Freitag, 20. Juni, 14.55 Uhr

Mittwoch, 2. Juli, 14.55 Uhr

Hinweise

AFI Classic Movies „The African Queen“ (Linksammlung)

Reel Classics: “The African Queen”


TV-Tipp für den 14. Juni

Juni 14, 2008

Kabel 1, 20.15

Der grüne Bogenschütze (D 1961, R.: Jürgen Roland)

Drehbuch: Wolfgang Menge, Wolfgang Schnitzler

LV: Edgar Wallace: The green archer, 1923 (Der grüne Bogenschütze)

Millionär und Ex-Gangster Abel Bellamy will sich auf dem Schloß Garre Castle zur Ruhe setzen. Aber ein geheimnisvoller grüner Bogenschütze beginnt auf seinem Anwesen Menschen umzubringen.

Der zweite und letzte Wallace-Film von Jürgen Roland ist „Wallace ohne Gänsehaut“ (Joachim Kramp: Hallo – Hier spricht Edgar Wallace!), aber mit Gert Fröbe.

Mit Gert Fröbe, Karin Dor, Klausjürgen Wussow, Eddi Arent, Harry Wüstenhagen, Wolfgang Völz

Hinweise

Edgar Wallace – The Official Site

Wikipedia über Edgar Wallace (Englisch)

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Deutsche Edgar-Wallace-Fanseite


TV-Tipp für den 13. Juni

Juni 13, 2008

ARD, 02.00

An einem Freitag um halb zwölf (D 1960, R.: Alvin Rakoff)

Drehbuch: Frank Harvey

LV: James Hadley Chase: The world in my pocket, 1959 (An einem Freitag um halb zwölf)

Der Geldtransporter mit den Lohngeldern ist nicht zu knacken. Also plant Frank Morgan gleich den Diebstahl des Transporters.

Selten gezeigtes Caper-Movie. „While this effective film may ostensibly be a thriller about the robbery of an armored vehicle, considerable black comedy ensnares the action in many places.” (All Movie Guide)

Mit Nadja Tiller, Rod Steiger, Peter van Eyck, Jean Servais, Ian Bannen, Marisa Merlini

Hinweise

Krimi-Couch über James Hadley Chase

Mordlust über James Hadley Chase

Crimetime über James Hadley Chase

Kirjasto über James Hadley Chase

John Fraser über James Hadley Chase und „No Orchids for Miss Blandish“ (sein bekanntestes Buch)


Neu im Kino: You kill me

Juni 12, 2008

You kill me (You kill me, USA 2007, R.: John Dahl)

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely

Nach „Brügge sehen…und sterben“ ist „You kill me“ innerhalb weniger Wochen die zweite schwarze Komödie über einen Killer in der Fremde. Dieses Mal wird Sir Ben Kingsley, der den Alki-Killer Frank Falenczyk spielt, von seinem Boss von Buffallo, New York, in das sonnige San Francisco geschickt. Dort soll er bei den Anonymen Alkoholikern den dringend nötigen Entzug machen. Überflüssig zu sagen, dass das zu einigen tödlichen Verwicklungen und einer Liebesgeschichte führt.

(Anmerkung: Vielleicht ist es nur Zufall, aber Krimiautor Lawrence Block wurde in Buffalo, New York geboren, er schreibt eine Serie über einen Alkoholiker und eine über einen Killer. Vielleicht auch nicht.)

Mit Sir Ben Kingsley, Téa Leoni, Luke Wilson, Philip Baker Hall, Dennis Farina, Bill Pullman, Al Corley

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „You kill me“

Eye for Film: Interview mit John Dahl

Underground Online: Interview mit John Dahl

Salon.com: Interview mit John Dahl (inclusive Podcast)

Moving Pictures: Interview mit John Dahl (Video)


TV-Tipp für den 12. Juni

Juni 12, 2008

3sat, 21.00

scobel

Quellcode des Lebens: Gert Scobel im Gespräch mit William Gibson – na, dieser Titel verrät doch schon alles: eine Stunde mit dem Vater des Cyberpunks. Das ist doch eine echte Alternative zu dem Fußballspiel.

Wiederholung: Freitag, 13. Juni, 06.30 Uhr

Hinweise

3sat über William Gibson

Homepage von William Gibson

Deutsche Homepage von William Gibson

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)


TV-Tipp für den 11. Juni

Juni 11, 2008

RBB, 22.35

The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)

Drehbuch: Hampton Fancher

LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)

Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.

Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher.

„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)

Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)

Hinweis

New England Film: Artikel über die Zusammenarbeit zwischen McCreary und Fancher


TV-Tipp für den 10. Juni

Juni 10, 2008

NDR, 23.15

Der dritte Mann (GB 1949, R.: Carol Reed)

Drehbuch: Graham Greene

LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)

Wien, kurz nach dem Krieg: Holly kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.

Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.

Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger

Hinweise

Drehbuch „The third man“ von Graham Greene

Kirjasto über Graham Greene

Greeneland – The World of Graham Greene (Fanseite)

Stadtbibliothek Wien über „Der dritte Mann“


TV-Tipp für den 9. Juni

Juni 8, 2008

Kabel 1, 23.15

Watch the Skies! – Sie kommen, um uns zu vernichten (USA 2005, R.: Richard Schickel)

Drehbuch: Richard Schickel

Sehenswerte einstündige Doku über die amerikanischen Science-Fiction-Filme der Fünfziger und wie sie einige Hollywood-Regisseure beeinflussten. Nur das Ende, wenn ziemlich unverhohlen für Spielbergs „Krieg der Welten“ (War of the worlds) geworben wird, nervt (Wenn Tom Cruise auftaucht, können Sie abschalten.). Davor erfahren wir, welche Jugenderinnerungen Steven Spielberg und George Lucas zumindest teilweise in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ verbraten.

Mit Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott, James Cameron


TV-Tipp für den 8. Juni

Juni 8, 2008

Arte, 18.15

Uwe Timm – Die Freiheit zu schreiben (D 2007, R.: Arpad Bondy, Margit Knapp)

Drehbuch: Arpad Bondy, Margit Knapp

45-minütige Doku über den 1940 geborenen Schriftsteller. Zu seinen Werken gehören „Heißer Sommer“, „Die Entdeckung der Currywurst“, „Morenga“, „Der Freund und der Fremde“ (über Benno Ohnesorg) und das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“.

Wiederholung: Samstag, 14. Juni, 06.45 Uhr

Hinweise

Arte zur Doku

Homepage von Uwe Timm (bzw. DTV-Homepage über Uwe Timm)


TV-Tipp für den 7. Juni

Juni 7, 2008

MDR, 00.20

The Grifters (USA 1990, Regie: Stephen Frears)

Drehbuch: Donald Westlake

LV: Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen, Die Abzocker)

Roy Dillon schlägt sich als kleiner Trickbetrüger mehr schlecht als Recht durch. Als er an eine größere Menge Geld kommt, haben seine Freundin Mary und seine Mutter Lilly plötzlich Interesse an ihm; besonders an dem Geld.

Der potentielle Klassiker basiert auf einem der besten und düstersten Bücher von Thompson. Westlake schrieb ein grandioses Drehbuch, und das gesamte Team (es wäre wirklich unfair, eine einzelne Person herauszuheben) gab ihr bestes. „The Grifters ist ein starkes Stück Kino, ein Krimi, der seinen Alptraum formvollendet präsentiert.“ (Fischer Film Almanach)

Mit Anjelica Huston, John Cusack, Annette Bening, Pat Hingle, Charles Napier, J. T. Walsh, Xander Berkeley

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Thrilling Detective über Donald E. Westlake

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „What’s so funny?“

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „Watch your back!“

Meine Besprechung des Dortmunder-Kurzromans „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung des Parker-Romans „Ask the Parrot“ (als Richard Stark)

Meine Vorstellung der Parker-Serie (als Richard Stark)


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juni 6, 2008

Alligator-Alfreds (der nach seinem Italienurlaub nur noch Don Alfredo genannt werden will) hat keine Sekunde gezögert, meine TV-Krimi-Buch-Tipps mit Bildern zu verschönern.  Deshalb gibt’s hier nur die ersten Zeilen:

Hallo liebe Krimifreunde
zu den ersten TV-Krimi-Buch-Tipps des Sommers. Denn, egal was das Thermometer sagt: erst wenn die Edgar-Wallace-Verfilmungen gezeigt werden ist Sommer. Neben Edgar Wallace verschönern diese, teils selten gezeigten, Filme die heißen EM-Tage: Stephen Frears grandiose Jim-Thompson-Verfilmung „The Grifters“ (nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake), Raoul Walshs Eric-Ambler-Verfilmung „Spion im Orientexpress (Drehbuch: W. R. Burnett), Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Sam Raimis Scott-B.-Smith-Verfilmung „Ein einfacher Plan“, Carol Reeds Graham-Greene-Verfilmung „Der dritte Mann“, Alfred Hitchcocks Patrick-Hamilton-Verfilmung „Cocktail für eine Leiche“ (falls Sie den Film in den vergangenen Tagen verpasst haben), Alvin Rakoffs ewig nicht mehr gezeigte James-Hadley-Chase-Verfilmung „An einem Freitag um halb zwölf“ (ein Caper-Movie, das ich noch nicht kenne), Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Orson Welles Whit-Masterson-Verfilmung „Im Zeichen des Bösen“ und J. Lee Thompsons John-D.-MacDonald-Verfilmung „Ein Köder für die Bestie“.
Zum Entspannen gibt es Gene Quintanos Donald-E.-Westlake-Verfilmung „Why me?“ und Elvis und JFK kämpfen gegen „Bubba Ho-Tep“ (nach einer Geschichte von Joe R. Lansdale).


TV-Tipp für den 6. Juni

Juni 6, 2008

Tele 5, 20.15

Johnny Handsome – Der schöne Johnny (USA 1989, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Ken Friedman

LV: John Godey: The three worlds of Johnny Handsome, 1972 (Die drei Gesichter des Johnny Handsome)

Nachdem Johnny Handsome aus dem Knast entlassen wird, beginnt er sich an seinen früheren Komplizen zu rächen.

Ein geradliniger, unsentimentaler, düsterer (und unterschätzter) Gangsterfilm mit der Musik von Ry Cooder.

Mit Mickey Rourke, Ellen Barkin, Elizabeth McGovern, Morgan Freeman, Lance Henrikson, Forest Whitaker

Wiederholung: Sonntag, 8. Juni, 22.05 Uhr (dann wahrscheinlich ungekürzt, weil der Film “frei ab 16 Jahren” ist)

Hinweis

Mystery File über John Godey


Neu im Kino: Cassandras Traum

Juni 5, 2008

Cassandras Traum (USA/Fr 2007, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.

Der neue Woody-Allen-Film. Wieder in Europa gedreht. Wieder ein Krimi. Doch im Gegensatz zu „Match Point“ und „Scoop“ wäre „Cassandras Traum“ in Deutschland, trotzt der bekannten Besetzung, fast nur als DVD-Premiere gestartet. Dabei gehört doch die jährliche Kinodosis Woody Allen zum Überleben.

Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkonson, Sally Hawkins, Hayley Atwell

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cassandras Traum“

Ain’t it Cool redet mit Woody Allen über „Cassandras Traum“

Macleans: Interview mit Woody Allen (Januar 2008 )

OutNow.ch: Hayley Atwell über „Cassandras Traum“


TV-Tipp für den 5. Juni

Juni 5, 2008

Arte, 22.25

Berlin – Arm, aber sexy (D 2008, R.: Heinz Peter Schwerfel)

Drehbuch: Heinz Peter Schwerfel

Fortbildung für uns Berliner: Wer sind eigentlich diese Künstler, die in den Ateliers schuften? Wer bezahlt sie? Und warum kommen die ausgerechnet nach Berlin? Es kann doch nicht nur die Miete sein.

Wiederholungen

Sonntat, 8. Juni, 03.50 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 18. Juni, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Arte zum Film


Film Noir Collection 3: Schwarzer Engel

Juni 4, 2008

„Schwarzer Engel“ war 1946 eines der zahlreichen B-Pictures in denen verdiente Nebendarsteller und aufstrebende Schauspieler wichtige Rollen übernahmen. Doch „Schwarzer Engel“ ist außerhalb der Fankreise ein fast unbekannten Noir.

Zu Unrecht.

Denn „Schwarzer Engel“ ist sehr gut gealtert und das Ende ist – vor allem in der Präsentation von Roy William Neill – auch nach über sechzig Jahren immer noch schockierend.

Die Geschichte beginnt mit dem Mord an der erfolgreichen Sängerin Marvis Marlowe (Was für ein Namen! Constance Dowling). Auf ihrem Plattenspieler dreht sich das von ihrem Ex Martin Blair (Dan Duryea) geschriebene Lied „Heartbreak“. Die Ermittlungen der Polizei führen schnell zu Kirk Bennett (John Phillips). Er wurde am Tatort gesehen, die Beweise sprechen gegen ihn und er wird, obwohl er die Tat leugnet, zum Tode verurteilt. Seine Frau Catherine Bennett (June Vincent) beginnt auf eigene Faust den Mörder zu suchen. Ihre einzige Spur ist eine Rubin-Brosche, die ihr Mann auf der Leiche gesehen hatte und die verschwunden ist. Ihre Ermittlungen führen sie zu Martin Blair, der seine Tage hauptsächlich betrunkenen im Selbstmitleid verbringt. Als sie ihm ein Bild ihres verurteilten Mannes zeigt, sagt Blair, er habe an diesem Abend einen anderen Mann gesehen. Gemeinsam beginnen sie den Mörder von Marvis Marlowe zu suchen. Sie glauben, dass es der zwielichtige Nachtclubbesitzer Marko (Peter Lorre) ist. Als Gesangsduo schleichen sie sich in seinen Club Rio’s ein.

Cornell Woolrich (1903 – 1968 ) war mit seinen düsteren Visionen über von echter und falscher Schuld getriebene Menschen der Noir-Autor par excellence. Entsprechend oft wurden seine Werke verfilmt. Die IMDB listet über einhundert Verfilmungen auf. Die bekanntesten sind „Rear Window“ (Das Fenster zum Hof), „La mariée était en noir“ (Die Braut trug schwarz), „La sirène du mississippi“ (Das Geheimnis der falschen Braut), „Martha“ (weil Fassbinder eine Woolrich-Geschichte verfilmte, ohne die Rechte zu haben, durfte der Film lange Zeit nicht gezeigt werden) und natürlich die in den Vierzigern gedrehten Noirs, wie „The night has a thousand eyes“ (Die Nacht hat tausend Augen; Du stirbst um Elf), „Phantom Lady“ (Zeuge gesucht; Das Geheimnis der Lady X), „Deadline at dawn“ und “The Mark of the Whistler” (Das Zeichen des Whistler). Etliche Verfilmungen gingen ziemlich frei mit Woolrichs Geschichten um. Auch „Schwarzer Engel“ macht da keine Ausnahme.

Drehbuchautor Roy Chanslor (1899 – 1964) hat im Filmgeschäft vor allem als Romanautor seine Spuren hinterlassen. Denn er schrieb die Vorlagen für „Johnny Guitar“ und „Cat Ballou“. Außerdem schrieb er, neben zahlreichen Drehbüchern zu inzwischen vergessenen Filmen, auch das Buch zu dem von Roy William Neill inszenierten Sherlock-Holmes-Film „The House of Fear“ (Das Haus des Schreckens). Für „Schwarzer Engel“ – sagen wir mal – straffte Chanslor Woolrichs Roman von einem Rachefeldzug in der Unterwelt auf einen verdächtigen Nachtclubbesitzer. Doch den Woolrichsen Kosmos von Verzweiflung und Getriebensein übertrug er in sein Drehbuch.

In den kundigen Händen von Regieveteran Roy William Neil (1887 – 1946) wurde aus der Geschichte ein effektvoller Noir mit zahlreichen erinnerungswürdigen Szenen und guten Leistungen des Ensembles. Neill begann als Stummfilmregisseur und ist heute vor allem für seine regelmäßig nachmittags oder nachts laufenden Sherlock-Holmes-Filme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce bekannt. Das B-Picture „Schwarzer Engel“ war sein letzter Film und es ist ein würdiger Abschluss eines kurzen Lebens. Das geringe Budget gestatte es, Themen anzusprechen, die in einem Film mit bekannten Schauspielern und Stars nicht mehr möglich gewesen wären. Denn Catherine Bennetts Suche nach dem Mörder ist gleichzeitig eine Emanzipationsgeschichte (aus der braven Hausfrau wird eine Nachtclubsängerin) und eine Liebesgeschichte. Dass sie am Ende die Unschuld ihres Mannes beweisen kann, lässt ihre Mission auf den ersten Blick erfolgreich enden. Doch es ist ein Phyrrussieg. Denn jetzt ist wieder in den Armen ihres ehebrechenden Trottels.

Catherine-Bennett-Darstellerin June Vincent sollte als Blondine eine zweite Veronika Lake werden, doch der große Durchbruch gelang ihr nicht. Dan Duryea hatte damals als charismatischer Nebendarsteller, vor allem auf der Seite der Bösen, bereits einen Namen. In „Schwarzer Engel“ spielt er glaubwürdig einen Alkoholiker, der sich an jeden Strohhalm klammert und durch seine Beziehung zu Catherine Bennett wieder neuen Lebensmut fasst. Dass diese Beziehung auf der Prämisse aufbaut, dass ihr Mann bald sterben wird und er daher eigentlich kein Interesse an einer erfolgreichen Mörderjagd haben kann, wirft schon früh ein schlechtes Licht auf den charmanten Musiker (jedenfalls wenn er nüchtern ist).

Diesem seltsamen Paar gegenüber stehen etliche charismatische Männer. Peter Lorre ist wieder einmal der mit halbgeschlossenen Lidern und hängender Zigarette durch den Film schleichende, allwissende Bösewicht, der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat. Ex-Boxer Freddie Steele spielt Lucky, den Manager vom Rio’s, als einen kultivierten Schläger, dem ein kaltblütiger Auftragsmord ohne weiteres zuzutrauen ist. Broderick Crawford (für „All the King’s men“ [Der Mann, der herrschen wollte] erhielt er einen Oscar) spielt seine Rolle als ermittelnder Captain Flood so entspannt, dass an seiner Ehrlichkeit als Polizist Zweifel angebracht sind.

Koch Media hat mit den ersten drei Filmen ihrer Film-Noir-Collection die Noir-Perlen „Die Blaue Dahlie“, „Spiel mit dem Tode“ und „Schwarzer Engel“ den Krimifans und Filmfreunden wieder zugänglich gemacht. Hoffentlich wird die Reihe in den kommenden Monaten ähnlich liebevoll fortgesetzt.

Schwarzer Engel (Black Angel, USA 1946)

Regie: Roy William Neill

Drehbuch: Roy Chanslor

LV: Cornell Woolrich: The black angel, 1943 (Der schwarze Engel; Adresse Friedhof)

Mit Dan Duryea, June Vincent, Peter Lorre, Broderick Crawford, Constance Dowling

Auch bekannt als “Vergessene Stunde” und „Das Geheimnis des Hotelzimmers“

Koch Media – Film Noir 3 (77 Minuten, Deutsch/Englisch, Untertitel. Englisch)

DVD-Bonus: Bildergalerie, Original Kinotrailer, 12-seitiges Booklet

Hinweise

Noir of the Week über „Black Angel“

Mordlust über Cornell Woolrich

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

DetNovel über Cornell Woolrich

Time (Richard Corliss): That old feeling: Woolrich’s World (Dezember 2003)

Time (Richard Corliss): That old feeling: Fear Noir (über Woolrich-Verfilmungen, Dezember 2003)


TV-Tipp für den 4. Juni

Juni 4, 2008

ARD, 20.15

Hurenkinder (D 2006, R.: Andreas Kleinert)

Drehbuch: Hannah Hollinger

LV: Christine Grän: Hurenkind, 2001

Journalistin Marie geht für ihre Karriere in jedes Bett. Kurz vor einem entscheidenden Karrieresprung verliebt sie sich in einen verheirateten Mann und plötzlich muss sie ihre Lebensprinzipien hinterfragen.

Verfilmung eines Mainstream-Romans der Anna-Marx-Erfinderin Grän.

Wenn die Angaben stimmen, feiert „Hurenkinder“ erst heute, zwei Jahre nach seiner Produktion die, hm, Weltpremiere. Immerhin ist Kleinert ein für gehaltvolle Filme bekannter Regiesseur und die Besetzung ist auch nicht schlecht.

Mit Nina Kunzendorf, Péter Franke, Michael Brandner, Ulrike Krumbiegel, Karin Baal, Hans Peter Hallwachs

Wiederholung: Donnerstag, 5. Juni, 10.30 Uhr

Hinweise

NDR: Hurenkinder – Pressemappe

Homepage von Christine Grän


TV-Tipp für den 3. Juni

Juni 3, 2008

WDR, 22.10

Getaway (USA 1972, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Walter Hill

LV: Jim Thompson: Getaway, 1958 (Getaway)

Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.

Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.

Wenn man den Film nicht kennt, ist der Trailer abschreckend. Aber so wurde damals für Filme geworben.

Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins

Wiederholung: SWR, Mittwoch, 4. Juni, 23.00 Uhr

Hinweise

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Wikipedia über Jim Thompson (Englisch)

Kirjasto über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Senses of Cinema über „The Getaway“

Drehbuch „Getaway“ von Walter Hill (Final Revised Shooting Draft – 23. Februar 1972)